Content

8.2.4 Die Zielkonflikte der jahresabschlusspolitischen Ziele in:

Hartmut Bieg

Bankbilanzierung nach HGB und IFRS, page 1002 - 1003

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3566-5, ISBN online: 978-3-8006-4456-8, https://doi.org/10.15358/9783800644568_1002

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
e;W 3(, E(,*, .,# 8'-#,0'H01-*+004"*(%(= 973 schäftsberichten von Kreditinstituten durchgesetzt hat; ein einheitlicher Be4 rechnungsmodus existiert aber leider in der Praxis nicht. Bilanzsumme + Eventualverbindlichkeiten aus weitergegebenen abgerechneten Wechseln + Verbindlichkeiten aus Bürgschaften und Gewährleistungsverträgen = Geschäftsvolumen &%0)"*+5,20 Im Rahmen der rein publizitätspolitischen Zielsetzung kann es hier nur darum gehen, eine möglichst hohe Bilanzsumme bzw. ein möglichst hohes Ge4 schäftsvolumen auszuweisen, um die Größe des Instituts hervorzuheben. n9B9J 8%( W%("=&%#:( 1() T!.)(>!$>-.&*>>U7&%:%>-.(" W%(&( Bei gleichzeitiger Verfolgung mehrerer Ziele der Finanz4 und Publizitätspoli4 tik im Rahmen der Jahresabschlusspolitik von Instituten treten insbesondere dann Konflikte auf, wenn die Interessen der Unternehmungsleitung denen einzelner Gruppen von Jahresabschlussadressaten widersprechen oder wenn die Interessen einzelner Adressatengruppen untereinander unvereinbar sind. Im erstgenannten Fall kann etwa wegen des Interesses der Eigenkapitalgeber an einer möglichst hohen Gewinnausschüttung ein hoher Bilanzgewinnaus4 weis von ihnen als wünschenswert angesehen werden, während innenfinanzie4 rungspolitische Gesichtspunkte für eine hohe offene Rücklagenbildung und damit für einen eher niedrigen Bilanzgewinnausweis sprechen. Ein weiterer Zielkonflikt ergibt sich z. B., wenn eine für die Außenfinanzierung günstige Bilanzstruktur nur dadurch erreicht werden kann, dass bestimmte Vermögens4 positionen unterbewertet, andere hingegen volumenmäßig erhöht werden, gleichzeitig aber aus Gründen des „0%'2.(2/“ eine aktive Publizitätspolitik verfolgt wird, die auf die Darstellung eines möglichst den tatsächlichen Ver4 hältnissen entsprechenden Bildes der Vermögenslage zielt. Interessenkonflikte treten aber auch zwischen externen Jahresabschlussadres4 satengruppen auf. So sind beispielsweise nicht alle Unternehmungseigentümer an einer möglichst hohen Gewinnausschüttung interessiert. Es ist möglich, dass etwa Großaktionäre eher eine Thesaurierung der Gewinne präferieren, damit der Unternehmungswert (und damit ihr Vermögen) wächst, während z. B. Kleinaktionäre eher an Gewinnausschüttungen interessiert sind. Dabei können die geschilderten denkbaren Interessen der Großaktionäre mit den In4 e 3(, 8'-#,0'H01-*+004"*(%(= .,# F20%(%+%,974 teressen der Personen und Personengruppen übereinstimmen, die – wie etwa die Gläubiger – erfolgsunabhängige Zahlungen erwarten; Letztere sehen u. U. diese Ansprüche durch zu hohe Ausschüttungen, also durch Vermögensab4 flüsse aus der Unternehmung, gefährdet. Welchen Zielvorstellungen bei der Herbeiführung eines Interessenausgleichs Vorrang eingeräumt wird, ist davon abhängig, welche Gewichtung bzw. Prio4 rität die Unternehmungsleitung den einzelnen Zielen der Finanz4 und Publizi4 tätspolitik zuordnet (vgl. dazu Q'01-H+01- 1992a, S. 1544156). Zudem ist davon auszugehen, dass diese Ziele und damit auch die jahresabschlusspoliti4 schen Zielgrößen jährlich zu überprüfen und gegebenenfalls neu festzulegen sind. Zum einen ist dies notwendig aufgrund der gegenseitigen Beeinflussung und unterschiedlichen Bindungswirkungen der im Folgenden zu behandelnden jahresabschlusspolitischen Instrumente, zum anderen werden die sich laufend ändernden Umweltbedingungen die Entscheidungsträger zwingen, ihre Ziele und Zielgrößen ständig anzupassen. n9B9c 8%( M7"'()"T!.)(>!$>-.&*>>U7&%:%# Die W!.&*"+>$(;(>>*"+>=*"#:%7" ist nach gegenwärtigem Recht allein dem handels4 und steuerrechtlichen Einzeljahresabschluss zugedacht. Die 3*"#:%L 7" 1() 2"=7);!:%7">6();%::&*"+ wird hingegen auch und vor allem vom Konzernabschluss nach HGB und insbesondere nach IFRS wahrgenommen; ein steuerrechtlicher Konzernabschluss ist nicht aufzustellen, weil die einzel4 nen Konzernunternehmungen und nicht der Konzern der Besteuerung unter4 liegen (vgl. zum gesamten Abschnitt G(,/U7+Y5'+* 2009a, S. 2484249). Der M7"'()"!$>-.&*>> ergibt sich durch Einbeziehung der Jahresabschlüsse der zu konsolidierenden Konzerngesellschaften (Mutterunternehmung, Toch4 terunternehmungen, Gemeinschaftsunternehmungen und assoziierte Unter4 nehmungen), Vereinheitlichung bei Ausweis4, Bilanzierungs4 und Bewer4 tungsfragen und gegebenenfalls Umrechnung von Fremdwährungsabschlüs4 sen, Zusammenfassung zu einem Summenabschluss und Bereinigung der in4 nerkonzernlichen Beziehungen (Vollkonsolidierung mit Minderheitenausweis, Quotenkonsolidierung, Equitykonsolidierung). Da der Konzernabschluss keine Steuer4 bzw. Ausschüttungsbemessungsfunk4 tion erfüllen muss, wäre eine 67&&>:A"1%+( F*>)%-.:*"+ !*= 1%( <*$&%'%:A:>L =*"#:%7" möglich. Allerdings ergibt sich für den handelsrechtlichen Konzern4 abschluss eine Störung dieser Jahresabschlussfunktion aus der Tatsache, dass die vom Gläubigerschutzgedanken dominierte Ausschüttungsbemessungs4 funktion, somit also die Bewertungsvorschriften des Realisations4 und Impari4 tätsprinzips, wegen der Konsolidierung der Einzelabschlüsse den Konzernab4 schluss in vollem Umfang beeinflusst. Sieht man von dieser erheblichen Be4

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Kreditinstitute haben ihrer besonderen Geschäftstätigkeit und ihrer Sonderstellung in der Volkswirtschaft wegen Vorschriften für die handelsrechtliche Rechnungslegung anzuwenden, die sich von denen anderer Unternehmungen unterscheiden. Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz und der Finanzkrise wird diese Sonderstellung noch einmal verstärkt, insbesondere hinsichtlich der Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte.

Dieses einzigartige Werk hat eine umfassende Erläuterung dieser von Kreditinstituten zu beachtenden Normen auf Einzel- und Konzernabschlussebene zum Ziel. Dabei werden die Einzelnormen vor dem Hintergrund bilanztheoretischer Erwägungen betrachtet und in diese eingebettet.

Das Buch ist einerseits für Studierende an Universitäten und Fachhochschulen etc. geeignet, andererseits aber auch für im externen Rechnungswesen tätige Praktiker bzw. für deren Ausbildung, weil über neu auftretende Bilanzierungsprobleme immer nur unter bilanztheoretischen Überlegungen entschieden werden kann. Für Theoretiker wie Praktiker gleichermaßen interessant sind die immer auch von bankaufsichtsrechtlichen Überlegungen geprägten jahresabschlusspolitischen Maßnahmen, die bei den verschiedenen Normen erläutert werden. Schließlich berücksichtigt das Werk auch die Internationalisierung der deutschen (Bank-) Rechnungslegung.

- das maßgebliche Werk in diesem Bereich

- verarbeitet die für Kreditinstitute relevanten Bereiche des BilMoG

- inkl. der wichtigen Thematik zur Bewertung von Finanzinstrumenten

- Die Grundlagen

- Die Bilanz der Kredit- und Finanzinstitute

- Die Gewinn- und Verlustrechnung

- Die Bewertung im Jahresabschluss

- Der Inhalt von Anhang und Lagebericht

- Die Prüfung und Offenlegung des Jahresabschlusses

- Die Besonderheiten der Konzernrechnungslegung

- Die Rechungslegung nach den International Accounting Standards

- Die Jahresabschlusspolitik

Für Studierende mit dem Schwerpunkt Bankbetriebslehre an Universitäten, Fachhochschulen und Akademien sowie Kaufleute im Rechnungswesen der Kredit- und Finanzinstitute.