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4.1 Ziel und Einschränkung der mathematischen Darstellung in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 81 - 82

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_81

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4 Formelmäßige Erfassung von Steuerbelastungen und kombinierten Steuersätzen nach geltendem deutschen Recht 4.1 Ziel und Einschränkung der mathematischen Darstellung Ein wesentliches Ziel dieses Teils der Ausführungen ist es, die nach deutschem Recht durch Steuergestaltungsmaßnahmen hervorgerufenen Steuerzahlungen mathematisch zu erfassen. Dies soll aber nur insoweit erfolgen, wie es zweckmä- ßig erscheint. Das ist nur bei laufend veranlagten Steuern der Fall. Die Berücksichtigung einmaliger Steuern hingegen ist zu aufwendig. Diese werden besser im Einzelfall gesondert erfasst. Gleiches gilt für branchenspezifische Steuern, die allenfalls in einer Belastungsformel der entsprechenden Branche berücksichtigt werden sollten. Steht von vornherein fest, dass einzelne Steuerarten die Ergebnisse der durchzuführenden Steuerbelastungsvergleiche nicht beeinflussen können, so werden sie in den Gesamtbelastungsformeln ebenfalls nicht berücksichtigt. Bei einer Durchsicht der rund 40 Steuerarten, die nach deutschem Recht derzeit erhoben werden, ergibt sich, dass nach den genannten Kriterien lediglich folgende Steuerarten mit ihren gegenseitigen Abhängigkeiten für eine formelmäßige Erfassung in Betracht kommen: die Lohn-, Einkommen-, Körperschaft-, Kapitalertrag-, Gewerbe- und Kirchensteuer sowie der Solidaritätszuschlag als Ertragsteuern, ferner die Grundsteuer als Substanzsteuer und letztlich die Umsatzsteuer. Von den genannten Steuerarten brauchen aber die Lohn- und Kapitalertragsteuer nicht gesondert behandelt zu werden, da sie als besondere Erhebungsformen der Einkommensteuer bei dieser erfasst werden können. Auch eine formelmäßige Erfassung der Umsatzsteuer ist nicht sinnvoll. Der Grund liegt darin, dass die Umsatzsteuer wegen des Vorsteuerabzugs wirtschaftlich gesehen regelmäßig wie ein durchlaufender Posten wirkt. Auf ihre Erfassung kann deshalb i. d. R. völlig verzichtet werden. Lediglich in den Fällen, in denen es nach § 15 Abs. 2 UStG zu einer vollständigen oder teilweisen Versagung des Vorsteuerabzugs kommt, müssen die Umsatz- und Vorsteuerzahlungen berücksichtigt werden. Dies geschieht dann aber zweckmäßigerweise außerhalb einer formelmä- ßigen Erfassung. Für eine mathematische Erfassung verbleiben somit lediglich die Einkommen- und Kirchensteuer einschließlich des Solidaritätszuschlags, die Körperschaftsteuer ebenfalls einschließlich des Solidaritätszuschlags, die Gewerbesteuer und die Grundsteuer. Hierbei kommt Einkommensteuer nur bei natürlichen Personen in Betracht, Körperschaftsteuer hingegen nur bei Kapitalgesellschaften (und sonstigen Körperschaften i. S. d. KStG). Als Folge dieses Unterschieds ist je eine Belastungsformel für natürliche Personen und für Kapitalgesellschaften abzuleiten. Da alle für die mathematische Erfassung verbliebenen Steuern Jahressteuern sind, werden die Belastungsformeln als Jahresbelastungsformeln konzipiert. 4 Formelmäßige Erfassung von Steuerbelastungen und Steuersätzen 45 4.2 Steuerbelastung und kombinierte Steuersätze bei natürlichen Personen 4.2.1 Belastungsformel für natürliche Personen Nach den voranstehenden Ausführungen sollen durch die Steuerbelastungsformel eines Jahres die vermögensabhängige Grund- (Grst) sowie die ertragsabhängige Gewerbe- (Gewst) und Einkommensteuer (Est) erfasst werden. Die Einkommensteuer Est soll nachfolgend auch die auf die Einkommensteuer entfallenden Zuschlagsteuern (Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) erfassen. Wird die Summe dieser Steuern mit Snat bezeichnet, so kann geschrieben werden: (40) Snat = Grst + Gewst + Est. Die Grundsteuer ergibt sich durch Multiplikation der Einheitswerte der Betriebs- (Ewbgr) und der Privatgrundstücke (Ewpgr) mit dem Grundsteuersatz (sgr): (41) Grst = Ewbgr · sgr + Ewpgr · sgr. Der Gewerbesteuer unterliegen die im Steuerbilanzgewinn enthaltenen Erträge nach Abzug der gewinnmindernden Aufwendungen. Sowohl die Erträge als auch die Aufwendungen werden durch das Symbol E erfasst, wobei nur das Vorzeichen unterschiedlich ist. Die Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer wird durch Hinzurechnungen erhöht und durch Kürzungen vermindert. Hierfür wird das Symbol Hge eingeführt. Mit Hge können alle tatsächlichen und fiktiven Einnahmen und Ausgaben erfasst werden, die die Höhe der Gewerbesteuer, nicht aber die der Einkommensteuer berühren. Als Hge mit negativem Vorzeichen kann auch der Freibetrag gem. § 11 Abs. 1 GewStG behandelt werden. Nicht in Hge erfasst werden soll die Kürzung nach § 9 Nr. 1 GewStG, dergemäß grundsätzlich ein Betrag i. H. v. 1,2 % des Einheitswerts der Betriebsgrundstücke von der Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer abgezogen wird. Dieser Betrag ist nach § 121a BewG mit 1,4 zu multiplizieren. Es ergibt sich dann ein zusätzlicher Abzug von γ · Ewbgr. Der Faktor γ gibt hierbei das Produkt aus dem Faktor nach § 9 Nr. 1 GewStG von derzeit 1,2 % und dem Faktor nach § 121a BewG von derzeit 140 % an. Die Kürzung nach § 9 Nr. 1 GewStG wird zweckmäßigerweise nicht in Hge berücksichtigt, damit sämtliche Wirkungen der Bemessungsgrundlage „Ewbgr“ zusammengefasst werden können. Gesondert erfasst werden außerdem die bei der Gewerbesteuer abzugsfähigen Steuern. Dies ist seit dem Veranlagungs- bzw. Erhebungszeitraum 2008 von den hier formelmäßig zu erfassenden Steuern lediglich noch bei der Grundsteuer der Fall. Bis zum Erhebungszeitraum 2007 einschließlich war hingegen zusätzlich die Gewerbesteuer abzugsfähig; sie minderte also ihre eigene Bemessungsgrundlage. Zu beachten ist, dass die Grundsteuer nur insoweit von der Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer abzugsfähig ist, als sie durch Betriebsgrundstücke verursacht wird.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.