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8.1.4 Die Daten der Jahresabschlusspolitik der Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute in:

Hartmut Bieg

Bankbilanzierung nach HGB und IFRS, page 971 - 974

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3566-5, ISBN online: 978-3-8006-4456-8, https://doi.org/10.15358/9783800644568_971

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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e 3(, 8'-#,0'H01-*+004"*(%(= .,# F20%(%+%,942 n9[9J 8%( 8!:(" 1() X!.)(>!$>-.&*>>U7&%:%# 1() M)(1%:L *"1 3%"!"'1%(">:&(%>:*"+>%">:%:*:( n9[9J9[ N$()$&%-# Die Jahresabschlusspolitik der Institute muss die bestehenden, sich gegensei4 tig beeinflussenden internen und externen Rahmendaten beachten (vgl. dazu ausführlich Q'01-H+01- 1992a, S. 1654237). 2":()"( 8!:(" sind von dem Institut, genauer: von seinen Entscheidungsträgern, selbst gesetzte Rahmen4 bedingungen. Dazu zählen u. a. die unterschiedlichen Vorstellungen der ver4 antwortlichen Entscheidungsträger über die Unternehmungsziele; diese Vor4 stellungen können auch konfliktär sein. Intern vorgegeben sind ebenso die Entscheidungen, die in anderen Unternehmungsbereichen hinsichtlich der dort jeweils verfolgten Politik getroffen werden; sie dominieren aufgrund ihrer vorgelagerten Bedeutung die Entscheidungen in der Jahresabschlusspolitik. Als Beispiel sei etwa die Entscheidung über den Kauf eines Geschäftshauses genannt, da die aktuell zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten für das Insti4 tut nicht mehr ausreichen. Einen internen Rahmen setzen auch früher getrof4 fene Rechnungslegungsentscheidungen, die zeitliche Folgewirkungen entfal4 ten. So sind der Stetigkeitsgrundsatz nach § 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB bzw. die internationalen Rechnungslegungsgrundsätze der Vergleichbarkeit (1"54'#'6 H(*(%O) (vgl. S#'5,$"#= der IFRS, F.39) und der Darstellungsstetigkeit (vgl. IAS 1.45) zu beachten. Einflüsse auf die Entscheidungen in der Jahresab4 schlusspolitik gehen außerdem aus von der Organisation des Rechnungswe4 sens, das manche jahresabschlusspolitischen Möglichkeiten aufgrund fehlen4 der Kapazitäten, unzureichender EDV4technischer Ausstattung oder aufgrund von Wirtschaftlichkeitsüberlegungen nicht zum Einsatz kommen lässt. Zu den (\:()"(" 8!:(" – diese sind von der Umwelt vorgegeben – gehören vor allem die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die rechtlichen Rahmenvorschriften, wie die handels4 und steuerrechtlichen Rechnungsle4 gungsvorschriften sowie die Strukturnormen der Bankenaufsicht. Externen Einfluss üben aber auch Kontrollorgane wie Wirtschaftsprüfer, Prüfungsver4 bände oder die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), bankenauf4 sichtsrechtliche Organe wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsauf4 sicht und die Deutsche Bundesbank sowie die Einlagensicherungs4 bzw. An4 legerentschädigungseinrichtungen aus. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass sich die rechtsformunabhängige Prüfung des Jahresab4 schlusses und des Lageberichts sowie des Konzernabschlusses und des Kon4 zernlageberichts als Gesetz4 und Ordnungsmäßigkeitsprüfung auf die Zuläs4 sigkeit, nicht dagegen auf die Zweckmäßigkeit der jahresabschlusspolitisch bedingten Maßnahmen richtet. e;T 3(, D#+2.*'/,2 .,# 8'-#,0'H01-*+004"*(%(= 943 Nicht zu vernachlässigen ist schließlich der Einfluss, den die nach Veröffent4 lichung vorgenommene externe Jahresabschlussanalyse auf die Aufstellung des Jahresabschlusses und damit auf die Jahresabschlusspolitik ausübt. Diese Wechselwirkung ergibt sich, weil die Leitungsorgane von Instituten versu4 chen, die externen Jahresabschlussadressaten durch den veröffentlichten Jah4 resabschluss zu einem Handeln oder einem Unterlassen zu bewegen, das hilft, die eigenen Unternehmungsziele abzusichern. Daraus folgt zwingend, dass die Gestaltung des Jahresabschlusses möglichst den Normen entsprechen muss, die die am wichtigsten eingeschätzten Adressaten (4gruppen) bei der Jahresab4 schlussanalyse und 4kritik anwenden. Nur so werden sich die durch den Jah4 resabschluss informierten Personen (4gruppen) unternehmungszielkonform verhalten (vgl. 9'+01-(*.% 1977, S. 662; Q'01-H+01- 1992a, S. 1544156). n9[9J9B 8%( !*=>%-.:>)(-.:&%-.(" G7)>-.)%=:(" !&> (\:()"( 4!.;("$(1%"+*"+(" %; W%(&>^>:(; 1() 2">:%:*:( Von besonderer jahresabschlusspolitischer Bedeutung sind die rechtlichen Rahmenbedingungen. Sie konkretisieren u. a. die strenge Nebenbedingung der Legalität, die aufgrund ihrer übergeordneten Stellung weder der finanzpoli4 tisch noch der publizitätspolitisch motivierten Jahresabschlusspolitik der Insti4 tute zugeordnet werden kann (vgl. )(%-.("1( W!.&*"+>$()(%:>-.!=: gewährleistet ist. Das existenzielle Ziel der Einhaltung jederzeitiger Liquidität ist also insoweit kodifiziert, als nach der aus § 11 KWG abgeleiteten Liquiditätsverordnung bestimmte gewichtete Anlagen (Aktiva) bestimmte gewichtete Finanzierungsmittel (Passiva) nicht übersteigen dürfen (vgl. G(,/U7#>5,#UQ'01-H+01- 2009, S. 6314649). Inwie4 weit diese gesetzlich vorgeschriebene Liquidität der wirtschaftlich zwingen4 den Liquidität entspricht oder diese gar übersteigt, ist vom Einzelfall abhän4 gig. Festzuhalten bleibt, dass die Einhaltung der strengen Nebenbedingung der Legalität sich zumindest teilweise mit dem Ziel der Liquiditätssicherung deckt. Ein weiteres Beispiel aus dem Bereich der Sicherungsziele ist die auf § 10 KWG basierende 57&6!$%&%:A:>6()7)1"*"+. Sie geht grundsätzlich mit dem Sicherungsziel von Instituten konform. Es ist allerdings denkbar, dass diese Vorschrift nicht der individuellen Risikoneigung der Geschäftsleitung ent4 spricht und daher den Abschluss bestimmter risikobehafteter Geschäfte man4 e 3(, 8'-#,0'H01-*+004"*(%(= .,# F20%(%+%,944 gels ausreichender Eigenmittel verbietet, obwohl die Geschäftsleitung ohne Vorliegen dieser Verordnung diese Geschäfte noch durchführen würde. In den bankenaufsichtsrechtlichen Vorschriften sind implizit Vorstellungen enthalten, welche Risiken von Instituten übernommen werden dürfen. Darüber hinausgehende Risiken können von der Geschäftsleitung eines Instituts auch dann nicht eingegangen werden, wenn sie die Risiken als nicht so gravierend einschätzt. Für die Jahresabschlusspolitik ist entscheidend, dass der von den bankenaufsichtsrechtlichen Vorschriften vorgegebene Rahmen beim Einsatz der jahresabschlusspolitischen Instrumente beachtet werden muss, sollen die ansonsten drohenden Sanktionen vermieden werden. Wenn allerdings Spiel4 räume bei der Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften existieren, so ist in4 nerhalb dieses Rahmens Jahresabschlusspolitik möglich. So kann es z. B. Ziel eines Instituts sein, die Auslastung der in der Liquiditätsverordnung formulier4 ten Liquiditätsgrundsätze durch geeignete jahresabschlusspolitische Maßnah4 men zu reduzieren. Dieses Unterziel dient dann aber in erster Linie dem Ziel der Darstellung einer ausreichenden Liquidität. Demnach ist es sinnvoll, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften – und damit die Einhaltung der strengen Nebenbedingung der Legalität – jeweils den zugrunde liegenden Zielen zuzu4 ordnen und bei deren nun folgenden Darstellung mit zu erläutern. n9B 8%( W%(&( 1() X!.)(>!$>-.&*>>U7&%:%# 1() M)(1%:L *"1 3%"!"'1%(">:&(%>:*"+>%">:%:*:( n9B9[ 0)*"1>A:'&%-.(> Die Ziele der Jahresabschlusspolitik lassen sich entsprechend ihrer ursprüngli4 chen Motivation in finanzpolitische und publizitätspolitische Ziele unterteilen. Aufgrund der Interdependenzen zwischen Finanz4 und Publizitätspolitik (vgl. Abschnitt 8.1.3.3 und

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References

Zusammenfassung

Kreditinstitute haben ihrer besonderen Geschäftstätigkeit und ihrer Sonderstellung in der Volkswirtschaft wegen Vorschriften für die handelsrechtliche Rechnungslegung anzuwenden, die sich von denen anderer Unternehmungen unterscheiden. Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz und der Finanzkrise wird diese Sonderstellung noch einmal verstärkt, insbesondere hinsichtlich der Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte.

Dieses einzigartige Werk hat eine umfassende Erläuterung dieser von Kreditinstituten zu beachtenden Normen auf Einzel- und Konzernabschlussebene zum Ziel. Dabei werden die Einzelnormen vor dem Hintergrund bilanztheoretischer Erwägungen betrachtet und in diese eingebettet.

Das Buch ist einerseits für Studierende an Universitäten und Fachhochschulen etc. geeignet, andererseits aber auch für im externen Rechnungswesen tätige Praktiker bzw. für deren Ausbildung, weil über neu auftretende Bilanzierungsprobleme immer nur unter bilanztheoretischen Überlegungen entschieden werden kann. Für Theoretiker wie Praktiker gleichermaßen interessant sind die immer auch von bankaufsichtsrechtlichen Überlegungen geprägten jahresabschlusspolitischen Maßnahmen, die bei den verschiedenen Normen erläutert werden. Schließlich berücksichtigt das Werk auch die Internationalisierung der deutschen (Bank-) Rechnungslegung.

- das maßgebliche Werk in diesem Bereich

- verarbeitet die für Kreditinstitute relevanten Bereiche des BilMoG

- inkl. der wichtigen Thematik zur Bewertung von Finanzinstrumenten

- Die Grundlagen

- Die Bilanz der Kredit- und Finanzinstitute

- Die Gewinn- und Verlustrechnung

- Die Bewertung im Jahresabschluss

- Der Inhalt von Anhang und Lagebericht

- Die Prüfung und Offenlegung des Jahresabschlusses

- Die Besonderheiten der Konzernrechnungslegung

- Die Rechungslegung nach den International Accounting Standards

- Die Jahresabschlusspolitik

Für Studierende mit dem Schwerpunkt Bankbetriebslehre an Universitäten, Fachhochschulen und Akademien sowie Kaufleute im Rechnungswesen der Kredit- und Finanzinstitute.