7. Gewinn- und Verlustrechnung in:

Michael Wehrheim, Anette Renz

Die Handels- und Steuerbilanz, page 113 - 122

Bilanzierung, Bewertung und Gewinnermittlung

3. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3870-3, ISBN online: 978-3-8006-4433-9, https://doi.org/10.15358/9783800644339_113

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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7. Gewinn- und Verlustrechnung Zum Jahresabschluss gehört neben der Bilanz gemäß den §§ 242 Abs. 3, 264 Abs. 1 HGB auch die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), die jeder Kaufmann zu erstellen hat. Das Handelsrecht enthält in § 242 Abs. 2 HGB eine Legaldefinition der GuV, d.h. diese stellt eine Zusammenstellung der Erträge und Aufwendungen der Rechnungsperiode dar. Während die Bilanz eine Zeitpunktrechnung ist, die Vermögen und Schulden an einem Zeitpunkt (= Bilanzstichtag) gegenüberstellt, ist die GuV eine Zeitraumrechnung, da sie die Stromgrößen Ertrag und Aufwand erfasst. Die GuV ist im System der doppelten Buchführung unmittelbar mit der Bilanz verbunden; Bilanzierungs- und Bewertungsentscheidungen eines Unternehmens wirken sich somit unmittelbar auf die GuV aus, wie auch umgekehrt Aufwands- und Ertragsverrechnung Auswirkungen auf die Bilanz haben (müssen). Zwar weist auch die Bilanz den Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag der Periode als Änderung des Eigenkapitals aus; die GuV zeigt indes gleichzeitig, wie das Jahresergebnis zustande gekommen ist. Da Aufwendungen als periodisierte Ausgaben, Erträge als periodisierte Einnahmen definiert werden, dient die GuV der Periodenerfolgsermittlung durch Zuordnung der Wertzuwächse und Wertminderungen zu einer abgegrenzten Rechnungsperiode. In dynamischer Sicht steht dabei die periodengerechte Erfassung und Verrechnung von Einnahmen und Ausgaben, sowie die Darstellung der Erfolgsquellen im Vordergrund, in statischer Sicht kommt der GuV primär die Aufgabe zu, die durch betriebliche Prozesse verursachten Veränderungen des Reinvermögens nach Höhe und Ursachen zu erfassen und zu dokumentieren. Sowohl in statischer, wie auch in dynamischer Sicht, hat die GuV die Aufgabe, die Erfolgskomponenten eines Unternehmens aufzuzeigen, d.h. zu dokumentieren, durch welche Prozesse bzw. in welchen Bereichen unternehmerischer Betätigung positive und/oder negative Erfolge erwirtschaftet wurden. Dieser Aufgabe wird durch eine möglichst weit gefasste Erfolgsspaltung entsprochen. Für Kapitalgesellschaften wird dieser Zielsetzung durch die Gliederungsvorschriften gemäß § 275 Abs. 2 Gewinn- und Verlustrechnung98 und 3 HGB sowie durch zusätzliche Erläuterungen im Anhang gemäß § 285 Nr. 4 und Nr. 8 HGB gefolgt, während bei Nicht-Kapitalgesellschaften unter Beachtung der GoB weitgehende Gestaltungsfreiheit besteht. Während somit bei Nicht-Kapitalgesellschaften keine besonderen Formvorschriften zu beachten sind, ist die GuV der Kapitalgesellschaften gemäß § 275 Abs. 1 HGB zwingend in Staffelform nach dem Gesamtkosten- oder Umsatzkostenverfahren zu erstellen (unzulässig: Kontoform). Bei Kapitalgesellschaften ist zudem das Bruttoprinzip zu beachten, von dem kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften gemäß § 276 HGB durch Postenzusammenfassung abweichen dürfen. Die allgemeinen Gliederungsgrundsätze, wie sie in § 265 HGB verankert sind, gelten auch für die GuV (Gliederungsstetigkeit, Nichtausweis von Leerposten, Angabe von Vorjahresbeträgen, geschäftszweigbedingte Abweichungen usw.). Da die GuV i.d.R. ihrer Aufgabe, die Ertragslage gemäß § 264 Abs. 2 HGB zu verdeutlichen, nicht uneingeschränkt entsprechen kann, sieht das HGB eine Reihe von Angabepflichten im Anhang vor, die sich auf Posten der GuV beziehen. Von der Wahl des Gesamtkosten- oder Umsatzkostenverfahrens sind letztlich die Art und der Umfang der Aufwands- und Ertragserfassung und -verrechnung abhängig. Entgegen den gewählten Termini "... kostenverfahren" erfassen die beiden Verfahren Erträge und Aufwendungen, nicht aber Leistungen und Kosten, so dass durch die gewählten Begriffe letztendlich lediglich die Verfahrenstechnik der Ertrags- und Aufwandsverrechnung kenntlich gemacht wird. Wie bereits dargelegt, wird dem Ziel der Erfolgsspaltung durch Ausweis gruppierter (Zwischen-)Erfolgsgrößen im Rahmen einer Staffelform-GuV entsprochen. Durch entsprechende Gruppierung der Posten des § 275 Abs. 2 bzw. Abs. 3 HGB im Rahmen der Postenabfolge lassen sich beim Gesamtkostenverfahren (GKV) und Umsatzkostenverfahren (UKV) folgende Erfolgsgrößen/Erfolgssalden auf der Grundlage der Gliederungsschemata ableiten, die gleichzeitig Erfolgsquellen der Kapitalgesellschaft darstellen: Das Gesamtkostenverfahren 99 Erfolgsgrößen GuV-Posten GKV GuV-Posten UKV Rohergebnis Nrn. 1-5 Nrn. 1-3 u. 6 Betriebsergebnis Nrn. 1-8 Nrn. 1-7 Finanzergebnis Nrn. 9-13 Nrn. 8-12 Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit Nr. 14 Nr. 13 Außerordentliches Ergebnis Nr. 17 Nr. 16 Jahresergbnis vor Steuern Nr. 14 +/- Nr. 17 Nr. 13 +/- Nr. 16 Jahresüberschuss/ Jahresfehlbetrag nach Steuern Nr. 20 Nr. 19 Die wesentlichen Unterschiede zwischen dem Gesamtkostenverfahren und dem Umsatzkostenverfahren lassen sich vereinfacht wie folgt skizzieren. 7.1 Das Gesamtkostenverfahren Beim Gesamtkostenverfahren werden dem Gesamtaufwand dieser Periode, gegliedert nach Aufwandsarten, die am Markt realisierten Umsatzerlöse, wie auch die (noch) nicht realisierten Erträge (Bestandserhöhungen und aktivierte Eigenleistungen) gegenübergestellt. Die nicht realisierte Leistung wird damit in die Gesamtleistung des Geschäftsjahres einbezogen, periodisiert und den Gesamtaufwendungen gegenübergestellt. Das Verfahren stellt sich als relativ unkompliziert dar, die Aufwandsarten (z.B. Personalaufwand, Materialaufwand usw.) können unmittelbar aus der Finanzbuchhaltung übernommen werden, lediglich bei Erfassung und Gewinn- und Verlustrechnung100 Bewertung der Bestände, sowie selbst erstellter Anlagen (aktivierte Eigenleistungen) zu Herstellungskosten, muss auf Daten der Kostenrechnung zurückgegriffen oder mittels anderer Maßnahmen eine den gesetzlichen Vorgaben entsprechende Wertermittlung sichergestellt werden. Die nach diesem Verfahren erstellte GuV lässt sich auch als Produktionskostenrechnung bezeichnen, bei der das Betriebsergebnis nach den Produktionsfaktoren Werkstoffe (Materialaufwendungen), Arbeit (Löhne und Gehälter) und Betriebsmittel (Abschreibungen) gegliedert ist. Dem GKV liegt nachfolgendes Gliederungsschema zugrunde: Abbildung 1: Gesamtkostenverfahren (§ 275 Abs. 2 HGB) Als Umsatzerlöse (Nr. 1) sind gemäß § 277 Abs. 1 HGB Erlöse aus dem Verkauf und der Vermietung oder Verpachtung von für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft typischen Erzeugnissen und 8. sonstige betriebliche Aufwendungen 9. Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen Unternehmen 10. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen 11. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen Unternehmen 12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene Unternehmen 14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 15. außerordentliche Erträge 16. außerordentliche Aufwendungen 17. außerordentliches Ergebnis 18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 19. sonstige Steuern 20 . Jahresüberschuß / Jahresfehlbetrag b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten 1. Umsatzerlöse 2. Erhöhung oder Verminderung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen 3. andere aktivierte Eigenleistungen 4. sonstige betriebliche Erträge 5. Materialaufwand: a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren b) Aufwendungen für bezogene Leistungen 6. Personalaufwand: a) Löhne und Gehälter b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung, davon für Altersversorgung 7. Abschreibungen: a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen Das Gesamtkostenverfahren 101 Waren sowie aus von für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft typischen Dienstleistungen nach Abzug von Erlösschmälerungen und der Umsatzsteuer auszuweisen. Der Ausweis erfolgt netto, d.h. Umsatzsteuer bleibt unberücksichtigt. Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen (Nr. 2) werden gemäß § 277 Abs. 2 HGB sowohl aufgrund von Wert- als auch Mengenänderungen berücksichtigt. Wertänderungen ergeben sich z.B. aufgrund von Zu- und Abschreibungen wegen des Niederstwertprinzips. Mengenänderungen entstehen, wenn die Produktion größer oder kleiner ist als der Verkauf. Andere aktivierte Eigenleistungen (Nr. 3) sind Produkte, z.B. Werkzeuge, Maschinen etc., die der Betrieb selbst nutzt. Die bei der Erstellung von Eigenleistungen angefallenen Aufwendungen, z.B. Löhne, Material, sind in den Aufwandsposten enthalten, so dass es einer Ausgleichsposition bedarf, um die betriebliche Gesamtleistung nicht zu niedrig auszuweisen. Zu den sonstigen betrieblichen Erträgen (Nr. 4) gehören alle regelmä- ßig auftretenden Erträge, soweit sie nicht typisch für das Unternehmen (Posten Nr. 1) bzw. Korrekturposten (Nr. 2 und 3) sind und nicht das Finanzergebnis betreffen. Darunter werden z.B. Erträge aus Kantinen, Mieten, Lizenzverträgen, Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen, Erträge aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens und Erträge aus Zuschreibungen zu Gegenständen des Anlagevermögens gerechnet. Unter Materialaufwand (Nr. 5) werden Aufwendungen für Roh-, Hilfsund Betriebsstoffe (a) aufgenommen, unabhängig in welchem Bereich sie angefallen sind und sämtliche Aufwendungen für Leistungen Dritter (b), sofern sie dem Materialaufwand zugeordnet werden können, wie z.B. Lohnbe- und -verarbeitungen. Der Personalaufwand (Nr. 6) umfasst unter a) die gesamte Entlohnung für im Betrieb beschäftigte Arbeiter, Angestellte und Mitglieder des Vorstands bzw. der Geschäftsführung. Auszuweisen ist der Bruttobetrag, d.h. vor Abzug der Steuern und Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung. Separat unter b) sind auszuweisen soziale Abgaben, d.h. Lohnnebenkos- Gewinn- und Verlustrechnung102 ten, wie z.B. Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung und Aufwendungen für Altersversorgung. Abschreibungen (Nr. 7) nehmen unter a) sowohl planmäßige als auch außerplanmäßige Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen auf. Unter b) werden Abschreibungen des Umlaufvermögens ausgewiesen, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten. Hierunter fallen sog. Mehrabschreibungen, die z.B. bei Änderung von bisherigen Abschreibungsmethoden oder bei Vornahme von ungewöhnlichen, selten vorkommenden Abschreibungen die üblich anfallenden Abschreibungsbeträge wesentlich überschreiten. Der Posten „sonstiger betrieblicher Aufwand“ (Nr. 8) gilt als Sammelposten aller Aufwendungen, die nicht unter andere Aufwandsposten fallen. Dazu zählen z.B. Aufwand zur Bildung von Rückstellungen, Mieten, Pachten, Beiträge, Gebühren, Versicherungen, Werbe-, Reise-, Vertreterkosten, Bürokosten, Verluste aus dem Abgang von Vermögensgegenständen des Anlage- und Umlaufvermögens, Bankgebühren, Zeitschriften, Bücher, Leasingraten, Provisionen, Spenden, Transportkosten, Wartungskosten, Steuerstrafen. Die Posten Nr. 1 bis 8 bilden das Betriebsergebnis, das zwar nicht in der GuV separat ausgewiesen wird, aber als Beurteilungsmaßstab in der Jahresabschlussanalyse dient. Zum Finanzergebnis, das wiederum nicht in der GuV separat auszuweisen ist, gehören die folgenden Posten Nr. 9 bis 13. Unter Erträge aus Beteiligungen (Nr. 9) zählen alle laufenden Erträge aus den Bilanzposten „Beteiligungen“ und „Anteile an verbundenen Unternehmen“, wie z.B. Dividenden von Kapitalgesellschaften, Gewinnanteile von Personengesellschaften, Zinsen auf beteiligungsähnliche Darlehen. Nicht dazu gehören Gewinne aus der Veräußerung von Beteiligungen, diese sind i.d.R. unter dem Posten „sonstige betriebliche Erträge“ auszuweisen. Die enthaltenen Erträge aus verbundenen Unternehmen sind mit einem „davon-Vermerk“ hervorzuheben. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens (Nr. 10) weisen die übrigen Erträge aus langfristig gehaltenen Anteilen sowie aus sämtlichen Ausleihungen aus. Dazu gehören Das Gesamtkostenverfahren 103 z.B. Zinsen, Dividenden und ähnliche Ausschüttungen auf Wertpapiere des Anlagevermögens (Aktien, Anleihen etc.) sowie Zinserträge aus Ausleihungen des Finanzanlagevermögens (z.B. langfristige Darlehen). Nicht erfasst werden hierunter Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren; diese werden i.d.R. als sonstige betriebliche Erträge erfasst. Die enthaltenen Erträge aus verbundenen Unternehmen sind wieder mit einem „davon-Vermerk“ hervorzuheben. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge (Nr. 11) sind z.B. Zinsen für Guthaben für Termingelder, Spareinlagen und andere Anlagen bei Kreditinstituten, Zinsen aus Forderungen und Darlehen an Dritte (soweit nicht Finanzanlagen), Zinsen, Dividenden und dergleichen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens. Die enthaltenen Beträge aus verbundenen Unternehmen sind mit einem „davon-Vermerk“ hervorzuheben. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens (Nr. 12) stellen außerplanmäßige Abschreibungen dar. Unter Zinsen und ähnliche Aufwendungen (Nr. 13) werden alle Zinsaufwendungen und ähnliche Aufwendungen für das im Unternehmen gebundene Fremdkapital aufgenommen. Dazu gehören Zinsen für geschuldete Kredite (z.B. Bankkredite, Hypotheken, Schuldverschreibungen, Darlehen, Lieferantenkredite), Kredit-, Überziehungs- und Bereitstellungsprovisionen, Bürgschafts- und Avalprovisionen, Abschreibungen auf ein aktiviertes Disagio, Sofortaufwand bei Nichtaktivierung eines Disagios. Das Betriebsergebnis und das Finanzergebnis zusammen (Posten Nr. 1 bis 13) ergeben das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, das unter dem Posten Nr. 14 ausgewiesen werden muss. Neben dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit muss in der GuV das außerordentliche Ergebnis ausgewiesen werden (Nr. 17), das sich aus außerordentlichen Erträgen (Nr. 15) und außerordentlichen Aufwendungen (Nr. 16) zusammensetzt. Als außerordentlich werden gemäß § 277 Abs. 4 HGB solche Erträge und Aufwendungen gesondert erfasst und ausgewiesen, die außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit des Unternehmens angefallen sind. Eine einheitliche Auffassung dessen, was „außerordentlicher Art“ ist, lässt sich im Schrifttum nicht feststellen. Das Spektrum der Meinungen reicht von Gewinn- und Verlustrechnung104 „unternehmensfremd“ über „unregelmäßig anfallend“, „der Größenordnung nach bedeutend“ bis zu einer Kombination dieser Charakteristika. Geschäftsvorfälle, die der Art nach ungewöhnlich, d.h. außerhalb der betriebsgewöhnlichen Geschäftstätigkeit anfallend, und einmalig oder selten und von erheblicher materieller und/oder immaterieller Bedeutung sind, erfüllen i.d.R. die Kriterien, die der Außerordentlichkeit zugrunde gelegt werden müssen. Dies wird z.B. in folgenden Fällen zutreffen: Gewinn/Verlust aus der Veräußerung eines Betriebes oder Teilbetriebes, Gewinne/Verluste aus der Veräußerung wesentlicher Beteiligungen, von Patenten oder sonstigen Rechten, Sanierungsgewinne/-verluste, Entschädigungsleistungen aufgrund von Sozialplänen usw. Das Betriebsergebnis und das außerordentliche Ergebnis zusammen bilden das Jahresergebnis vor Steuern, das in der GuV nicht ausgewiesen werden muss. Die Steuerbelastung wird in den Posten Nr. 18 und 19 aufgenommen. Zu den Steuern vom Einkommen und vom Ertrag (Nr. 18) zählen alle Steuern vom Einkommen und vom Ertrag, die das Unternehmen als Steuerschuldner zu tragen hat, wie z.B. Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, ausländische Ertragsteuern. Es sind alle gezahlten sowie zurückgestellten Beträge aufzuführen, unabhängig davon, ob sie die laufende oder frühere Rechnungsperiode betreffen. Steuererträge, die z.B. durch Auflösung von Steuerrückstellungen oder Steuererstattungen entstehen, sind ebenfalls unter diesem Posten auszuweisen. Der Posten „sonstige Steuern“ (Nr. 19) ist ein Sammelposten aller übrigen Steuern. Dazu gehören z.B. Grundsteuer, KFZ-Steuer, Versicherungsteuer, Ausfuhrzölle etc. Nach Abzug der Steueraufwendungen vom Jahresergebnis vor Steuern wird in der GuV das Jahresergebnis nach Steuern als Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag (Nr. 20) ausgewiesen. 7.2 Das Umsatzkostenverfahren Beim Umsatzkostenverfahren werden demgegenüber nur die am Markt realisierten Umsatzerlöse berücksichtigt und den hierfür angefallenen Umsatzaufwendungen gegenübergestellt; Bestandsveränderungen und Das Umsatzkostenverfahren 105 aktivierte Eigenleistungen bleiben hier unberücksichtigt. Das Umsatzkostenverfahren enthält lediglich im Bereich des Betriebsergebnisses eine unterschiedliche Struktur. Das Betriebsergebnis ist im Umsatzkostenverfahren nach den Funktionsbereichen Produktion, Vertrieb und Verwaltung gegliedert. Das Finanzergebnis, außerordentliche Ergebnis, Jahresergebnis vor Steuern und der Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag enthält die gleichen Informationen. Abbildung 2: Umsatzkostenverfahren (§ 275 Abs. 3 HGB) 1. Umsatzerlöse 2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen 3. Bruttoergebnis vom Umsatz 4. Vertriebskosten 5. allgemeine Verwaltungskosten 6. sonstige betriebliche Erträge 7. sonstige betriebliche Aufwendungen 8. Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen Unternehmen 9. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen 10. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen Unternehmen 11. Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 12. Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene Unternehmen 13. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 14. außerordentliche Erträge 15. außerordentliche Aufwendungen 16. außerordentliches Ergebnis 17. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 18. sonstige Steuern 19. Jahresüberschuß / Jahresfehlbetrag Gewinn- und Verlustrechnung106 Die Umsatzerlöse (Nr. 1) entsprechen dem Posten Nr. 1 im Gesamtkostenverfahren. Unter Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen (Nr. 2) fallen die Herstellungskosten der in der Rechnungsperiode abgesetzten Sachgüter oder Dienstleistungen, unabhängig davon, in welcher Periode die Herstellungskosten angefallen sind. Das Bruttoergebnis vom Umsatz (Nr. 3) stellt eine zwingend auszuweisende Zwischensumme dar und liefert im Zeitvergleich wichtige Informationen über die Entwicklung der Produktivität des Unternehmens. Als Vertriebskosten (Nr. 4) werden alle periodenbezogenen, nicht umsatzbezogenen direkt und indirekt zurechenbaren Aufwendungen für Verkaufsabteilungen, Werbeagenturen, Marketingabteilungen, Vertreternetz etc. bezeichnet; dazu gehören auch Verpackungs-, Transportkosten und Provisionen. Unter allgemeine Verwaltungskosten (Nr. 5) zählen z.B. Aufwendungen für die Geschäftsführung, für das Rechnungswesen, für die Rechtsabteilung, für die Revisionsabteilung, soweit diese nicht unter den Posten Nr. 2 und Nr. 4 erfasst werden. Der Posten „sonstige betriebliche Erträge“ (Nr. 6) entspricht dem Posten Nr. 4 im Gesamtkostenverfahren. Sonstige betriebliche Aufwendungen (Nr. 7) sind alle Aufwendungen der entsprechenden Position im Gesamtkostenverfahren (Nr. 8), abzüglich der bereits unter Nr. 2, Nr. 4 oder Nr. 5 ausgewiesenen sonstigen betrieblichen Aufwendungen. Daher wird dieser Posten i.d.R. niedriger ausfallen als im Gesamtkostenverfahren. Die Posten Nr. 8 bis 19 stimmen mit den entsprechenden Posten des Gesamtkostenverfahrens (Nr. 9 bis 20) überein, wodurch sich ein identisches Jahresergebnis ergibt.

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References

Zusammenfassung

In kompakter Form: Handels- und Steuerbilanz.

Dieses Lehrbuch liefert Ihnen in komprimierter Form einen umfassenden Überblick über alle wichtigen handels- und steuerrechtlichen Bilanzierungsfragen des Einzelabschlusses. Vor dem Hintergrund des eingearbeiteten Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) wird zudem aufgezeigt, in welchen Bereichen nach wie vor eine Kongruenz zwischen Handels- und Steuerbilanz besteht, bzw. ob es nach dem Festhalten des Gesetzgebers zumindest an der materiellen Maßgeblichkeit gelingt, weiterhin eine Einheitsbilanz aufzustellen.

Teil A: Die Handelsbilanz

* Einführung in das Rechnungswesen

* Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung

* Bilanzgliederung und Inhalt der Bilanzpositionen

* Bilanzbewertungsnormen

* Gewinn- und Verlustrechnung

* Anhang Lagebericht

Teil B: Die Steuerbilanz

* Gewinnbegriff und Gewinnermittlungsverfahren

* Ansatz- und Bewertungsvorschriften der steuerlichen Gewinnermittlung

* Bilanzierung und Bewertung ausgewählter Aktiva und Passiva

Die Autoren

StB Prof. Dr. Michael Wehrheim leitet den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Externes Rechnungswesen an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Prof. Dr. Anette Renz ist Dozentin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.