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2.2.3 Die Wertpapierleihe in:

Hartmut Bieg

Bankbilanzierung nach HGB und IFRS, page 353 - 355

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3566-5, ISBN online: 978-3-8006-4456-8, https://doi.org/10.15358/9783800644568_353

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
W 3,# <+0$,(0 (2 .,# G(*'2C )"2 F20%(%+%,2316 IFRS grundsätzlich auf die wirtschaftliche Betrachtungsweise abgestellt wird (vgl. j*.,2H+#/,# 2000, S. 272). Dies ist positiv zu beurteilen, denn nur, wenn der wirtschaftliche Gehalt eines Geschäftes berücksichtigt wird, erhalten die Jahresabschlussadressaten entscheidungsrelevante Informationen. Die do4 minierende wirtschaftliche Betrachtungsweise der IFRS wird jedoch m. E. nach in der Praxis auf Grenzen stoßen. Sowohl nach HGB als auch nach IFRS bestehen in bestimmten Fällen unterschiedliche Auffassungen bezüglich der bilanziellen Behandlung von Pensionsgeschäften, so dass es in beiden Rech4 nungslegungswelten zu Ermessensspielräumen kommt. Obwohl die Absicht geäußert wurde, das deutsche Handelsrecht verstärkt an die internationale Rechnungslegung anzupassen (vgl. BMJ 2003), sind die HGB4Vorschriften zu den Pensionsgeschäften durch das Bilanzrechtsmoder4 nisierungsgesetz nicht geändert worden. B9B9I 8%( f():U!U%()&(%.( B9B9I9[ %&!"'%()*"+ 1() f():U!U%()&(%.( "!-. 2345 Im Gegensatz zu den Pensionsgeschäften wird in IAS 39 die bilanzielle Be4 handlung einer Wertpapierleihe explizit erwähnt. So wird die Wertpapierleihe in IAS 39.AG40(b), IAS 39.AG51(a) sowie IAS 39.AG51(b) als Beispiel dafür aufgeführt, dass bei einer solchen Übertra4 gungsform der Übertragende im Wesentlichen alle Risiken und Chancen be4 halten hat. Da der Übertragende bei der Wertpapierleihe – wie auch beim ech4 ten Pensionsgeschäft – den übertragenen Vermögenswert im Regelfall wieder zurückerhält, ist er zum Rückübertragungszeitpunkt dem Risiko eines Wert4 verfalls bzw. der Chance einer Wertsteigerung ausgesetzt. „Bei Wertpapier4 leihegeschäften trägt der Verleiher das Marktpreisrisiko, da der Entleiher zur Rückübertragung von Wertpapieren gleicher Art, Güte und Menge verpflich4 tet ist“ (F3Q 2007, S. 60). Demnach sind die f():U!U%()( ?(%:().%" %" 1() %&!"' 1(> G()&(%.()> !*>'*?(%>(" *"1 (":>U)(-.("1 %.)() M!:(+7)%>%(L )*"+ '* $(?():(". Bei dieser Bewertung ist nach Ansicht einiger Autoren im Schrifttum neben dem Emittentenrisiko auch das Kontrahentenrisiko zu erfas4 sen (vgl. GI1=(2/ULI$UQ"-*5'220%,%%,# 2008, S. 1925; F3Q 2007, S. 62; 7#+52"$ ,% '*; 2004, S. 143). Obwohl eine solche Bewertung in IAS 39 nicht explizit vorgeschrieben ist, ist sie sinnvoll, da bei einem Ausfall des Entlei4 hers der Verleiher die Wertpapiere nicht mehr zurückbekommt Erhält der G()&(%.() zum Zeitpunkt der Übertragung keine liquiden Mittel als Gegenleistung, so hat er zu diesem Zeitpunkt keine Buchung vorzunehmen. Da dem Entleiher jedoch das Veräußerungsrecht in Bezug auf die Wertpapiere zusteht, muss der Verleiher nach IAS 39.AG51(a) die Wertpapiere umgliedern W;W 3,# <+0$,(0 (2 .,# G(*'2C 2'1- FSPB 317 in bspw. „ausgeliehene Vermögenswerte“. Werden für die Wertpapierleihe jedoch Barsicherheiten gestellt, so ergeben sich dieselben Buchungen wie bei einem echten Pensionsgeschäft (vgl. Abschnitt 2.2.2.3). Der R":&(%.() bilanziert die Wertpapiere nicht (vgl. IAS 39.AG50), so dass anhand seiner Bilanz der Abschluss der Wertpapierleihe nicht ersichtlich wird. Falls er die Wertpapiere jedoch tatsächlich veräußert, hat er gemäß IAS 39.37(b) den Veräußerungserlös und eine zum &'(# )'*+, bewertete Ver4 bindlichkeit für seine Rückübertragungsverpflichtung in der Bilanz zu erfas4 sen. B9B9I9B G()+&(%-. ;%: 1(" G7)>-.)%=:(" "!-. /0 Während nach HGB die h. M. eine Ausbuchung der verliehenen Wertpapiere aus der Bilanz des Verleihers fordert, sind diese nach IAS 39 weiterhin vom Verleiher zu bilanzieren. Die im Rahmen der Bilanzierung nach HGB aufge4 zeigte Kritik an einer Zurechnung der Wertpapiere zum Entleiher besteht bei der bilanziellen Abbildung einer Wertpapierleihe somit nicht. Nach IFRS er4 geben sich demnach zwischen der Bilanzierung eines echten Pensionsge4 schäfts und der Bilanzierung einer Wertpapierleihe – im Gegensatz zum HGB – keine Unterschiede. 8)%::() F$>-."%:: 8() F*>?(%> %" 1() 0(?%""L *"1 G()&*>:L )(-."*"+ 67" M)(1%:%">:%:*:(" *"1 3%"!"'1%(">:&(%>:*"+>%">:%:*:(" 3.1 Die Gewinn4 und Verlustrechnung nach HGB................................... 321 3.1.1 Die Form der Gewinn4 und Verlustrechnung........................... 321 3.1.2 Die Gliederungskriterien .......................................................... 323 3.1.3 Die Gliederungsgrundsätze ...................................................... 327 3.1.4 Bruttoprinzip versus Nettoprinzip ............................................ 331 3.1.5 Erläuterungen ausgewählter Positionen der Gewinn4 und Verlustrechnung ....................................................................... 334 3.1.6 Das Betriebsergebnis ................................................................ 377 3.2 Die Gewinn4 und Verlustrechnung nach IFRS................................... 378

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Zusammenfassung

Kreditinstitute haben ihrer besonderen Geschäftstätigkeit und ihrer Sonderstellung in der Volkswirtschaft wegen Vorschriften für die handelsrechtliche Rechnungslegung anzuwenden, die sich von denen anderer Unternehmungen unterscheiden. Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz und der Finanzkrise wird diese Sonderstellung noch einmal verstärkt, insbesondere hinsichtlich der Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte.

Dieses einzigartige Werk hat eine umfassende Erläuterung dieser von Kreditinstituten zu beachtenden Normen auf Einzel- und Konzernabschlussebene zum Ziel. Dabei werden die Einzelnormen vor dem Hintergrund bilanztheoretischer Erwägungen betrachtet und in diese eingebettet.

Das Buch ist einerseits für Studierende an Universitäten und Fachhochschulen etc. geeignet, andererseits aber auch für im externen Rechnungswesen tätige Praktiker bzw. für deren Ausbildung, weil über neu auftretende Bilanzierungsprobleme immer nur unter bilanztheoretischen Überlegungen entschieden werden kann. Für Theoretiker wie Praktiker gleichermaßen interessant sind die immer auch von bankaufsichtsrechtlichen Überlegungen geprägten jahresabschlusspolitischen Maßnahmen, die bei den verschiedenen Normen erläutert werden. Schließlich berücksichtigt das Werk auch die Internationalisierung der deutschen (Bank-) Rechnungslegung.

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