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4.1.2 Die Bewertung von Forderungen in:

Hartmut Bieg

Bankbilanzierung nach HGB und IFRS, page 434 - 450

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3566-5, ISBN online: 978-3-8006-4456-8, https://doi.org/10.15358/9783800644568_434

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,400 2009a, S. 32) in einem Überblick dargestellten allgemeinen Bewertungsvor4 schriften müssen von jedem Kaufmann bei der Bilanzierung beachtet werden. Da sie für Institute demnach keine Besonderheit darstellen, sollen sie hier nicht näher erörtert werden (vgl. dazu z. B. G(,/U7+Y5'+* 2009a, S. 32450). E@@4)1)%") 7)=)0$&"4#40&"6#5$*) Grundsatz der Stich6 tagsbezo6 genheit § 240, § 242 Abs. 1, § 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB Going6 Concern6 Grundsatz § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB Grundsatz der Bilanz6 kontinuität § 252 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 6, § 265 Abs. 1 HGB Grundsatz der Perio6 denab6 grenzung § 249, § 250, § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB Grundsatz der Vor6 sicht § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB Grundsatz der Einzel6 bewertung § 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB Abweichungen hiervon sind in begründeten Ausnahmefällen zulässig § 252 Abs. 2 HGB %C, J9[9B 8%( (?():*"+ 67" 37)1()*"+(" J9[9B9[ 0)*"1>A:'&%-.(> Forderungen sind Rechte bzw. Ansprüche auf Leistung bestimmter Zahlun4 gen. Wenn im Folgenden von Forderungen von Kredit4 und Finanzdienstleis4 tungsinstituten gesprochen wird, so sind damit alle Forderungen, die "%-.: %" f():U!U%()(" 6()$)%(=: sind, also die sogenannten *-.=7)1()*"+(", ge4 meint. Die für Bilanzierungszwecke der Institute maßgebliche Definition der Wertpapiere befindet sich hierbei in § 7 RechKredV. Forderungen, die zwar verbrieft sind, aber nicht unter diese Definition fallen (z. B. Namensschuld4 verschreibungen und nicht börsenfähige Inhaber4 und Orderschuldverschrei4 bungen), gelten somit ebenfalls als Buchforderungen. Im Gegensatz zu Unternehmungen des nicht4finanziellen Sektors gehören Forderungen bei Instituten nach herrschender Meinung – unabhängig von ih4 rer Laufzeit – immer zum Umlaufvermögen. Allerdings könnte § 340e Abs. 1 Z;T 3(, G,$,#%+2/ 2'1- 9DG 401 Satz 2 HGB zu dem Schluss verleiten, dass Forderungen dazu bestimmt sein können, dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen. In diesem Fall wären sie folglich wie Anlagevermögen zu bewerten. Dies ist aber eher als sprachliche Ungenauigkeit denn als substanzielle Aussage zu betrachten. Hier wird die Auffassung vertreten, dass Forderungen bei Instituten unabhängig von ihrer Fristigkeit stets zum Umlaufvermögen gehören (vgl. Abschnitt 2.1.2.1.4). Die Forderungen sind daher nach den in Abschnitt 4.1.1.4 dargestellten Be4 wertungsgrundsätzen für das Umlaufvermögen zu bewerten. Dies bedeutet, dass als Ausgangswert die Anschaffungskosten anzusetzen sind, wobei in Ab4 schnitt 4.1.2.2 noch zu zeigen sein wird, was hierunter zu verstehen ist. Wei4 terhin sind aufgrund des strengen Niederstwertprinzips außerplanmäßige Ab4 schreibungen vorzunehmen, wenn am Abschlussstichtag gegenüber den An4 schaffungskosten ein niedrigerer Zeitwert vorliegt. Weiterhin können gemäß § 340f HGB bei Forderungen versteuerte stille Zweckreserven zur Vorsorge für allgemeine Bankrisiken gebildet werden (vgl. Abschnitt 4.1.5). J9[9B9B 8() F*>+!"+>?(): Den Ausgangswert bei der Bewertung von Forderungen bilden die Anschaf4 fungskosten. Anschaffungskosten (vgl. auch Abschnitt 4.1.1.2) sind nach § 255 Abs. 1 Satz 1 HGB „die Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, soweit sie dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet wer4 den können“. Hierzu gehören auch Anschaffungsnebenkosten und nachträgli4 che Anschaffungskosten (vgl. § 255 Abs. 1 Satz 2 HGB). „Anschaffungs4 preisminderungen sind abzusetzen“ (§ 255 Abs. 1 Satz 3 HGB). Bei der Be4 stimmung der Anschaffungskosten muss unterschieden werden zwischen For4 derungen, die aus einer Darlehensgewährung des Instituts originär entstehen, und Forderungen, die nach ihrer Begründung durch ursprüngliche Kreditgeber von dem Institut am Sekundärmarkt erworben werden. Die Anschaffungskosten entsprechen bei Forderungen, die aus einer 7)%+%"AL )(" 8!)&(.(">+(?A.)*"+ resultieren, dem Auszahlungsbetrag, der dem Ge4 schäftspartner zur Verfügung gestellt wird; bei bestehenden, von Dritten ()L ?7)$("(" 37)1()*"+(" entsprechen die Anschaffungskosten dem M!*=L U)(%> (vgl. G(#1=U?,O,# 1989, S. V/131). Wenn bei der originären Darlehensgewährung ein Disagio oder Agio verein4 bart wurde bzw. wenn die angekaufte Forderung entweder nicht in vollem Umfang werthaltig erscheint, oder aber im Verhältnis zum herrschenden Marktzinsniveau unter4 oder überverzinslich ist, so unterscheidet sich der Auszahlungsbetrag bzw. Kaufpreis vom Nennbetrag der Forderung. Für diese Fälle erlaubt § 340e Abs. 2 Satz 1 HGB als institutsspezifische Bewertungs4 vorschrift, dass „Hypothekendarlehen und andere Forderungen mit ihrem Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,402 Nennbetrag angesetzt werden (dürfen), soweit der Unterschiedsbetrag zwi4 schen dem Nennbetrag und dem Auszahlungsbetrag oder den Anschaffungs4 kosten Zinscharakter hat“. Während die in § 340e Abs. 2 Satz 1 HGB eindeutig genannten Hypotheken4 darlehen in jedem Fall in den Anwendungsbereich dieser Sonderregelung fal4 len, ergibt sich die Frage, welche Forderungen als „andere Forderungen“ an4 zusehen sind. Zunächst ist festzuhalten, dass § 340e Abs. 2 HGB nur für *-.=7)1()*"+(", nicht dagegen für Wertpapiere i. S. d. § 7 RechKredV gilt. Dem widerspricht auch nicht die Regierungsbegründung zum Entwurf des Bankbilanzrichtlinie4 Gesetzes, wonach „Absatz 2 für Ausleihungen und andere Forderungen, auch wenn sie in Wertpapieren verbrieft sind, zugelassen ist“ (G+2.,0#,/(,#+2/ 1990, S. 22). Hierunter sind nämlich in Wertpapieren verbriefte Forderungen zu verstehen, die in der Bilanz als Buchforderungen aktiviert werden (vgl. P,1-%0'+001-+00 .,0 3,+%01-,2 G+2.,0%'/0 1990, S. 26). Dazu zählen u. a. Namensschuldverschreibungen und nicht börsenfähige Inhaber4 und Order4 schuldverschreibungen. Wertpapiere i. S. d. § 7 RechKredV sind zwingend mit den Anschaffungskosten anzusetzen. Während Art. 35 Abs. 3a Satz 2 der :D4Bankbilanzrichtlinie vorsah, dass auch Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere mit ihrem Rückzahlungsbetrag bilanziert werden können, hat der deutsche Gesetzgeber von diesem den Mitgliedstaaten einge4 räumten Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht, um damit nicht zu einer gene4 rellen Durchbrechung des Anschaffungskostenprinzips beizutragen. Trotzdem ist diese Ungleichbehandlung der Buchforderungen und der durch Wertpapie4 re i. S. d. § 7 RechKredV verbrieften Forderungen wirtschaftlich sowie mit den Zielsetzungen des handelsrechtlichen Jahresabschlusses nicht zu begrün4 den und deshalb abzulehnen. Zu den unter den „!"1()(" 37)1()*"+("“ zu subsumierenden Sachverhalten wird teilweise die Auffassung vertreten, dass hierzu sämtliche Forderungen unabhängig von den jeweils vereinbarten Laufzeiten gehören (vgl. dazu N#'-* 1991, S. 440; B1-'#4&UB"-*,# 1992, S. 73 und 7#+52"$ ,% '*; 2004, S. 377). Dies könnte auch aus der Regierungsbegründung zum Bankbilanzrichtlinie4 Gesetz hergeleitet werden, wonach „nicht nur Hypotheken, sondern Auslei4 hungen und andere Forderungen +("()(&& (Hervorhebung durch den Verf.) mit dem Nennbetrag … angesetzt werden dürfen“ (G+2.,0#,/(,#+2/ 1990, S. 22; § 340e Abs. 2 HGB dieses Entwurfes sprach allerdings von „Ausleihungen und anderen Forderungen“, während Hypothekendarlehen nicht explizit im Gesetz genannt wurden). Dagegen steht die hier vertretene Auffassung, wonach unter den „anderen Forderungen“ nur langfristige Forderungen zu verstehen sind. Gestützt wird diese Ansicht durch die Entstehungsgeschichte der Vorschrift und die Formu4 lierung des Gesetzes, wonach neben den (langfristigen) Hypothekendarlehen Z;T 3(, G,$,#%+2/ 2'1- 9DG 403 noch andere Forderungen unter die Ausnahmevorschrift fallen. Das Wort „an4 dere“ muss dabei im Zusammenhang mit Hypothekendarlehen gesehen wer4 den und meint deshalb hypothekendarlehensähnliche Forderungen. Untermau4 ert werden kann dies dadurch, dass der in früheren Entwürfen verwandte Be4 griff „Ausleihungen“ durch „Hypothekendarlehen“ ersetzt wurde, um zu ver4 deutlichen, dass sich die Ausnahme in erster Linie auf das Hypothekenbank4 geschäft bezieht (vgl. P,1-%0'+001-+00 .,0 3,+%01-,2 G+2.,0%'/0 1990, S. 26). Zudem wurde im Entwurf des Bankbilanzrichtlinie4Gesetzes von 1989 der Anwendungsbereich mit Ausleihungen und anderen langfristigen Forde4 rungen bezeichnet (vgl. G+2.,0#,/(,#+2/ 1989, S. 5 und S. 22). Ihren Ausgangspunkt hat die Ausnahmevorschrift des § 340e Abs. 2 HGB zudem in dem durch das Bankbilanzrichtlinie4Gesetz abgeschafften § 25 HypBankG bzw. § 23 SchiffsBG (vgl. G+2.,0#,/(,#+2/ 1990, S. 22), die sich allein auf langfristige (Schiffs4)Hypothekendarlehen bezogen. Ursprünglich sollte sie sich deshalb auch nur auf Hypothekendarlehen erstrecken; erst im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens wurde die Anwendung auf andere (lang4 fristige) Forderungen erweitert (vgl. F3Q 1989, S. 379). Schließlich hätte der Gesetzgeber ganz einfach von „Forderungen“ anstatt von „Hypothekendarlehen und anderen Forderungen“ sprechen können, wenn er die Anwendung des § 340e Abs. 2 HGB auf alle Forderungen hätte ermögli4 chen wollen. § 340e Abs. 2 Satz 1 HGB regelt den Fall, dass der Nennbetrag mit dem Aus4 zahlungsbetrag bzw. den Anschaffungskosten nicht übereinstimmt. Durch die Differenzierung zwischen Auszahlungsbetrag und Anschaffungskosten soll zum Ausdruck gebracht werden, dass sowohl bei originären, d. h. durch Aus4 zahlung des Darlehensbetrags entstandenen, als auch bei erworbenen Forde4 rungen der Nennbetrag angesetzt werden kann (vgl. P,1-%0'+001-+00 .,0 3,+%01-,2 G+2.,0%'/0 1990, S. 26; ebenso J#,+'#H,(% '!.&*"+>$(:)!+ $'?9 F">-.!==*"+>#7>:(" l S(""$(:)!+ Aktiviert das Gläubigerinstitut – den allgemeinen handelsrechtlichen Vor4 schriften entsprechend – den F*>'!.&*"+>$(:)!+ bzw. 1%( F">-.!==*"+>L #7>:(", so muss der Unterschiedsbetrag planmäßig über die Laufzeit er4 folgserhöhend als Zinsertrag vereinnahmt werden, wobei die entsprechen4 den Beträge gleichzeitig in der Forderungsposition aktiviert werden (vgl. ?,O,# 1985, S. 142; G(#1=U?,O,# 1989, S. V/1344V/136; Q(2.5I**,# 1992, S. 695). Wird dagegen von der in § 340e Abs. 2 Satz 1 HGB eingeräumten Mög4 lichkeit Gebrauch gemacht, wird also der S(""$(:)!+ der Forderung akti4 viert, so muss der Unterschiedsbetrag nach § 340e Abs. 2 Satz 2 HGB in den passiven Rechnungsabgrenzungsposten eingestellt werden; dieser ist in der Folge planmäßig erfolgserhöhend aufzulösen und als Zinsertrag zu ver4 einnahmen. Da also auch in diesem Fall über die Laufzeit eine planmäßige erfolgserhö4 hende Vereinnahmung von Zinserträgen in gleichem Umfang erfolgt, füh4 ren die beiden dargestellten Möglichkeiten zur gleichen R)=7&+>U()%71%>%(L )*"+. Ein Unterschied ergibt sich aber hinsichtlich des G();D+(">!*>?(%L >(> in der Bilanz, wird doch im zweiten Fall von Anfang an der volle Nennbetrag der Forderung ausgewiesen. Allerdings ist die jeweils verblei4 Z;T 3(, G,$,#%+2/ 2'1- 9DG 405 bende Höhe des periodisch sinkenden passiven Rechnungsabgrenzungspos4 tens gesondert in der Bilanz oder im Anhang anzugeben (vgl. § 340e Abs. 2 Satz 2, 2. Halbsatz HGB). • F*>'!.&*"+>$(:)!+ $'?9 F">-.!==*"+>#7>:(" k S(""$(:)!+ Kommt es bei dieser Konstellation zur Aktivierung des F*>'!.&*"+>$(L :)!+> bzw. der F">-.!==*"+>#7>:(", so muss der Unterschiedsbetrag planmäßig zeitanteilig vom aktivierten Betrag abgesetzt werden. Die damit einhergehende Erfolgsminderung ist allerdings nicht als Zinsaufwand, son4 dern als P%"1()*"+ 1(> W%">():)!+> anzusehen (vgl. G(#1=U?,O,# 1989, S. V/419). Wird dagegen der S(""$(:)!+ der Forderung aktiviert und der Unter4 schiedsbetrag in den aktiven Rechnungsabgrenzungsposten eingestellt (1. Alternative), so ist auch dieser planmäßig erfolgsmindernd (als Minde4 rung des Zinsertrags) über die Laufzeit aufzulösen (vgl. § 340e Abs. 2 Satz 3 HGB). Seine jeweilige Höhe ist wiederum gesondert in der Bilanz oder im Anhang anzugeben (vgl. § 340e Abs. 2 Satz 3, 2. Halbsatz HGB). Auch hier bestehen hinsichtlich der Erfolgsperiodisierung keine Unter4 schiede. Solche ergeben sich aber, wenn von der nach § 340e Abs. 2 Satz 3, 1. Halbsatz HGB ebenfalls bestehenden Möglichkeit, den Unterschiedsbe4 trag direkt als Aufwand zu verrechnen (2. Alternative), Gebrauch gemacht wird. Unter dem Gesichtspunkt der periodenrichtigen Erfolgsermittlung ist dieses Wahlrecht bedenklich, wird den Instituten dadurch bei Aktivierung des Nennbetrages doch auch die Möglichkeit der zeitlichen Vorverlagerung des verrechneten Aufwands bzw. der Ertragsminderung eingeräumt. <&!";AV%+( F*=&D>*"+ des aktiven bzw. passiven Rechnungsabgrenzungs4 postens bedeutet im Übrigen einerseits eine Auflösung ?A.)("1 1() 6()(%"L $!):(" W%">$%"1*"+>=)%>:, „da die nach Ablauf der Zinsbindung neu zu ver4 einbarenden Zinsen nicht mehr von dem ursprünglichen Zinskorrektiv beeinflußt werden“ (F3Q 1989, S. 379). Andererseits wird von den verschie4 denen Verfahren zur Auflösung des Rechnungsabgrenzungspostens von der Finanzverwaltung nur die durchschnittszinskonstante Verteilung auf Nomi4 nalkapitalbasis als zulässig angesehen. Hierbei wird das jeweils nach Tilgung verbleibende Nominalkapital mit einem inklusive Disagioauflösung gleich4 bleibenden Zinssatz verzinst (vgl. G(#1=U?,O,# 1989, S. V/4084V/412). Z 3 (, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00.,#F20%(%+%, 406-.)(%$*"+(" J9[9B9I9[ G7)$(;()#*"+(" Außerplanmäßige Abschreibungen sind bei Vermögensgegenständen des Um4 laufvermögens vorzunehmen, wenn sich am Abschlussstichtag im Vergleich zu den Anschaffungskosten ein niedrigerer Börsen4 oder Marktpreis bzw. ein niedrigerer beizulegender Wert ergibt (vgl. § 253 Abs. 4 HGB). Da für Buchforderungen im Allgemeinen aufgrund des Fehlens eines Markts kein Börsen4 oder Marktpreis feststellbar ist, muss auf den beizulegenden Wert als Vergleichswert zum Buchwert zurückgegriffen werden. Den beizulegenden Wert einer Forderung ermittelt man anhand der Bonität des Schuldners, d. h. anhand seiner Fähigkeit, die Forderung vertragsgemäß mit Zins4 und Tilgungszahlungen zu bedienen. Hierzu kann eine Vielzahl von Informationen herangezogen werden, wobei hier vor allem auf die Bedeutung der Jahresabschlussanalyse, der Bewertung gestellter Sicherheiten sowie der Beurteilung eventuell Mitverpflichteter, die schon durch § 18 KWG im Vor4 dergrund der Bonitätsbeurteilung stehen, hingewiesen werden soll. Weiterhin spielen die Kontoführung des Schuldners, die Konkurrenzsituation und die wirtschaftliche Lage der entsprechenden Branche und/oder des entsprechen4 den Landes, die Qualität des Managements und die Rückmeldungen der 3,+%6 01-,2 G+2.,0H'2= im Rahmen der Millionenkreditanzeige nach § 14 KWG eine gewichtige Rolle (vgl. G(#1=U?,O,# 1989, S. V/1494V/159; G(,/ 1984, S. 5084512). Unter Berücksichtigung dieser und anderer Informationen lassen sich alle Forderungen in eine 7"%:A:>>#!&! einordnen, die sich aus vier Bonitätsstufen (Risikogruppen) zusammensetzt. Diese Vorgehensweise, die von Wirtschafts4 prüfern angewandt wird, ist nicht gesetzlich oder anderweitig reglementiert, so dass insbesondere Kreditinstitute in der Praxis häufig auch mehr als vier Stufen vorsehen. Dies gilt vor allem für das infolge der verschärften Anforde4 rungen von Basel II verbesserte interne Rating. Allerdings können diese ver4 feinerten Einstufungen letztlich wieder auf vier reduziert werden. Diese vier Bonitätsgrade sind (vgl. F3Q 1978, S. 490): (1) Uneinbringliche Forderungen, (2) Notleidende Forderungen, (3) Anmerkungsbedürftige Forderungen, (4) Forderungen ohne erkennbare Ausfallrisiken. @"(%"$)%"+&%-. (vgl. im Folgenden G(#1=U?,O,# 1989, S. V/1584V/159) sind Forderungen dann, wenn aller Wahrscheinlichkeit nach von der Schuldnersei4 Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,408 te keine Zahlungen mehr zu erwarten und werthaltige Sicherheiten nicht vor4 handen sind. Diese Forderungen sind ()=7&+>;%"1()"1 !*>'*$*-.(". Da die Ausbuchung jedoch nicht bedeutet, dass das Institut auf seinen Rechtsan4 spruch verzichtet und daher – obwohl unwahrscheinlich – ein teilweiser oder vollständiger Eingang der Forderung noch möglich ist, werden diese Forde4 rungen auf statistischen Vermerkkonten außerhalb der eigentlichen Finanz4 buchhaltung weitergeführt. J9[9B9I9B R%"'(&?():$()%-.:%+*"+(" !*= "7:&(%1("1( 37)1()*"+(" S7:&(%1("1 sind Forderungen, bei denen mit Ausfällen gerechnet werden muss, d. h. deren Rückzahlung und/oder Verzinsung ganz oder teilweise ge4 fährdet erscheint (vgl. G(#1=U?,O,# 1989, S. V/157; F3Q 1978, S. 490). Eine Forderung kann aber nur als notleidend qualifiziert werden, wenn eine .%")(%L -.("1( F*>=!&&?!.)>-.(%"&%-.#(%: besteht. Diese ist bspw. gegeben, wenn die zur Rückführung einer Forderung benötigten „Mittel voraussichtlich we4 der aus dem laufenden Betrieb noch aus einem eventuellen Liquidationserlös aufgebracht werden können. Eine nachhaltige Verlustsituation mit der Auf4 zehrung erheblicher Teile des Eigenkapitals wird in aller Regel Zweifel an der Einbringlichkeit der Forderungen begründen, sofern nicht überzeugende An4 zeichen für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage nachgewiesen wer4 den können“ (F3Q 1978, S. 488). Der Ausfallwahrscheinlichkeit muss durch eine !"+(;(>>("( R%"'(&?():$(L )%-.:%+*"+ Rechnung getragen werden, deren Höhe von der Bonität des Schuldners und dem Wert der gestellten Sicherheiten abhängt (vgl. im Fol4 genden G(#1=U?,O,# 1989, S. V/161). Die 7"%:A: ist regelmäßig dann in Fra4 ge gestellt, wenn zukünftig die laufenden Einzahlungsüberschüsse des Kredit4 nehmers nachhaltig nicht zur Bedienung der Zins4 und Tilgungsleistungen ausreichen werden. Bei Krediten an <)%6!:U()>7"(" stammen die zu erwar4 tenden zukünftigen Einzahlungen aus Löhnen bzw. Gehältern sowie aus Miet4, Dividenden4 und Zinseinzahlungen; sie werden vermindert um die Auszahlungen für die Lebenshaltung sowie durch andere regelmäßige oder unregelmäßige Auszahlungsverpflichtungen. Bei Krediten an 3%);("#*"1(" (Unternehmungen) stammen die Einzahlungsüberschüsse entweder aus der laufenden Geschäftstätigkeit der arbeitenden Unternehmung oder aber aus dem nach Zerschlagung der Unternehmung verbleibenden Liquidationserlös. Gerade für den Fall der Bonitätsverschlechterung trifft das kreditgebende In4 stitut durch Hereinnahme von 5%-.().(%:(" Vorsorge. Voraussetzung für de4 ren Werthaltigkeit ist ihr rechtlicher Bestand, d. h. die juristisch einwandfreie Bestellung, sowie der tatsächliche Bestand, d. h. das tatsächliche Vorhanden4 sein der Sicherheiten. Die Bewertung der Sicherheiten richtet sich bei 4(!&L >%-.().(%:(" (z. B. den Pfandrechten) nach dem bei einer Veräußerung zu erzielenden Erlös und bei <()>7"!&>%-.().(%:(" (z. B. den Bürgschaften und Z;T 3(, G,$,#%+2/ 2'1- 9DG 409 Garantien) nach der Bonität des Mitverpflichteten. Der Wert der Sicherheiten ist um eventuell noch anfallende Verwertungsaufwendungen zu kürzen. Bei der Bildung der Einzelwertberichtigungen wird in der Regel auf das 0(>!;:#)(1%:("+!+(;(": eines Schuldners abgestellt, d. h. der Gesamtbe4 trag der Wertberichtigungen wird nicht auf die einzelnen Forderungsarten ent4 sprechend ihrem Risikogehalt verteilt, sondern man setzt die gesamten Wert4 berichtigungen von den jeweils kurzfristigsten Forderungen ab. Nur bei stark divergierender Ausfallbedrohung der einzelnen Forderungsarten sind diese gesondert zu betrachten und die Wertberichtigungen demgemäß aufzuteilen (vgl. G(#1=U?,O,# 1989, S. V/160). Die /D.( der erfolgsmindernd zu verrechnenden Einzelwertberichtigungen ergibt sich, wenn vom derzeitigen Forderungsbetrag die erwarteten Tilgungs4 zahlungen des Kreditnehmers einerseits und die erwarteten Einzahlungen aus der Verwertung von Sicherheiten (einschließlich der von den Mitverpflichte4 ten erwarteten Zahlungen) andererseits abgezogen werden (vgl. 7#+52"$ ,% '*; 2004, S. 423). Einzelwertberichtigungen sind immer !*= 1%( %" F">U)*-. +("7;;("(" (:)A+( zu bilden, auch wenn eine höhere Zusage seitens des Kreditinstituts vorliegt. Somit ist „eine Einzelwertberichtigung mit einem höheren Betrag als demjenigen der Inanspruchnahme am Bilanzstichtag … nicht möglich“ (G(#1=U?,O,# 1989, S. V/161). Wie bereits erwähnt (vgl. die Abschnitte 4.1.1.3 und 4.1.1.4), gilt nach § 253 Abs. 5 HGB ein Wertaufholungsgebot. Folglich ist bei einem vollständigen oder teilweisen Wegfall der Gründe für die Einzelwertberichtigung diese grundsätzlich entsprechend aufzulösen und der Forderung erfolgserhöhend zuzuschreiben. Die bisherigen Ausführungen gelten unabhängig davon, ob der Schuldner sich im Inland oder im Ausland befindet. Bei Forderungen an Schuldner im Aus4 land kann aber neben das Bonitätsrisiko, das unmittelbar in der „Person“ des Kreditnehmers begründet liegt, noch das YA"1())%>%#7 treten. Das Länder4 risiko (vgl. A-#(0%('2 1992, S. 118) besteht darin, dass der Schuldner seinen Zahlungen nicht mehr nachkommen kann, weil entweder sein Sitzland die erforderlichen Devisen aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr bereitstellen kann, also die eigene Währung nicht in die dem Gläubiger geschuldete Wäh4 rung konvertieren kann (M7"6():%()*"+>)%>%#7), oder aus politischen Grün4 den die erforderlichen Devisen nicht mehr bereitstellen will bzw. dem Schuldner verbietet, die geschuldeten Devisen vom Schuldner4 in das Gläubi4 gerland zu transferieren (])!">=())%>%#7). 7#+52"$ ,% '*; sprechen diesbe4 züglich vom wirtschaftlichen bzw. politischen Länderrisiko (vgl. 7#+52"$ ,% '*; 2004, S. 443). Bei Krediten an ausländische staatliche Schuldner ist das Bonitätsrisiko automatisch auch ein Länderrisiko. Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,410 Da das Länderrisiko bei nicht staatlichen ausländischen Kreditnehmern nicht im Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit bzw. 4willigkeit einzelner Schuldner, sondern mit der des entsprechenden Sitzlandes steht, hat es sich als zweckmäßig erwiesen, dem Länderrisiko in Form von U!*>-.!&%():(" R%"L '(&?():$()%-.:%+*"+(" Rechnung zu tragen, die sich auf das Gesamtobligo der Kreditnehmer eines Landes bei einem Institut beziehen (vgl. Q'01-H+01- 1992, S. 361). Jedes Institut hat mithilfe eigener oder fremder Länderanalysen die jeweilige Höhe der zu bildenden pauschalierten Einzelwertberichtigungen zu ermitteln (vgl. hierzu Q'/,2,# 1995, S. 2204221 und ausführlich 7#+52"$ ,% '*; 2004, S. 4454451 sowie die dort angegebene Literatur). Die pauschalierten Einzelwertberichtigungen werden (in der Regel) als Pro4 zentsatz auf das Gesamtkreditengagement eines Instituts in einem Land aus4 gedrückt (z. B. 30 % pauschalierte Einzelwertberichtigung auf alle Kredite an Kreditnehmer im Land X). Dass bei der Festlegung des Prozentsatzes die Vor4 stellungen der Finanzverwaltung nicht unberücksichtigt bleiben, soll zumin4 dest erwähnt werden. Bei einer notleidenden Forderung an einen privaten ausländischen Schuldner wird allerdings zunächst eine Einzelwertberichtigung für das individuelle Bo4 nitätsrisiko dieses Schuldners und dann erst eine pauschalierte Einzelwertbe4 richtigung für das Länderrisiko vorgenommen. Sowohl bei der Festlegung der Höhe der Einzelwertberichtigungen als auch der Höhe der pauschalierten Einzelwertberichtigungen besteht ein enormer jahresabschlusspolitischer Spielraum für Institute, da es keine genauen gesetz4 lichen Ermittlungsmethoden, die zu einem bestimmten, in Zahlen ausgedrück4 ten Wert führen, gibt (vgl. auch Q'01-H+01- 1992, S. 358 und S. 361). Dies wäre auch aufgrund der Vielzahl der verschiedenen Gestaltungsmodalitäten bei Forderungen nicht zweckadäquat. Jedes Institut kann also seinen gesamten Wertberichtigungsbedarf autonom bestimmen, muss diesen aber gegenüber dem Abschlussprüfer vertreten. J9[9B9I9I 8%( -.!&?():$()%-.:%+*"+(" Entsprechend den in Abschnitt 4.1.2.3.1 dargestellten Bonitätsklassen sind Forderungen !";()#*"+>$(1E)=:%+, wenn sie „wegen erhöhter oder nicht abschließend beurteilbarer Risiken einer besonders intensiven Beobachtung bedürfen, ohne daß schon ein Einzelwertberichtigungsbedarf erkennbar ist“ (F3Q 1978, S. 490). Sowohl die anmerkungsbedürftigen als auch die als risikolos eingestuften Kredite sind immer auch risikobehaftet. Sie unterliegen dem &!:(":(" M)(1%:L )%>%#7, „welches darin besteht, daß als nicht akut gefährdet angesehene Kredi4 te oder Kreditteile zu einem nach dem Bilanzstichtag liegenden Zeitpunkt ganz oder teilweise ausfallen“ (F3Q 1990, S. 321). Mit anderen Worten: Das Z;T 3(, G,$,#%+2/ 2'1- 9DG 411 zweifellos bestehende Bonitätsrisiko ist im Einzelfall noch nicht erkennbar oder zumindest noch nicht exakt belegbar (vgl. G(#1=U?,O,# 1989, S. V/195). Obwohl dieses latente Risiko damit also zum Abschlussstichtag auch noch nicht messbar ist und keiner Forderung direkt zugeordnet werden kann, müs4 sen die Forderungen nach dem in § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB verankerten Vor4 sichtsprinzip auf ihren niedrigeren beizulegenden Wert abgeschrieben werden. Da kein Bezug zu einer bestimmten Forderung gegeben und eine Einzelwert4 berichtigung somit nicht möglich ist, muss die Abschreibung pauschal für alle Forderungen (Pauschalwertberichtigung; Sammelwertberichtigung) erfolgen. 7#+52"$ ,% '*; nennen als 67)>7)+(=A.%+( &!:(":( 4%>%#(", für die Pau4 schalwertberichtigungen gebildet werden dürfen (vgl. 7#+52"$ ,% '*; 2004, S. 433): • das allgemeine Ausfallwagnis, d. h. die Gefahr, dass „ein Schuldner von an sich guter Bonität durch nicht vorhersehbare Ereignisse in Schwierigkeiten gerät“; • das konkrete Konjunktur4 und Geschäftsrisiko, „wenn sich bereits am Bi4 lanzstichtag eine konjunkturelle oder branchenspezifische Verschlechte4 rung abzeichnet und eine Verschlechterung der Zahlungseingänge droht“; • „unerkennbare Bonitätsrisiken, die bei steigendem Kreditvolumen bzw. 0(>-.A=:>!*>?(%:*"+ überproportional zunehmen können“ (Hervorhebung im Original; Anm. d. Verf.). Die folgenden latenten Risiken dürfen dagegen bei der Bemessung der Pau4 schalwertberichtigungen "%-.: $()E-#>%-.:%+: werden (vgl. 7#+52"$ ,% '*; 2004, S. 433): • das allgemeine Konjunkturrisiko; • das allgemeine Geschäftsrisiko; • künftige eventuelle Ereignisse jedweder Art. Diese allgemeinen Risiken der Unternehmungstätigkeit sind über die Bildung von gesetzlich vorgeschriebenen (z. B. § 150 AktG) oder freiwillig gebildeten Rücklagen abzudecken. Für die Jahresabschlüsse bis zum 30. Dezember 1988 gab es über die Bildung von Sammelwertberichtigungen eine Anordnung des G+2.,0'+&0(1-%0'5%,0 &@# .'0 7#,.(%$,0,2, in der für verschiedene Forderungsarten feste Wertbe4 richtigungsprozentsätze vorgeschrieben waren. Ab dem Abschlussstichtag 31. Dezember 1988 wurde diese Anordnung aufgehoben. Die Pauschalwertbe4 richtigungen sind jetzt allein nach handelsrechtlichen Grundsätzen zu berech4 nen. Da das Handelsrecht kein Verfahren zur Berechnung des Pauschalwert4 Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,412 berichtigungsbedarfs vorgibt, bleibt es jedem Institut individuell überlassen, diesen für sich zu ermitteln (vgl.Q'01-H+01- 1992, S. 360). Hinsichtlich der >:(*())(-.:&%-.(" F"()#(""*"+ 67" -.!&?():$()%-.L :%+*"+(" ist allerdings das Schreiben des G+2.,05(2(0%,#(+50 .,# S(2'2C,2 vom 10. Januar 1994 (vgl. G?S 1994, S. 98499) zu beachten. Der Vorschlag des G'2=,2&'1-'+001-+00,0 (vgl. F3Q 1990, S. 322) und das G?S4Schreiben ähneln sich. Im Folgenden werden beide Verlautbarungen in ihren Grundzü4 gen erläutert. Dabei wird von dem G?S4Schreiben ausgegangen, das aufgrund der häufig von Instituten verfolgten einheitlichen handels4 und steuerrechtli4 chen Rechnungslegung im Vordergrund der Anwendung steht. Sofern die empfohlene Vorgehensweise des G'2=,2&'1-'+001-+00,0 von der des G?S4 Schreibens abweicht, wird hierauf hingewiesen. Die am Abschlussstichtag zu verrechnenden -.!&?():$()%-.:%+*"+(" ergeben sich +(;AV 1(; -C:L5-.)(%$(" wie in der nachfolgenden Y G?S6B1-#,(H,2 )"5 Tg; 8'2+'# TffZ Bevor die in -."%::&%-.( 37)1()*"+>!*>=!&& ergibt sich als „Durchschnitt des tatsächlichen Forderungsausfalls für die dem Abschlussstichtag vorangehen4 den fünf Wirtschaftsjahre“ (G?S 1994, Tz. 2). Der tatsächliche Forderungs4 ausfall ist definiert als tatsächlich realisierter, wirtschaftlicher Verlust (vgl. G?S 1994, Tz. 3) und entspricht dem Verbrauch von gebildeten Einzelwert4 berichtigungen zuzüglich der Direktabschreibungen von Forderungen und ab4 züglich der Eingänge von abgeschriebenen Forderungen (vgl. G?S 1994, Tz. 4). Sofern Forderungsausfälle auf Risiken beruhen, die unabhängig von der Per4 son des Schuldners sind (YA"1())%>%#("), dürfen sie gemäß G?S4Schreiben (vgl. G?S 1994, Tz. 3) nicht in die Berechnung der Pauschalwertberichtigun4 gen einbezogen werden. Hier wird offenbar davon ausgegangen, dass Länder4 Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,414 risiken bereits durch pauschalierte Einzelwertberichtigungen abgedeckt wer4 den und ein Risiko nicht zweimal berücksichtigt werden soll. Dem ist jedoch entgegenzusetzen, dass pauschalierte Einzelwertberichtigungen nur für die am Abschlussstichtag erkennbaren Länderrisiken gebildet werden und keinesfalls latente Länderrisiken erfassen. Dies wäre die Aufgabe der Pauschalwertbe4 richtigungen. Die Anweisung des G?S4Schreibens führt also dazu, dass für latente Länderrisiken überhaupt keine Vorsorge in Form von Wertberichti4 gungen getroffen wird. Der Vorschlag des G'2=,2&'1-'+001-+00,0 erwähnt die (latenten) Länderrisiken nicht, so dass sie bei der Bildung von Pauschal4 wertberichtigungen zu berücksichtigen sind. Der durchschnittliche Forderungsausfall der Vergangenheit enthält auch Aus4 fälle, die nicht auf latente Risiken, sondern auf an den jeweiligen Abschluss4 stichtagen erkennbare Risiken zurückzuführen sind. Insofern überzeichnet der durchschnittliche Forderungsausfall die latenten Risiken der Vergangenheit. Aus diesem Grund sieht das G?S4Schreiben (vgl. G?S 1994, Tz. 2) eine Kürzung des durchschnittlichen Forderungsausfalls um 40 %, höchstens je4 doch um den Betrag der Einzelwertberichtigungen am Abschlussstichtag vor. Die Höhe des Abschlags (40 %) ist dabei risikotheoretisch nicht begründbar, sondern rein fiskalpolitisch motiviert. Eine entsprechende Kürzungsregel fehlt in dem Vorschlag des G'2=,2&'1-'+001-+00,0. Der um 40 % oder um den Einzelwertberichtigungsbestand am Abschluss4 stichtag verminderte durchschnittliche Forderungsausfall wird im G?S4 Schreiben (vgl. G?S 1994, Tz. 6) auch als ;!V+($&%-.() 37)1()*"+>!*>=!&& bezeichnet. Er ist zum durchschnittlichen risikobehafteten Kreditvolumen (zur Abgrenzung der Kredite siehe oben) in Beziehung zu setzen. Letzteres ergibt sich als Durchschnittswert wiederum der letzten fünf Abschlussstichtage. Der Quotient stellt sodann den anzuwendenden U)7'(":*!&(" -.!&?():$(L )%-.:%+*"+>>!:' – der G'2=,2&'1-'+001-+00 bezeichnet ihn als Gesamtrisiko4 quote (vgl. F3Q 1990, S. 322) – dar. Der Pauschalwertberichtigungssatz ist nun auf das risikobehaftete M)(1%:67L &*;(" !; F$>-.&*>>>:%-.:!+ anzuwenden. Das Resultat gibt den vorzuhal4 tenden (>:!"1 1() -.!&?():$()%-.:%+*"+(" !; F$>-.&*>>>:%-.:!+ an. In Abhängigkeit vom entsprechenden Vorjahresbestand sind dann Pauschal4 wertberichtigungen zusätzlich zu bilden oder aufzulösen. Das risikobehaftete Kreditvolumen (zur Abgrenzung der Kredite siehe oben) erfährt vor Anwen4 dung des Pauschalwertberichtigungssatzes eine Modifikation: Nach Tz. 8 des G?S4Schreibens „sind einzelwertberichtigte Forderungen und Kreditengage4 ments in vollem Umfang aus dem risikobehafteten Kreditvolumen auszu4 scheiden; der nicht einzelwertberichtigte Teil einer Forderung darf nicht in der Bemessungsgrundlage für die PWB (Abkürzung für Pauschalwertberichtigun4 gen im Original; Anm. d. Verf.) verbleiben, weil eine bestimmte Forderung nur entweder einzeln oder pauschal wertberichtigt werden kann“. Z;T 3(, G,$,#%+2/ 2'1- 9DG 415 Hier ist Identisches zu bemängeln wie bei der oben angesprochenen Nichtbe4 rücksichtigung der Länderrisiken. Einzelwertberichtigungen dienen dazu, am Abschlussstichtag erkennbare (akute) Ausfallrisiken abzudecken. Latente Ri4 siken können demnach – sie sind gerade nicht erkennbar – nicht durch Ein4 zelwertberichtigungen abgesichert werden. Dies ist Aufgabe der Pauschal4 wertberichtigungen. Wird nun eine bestimmte Forderung in einer gewissen Höhe einzelwertberichtigt, so bedeutet dies, dass der Jahresabschlussersteller in dieser Höhe akute Risiken konstatiert (vorausgesetzt er bildet nicht absicht4 lich zu hohe oder zu niedrige Einzelwertberichtigungen). Auf dem nicht ein4 zelwertberichtigten Teil der Forderung lasten aber (zusätzlich) die latenten Risiken, die – folgt man dem G?S4Schreiben – nun "%-.: durch Pauschal4 wertberichtigungen abgedeckt werden dürfen. Diese Vorgehensweise führt auch zu dem paradoxen Ergebnis, dass für not4 leidende Kredite, bei denen man vielleicht am ehesten latente Risiken erwar4 ten würde, überhaupt keine Pauschalwertberichtigungen gebildet werden, sondern nur für anmerkungsbedürftige und risikolose Kredite. Diese Vorge4 hensweise führt m. E. zu einer falschen Darstellung der Risikolage eines Insti4 tuts; sie ist – so lässt sich vermuten – allein fiskalpolitisch motiviert und ein (weiteres) Beispiel für den schädlichen Einfluss, den entsprechende steuer4 rechtliche Regelungen auf die Vermittlung eines den tatsächlichen Verhältnis4 sen entsprechenden Bildes der Vermögens4, Finanz4 und Ertragslage in der Handelsbilanz haben (können). Richtig in diesem Zusammenhang ist die Vorgehensweise des G'2=,2&'1-6 '+001-+00,0, der vom risikobehafteten Kreditvolumen am Abschlussstichtag lediglich die gebildeten Einzelwertberichtigungen abzieht (vgl. F3Q 1990, S. 322). „Soweit bei der Vornahme von Einzelwertberichtigungen das auf dem jeweiligen Kreditengagement liegende latente Risiko nicht mit berücksichtigt wurde (was dem Normalfall entsprechen dürfte bzw. sollte; Anm. d. Verf.), unterliegt auch der über die Einzelwertberichtigungen hinausgehende Teil noch einem latenten Risiko“ (F3Q 1990, S. 322, Fußnote 3), und „Sammel4 wertberichtigungen sollten das latente Kreditrisiko berücksichtigen, welches darin besteht, daß als nicht akut gefährdet angesehene M)(1%:( 71() M)(1%:L :(%&( (Hervorhebung durch den Verf.) … ganz oder teilweise ausfallen“ (F3Q 1990, S. 321). Abschließend lässt sich zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigungen sagen, dass die vorgestellten Mängel der steuerrechtlich anerkannten Vorgehenswei4 se allein mit deren Ziel erklärt werden können, nämlich die pauschale Vorsor4 ge für latente Kreditrisiken möglichst zu reduzieren, um Steuerausfälle zu mi4 nimieren. Dies zeigt bereits die Historie der ehemaligen Anordnung über die Bildung von Sammelwertberichtigungen (vgl. dazu G(#1=U?,O,# 1989, S. V/1984V/199, S. V/2094V/210 und S. V/215), aber auch überhaupt die Ausarbeitung des G?S4Schreibens, die dies als alleiniges Ziel hatte (vgl. Z 3(, G,$,#%+2/ (5 8'-#,0'H01-*+00 .,# F20%(%+%,416 G(#1=U?,O,# 1989, S. V/220; G+2.,0),#H'2. .,+%01-,# G'2=,2 ,; !; 1993b, S. 405). Handelsrechtlich ist deshalb das Verfahren des G'2=,2&'1-'+001-+06 0,0 zu empfehlen. Es dürfen jedoch auch andere Methoden (z. B. aufgrund von Verbandsempfehlungen) angewendet werden. Letztlich muss jedes vom Institut herangezogene Verfahren vom Abschluss4 prüfer anerkannt werden, wenn es den Grundsätzen der Bewertungsstetigkeit und der Willkürfreiheit genügt und objektiv nachvollziehbar ist. Den Institu4 ten bietet sich auch hier ein Betätigungsfeld für die Jahresabschlusspolitik (vgl.Q'01-H+01- 1992, S. 360). Die Einzelwertberichtigungen, die pauschalierten Einzelwertberichtigungen und die Pauschalwertberichtigungen sind in der Bilanz alle !#:%6%>-. 67" 1(" 6()>-.%(1("(" 37)1()*"+>U7>%:%7"(" !$'*>(:'(". Der Bestand und die Ver4 änderung der Wertberichtigungen sind somit nicht aus der Bilanz zu erkennen. Aufgrund der durch § 340f Abs. 3 HGB erlaubten Überkreuzkompensation in der Gewinn4 und Verlustrechnung (vgl. Abschnitt 4.1.4.2.3) können diese In4 formationen auch nicht der Erfolgsrechnung entnommen werden, sind also insgesamt nicht aus dem Jahresabschluss zu erkennen. Auf die Möglichkeit der Verrechnung institutsspezifischer stiller Reserven nach § 340f HGB bei den Forderungen wird hier nur hingewiesen. Da diese handelsrechtliche Vorschrift auch auf die Wertpapiere der Liquiditätsreserve angewendet werden kann, soll sie gemeinsam für die betroffenen Aktivpositi4 onen in Abschnitt 4.1.4 behandelt werden. J9[9I 8%( (?():*"+ 67" f():U!U%()(" J9[9I9[ 0)*"1>A:'&%-.(> § 7 RechKredV definiert den Begriff der Wertpapiere für Zwecke der Rech4 nungslegung von Instituten. Danach sind u. a. Aktien, börsenfähige Inhaber4 schuldverschreibungen und börsenfähige Orderschuldverschreibungen, soweit sie Teile einer Gesamtemission sind, als Wertpapiere zu bilanzieren (vgl. hier4 zu Abschnitt 2.1.2.4.6). Im Gegensatz zu den Forderungen, die immer wie Umlaufvermögen bewertet werden, muss bei Wertpapieren eine 1%==()("'%():( (:)!-.:*"+ vorgenom4 men werden. § 340e Abs. 1 Satz 2 HGB sieht vor, dass insbesondere Wertpa4 piere wie @;&!*=6();D+(" zu bewerten sind. Dies gilt allerdings nur, wenn sie nicht dazu bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen. An4 dernfalls sind sie wie F"&!+(6();D+(" zu bewerten. Weiterhin legt § 340e Abs. 1 Satz 1 HGB fest, dass Beteiligungen und Anteile an verbundenen Un4 ternehmen grundsätzlich wie Anlagevermögen zu bewerten sind. Da Beteili4 gungen und Anteile an verbundenen Unternehmen häufig in Wertpapieren,

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References

Zusammenfassung

Kreditinstitute haben ihrer besonderen Geschäftstätigkeit und ihrer Sonderstellung in der Volkswirtschaft wegen Vorschriften für die handelsrechtliche Rechnungslegung anzuwenden, die sich von denen anderer Unternehmungen unterscheiden. Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz und der Finanzkrise wird diese Sonderstellung noch einmal verstärkt, insbesondere hinsichtlich der Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte.

Dieses einzigartige Werk hat eine umfassende Erläuterung dieser von Kreditinstituten zu beachtenden Normen auf Einzel- und Konzernabschlussebene zum Ziel. Dabei werden die Einzelnormen vor dem Hintergrund bilanztheoretischer Erwägungen betrachtet und in diese eingebettet.

Das Buch ist einerseits für Studierende an Universitäten und Fachhochschulen etc. geeignet, andererseits aber auch für im externen Rechnungswesen tätige Praktiker bzw. für deren Ausbildung, weil über neu auftretende Bilanzierungsprobleme immer nur unter bilanztheoretischen Überlegungen entschieden werden kann. Für Theoretiker wie Praktiker gleichermaßen interessant sind die immer auch von bankaufsichtsrechtlichen Überlegungen geprägten jahresabschlusspolitischen Maßnahmen, die bei den verschiedenen Normen erläutert werden. Schließlich berücksichtigt das Werk auch die Internationalisierung der deutschen (Bank-) Rechnungslegung.

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- verarbeitet die für Kreditinstitute relevanten Bereiche des BilMoG

- inkl. der wichtigen Thematik zur Bewertung von Finanzinstrumenten

- Die Grundlagen

- Die Bilanz der Kredit- und Finanzinstitute

- Die Gewinn- und Verlustrechnung

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- Der Inhalt von Anhang und Lagebericht

- Die Prüfung und Offenlegung des Jahresabschlusses

- Die Besonderheiten der Konzernrechnungslegung

- Die Rechungslegung nach den International Accounting Standards

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