1. Einführung in das Rechnungswesen in:

Michael Wehrheim, Anette Renz

Die Handels- und Steuerbilanz, page 21 - 31

Bilanzierung, Bewertung und Gewinnermittlung

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3870-3, ISBN online: 978-3-8006-4433-9, https://doi.org/10.15358/9783800644339_21

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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Teil A: Handelsbilanz 1. Einführung in das Rechnungswesen 1.1 Begriff und Informationsadressaten des Rechnungswesens Das betriebliche Rechnungswesen ist ein Verfahren/System, dessen Aufgabe es ist, alle zwischen dem Betrieb und seinen Märkten auftretenden Geld- und Güter-/Dienstleistungsströme und alle im Betrieb auftretenden Kosten- und Leistungsströme, die durch den Prozess der Leistungserstellung und Leistungsverwertung verursacht werden bzw. die mit dem Prozess der Unternehmenstätigkeit verbunden sind, zu erfassen, auszuwerten und weiterzuleiten. Es stellt die zahlenmäßige Erfassung des gesamten inner- und zwischenbetrieblichen Betriebsgeschehens für die Informationsadressaten dar. Diese Informationsempfänger werden in externe und interne unterschieden. Für externe Informationsadressaten (Aktionäre, Gläubiger, Fiskus, interessierte Öffentlichkeit usw.) stellt das externe Rechnungswesen einerseits Informationen zur Verfügung; andererseits sind die Daten des externen Rechnungswesens Ausschüttungs- bzw. Steuerbemessungsgrundlage. Das externe Rechnungswesen umfasst die Finanzbuchhaltung, den daraus abgeleiteten Jahresabschluss, einen evtl. zu erstellenden Lagebericht sowie das Inventar. Den internen Informationsadressaten (Unternehmer, Geschäftsleitung) werden neben den gesetzlich vorgeschriebenen Daten aus dem externen Rechnungswesen detaillierte Informationen des internen Rechnungswesens zur Verfügung gestellt (Leistungs- und Kostenrechnung). 1.2 Funktionen des Rechnungswesens Durch die verschiedenen Informationsadressaten muss das Rechnungswesen zielgerichtet, d.h. mit Funktionen ausgestattet sein. Zu den Funktionen des Rechnungswesens gehören mithin folgende Aufgaben: Einführung in das Rechnungswesen4 Dokumentationsaufgabe: Gemäß § 238 Abs. 2 HGB sind die Geschäftsvorfälle des Unternehmens vollständig aufzuzeichnen, wobei die Dokumentation so zu erfolgen hat, dass sich diese in ihrer Entstehung und Abwicklung nachvollziehen lassen (§ 238 Abs. 1 Satz 3 HGB). Damit wird nicht nur Kontrollzwecken Rechnung getragen, vielmehr soll damit z.B. im Insolvenzfall der Nachweis geführt werden können, dass keine strafbaren Handlungen i.S.d. §§ 283- 283d StGB (Bankrott, Verletzung der Buchführungspflicht, Gläubigerbegünstigung, Schuldnerbegünstigung) begangen wurden bzw. die Beweisführung bei Rechtsstreitigkeiten sichergestellt wird. Dies gilt in ähnlicher Form auch z.B. für Vermögensauseinandersetzungen zwischen Gesellschaftern eines Unternehmens: auch hier ist i.d.R. eine vollständige Dokumentation der Geschäftsvorfälle unerlässlich. Informationsaufgabe: Die Aufgabe, mittels des Jahresabschlusses den vorgenannten Adressatengruppen Informationen zur Verfügung zu stellen, ist, abhängig von der Rechtsform des Unternehmens, unterschiedlich extensiv geregelt. Allgemein lässt sich die Informationsaufgabe aus § 238 Abs. 1 Sätze 1 und 2 HGB ableiten; danach sind Unternehmen verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen die Lage des Vermögens ersichtlich zu machen, wobei die Buchführung so beschaffen sein muss, dass sie einem sachverständigen Dritten in angemessener Zeit einen Überblick über die Lage des Unternehmens verschafft. Nach Leffson ist diese allgemeine Verpflichtung so zu interpretieren, dass "...das Bild der Lage des Unternehmens gemäß § 238 HGB eine Vorstellung von Vermögen, Schulden und vom geschäftlichen Erfolg..." vermittelt. Über diese allgemeine Informationspflicht hinaus wird die Informationsfunktion des Jahresabschlusses für Kapitalgesellschaften durch § 264 Abs. 2 HGB konkretisiert: der Jahresabschluss hat ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu vermitteln. Was zu den Kapitalgesellschaften zu rechnen ist, ergibt sich zunächst aus der Überschrift des zweiten Abschnittes des dritten Buches des HGB; danach werden die AG, die KGaA und die GmbH ausdrücklich aufgeführt. § 264 Abs. 2 HGB ist darüber hinaus durch entsprechende Verweisung aber auch auf eingetragene Genossenschaften und auf Versicherungsunternehmen anzuwenden. Schließlich Funktionen des Rechnungswesens 5 stellt § 264a HGB klar, dass handelsrechtlich auch auf offene Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften, bei denen keine natürliche Person als Vollhafter fungiert (z.B. GmbH & Co. KGs), die Vorschriften für Kapitalgesellschaften gelten. Nicht anzuwenden ist die Generalnorm des § 264 Abs. 2 HGB nach h. M. auf Unternehmen, die unter das PublG fallen, sowie Kreditinstitute. Es verbleibt insoweit bei den Aufstellungsgrundsätzen für alle Kaufleute gemäß § 243 Abs. 1 und 2 HGB. Die Verpflichtung, ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild von der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu vermitteln, entspricht dem angelsächsischen Konzept des "true and fair view", das als „overriding principle“ immer dann ein Abweichen von gesetzlichen Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften vorsieht, wenn diese nicht in der Lage sind, die mit einem „true and fair view“ verbundenen Informationsverpflichtungen sicherzustellen. Die Vermittlung eines den realen Gegebenheiten entsprechenden Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ist dabei durch den Jahresabschluss in seiner Gesamtheit sicherzustellen, also durch das Zusammenwirken von Bilanz, GuV und Anhang. Rechenschaftslegungsaufgabe: Mit Hilfe des Rechnungswesens soll der Nachweis geführt werden, dass Unternehmen nach den gesetzlichen und gesetzlich nicht kodifizierten Vorschriften und sonstigen Vorgaben als Ganzes und in seinen Teilbereichen gewirtschaftet hat (z.B. Einhaltung des HGB, der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, interner Leitlinien). Kontrollaufgabe: Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens insgesamt und einzelner Unternehmensteile kann z.B. durch Kostenvergleichsrechnungen in Gestalt von betrieblichen, zeitlichen oder Soll-Ist-Vergleichen mit anschließenden Abweichungsanalysen oder durch Analysen von Unternehmens- und Betriebserfolgen kontrolliert werden. Dispositionsaufgabe: Das Rechnungswesen liefert für betriebliche Dispositionen (z.B. Fertigungsverfahrensauswahl, Preisfestsetzung, Sortimentsgestaltung, Gewinnverwendung) entscheidende Informationen. Die Unternehmensleitung bedient sich dabei Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsdaten (Prognosen). Einführung in das Rechnungswesen6 1.3 Teilbereiche des Rechnungswesens 1.3.1 Externes Rechnungswesen Wie der Name bereits andeutet, richtet sich dieses Teilgebiet des Rechnungswesens primär an Außenstehende (z.B. Gläubiger, Anteilseigner). Es dient diesen Zielträgern letztlich zur Dokumentation, zur Kontrolle und zum Schutz. Primäres Ziel des Externen Rechnungswesens ist die Ermittlung der „richtigen“ Ausschüttungsbemessungsgrundlage. Der im Jahresabschluss ausgewiesene Gewinn ist Grundlage der Beschlussfassung über die Gewinnverwendung; diesbezüglich können stark divergierende Interessen zwischen Gläubigern, Anteilseignern und Unternehmensleitung gegeben sein: während z.B. Gläubiger an einer Stärkung der Haftungsbasis interessiert sind, richtet sich das Interesse der Kleinaktionäre großer Publikumskapitalgesellschaften auf die Realisierung einer adäquaten Mindest- Kapitalverzinsung qua Gewinnausschüttung. Dies trifft in ähnlicher Form für Personengesellschaften zu: aus der Sicht der Gläubiger sind die Entnahmemöglichkeiten zu beschränken, aus der Sicht der Gesellschafter nicht. Der gegebene Interessenkonflikt wurde durch den Gesetzgeber, z.T. rechtsformneutral, z.T. rechtsformspezifisch, dadurch geregelt, dass Vorschriften sowohl zur Erfolgsermittlung, wie auch zur Erfolgsverwendung vorgegeben wurden, die einerseits z.B. bei Kapitalgesellschaften eine Mindest-Dividendenausschüttung sicherstellen sollen, andererseits eine angemessene Verstärkung der Eigenkapitalbasis zulassen bzw. erzwingen. Die Ausschüttungsbemessungsaufgabe beinhaltet damit die Komponenten „Ausschüttungssperre“ und „Mindestausschüttung“, wobei die Ausschüttungssperrfunktion des Jahresabschlusses, wenn auch in unterschiedlicher Form, für Personen- und Kapitalgesellschaften greift, während die Mindestausschüttungskonzeption auf divergierende Interessenlagen bei Kapitalgesellschaften abstellt. Zu beachten ist allerdings, dass durch das BilMoG die Informationsfunktion des Jahresabschlusses gestärkt wurde. Sowohl die laufende Finanzbuchhaltung als auch die zeitpunktbezogene Erstellung eines Inventars bzw. eines Jahresabschlusses unterliegen vergleichsweise strengen gesetzlichen Regelungen, damit die Außenstehen- Teilbereiche des Rechnungswesens 7 den die für sie notwendigen Informationen einheitlich aufbereitet bekommen. Die im Rahmen der Finanzbuchhaltung sowie des hieraus abzuleitenden Jahresabschlusses zu beachtenden Rechtsvorschriften hat der Gesetzgeber vorrangig rechtsformabhängig gestaltet. Vereinfacht lässt sich dies in schematischer Form wie folgt darstellen: - Rechtsformneutrale (handelsrechtliche) Rechnungslegungsvorschriften: · §§ 238-263 HGB - Rechtsformspezifische (handelsrechtliche) Rechnungslegungsvorschriften: · §§ 264-335 HGB für Kapitalgesellschaften und bestimmte Personenhandelsgesellschaften (z.B. GmbH & Co. KGs ohne natürliche Person als Vollhafter) · §§ 336-339 HGB für Genossenschaften · AktG für AG und KGaA · GmbHG für GmbH Rechtsformspezifische Vorschriften knüpfen unmittelbar an die Unternehmensform an und sind ergänzend zu den rechtsformneutralen Vorschriften zwingend zu beachten. Kapitalgesellschaften und bestimmte Personenhandelsgesellschaften sind somit nicht nur an die rechtsformneutralen Bestimmungen der §§ 238-263 HGB, sondern auch an die rechtsformspezifischen Vorschriften der §§ 264-335 HGB gebunden. Zum externen Rechnungswesen gehören die Finanzbuchhaltung, der Jahresabschluss, der Lagebericht und die Inventur/das Inventar. Finanzbuchhaltung bedeutet, dass alle Geschäftsvorfälle, die eine Änderung der Höhe und/oder Zusammensetzung des Vermögens und/oder Kapitals bedingen, in Zahlenwerten in chronologischer Reihenfolge (Grundbuch) bzw. auf Konten (Haupt-/Nebenbücher) festgehalten werden. Die Finanzbuchhaltung mit laufender Dokumentation aller Geschäftsvorfälle einer Rechnungsperiode mündet in den Jahresabschluss. Man kann Einführung in das Rechnungswesen8 deshalb auch formulieren, dass die Zeitraumrechnung Finanzbuchhaltung in die Zeitpunktrechnung Jahresabschluss übergeht. Der Jahresabschluss einer nicht kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaft besteht aus Bilanz, GuV (= Gewinn- und Verlustrechnung) und Anhang. Die Bilanz (lat. Waage) ist eine letztlich ausgeglichene Gegenüberstellung von Vermögen (Aktiva) auf der einen und Kapital (Passiva) auf der anderen Seite. Man kann auch sagen: In einer Bilanz stehen sich Mittelverwendung und Mittelherkunft gegenüber. Die Bilanz zeigt den Gewinn oder Verlust einer Rechnungsperiode als Änderung der Höhe des Eigenkapitals an. Das Unternehmen benötigt jedoch auch Angaben darüber, auf welche Weise der Gewinn bzw. Verlust zustande gekommen ist. Deshalb werden in der GuV die Geschäftsvorfälle, die die Höhe des Eigenkapitals im Laufe eines Geschäftsjahres verändern, zum Abschluss des Rechnungsjahres (= Bilanzstichtag) explizit erfasst. Mit anderen Worten: Während die Bilanz eine Gegenüberstellung von Vermögen und Kapital ist, werden in der GuV Erträge und Aufwendungen ausgewiesen. Zum Jahresabschluss von nicht kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaften gehört darüber hinaus gemäß § 264 Abs. 1 Satz 1 HGB die Erstellung eines Anhanges. Dieser enthält auf der einen Seite Erläuterungen zu einzelnen Bilanz- und GuV-Posten, auf der anderen Seite bestimmte über den Inhalt der beiden anderen Bestandteile des Jahresabschlusses hinausgehende Informationen für Außenstehende. Die gesetzlichen Vertreter einer kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaft, die nicht zur Aufstellung eines Konzernabschlusses verpflichtet ist, müssen gemäß § 264 Abs. 1 Satz 2 HGB den Jahresabschluss (Bilanz, GuV und Anhang) um einen Eigenkapitalspiegel und eine Kapitalflussrechnung erweitern. Neben dem Jahresabschluss müssen alle Kapitalgesellschaften (soweit sie nicht „klein” i.S.v. § 267 Abs. 1 HGB sind) ebenfalls gemäß § 264 Abs. 1 Satz 1 HGB einen Lagebericht erstellen. Dabei handelt es sich primär um eine prospektive Betrachtung, d.h. der Lagebericht soll gemäß § 289 HGB auf die voraussichtliche Entwicklung der Gesellschaft einge- Teilbereiche des Rechnungswesens 9 hen. Seit dem Inkrafttreten des sog. KonTraG ist darüber hinaus im Lagebericht auch auf zukünftige Risiken und Chancen einzugehen. Schließlich muss jeder Kaufmann zu Beginn seines Handelsgewerbes und am Ende eines jeden Geschäftsjahres ein Inventar erstellen (§ 240 HGB). Als Inventar ist dabei das Bestandsverzeichnis zu verstehen, in welches die Inventur i.S.e. körperlichen Bestandsaufnahme des Vermögens und der Schulden mündet. Während in der Bilanz die Vermögens- und Schuldbestände lediglich rein wertmäßig erfasst werden, erfolgt im Inventar eine mengen- und wertmäßige Erfassung. Ziel der Inventur ist letztlich die Kontrolle der innerjährigen buchhalterischen Erfassung von Vermögen und Schulden. Das Gesetz unterscheidet zwischen Stichtagsinventur (§ 240 Abs. 2 Satz 1 HGB), zeitnaher Inventur (§ 240 Abs. 2 Satz 2 HGB), zeitlich verlegter Inventur (§ 241 Abs. 3 HGB) und permanenter Inventur (§ 241 Abs. 2 HGB). Die beiden letztgenannten Verfahren dürfen jedoch nur bei nicht besonders wertvollen Vermögensgegenständen angewendet werden, deren Abgang kontrollierbar ist. Die Stichtagsinventur ist zum Bilanzstichtag, d.h. zum Schluss eines jeden Geschäftsjahres durchzuführen. Die Dauer eines Geschäftsjahres darf dabei zwölf Monate nicht überschreiten, wobei ein kürzerer Zeitraum, ein sog. Rumpfwirtschaftsjahr bei z.B. Gründung oder Liquidation, gegeben sein kann. Da dieser Tag i.d.R. zur Aufnahme sämtlicher Vermögensgegenstände und Schulden nicht ausreichend ist, wird mit der zeitnahen Inventur ein größerer Zeitraum gewährt, der einem ordnungsmäßigen Geschäftsgang entspricht. Ein Zeitraum von zehn Tage vor bis zehn Tage nach dem Bilanzstichtag wird in der Praxis allgemein anerkannt. Die zeitlich verlegte Inventur hat einen Durchführungszeitraum von drei Monaten vor bis zwei Monate nach dem Bilanzstichtag. Bei der permanenten Inventur wird zu einem beliebigen Zeitpunkt im Geschäftsjahr der Bestand, der während des Geschäftsjahres permanent z.B. per Scanner aufgenommen wurde, durch körperliche Bestandsaufnahme überprüft. Einführung in das Rechnungswesen10 1.3.2 Internes Rechnungswesen Über die Dokumentations-, Schutz- und Kontrollfunktion für Außenstehende hinaus kommt dem Rechnungswesen auch eine betriebswirtschaftliche Bedeutung für Interne, d.h. i.d.R. die Unternehmensleitung, zu. Aus Vergangenem soll dabei etwas für das zukünftige betriebliche Geschehen abgeleitet werden (Dispositionsaufgabe). Der Jahresabschluss ist dazu nicht geeignet, da a) dort nicht alle Informationen preisgegeben werden (z.B. Konkurrenz, Finanzbehörden) und b) die Bewertung sich dort aus Gläubigerschutzgesichtspunkten heraus am Vorsichtsprinzip festmacht. Deshalb ist ein eigenständiger Teilbereich des Rechnungswesens insbesondere für die Unternehmensleitung notwendig, welcher detaillierte, mit anderen Werten ausgestattete Zahlen enthält. Dieser Teilbereich wird als Internes Rechnungswesen/Leistungs- und Kostenrechnung, oftmals aber auch als Betriebsbuchhaltung bezeichnet. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, hat der Gesetzgeber darauf verzichtet, die Einrichtung eines Kostenrechnungssystems bzw. dessen spezifische Systemausgestaltung verbindlich vorzuschreiben. Den Unternehmen bleibt es weithin selbst überlassen, in welcher Systemkonfiguration die Kosteninformationen aufbereitet, verdichtet und umgesetzt werden. Insoweit stellt die Implementierung eines aussagefähigen Kostenrechnungssystems keine gesetzliche Verpflichtung, jedoch sehr wohl eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit dar. Während das Externe Rechnungswesen mit seinem Hauptbestandteil Jahresabschluss gemäß § 264 Abs. 2 HGB „ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ... vermitteln" soll (= Dokumentation und Information durch Rechnungslegung), will das Interne Rechnungswesen die Kosten der Güter, die bei der betrieblichen Leistungserstellung und -verwendung anfallen, erfassen und nach bestimmten Kriterien verteilen. Letztlich sollen also Informationen zur Wahrnehmung primär folgender Aufgaben zur Verfügung gestellt werden: Teilbereiche des Rechnungswesens 11 - Ermittlung des Betriebserfolges eines Zeitabschnittes (zurückliegende Rechnungsperiode bzw. als „kurzfristige Erfolgsrechnung" für Quartal, Halbjahr, Monat u.s.w.), - Ermittlung der Stückkosten, - Festlegung von Verrechnungspreisen für innerbetrieblich erbrachte Leistungen, - Make or Buy-Entscheidungen (Eigenfertigung oder Fremdbezug) sowie - Ermittlung von Herstell(ungs)kosten für die Bewertung selbsterstellter Güter. Bestandteile des Internen Rechnungswesens sind die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung. Mit der Kostenartenrechnung soll primär eine vollständige Erfassung und systematische Gliederung der Kosten einer Abrechnungsperiode sichergestellt werden (z.B. Personalkosten, Materialkosten, Zinsen). Die Kostenstellenrechnung stellt ablauftechnisch die zweite Stufe der Kostenrechnung dar. Mit Hilfe der Kostenstellenrechnung soll die Frage beantwortet werden, wo im Unternehmen Kosten angefallen sind. Dazu ist eine organisatorische Aufteilung des Gesamtunternehmens in Kostenstellen (Orte, Verantwortungsbereiche der Kostenentstehung) erforderlich. Damit soll die Wirtschaftlichkeit einzelner betrieblicher Bereiche (z.B. Abteilungen) überprüft werden und so genannte Gemeinkosten, die nicht direkt einem Endprodukt zugeordnet werden können, aufgeschlüsselt werden. Die Kostenträgerrechnung stellt die abschließende dritte Stufe der Kostenrechnung dar und ist als Kostenträgerzeitrechnung bzw. Kostenträgerstückrechnung ausgeprägt. Mit der Kostenträgerzeitrechnung wird das Betriebsergebnis einer Periode ermittelt. Dabei stellt die Kostenträgerzeitrechnung i.d.R. auf kürzere Perioden als das Externe Rechnungswesen ab (z.B. Monat, Quartal), da Informationen hinsichtlich vorgenannter Aufgaben kurzfristiger benötigt werden. Die Kostenträgerzeitrechnung wird deshalb auch oft als „kurzfristige Erfolgsrechnung" bezeichnet. Einführung in das Rechnungswesen12 Da das primäre Ziel der Kostenrechnung in einer korrekten, verursachungsgerechten Ermittlung der Stückkosten liegt, wird im Rahmen der Kostenträgerstückrechnung versucht, die Stückkosten der Kostenträger (Produkte) auf der Basis geeigneter Kalkulationsverfahren zu ermitteln. 1.3.3 Statistik Als dritter Bestandteil des Rechnungswesens gilt die Statistik. Dabei werden betriebliche Kennzahlen gewonnen und ausgewertet, um die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens zu dokumentieren bzw. zu überwachen. Gleichzeitig dienen die statistisch aufbereiteten Zahlen auch oftmals als Grundlage für zukünftige Planungen. Die Statistik bedient sich bei ihrer - oftmals auch optischen - Aufbereitung der Zahlen des Externen und Internen Rechnungswesens. Mit deren Hilfe werden Soll-Ist-Vergleiche, Betriebsvergleiche und Zeitvergleiche durchgeführt. 1.3.4 Controlling/Planungsrechnung Es kann an dieser Stelle offen bleiben, ob Controlling ein separater Teilbereich des Rechnungswesens ist. Als Grundfunktion des Controlling allgemein werden Planung, Steuerung, Information und Kontrolle verstanden. Insbesondere mit dem Datenmaterial der “klassischen” Bereiche des Rechnungswesens werden Schwachstellenanalysen aufgestellt und Zielpläne formuliert (z.B. hinsichtlich zukünftiger Investitionsvorhaben).

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Zusammenfassung

In kompakter Form: Handels- und Steuerbilanz.

Dieses Lehrbuch liefert Ihnen in komprimierter Form einen umfassenden Überblick über alle wichtigen handels- und steuerrechtlichen Bilanzierungsfragen des Einzelabschlusses. Vor dem Hintergrund des eingearbeiteten Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) wird zudem aufgezeigt, in welchen Bereichen nach wie vor eine Kongruenz zwischen Handels- und Steuerbilanz besteht, bzw. ob es nach dem Festhalten des Gesetzgebers zumindest an der materiellen Maßgeblichkeit gelingt, weiterhin eine Einheitsbilanz aufzustellen.

Teil A: Die Handelsbilanz

* Einführung in das Rechnungswesen

* Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung

* Bilanzgliederung und Inhalt der Bilanzpositionen

* Bilanzbewertungsnormen

* Gewinn- und Verlustrechnung

* Anhang Lagebericht

Teil B: Die Steuerbilanz

* Gewinnbegriff und Gewinnermittlungsverfahren

* Ansatz- und Bewertungsvorschriften der steuerlichen Gewinnermittlung

* Bilanzierung und Bewertung ausgewählter Aktiva und Passiva

Die Autoren

StB Prof. Dr. Michael Wehrheim leitet den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Externes Rechnungswesen an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Prof. Dr. Anette Renz ist Dozentin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.