Content

8.3.2 Die Kriterien zur Beurteilung jahresabschlusspolitischer Instrumente in:

Hartmut Bieg

Bankbilanzierung nach HGB und IFRS, page 1010 - 1013

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3566-5, ISBN online: 978-3-8006-4456-8, https://doi.org/10.15358/9783800644568_1010

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
e;V 3(, F20%#+5,2%, .,# 8'-#,0'H01-*+004"*(%(= 981 wisse Dauer beanspruchen; so muss beim Verkauf von Vermögensge4 genständen ein Käufer gefunden werden, der nach Möglichkeit bereit sein sollte, den gewünschten Betrag zu bezahlen. Die sachverhaltsgestaltende Jah4 resabschlusspolitik bewegt sich somit im Spannungsfeld der Vermeidung ei4 nes zu frühen Einsatzes, der in seiner Wirkung durch den Geschäftsverlauf konterkariert werden kann, und eines zu späten Einsatzes, der nur noch eine begrenzte Zahl von Handlungsmöglichkeiten bietet. Unabhängig von den jahresabschlusspolitisch verfolgten Zielsetzungen kann man beim Einsatz von vorstichtagsbezogenen Instrumenten der Jahresab4 schlusspolitik folgende grundsätzlichen /!"1&*"+>>:)!:(+%(" unterscheiden (vgl. Q'01-H+01- 1994c, S. 815): • Die jahresabschlusspolitisch motivierte '(%:&%-.( G()&!+()*"+ 67" 0(L >-.A=:>67)=A&&(", deren Notwendigkeit ohnehin gegeben war, d. h. allein aus jahresabschlusspolitischen Gründen werden Geschäfte – anders als ur4 sprünglich beabsichtigt – schon vor dem Abschlussstichtag durchgeführt, obwohl sie erst nach diesem Zeitpunkt durchgeführt werden sollten, oder sie werden erst nach dem Jahresabschlussstichtag durchgeführt, obwohl sie ursprünglich schon vor diesem Termin durchgeführt werden sollten. • Die 8*)-.=E.)*"+ $'?9 die @":()&!>>*"+ 67" P!V"!.;(" allein aus jahresabschlusspolitischen Erwägungen. Dabei kann weiter unterschieden werden nach Maßnahmen, die nach dem Stichtag rückgängig gemacht wer4 den, und Maßnahmen, die nach dem Stichtag beibehalten werden und somit Langfristwirkung erzielen. Zu den "!-.>:%-.:!+>$('7+("(" 2">:)*;(":(", die "!-. dem Abschluss4 stichtag anwendbar sind, gehören alle Maßnahmen zur Darstellung von Sach4 verhalten. Am Abschlussstichtag stehen die im abgeschlossenen Geschäftsjahr aufgetretenen betrieblichen Sachverhalte und Tatbestände unveränderlich fest. Jahresabschlusspolitik der Institute kann nun nur noch betrieben werden, so4 weit das Handels4 und Steuerrecht bzw. die IFRS Wahlrechte hinsichtlich der Aufnahme dieser Sachverhalte in den Jahresabschluss ( %&!"'%()*"+>?!.&L )(-.:() sowie hinsichtlich ihrer Bewertung ( (?():*"+>?!.&)(-.:() ein4 räumen. n9I9B 8%( M)%:()%(" '*) (*):(%&*"+ T!.)(>!$>-.&*>>L U7&%:%>-.() 2">:)*;(":( n9I9B9[ 8%( M)%:()%(" 1() W%(&())(%-.*"+ Will der Ersteller des Jahresabschlusses mithilfe der Jahresabschlusspolitik finanz4 und publizitätspolitische Ziele verfolgen, so muss er aus einer Vielzahl e 3(, 8'-#,0'H01-*+004"*(%(= .,# F20%(%+%,982 der im Folgenden zu beschreibenden Instrumente diejenigen auswählen, mit denen er die gesteckten Ziele möglichst effektiv erreicht. Stehen dazu mehrere durchführbare jahresabschlusspolitische Instrumente gleichzeitig zur Verfü4 gung, so benötigt er zur Entscheidungsfindung weitere Beurteilungskriterien. Zunächst ist von Interesse, inwieweit die verfolgten jahresabschlusspoliti4 schen Ziele auch tatsächlich erreicht werden (M)%:()%(" 1() W%(&())(%-.*"+). Von besonderer Bedeutung ist dabei, wie die Instrumente %; X!.)( 1(> R%"L >!:'(> auf die jahresabschlusspolitischen Zielgrößen wirken. Diese <)%;A)L ?%)#*"+ äußert sich nicht nur hinsichtlich der Beeinflussung der Zielgrößen, also der quantitativen Wirkung, sondern auch in Bezug auf die Teilbarkeit und Erkennbarkeit. Die ](%&$!)#(%: beschreibt die Flexibilität, mit der sich ein Instrument in seinen quantitativen Auswirkungen dosierbar erweist. So kann etwa der Ertrag aufgrund einer buchmäßigen Zuschreibung innerhalb des Zu4 schreibungsspielraums exakt entsprechend der gewünschten Ergebnissteige4 rung verrechnet werden, während der ergebnissteigernde Veräußerungsge4 winn aus dem Verkauf eines Gegenstandes eindeutig durch die Differenz zwi4 schen Buchwert und Veräußerungserlös bestimmt wird. Im Hinblick auf die informationspolitische Zielsetzung ist die R)#(""$!)#(%: des Instruments für den externen Jahresabschlussanalytiker von entscheiden4 der Bedeutung, da sich eine betragsmäßig erkennbare jahresabschlusspoliti4 sche Maßnahme für die Zwecke der Jahresabschlussanalyse unmittelbar be4 reinigen lässt und bei einer tendenzmäßig erkennbaren Maßnahme zumindest die bestimmende Richtung, in der bestimmte jahresabschlusspolitische In4 strumente benutzt wurden, deutlich wird. Von dieser Primärwirkung ist die 5(#*"1A)?%)#*"+ zu unterscheiden, die sich erst in den Folgejahren in den jahresabschlusspolitischen Zielgrößen nie4 derschlägt und im Regelfall entgegengerichtet zur Primärwirkung ausfällt („Zweischneidigkeit der Bilanz“). Wenn auch dann – wie im Jahr des ersten Einsatzes des jahresabschlusspolitischen Instruments – das Ziel des Jahres4 abschlusserstellers ein möglichst hoher Jahresüberschuss ist, so muss er ver4 suchen, diese konträre Folgewirkung zusätzlich zu den ansonsten zu ergrei4 fenden Maßnahmen zu kompensieren. n9I9B9B 8%( M)%:()%(" 1() %"1*"+>?%)#*"+ Bei der Beurteilung eines jahresabschlusspolitischen Instruments ist darüber hinaus zu beachten, inwiefern durch den Einsatz des Instruments das Spekt4 rum des jahresabschlusspolitischen Instrumentariums in sachlicher oder zeitli4 cher Hinsicht eingeschränkt wird (M)%:()%(" 1() %"1*"+>?%)#*"+). Eine Einengung der Alternativenmenge hat zumindest mittelbar Einfluss auf die jahresabschlusspolitische Zielerreichung, weil dadurch der Einsatz bestimmter Instrumente entweder ebenfalls vorbestimmt oder ausgeschlossen ist. Zu un4 e;V 3(, F20%#+5,2%, .,# 8'-#,0'H01-*+004"*(%(= 983 terscheiden ist eine Bindungswirkung innerhalb eines Geschäftsjahres (Fragen der %""()U()%71%>-.(" R%".(%:&%-.#(%: bei Bilanzierung und Bewertung) und eine Bindungswirkung in zeitlicher Hinsicht in aufeinander folgenden Ge4 schäftsjahren (Fragen der %":()U()%71%>-.(" 5:(:%+#(%: bei Bilanzierung und Bewertung; vgl. hierzu und zum Folgenden G(,/U7+Y5'+* 2009a, S. 2544 255). Die %"1*"+>?%)#*"+ %""().!&$ (%"(> 0(>-.A=:>T!.)(> ergibt sich aus dem Gebot der f%&&#E)=)(%.(%:. Sie besagt im Wesentlichen, dass gleiche Sach4 verhalte nicht willkürlich unterschiedlich bilanziert oder bewertet werden dür4 fen. Da dieser Grundsatz nicht im Gesetz geregelt ist, sind Einzelheiten hin4 sichtlich Tragweite und Umfang einer einheitlichen Vorgehensweise umstrit4 ten. Im Kern geht es um die Frage, ob eine Bilanzierungs4 oder Bewertungs4 entscheidung für einen einzelnen Sachverhalt auch Auswirkungen auf die Bi4 lanzierung oder Bewertung gleicher oder ähnlicher Sachverhalte hat. Die %"1*"+>?%)#*"+ %" !*=(%"!"1() =7&+("1(" 0(>-.A=:>T!.)(" ergibt sich aus dem 5:(:%+#(%:>+)*"1>!:', der durch die Forderung der Bilanzidenti4 tät (vgl. § 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB sowie nach den IFRS aus F.39 abzuleiten), die Vorschrift zur Beibehaltung der Darstellungsform von Bilanz und Ge4 winn4 und Verlustrechnung (vgl. § 265 Abs. 1 Satz 1 HGB sowie F.39) sowie durch die Forderung nach Beibehaltung der auf den vorhergehenden Jahresab4 schluss angewandten Bewertungsmethoden (vgl. § 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB so4 wie nach den IFRS aus dem Grundsatz der 1"54'#'H(*(%O aus F.39 abzuleiten) gesetzlich geregelt ist. Abweichungen von der Darstellungsform sind nur we4 gen besonderer Umstände möglich sowie im Anhang anzugeben und zu be4 gründen (vgl. § 265 Abs. 1 Satz 1 und 2 HGB sowie F.40). Gleiches gilt für die Bewertungsmethoden (vgl. § 252 Abs. 2 HGB und § 284 Abs. 2 Nr. 3 HGB sowie F.40). Hinsichtlich des im HGB nicht ausdrücklich genannten Grundsatzes der Bi4 lanzierungsstetigkeit besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass Entschei4 dungen über den Ansatz dem Grunde nach (insbesondere F#:%6%()*"+>L *"1 >%6%()*"+>?!.&)(-.:() nicht dem Grundsatz der Stetigkeit unterliegen. Als unumstritten gilt ebenfalls, dass die bei einem Sachverhalt getroffene Bi4 lanzierungs4 oder Bewertungsentscheidung nach dem 0)*"1>!:' 1() f():L >:(:%+#(%: in Folgejahren nicht rückgängig gemacht werden kann, es sei denn, die Änderung war Bestandteil einer methodischen Vorgehensweise (z. B. Wechsel von der degressiven auf die lineare Abschreibung im Rahmen der handelsrechtlichen Rechnungslegung). Weitere Einzelheiten, insbesondere wann eine Bewertungsmethode vorliegt, ob und inwieweit Bewertungsstetig4 keit auch für gleichartige Sachverhalte gilt und wann begründete Ausnahmen die Durchbrechung des Grundsatzes der Stetigkeit erlauben, sind allerdings umstritten. e 3(, 8'-#,0'H01-*+004"*(%(= .,# F20%(%+%,984 Eine zusammenfassende Darstellung der Kriterien der Zielerreichung und der Bindungswirkung enthält !$>-.&*>>U7&%:%>-.(" 2">:)*;(":( 1() 3%"!"'U7&%:%# n9I9I9[ G7)$(;()#*"+(" Bei der Erörterung der Ziele der Jahresabschlusspolitik wurden als finanzpoli4 tische Zielsetzungen (vgl. Abschnitt 8.2.2) die erfolgsorientierten und die li4 quiditätsorientierten Ziele festgestellt. Als Variablen zur Überprüfung, inwie4 weit die erfolgsorientierten Ziele verwirklicht wurden, ergaben sich hierbei der Jahresüberschuss und der Bilanzgewinn (vgl. Abschnitt 8.2.2.2). Entspre4 chende Variablen in Bezug auf die liquiditätsorientierten Ziele sind die soge4 nannte Primär4 und Sekundärliquidität (vgl. Abschnitt 8.2.3.2.4). Die folgenden Erläuterungen der jahresabschlusspolitischen Instrumente der Finanzpolitik orientieren sich an diesen Variablen, so dass zunächst die In4 strumente zur Beeinflussung von Jahresüberschuss und Bilanzgewinn (vgl. Abschnitt 8.3.3.2) und dann die Instrumente zur Veränderung der Liquidität (vgl. Abschnitt 8.3.3.2.3.1) vorgestellt werden. Aufgrund des Umfangs der Instrumente, die auf den Jahresüberschuss und den Bilanzgewinn wirken, bie4 tet es sich an, bei deren Analyse eine Systematisierung nach dem Zeitpunkt

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Kreditinstitute haben ihrer besonderen Geschäftstätigkeit und ihrer Sonderstellung in der Volkswirtschaft wegen Vorschriften für die handelsrechtliche Rechnungslegung anzuwenden, die sich von denen anderer Unternehmungen unterscheiden. Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz und der Finanzkrise wird diese Sonderstellung noch einmal verstärkt, insbesondere hinsichtlich der Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte.

Dieses einzigartige Werk hat eine umfassende Erläuterung dieser von Kreditinstituten zu beachtenden Normen auf Einzel- und Konzernabschlussebene zum Ziel. Dabei werden die Einzelnormen vor dem Hintergrund bilanztheoretischer Erwägungen betrachtet und in diese eingebettet.

Das Buch ist einerseits für Studierende an Universitäten und Fachhochschulen etc. geeignet, andererseits aber auch für im externen Rechnungswesen tätige Praktiker bzw. für deren Ausbildung, weil über neu auftretende Bilanzierungsprobleme immer nur unter bilanztheoretischen Überlegungen entschieden werden kann. Für Theoretiker wie Praktiker gleichermaßen interessant sind die immer auch von bankaufsichtsrechtlichen Überlegungen geprägten jahresabschlusspolitischen Maßnahmen, die bei den verschiedenen Normen erläutert werden. Schließlich berücksichtigt das Werk auch die Internationalisierung der deutschen (Bank-) Rechnungslegung.

- das maßgebliche Werk in diesem Bereich

- verarbeitet die für Kreditinstitute relevanten Bereiche des BilMoG

- inkl. der wichtigen Thematik zur Bewertung von Finanzinstrumenten

- Die Grundlagen

- Die Bilanz der Kredit- und Finanzinstitute

- Die Gewinn- und Verlustrechnung

- Die Bewertung im Jahresabschluss

- Der Inhalt von Anhang und Lagebericht

- Die Prüfung und Offenlegung des Jahresabschlusses

- Die Besonderheiten der Konzernrechnungslegung

- Die Rechungslegung nach den International Accounting Standards

- Die Jahresabschlusspolitik

Für Studierende mit dem Schwerpunkt Bankbetriebslehre an Universitäten, Fachhochschulen und Akademien sowie Kaufleute im Rechnungswesen der Kredit- und Finanzinstitute.