3. Rechnungslegungsvorschriften und Umfang der Rechnungslegung in:

Michael Wehrheim, Anette Renz

Die Handels- und Steuerbilanz, page 35 - 38

Bilanzierung, Bewertung und Gewinnermittlung

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3870-3, ISBN online: 978-3-8006-4433-9, https://doi.org/10.15358/9783800644339_35

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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3. Rechnungslegungsvorschriften und Umfang der Rechnungslegung Gemäß § 238 Abs. 1 HGB sind alle Kaufleute zur Buchführung verpflichtet und haben gemäß § 242 HGB eine Eröffnungsbilanz sowie periodische Jahresabschlüsse zu erstellen. Dabei gilt, dass das Ende des Geschäftsjahres (= Rechnungsperiode) zwar i.d.R. mit dem Kalenderjahr übereinstimmt; dies jedoch im Gegensatz zum vorgegebenen 12-Monats-Rhythmus (Ausnahme: Rumpfwirtschaftsjahr) nicht zwingend erforderlich ist (§ 240 Abs. 2 Satz 2 HGB). Auf wen die Kaufmannseigenschaft zutrifft, bestimmt sich nach den §§ 1 bis 7 HGB. Buchführungspflicht besteht für: - Istkaufmann (§ 1 HGB) Ein Istkaufmann ist, wer ein Handelsgewerbe betreibt. Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, es sei denn, dass das Unternehmen nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert. Ein gewerbliches Unternehmen betreibt jeder, der selbständig, nachhaltig, mit Gewinnerzielungsabsicht am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligt ist. Der Begriff des in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetriebes ist nicht im Gesetz kodifiziert, sondern ergibt sich aus der gängigen Praxis. Die Art und der Umfang des Gewerbebetriebes (z.B. Umsatz, Beschäftigte, Betriebsvermögen) und die Erfordernis einer kaufmännischen Einrichtung sind maßgebend. Bspw. wird im Handel bei mehr als fünf Mitarbeitern und einem Umsatz über 250.000 € ein Geschäftsbetrieb und somit auch Buchführungspflicht angenommen. - Kannkaufmann (§ 2 HGB) Sind die Voraussetzungen für die Buchführungspflicht gemäß § 1 HGB nicht gegeben, besteht für Nichtkaufleute die Option, durch Eintra-gung ins Handelsregister die Kaufmannseigenschaft zu erlangen. Vorschriften und Umfang der Rechnungslegung18 Der Unternehmer ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, die Eintragung nach den für die Eintragung kaufmännischer Firmen geltenden Vorschriften herbeizuführen. Einzelkaufleute, die an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht mehr als 500.000 € Umsatzerlöse und 50.000 € Jahresüberschuss aufweisen, brauchen gemäß § 241a HGB die handelsrechtliche Buchführungspflicht nicht anzuwenden. Im Fall der Neugründung treten die Rechtsfolgen schon ein, wenn diese Voraussetzungen am ersten Abschlussstichtag nach der Neugründung vorliegen. Diese Einzelunternehmen sollen ihre Rechnungslegung auf eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach Maßgabe des § 4 Abs. 3 EStG beschränken dürfen. Sie haben somit zwar Kosteneinsparungen, aber weniger Kontrolle über die betriebliche Situation eines Unternehmens als bei einem Bestandsvergleich. - Land- und Forstwirtschaft; Kannkaufmann (§ 3 HGB) Auf einen Betrieb der Land- und Forstwirtschaft finden die Vorschriften des § 1 HGB keine Anwendung. Land- und Forstwirte, die einen nach Art und Umfang eingerichteten Geschäftsbetrieb benötigen, können sich in das Handelsregister eintragen lassen. - Kaufmann kraft Eintragung (§ 5 HGB) Im Handelsregister fälschlicherweise eingetragene Firmen, die kein Handelsgewerbe betreiben, gelten als Kaufmann im Sinne des HGB. - Handelsgesellschaften; Formkaufmann (§ 6 HGB) Die Vorschriften für Kaufleute finden auch auf die Handelsgesellschaften Anwendung; darunter fallen z.B. Kapitalgesellschaften. Die Regelungen zur steuerlichen Buchführungspflicht entsprechen weitgehend den handelsrechtlichen, der Kreis der Buchführungspflichtigen wird jedoch durch § 141 AO erweitert (vgl. §§ 140, 141 AO). Nähere Ausführungen zur steuerrechtlichen Buchführungspflicht werden in Teil B Kapitel 2, insb. 2.2.1 gegeben. Die Buchführungspflicht schließt die Pflicht zur Rechnungslegung ein; der Umfang der Rechnungslegungspflicht ist dabei nach Unternehmensrechtsformen differenziert geregelt, d.h. der Jahresabschluss von Einzelunternehmen und Personengesellschaften besteht aus Bilanz und GuV, Vorschriften und Umfang der Rechnungslegung 19 der Jahresabschluss von nicht kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaften aus Bilanz, GuV und Anhang. Die gesetzlichen Vertreter einer kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaft, die nicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet ist, haben den Jahresabschluss um eine Kapitalflussrechnung und einen Eigenkapitalspiegel zu erweitern, die mit der Bilanz, GuV und dem Anhang eine Einheit bilden; sie können den Jahresabschluss um eine Segmentberichterstattung erweitern (§ 264 Abs. 1 Satz 2 HGB). Ergänzend hierzu haben mittelgroße und große Kapitalgesellschaften einen Lagebericht zu erstellen. Der Jahresabschluss muss zum Ende des Geschäftsjahres des Unternehmens erstellt werden (dies muss nicht, wird aber i.d.R. das Ende des Kalenderjahres sein). Für Kapitalgesellschaften heißt das, dass - abhängig von der Größe - drei (mittelgroße und große Kapitalgesellschaften) bzw. sechs (kleine Kapitalgesellschaften) Monate nach Abschlussstichtag der Jahresabschluss aufgestellt sein muss (§ 264 Abs. 1 Satz 2 und 3 HGB). Gemäß § 267 HGB werden dabei unterschiedliche Größenklassen von Kapitalgesellschaften unterschieden: Kleine Kapitalgesellschaften Mittlere Kapitalgesellschaften Große Kapitalgesellschaften Bilanzsumme (Mio. €) < = 4,84 > 4,84-19,25 > 19,25 Umsatzerlöse (Mio. €) < = 9,68 > 9,68-38,50 > 38,50 Jahresdurchschnittliche Zahl der Arbeitnehmer (Mitarbeiter) < = 50 > 50-250 > 250 Größenklassen bei Kapitalgesellschaften Vorschriften und Umfang der Rechnungslegung20 Für die jeweilige Zuordnung der Kapitalgesellschaft zu einer der drei vorstehend genannten Größenklassen müssen jeweils mindestens zwei der drei Größenmerkmale an zwei aufeinander folgenden Abschlussstichtagen überschritten sein. Börsennotierte oder zum geregelten Freiverkehr zugelassene Kapitalgesellschaften gelten gemäß § 267 Abs. 3 HGB stets als große Kapitalgesellschaften. Dies gilt entsprechend, wenn die Zulassung zum amtlichen Handel beantragt wurde. § 267 HGB gilt auch für eingetragene Genossenschaften, während Unternehmen, die unter das PublG fallen, den Vorschriften dieses Gesetzes unterworfen werden. Versicherungsunternehmen werden grundsätzlich wie große Kapitalgesellschaften behandelt, wohingegen Kreditinstitute wiederum nur dann wie große Kapitalgesellschaften behandelt werden, wenn sie Kapitalgesellschaften, eingetragene Genossenschaften oder öffentlich-rechtliche Sparkassen sind. Eine stichprobenartige Prüfung des Jahresabschlusses (aber auch des Lageberichtes, der Finanzbuchhaltung und der Inventur) hinsichtlich Gesetz-/Ordnungsmäßigkeit muss bei mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften (inkl. GmbH & Co. KGs ohne natürliche Person als Vollhafter) durch externe Prüfer (Wirtschaftsprüfer bzw. vereidigte Buchprüfer) erfolgen. Kleine Kapitalgesellschaften sind nicht prüfungspflichtig. Je nach Größenklasse müssen Kapitalgesellschaften sowie Personenhandelsgesellschaften ohne natürliche Person als Vollhafter zudem bestimmte Teile bzw. ihren gesamten Jahresabschluss veröffentlichen. Kleinen und mittleren Kapitalgesellschaften werden größenabhängige Erleichterungen bei Erstellung und Offenlegung des Jahresabschlusses eingeräumt.

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Zusammenfassung

In kompakter Form: Handels- und Steuerbilanz.

Dieses Lehrbuch liefert Ihnen in komprimierter Form einen umfassenden Überblick über alle wichtigen handels- und steuerrechtlichen Bilanzierungsfragen des Einzelabschlusses. Vor dem Hintergrund des eingearbeiteten Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) wird zudem aufgezeigt, in welchen Bereichen nach wie vor eine Kongruenz zwischen Handels- und Steuerbilanz besteht, bzw. ob es nach dem Festhalten des Gesetzgebers zumindest an der materiellen Maßgeblichkeit gelingt, weiterhin eine Einheitsbilanz aufzustellen.

Teil A: Die Handelsbilanz

* Einführung in das Rechnungswesen

* Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung

* Bilanzgliederung und Inhalt der Bilanzpositionen

* Bilanzbewertungsnormen

* Gewinn- und Verlustrechnung

* Anhang Lagebericht

Teil B: Die Steuerbilanz

* Gewinnbegriff und Gewinnermittlungsverfahren

* Ansatz- und Bewertungsvorschriften der steuerlichen Gewinnermittlung

* Bilanzierung und Bewertung ausgewählter Aktiva und Passiva

Die Autoren

StB Prof. Dr. Michael Wehrheim leitet den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Externes Rechnungswesen an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Prof. Dr. Anette Renz ist Dozentin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.