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2.2 Die klassische Finanzierungstheorie in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul

Finanzierung, page 50 - 52

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3625-9, ISBN online: 978-3-8006-4441-4, https://doi.org/10.15358/9783800644414_50

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
2 Überblick über die Finanzierungstheorie20 Fi na nz ie ru ng st he or ie i.w .S . K la ss is ch e Fi na nz ie ru ng st he or ie N eu er e Fi na nz ie ru ng st he or ie N eo -in st itu tio na lis tis ch e Fi na nz ie ru ng st he or ie Fi na nz ch em ie Fo rm en le hr e Pr oj ek tor ie ntie ru ng Fi na nz an al ys e Fi na nz pl an un g Ei nw er tig e A ns ät ze K ap ita lm ar kt th eo rie D es kr ip tiv Q ua nt ita tiv Pr in ci pa l- A ge nt - Th eo rie St rip pi ng R ep lic at in g (F in an ci al En gi ne er in g) V ol lk om m en er K ap ita lm ar kt U nv ol lk om m en er K ap ita lm ar kt Si ch er he it – K ap ita lw er tm et ho de – M et ho de de si nt er ne n Zi ns fu ße s U ns ic he re Er w ar tu ng en – Se ns iti vi tä ts an al ys e – Ri si ko an al ys e Si ch er he it – D ea n- M od el l – Li ne ar e Pr ogr am m ie ru ng U ns ic he re Er w ar tu ng en – C ha nc e- C on st ra in ed - M od el l – Fr ak til m od el l – M od ig lia ni /M ill er -T he or em – C ap ita lA ss et Pr ic in g M od el – A rb itr ag e Pr ic in g Th eo ry Abbildung 8: Systematisierung verschiedener Ansätze der Finanzierungstheorie i. w. S.48 2.2 Die klassische Finanzierungstheorie Die klassische Finanzierungstheorie betrachtet die Vorgänge im finanz- und leistungswirtschaftlichen Bereich unabhängig voneinander. Dabei wird hauptsächlich die Komponente (A), also die Ziele der Kapitalgeber und Kapitalnehmer, untersucht. Bei dieser überwiegend 48 Entnommen aus Bieg, Hartmut: Überblick über die Finanzierungstheorien. In: Der Steuerberater 1997, S. 28. 2.2 Die klassische Finanzierungstheorie 21 deskriptiven Charakterisierung von Finanzierungsalternativen anhand verschiedener Kriterien verzichtet man auf die Formulierung quantitativer Entscheidungskriterien, so dass keine eindeutigen Handlungsempfehlungen abgegeben werden können. Während der Marktzusammenhang (C) überhaupt nicht berücksichtigt wird, spielt der Übertragungsvorgang nur teilweise eine Rolle; so werden zwar teilweise Steuern und Transaktionskosten, weniger jedoch Informations- und Opportunitätskosten in die Betrachtung mit einbezogen. Es lassen sich verschiedene Teilbereiche der klassischen Finanzierungstheorie unterscheiden.49 Die Formenlehre hat die Aufgabe, geeignete Finanzierungsquellen (Innen- und Außenfinanzierung) für den Kapitalnehmer bei gegebenem Kapitalbedarf zu bestimmen. Dazu werden die möglichen Finanzierungsalternativen anhand verschiedener Merkmale (z. B. Kapitalkosten, Rendite, Fristigkeit) systematisiert.50 Da aufgrund der Kreativität der Marktteilnehmer stets neue Finanzinnovationen entwickelt werden, besteht permanenter Beschreibungsbedarf, der die Formenlehre noch immer zu einem aktuellen Zweig der Finanzierungsforschung macht. Der projektorientierte Bereich der klassischen Finanzierungstheorie beschreibt „die Durchführung außerordentlicher finanztechnischer Geschäfte wie vor allem Gründung, Umwandlung, Fusion, Kapitalerhöhung, Kapitalherabsetzung und Liquidation“51 und ihre Rechtsfolgen. Auch dieser Bereich behält aufgrund der fortlaufenden Entwicklung neuer außerordentlicher Geschäfte (z. B. going public, bookbuilding, management buy out,52 leveraged buy out53) seine Aktualität. Bei der Finanzanalyse werden Kennzahlen zur Beschreibung der finanzwirtschaftlichen Situation einer Unternehmung entwickelt, um sie u. a. zur Prognose der Unternehmungsentwicklung heranzuziehen. Aufgrund ihrer einfachen empirischen Einsatzfähigkeit findet die Finanzanalyse insbesondere bei der Bonitätsprüfung der Geschäftspartner Anwendung. Während sich aber die Kennzahlenforschung früher nur auf die Bilanz konzentrierte (z. B. 49 Vgl. hierzu Steiner, Manfred/Kölsch, Karsten: Finanzierung – Zielsetzungen, zentrale Ergebnisse und Entwicklungsmöglichkeiten der Finanzierungsforschung. In: Die Betriebswirtschaft 1989, S. 412-414. 50 Vgl. Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 16-17. 51 Grochla, Erwin: Finanzierung, Begriff der. In: Handwörterbuch der Finanzwirtschaft, hrsg. von Hans E. Büschgen, Stuttgart 1976, Sp. 419. 52 Dabei erwerben die seitherigen Manager einer Unternehmung die Mehrheit der Anteilsrechte dieser Unternehmung und versuchen, deren langfristige Fortführung zu sichern. Reichen ihre eigenen finanziellen Mittel dazu nicht aus, so wird versucht, zusätzliche Mittel über sog. management buy out-Fonds, die sich ihrerseits durch Ausgabe von Anteilsscheinen finanzieren, aufzubringen. 53 Hier erfolgt der Kauf der Mehrheit der Anteilsrechte einer Unternehmung durch private Investoren, die unterschiedliche Ziele verfolgen können. Erfolgt der Erwerb der Anteilsrechte, um eine Restrukturierung oder Sanierung vorzunehmen oder aber, um die Unternehmung in einen Konzernverbund einzubringen (industrielle leveraged buy outs), so ähnelt die Zielsetzung der beim management buy out. Dagegen ist von einer kurzfristigen Erfolgserzielungsabsicht auszugehen, wenn mit dem ? meist ausschließlich mit Fremdkapital finanzierten ? Anteilserwerb das alleinige Ziel verfolgt wird, die Unternehmung zu zerschlagen und aus dem Verkauf von unterbewerteten Aktiva bzw. von Unternehmungsteilen Gewinn zu erzielen. 2 Überblick über die Finanzierungstheorie22 Goldene Finanzierungs- bzw. Bilanzregel54), berücksichtigt man heute die Daten des ganzen Jahresabschlusses, insbesondere der Gewinn- und Verlustrechnung (z. B. Cashflow, Umsatzkennzahlen). Dies zeigt den Wandel vom statischen, aus der Bilanz ableitbaren Liquiditätsbegriff hin zur Interpretation der Liquidität als einem dynamischen und zahlungsstrombezogenen Vorgang. Da sich jedoch unbestritten keine Kennzahl allein zur Prognose der Erfolgssituation eignet, werden mehrere, unterschiedlich gewichtete Kennzahlen in Trennfunktionen miteinander verknüpft.55 In der Finanzplanung wird die Notwendigkeit der eigenständigen Erfassung der Zahlungsströme herausgestellt,56 da die Existenz einer Unternehmung von der Erhaltung der Zahlungsfähigkeit abhängig ist. Durch Aufstellung von kurz-, mittel- und langfristigen Finanzplänen kann Zahlungsengpässen frühzeitig entgegengewirkt bzw. können überschüssige Mittel ertragbringend angelegt werden.57 Modelle, die die Planung der unsicheren Zahlungseingänge ermöglichen, sind z. B. das Kassenhaltungsmodell und die Verweilzeitverteilung, wobei im zweiten Fall die Einzahlungen aus den Umsatzerlösen durch auf Erfahrung beruhende Wahrscheinlichkeiten der Inanspruchnahme von Zahlungszielen geschätzt werden.58 2.3 Die neuere Finanzierungstheorie 2.3.1 Vorbemerkungen Bei der neueren Finanzierungstheorie, insbesondere bei der Kapitalmarkttheorie, werden die Ziele der Kapitalgeber und -nehmer (A) analysiert und in den Marktzusammenhang (C) unter weitgehender Vernachlässigung des Übertragungsvorgangs (B) gebracht. Die Zielsetzungen werden auf Rendite-Risiko-Überlegungen beschränkt. Der zahlungsstromorientierte Finanzierungsbegriff59 führt zur Interpretation der Finanzierungs- und Investitionsvorgänge als spiegelbildliche Aktivitäten. Eine getrennte Betrachtung dieser Vorgänge ist nur dann möglich, wenn auf dem Kapitalmarkt alternativ Sach- und Finanzinvestitionen vorgenom- 54 Siehe dazu z.B. Härle, Dietrich: Finanzierungsregeln. In: Handwörterbuch der Finanzwirtschaft, hrsg. von Hans E. Büschgen, Stuttgart 1976, Sp. 483 – 491; zur Darstellung verschiedener Kennzahlen und zur Kritik daran siehe Bieg, Hartmut: Kapitalstruktur- und Kapital- Vermögensstrukturregeln. In: Wirtschaftswissenschaftliches Studium 1993, S. 598-604. 55 Vgl. Steiner, Manfred/Kölsch, Karsten: Finanzierung – Zielsetzungen, zentrale Ergebnisse und Entwicklungsmöglichkeiten der Finanzierungsforschung. In: Die Betriebswirtschaft 1989, S. 414; vgl. Bieg, Hartmut/Kußmaul, Heinz: Investitions- und Finanzierungsmanagement. Band III: Finanzwirtschaftliche Entscheidungen. München 2000, Abschnitt 3.2. 56 Vgl. Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 18. 57 Vgl. Bieg, Hartmut/Kußmaul, Heinz: Investitions- und Finanzierungsmanagement. Band III: Finanzwirtschaftliche Entscheidungen. München 2000, Abschnitt 1.1. 58 Vgl. Franke, Günter/Hax, Herbert: Finanzwirtschaft des Unternehmens und Kapitalmarkt. 5. Aufl., Berlin u.a. 2004, S. 130. 59 Vgl. dazu Bieg, Hartmut/Kußmaul, Heinz: Investition. 2. Aufl., München 2009, Abschnitt 1.3.2.

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References

Zusammenfassung

Nach einer allgemeinen Einordnung der Finanzierung von Unternehmen werden die einzelnen Instrumente der Außen- und Innenfinanzierung mit ihren theorie- und praxisrelevanten Merkmalen vorgestellt und mit zahlreichen Beispielen untermauert. Darüber hinaus wird auf Finanzinnovationen und Finanzderivate eingegangen.

Einführendes Lehrbuch in die Grundlagen der Unternehmensfinanzierung

Behandelt werden theoretische wie praxisrelevante Fragestellungen.

Grundprinzipien und Bestandteile der Finanzwirtschaft

Finanzierungstheorie

Finanzierungsarten

Außenfinanzierung durch Eigenkapital

Außenfinanzierung durch Fremdkapital

Derivative Finanzinstrumente

Innenfinanzierung^.

Prof. Dr. Hartmut Bieg ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre an der Universität des Saarlandes.

Professor Dr. Heinz Kußmaul ist Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Steuerlehre und Entrepreneurship am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, an der Universität des Saarlandes.

"Insgesamt betrachtet liegt hier ein beachtliches Nachschlagewerk zum Themenkomplex Investition und Finanzierung vor, das jede einschlägige Frage in ihren Grundzügen beantwortet… Angehenden Betriebswirten und Praktikern kann das Handbuch uneingeschränkt empfohlen werden."

Ingo Nautsch in "Die Bank" zur Vorauflage der Bände.

Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bachelor für das Fach Investition & Finanzierung an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Das Buch bietet aber auch Praktikern zahlreiche Anhaltspunkte zur Lösung von Finanzierungsproblemen.