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3.1 Gliederung nach der Herkunft des Kapitals (Mittelherkunft) in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul

Finanzierung, page 58 - 60

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3625-9, ISBN online: 978-3-8006-4441-4, https://doi.org/10.15358/9783800644414_58

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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3 Die Finanzierungsarten – Systematisierungsansätze 3.1 Gliederung nach der Herkunft des Kapitals (Mittelherkunft) Wird die Finanzierung unter dem Gesichtspunkt der Herkunft des Kapitals in Außen- und Innenfinanzierung unterteilt, so ist eine scharfe Trennung zwischen der Unternehmung einerseits und den Kapitalgebern (einschließlich den Inhabern oder Gesellschaftern) andererseits erforderlich. Einen Überblick gibt Abbildung 9 (Seite 30). Bei der Außenfinanzierung (externe Finanzierung) fließt der Unternehmung Kapital in Form von Eigenkapital (Kapitaleinlagen; Eigenfinanzierung von außen) oder in Form von Fremdkapital (Kreditgewährungen; Kreditfinanzierung) zu. Unterscheidet man bei der Eigenfinanzierung von außen die Einlagen- von der Beteiligungsfinanzierung,79 so kann die Unterscheidung allenfalls aufgrund der Rechtsform der Unternehmung getroffen werden. In diesem Sinne bezeichnet man die Einlagen durch Einzelunternehmer bzw. Gesellschafter von Personenhandelsgesellschaften als Einlagenfinanzierung; von Beteiligungsfinanzierung spricht man, wenn die Gesellschafter juristischer Personen Eigenkapital zur Verfügung stellen, wobei ihre Gesellschafterrechte durch Beteiligungspapiere (Aktien) verbrieft sein können. Im Folgenden wird für beide Fälle von Einlagenfinanzierung gesprochen; eine Unterscheidung ist aufgrund fehlender unterschiedlicher Problemstellung nicht erforderlich. In allen Fällen nimmt das i. d. R. auf unbestimmte Zeit zur Verfügung gestellte Eigenkapital am Gewinn und Verlust der Unternehmung teil. Da es durch Verluste zuerst angegriffen (eventuell völlig aufgezehrt) wird, wird es auch als Haftungs- oder Garantiekapital bezeichnet. Die Kreditfinanzierung ist Fremdfinanzierung von außen; das Kapital wird vom Kapitalgeber (Gläubiger) lang-, mittel- oder kurzfristig zur Verfügung gestellt, wobei vertraglich vereinbart wird, dass • Zinsen – auch in Verlustjahren – zu zahlen sind, • innerhalb eines vertraglich vereinbarten Zeitraums bzw. zu einem festen Termin eine Rückzahlung erfolgen muss. Die Innenfinanzierung (interne Finanzierung) als Kapitalbeschaffung aus dem betrieblichen Umsatzprozess erfolgt 1. durch Vermögenszuwachs und dadurch bedingte Kapitalneubildung im Wege der Zurückbehaltung von Gewinnen (Selbstfinanzierung) einerseits oder der Bildung von Rückstellungen (z. B. Bildung langfristiger Pensionsrückstellungen) andererseits; 79 So z.B. Wöhe, Günter/Bilstein, Jürgen: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung. 9. Aufl., München 2002, S. 10 und S. 12. 30 3 Die Finanzierungsarten – Systematisierungsansätze 2. durch Verwendung von Umsatzerlösen für Reinvestitionen oder Nettoinvestitionen (Vermögensumschichtung). Fi na nz ie ru ng A uß en fin an zi er un g In ne nf in an zi er un g V er m ög en sz uw ac hs Ei nl ag en fin an zi er un g K re di tfin an zi er un g V er m ög en sz uw ac hs V er m ög en su m sc hi ch tu ng Fi na nz ie ru ng du rc h Zu rü ck be ha ltu ng vo n G ew in ne n (o ff en e un d st ill e Se lb st fina nz ie ru ng ) Fi na nz ie ru ng du rc h B ild un g vo n R üc ks te llu ng en (in sb es .v on la ng fr is tig en Pe ns io ns - R üc ks te llu ng en ) K ap ita lfr ei se tz un g du rc h V er ka uf vo n (n ic ht be tri eb sno tw en di ge n) V er m ög en sge ge ns tä nd en K ap ita lfr ei se tz un g du rc h di e V er äu ße ru ng vo n Fo rde ru ng en (F ac to rin g) K ap ita lfr ei se tz un g du rc h de n R üc kf lu ss vo n A bs ch re ibu ng sg eg en w er te n K ap ita lfr ei se tz un g du rc h V er kü rz un g de rK ap ita lbi nd un gs da ue r( R at io na lis ie ru ng sm aß na hm en ) Abbildung 9: Gliederung der Finanzierungsvorgänge nach der Herkunft des Kapitals80 Es ist also zum einen zwischen einem Zuwachs an Vermögen und Kapital (Bilanzverlängerung), z. B. Nichtentnahme von Gewinnen (offene Selbstfinanzierung) bzw. Verhinderung 80 Modifiziert entnommen aus Wöhe, Günter/Bilstein, Jürgen: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung. 9. Aufl., München 2002, S. 13. 3.2 Gliederung nach der Rechtsstellung der Kapitalgeber 31 der Gewinnentstehung und Gewinnverwendung durch stille Selbstfinanzierung sowie durch Rückstellungsbildung (Aufwandsverrechnung), und zum anderen einem Rückfluss bereits früher beschaffter Kapitalbeträge (Vermögensumschichtungen; Aktivtausch), die nicht zu einer Erhöhung des insgesamt zur Verfügung stehenden Kapitals führen, zu unterscheiden.81 Zur Finanzierung durch Vermögensumschichtung zählt vor allem die Finanzierung aus Abschreibungen, aber auch die Kapitalfreisetzung durch den Verkauf von Vermögensgegenständen (Liquidisierung früher investierter finanzieller Mittel) und die Beschleunigung des Kapitalumschlags durch Rationalisierungsmaßnahmen im Beschaffungs-, Produktionsund Absatzbereich (z. B. Verringerung der durchschnittlichen Kapitalbindungsdauer in den Rohstoffbeständen), so dass die Betriebsprozesse mit einem geringeren Kapitaleinsatz durchgeführt werden können als bisher, wodurch die finanziellen Mittel für andere Zwecke zur Verfügung stehen. Da sich die Kapitalstruktur durch die Finanzierung aus Vermögensumschichtung nicht verändert (Ausnahme: Fremdkapitaltilgung aus frei gewordenen liquiden Mitteln), kann sie der Eigen- oder Fremdfinanzierung nicht eindeutig zugeordnet werden. 3.2 Gliederung nach der Rechtsstellung der Kapitalgeber Die Systematisierung der Finanzierungsvorgänge nach der Rechtsstellung der Kapitalgeber führt zu einer Unterteilung der Finanzierung in Eigen- und Fremdfinanzierung, je nachdem, ob die Finanzierungsmaßnahmen das Eigen- oder das Fremdkapital der Unternehmung berühren. Beide Finanzierungsformen treten zudem als Außen- und Innenfinanzierung auf. Zur Eigenfinanzierung gehören die Einlagenfinanzierung und die Selbstfinanzierung. In allen Fällen wird dem Betrieb zusätzliches Eigenkapital zugeführt. Bei der Einlagenfinanzierung erfolgt diese Zuführung von außen unter Schaffung erweiterter oder neuer Gesellschafterrechte, bei der Selbstfinanzierung durch Verzicht auf Gewinnausschüttungen. Die Fremdfinanzierung umfasst die (externe) Kreditfinanzierung und die (interne) Finanzierung aus Rückstellungen (insbesondere aus langfristigen Pensionsrückstellungen). Rückstellungen werden zum Fremdkapital gezählt, da sie wegen späterer, allerdings ungewisser Zahlungsverpflichtungen gebildet werden. Gleichzeitig werden sie in der Verursachungsperiode aus Gründen der periodengerechten Erfolgsermittlung als gewinnmindernder und damit eigenkapitalmindernder Aufwand gebucht, was aber – aufgrund der geringeren Gewinnausschüttungen bzw. Gewinnsteuerzahlungen – zu einer Verminderung der Auszahlungen in dieser Periode führt. Mezzanine-Kapital ist eine Form der Außenfinanzierung, die bestimmte idealtypische Merkmale des Eigenkapitals mit idealtypischen Fremdkapitalmerkmalen vereint. Abbildung 10 (Seite 32) zeigt nicht nur eine Gliederung der Finanzierungsvorgänge nach der Rechtsstellung der Kapitalgeber, wobei allerdings die Finanzierung mit Mezzanine- Kapital nicht enthalten ist, sondern verdeutlicht auch die Zusammenhänge mit der Gliede- 81 Vgl. Wöhe, Günter/Bilstein, Jürgen: Grundzüge der Unternehmensfinanzierung. 9.Aufl., München 2002, S. 11 und S. 14.

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References

Zusammenfassung

Nach einer allgemeinen Einordnung der Finanzierung von Unternehmen werden die einzelnen Instrumente der Außen- und Innenfinanzierung mit ihren theorie- und praxisrelevanten Merkmalen vorgestellt und mit zahlreichen Beispielen untermauert. Darüber hinaus wird auf Finanzinnovationen und Finanzderivate eingegangen.

Einführendes Lehrbuch in die Grundlagen der Unternehmensfinanzierung

Behandelt werden theoretische wie praxisrelevante Fragestellungen.

Grundprinzipien und Bestandteile der Finanzwirtschaft

Finanzierungstheorie

Finanzierungsarten

Außenfinanzierung durch Eigenkapital

Außenfinanzierung durch Fremdkapital

Derivative Finanzinstrumente

Innenfinanzierung^.

Prof. Dr. Hartmut Bieg ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre an der Universität des Saarlandes.

Professor Dr. Heinz Kußmaul ist Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Steuerlehre und Entrepreneurship am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, an der Universität des Saarlandes.

"Insgesamt betrachtet liegt hier ein beachtliches Nachschlagewerk zum Themenkomplex Investition und Finanzierung vor, das jede einschlägige Frage in ihren Grundzügen beantwortet… Angehenden Betriebswirten und Praktikern kann das Handbuch uneingeschränkt empfohlen werden."

Ingo Nautsch in "Die Bank" zur Vorauflage der Bände.

Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bachelor für das Fach Investition & Finanzierung an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Das Buch bietet aber auch Praktikern zahlreiche Anhaltspunkte zur Lösung von Finanzierungsproblemen.