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4.1.5 Die institutsspezifische Möglichkeit der offenen Risikovorsorge (§ 340g HGB) in:

Hartmut Bieg

Bankbilanzierung nach HGB und IFRS, page 509 - 516

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3566-5, ISBN online: 978-3-8006-4456-8, https://doi.org/10.15358/9783800644568_509

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Z;T 3(, G,$,#%+2/ 2'1- 9DG 475 ?,O,# 1979, S. VII/77), kann man nicht zum Ausdruck bringen, dass die Jah4 resabschlüsse der einzelnen Kreditinstitute nicht geeignet sind, als „Barome4 ter“ für die Konjunktur zu dienen (ablehnend auch 7"*H,1= 1974, Sp. 391). Dass man sie unter diesen Umständen aber so ausgestalten soll, als könnten sie diese Aufgabe erfüllen, ist – vor allem angesichts der anderen Nachteile, die sich für die externen Jahresabschlussleser hieraus ergeben – nicht einzuse4 hen. Als R)+($"%> des Abschnitts 4.1.4.3.2 bleibt festzuhalten: Institutsspezifische Reserven in der Handelsbilanz der Institute werden für notwendig erachtet. Zum Umfang des zusätzlich für notwendig gehaltenen Nettohaftungskapitals wird nicht Stellung genommen. Allerdings werden stille Rücklagen abgelehnt. Die Bewertungsmöglichkeiten des § 340f HGB sind dementsprechend abzu4 schaffen. Damit sind auch die weiteren, zur Sicherung der „Stille“ dieser Rücklagen bestehenden institutsspezifischen Vorschriften (Möglichkeit der Überkreuzkompensation und Einschränkung der Berichterstattungspflicht) überflüssig; sie sind ebenfalls zu beseitigen. Somit bleibt noch zu klären, ob die Ansammlung der damit geforderten offe4 nen Vorsorgereserven durch Verminderung der Ausschüttungsbeträge =)(%?%&L &%+ 71() !*=+)*"1 (%"() +(>(:'&%-.(" G7)>-.)%=: erfolgen soll und in welcher 37); sich diese Reserven und ihre Veränderungen im Jahresabschluss der Institute niederschlagen sollen. Von der Verbindlichkeit, mit der diese insti4 tutsspezifischen Rücklagen anzusammeln sind, hängt es auch ab, ob irgendein dann zu bestimmendes Organ des Instituts in freier Entscheidung über die Bildung und Auflösung beschließen kann oder ob die Geschäftsleitung nur eine gesetzliche Vorschrift zu vollziehen hat. Die Klärung dieser Frage soll zu Beginn des Abschnitts 4.1.5 erfolgen, der sich mit den institutsspezifischen Möglichkeiten der offenen Risikovorsorge, die § 340g HGB bietet, befasst. J9[9c 8%( %">:%:*:>>U('%=>-.( PD+&%-.#(%: 1() 7==("(" 4%>%#767)>7)+( OH IJK+ /0 Q J9[9c9[ G7)E$()&(+*"+(" '*; 0)!1 1() G()$%"1&%-.#(%: 1() 7==("(" 4%>%#767)>7)+(C '*; %&!"'!*>?(%> *"1 '*) $!"#("!*=>%-.:>)(-.:&%-.(" F"()#(""*"+ !&> .!=:("L 1(> R%+("#!U%:!& Für die Ansammlung zusätzlichen Haftungsvermögens für Institute aus dem versteuerten Gewinn gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder wird sie nur (;U=7.&("; sie wäre dann freiwillig. Oder aber sie wird 6()$%"1&%-. 67)+(>-.)%($(", 7."( 1!>> zugleich 1%( /D.( des zusätzlich anzusammeln4 den Haftungsvermögens (\!#: =(>:+(&(+: ?%)1. In beiden Fällen kann die Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,476 Kompetenz zur Festlegung des nicht auszuschüttenden Betrages sowie zur späteren Verwendung des Bestandes entweder bei der Unternehmungsleitung oder beim zuständigen Gremium der Anteilseigner liegen. Die gewünschte offene Ansammlung zusätzlichen Haftungsvermögens kann so allerdings nicht sichergestellt werden. In beiden Fällen sind nämlich f%L 1()>:A"1( !*> 1(; M)(%> 1() F":(%&>(%+"() gegen eine entsprechende Ge4 winnthesaurierung nicht auszuschließen. Entsprechend kann es später auch zu Bestrebungen kommen, den Bestand der institutsspezifischen Rücklagen wie4 der aufzulösen. Allerdings können die Anteilseigner nur im zweiten Fall di4 rekt und unmittelbar Einfluss nehmen, nämlich im Rahmen entsprechender Eigentümerbeschlüsse. Wer die Ansammlung zusätzlichen institutsspezifischen Haftungsvermögens sicherstellen will, muss die institutsspezifischen offenen Rücklagen !*-. %" %.)() /D.( 6()$%"1&%-. vorschreiben. Dann stellt der Thesaurierungsbe4 schluss der Unternehmungsleitung nur die G7&&'%(.*"+ (%"() 0(>(:'(>"7); dar. Widerstände der Eigentümer sind dann wirkungslos. Eine Orientierung der Thesaurierungsvorschriften an gänzlich unbestimmten Formulierungen (wie z. B. „… nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung zur Sicherung gegen die besonderen Risiken des Geschäftszweigs der Kreditinstitute bzw. der Finanzdienstleistungsinstitute …“) erscheint nicht ausreichend. Vielmehr sind verbindliche Vorschriften für die institutsspezifische offene Gewinn4 thesaurierung erforderlich (vgl. auch G,1=,# 1975, S. 760; 7+#C, 1977, S. 1344135). Willkürliche Thesaurierungsentscheidungen der Unternehmungsleitung soll4 ten also möglichst ausgeschaltet werden. Einerseits sind die Einleger vor ei4 nem zu niedrigen Thesaurierungsbeschluss zu schützen. Andererseits sind die nicht an der Unternehmungsführung beteiligten Anteilseigner der Institute davor zu bewahren, dass die offenen Vorsorgerücklagen ähnlich willkürlich gebildet und aufgelöst werden können wie die stillen Vorsorgereserven. Es ist allerdings fraglich, ob die Regelung derart starr sein muss wie bei der Zuführung zu der aktienrechtlich geforderten gesetzlichen Rücklage (vgl. § 150 AktG). Denkbar ist auch die 3%\%()*"+ (%"() Z$()L *"1 (%"() @":()L +)("'( für den Zuführungsbetrag. Innerhalb dieser Grenzen könnte die Unter4 nehmungsleitung die ].(>!*)%()*"+>(":>-.(%1*"+ (%+("6()!":?7):&%-. *"1 *":() ()E-#>%-.:%+*"+ 1() *":()"(.;*"+>>U('%=%>-.(" 5%:*!:%7" treffen (zu anderen Möglichkeiten vgl. :#.*'2. 1981, S. 3934394). In jedem Fall ergibt sich aber das Problem, dass gerade wegen dieses zusätzlichen Ei4 genkapitals bei den Anteilseignern die Tendenz bestehen könnte, niedrigere Zuführungen zu den übrigen (freiwillig zu bildenden) offenen Rücklagen für ausreichend zu halten (so auch :#.*'2. 1981, S. 388), und es ergäbe sich bei Realisierung dieses Vorschlags in jedem Fall „eine sehr weitreichende, mate4 rielle Veränderung gegenüber den bisherigen Verhältnissen“ (:#.*'2. 1981, Z;T 3(, G,$,#%+2/ 2'1- 9DG 477 S. 394). Dies vor allem, weil 5!"#:%7"(" $(% S%-.:(%".!&:*"+ dieser Vor4 schriften die notwendige Folge dieses Vorschlages sind. Die 37); 1(> F*>?(%>(> der vorgeschlagenen institutsspezifischen offenen Rücklagen hat nicht nur Auswirkungen auf die Erfüllung der Informations4 funktion der Institutsbilanzen, sondern beeinflusst u. U. auch die Wirkungs4 weise der aufsichtsrechtlichen Normen. Bei einem Ausweis der offenen Vor4 sorgereserven in einer der üblichen Rücklagenpositionen, die zum .!=:("1(" R%+("#!U%:!& gezählt werden, bestünde für die Institute die Möglichkeit, ihren Geschäftsumfang und damit auch ihre Risiken entsprechend auszuweiten. Dies gilt auch bei einem Ausweis in einer gesonderten Rücklagenposition, wie sie in § 340g Abs. 1 HGB vorgesehen ist, soweit auch diese Rücklagenpositi4 on zum haftenden Eigenkapital gezählt wird. Eine derartige Handhabung, die derzeit mit § 10 Abs. 2a Satz 1 Nr. 7 KWG tatsächlich praktiziert wird, kann allerdings nur als inkonsequent bezeichnet werden. Die Notwendigkeit zusätzlicher – stiller wie offener – Reserven wur4 de doch ursprünglich damit begründet, dass eine das Gesamtrisiko des einzel4 nen Kreditinstituts (letztlich auch des einzelnen Finanzdienstleistungsinstituts) berücksichtigende Dispositionsanweisung nicht bestehe, dass sich also die voneinander unabhängigen Risiken im ungünstigsten Fall nicht durch das haf4 tende Eigenkapital auffangen ließen (vgl. Abschnitt 4.1.4.3.1). Wird nun aber das zusätzliche – stille wie offene – Haftungskapital dem haftenden Eigenka4 pital nach § 10 Abs. 2 Satz 2 KWG zugeschlagen, so wird dadurch gerade die N$()"!.;( ?(%:()() 4%>%#(" ();D+&%-.:. Derselbe Einwand gilt ohne Ein4 schränkung auch für die in § 340e Abs. 4 HGB vorgeschriebene Zuführung von mindestens 10 % der Nettoerträge des Handelsbestands zum „Fonds für allgemeine Bankrisiken“. Eine Anerkennung der institutsspezifischen offenen Rücklagen als haftendes Eigenkapital ist somit ebenso abzulehnen wie die entsprechende Anerkennung institutsspezifischer stiller Rücklagen. J9[9c9B 8%( 4(+(&*"+(" '*) %&1*"+ *"1 F*=&D>*"+ %">:%:*:>L >U('%=%>-.() 7==("() G7)>7)+()(>()6(" Die Umsetzung des Art. 37 der :D4Bankbilanzrichtlinie, der die Möglichkeit einer institutsspezifischen stillen Unterbewertung zulässt, durch die Kodifizie4 rung in § 340f HGB war gemäß Art. 38 der :D4Bankbilanzrichtlinie nur mög4 lich, wenn den Instituten durch den Gesetzgeber zugleich die Alternative einer offenen Risikovorsorge eingeräumt wurde (vgl. ausführlicher hierzu Ab4 schnitt 4.1.4.1). In Deutschland ist diese zwingende Vorschrift der :D4 Bankbilanzrichtlinie durch § 340g HGB umgesetzt worden. Hiernach wird den Kreditinstituten die Möglichkeit eingeräumt, zur Sicherung gegen allge4 meine Bankrisiken auf der Passivseite der Bilanz einen Sonderposten mit der Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,478 Bezeichnung „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ (Passivposition 11) zu bil4 den. Entsprechendes gilt für Finanzdienstleistungsinstitute. Die G7)!*>>(:'*"+(" für die Dotierung dieses Fonds sind mit denen der Bil4 dung stiller Reserven nach § 340f HGB deckungsgleich. Danach ist eine Re4 servenbildung möglich, „soweit dies nach vernünftiger kaufmännischer Beur4 teilung wegen der besonderen Risiken des Geschäftszweigs der Kreditinstitute (bzw. der Finanzdienstleistungsinstitute; Anm. d. Verf.) notwendig ist“ (vgl. § 340g Abs. 1 HGB; ferner den Wortlaut des § 340f Abs. 1 Satz 1 HGB). In diese im Bilanzformblatt nach der Position „Genussrechtskapital“ und vor der Eigenkapitalposition einzuordnende Passivposition können nach allgemeiner Auffassung allein durch Beschluss der Unternehmungsleitung des einzelnen Instituts „Beträge in beliebiger Höhe“ (9'#%5'22 1989, S. 1943) eingestellt werden. Während bei der stillen Risikovorsorge nach § 340f HGB eine Ein4 schränkung auf einen ausgewählten Kreis von Vermögensgegenständen bei einer betragsmäßigen Obergrenze erfolgt, stehen die offenen Risikoreserven in keiner Beziehung zu irgendwelchen Aktivpositionen und unterliegen be4 tragsmäßig – sieht man von der Voraussetzung der „vernünftigen kaufmänni4 schen Beurteilung wegen der besonderen Risiken des Geschäftszweigs“ ein4 mal ab – #(%"() +(>(:'&%-.(" (>-.)A"#*"+. Die Aufwendungen aus der Zuführung zum Fonds sowie die Erträge aus der Auflösung des Fonds müssen in der Gewinn4 und Verlustrechnung gesondert ausgewiesen werden (vgl. § 340g Abs. 2 HGB). Damit kommt es – im Gegen4 satz zur stillen Risikovorsorge – zu keiner Beeinträchtigung der 2"=7);!:%L 7">=*"#:%7" des handelsrechtlichen Jahresabschlusses von Instituten (vgl. auch Q'01-H+01- 1994b, S. 166; G(,/UQ'01-H+01- 2005, S. 146). Die Bil4 dung und Auflösung des „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ ist völlig trans4 parent. Die externen Jahresabschlussadressaten können nicht nur den im „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ zum Jahresabschlussstichtag jeweils aus4 gewiesenen Gesamtbestand an offenen institutsspezifischen Vorsorgereserven erkennen, sondern auch deren betragsmäßige Veränderungen im Zeitablauf nachvollziehen. Hinsichtlich der Beurteilung der Auswirkungen des § 340g HGB auf die W!.L &*"+>$(;(>>*"+>=*"#:%7" des handelsrechtlichen Jahresabschlusses der Kredit4 und Finanzdienstleistungsinstitute kommt man jedoch, ähnlich wie bei der stillen Form der Risikovorsorge, zu einem nachteiligen Ergebnis. Zwar hat der Gesetzgeber ausdrücklich klargestellt, dass mit der Einstellung von Beträ4 gen in den „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ keine (Teil4)Beschlussfassung über die Ergebnisverwendung erfolgt und infolgedessen auch die einschlägi4 gen Vorschriften über die Ergebnisverwendung – namentlich werden die §§ 58 AktG, 29 GmbHG genannt – nicht angewandt zu werden brauchen (vgl. G+2.,0#,/(,#+2/ 1990, S. 23). Z;T 3(, G,$,#%+2/ 2'1- 9DG 479 Dennoch ist es gerechtfertigt, die Zuführungen zu dieser Passivposition „auf4 grund ihrer Zwecksetzung der Sphäre der Gewinnverwendung zuzurechnen“ (Q'01-H+01- 1992, S. 395). Der Sache nach handelt es sich schließlich bei der Bildung von Vorsorgereserven nach § 340g HGB ebenso wie bei den Zuwei4 sungen zu den Gewinnrücklagen letztlich um nichts anderes als um eine offe4 ne Ansammlung zusätzlichen Haftkapitals bzw. des entsprechenden zusätzli4 chen Haftungsvermögens. Mit „Aufwendungen“ und „Erträgen“, also mit den für die Gewinnermittlung entscheidenden Komponenten, hat dies nichts zu tun. Die steuerliche Nichtanerkennung der Fondsbeträge sowie ihr Ausweis auf der Passivseite der Institutsbilanz vor der Eigenkapitalposition unterstüt4 zen diese Interpretation. Durch die Ausschaltung der §§ 58 AktG bzw. 29 GmbHG entfallen aber bei der Dotierung des Fonds trotz seines Eigenkapitalcharakters die gesetzlich abgesicherten Mitwirkungsrechte für die Anteilseigner. Darin ist eine wesent4 liche Beeinträchtigung der Zahlungsbemessungsfunktion des handelsrechtli4 chen Jahresabschlusses von Instituten zu sehen (vgl. auch Q'01-H+01- 1994b, S. 167). Die Entscheidung, ob und in welcher Höhe von der Möglichkeit des § 340g HGB Gebrauch gemacht wird, institutsspezifische offene Vorsorgere4 serven also gebildet und aufgelöst werden, bleibt ausschließlich der Ge4 schäftsleitung des einzelnen Instituts vorbehalten. Daher ist es fraglich, ob die gewünschte offene Ansammlung zusätzlichen Haftungsvermögens sichergestellt werden kann. Einerseits ist hier im Gegen4 satz zum Bewertungsprivileg des § 340f HGB die Gelegenheit einer geräusch4 losen Bildung und Auflösung der Reserven und damit eine bedeutende An4 reizkomponente nicht gegeben (so G+2.,0),#H'2. .,+%01-,# G'2=,2 ,; !; 1993a, S. 102), andererseits sind Widerstände aus dem Kreis der Anteilseigner gegen eine entsprechende Gewinnthesaurierung nicht auszuschließen. Ebenso kann es später von dieser Seite auch zu Bestrebungen kommen, den Bestand der institutsspezifischen offenen Rücklagen wieder aufzulösen. Das Ziel, die Ansammlung zusätzlichen institutsspezifischen Haftungsvermö4 gens sicherzustellen, lässt sich – wie in Abschnitt 4.1.5.1 angedeutet – nur erreichen, wenn die institutsspezifischen offenen Rücklagen auch in ihrer Hö4 he verbindlich vorgeschrieben werden. Allerdings wurde in § 340g HGB auf die Fixierung einer bestimmten Höhe bzw. eines bestimmten Zuführungsbe4 trags verzichtet. Aus Zahlungsbemessungsüberlegungen sollten jedoch will4 kürliche Thesaurierungsentscheidungen der Unternehmungsleitung möglichst durch fixierte Ober4 und Untergrenzen für den Zuführungsbetrag ausgeschal4 tet werden (vgl. Abschnitt 4.1.5.1). Einerseits sind die Einleger vor einem zu niedrigen Thesaurierungsbeschluss zu schützen. Andererseits sind die nicht an der Unternehmungsführung beteiligten Eigentümer der Institute davor zu be4 wahren, dass die offenen Rücklagen ähnlich willkürlich gebildet und aufgelöst werden können wie die stillen Rücklagen nach § 340f HGB. Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,480 Die Anteilseigner müssen aber in jedem Fall von der Notwendigkeit dieser zusätzlichen offenen Risikovorsorge überzeugt werden. Ansonsten werden sie versuchen, Einfluss darauf zu nehmen, dass die Zuführungen zu den übrigen offenen Rücklagen um den Zuführungsbetrag zum „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ gekürzt werden. Die von der Unternehmungsleitung unterstützte Vermutung, neben den offenen gebe es auch stille Vorsorgereserven in unbe4 kannter Höhe, dürfte die Bemühungen, die Anteilseigner von zusätzlichen offenen Vorsorgereserven zu überzeugen, allerdings eher erschweren. Die unbestimmten Rechtsbegriffe des § 340g Abs. 1 HGB „nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung“ sowie „wegen der besonderen Risiken des Ge4 schäftszweigs“ lassen deutlich seine Nähe zu § 340f Abs. 1 Satz 1 HGB er4 kennen. § 340g Abs. 1 HGB soll den Instituten ein f!.&)(-.: ermöglichen, die Vorsorge für allgemeine Bankrisiken entweder in offener oder in stiller Form zu treffen. Die :D67"55(00("2 erhoffte sich von dieser von ihr präfe4 rierten Alternative einen gewissen Druck vor allem auf die deutschen Institu4 te, allmählich von der stillen zur offenen Risikovorsorge überzugehen (vgl. G(,/ 1993b, S. 83). Dieser Druck wird durch das Aufsichtsrecht unterstützt, das die offenen Vorsorgereserven als Kernkapital, die stillen Vorsorgereser4 ven dagegen nur als Ergänzungskapital 1. Klasse anerkennt (zur grundsätzli4 chen Ablehnung der Vorsorgereserven als Bestandteil des haftenden Eigenka4 pitals vgl. Abschnitt 4.1.5.1). Gleichwohl handelt es sich bei der offenen Ausprägung der Bildung instituts4 spezifischer Risikoreserven um eine von den Bestimmungen des § 340f HGB losgelöste (%+(">:A"1%+( 4(-."*"+>&(+*"+>67)>-.)%=:. Abhängigkeiten zwi4 schen den beiden Formen der Risikovorsorge bestehen allerdings insoweit, als der Anlass sowohl für eine niedrigere Bewertung bestimmter Vermögensposi4 tionen auf der Aktivseite als auch für Einstellungen in den „Fonds für allge4 meine Bankrisiken“ ein und derselbe ist, nämlich der Aufbau eines Vorrats an Rücklagen zur Deckung besonderer Risiken der Institute. Da die gleichen, wenn auch völlig unbestimmten Risiken jedoch nur einmal und nicht zweimal abgedeckt werden können und müssen, wirkt sich die Ausnutzung des Bewer4 tungsspielraums auf der Aktivseite (§ 340f HGB) zwangsläufig auf die Höhe des „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ auf der Passivseite (§ 340g HGB) aus (vgl. auch Q'01-H+01- 1994b, S. 167). Dies gilt auch für den umgekehrten Fall. Es kommt hinzu, dass beide Zuführungsmaßnahmen zu einer Verkürzung des Periodenerfolgs führen und dass sich schon deswegen eine voneinander unabhängige Inanspruchnahme der Wahlrechte der §§ 340f, 340g HGB ver4 bietet. Schließlich unterliegen auch Institute gewissen Zwängen hinsichtlich Gewinnausweis, Gewinnausschüttung und Bilanzstrukturen (vgl. G(,/ 1993b, S. 83). Nur diesen Zusammenhang zwischen der stillen und offenen Form der Be4 rücksichtigung allgemeiner Bankrisiken können G(,2,# (vgl. G(,2,# 1989b, Z;T 3(, G,$,#%+2/ 2'1- 9DG 481 S. 303) und 9'#%5'22 (vgl. 9'#%5'22 1989, S. 1943) seinerzeit gemeint ha4 ben, als sie mit Blick auf das Kreditgewerbe prophezeiten, es werde bei dem einzelnen Kreditinstitut zu einem Rückgang des Potenzials für stille Reserven nach § 340f HGB kommen, sobald es sich entschließen sollte, Vorsorgebeträ4 ge offen auszuweisen. Können allerdings – wie vom Gesetzgeber vorgesehen – beide Wege der Risikovorsorge von den deutschen Kreditinstituten neben4 einander genutzt werden, so ist unter sonst gleichen Bedingungen nicht auszu4 schließen, dass diese zwecks Stabilisierung ihres Erfolgsausweises in aller Regel auch weiterhin die aus ihrer Sicht bewährten Möglichkeiten des § 340f HGB denen des § 340g HGB vorziehen werden. Die anfangs vielfach geäußerte Aufforderung zum vollständigen Verzicht auf die Nutzung des Instruments der offenen Reservenbildung zugunsten der stil4 len Reservenbildung, verbunden mit der Befürchtung, die breite Anwendung des § 340g HGB könne dazu führen, dass die Möglichkeit zur Bildung stiller Vorsorgereserven gänzlich entzogen werde (vgl. statt vieler 7#+52"$ ,% '*; 1994, S. 5434544) fand hingegen in der Praxis wenig Beachtung. Bereits in den Jahresabschlüssen für das Geschäftsjahr 1993 haben acht von 125 in eine Untersuchung einbezogenen Kreditinstituten einen „Fonds für all4 gemeine Bankrisiken“ gebildet (vgl. Q'/,2,# ,% '*; 1995, S. 81483). Auch andere Banken bis hin zu mittleren und kleinen Instituten sind diesem Vorge4 hen zwischenzeitlich bereits gefolgt oder werden dies, und zwar nicht nur aus Konformitätsüberlegungen, zukünftig tun. Dies dürfte vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen sein: Einerseits ist die Dotation des „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ verbunden mit der An4 erkennung dieser offenen Reserven als bankenaufsichtsrechtliches Kernkapi4 tal, wohingegen stille Vorsorgereserven lediglich Ergänzungskapital darstel4 len. Andererseits ist das Publizitätsverhalten insbesondere international ope4 rierender Banken nicht zuletzt durch den Wettbewerb um Kapital an internati4 onalen Finanzmärkten und damit die Informationsansprüche internationaler Investoren geprägt. Insofern haben sich Banken dazu veranlasst gesehen, den Informationsgehalt ihrer Jahresabschlüsse zu steigern und die „deutsche Poli4 tik der minimalen Publizität“ (so G(,/ 1993b, S. 84) zugunsten des offenen Ausweises der Vorsorgereserven aufzugeben. Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,482 J9[9b 8%( fA.)*"+>*;)(-."*"+ "!-. H Bcb! /0 J9[9b9[ 4%>%#(" !*> 8(6%>("+(>-.A=:(" J9[9b9[9[ W*) S7:?("1%+#(%: 67" 8(6%>("+(>-.A=:(" Mit dem im Wesentlichen von den Kreditinstituten betriebenen Devisenge4 schäft sind verschiedene Risiken verbunden, die im Folgenden darzustellen sind (vgl. G(,/ 1983, S. 3774380). Obwohl diese Risiken mit der Aufgabe des Systems der festen Wechselkurse im März 1973 erheblich gestiegen sind, kann das Kreditgewerbe eines außerordentlich stark in den Welthandel integ4 rierten Landes, wie es Deutschland darstellt, nicht völlig auf den Abschluss von Devisenkassa4 und Devisentermingeschäften verzichten. Vielmehr werden die Kreditinstitute gerade wegen der gestiegenen Risiken aus Devisengeschäften insbesondere von ihren gewerblichen Kunden, seien es Exporteure, seien es Importeure, die sich vor diesen, aus dem grenzüber4 schreitenden Waren4 und Kapitalverkehr entstehenden Risiken zu schützen suchen, im Rahmen von Kurssicherungsgeschäften in Anspruch genommen. Neben diesem Dienstleistungsaspekt der Devisengeschäfte der Kreditinstitute, wobei sie sich auch ihrerseits in der Regel gegen die übernommenen Risiken abzusichern suchen, ist jedoch ein spekulatives Moment, insbesondere im Rahmen des Berufshandels, nicht zu verkennen (vgl. G+2.,0),#H'2. .,+%6 01-,# G'2=,2 ,; !; 1974, S. 522; P,(1-"$ 1977, S. 685). Es kommt hinzu, dass viele Kreditinstitute selbst mit Niederlassungen im Ausland vertreten sind, so dass zwangsläufig Geschäfte in fremden Währungen abgeschlossen werden müssen (vgl. 7#+52"$ ,% '*; 2004, S. 613). J9[9b9[9B 8!> f(-.>(&#*)>A"1()*"+>)%>%#7 Alle über fremde Währungseinheiten lautende Vermögenspositionen und Schulden, einschließlich der Eventualforderungen und 4verbindlichkeiten, un4 terliegen dem „klassischen“ Devisenrisiko, nämlich dem der nachteiligen Än4 derung des Devisen4 oder Wechselkurses gegenüber dem Zeitpunkt des Ge4 schäftsabschlusses. Daneben besteht immer aber auch die Chance einer vor4 teilhaften Wechselkursänderung. Dies gilt auch für Devisenterminforderungen und 4verbindlichkeiten (vgl. B1-*"%%,# 1980, S. 43446; B1-+#(/ 1981, S. 89). Die folgende beinahe unverändert von B1-+#(/ (vgl. B1-+#(/ 1981, S. 90) übernommene

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Zusammenfassung

Kreditinstitute haben ihrer besonderen Geschäftstätigkeit und ihrer Sonderstellung in der Volkswirtschaft wegen Vorschriften für die handelsrechtliche Rechnungslegung anzuwenden, die sich von denen anderer Unternehmungen unterscheiden. Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz und der Finanzkrise wird diese Sonderstellung noch einmal verstärkt, insbesondere hinsichtlich der Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte.

Dieses einzigartige Werk hat eine umfassende Erläuterung dieser von Kreditinstituten zu beachtenden Normen auf Einzel- und Konzernabschlussebene zum Ziel. Dabei werden die Einzelnormen vor dem Hintergrund bilanztheoretischer Erwägungen betrachtet und in diese eingebettet.

Das Buch ist einerseits für Studierende an Universitäten und Fachhochschulen etc. geeignet, andererseits aber auch für im externen Rechnungswesen tätige Praktiker bzw. für deren Ausbildung, weil über neu auftretende Bilanzierungsprobleme immer nur unter bilanztheoretischen Überlegungen entschieden werden kann. Für Theoretiker wie Praktiker gleichermaßen interessant sind die immer auch von bankaufsichtsrechtlichen Überlegungen geprägten jahresabschlusspolitischen Maßnahmen, die bei den verschiedenen Normen erläutert werden. Schließlich berücksichtigt das Werk auch die Internationalisierung der deutschen (Bank-) Rechnungslegung.

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- verarbeitet die für Kreditinstitute relevanten Bereiche des BilMoG

- inkl. der wichtigen Thematik zur Bewertung von Finanzinstrumenten

- Die Grundlagen

- Die Bilanz der Kredit- und Finanzinstitute

- Die Gewinn- und Verlustrechnung

- Die Bewertung im Jahresabschluss

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- Die Prüfung und Offenlegung des Jahresabschlusses

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- Die Jahresabschlusspolitik

Für Studierende mit dem Schwerpunkt Bankbetriebslehre an Universitäten, Fachhochschulen und Akademien sowie Kaufleute im Rechnungswesen der Kredit- und Finanzinstitute.