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4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul

Finanzierung, page 70 - 96

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3625-9, ISBN online: 978-3-8006-4441-4, https://doi.org/10.15358/9783800644414_70

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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42 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) 4.1.6 Die Geschäftsführungsfunktion Bei vielen Unternehmungen ergibt sich die Berechtigung oder Verpflichtung zur (Mit-)Geschäftsführung aus der Eigenkapitaleinbringung (z. B. Einzelunternehmung, OHG). 4.1.7 Die Bedeutung der Rechtsform für die Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung Die durch die Rechtsform festgelegte Haftung der Eigenkapitalgeber für die Verbindlichkeiten der Unternehmung bestimmt im Wesentlichen Art, Umfang und Grenzen der Eigenkapitalbeschaffung. Die Haftungsbeschränkung auf die Einlageverpflichtung begrenzt das Risiko für den Kapitalgeber gegenüber dem Fall unbeschränkter Haftung, bei der das gesamte übrige Privatvermögen für die Schulden der Gesellschaft mithaftet. Zu beachten ist aber, dass die Haftungssituation und – bei fehlender Haftungsbeschränkung – die Höhe des Privatvermögens des Einzelunternehmers bzw. der Gesellschafter auch die Möglichkeit der Fremdkapitalbeschaffung beeinflussen. Als allgemeine Merkmale der Außenfinanzierung durch Eigenkapital, die bei den einzelnen Rechtsformen unterschiedliche Ausprägungen erfahren, lassen sich nennen: • die Beteiligung an Gewinn und Verlust, wobei die Verlustbeteiligung durch Vertrag (beispielsweise beim stillen Gesellschafter) ausgeschlossen oder in ihrer Höhe begrenzt werden kann; • die Mitspracherechte in der Geschäftsführung (Leitungsbefugnisse); • die Beteiligung am Auseinandersetzungsguthaben bzw. am Liquidationserlös beim Ausscheiden von Anteilseignern bzw. bei der Liquidation der Unternehmung; • die Beteiligung an stillen Rücklagen sowie am Firmenwert; • die Haftungsverpflichtungen. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 4.2.1 Vorbemerkungen Soweit Unternehmungen nicht die Möglichkeit haben, Eigenkapital durch Verkauf von Anteilsrechten über den organisierten Kapitalmarkt (Börse)95 zu beschaffen, spricht man von nicht-emissionsfähigen Unternehmungen.96 Betroffen hiervon sind nicht nur Einzel- 95 Vgl. hierzu Abschnitt 8. 96 Allerdings könnte man auch dann von nicht-emissionsfähigen Unternehmungen sprechen, soweit weder die Möglichkeit der Beschaffung von Eigenkapital durch Verkauf von Anteilsrechten noch die Möglichkeit der Beschaffung von Fremdkapital bzw. Mezzanine-Kapital durch Verkauf von Schuldverschreibungen bzw. Genussscheinen besteht. Diese Definition wird hier nicht gewählt. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 43 unternehmungen und Personenhandelsgesellschaften, sondern grundsätzlich auch kleinere und mittlere Kapitalgesellschaften. Das Fehlen eines funktionsfähigen Marktes für Beteiligungskapital hat für diese Unternehmungen zur Folge, dass • Kapitalgeber, die an fungiblen Anlagen interessiert sind, nicht gewonnen werden können; • die Bestimmung des „Eintrittspreises“ bei der Neuaufnahme von Gesellschaftern bzw. des „Austrittspreises“ bei ihrem Ausscheiden oft sehr schwierig ist.97 Bei emissionsfähigen Unternehmungen ergeben sich diese Preise auf dem Marktplatz Börse, wo viele Nachfrager und Anbieter entsprechender Anteile zusammentreffen. Die Preise für Anteile nicht-emissionsfähiger Unternehmungen beruhen demgegenüber nur auf der Einschätzung einzelner Nachfrager bzw. Anbieter. Dies erhöht das Risiko einer nicht wertgemäßen Preissetzung; • die Aufteilung des „Eintrittspreises“ auf den Kapitalanteil des neuen Gesellschafters, nach dem sich sein Gewinnbeteiligungsanspruch richtet, und auf den nicht gewinnberechtigten Restbetrag (Aufgeld, Agio) problematisch ist. Grundsätzlich erschwerend für die Eigenkapitalbeschaffung kommt bei den nichtemissionsfähigen Unternehmungen hinzu, dass deren bereits vorhandene Gesellschafter oft so stark mit ihrer Unternehmung verbunden sind, dass sie keine neuen Gesellschafter aufnehmen wollen, insbesondere, wenn dadurch ihre Unabhängigkeit, vor allem ihre Geschäftsführungsbefugnisse, eingeschränkt werden. Somit beschränkt sich der Kreis potenzieller Eigenkapitalgeber häufig auf den Kreis der bereits vorhandenen Eigenkapitalgeber. Als neu hinzukommende Eigenkapitalgeber kommen darüber hinaus i. d. R. nur solche Personen in Frage, die sich aktiv, d. h. also nicht nur über eine Kapitalbeteiligung, sondern vor allem auch durch unternehmerische Mitwirkung, an der Unternehmung beteiligen wollen. Im Folgenden werden die Eigenkapitalbeschaffungsmöglichkeiten der nicht-emissionsfähigen Unternehmungen aufgezeigt.98 Zunächst geht es dabei um die Alternativen, die sich aus den jeweiligen rechtsformspezifischen Gegebenheiten ableiten lassen.99 Anschließend werden Maßnahmen erörtert, die allen Unternehmungen rechtsformunabhängig zur Verfügung stehen.100 Obwohl sie damit grundsätzlich auch von emissionsfähigen Unternehmungen ergriffen werden können, spielen sie bei diesen aufgrund ihres Zugangs zum organisierten Kapitalmarkt nur eine untergeordnete Rolle. Sie werden hier besprochen, weil sie für nicht-emissionsfähige Unternehmungen ungleich bedeutender sind. 97 Vgl. Jahrmann, Fritz-Ulrich: Finanzierung. 6. Aufl., Herne 2009, S. 190. 98 Vgl. Bieg, Hartmut: Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen. In: Der Steuerberater 1997, S. 64-69. 99 Vgl. Abschnitt 4.2.2. 100 Vgl. Abschnitt 4.2.3. 44 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) 4.2.2 Die rechtsformimmanenten Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung 4.2.2.1 Die Möglichkeiten der Einzelunternehmung Die keine rechtliche Selbstständigkeit besitzende Einzelunternehmung101 ist Bestandteil des Gesamtvermögens des Eigentümers. Diesem obliegen Geschäftsführung und Vertretungsmacht allein und unbeschränkt. Der Eigentümer haftet für die Verbindlichkeiten der Unternehmung persönlich und uneingeschränkt mit seinem Gesamtvermögen (Unternehmungs- und Privatvermögen). Gesetzliche Mindestvorschriften über die Eigenkapitalhöhe sowie Gewinnentnahmebeschränkungen bestehen nicht. Aufgrund des ausschließlich dem Eigentümer zustehenden Gewinns, der von ihm allein zu tragenden Verluste sowie der jederzeitigen Möglichkeit von Entnahmen und Einlagen ist das Eigenkapital der Einzelunternehmung weitgehend beweglich. Die Eigenkapitalbeschaffungsmöglichkeiten der Einzelunternehmung sind eingeschränkt: Der Einzelunternehmer kann zwar durch Einlagen (weitere) Teile seines Privatvermögens in die Unternehmung überführen; die Höhe des Privatvermögens bildet in diesem Zusammenhang die Obergrenze des zuführbaren Eigenkapitals. Regelmäßig wird der Einzelunternehmer aber nicht bereit sein, sein gesamtes Vermögen in die Unternehmung zu investieren. Aus Gründen der Risikostreuung wird er Teile auch anderweitig anlegen.102 Da sich das Gesamtvermögen des Unternehmers auch durch Einbringung des gesamten Privatvermögens nicht ändert, ist zudem die bonitätsverbessernde Wirkung dieser Maßnahme gegen- über den (vorhandenen und zukünftigen) Gläubigern gering bzw. nicht vorhanden. Für sie hat sich nämlich das zur Verfügung stehende Haftungspotenzial nicht verändert. Dies ist bei der Gewinnthesaurierung als einer zweiten Eigenkapitalbeschaffungsvariante anders zu beurteilen. Der Einzelunternehmer belässt hierbei erwirtschaftete Gewinne (zumindest vorerst) in der Unternehmung. Aufgrund der ihm allein zustehenden Gewinnverwendungskompetenz kann er die thesaurierten Gewinne allerdings später jederzeit entnehmen. Theoretisch stellt die Gewinnthesaurierung – unter der Prämisse, dass stets Gewinne erzielt werden – eine unerschöpfliche Eigenkapitalquelle dar. Praktisch ist es jedoch in vielen Fällen so, dass der Einzelunternehmer seinen Lebensunterhalt aus Gewinnentnahmen bestreitet. Es kommt hinzu, dass der erzielte Gewinn beim Einzelunternehmer und nicht bei der Einzelunternehmung der Einkommensteuer unterliegt. Soweit die Unternehmung die Steuerzahlung leistet, handelt es sich um eine Entnahme des Unternehmers, also eine Eigenkapitalminderung. Aus den genannten Gründen ist die Thesaurierung von Gewinnen nur begrenzt möglich.103 Die letzte Alternative der Eigenkapitalbeschaffung – sie kann allerdings kaum noch als rechtsformimmanent bezeichnet werden – besteht darin, einen neuen Gesellschafter aufzu- 101 Vgl. §§ 1-104 HGB. 102 Vgl. Wöhe, Günter/Bilstein, Jürgen: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung. 9. Aufl., München 2002, S. 36-37. 103 Vgl. Wöhe, Günter/Bilstein, Jürgen: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung. 9. Aufl., München 2002, S. 36. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 45 nehmen. Dies dürfte jedoch eine Maßnahme sein, die erst nach Ausschöpfung aller anderen (einschließlich der rechtsformunabhängigen) Möglichkeiten eingeleitet wird. Die Begründung hierfür ist einerseits, dass die oben angesprochene Verbundenheit der Eigentümer zu „ihrer“ Unternehmung bei Einzelunternehmern sicherlich am ausgeprägtesten ist. Eine Aufnahme neuer Gesellschafter mit entsprechenden Machteinbußen für den seither allein entscheidenden Einzelunternehmer ist damit bei dieser Rechtsform am schwersten vorstellbar. Andererseits bedeutet die Erweiterung des Gesellschafterkreises das Ende der Einzelunternehmung und den Übergang auf eine neue Rechtsform (Ausnahme: die stille Gesellschaft104), was eine gravierende Änderung der Unternehmungskonstitution darstellt. 4.2.2.2 Die Möglichkeiten der BGB-Gesellschaft Diese auf Vertrag beruhende Personenvereinigung ohne eigene Rechtsfähigkeit105 dient der Förderung eines von den Gesellschaftern gemeinsam verfolgten Zwecks. Rechte und Pflichten der Gesellschafter richten sich überwiegend nach dem Gesellschaftsvertrag. Geschäftsführung wie Vertretungsmacht stehen den Gesellschaftern im Allgemeinen gemeinschaftlich zu. Die Haftung der Gesellschafter erfolgt gesamtschuldnerisch und erstreckt sich auf ihr jeweiliges Gesamtvermögen, kann aber auch durch Vereinbarung mit den Gläubigern auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt werden. Auch ihre Eigenkapitalbasis wird damit durch die Vermögenslage der Gesellschafter begrenzt.106 Die Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung der BGB-Gesellschaft entsprechen denen der Einzelunternehmung. Sie unterliegen auch den dort angesprochenen Problemen. Wurde allerdings die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt, so ergibt sich – anders als bei der Einzelunternehmung – eine Bonitätsverbesserung, wenn Privatvermögen (zusätzlich) in das Gesellschaftsvermögen eingebracht wird. 4.2.2.3 Die Möglichkeiten der offenen Handelsgesellschaft (OHG) Bei dieser Personenhandelsgesellschaft,107 deren Zweck der Betrieb eines Handelsgewerbes unter gemeinschaftlicher Firma ist, haften alle der mindestens zwei Gesellschafter den Gläubigern der Gesellschaft als Gesamtschuldner persönlich und unbeschränkt mit ihrem jeweiligen Gesamtvermögen, also auch mit ihrem Privatvermögen. Der auf einen Gesellschafter entfallende Gewinn wird – ebenso wie seine Einlage – seinem Kapitalanteil gutgeschrieben; der anteilige Verlust sowie Entnahmen kürzen seinen Kapitalanteil. Die Verteilung des Gewinnes oder Verlustes erfolgt nach den Bestimmungen des Gesellschaftsvertrages bzw. entsprechend § 121 HGB. Die gesetzliche Regelung sieht im Gewinnfall zunächst für jeden Gesellschafter einen Gewinnanteil in Höhe von 4 % seines Kapitalanteils (oder im Falle eines dazu nicht ausreichenden Gewinnbetrags in Höhe eines entsprechend niedrigeren Satzes) vor. Die Verteilung des verbleibenden Restbetrags erfolgt nach Köpfen. Verluste 104 Vgl. Abschnitt 4.2.3.1. 105 Vgl. §§ 705-740 BGB. 106 Vgl. Süchting, Joachim: Finanzmanagement – Theorie und Politik der Unternehmensfinanzierung. 6. Aufl., Wiesbaden 1995, S. 36. 107 Vgl. §§ 105-160 HGB. 46 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) sind ohne gesellschaftsvertragliche Regelungen nach Köpfen auf die Gesellschafter zu verteilen. Sind gesellschaftsvertragliche Regelungen hinsichtlich der Entnahmen nicht getroffen, so ist jeder Gesellschafter berechtigt, 4 % seines Kapitalanteils zu entnehmen; darüber hinausgehende Gewinnanteile des letzten Geschäftsjahres dürfen nur entnommen werden, soweit dies nicht zum offenbaren Schaden der Gesellschaft gereicht.108 Weitere, darüber hinausgehende Entnahmen (Kapitalherabsetzungen) sind nur mit Einwilligung der anderen Gesellschafter möglich.109 Die Vorschriften in Bezug auf Entnahmen sind damit strenger gefasst als bei Einzelunternehmungen und BGB-Gesellschaften. Grundsätzlich erleichtert dies Gläubigern die Entscheidung, der OHG Fremdkapital zur Verfügung zu stellen. Für die Verfügungsdauer der OHG über das Eigenkapital ist entscheidend, dass ein Gesellschafter – falls der Gesellschaftsvertrag nichts anderes vorsieht – zum Ablauf eines Geschäftsjahres bei Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten seineMitgliedschaft kündigen kann.110 Soweit im Gesellschaftsvertrag nicht der Fortbestand der Gesellschaft unter den übrigen Gesellschaftern im Falle der Kündigung eines Gesellschafters vereinbart wurde, endet die Gesellschaft mit der Kündigung eines Gesellschafters. Der aus der Gesellschaft ausscheidende Gesellschafter erhält auch einen Anteil am Firmenwert. Die Ansprüche gegen einen Gesellschafter wegen in seiner Gesellschafterzeit entstandenen Verbindlichkeiten der Gesellschaft verjähren – beginnend mit der Eintragung des Ausscheidens in das Handelsregister – in fünf Jahren, sofern nicht der Anspruch gegen die Gesellschaft einer kürzeren Verjährung unterliegt.111 Ein Haftungsausschluss gegenüber Dritten ist unwirksam. Grundsätzlich ist die Problematik der Eigenkapitalbeschaffung bei der OHG dieselbe wie bei der Einzelunternehmung und der BGB-Gesellschaft. Der Vorteil der OHG besteht vor allem in der Möglichkeit, die Eigenkapitalbasis der Gesellschaft durch Aufnahme weiterer (vollhaftender) Gesellschafter zu erhöhen. Durch die damit verbundene Beschränkung der Einflussmöglichkeiten der bisherigen Gesellschafter wird diese Möglichkeit allerdings eingeschränkt. 4.2.2.4 Die Möglichkeiten der Kommanditgesellschaft (KG) Bei dieser auf den Betrieb eines Handelsgewerbes unter gemeinschaftlicher Firma gerichteten Personenhandelsgesellschaft112 haftet mindestens einer der Gesellschafter für die Schulden der Gesellschaft unbeschränkt (Komplementär). Bei den übrigen Gesellschaftern ist die Haftung gegenüber den Gläubigern der Gesellschaft auf den Betrag einer bestimmten Vermögenseinlage beschränkt (Kommanditisten). Die Stellung der Komplementäre einer KG ist mit derjenigen von Gesellschaftern einer OHG vergleichbar. Geschäftsführung und Vertretung der KG obliegen, soweit der Gesellschaftsvertrag nichts anderes bestimmt, grundsätzlich den Komplementären; Kommanditisten können Handlungen der Komplemen- 108 Vgl. § 122 Abs. 1 HGB. 109 Vgl. § 122 Abs. 2 HGB. 110 Vgl. § 132 HGB. 111 Vgl. § 159 Abs. 1 und 2 HGB. 112 Vgl. §§ 161-177a HGB. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 47 täre nur widersprechen, wenn diese über den gewöhnlichen Betrieb des Handelsgewerbes hinausgehen.113 Den Kommanditisten stehen – allerdings nicht sehr ausgeprägte – Kontrollrechte zu (Abschrift des Jahresabschlusses; Prüfung der Richtigkeit unter Einsicht von Papieren und Büchern der Gesellschaft).114 Das Kapital der Kommanditisten ist ein nominell fixiertes, in das Handelsregister eingetragenes Kapital,115 wobei zwischen dem übernommenen Kapitalanteil (Kommanditeinlage) und dem eingezahlten Kapital zu unterscheiden ist. Gewinn- und Verlustbeteiligung werden durch Gesellschaftsvertrag bzw. durch § 168 HGB geregelt. Gewinnanteile der Kommanditisten werden nicht ihren Kapitalkonten gutgeschrieben, sondern stellen Auszahlungsverpflichtungen der Gesellschaft dar, soweit die übernommenen Kapitalanteile der Kommanditisten bereits voll eingezahlt sind. Ist die Kapitaleinlage nicht vollständig geleistet, so erfolgt die Gutschrift der Gewinne als Kapitaleinlage auf dem entsprechenden Kapitalkonto.116 Verluste werden gegen das Kapitalkonto verrechnet, das sogar negativ werden kann; eine Nachschusspflicht für dieses negative Eigenkapital besteht allerdings wegen der auf die vereinbarte Kommanditeinlage beschränkten Haftung nicht. Nach der Verrechnung von Verlusten mit dem Kapitalkonto dürfen spätere Gewinnanteile dem Kommanditisten erst wieder ausgezahlt werden, wenn sein Anteil wieder voll aufgefüllt ist.117 Per Gesellschaftsvertrag oder Gesellschafterbeschluss können Gewinne auch thesauriert werden; sie sind dann als Gewinnrücklagen zu bilanzieren. Die auf die übernommene Kommanditeinlage beschränkte Haftung der Kommanditisten erleichtert die Kapitalbeschaffung der KG. Es ist möglich, Gesellschafter aufzunehmen, die nur einen Teil und nicht die Gesamtheit ihres Privatvermögens dem unternehmerischen Risiko aussetzen möchten. Der grundsätzliche Ausschluss von der Geschäftsführung bedingt auch geringere Widerstände der Komplementäre und „alten“ Kommanditisten bezüglich der Aufnahme neuer Kommanditisten. Hierin, wie in der nicht so stark ausgeprägten „Verbundenheit“ der Kommanditisten mit ihrer Unternehmung, ist ein Übergang zur Kapitalgesellschaft zu erkennen; dies gilt insbesondere für Kommanditgesellschaften mit einer großen Zahl von Kommanditisten, die bewusst diese Form der Kapitalanlage gewählt haben, weil sie keine unternehmerischen Ambitionen haben. 4.2.2.5 Die Möglichkeiten der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) Die Rechtsform der GmbH, die eine juristische Person mit eigener Rechtspersönlichkeit darstellt, findet vorwiegend bei kleineren und mittleren Unternehmungen Anwendung, deren Gesellschafter das Risiko des Kapitalverlustes auf die Kapitaleinlagen beschränken wollen. Die Gründung der GmbH kann auch von einer Person vorgenommen werden. Unabhängig von der Zahl der Gründer bzw. Gesellschafter ist die Eigenkapitalausstattung der GmbH, also die Differenz zwischen dem Vermögen und den Schulden der Gesellschaft, für 113 Vgl. § 161 Abs. 2; § 164 HGB. 114 Vgl. § 166 Abs. 1 HGB. 115 Vgl. § 162 Abs. 1 HGB. 116 Vgl. § 167 Abs. 2 HGB. 117 Vgl. § 169 Abs. 1 HGB. 48 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) deren Gläubiger von besonderer Bedeutung, da ihnen nur das Vermögen der GmbH haftet;118 ein Zugriff auf das Vermögen des oder der Gesellschafter ist den Gläubigern nicht möglich. Das Stammkapital stellt eine durch Gesellschaftsvertrag nominell fixierte, in das Handelsregister eingetragene Größe dar, die sich auf die verschiedenen Gesellschafter nach ihren Geschäftsanteilen verteilt. Die Mindesthöhe des Stammkapitals beträgt 25.000 EUR.119 Die Einlagen der Gesellschafter müssen nicht gleich hoch sein, sie müssen aber jeweils auf einen vollen EUR-Betrag lauten.120 Die Mitgliedschaft wird nicht in Form von Wertpapieren verbrieft. Die Übertragung der Geschäftsanteile erfolgt durch Vererbung oder durch Verkauf, wobei im zweiten Fall eine Abtretung in Form eines notariell geschlossenen Vertrages vorliegen muss.121 Die schwierige Suche nach einem Käufer des GmbH-Anteils sowie die Schwierigkeiten und Kosten seiner Übertragung binden die Gesellschafter einer GmbH i. d. R. längerfristig. Diese längerfristige Bindung aufgrund der eingeschränkten Fungibilität der GmbH-Anteile erschwert auch eine Ausweitung der Eigenkapitalbasis durch Erhöhung des Stammkapitals auf dem Wege der Gewinnung neuer Gesellschafter. Andererseits erleichtert es die beschränkte Haftung der GmbH-Gesellschafter, Eigenkapitalgeber zu finden, weil diese sich nicht mit ihrem gesamten Vermögen engagieren müssen. Vor Eintragung der GmbH in das Handelsregister muss jeder Gesellschafter seine Bareinlagen mindestens zu einem Viertel leisten; die Sacheinlagen sind vollständig zu erbringen. Insgesamt muss auf das Stammkapital mindestens soviel eingezahlt sein, dass der Gesamtbetrag der eingezahlten Geldeinlagen zuzüglich des Gesamtbetrags der Stammeinlagen, für die Sacheinlagen zu leisten sind, 12.500 EUR erreicht. Da das Stammkapital der GmbH (in der Bilanz als gezeichnetes Kapital ausgewiesen) – abgesehen von Kapitalerhöhungen bzw. -herabsetzungen – unverändert bleibt, werden Zu- und Abnahmen des Eigenkapitals durch Veränderungen der offenen Rücklagen angezeigt. Auch bei Aufzehrung früher gebildeter Rücklagen bleibt das Stammkapital unverändert, wird jedoch durch einen Verlustvortrag korrigiert. Wird im Rahmen einer Satzungsänderung (mit Dreiviertelmehrheit der in der Gesellschafterversammlung abgegebenen Stimmen122) eine Kapitalerhöhung beschlossen, so kann das neue Stammkapital von den bisherigen Gesellschaftern oder von anderen Personen übernommen werden, die durch die Übernahme der neuen Anteile ihren Beitritt zur Gesellschaft erklären. Die neuen Gesellschafter sind entsprechend ihren Geschäftsanteilen an den stillen und offenen Rücklagen beteiligt. Deswegen haben sie zusätzlich zu ihren 118 Vgl. § 13 Abs. 2 GmbHG. 119 Vgl. § 5 Abs. 1 GmbHG. Durch § 5a GmbHG ist allerdings auch die Gründung einer GmbH möglich, wenn das Stammkapital die geforderten 25.000 EUR unterschreitet. Die GmbH muss dann den Zusatz „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“ bzw. „UG (haftungsbeschränkt)“ führen und eine gesetzliche Rücklage bilden, in die mindestens ein Viertel des um einen Verlustvortrag aus dem Vorjahr geminderten Jahresüberschusses einzustellen ist; vgl. dazu ausführlich Kußmaul, Heinz/Ruiner, Christoph: Das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) – Ein Überblick. In: Der Steuerberater 2009, S. 27-28. 120 Vgl. § 5 Abs. 2 und 3 GmbHG. 121 Vgl. § 15 Abs. 3 GmbHG. 122 Vgl. § 53 Abs. 2 GmbHG. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 49 Stammeinlagen ein Agio zu leisten, das ihrem Anteil an den bisher gebildeten Rücklagen entspricht. Dieses Agio ist in die Kapitalrücklage einzustellen. Neben der Erhöhung der Geschäftsanteile der bereits vorhandenen Gesellschafter, der Aufnahme neuer Gesellschafter und der Gewinnthesaurierung durch Einstellung von Gewinnen in die Gewinnrücklagen gibt es für die GmbH eine weitere Möglichkeit, sich Eigenkapital zu beschaffen. Gemäß § 26 GmbHG kann im Gesellschaftsvertrag bestimmt werden, dass die Gesellschafter über den Betrag der Stammeinlagen hinaus die Einforderung von Nachschüssen beschließen können. Die Nachschusspflicht kann unbeschränkt oder beschränkt ausgestaltet werden. Es handelt sich um eine vereinfachte Form der Kapitalerhöhung, weil geringere Formerfordernisse bestehen als bei einer Änderung des Stammkapitals (z. B. keine Änderung der Handelsregistereintragung). Die Nachschusspflicht kann aber auch ohne den Zufluss neuer Mittel eine Funktion des Eigenkapitals, nämlich die Haftungsfunktion, übernehmen. Wird die Nachschusspflicht z. B. derart gestaltet, dass sie im Falle drohender Zahlungsunfähigkeit zum Tragen kommt, so stellt sie für die Gläubiger eine zusätzliche Sicherheit dar, ohne dass im Moment finanzielle Mittel fließen. Dieses Eigenkapital auf Abruf erleichtert damit die Möglichkeiten der Fremdkapitalbeschaffung. 4.2.2.6 Die Möglichkeiten der Genossenschaft Die Genossenschaften sind Gesellschaften in Form von Personenvereinigungen ohne feste Mitgliederzahl, deren gemeinschaftlicher Geschäftsbetrieb darauf gerichtet ist, Erwerb oder Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale und kulturelle Belange zu fördern.123 Das Eigenkapital der Genossenschaften besteht aus mehreren variablen Teilen. Die erste Komponente ist die Summe der Geschäftsguthaben der Genossen (Mitglieder). Jeder der mindestens drei Mitglieder übernimmt einen oder mehrere Geschäftsanteile. Durch das Statut kann bestimmt werden, dass ein Mitglied auch mehr als einen Geschäftsanteil übernehmen darf; in diesem Fall wird i. d. R. auch die Zahl der Geschäftsanteile, die von einem Mitglied gezeichnet werden können, beschränkt.124 Auch die Verpflichtung zur Übernahme mehrerer Geschäftsanteile ist denkbar.125 Damit wird der Höchstbetrag der zulässigen Einlage eines Mitglieds einerseits durch die im Statut bestimmte Höhe des einzelnen Geschäftsanteils, andererseits durch die Höchstzahl der von einem Mitglied übernehmbaren bzw. durch die Zahl der zu übernehmenden Geschäftsanteile bestimmt. Das Geschäftsguthaben eines Mitglieds ergibt sich einerseits aus dem auf den Geschäftsanteil eingezahlten Betrag. Gesetzlich vorgegeben ist ein Mindestgeschäftsguthaben von 10 % des Geschäftsanteils.126 Die Geschäftsguthaben sind die Basis der Gewinnverteilung der Mitglieder. Ihnen werden die Gewinne solange nicht ausgeschüttet, sondern dem Geschäftsguthaben zugeschrieben, bis die volle Höhe des Geschäftsanteils erreicht ist. Verluste mindern demgegen- über das Geschäftsguthaben nur, wenn keine offenen (statutarisch nicht an sonstige Zwecke gebundenen) Rücklagen mehr zur Verrechnung zur Verfügung stehen. Eine Erhöhung dieser 123 Vgl. § 1 GenG. 124 Vgl. § 7a Abs. 1 GenG. 125 Vgl. § 7a Abs. 2 GenG. 126 Vgl. § 7 Nr. 1 GenG. 50 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) Komponente des Eigenkapitals der Genossenschaft ist demnach durch Auffüllung bereits gezeichneter Geschäftsanteile (durch Einlagen bzw. Gewinnzuschreibungen), durch Einlagen der „alten“ Mitglieder auf zusätzlich gezeichnete Geschäftsanteile (bis zur Höchstzahl der pro Mitglied möglichen Anteile) sowie durch Gewinnung neuer Mitglieder möglich. Der zweite Eigenkapitalbestandteil sind die Rücklagen. Neben der Kapitalrücklage sind dies vor allem die Gewinnrücklagen. Zu Letzteren gehört die gesetzliche Rücklage. Sie ist aus dem Jahresüberschuss der Genossenschaft entsprechend den Vorschriften des Statuts127 zu bilden, bis der im Statut angegebene Mindestbetrag erreicht ist, und dient zur buchmäßigen „Deckung“ von Bilanzverlusten. Ausscheidende Mitglieder haben keinen Anspruch auf einen Anteil an der gesetzlichen Rücklage. Gleiches gilt grundsätzlich auch für die Ergebnisrücklage, die durch Beschluss der Mitglieder(vertreter) mit thesaurierten Gewinnen gespeist wird. Das Statut kann jedoch Mitgliedern, die ihren Geschäftsanteil voll eingezahlt haben, für den Fall des Ausscheidens einen Anspruch auf Auszahlung eines Anteils an einer – zu diesem Zweck aus dem Jahresüberschuss zu bildenden – besonderen Ergebnisrücklage nach § 73 Abs. 3 GenG einräumen. Von dieser Möglichkeit wird jedoch in der Regel nicht Gebrauch gemacht. Die Kündigung einzelner Geschäftsanteile und der gesamten Mitgliedschaft ist unter Wahrung bestimmter Kündigungsfristen möglich.128 Die Rückzahlung des Geschäftsguthabens vermindert das Eigenkapital und damit die Kreditbasis der Genossenschaft. Da aber die Rücklagen – mit Ausnahme der besonderen Ergebnisrücklage nach § 73 Abs. 3 GenG – durch das Ausscheiden von Mitgliedern nicht verringert werden, ist die Eigenkapitalbeschaffung mittels Gewinnthesaurierung besonders wichtig. Die gesetzliche Rücklage und die Ergebnisrücklage haben also für die Existenz und Kreditwürdigkeit der Genossenschaft erhebliche Bedeutung. Die Genossenschaft haftet für ihre Verbindlichkeiten mit ihrem Vermögen. Die Mitglieder erleiden jedoch im Insolvenzfall nicht nur Verluste in Höhe ihrer bereits eingezahlten bzw. dann noch resteinzuzahlenden Geschäftsanteile, sondern u. U. zudem – wenn im Statut vorgesehen – in Höhe der unbegrenzten oder begrenzten Nachschusspflicht, wofür sie mit ihrem gesamten Vermögen haften.129 Kreditgenossenschaften gehören allerdings i. d. R. einem Einlagensicherungsverband an, der die Erhaltung der Genossenschaft anstrebt, so dass deren Mitgliedern i. d. R. kein Rückgriff droht. 4.2.3 Die rechtsformunabhängigen Eigenkapitalbeschaffungsmöglichkeiten 4.2.3.1 Die stille Gesellschaft Bei der stillen Gesellschaft handelt es sich nicht um eine eigene Rechtsform. Das Eintreten stiller Gesellschafter ist vielmehr in jeder der vorgestellten und der noch vorzustellenden 127 Vgl. § 7 Nr. 2 GenG. 128 Genauer hierzu § 65 GenG. 129 Vgl. §§ 6 Nr. 3; 22a GenG. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 51 Rechtsformen möglich und führt zu einer Verbreiterung der Eigenkapitalbasis der aufnehmenden Unternehmung. Stilles Beteiligungskapital ist den sogenannten mezzaninen Finanzierungsformen zuzurechnen. Deshalb sei an dieser Stelle auf die Ausführungen in Abschnitt 6.2 verwiesen. 4.2.3.2 Die Eigenfinanzierung mittels Beteiligungsgesellschaften Die Hauptgeschäftstätigkeit von Beteiligungsgesellschaften besteht darin, Eigentümerpositionen bei anderen Unternehmen einzugehen. Insofern gelten auch für Beteiligungsgesellschaften die bisher gemachten Ausführungen bezüglich der Gewinnung neuer Gesellschafter. Da es sich aber um besondere „Eigentümer“ handelt, werden sie im Folgenden separat betrachtet. Für den hier im Mittelpunkt stehenden Problemkreis der Eigenkapitalbeschaffung nichtemissionsfähiger Unternehmen können zwei Arten von Beteiligungsgesellschaften unterschieden werden: Erwerbswirtschaftliche Beteiligungsgesellschaften (sogenannte Kapitalbeteiligungsgesellschaften) gehen als Tochterunternehmen von Banken, Versicherungen und/oder sonstigen Kapitalsammelstellen meistens Minderheitsbeteiligungen (weniger als 50 % des Eigenkapitals) als „normale“ Gesellschafter an mittelständischen Gesellschaften ein oder beteiligen sich als stille Gesellschafter. Eine Sonderform hiervon sind Venture-Capital- Gesellschaften (Wagnisfinanzierungsgesellschaften), die sich besonders auf risikoreiche und damit auch chancenreiche Beteiligungen spezialisieren. Sie engagieren sich vor allem bei jungen Unternehmen (vgl. Abschnitt 4.2.3.3). Staatliche Beteiligungsgesellschaften treten ebenfalls in Eigentümerpositionen ein, meist allerdings in geringerer Beteiligungshöhe als die erwerbswirtschaftlichen Beteiligungsgesellschaften. Im Unterschied zu diesen ist bei ihnen außerdem nicht die Gewinnerzielung Unternehmenszweck, sondern die kostendeckende Eigenkapitalversorgung vor allem mittelständischer Unternehmungen. Beispiele hierfür sind die Förderprogramme der KfW-Mittelstandsbank.130 Zur Geschäftstätigkeit staatlicher Beteiligungsgesellschaften gehört es auch, potenziellen Eigenkapitalgebern eine günstige Refinanzierung ihrer Beteiligungen anzubieten und/oder sie teilweise durch Haftungsübernahmen vom Beteiligungsrisiko zu befreien. Indem sie nur Minderheitsbeteiligungen eingehen, wollen die Beteiligungsgesellschaften die im Zusammenhang mit den einzelnen Rechtsformen besprochene Problematik der Minderung des Einflusses der Alteigentümer aufgrund der Aufnahme von neuen Gesellschaftern entschärfen. Trotzdem wollen (und müssen) die Beteiligungsgesellschaften die Unternehmungen, an denen sie beteiligt sind, beraten und kontrollieren. Die Beratung nimmt dabei regelmäßig den größeren Umfang ein. Die Einflussnahme der Beteiligungsgesellschaften auf das Unternehmensgeschehen ist damit tendenziell geringer, als dies üblicherweise von einem „gewöhnlichen“ Gesellschafter zu erwarten ist. 130 Vgl. auch Abschnitt 4.2.3.3.6. 52 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) Ein anderes Unterscheidungsmerkmal zwischen Beteiligungsgesellschaften und „gewöhnlichen“ Gesellschaftern besteht in der Dauer des jeweiligen Engagements. „Gewöhnliche“ Gesellschafter gehen i. d. R. Beteiligungen ein, ohne dass ein bestimmter Ausstiegstermin anvisiert wird. Häufig erstrecken sich diese Beteiligungen über die Dauer der Erwerbstätigkeit des betreffenden Gesellschafters und sogar darüber hinaus. Beteiligungsgesellschaften engagieren sich demgegenüber von vornherein nur befristet. Die Frist kann zwar bis zu 15 Jahre betragen, oft ist sie jedoch kürzer (bei Venture-Capital-Gesellschaften 5 bis 10 Jahre).131 4.2.3.3 Venture Capital132 4.2.3.3.1 Die Notwendigkeit von Venture Capital Da in Großbetrieben aufgrund von Rationalisierungen Arbeitsplätze freigesetzt werden, erlangen junge innovative Unternehmen mit Wachstumspotenzialen für die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen sowie als Partner von Großunternehmen eine zunehmende Bedeutung.133 Diese für die Vitalität einer Volkswirtschaft wünschenswerte Situation im Sinne der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Stärkung der Innovationsfähigkeit mit einer damit einhergehenden Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bedarf einer Förderung finanzieller Art. Neu zu gründende Unternehmen im mittelständischen Bereich haben i. d. R. einen relativ hohen Kapitalbedarf, um ihre notwendigen Investitionsvorhaben – ob materieller und/oder immaterieller Art – zu finanzieren. Im Allgemeinen wird privates Eigenkapital nicht ausreichen, um die während der Entwicklungs-, Gründungs- und Wachstumsphase anstehenden Investitionen vollständig finanzieren zu können, so dass eine Diskrepanz zwischen Kapitalbedarf und Kapitalausstattung deutlich wird. Im Rahmen der notwendigen Kapitalbeschaffung stehen hierbei grundsätzlich mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. Während sich die Innenfinanzierung zumindest nicht in der Gründungsphase als Instrumentarium eignet, ist eine Finanzierung durch Aufnahme eines Bankkredits als Außenfinanzierung in Form einer Kreditfinanzierung grundsätzlich geeignet. Als nachteilig erweisen sich 131 Vgl. Jahrmann, Fritz-Ulrich: Finanzierung. 6. Aufl., Herne 2009, S. 210; Vormbaum, Herbert: Finanzierung der Betriebe. 9. Aufl., Wiesbaden 1995, S. 175; vgl. auch Abschnitt 4.2.3.3. 132 Vgl. hierzu auch und ausführlicher Kußmaul, Heinz/Richter, Lutz: Betriebswirtschaftliche Aspekte von Venture Capital-Gesellschaften und ihre Bedeutung im Hinblick auf Existenzgründungen: Einordnung, Funktionsweise, Beteiligungsformen, Finanzierungsphasen. In: Deutsches Steuerrecht 2000, S. 1155-1160; Kußmaul, Heinz/Richter, Lutz: Betriebswirtschaftliche Aspekte von Venture Capital-Gesellschaften und ihre Bedeutung im Hinblick auf Existenzgründungen: Zeitlicher Ablauf und öffentliche Finanzierungsprogramme. In: Deutsches Steuerrecht 2000, S. 1195-1204; Kußmaul, Heinz/Richter, Lutz: Venture Capital im Rahmen der Existenzgründung. In: Arbeitspapiere zur Existenzgründung, hrsg. von Heinz Kußmaul, Band 8, Saarbrücken 2000 und grundlegend Kußmaul, Heinz: Kapitalbeteiligungsgesellschaften. In: Praxishandbuch Familiengesellschaften, begr. von Vincent Bünz und Ernst W. Heinsius, Freiburg i. Br. 1980 ff. (Loseblatt), Stand: 1999, Gruppe 4, S. 301-344. Vgl. weiterführend bzgl. der Wirkungen des geplanten Steuersenkungsgesetzes auf Kapitalbeteiligungsgesellschaften Kußmaul, Heinz/Junker, Andy: Vorteilhaftigkeitsveränderungen bei Kapitalbeteiligungsgesellschaften im Kontext des „Steuersenkungsgesetzes“? In: Finanz Betrieb 2000, S. 418-430. 133 Vgl. Büschgen, Hans E.: Venture Capital – der deutsche Ansatz. In: Die Bank 1985, S. 221. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 53 allerdings die daraus i. d. R. resultierenden laufenden Zins- und Tilgungszahlungen sowie die zwecks Bonitätsprüfung erforderlichen banküblichen Sicherheiten. An Letzteren wird es – insbesondere bei technologieorientierten Unternehmen – aufgrund der geringen Anzahl an Investitionen in Sachgüter mangeln. Hier überwiegen Investitionen immaterieller Art in technisches Knowhow. Gelingt es dem Unternehmensgründer jedoch trotz mangelnder Sicherheiten, in der Anfangsphase eine Fremdfinanzierung durchzuführen, so können sich die ständig zu leistenden Rückzahlungsraten dann als Problem erweisen, wenn z. B. aufgrund zeitlicher Verzögerungen von Produkteinführungen die Zahlungsfähigkeit des Betriebs nicht gewahrt werden kann. Es kann also möglich sein, dass die Innenfinanzierungskraft der Unternehmung nicht ausreicht, die laufenden Zins- und Tilgungszahlungen zu decken. Als Ausweg bieten sich Wege der Eigenfinanzierung als Außenfinanzierung in Form einer Einlagenfinanzierung an. Dabei wird sowohl im Hinblick auf die Vielzahl von nicht börsennotierten bzw. nicht-emissionsfähigen Unternehmungen als auch auf das mit der Innovation verbundene Risiko Venture Capital (im Folgenden: VC) zur Verfügung gestellt. Diese ursprünglich aus den USA stammende Finanzierungsform wurde Ende der 70er bzw. Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts erstmalig in Deutschland eingeführt. Der Begriff des „Venture Capital“ und seine wesentlichen Unterschiede zum üblichen Bankkredit werden nachfolgend aufgezeigt. 4.2.3.3.2 Der Begriff des Venture Capital Unter dem Terminus „Venture Capital“ versteht man allgemein eine spezielle Form der langfristigen, aber zeitlich begrenzten Unternehmens- und Innovationsfinanzierung mit risikotragendem, in einer Unternehmenskrise haftenden Eigenkapital oder mit eigenkapital- ähnlichem Kapital, verbunden mit der aktiven unternehmerischen Beratung und Betreuung der zu finanzierenden Unternehmung ohne Beeinflussung des laufenden Tagesgeschäfts. I. d. R. wird von der VC-Gesellschaft zwecks Wahrung der Autonomie des Existenzgründers bzw. des „wachsenden Unternehmers“ nur eine Minderheitsbeteiligung gehalten. Adressaten stellen kleine bzw. mittlere innovative und tendenziell technologieorientierte, (junge) nicht-emissionsfähige und nicht-börsennotierte Unternehmungen mit geringer Eigenkapitalausstattung und hohen Wachstumspotenzialen dar, die allerdings komplexen unternehmerischen Aufgaben gegenüberstehen und zur Entscheidungsfindung auf externe Hilfe angewiesen sind. Der letzte Aspekt lässt sich auf die überwiegend technische Ausbildung und Erfahrung der Unternehmensgründer zurückführen, wobei die VC-Gesellschaft die zusätzlich benötigten betriebswirtschaftlichen und branchenbezogenen Kenntnisse zur Eindämmung der Risiken einbringt. Aus diesem Grund soll im Folgenden unter dem Terminus „Knowhow“ das betriebswirtschaftliche und branchenbezogene Knowhow verstanden werden. 4.2.3.3.3 Die Abgrenzung zum Bankkredit Bezugnehmend auf die einleitenden Ausführungen ist hinsichtlich der Zins- und Tilgungsleistungen zu konstatieren, dass dieser Kapitaldienst im Rahmen einer VC-Finanzierung während der Laufzeit i. d. R. nicht anfällt und daraus resultierend die Liquidität der Unternehmung in dieser Phase nicht belastet wird. Ferner ist festzustellen, dass ein Mangel an beleihungsfähigen Sicherheiten die VC-Finanzierung nicht beeinflusst, da die Kapitalge- 54 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) währung ausschließlich aufgrund einer Projektidee und der damit verbundenen Ertragsaussichten erfolgt. Ein Investitionsvorhaben, das v. a. in der Entwicklungs- oder Gründungsphase extern finanziert werden soll, ist für eine notwendige Kreditwürdigkeitsprüfung weniger geeignet, da eine (bilanzorientierte) Beurteilung der Unternehmung anhand von Vergangenheitsdaten nicht möglich ist. Hierbei muss auf eine zukünftige (dynamische) Betrachtungsweise abgestellt werden.134 Die VC-Finanzierung soll allerdings nicht eine Ablösung der Fremdfinanzierung bezwecken. Die VC-Finanzierung kann und möchte auch nicht das alleinige Finanzierungsinstrument darstellen. Somit ist der Existenzgründer ebenfalls auf die Inanspruchnahme öffentlicher Finanzierungshilfen135 und von Bankkrediten angewiesen, so dass eine Unternehmung aus privatem Gründungskapital, öffentlichen Finanzierungshilfen, Venture Capital und Bankkrediten finanziert wird. Eine VC-Finanzierung ist eine alternative Finanzierungsform, die allerdings i. d. R. komplexer ist als die reine (externe) Fremdfinanzierung.136 Die beiden eben genannten Finanzierungsmöglichkeiten – Venture Capital und Bankkredit – stehen somit in stetigem Wettbewerb miteinander. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass auch Verknüpfungen vorkommen: So erhöht eine Finanzierung mit Venture Capital ceteris paribus die Eigenkapitalquote der Unternehmung und trägt somit bei etwaigen späteren Kreditverhandlungen zu einer verbesserten Darstellung des Unternehmensbildes bei. Ferner wird das Ansehen bei Geschäftspartnern aufgrund der gefestigteren Eigenkapitalposition sowie wegen der fachmännischen Betreuung und Beratung des Existenzgründers durch die VC-Gesellschaft erhöht. 4.2.3.3.4 Die Abgrenzung zu anderen Kapitalbeteiligungsgesellschaften VC-Gesellschaften stellen eine Unterart der Kapitalbeteiligungsgesellschaften dar.137 Traditionell berührt die VC-Finanzierung eher die Gründung und somit die schwierigste Phase einer Unternehmung. Allerdings kommen nach heutigen Erfahrungen Finanzierungen mit Venture Capital auch in späteren Lebensphasen einer Unternehmung zum Einsatz. Aus diesem Grund wird im Folgenden der Begriff des Venture Capital untergliedert in eine engere Begriffsdefinition, die sich auf die „traditionellen“ Bereiche der VC-Finanzierung erstreckt, und in eine weitere Begriffsdefinition, die die „neuartigen“ Aufgabengebiete der VC-Finanzierung bezeichnen soll. In Abbildung 14 (Seite 55) ist das Venture Capital in Abhängigkeit von der Lebensphase einer Unternehmung näher untergliedert. 134 Vgl. Wolff-Simon, Dirk: Erfahrungen mit Venture-Capital-Finanzierungen für Existenzgründer aus Sicht einer finanzierenden Bank. In: Akademie 1999, S. 16. 135 Vgl. Abschnitt 4.2.3.3.6. 136 Vgl. dazu näher Leinberger, Detlef: Risikokapital für kleine und mittlere Unternehmen: Erfahrungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 1998, S. 216- 217. 137 Vgl. Beyel, Jürgen: Kapitalbeteiligungsgesellschaften in der Bundesrepublik Deutschland. In: Der Langfristige Kredit 1987, S. 657, für den VC-Gesellschaften eine Sonderform der Kapitalbeteiligungsgesellschaften darstellen. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 55 Venture Capital Foundation-Venture Capital (Venture Capital i. e. S.) Merchant-Venture Capital (Venture Capital i. w. S.) Early Stage • Seed-Phase • Start-Up-Phase • First Stage • Expansion Stage • Later Stage (z. B. Akquisitionen, Sanierungen, Management Buy Out/ Management Buy In) Abbildung 14: Gliederung des Venture Capital in Abhängigkeit von der Lebensphase einer Unternehmung138 In den folgenden Ausführungen sind sowohl die öffentlich geförderten Kapitalbeteiligungsgesellschaften – dies sind jene Gesellschaften, die öffentliche Fördermittel im Finanzierungsprozess einsetzen – als auch diejenigen (privatwirtschaftlichen) Kapitalbeteiligungsgesellschaften Gegenstand der Betrachtungen, die in Anlehnung an Abbildung 14 Foundation-Venture Capital (Venture Capital i. e. S.) zur Verfügung stellen. In Abschnitt 4.2.3.3.5.3 werden die für eine Finanzierung mit Foundation-Venture Capital in Frage kommenden Lebensphasen einer Unternehmung nochmals aufgegriffen und näher erläutert. Ausgehend von Abbildung 14 lässt sich generell konstatieren, dass die Finanzierung mit Foundation-Venture Capital aufgrund der erst eintretenden bzw. erst eingetretenen Lebensphase der Unternehmung risikoreicher ist als die Finanzierung mit Merchant-Venture Capital.139 Mit zunehmendem Alter der Unternehmung verliert das Investitionsrisiko des Unternehmensgründers und somit auch die Attraktivität der VC-Finanzierung an Bedeutung. Unternehmensbeteiligungsgesellschaften, die im Folgenden nicht näher betrachtet werden, stellen ebenfalls Kapitalbeteiligungsgesellschaften dar; allerdings unterliegen sie den restriktiven Vorschriften des Gesetzes über Unternehmensbeteiligungsgesellschaften (UBGG).140 4.2.3.3.5 Die Finanzierung mit Venture Capital 4.2.3.3.5.1 Die generelle Funktionsweise Den Ausgangspunkt der Überlegungen bildet eine junge mittelständische Unternehmung, die Eigenkapital benötigt und sich mittels der VC-Gesellschaft finanzieren möchte. Mit der Gewährung des Eigenkapitals geht die VC-Gesellschaft eine Beteiligung an dieser Unternehmung ein. Da die VC-Gesellschaft als solche i. d. R. wenig eigenes Kapital, 138 In Anlehnung an die Systematik bei Bell, Markus G.: Venture Capital. In: Das Wirtschaftsstudium 1999, S. 53 und Fanselow, Karl-Heinz: Unternehmensbeteiligungen in Deutschland: Was ist erreicht? Was bleibt zu tun? In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 1998, S. 208. 139 Vgl. auch Schmidt, Reinhard H.: Venture Capital in Deutschland – ein Problem der Qualität? In: Die Bank 1988, S. 185. 140 Vgl. hierzu z. B. Kußmaul, Heinz: Kapitalbeteiligungsgesellschaften. In: Praxishandbuch Familiengesellschaften, begr. von Vincent Bünz und Ernst W. Heinsius, Freiburg i. Br. 1980 ff. (Loseblatt), Stand: 1999, Gruppe 4, S. 314-317. 56 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) sondern Finanzmittel von externen Dritten in die junge Unternehmung investiert, muss sie sich refinanzieren. Hierbei kommt die Refinanzierung aus privaten und öffentlichen Mitteln in Betracht. Im Rahmen der privaten Refinanzierung bietet die VC-Gesellschaft (externen) Kapitalgebern – sog. VC-Financiers – im Rahmen eines Fonds141 eine bestimmte Beteiligung zur Zeichnung an ihrer eigenen Unternehmung an.142 Für diesen Kapitalgeberstamm bietet die Anlageform einerseits einen Anreiz, weil dadurch im Vergleich zu Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren eine überdurchschnittlich hohe Rendite erzielt werden kann. Andererseits müssen die VC-Financiers sowohl auf die Erfahrung der VC-Gesellschaft bzgl. der Auswahl des VC-Nehmers als auch auf die Beratungskompetenz der VC-Gesellschaft während der Laufzeit des Venture Capital vertrauen. Um das Ausfallrisiko der Beteiligungen zu vermindern, werden im Rahmen des Fonds Beteiligungen an mehreren jungen Unternehmungen in verschiedenen Lebensphasen, unterschiedlichen Branchen sowie verschiedenen technologischen Richtungen gehalten. Somit wird das Risiko einer Beteiligung durch die Chance einer anderen gehaltenen Beteiligung ausgeglichen. Man spricht von einer Risikodiversifizierung oder Risikostreuung. Bei der Refinanzierung aus öffentlichen Mitteln werden der VC-Gesellschaft günstige Darlehen im Rahmen öffentlicher Förderprogramme gewährt,143 die in Abschnitt 4.2.3.3.6 kurz vorgestellt werden. Am Ende der Laufzeit erhält die VC-Gesellschaft ihre getätigte Einlage zzgl. eines aus der Wertsteigerung der an der Unternehmung des Existenzgründers gehaltenen Anteile resultierenden Gewinns durch die Veräußerung zurückerstattet (vgl. hierzu die ausführlichen Ausführungen in Abschnitt 4.2.3.3.5.4.5). Die VC-Gesellschaft ihrerseits erstattet die ihr zur Verfügung gestellten Geldleistungen an die VC-Financiers zzgl. einer adäquaten Verzinsung (sog. „Hurdle-Rate“) als Entgelt für die befristete Kapitalüberlassung und die Risiko- übernahme im Rahmen der Liquidation des Fonds zurück. Hierbei wird deutlich, dass die VC-Gesellschaft als solche nur eine Vermittlerfunktion innehat. Allerdings besitzt sie neben der Finanzierungsfunktion auch eine Beraterfunktion, die sie aktiv ausübt. Zusammenfassend lässt sich eine VC-Gesellschaft als Mischung aus einem Beteiligungsfonds für Risikokapital und einer Unternehmensberatungsgesellschaft charakterisieren. Eine Sonderform der VC-Gesellschaften stellen öffentliche Kapitalbeteiligungsgesellschaften dar, bei denen als VC-Financiers der Staat bzw. Institutionen des Staates fungieren. Abbildung 15 fasst obige Ausführungen nochmals grafisch zusammen. 141 Man unterscheidet zwischen offenen und geschlossenen Fonds. Unter einem offenen Beteiligungsfonds versteht man ein bestimmtes Konzept der Mittelaufbringung, wobei dieser für einen offenen Zeitraum konzipiert wird und für weitere Investoren offen steht. Im Rahmen eines geschlossenen Fonds wird dieser nach Zeichnung des gesamten Kapitals für weitere Investoren geschlossen. Vgl. Baier, Wolfgang: Venture Capital. In: Gründungsplanung und -finanzierung, hrsg. von Willi K.M. Dieterle und Eike M. Winckler, 3. Aufl., München 2000, S. 408-409. Die Investoren profitieren hierbei von der Entwicklung sämtlicher im Fonds befindlichen Vermögenswerte. 142 Man spricht hierbei auch von einer sog. indirekten Beteiligung, da die VC-Financiers nur mittelbar über die VC-Gesellschaft an der Unternehmung des VC-Nehmers beteiligt sind (vgl. Abbildung 15; Seite 57). 143 Aus Sicht des VC-Nehmers hat die VC-Gesellschaft somit eine Finanzierungsfunktion, aus Sicht der VC-Financiers eine Investmentfunktion inne. Vgl. Kußmaul, Heinz: Kapitalbeteiligungsgesellschaften. In: Praxishandbuch Familiengesellschaften, begr. von Vincent Bünz und Ernst W. Heinsius, Freiburg i. Br. 1980 ff. (Loseblatt), Stand: 1999, Gruppe 4, S. 304, Rn. 2. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 57 VC- Financiers VC- Nehmer VC- Gesellschaft Refinanzierungskapital Gewährung von Venture Capital Kapitalrückzahlung inkl. Zinszahlungen Gewährung von Anteilen (offene Beteiligung) Kapitalanbieter KapitalnachfragerKapitalvermittler Refinanzierungsgeschäft Finanzierungsgeschäft Abbildung 15: Schematische Funktionsweise einer Finanzierung mit Venture Capital144 Ein informeller VC-Markt, von dem im Folgenden abstrahiert wird, liegt genau dann vor, wenn keine die Vermittlungsfunktion wahrnehmende VC-Gesellschaft existent ist. Die auf diesem Markt auftretenden Privatpersonen bezeichnet man auch als sog. „Business Angels“. Noch vor einigen Jahren waren sie in Deutschland fast unbekannt; die „Business Angels“ gewinnen für die Gründerfinanzierung jedoch immer mehr an Bedeutung. Nach eigenen Angaben investieren sie jährlich etwa 300 Mio. EUR und sind somit in der Seed- Phase ein durchaus beachtenswerter Faktor.145 4.2.3.3.5.2 Ausgewählte Beteiligungsformen Die Gewährung von Eigenkapital einer VC-Gesellschaft vollzieht sich dadurch, dass die VC-Gesellschaft an der Unternehmung des Existenzgründers oder der wachsenden Unternehmung eine Beteiligung eingeht. Hierbei sind verschiedene Gestaltungsvarianten denkbar, wobei zwischen der offenen und der stillen Beteiligung unterschieden wird. Bei der offenen Beteiligung wird das Venture Capital in Form von Einlagen bzw. Grund- oder Stammkapital in die Unternehmung des VC-Nehmers eingebracht, wobei mit dem Eintritt Stimm- und Mitspracherechte einhergehen sowie eine Beteiligung an den stillen Reserven erfolgt. Als Beteiligungsform kommen die Übernahme von Kommanditanteilen, GmbH-Stammanteilen sowie Aktien in Betracht. Die Beteiligung als Gesellschafter einer OHG oder als Komplementär einer KG wird aus haftungsrechtlichen Gründen i. d. R. ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu stellen stille Beteiligungen Fremdkapital dar, wobei die Gewährung materiell wie eine Erhöhung des Eigenkapitals wirkt. Es handelt sich hierbei um ein kredit- ähnliches Geschäft. Aufgrund der Tatsache, dass die Einlage „in das Vermögen des Inha- 144 Entnommen aus Kußmaul, Heinz/Richter, Lutz: Betriebswirtschaftliche Aspekte von Venture Capital-Gesellschaften und ihre Bedeutung im Hinblick auf Existenzgründungen: Einordnung, Funktionsweise, Beteiligungsformen, Finanzierungsphasen. In: Deutsches Steuerrecht 2000, S. 1159. 145 Vgl. Business Angels Netzwerk Deutschland e.V.: Business Angels Idee neuen Schwung verleihen, Pressemitteilung vom 17.11.2008 (www.business-angels.de (Stand: 19.05.2009), Rubrik: BANDpresse- und Öffentlichkeitsarbeit" Pressemitteilungen). 58 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) bers des Handelsgeschäfts übergeht“ (§ 230 Abs. 1 HGB), entsteht keine Beteiligung und somit auch generell kein Mitspracherecht. Weiterhin erfolgt keine Partizipation an den stillen Reserven, wobei als Ausgleich eine Wertzuwachspauschale vereinbart werden kann. Allerdings ist der stille Gesellschafter (VC-Gesellschaft) berechtigt, den Jahresabschluss des VC-Nehmers zu verlangen und zu überprüfen (§ 233 HGB). Die VC-Gesellschaft haftet im Verlustfall nur bis zur Höhe ihrer getätigten Einlage (§ 232 Abs. 2 S. 1 HGB); die Verlustbeteiligung kann durch den Gesellschaftsvertrag ausgeschlossen werden (§ 231 Abs. 2 HGB), wobei dies im Rahmen öffentlicher Förderprogramme allerdings nicht üblich ist. Generell bieten sich stille Beteiligungen an, wenn die VC-Gesellschaft nicht nach außen in Erscheinung treten möchte bzw. die Beteiligungs- und Stimmrechtsquoten (bei bereits gegründeter Unternehmung) unverändert bleiben und flexible vertragliche Gestaltungsmöglichkeiten erreicht werden sollen. Somit besteht zwischen der VC-Gesellschaft und dem VC-Nehmer ein reines Innenverhältnis, wobei nur der VC-Nehmer nach außen in Erscheinung tritt.146 4.2.3.3.5.3 Die Phasen der Finanzierung mit Venture Capital Die erste für einen Existenzgründer relevante Phase stellt die sog. „Seed-Phase“ (auch: F & E-Phase) dar, innerhalb derer zum einen die Finanzierung der vorbereitenden Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten zu erfolgen hat und zum anderen der daraus resultierende Prototyp vorgestellt wird. Die Unternehmung ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht existent, sondern befindet sich erst in der Gründung. Die VC-Finanzierung ist in diesem Teilbereich mit sehr hohen Risiken behaftet, da die Marktchancen und die zukünftige Akzeptanz der Produktinnovation in dieser Phase i. d. R. relativ schlecht abschätzbar sind. Daher erweist sich die Marktanalyse, die sich als Ziel gesetzt hat, Daten über insbesondere potenzielle Kunden und Konkurrenten zu sammeln, zu erfassen, zu klassifizieren und zu analysieren,147 zur näheren Konkretisierung der Marktchancen als ein unerlässliches Hilfsmittel. Ein weiteres Problem der „Seed-Phase“ besteht in den hohen Aufwendungen (Beratungsund Betreuungsaufwendungen), denen keine Erträge gegenüberstehen; daraus folgt eine Finanzierungslücke, die i. d. R. nicht ausschließlich durch Eigenmittel geschlossen werden kann. Hierbei bietet sich der Einsatz von öffentlichen Fördermaßnahmen an. Innerhalb der „Start-Up-Phase“ wird das Unternehmen gegründet und das in der „Seed- Phase“ entwickelte Produkt auf eine Markteinführung vorbereitet bzw. eine probeweise Einführung des Erzeugnisses auf einem Testmarkt vorgenommen. Des Weiteren werden die Produktionsvorbereitungen getroffen und detaillierte Marketingkonzepte entwickelt. Die „Start-Up-Phase“ erlangt im Rahmen des Gründungsvorgangs einen besonderen Stellenwert, da dort die Finanzierungslücke trotz bereits einsetzender Rückflüsse besonders groß ist. 146 Vgl. zu diesem Absatz Wöhe, Günter: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 23. Aufl., München 2008, S. 232. 147 Vgl. ausführlich zum Themenbereich „Marktanalyse“ Kußmaul, Heinz: Betriebswirtschaftslehre für Existenzgründer. 6. Aufl., München 2008, S. 544-555. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 59 Innerhalb der „First Stage“ wird die Markteinführung des Produkts mit der damit verbundenen Aufnahme der Produktion vorgenommen sowie ein Fertigungs- und Vertriebsnetz aufgebaut. In der „Expansion Stage“, einem weiteren wichtigen Betätigungsfeld der VC- Finanzierung, erfolgt eine Ausweitung der Produktpalette und des Produktions- und Vertriebssystems sowie eine evtl. Ausdehnung der unternehmerischen Aktivitäten in das Ausland – sog. „cross-border-Geschäfte“. In dieser Phase werden die Möglichkeiten der Selbstfinanzierung bzw. der Kreditfinanzierung durch die am Markt erwirtschafteten Gewinne erhöht. In Abbildung 16 lassen sich zusammenfassend tendenzielle Aussagen über die Entwicklung der Gewinne, des Kapitalbedarfs und des Risikos der Unternehmung in Abhängigkeit von ihrer Lebensphase treffen. First StageStart-Up- Phase (1-3 Jahre) Expansion Stage Lebenszeit der Unternehmung 0 Seed-Phase (1-3 Jahre) Gewinn Kapitalzuführungsbedarf Risiko (4-10 Jahre) Abbildung 16: Funktionale Beziehungen zwischen den Gewinnen, dem Kapitalbedarf und dem Risiko im Rahmen der Finanzierung mit Foundation Venture Capital148 4.2.3.3.5.4 Der zeitliche Ablauf einer Finanzierung mit Venture Capital 4.2.3.3.5.4.1 Überblick Während im vorangegangenen Abschnitt die für eine VC-Finanzierung primär relevanten Lebensphasen einer Unternehmung erläutert wurden, finden nun die Phasen Berücksichti- 148 Vgl. Merkle, Erich: Venture Capital als Instrument des Technologiemanagements. In: Betriebs- Berater 1984, S. 1061. 60 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) gung, die ein Gründungsunternehmen in zeitlicher Hinsicht bis zur Gewährung von Venture Capital zu durchlaufen hat. 4.2.3.3.5.4.2 Die Akquisitionsphase Bevor eine Finanzierung der Unternehmung des Existenzgründers erfolgen kann, muss die VC-Gesellschaft als solche das für die Beteiligungsinvestition benötigte Kapital akquirieren. Die Interessengruppen innerhalb dieser anfänglichen Phase, die auch als Suchphase oder als „Fund raising“ bezeichnet wird, stellen institutionelle (z. B. Kreditinstitute, Versicherungen und Kapitalanlagegesellschaften), industrielle oder private Anleger dar.149 In Deutschland verkörpern die Kreditinstitute die wesentlichen VC-Financiers. 4.2.3.3.5.4.3 Die Investitionsphase Innerhalb der Kontaktphase, die parallel zur oder anschließend an die Akquisitionsphase verlaufen kann, müssen der VC-Gesellschaft die entsprechenden Beteiligungsprojekte zugänglich gemacht werden. Dies kann zum einen dadurch geschehen, dass auf direkte Weise ein Kontakt zwischen beiden Subjekten geknüpft wird. Zum anderen kann auch ein (externer) Dritter als Vermittler fungieren (z. B. Kreditinstitute, Industrie- und Handelskammer, Unternehmensberater; sog. „Scouts“150). Der primäre Zweck einer daran anschließenden Grobanalyse besteht für VC-Gesellschaften in einer Selektion der generell in Frage kommenden VC-Nehmer. Diese Grobanalyse fällt in der Vielzahl der Beurteilungsfälle negativ aus.151 Hierbei ist zwischen solchen Gründen zu differenzieren, die der Existenzgründer nicht zu verantworten hat (die Investition der VC- Gesellschaft passt nicht in deren Gesamtportfolio), und solchen, die im Einflussbereich des potenziellen VC-Nehmers liegen. Um den letzteren Fall zu vermeiden, hat der potenzielle Existenzgründer die VC-Gesellschaft von der Attraktivität seiner Unternehmung zu überzeugen. Hierbei wird vor allem Wert auf die Unternehmerpersönlichkeit sowie auf die Seriosität, Aussagekraft und Professionalität des vom VC-Nehmer zu erstellenden Business Plans152 gelegt. Weiterhin finden das einzuführende Produkt bzw. die einzuführende Technologie sowie die damit verbundenen Wachstumschancen und Markterfolge in den Überlegungen anhand einer Plausibilitätsprüfung Berücksichtigung. Die nach der Grobanalyse noch in Frage kommenden potenziellen VC-Nehmer müssen sich im Rahmen der Detailanalyse – auch Due Diligence genannt – vertiefenden Gesprächen 149 Vgl. hierzu Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Venture Capital Association e.V.: Venture Capital von A bis Z. Berlin 1993, S. 5. 150 Unter einem „Scout“ wird eine Person verstanden, die aussichtsreiche Beteiligungsmöglichkeiten sichtet. 151 Vgl. Pfeifer, Axel: Venture Capital als Finanzierungs- und Beteiligungsinstrument. In: Betriebs- Berater 1999, S. 1669. 152 Vgl. ausführlich zum Aufbau eines Business Plans mit Beispielen Kußmaul, Heinz: Aufgaben und Aufbau eines Business Plans. In: Der Steuerberater 1999, S. 471-477; Kußmaul, Heinz: Betriebswirtschaftslehre für Existenzgründer. 6. Aufl., München 2008, S. 526-586; Kußmaul, Heinz: Business Plan – Aufbau, Inhalt, Zweck, Beispiel –. In: Arbeitspapiere zur Existenzgründung, hrsg. von. Heinz Kußmaul, Band 2, 2. Aufl., Saarbrücken 2002; Kußmaul, Heinz/Junker, Andy: Der Business- Plan am Beispiel. In: Arbeitspapiere zur Existenzgründung, hrsg. von Heinz Kußmaul, Band 7, 2. Aufl., Saarbrücken 2003. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 61 unterziehen, um eine persönliche Meinungsbildung seitens der VC-Gesellschaft zu ermöglichen. Ferner wird der in der Grobanalyse als interessant erachtete Business Plan einer ausführlicheren Untersuchung unterzogen. VC-Nehmer, die auch die Detailanalyse bestehen und deren Interessen mit denen der VC- Gesellschaft harmonieren, schließen zu guter Letzt den Vertrag über die Gewährung von Venture Capital ab (sog. Vertragsabschlussphase). Hierbei muss einerseits die Art der Finanzierungsform geklärt werden. Andererseits stellt sich die Frage, wie die Anteile zu bewerten sind und ob beide potenzielle Vertragspartner zu einer Einigung bezüglich des Preises kommen. Hierbei stehen zwei Varianten zur Auswahl: Entweder muss der Preis für eine bestimmte prozentuale Beteiligung festgelegt werden, oder es ist zu vereinbaren, wie hoch der Anteil der VC-Gesellschaft am VC-Nehmer bei einer bestimmten Eigenkapitalzuführung sein soll. Somit wird das Themengebiet des Venture Capital auch entscheidend von der Unternehmensbewertung geprägt.153 Weiterhin ist innerhalb der Vertragsverhandlungen die Intensität der Bindung des VC-Nehmers an die VC-Gesellschaft zu definieren. Hier stellt sich die Frage der Einräumung von Informations- und Mitwirkungsrechten (evtl. auch in der Geschäftsführung des VC-Nehmers). 4.2.3.3.5.4.4 Die Betreuungsphase Die sich an die Investitionsphase anschließende Betreuungsphase – auch Zusammenarbeitsphase oder Monitoring genannt – erstreckt sich über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren, wobei die Bindungsintensität in verschiedener Weise ausgeprägt sein kann. Diese führt von der bloßen Kontrolle bestimmter vertraglich vereinbarter Vorgaben bis hin zur intensiven Betreuung des Managements des VC-Nehmers in Form der Unterstützung der Geschäftsführung bei strategischen Entscheidungen, Vermittlung von Kontakten zu weiteren Finanzierungsquellen (Kunden, Lieferanten), Beihilfe bei kurzfristigen Krisen bis hin zum Organisationsaufbau, zur Personalpolitik (z. B. Ablösung der Führungsmannschaft) und zum Aufbau eines intakten Rechnungswesens (Betriebsbuchführung, Kosten- und Leistungsrechnung) und Controlling.154 Allerdings können und wollen VC-Gesellschaften nicht die gesamte Unternehmerfunktion übernehmen; sie sind lediglich helfend oder beratend tätig. 4.2.3.3.5.4.5 Die Desinvestitionsphase In der Desinvestitionsphase – auch als Exit bezeichnet –, die nach dem zehnten Jahr abgeschlossen sein sollte, wird der VC-Gesellschaft das ursprünglich gewährte Kapital wieder zum Nominalwert – zuzüglich eines Entgelts für die Kapitalnutzung in Form laufender 153 Vgl. hierzu ausführlich Bieg, Hartmut/Kußmaul, Heinz: Investition. 2. Aufl., München 2009, Abschnitt 2.9. 154 Ob die auftretenden Beratungskosten der VC-Gesellschaft zusätzlich durch den VC-Nehmer abgegolten werden müssen, hängt von der anfänglichen vertraglichen Ausgestaltung ab. Vgl. Pfeifer, Axel: Venture Capital als Finanzierungs- und Beteiligungsinstrument. In: Betriebs-Berater 1999, S. 1669. I.d.R. sind die gegebenen Beratungen allerdings kostenlos, da sie Gegenstand der gesamten VC-Finanzierung sind. Vgl. Grisebach, Rolf: Innovationsfinanzierung durch Venture Capital: eine juristische und ökonomische Analyse. München 1989, S. 58. 62 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) Gewinnausschüttungen und/oder von Wertsteigerungen – zurückgezahlt.155 Die vier in Frage kommenden Beendigungsmöglichkeiten des Beteiligungsengagements, die vertraglich geregelt sein müssen, lassen sich wie in Abbildung 17 darstellen. Möglichkeiten des Exit BuyBack Trade Sale SecondaryPurchase GoingPublic Der VC-Nehmer erwirbt seine Anteile wieder zurück. Die Anteile werden an einen strategischen Investor verkauft (z. B. andere Unternehmung). Die Anteile werden an einen anderen Finanzinvestor verkauft (z. B. andere VC-Gesellschaft). Die Anteile werden im Rahmen eines Börsengangs der Unternehmung verkauft. Abbildung 17: Varianten der Beendigung des Beteiligungsengagements für eine VC-Gesellschaft156 Auch im Rahmen der Desinvestitionsphase wird die bereits in Abschnitt 4.2.3.3.4 angesprochene Vermischung von Kapitalbeteiligungsgesellschaften und VC-Gesellschaften deutlich. Während sich für Kapitalbeteiligungsgesellschaften die Verzinsung ihres eingesetzten Eigenkapitals in (laufenden) Gewinnausschüttungen bzw. Gewinnzuweisungen widerspiegelt, partizipieren die VC-Gesellschaften an der Wertsteigerung ihrer Anteile an der Unternehmung des VC-Nehmers infolge eines möglichst hohen Veräußerungsgewinns. Welcher Entgelttyp – laufende Gewinnausschüttungen oder realisierte Wertsteigerungen – typisch ist für die befristete Eigenkapitalüberlassung, ist aufgrund der unscharfen Grenzen zwischen VC-Gesellschaften und Kapitalbeteiligungsgesellschaften nicht mehr genau feststellbar. Dennoch bestehen zwischen den beiden Varianten keine gravierenden Unterschiede. Legt man den Überlegungen eine sog. Nettosubstanzwertbetrachtung zugrunde, so wird durch Gewinnausschüttungen an die VC-Gesellschaft das Eigenkapital und 155 Die Zeitspanne von zehn Jahren stellt einen ungefähren Richtwert dar. Maßgebend für den Exit ist der Zeitpunkt, bei dem die entscheidungsrelevanten Daten der Unternehmung des VC-Nehmers eine bestimmte Untergrenze einer im vorhinein festgelegten Kennzahl erreichen bzw. übersteigen. Diese Kennzahl stellt i.d.R. der ROI (Return On Investment) oder der IRR (Internal Rate of Return; interner Zinsfuß; Rendite) dar. Vgl. auch Schmitz-Morkramer, Philipp C.: Die Beteiligungspolitik von Venture-Capital-Gesellschaften in den neuen Bundesländern. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 1995, S. 509, der zutreffend feststellt, dass eine längere Laufzeit der Beteiligung auch einen höheren Veräußerungserlös impliziert, um die gewünschte Rendite des investierten Kapitals erreichen zu können. 156 In Anlehnung an die Begrifflichkeiten und Definitionen beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Venture Capital Association e.V.: Venture Capital von A bis Z. Berlin 1993, S. 4. Vgl. hierzu auch Pahlen, Dieter: WGZ Venture-Capital Gesellschaft: Erwartungen an ein junges Unternehmen. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 1998, S. 225. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 63 somit auch die Nettosubstanz der Unternehmung des VC-Nehmers gemindert, woraus ein entsprechend geringerer Veräußerungsgewinn am Ende der Beteiligungslaufzeit resultiert. Werden hingegen keine Gewinnausschüttungen vorgenommen, so wird durch die Eigenkapitalansammlung die Substanz der Unternehmung und auch der Veräußerungsgewinn der Anteile erhöht. Bei diesen Überlegungen wurde implizit unterstellt, dass sich die Verzinsung der erwirtschafteten Gewinne in der Unternehmung und die alternative Verzinsung der VC-Gesellschaft im Gewinnausschüttungsfall entsprechen. Trifft diese Kongruenz hingegen nicht zu, so bietet sich aus Sicht der VC-Gesellschaft eine Gewinnausschüttung genau dann an, wenn die alternative Verzinsung größer als die interne Verzinsung ist et vice versa. Dieser Aspekt impliziert, dass beide Verzinsungsprozentsätze zum Zeitpunkt der Vertragsverhandlungen bereits abgeschätzt werden müssen. In diesem Zusammenhang lässt sich wiederum der Begriff „Risikokapital“ veranschaulichen. Stellt sich die Investition in der Unternehmung des VC-Nehmers als Fehlmaßnahme dar, d. h., treten die prognostizierten Wachstumschancen gar nicht oder nur in geringem Maße ein, so ist mit einem (teilweisen) Verlust des eingesetzten Kapitals zu rechnen (sog. „write off“). Im umgekehrten Fall wird der Unternehmenswert und der daran zu messende Veräußerungserlös der Anteile steigen und somit die Möglichkeit einer überdurchschnittlich hohen Rendite des eingesetzen Kapitals gegeben sein, an dem die VC-Gesellschaft partizipiert, sozusagen als Äquivalent für den möglichen „write off“.157 Aus diesem Grund ist auch verständlich, dass VC-Gesellschaften in Unternehmungen mit künftigen Wachstumsperspektiven investieren, um in jedem Jahr eine Maximierung des Shareholder Value anzustreben. Die prozentuale Zusammensetzung der einzelnen Exitkanäle wird in Abbildung 18 (Seite 64) tabellarisch für die Jahre 2006 und 2007 gegenübergestellt. Generell ist festzustellen, dass die Gewährung von Venture Capital bei einer schon im Vorfeld verfolgten Strategie des Going Public maßgebend von der späteren Fungibilität abhängig ist, d. h. von der Handelbarkeit der Anteile. Zweifelsohne erweist sich der Börsengang in diesem Zusammenhang als der optimale Weg. Die Exitstrategie des „Buy Back“, also des Rückkaufs der Anteile durch den VC-Nehmer, stellt sicher, dass der VC-Nehmer aus eigenem Interesse während des Beteiligungsengagements fremde Gesellschafter zum Unternehmensaufbau und zur Einbringung von Knowhow benötigt bzw. duldet. Danach wird allerdings durch den Anteilsrückkauf gewährleistet, dass die Kontroll- und Mitspracherechte im Managementbereich an den VC-Nehmer zurückgehen.158 Damit soll der Sorge des Verlusts der Selbstständigkeit, des Einflusses auf die Geschäftsführung und der Entscheidungsfreiheit vorgebeugt und ein klassisches Charakteristi- 157 Auch erwirbt die VC-Gesellschaft in der tätigen Branche des VC-Nehmers zusätzliches Knowhow, das sie bei späteren branchengleichen Engagements wieder nutzen kann. Vgl. Pahlen, Dieter: WGZ Venture-Capital Gesellschaft: Erwartungen an ein junges Unternehmen. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 1998, S. 224. 158 Hertz-Eichenrode formuliert treffend: „Deutsche Mittelständler bevorzugen es, „Herr im eigenen Hause“ zu sein“. Hertz-Eichenrode, Albrecht: Venture Capital in Deutschland: Stimmen die Rahmenbedingungen? In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 1998, S. 204. 64 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) kum von mittelständischen Betrieben – die Personalunion von Eigentümer und Unternehmer – aufrechterhalten werden. Als problematisch dürfte sich hingegen die Findung eines für beide Parteien akzeptablen Kaufpreises für die rückzuerwerbenden Anteile sowie die Finanzierung der Anteile für den VC-Nehmer erweisen. Exitkanäle ProzentualerAnteil 2006 Prozentualer Anteil 2007 Buy Back davon stille Beteiligung davon Gesellschafterdarlehen 13,2 % 5,7 % 2,1 % 15,3 % 5,4 % 8,2 % Trade Sale 25,1 % 20,6 % Secondary Purchase 29,0 % 20,9 % Going Public davon Neuemission davon Verkauf von Aktien 21,1 % 1,9 % 19,2 % 23,4 % 6,3 % 17,1 % Sonstige Exitkanäle 6,6 % 9,5 % Totalverlust 5,0 % 10,3 % Abbildung 18: Prozentuale Zusammensetzung der Exitkanäle in den Jahren 2006 und 2007159 4.2.3.3.6 Die öffentlichen Finanzierungsprogramme mit Venture Capital Öffentliche Finanzierungsprogramme im Zusammenhang mit Venture Capital werden auf zwei Ebenen gewährt: • Zwecks Übernahme kleinerer Beteiligungen an mittelständischen Unternehmungen wird VC-Gesellschaften ein Anreiz in Form von staatlichen Fördermaßnahmen (in Form von Refinanzierungskrediten) geboten. Hierbei wird zum einen die Refinanzierung verbilligt und zum anderen das Verlustrisiko verringert (vgl. das ERP- Beteiligungsprogramm in Abbildung 19 (Seite 66). • Direkte Beteiligung am VC-Nehmer in Form einer stillen Beteiligung, so dass kein Einfluss auf diesen ausgeübt wird. Allerdings ist diese Beteiligung von einer weiteren Beteiligung in der gleichen Höhe eines sog. Leadinvestors (z. B. eine VC-Gesellschaft) zwecks Risikodiversifikation abhängig, der sich dann auch für die Betreuung und Unterstützung des VC-Nehmers verantwortlich zeigt (vgl. den ERP-Startfonds in Abbildung 19 (Seite 66). Bei der Institution, die die öffentlichen Fördermittel (des Bundes) gewährt, handelt es sich um die KfW-Mittelstandsbank. In Abhängigkeit von der Lebensphase der Unternehmung lassen sich dabei unterschiedliche VC-Förderprogramme in Anspruch nehmen, von denen in 159 Vgl. dazu die Statistiken des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Private Equity and Venture Capital Association e.V., abrufbar unter: www.bvk-ev.de (Stand: 19.05.2009), Rubrik: Statistiken" Aktuelle Statistiken. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 65 Abbildung 19 (Seite 66) beispielhaft typische Konditionen dargestellt werden. Weiterführende Informationen zu den einzelnen Förderprogrammen können auf der Homepage der KfW-Mittelstandsbank eingesehen werden (www.kfw-mittelstandsbank.de, Rubrik: Beteiligungsfinanzierung). 4.2.4 Die Kapitalherabsetzung bei Nicht-Aktiengesellschaften160 Aufgrund der unterschiedlichen rechtlichen Struktur des Eigenkapitals (fixes oder bewegliches Eigenkapital) sowie der unterschiedlichen Behandlung von Gewinnen und Verlusten bestehen bei den verschiedenen Rechtsformen unterschiedliche Möglichkeiten für die Herabsetzung des Eigenkapitals. Bei Einzelunternehmungen und Personenhandelsgesellschaften ist dies relativ einfach, da die Kapitalanteile nicht nominell fixiert sind. Bei Einzelunternehmungen führen Verluste und Entnahmen von eingelegtem Kapital und erwirtschafteten Gewinnen zur Herabsetzung des Eigenkapitals. Bei der Offenen Handelsgesellschaft ergibt sich eine Einengung, da alle persönlich haftenden Gesellschafter aufgrund ihrer Kapitalleistungspflicht, sofern vertraglich nicht anders vereinbart, nur 4 % auf das Kapital des letzten Jahres und – soweit es nicht zum offenbaren Schaden der Gesellschaft gereicht – den darüber hinausgehenden Gewinnanteil des letzten Jahres entnehmen dürfen.161 Weiter gehende Entnahmen setzen die Zustimmung der anderen Gesellschafter voraus. Auch das Ausscheiden eines Gesellschafters nach fristgemäßer Kündigung sowie die Zurechnung von Verlusten führen zu Kapitalherabsetzungen. Für die Komplementäre einer Kommanditgesellschaft gelten die gleichen Entnahmemöglichkeiten wie für die Gesellschafter einer OHG. Kommanditisten können keine Privatentnahmen aus dem Kapital vornehmen.162 Eine durch sämtliche Gesellschafter zur Eintragung in das Handelsregister anzumeldende Herabsetzung der Einlage des Kommanditisten ist allerdings möglich. Vor der Eintragung in das Handelsregister ist sie den Gläubigern gegen- über unwirksam. Gläubiger, deren Forderungen zur Zeit der Eintragung begründet waren, brauchen die Herabsetzung nicht gegen sich gelten zu lassen.163 160 Vgl. Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 2: Finanzierung. Freiburg i. Br. 1991, S. 82-83; Vormbaum, Herbert: Finanzierung der Betriebe. 9. Aufl., Wiesbaden 1995, S. 505-507. 161 Vgl. § 122 HGB. 162 Vgl. § 169 Abs. 1 Satz 1 HGB. 163 Vgl. § 174 HGB. 66 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) ERP-Startfonds ERP-Beteiligungsprogramm Wer wird gefördert? Junge Technologieunternehmen, die – nicht älter als 5 Jahre sind (ältere Unternehmen nur, sofern sie bereits eine Finanzierung aus Vorgängerprogrammen erhalten haben) – die Kriterien der EU-Kommission für kleine Unternehmen164 erfüllen. Kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit – bis zu 499 Mitarbeitern und – einem Jahresumsatz von max. 50 Mio. EUR (der Umsatz verbundener Unternehmen zählt mit). Was wird finanziert? Die Entwicklung neuer oder wesentlich verbesserter Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen und/oder deren Markteinführung, sofern – der innovative Kern im Unternehmen selbst entwickelt wird und – die neuen Produkte auf eigener Forschung und Entwicklung basieren und sich wesentlich von den bisherigen Produkten des Unternehmens unterscheiden. Die zweckgemäße Verwendung der Mittel ist nachzuweisen. – Errichtung neuer oder Erweiterung bestehender Betriebe – grundlegende Rationalisierung bestehender Betriebe – Innovations- und Kooperationsvorhaben – Förderung einer Beteiligung auch bei Erbauseinandersetzungen oder beim Ausscheiden von Gesellschaftern möglich. Wie sind die Konditionen? Höchstbeträge: – max. 3 Mio. EUR pro Technologieunternehmen – max. 1,5 Mio. EUR bei erstmaliger Finanzierung Laufzeit, Konditionen und Beteiligungsform richten sich nach der Beteiligung des Leadinvestors. Höchstbeträge: – i. d. R. 500.000 EUR (die Beteiligung soll das Eigenkapital nicht übersteigen) – 1 Mio. EUR in den neuen Ländern und Berlin Beteiligungsdauer: – bis zu 10 Jahre (in den neuen Ländern und Berlin bis zu 15 Jahre) Beteiligungsform: – jede Beteiligungsform zulässig – Verlustteilnahme des Beteiligungsgebers im Insolvenzfall darf nicht ausgeschlossen werden. Wer kann als Leadinvestor auftreten? – Beteiligungsgesellschaften (sofern bei der KfW-Mittelstandsbank akkreditiert) – Unternehmen – Business Angels – Kein Leadinvestor erforderlich Abbildung 19: Wichtige Aspekte der von der KfW-Mittelstandsbank gewährten öffentlichen Fördermittel165 164 Weniger als 50 Mitarbeiter und Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme höchstens 10 Mio. EUR. 165 Vgl. dazu www.kfw-mittelstandsbank.de (Stand: 19.05.2009), Rubrik: Beteiligungsfinanzierung. 4.2 Die Eigenkapitalbeschaffung nicht-emissionsfähiger Unternehmungen 67 Die von den Kapitalkonten beider Gesellschaftergruppen abzubuchenden Verluste können zu einem negativen Kapitalanteil der Kommanditisten führen. Die Kommanditisten sind allerdings nicht verpflichtet, bezogene Gewinne wegen späterer Verluste zurückzuzahlen.166 Solange allerdings sein Kapitalkonto unter der vereinbarten Einlage liegt, insbesondere aber solange ein negatives Kapitalkonto besteht, darf der Kommanditist eine Auszahlung späterer Gewinne nicht fordern.167 Die Herabsetzung des Stammkapitals der Gesellschaft mit beschränkter Haftung bedarf • der Beschlussfassung der Gesellschafterversammlung mit Dreiviertel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen,168 • der dreimaligen Bekanntmachung in den Blättern der Gesellschaft,169 • der Befriedigung oder Sicherstellung derjenigen Gläubiger, die der Herabsetzung nicht zustimmen,170 • der Anmeldung zur Eintragung in das Handelsregister nach Ablauf eines Jahres seit der dritten Bekanntmachung.171 Erst nach der Eintragung des Herabsetzungsbeschlusses dürfen Zahlungen an die Gesellschafter geleistet werden. Ein Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag ist auf der Passivseite der Bilanz als positiver bzw. negativer Bestandteil des Eigenkapitals gesondert auszuweisen.172 Soll ein Verlust gegen das Stammkapital verrechnet werden, so gelten die genannten Bestimmungen für die Herabsetzung des Stammkapitals. Eine Ausschüttung zu Lasten offener Rücklagen kann, da diese aus früheren Gewinnen resultieren, nach Gesellschafterbeschluss erfolgen. 166 Vgl. § 169 Abs. 2 HGB. 167 Vgl. § 169 Abs. 1 Satz 2 HGB. 168 Vgl. § 53 Abs. 2 Satz 1, 2. Halbsatz GmbHG. 169 Vgl. § 58 Abs. 1 Nr. 1 GmbHG. 170 Vgl. § 58 Abs. 1 Nr. 2 GmbHG. 171 Vgl. § 58 Abs. 1 Nr. 3 GmbHG. 172 Vgl. § 266 Abs. 3 HGB. 68 4 Die Außenfinanzierung durch Eigenkapital (Einlagenfinanzierung) 4.3 Die Eigenkapitalbeschaffung emissionsfähiger Unternehmungen 4.3.1 Die Rechtsformen emissionsfähiger Unternehmungen 4.3.1.1 Vorbemerkungen Von emissionsfähigen Unternehmungen wird hier gesprochen, wenn Eigenkapital173 durch den Verkauf von Anteilsrechten über die Börse beschafft werden kann. Für sie existiert damit eine große Zahl potenzieller Eigenkapitalgeber.174 Nach wie vor betrifft dies nur Aktiengesellschaften (AG) und Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA). Das bedeutet aber nicht, dass alle AG und KGaA tatsächlich auch Zugang zum organisierten Kapitalmarkt besitzen. Vielmehr werden die Aktien von ca. 75 % aller Unternehmungen dieser Rechtsformen nur auf dem freien, nicht organisierten Kapitalmarkt gehandelt. Die AG sowie die KGaA sind damit nicht per se emissionsfähig. Um diese Eigenschaft zu erlangen, müssen sie vielmehr zum Handel an wenigstens einem Börsenplatz zugelassen sein. Über die Zulassung entscheiden besondere Gremien jeweils an der Börse, bei der die Aufnahme in den Handel beantragt wird.175 Der Antrag auf Zulassung kann dabei in Deutschland nicht direkt von der AG bzw. KGaA selbst gestellt werden, sondern nur zusammen mit einem Kreditinstitut, das Mitglied der betreffenden Börse ist. Der Antrag ist zudem um einen sogenannten Börsenzulassungsprospekt zu ergänzen, in dem die wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse der Gesellschaft dargestellt werden. Dieser Prospekt ist zur Information der Anleger vor Aufnahme des Börsenhandels zu veröffentlichen. Für die Richtigkeit der Prospektangaben haftet neben der AG bzw. KGaA auch das die Zulassung beantragende Kreditinstitut.176 Nicht jede AG bzw. KGaA erfüllt aber die Voraussetzungen zur Zulassung. Die Erlaubnis kann wegen einer schlechten wirtschaftlichen Situation, aber auch aufgrund eines zu geringen Emissionsvolumens verweigert werden. Nur wenn die emittierende AG bzw. KGaA mit einer ausreichend großen Aktienzahl an die Börse geht, kann ein reibungsloser Handel dieser Titel erwartet werden. Nur dann ist mit kontinuierlichem Angebot und Nachfrage und einer insofern weitgehend störungsfreien Kursfeststellung zu rechnen. Erst ein genügend großes Emissionsvolumen rechtfertigt schließlich auch die Kosten und den Verwaltungsaufwand der Einführung und Notierung an der Börse. Die praktische Erfahrung hat gezeigt, dass das Grundkapital der AG bzw. KGaA bei Börseneinführung nicht weniger als 5 Mio. EUR betragen sollte, wovon mindestens 25-50 % platziert werden sollten. Zahlreiche kleinere Aktiengesellschaften und viele der – oft als Familienunternehmungen geführten – Kommanditgesellschaften auf Aktien erfüllen diese Größenvoraussetzungen nicht. 173 Vgl. aber auch Fußnote 96. 174 Zu den sich aus der Börsenfähigkeit für Eigenkapitalgeber wie für die Unternehmungen ergebenden Vorteilen vgl. Abschnitt 4.3.1.3.3. 175 Vgl. Abschnitt 8.2.2. 176 Vgl. § 44 BörsG.

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References

Zusammenfassung

Nach einer allgemeinen Einordnung der Finanzierung von Unternehmen werden die einzelnen Instrumente der Außen- und Innenfinanzierung mit ihren theorie- und praxisrelevanten Merkmalen vorgestellt und mit zahlreichen Beispielen untermauert. Darüber hinaus wird auf Finanzinnovationen und Finanzderivate eingegangen.

Einführendes Lehrbuch in die Grundlagen der Unternehmensfinanzierung

Behandelt werden theoretische wie praxisrelevante Fragestellungen.

Grundprinzipien und Bestandteile der Finanzwirtschaft

Finanzierungstheorie

Finanzierungsarten

Außenfinanzierung durch Eigenkapital

Außenfinanzierung durch Fremdkapital

Derivative Finanzinstrumente

Innenfinanzierung^.

Prof. Dr. Hartmut Bieg ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre an der Universität des Saarlandes.

Professor Dr. Heinz Kußmaul ist Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Steuerlehre und Entrepreneurship am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, an der Universität des Saarlandes.

"Insgesamt betrachtet liegt hier ein beachtliches Nachschlagewerk zum Themenkomplex Investition und Finanzierung vor, das jede einschlägige Frage in ihren Grundzügen beantwortet… Angehenden Betriebswirten und Praktikern kann das Handbuch uneingeschränkt empfohlen werden."

Ingo Nautsch in "Die Bank" zur Vorauflage der Bände.

Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bachelor für das Fach Investition & Finanzierung an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Das Buch bietet aber auch Praktikern zahlreiche Anhaltspunkte zur Lösung von Finanzierungsproblemen.