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3.3 Steuersätze bei anderen Steuerarten als der Einkommensteuer in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 71 - 72

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_71

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34 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium 3.3 Steuersätze bei anderen Steuerarten als der Einkommensteuer Im Gegensatz zur Einkommensteuer (einschließlich der Zuschlagsteuern) weisen fast alle laufend veranlagten Steuerarten nach derzeit geltendem deutschen Recht (Stand Sommer 2009) einen linearen Tarifverlauf aus. Dies ist keinesfalls selbstverständlich. So hat bis zum Erhebungszeitraum 2007 die von gewerblichen Personenunternehmen zu entrichtende Gewerbesteuer einen nicht durchgängig linearen Verlauf gehabt28. Gleiches hat bis zum Veranlagungszeitraum 1976 für die von bestimmten kleinen Kapitalgesellschaften zu entrichtende Körperschaftsteuer gegolten29. Auch in anderen Ländern als der Bundesrepublik Deutschland gibt es nicht lineare Tarife außer bei der Einkommensteuer z. T. auch bei anderen laufend veranlagten Steuerarten. In den meisten Fällen handelt es sich dann um eine der deutschen Körperschaftsteuer vergleichbare Steuer (ausländische Körperschaftsteuer). Weist eine Steuerart einen durchgängig linearen Tarif aus, so ist die Ermittlung der Steuerschuld denkbar einfach: Sie ergibt sich aus dem Produkt aus der Bemessungsgrundlage und dem anzuwendenden Steuersatz. Gleiches gilt dann auch hinsichtlich der Ermittlung eines für eine konkrete steuerplanerische Frage relevanten Differenz- bzw. Grenzsteuersatzes. Dieser entspricht dann dem im Gesetz festgelegten Steuersatz. In den Fällen eines nicht durchgängig linearen Tarifs kann die Ermittlung des für steuerplanerische Zwecke anwendbaren Differenz- bzw. Grenzsteuersatzes aufwendig sein. Vielfach dürfte es aber vertretbar sein, ihn näherungsweise im Schätzwege zu ermitteln. Naheliegend ist es in diesem Zusammenhang, den relevanten Durchschnitts- bzw. Grenzsteuersatz in ähnlicher Weise zu schätzen wie dies in Gliederungspunkt 3.2 dargestellt worden ist. Unter den nicht laufend veranlagten, d. h. unter den auf Grund eines besonderen Ereignisses erhobenen Steuern, hat die Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer eine herausragende Bedeutung. Eine derartige Steuer wird weltweit in fast allen Ländern erhoben30. Soweit ersichtlich, weist sie überall einen progressiven Tarif auf. Dieser ist regelmäßig in ähnlicher Weise gestaffelt wie dies in der Bundesrepublik Deutschland in § 19 ErbStG der Fall ist. Da planerische Überlegungen im Hinblick auf die Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer regelmäßig nur in großen Zeitabständen vorgenommen werden müssen, fällt der Aufwand, der zur Ermittlung der relevanten Steuersätze alternativer Gestaltungsmaßnahmen betrieben werden muss, nicht ins Gewicht. Regelmäßig lässt sich der Steuersatz für jede Alternative unmittelbar dem einschlägigen Gesetz entnehmen. 28 Näheres hierzu s. bei Schneeloch, D., Steuerpolitik, 2002, S. 36 ff. 29 Näheres hierzu s. bei Burwitz, G., in: Herrmann, C./Heuer, G./Raupach, A., Kommentar, § 23 KStG, Anm. 2 ff.; Dötsch, E., in: Dötsch, E./Jost, W. F./Pung, A./Witt, E., Körperschaftsteuer, § 23 KStG, Tz. 1 ff. 30 Vgl. Mennel, A./Förster, J., Steuern, Allgemeiner Teil, Rn. 40. 3 Steuersätze im Rahmen der betrieblichen Steuerpolitik 35 3.4 Aufgabe 1 Ministerialrat Manske (M) steht vor der Frage, ob er das Angebot eines Fachverlages annehmen soll, in dessen Auftrag mehrere Wochenendseminare durchzuführen. Nimmt er das Angebot an, so erhöht sich das zu versteuernde Einkommen der Eheleute M im Veranlagungszeitraum um 10 T€ von 80 T€ auf voraussichtlich 90 T€. Beide Ehegatten sind evangelisch. Beide Ehegatten beabsichtigen, die Zusammenveranlagung zu beantragen. Vor einer Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung des Angebots will M den Durchschnitts-, den Differenz- und den Grenzsteuersatz, den eine Annahme bewirken würde, erfahren. Er beauftragt Sie, als seinen Steuerberater, mit der Ermittlung dieser Steuersätze. Außerdem will er wissen, welcher der drei Steuersätze sinnvollerweise für seine Entscheidung von Bedeutung sein sollte. Bei der Lösung soll von dem für das Jahr 2010 geltenden Tarif ausgegangen werden, und zwar nach dem Rechtsstand im Sommer 2009. Es wird ein 5,5 %iger Solidaritätszuschlag erhoben. 3.5 Einfache und kombinierte Ertragsteuersätze bei Abzug und Anrechnung von Steuern 3.5.1 Grundsätzliches Im Rahmen der Steuerplanung spielen die Ertragsteuern zweifellos eine herausragende Rolle. Diese können unverbunden nebeneinander stehen. Sie können aber auch durch Abzug von einer Bemessungsgrundlage oder durch Anrechnung auf eine Steuerschuld miteinander verbunden sein. Außerdem kann die Steuerschuld einer Steuerart von der Bemessungsgrundlage derselben Steuerart abzugsfähig sein. Letztlich kann die Steuerschuld einer Ertragsteuerart die Bemessungsgrundlage für eine andere Steuerart darstellen. In allen Fällen der Verbundenheit von zwei oder mehr Ertragsteuerarten miteinander ist es im Rahmen der Steuerplanung zweckmäßig, die Abhängigkeit voneinander formelmäßig darzustellen. So sind die Zusammenhänge besser durchschaubar als bei einer isolierten Berechnung der Steuerschulden der einzelnen Steuerarten. Die Abhängigkeiten können durch die Ermittlung kombinierter Ertragsteuersätze erfasst werden. Dies soll nachfolgend geschehen. Vorab soll der Fall behandelt werden, dass die Steuerschuld einer Steuerart von ihrer eigenen Bemessungsgrundlage abzugsfähig ist. Kombinierte Steuersätze sollen anschließend für folgende Fälle ermittelt werden: • Eine Ertragsteuer ist von ihrer eigenen Bemessungsgrundlage und von der einer anderen abzugsfähig. • Eine Ertragsteuer ist von der Bemessungsgrundlage einer anderen abzugsfähig. • Es findet eine Anrechnung oder teilweise Anrechnung einer Ertragsteuer auf die Steuerschuld einer anderen statt. • Eine Ertragsteuer stellt die Bemessungsgrundlage für eine andere dar.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.