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2.4 Die Neo-institutionalistische Finanzierungstheorie in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul

Finanzierung, page 55 - 56

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3625-9, ISBN online: 978-3-8006-4441-4, https://doi.org/10.15358/9783800644414_55

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
2.4 Die Neo-institutionalistische Finanzierungstheorie 25 Beim Capital Asset Pricing Model68 handelt es sich um ein statisches Gleichgewichtsmodell, das die Preise, die Preisverhältnisse und die Renditen von Finanzierungstiteln am Kapitalmarkt bestimmt. Voraussetzung ist, dass die Marktteilnehmer homogene Erwartungen haben und sich entsprechend den Erkenntnissen der Portfolio-Theorie entscheiden,69 d. h. „daß die risikoscheuen Kapitalanleger den Erwartungswert des Nutzens der unsicheren Zahlungen, die ihnen aus den Finanzierungstiteln ihres Portfolios zufließen, maximieren wollen.“70 Der Arbitrage Pricing Theory geht es um die eindeutige Bestimmung des Preises eines Finanzierungstitels ohne Kenntnis der Präferenzstrukturen der Anleger und ohne die Annahme homogener Erwartungen,71 indem durch Kombination anderer Finanzierungstitel (Duplizieren) ein äquivalentes Portfolio hergestellt werden kann; Voraussetzung ist lediglich, dass sich der Kapitalmarkt im Gleichgewicht befindet, d. h. keine Arbitragemöglichkeiten mehr bestehen (Arbitragefreiheit).72 2.4 Die Neo-institutionalistische Finanzierungstheorie Die Neo-institutionalistische Finanzierungstheorie hat ihren Betrachtungsschwerpunkt auf der Komponente Übertragungsvorgang (B), vor allem auf den Transaktions-, Informationsund Opportunitätskosten. Dagegen werden die Ziele der Kapitalgeber und Kapitalnehmer (A) weitgehend, der Marktzusammenhang (C) völlig vernachlässigt. Die Begründung ist darin zu sehen, dass allenfalls einige Teilmärkte für Finanztitel den Prämissen des vollkommenen Marktes genügen; dagegen herrscht häufig – als ein wesentliches Kennzeichen des unvollkommenen Marktes – Informationsasymmetrie zwischen den Kapitalgebern und Kapitalnehmern. Sie verursacht zusätzliche Kosten, weshalb die Einschaltung von Finanzintermediären zur Überbrückung dieser Hindernisse notwendig wird. Die Principal-Agent-Theorie73 untersucht die Finanzierungsbeziehung zwischen den Vertragspartnern mit dem Ziel, deren Interessen weitestgehend in Einklang zu bringen.74 In 68 Vgl. Bieg, Hartmut/Kußmaul, Heinz: Investitions- und Finanzierungsmanagement. Band III: Finanzwirtschaftliche Entscheidungen. München 2000, Abschnitt 2.2.3. 69 Vgl. Franke, Günter/Hax, Herbert: Finanzwirtschaft des Unternehmens und Kapitalmarkt. 5. Aufl., Berlin u.a. 2004, S. 351; vgl. dazu Bieg, Hartmut/Kußmaul, Heinz: Investitions- und Finanzierungsmanagement. Band III: Finanzwirtschaftliche Entscheidungen. München 2000, Abschnitt 2.2.2. 70 Hax, Herbert/Hartmann-Wendels, Thomas/Hinten, Peter von: Moderne Entwicklung der Finanzierungstheorie. In: Finanzierungs-Handbuch, hrsg. von Friedrich W. Christians, 2. Aufl., Wiesbaden 1988, S. 696-697. 71 Vgl. Kruschwitz, Lutz: Finanzierung und Investition. 5. Aufl., München/Wien 2007, S. 144. 72 Vgl. Hax, Herbert/Hartmann-Wendels, Thomas/Hinten, Peter von: Moderne Entwicklung der Finanzierungstheorie. In: Finanzierungs-Handbuch, hrsg. von Friedrich W. Christians, 2. Aufl., Wiesbaden 1988, S. 699-700, S. 702. 73 Vgl. hierzu Richter, Rudolf/Furubotn, Eirik G.: Neue Institutionenökonomik. 3. Aufl., Tübingen 2003, S. 173-182; 224-263. 74 Vgl. Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 523-524. 2 Überblick über die Finanzierungstheorie26 dieser Theorie engagiert ein Kapitalgeber (Prinzipal) einen Kapitalnehmer (Agent), damit dieser das ihm überlassene Vermögen im Interesse des Kapitalgebers verwalte. Dies birgt das Risiko in sich, dass der Agent versucht, seinen Nutzen – und damit nicht zwangsläufig den des Prinzipals – zu maximieren (Moral-Hazard-Risiko). Daher ist der Prinzipal bestrebt, derartige ihn schädigende Verhaltensweisen des Agenten zu verhindern. Da die Prämisse des vollkommenen Kapitalmarkts, insbesondere der Informationseffizienz, aufgehoben ist, muss sich der Prinzipal zur Kontrolle der Beziehung Informationen beschaffen; dies verursacht Kosten. Im deskriptiven Teilbereich dieser Theorie werden die Finanzierungssituationen analysiert, d. h., es werden die Interessenkonflikte zwischen Prinzipal und Agent, die Anreize für den Agenten, den Prinzipal zu schädigen, sowie die Sicherungsformen, durch die sich der Prinzipal schützen kann, dargestellt.75 Im quantitativen Bereich geht es um die Konzeption von Modellen für die unterschiedlichen Beziehungen zwischen Prinzipal und Agent. Der Marktwert der mit einem Aktionsprogramm verbundenen Zahlungsströme wird zu dem subjektiven Nutzen des Agenten und der subjektiven Zahlungsbereitschaft der Kapitalgeber unter Einbeziehung der anfallenden Informations- und Kontrollkosten in Relation gesetzt.76 2.5 Die Finanzchemie In diesem Teilbereich der Finanzierungstheorie geht es um die Analyse der Ziele der Kapitalgeber und Kapitalnehmer (A) unter Würdigung des Marktzusammenhangs (C); das Übertragungsmedium (B) wird vernachlässigt. Die Finanzchemie analysiert und synthetisiert die Basiselemente von Finanztiteln. Man unterscheidet zwischen dem Stripping, der Aufspaltung der Finanztitel in ihre elementaren Bestandteile (Zins, Tilgung usw.), um sie besser bewerten zu können, und dem Replicating (sogenanntes Financial Engineering, Repackaging), der zielgerechten Kombination der Einzelelemente zu neuen Finanztiteln. Ziel ist die Konzipierung von an den Bedürfnissen der Kapitalnehmer und -geber ausgerichteten „maßgeschneiderten Finanzinstrumenten“.77 Die Anwendung dieser Methode ist allerdings auf gut organisierte Märkte beschränkt, auf denen Anonymität und Rationalität der Marktteilnehmer vorherrschen. 75 Vgl. Steiner, Manfred/Kölsch, Karsten: Finanzierung – Zielsetzungen, zentrale Ergebnisse und Entwicklungsmöglichkeiten der Finanzierungsforschung. In: Die Betriebswirtschaft 1989, S. 420- 421. 76 Vgl. Hax, Herbert/Hartmann-Wendels, Thomas/Hinten, Peter von: Moderne Entwicklung der Finanzierungstheorie. In: Finanzierungs-Handbuch, hrsg. von Friedrich W. Christians, 2. Aufl., Wiesbaden 1988, S. 706-708. 77 Steiner, Manfred/Kölsch, Karsten: Finanzierung – Zielsetzungen, zentrale Ergebnisse und Entwicklungsmöglichkeiten der Finanzierungsforschung. In: Die Betriebswirtschaft 1989, S. 421.

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References

Zusammenfassung

Nach einer allgemeinen Einordnung der Finanzierung von Unternehmen werden die einzelnen Instrumente der Außen- und Innenfinanzierung mit ihren theorie- und praxisrelevanten Merkmalen vorgestellt und mit zahlreichen Beispielen untermauert. Darüber hinaus wird auf Finanzinnovationen und Finanzderivate eingegangen.

Einführendes Lehrbuch in die Grundlagen der Unternehmensfinanzierung

Behandelt werden theoretische wie praxisrelevante Fragestellungen.

Grundprinzipien und Bestandteile der Finanzwirtschaft

Finanzierungstheorie

Finanzierungsarten

Außenfinanzierung durch Eigenkapital

Außenfinanzierung durch Fremdkapital

Derivative Finanzinstrumente

Innenfinanzierung^.

Prof. Dr. Hartmut Bieg ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre an der Universität des Saarlandes.

Professor Dr. Heinz Kußmaul ist Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Steuerlehre und Entrepreneurship am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, an der Universität des Saarlandes.

"Insgesamt betrachtet liegt hier ein beachtliches Nachschlagewerk zum Themenkomplex Investition und Finanzierung vor, das jede einschlägige Frage in ihren Grundzügen beantwortet… Angehenden Betriebswirten und Praktikern kann das Handbuch uneingeschränkt empfohlen werden."

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Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bachelor für das Fach Investition & Finanzierung an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Das Buch bietet aber auch Praktikern zahlreiche Anhaltspunkte zur Lösung von Finanzierungsproblemen.