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3.3 Die Gewinnvergleichsrechnung in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul

Investition, page 82 - 83

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3658-7, ISBN online: 978-3-8006-4434-6, https://doi.org/10.15358/9783800644346_82

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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3 Die statischen Verfahren der Investitionsrechnung58 3.3 Die Gewinnvergleichsrechnung 3.3.1 Allgemeine Bemerkungen und Detaildarstellung Im Gegensatz zur Kostenvergleichsrechnung werden in der Gewinnvergleichsrechnung auch die Erlöse berücksichtigt, was den Anwendungsbereich dieses statischen Investitionsrechenverfahrens vergrößert. Hier ist es nun auch möglich, Erweiterungsinvestitionen hinsichtlich ihrer Vorteilhaftigkeit zu untersuchen. Als Beurteilungsmaßstab dient die durch ein Investitionsprojekt in jeder Durchschnittsperiode ausgelöste Gewinnveränderung; maßgeblich ist also der Saldo zwischen den durch das Investitionsprojekt hervorgerufenen durchschnittlichen Kosten je Periode und den durch diese Maßnahme ausgelösten durchschnittlichen Erlösen je Periode. Durch den Vergleich mit der Nicht-Realisation eines Investitionsprojekts (Null-Alternative) kann ein relativ vorteilhaftes Investitionsprojekt unmittelbar auch auf seine absolute Vorteilhaftigkeit hin überprüft werden. Wird eine Gewinnvergleichsrechnung zur Beurteilung mehrerer relativ vorteilhafter Investitionsalternativen herangezogen, so ist diejenige Alternative zu realisieren, die in der fiktiven Durchschnittsperiode zum größten positiven Erfolg führt. Kann durch keines der zur Auswahl stehenden Investitionsprojekte ein Gewinn realisiert werden, so erweisen sich alle betrachteten Alternativen als absolut unvorteilhaft und sollten daher nicht realisiert werden. Analog zur Kostenvergleichsrechnung erfolgt auch in der Gewinnvergleichsrechnung eine Berücksichtigung der Kosten der Kapitalverzinsung (zu zahlende Zinsen auf das in Anspruch genommene Fremdkapital bzw. anderweitig erzielbare und somit gewünschte Mindestverzinsung des Eigenkapitals). Daher ist es bei der Gewinnvergleichsrechnung – im Gegensatz zur Kostenvergleichsrechnung – möglich, auch einzelne Investitionsprojekte hinsichtlich ihrer monetären Vorteilhaftigkeit zu untersuchen. Der durch ein bestimmtes Investitionsobjekt erzielte zusätzliche Periodengewinn stellt dann den Betrag dar, der dem Investor nach Abdeckung aller Kosten über die gewünschte Mindestverzinsung des Eigenkapitals hinaus zufließt. Da hier die einer Durchschnittsperiode zugrunde liegende Erlössituation – für die man in der betrieblichen Praxis trotz der bereits geschilderten Problematik häufig das erste Jahr der Lebensdauer eines Investitionsprojekts als repräsentativ heranzieht – berücksichtigt wird, ist ein Vorteilhaftigkeitsvergleich auch bei unterschiedlicher Leistungsabgabe der verglichenen Investitionsprojekte denkbar. In diesem Zusammenhang erfolgt auch die Lösung des Problems der Realisation unterschiedlicher Absatzpreise, die bei den verschiedenen Projekten erzielbar sind.118 118 Vgl. dazu u.a. Bieg, Hartmut: Die Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Verwendung in der Praxis. In: Der Steuerberater 1985, S. 22-23; Büschgen, Hans E.: Betriebliche Finanzwirtschaft – Unternehmensinvestitionen. Frankfurt a. M. 1981, S. 40-41; Kern, Werner: Investitionsrechnung. Stuttgart 1974, S. 125; Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 34-35; Walz, Hartmut/Gramlich, Dieter: Investitions- und Finanzplanung. 6. Aufl., Heidelberg 2004, S. 118-120. 3.4 Die Rentabilitätsvergleichsrechnung 59 3.3.2 Kritik Ebenso wie bei der Kostenvergleichsrechnung besteht auch bei der Gewinnvergleichsrechnung die Gefahr des Vergleichs unechter Alternativen. Brauchbar sind Ergebnisse der Gewinnvergleichsrechnung nur dann, wenn es sich um Investitionsobjekte mit gleicher Nutzungsdauer und gleichem Kapitaleinsatz handelt. Da Anschluss- und Ergänzungsinvestitionen bei unterschiedlicher Nutzungsdauer bzw. bei unterschiedlichem Kapitaleinsatz nicht berücksichtigt werden, kann es zu Fehlentscheidungen bezüglich der Vorteilhaftigkeit von Investitionsprojekten kommen. Auch erfolgt keine Berücksichtigung der zeitlichen Entwicklung der Erfolgsgrößen (Kosten und Erlöse). Die Vorteile einer Gewinnvergleichsrechnung liegen in der Einfachheit der Datenbeschaffung und der Rechnung.119 3.4 Die Rentabilitätsvergleichsrechnung 3.4.1 Allgemeine Bemerkungen und Detaildarstellung Zur Berechnung von Rentabilitätskennziffern für verschiedene betriebswirtschaftliche Zwecke wird der Erfolg einer betrachteten Periode ins Verhältnis zu bestimmten anderen Grö- ßen, z. B. zum eingesetzten Kapital oder zum Umsatz der Periode gesetzt. Bei der statischen Rentabilitätsvergleichsrechnung wird ausschließlich die Kapitalrentabilität zur Entscheidung über Investitionsprojekte benötigt; Ziel ist die Maximierung dieser Größe. Zur Ermittlung der Kapitalrentabilität muss der Gewinn eines Investitionsprojekts zum dafür erforderlichen Kapitaleinsatz ins Verhältnis gesetzt werden: PeriodengewinnKapitalrentabilität Kapitaleinsatz ? Wenngleich diese Relation zunächst eindeutig erscheint, so lässt sich doch festhalten, dass die Kapitalrentabilität sehr unterschiedliche Inhalte aufweisen kann, was konsequenterweise unterschiedliche Ergebnisse bei der Beurteilung von Investitionen hervorruft. Die Divergenz bei der Ermittlung der Höhe der Kapitalrentabilität lässt sich damit begründen, dass bezüglich der Zählergröße (Periodengewinn) und/oder Nennergröße (Kapitaleinsatz) unterschiedliche begriffliche Vorstellungen vorhanden sind. Auch bei der Differenzierung in Eigen- und in Gesamtkapitalrentabilität ist diese Problematik weiterhin gegeben: PeriodengewinnEigenkapitalrentabilität Eigenkapital ? 119 Vgl. Bieg, Hartmut: Die Verfahren der Investitionsrechnung und ihre Verwendung in der Praxis. In: Der Steuerberater 1985, S. 23; Büschgen, Hans E.: Betriebliche Finanzwirtschaft – Unternehmensinvestitionen. Frankfurt a. M. 1981, S. 42.

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Zusammenfassung

Zu Beginn dieses Lehrbuches wird auf die grundlegenden Prinzipien und Bestandteile der Finanzwirtschaft eingegangen. Daran schließt sich die umfangreiche Auseinandersetzung mit der Investition (und hier vor allem mit den Verfahren der Investionsrechnung) an. Dabei werden alle theorie- und praxisrelevanten Facetten behandelt. Zur Veranschaulichung der Inhalte dient ein durchgehendes Beispiel. Im letzten Kapitel wird sich mit Fragen der Unternehmensbewertung (inkl. DCF-Verfahren) auseinandergesetzt.

- Einführendes Lehrbuch in die Verfahren der Investitionsrechnung

- Behandelt werden theoretische wie praxisrelevante Fragestellungen.

- Zusammenhänge und finanzwirtschaftliche Entscheidungskriterien

- Einordnung von Investitionsrechnung und Investitionsentscheidungen

- Statische und dynamische Verfahren der Investitionsrechnung

- Dynamische Verfahren der Investitionsrechung

- Bestimmung der optimalen Nutzungsdauer und des Ersatzzeitpunktes von Investitionen

- Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen

- Investitionsprogrammentscheidungen

- Entscheidungen über Finanzinvestitionen

"Insgesamt betrachtet liegt hier ein beachtliches Nachschlagewerk zum Themenkomplex Investition und Finanzierung vor, das jede einschlägige Frage in ihren Grundzügen beantwortet… Angehenden Betriebswirten und Praktikern kann das Handbuch uneingeschränkt empfohlen werden."

Ingo Nautsch in "Die Bank" zur Vorauflage der Bände.

Prof. Dr. Hartmut Bieg ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre an der Universität des Saarlandes.

Professor Dr. Heinz Kußmaul ist Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Steuerlehre und Entrepreneurship am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, an der Universität des Saarlandes.

Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bachelor für das Fach Investition & Finanzierung an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Das Buch bietet aber auch Praktikern zahlreiche Anhaltspunkte zur Lösung von Investitionsproblemen.