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6.1 Die Formen der Unsicherheit in:

Hartmut Bieg, Heinz Kußmaul

Investition, page 204 - 205

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3658-7, ISBN online: 978-3-8006-4434-6, https://doi.org/10.15358/9783800644346_204

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
DieBerücksichtigungderUnsicherheit 6 Die Berücksichtigung der Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen 6.1 Die Formen der Unsicherheit Investitionsentscheidungen werden in der Praxis regelmäßig in Unkenntnis der genauen Zukunftsentwicklung getroffen. Jede im Investitionsproblem zu berücksichtigende Variable kann abhängig von den später tatsächlich eintretenden Umweltkonstellationen mehrere verschiedene Werte annehmen; man spricht dann von einer Zufallsvariablen. Diese Zufallsvariablen sind entweder unabhängig voneinander oder sie beeinflussen sich gegenseitig, was unter anderem mathematisch-statistisch unterschiedliche Auswirkungen hat. Ist mindestens eine Variable des Investitionsproblems zufallsabhängig, so findet die Entscheidung unter Unsicherheit statt. Dabei sind zwei verschiedene Typen von Unsicherheitssituationen zu unterscheiden: Risikosituationen sind dadurch gekennzeichnet, dass der Entscheidungsträger dazu in der Lage ist, den möglichen Datenkonstellationen Eintrittswahrscheinlichkeiten zuzuordnen. Beruhen diese Wahrscheinlichkeiten auf statistischen Untersuchungen, so dass man sie aus empirischen Häufigkeitsverteilungen der Ergebnisse gleichartiger Entscheidungssituationen ableiten kann, so sind die Wahrscheinlichkeiten objektiv. Subjektive Wahrscheinlichkeiten werden dagegen auf der Basis subjektiver Erfahrungen und Überlegungen des Entscheidungsträgers gebildet. Da in den Unternehmungen bei Investitionsentscheidungen aufgrund fehlender Erfahrungswerte die Ableitung objektiver Wahrscheinlichkeiten problematisch ist, wird in der Praxis – wenn überhaupt – meist mit subjektiven Wahrscheinlichkeiten gerechnet. Ist der Entscheidungsträger nicht dazu imstande, für das Eintreten der möglichen Datenkonstellationen objektive oder auch nur subjektive Wahrscheinlichkeiten anzugeben, so liegt eine Ungewissheitssituation vor.325 Die Begriffe Unsicherheit und Ungewissheit werden in der Literatur nicht einheitlich verwendet. So gliedern z.B. Busse von Colbe/Laßmann den Oberbegriff „Ungewissheit“ in Risiko und Unsicherheit im engeren Sinne, wobei für Unsicherheit im engeren Sinne unterstellt wird, „der Investor habe keinerlei Kenntnisse über die Eintrittswahrscheinlichkeiten der verschiedenen Datenkonstellationen”.326 325 Zu den Begriffsdefinitionen und der Systematisierung der Unsicherheit vgl. insbesondere Bamberg, Günter/Coenenberg, Adolf G./Krapp, Michael: Betriebswirtschaftliche Entscheidungslehre. 14. Aufl., München 2008, S. 19; Bieg, Hartmut: Betriebswirtschaftslehre 1: Investition und Unternehmungsbewertung. 2. Aufl., Freiburg i. Br. 1997, S. 149; Kruschwitz, Lutz: Investitionsrechnung. 12. Aufl., München 2009, S. 293-294; Perridon, Louis/Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung. 14. Aufl., München 2007, S. 93-132. 326 Busse von Colbe, Walther/Laßmann, Gert: Betriebswirtschaftstheorie. Band 3. 3. Aufl., Berlin 1990, S. 156; eine ähnliche Begriffsunterscheidung findet sich bei Schneeweiß, Hans: Entscheidungskriterien bei Risiko. Berlin/Heidelberg/New York 1967, S. 12. 6 Die Berücksichtigung der Unsicherheit182 Abbildung 40 gibt einen Überblick über die verschiedenen Formen der Unsicherheit in dem hier verstandenen Sinn. In den folgenden Kapiteln werden verschiedene Ansätze zur Unsicherheitsbewältigung bei Investitionsentscheidungen untersucht. Sicherheit Dem Entscheidungsträger sind keine Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten der möglichen Umweltzustände bekannt. Ungewissheit Der Entscheidungsträger kennt die Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten der möglichen Umweltzustände. Risiko i.e.S. - Aus empirischen Häufigkeitsverteilungen der Ergebnisse gleichartiger Entscheidungssituationen gewonnen. Objektive Wahrscheinlichkeiten - Auf der Basis subjektiver Erfahrungen und Überlegungen gewonnen. Subjektive Wahrscheinlichkeiten - Risiko i.w.S. - Möglichkeit des Abweichens vom erwarteten Wert, positiv: Chance, negativ: Gefahr. Unsicherheit Abbildung 40: Die Formen der Unsicherheit 6.2 Die Entscheidungen bei Risiko 6.2.1 Überblick Voraussetzung bei Entscheidungen unter Risiko ist die Kenntnis von zumindest subjektiven Wahrscheinlichkeiten. Im Folgenden wird allgemein von Wahrscheinlichkeiten gesprochen, ohne zwischen den Begriffen subjektiv und objektiv zu differenzieren. Allerdings sollte man sich im Klaren darüber sein, dass bei Investitionsentscheidungen aufgrund der meist fehlenden Wiederholbarkeit der Investition Wahrscheinlichkeiten i.d.R. nur subjektiv ermittelt werden können. Als Entscheidungsregeln in dieser Situation dienen zum einen die klassischen Entscheidungsprinzipien, bei denen eine begrenzte Anzahl von Kennzahlen berechnet wird, die die zugrunde liegende Wahrscheinlichkeitsverteilung hinreichend beschreiben.327 Dazu bietet sich in erster Linie der Erwartungswert an, der jedoch die Verteilung nur unzureichend beschreibt und deshalb durch Größen, die die Abweichung vom Erwartungswert 327 Vgl. dazu und zum Folgenden Franke, Günter/Hax, Herbert: Finanzwirtschaft des Unternehmens und Kapitalmarkt. 5. Aufl., Berlin u.a. 2004, S. 261-272.

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Zusammenfassung

Zu Beginn dieses Lehrbuches wird auf die grundlegenden Prinzipien und Bestandteile der Finanzwirtschaft eingegangen. Daran schließt sich die umfangreiche Auseinandersetzung mit der Investition (und hier vor allem mit den Verfahren der Investionsrechnung) an. Dabei werden alle theorie- und praxisrelevanten Facetten behandelt. Zur Veranschaulichung der Inhalte dient ein durchgehendes Beispiel. Im letzten Kapitel wird sich mit Fragen der Unternehmensbewertung (inkl. DCF-Verfahren) auseinandergesetzt.

- Einführendes Lehrbuch in die Verfahren der Investitionsrechnung

- Behandelt werden theoretische wie praxisrelevante Fragestellungen.

- Zusammenhänge und finanzwirtschaftliche Entscheidungskriterien

- Einordnung von Investitionsrechnung und Investitionsentscheidungen

- Statische und dynamische Verfahren der Investitionsrechnung

- Dynamische Verfahren der Investitionsrechung

- Bestimmung der optimalen Nutzungsdauer und des Ersatzzeitpunktes von Investitionen

- Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen

- Investitionsprogrammentscheidungen

- Entscheidungen über Finanzinvestitionen

"Insgesamt betrachtet liegt hier ein beachtliches Nachschlagewerk zum Themenkomplex Investition und Finanzierung vor, das jede einschlägige Frage in ihren Grundzügen beantwortet… Angehenden Betriebswirten und Praktikern kann das Handbuch uneingeschränkt empfohlen werden."

Ingo Nautsch in "Die Bank" zur Vorauflage der Bände.

Prof. Dr. Hartmut Bieg ist Inhaber des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre an der Universität des Saarlandes.

Professor Dr. Heinz Kußmaul ist Direktor des Betriebswirtschaftlichen Instituts für Steuerlehre und Entrepreneurship am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, an der Universität des Saarlandes.

Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Bachelor für das Fach Investition & Finanzierung an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Das Buch bietet aber auch Praktikern zahlreiche Anhaltspunkte zur Lösung von Investitionsproblemen.