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Lösungen zu Teil III in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 554 - 569

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_554

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Lösungen zu Teil III Zu Aufgabe 1 I. Grundsätzliches Die gesuchten Endwerte und Kapitalwerte können unter Zugrundelegung der in Teil III abgeleiteten Gleichungen (5) EV = ∑ t = 0 n (Ze t – Za t ) · q t n–t + R bzw. (6) K = ∑ t = 0 n (Ze t – Za t ) · q t – t + R · q t – n ermittelt werden. Dies gilt sowohl für die End- bzw. Kapitalwerte ohne, als auch für diejenigen mit Berücksichtigung der Steuern. Sie unterscheiden sich lediglich dadurch, dass • bei den Endwerten bzw. Kapitalwerten ohne Steuern die Besteuerung völlig vernachlässigt wird, • bei den entsprechenden Werten mit Steuern hingegen die durch die Realinvestition verursachten Steuern in den Auszahlungen (Za), die durch die alternative Finanzinvestition und die Supplementinvestitionen verursachten bzw. vermiedenen Steuern hingegen im Kalkulationszinsfuß berücksichtigt werden. Die alternative Finanzinvestition besteht hier in einem Abbau von Verbindlichkeiten. Nach dem Sachverhalt ist anzunehmen, dass die auf diese entfallenden Zinsen nach § 8 Nr. 1 GewSt zu 25 % dem Gewinn aus Gewerbebetrieb bei Ermittlung des Gewerbeertrags hinzuzurechnen sind. Hiervon wird nachfolgend ausgegangen. II. Endvermögens- und Kapitalwerte ohne Steuern 1. Vermögensendwerte ohne Steuern a) Standort A Am Standort A bestehen die Zahlungen zum Zeitpunkt t = 0 lediglich aus den Anschaffungsauszahlungen für die Einrichtung i. H. v. 3.000 T€. Ein Restwert ist nicht zu erwarten: R = 0. Die jährlichen Zahlungsüberschüsse für die einzelnen Jahre t1 bis t8 lassen sich direkt dem Aufgabentext entnehmen. Hierbei ist zu beachten, dass von den in der Aufgabenstellung genannten Zahlungsüberschüssen noch die Mietzahlungen i. H. v. jährlich 400 T€ abzuziehen sind. Der Kalkulationszinssatz ist der Bruttozinssatz der Verbindlichkeiten: i = 10 %. Durch Einsetzen der genannten Werte in Gleichung (5) ergibt sich für den Vermögensendwert bei Wahl des Standorts A ohne Berücksichtigung von Steuern (EVa/ost) Folgendes (Angaben in T€): EVa/ost = – 3.000 · 1,1 8 + 1.820 · 1,1 7 + 1.920 · 1,1 6 + 1.920 · 1,1 5 + 1.920 · 1,1 4 + 1.420 · 1,1 3 + 1.920 · 1,1 2 + 1.920 · 1,1 + 1.920, EVa/ost = 14.666. Der Endvermögenswert bei Wahl des Standorts A beträgt ohne Berücksichtigung von Steuern also 14.666 T€. Lösungen zu Teil III 519 b) Standort B Am Standort B bestehen die Zahlungen zum Zeitpunkt t = 0 nicht nur aus den Anschaffungsauszahlungen für die Einrichtung, sondern zusätzlich aus denjenigen für das Grundstück, insgesamt also aus (3.000 + 6.000 =) 9.000 T€. Im Gegensatz zum Standort A ist ein Restwert zu erwarten. Er beträgt 8.000 T€. Die jährlichen Zahlungsüberschüsse der Jahre t1 bis t8 können auch hier direkt dem Aufgabentext entnommen werden. Der Kalkulationszinssatz beträgt wie im Fall a) 10 %. Der Vermögensendwert bei Wahl des Standorts B ohne Berücksichtigung von Steuern EVb/ost beträgt (Angaben in T€): EVb/ost = – 9.000 · 1,1 8 + 2.200 · 1,1 7 + 2.300 · 1,1 6 + 2.300 · 1,1 5 + 2.300 · 1,1 4 + 1.800 · 1,1 3 + 2.300 · 1,1 2 + 2.300 · 1,1 + 2.300 + 8.000, EVb/ost = 14.150. Der Endvermögenswert am Standort B beträgt also ohne Berücksichtigung von Steuern 14.150 T€. Er ist damit niedriger als derjenige am Standort A. 2. Kapitalwerte ohne Steuern Die Kapitalwerte ohne Steuern beruhen auf denselben Größen wie die entsprechenden Vermögensendwerte ohne Steuern. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Zahlungen nicht auf das Ende des 8. Jahres auf-, sondern auf den Zeitpunkt t = 0 abgezinst werden. Der Kapitalwert ohne Steuern am Standort A (Ka/ost) beträgt demnach (Angaben in T€): Ka/ost = – 3.000 + 1.820 · 1,1 – 1 + 1.920 · 1,1 – 2 + 1.920 · 1,1 – 3 + 1.920 · 1,1 – 4 + 1.420 · 1,1 – 5 + 1.920 · 1,1 – 6 + 1.920 · 1,1 – 7 + 1.920 · 1,1 – 8 , Ka/ost = 6.842. Der Kapitalwert für den Standort B ohne Steuern (Kb/ost) beträgt entsprechend (Angaben in T€): Kb/ost = – 9.000 + 2.200 · 1,1 – 1 + 2.300 · 1,1 – 2 + 2.300 · 1,1 – 3 + 2.300 · 1,1 – 4 + 1.800 · 1,1 – 5 + 2.300 · 1,1 – 6 + 2.300 · 1,1 – 7 + 2.300 · 1,1 – 8 + 8.000 · 1,1 – 8 , Kb/ost = 6.601. 3. Vorteilsvergleich ohne Steuern Der Kapitalwert ohne Berücksichtigung von Steuern beträgt demnach bei Wahl des Standorts A 6.842 T€ und bei Wahl des Standorts B 6.601 T€. Beide Kapitalwerte sind demnach positiv, d. h., dass die beiden ihnen zugrundeliegenden Investitionen vorteilhafter sind als die Vornahme einer alternativen Finanzinvestition. Bei der Wahl zwischen den beiden Realinvestitionen ist ohne Berücksichtigung von Steuern die Investition am Standort A derjenigen am Standort B vorzuziehen. Dies ergibt sich daraus, dass Ka/ost > Kb/ost ist. Das gleiche Ergebnis ergibt sich auch bei einem Vergleich der Vermögensendwerte ohne Steuern. Für die ermittelten Werte gilt: EVa/ost > EVb/ost. 520 Teil V: Lösungen zu den Aufgaben III. Endvermögens- und Kapitalwerte unter Einbeziehung der Steuern 1. Von der Investitionsentscheidung unabhängige Größen a) Allgemeines Werden die Steuern in die Untersuchung einbezogen, so ist es sinnvoll, vorab die Größen zu ermitteln, die unabhängig davon sind, ob die Investitionsentscheidung zu Gunsten des Standorts A oder des Standorts B ausfällt. Hierbei handelt es sich um den Nettokalkulationszinsfuß (in/kap) und die AfA auf die Einrichtung. b) Nettozinssatz Aus dem Sachverhalt ergibt sich, dass in/kap durch einen Bruttozinssatz von 10 % und die folgenden Steuersätze bzw. Faktoren bestimmt wird: sk = (15 % · 1,055 =) 15,825 %, me = 3,5 %, h = 400 %, β = 0,25. Werden die genannten Werte in die in Teil I abgeleitete Gleichung (IV) in/kap = [1 – sk – me · h · (1 – β)] · ib eingesetzt, so ergibt sich in/kap = 7,368 %. Dieser Wert kann auch Spalte 5, Zeile 4 der im Anhang wiedergegebenen Tabelle T-9 entnommen werden. c) Einrichtung: Wertansätze und AfA Hinsichtlich der Einrichtung kann zwischen der linearen und der degressiven AfA gewählt werden. Da die GmbH ausschließlich linearen und im Zeitablauf gleichbleibenden Steuersätzen unterliegt, ist es nach den Untersuchungen in Teil II dieses Buches vorteilhaft, wenn sie eine Politik der maximalen Einkommensnachverlagerung betreibt. Dies bedeutet, dass es vorteilhaft ist, wenn die GmbH zunächst die geometrisch-degressive AfA mit ihrem Höchstsatz von 25 % wählt (§ 7 Abs. 2 EStG in der für 2009 geltenden Fassung) und erst dann zur linear-gleichbleibenden AfA übergeht, wenn diese höher wird als die geometrisch-degressive. Hiervon wird in der nachfolgenden Kontenentwicklung in Staffelform ausgegangen. Lösungen zu Teil III 521 Kontoentwicklung in T€ Steuerbilanzwerte in T€ Anschaffungskosten in t 0 3.000 3.000 AfA in t 1 – 750 31.12. t 1 2.250 2.250 AfA in t 2 – 563 31.12. t 2 1.687 1.687 AfA in t 3 – 422 31.12. t 3 1.265 1.265 AfA in t 4 – 316 31.12. t 4 949 949 AfA in t 5 – 237 31.12 t 5 712 712 AfA in t 6 – 237 31.12. t 6 475 475 AfA in t 7 – 238 31.12. t 7 237 237 AfA in t 8 – 237 31.12. t 8 0 0 2. Standort A a) Steuerfolgen Die in den Auszahlungen (Za) enthaltenen Ertragsteuerzahlungen können wie folgt ermittelt werden (Angaben in T€): t 1 t 2 t 3 t 4 t 5 t 6 t 7 t 8 Vorläufiger Gewinn 2.220 2.320 2.320 2.320 1.820 2.320 2.320 2.320 AfA Einrichtung – 750 – 563 – 422 – 316 – 237 – 237 – 238 – 237 Miete – 400 – 400 – 400 – 400 – 400 – 400 – 400 – 400 E i. S. v. Gleichung (II) 1.070 1.357 1.498 1.604 1.183 1.683 1.682 1.683 Ertragsteuern bei kombiniertem Steuersatz von 29,825 % 319 405 447 478 353 502 502 502 Der kombinierte Steuersatz von 29,825 % kann aus Gleichung (II) durch Einsetzen der Werte sk = (0,15 · 1,055 =) 0,15825 und sge = (0,035 · 4 =) 0,14 ermittelt werden, er kann aber auch der im Anhang befindlichen Tabelle T-8 entnommen werden. Er ist dort in der Spalte 4, Zeile 1 verzeichnet. 522 Teil V: Lösungen zu den Aufgaben b) Ermittlung von Ze – Za (Angaben in T€): t 1 t 2 t 3 t 4 t 5 t 6 t 7 t 8 Vorläufiger Überschuss 2.220 2.320 2.320 2.320 1.820 2.320 2.320 2.320 Miete – 400 – 400 – 400 – 400 – 400 – 400 – 400 – 400 Ertragsteuern – 319 – 405 – 447 – 478 – 353 – 502 – 502 – 502 Ze – Za 1.501 1.515 1.473 1.442 1.067 1.418 1.418 1.418 c) Vermögensend- und Kapitalwert unter Berücksichtigung der Steuern Nunmehr kann durch Einsetzen der ermittelten Werte für Ze – Za und in/kap in Gleichung (5) des Teils III der Vermögensendwert bei Wahl des Standorts A unter Berücksichtigung der Steuern (EVa/mst) wie folgt ermittelt werden (Angaben in T€): EVa/mst = – 3.000 · 1,07368 8 + 1.501 · 1,07368 7 + 1.515 · 1,07368 6 + 1.473 · 1,07368 5 + 1.442 · 1,07368 4 + 1.067 · 1,07368 3 + 1.418 · 1,07368 2 + 1.418 · 1,07368 + 1.418, EVa/mst = 9.406. Der Kapitalwert bei Wahl des Standorts A unter Berücksichtigung der Steuern (Ka/mst) ergibt sich entsprechend wie folgt: Ka/mst = – 3.000 + 1.501 · 1,07368 – 1 + 1.515 · 1,07368 – 2 + 1.473 · 1,07368 – 3 + 1.442 · 1,07368 – 4 + 1.067 · 1,07368 – 5 + 1.418 · 1,07368 – 6 + 1.418 · 1,07368 – 7 + 1.418 · 1,07368 – 8 , Ka/mst = 5.326. 3. Standort B a) Steuerfolgen Die in den Auszahlungen (Za) enthaltenen Ertragsteuerzahlungen können wie folgt ermittelt werden (Angaben in T€): t 1 t 2 t 3 t 4 t 5 t 6 t 7 t 8 Vorläufiger Gewinn 2.200 2.300 2.300 2.300 1.800 2.300 2.300 2.300 AfA Einrichtung – 750 – 563 – 422 – 316 – 237 – 237 – 238 – 237 AfA Gebäude – 120 – 120 – 120 – 120 – 120 – 120 – 120 – 120 E i. S. v. Gleichung (II) 1.330 1.617 1.758 1.864 1.443 1.943 1.942 1.943 Ertragsteuern bei Steuersatz von 29,825 % 397 482 524 556 430 579 579 579 Lösungen zu Teil III 523 Die AfA auf das Gebäude ergibt sich durch Anwendung eines 3 %igen AfA-Satzes auf die Anschaffungskosten des Gebäudes von 4000 T€. Mietzahlungen fallen im Gegensatz zum Standort A nicht an. Die stattdessen zu entrichtenden Zinsen auf die durch die Investition erhöhten Verbindlichkeiten werden nicht in den Auszahlungen, sondern in den Zinsfolgen der Investition erfasst. Für die Investition der Einrichtung gilt dies bereits beim Standort A. Bei dem hier zu behandelnden Standort B erhöhen sich die Investitionsauszahlungen um 6000 T€ Anschaffungskosten des Grundstücks. Entsprechend erhöhen sich die Verbindlichkeiten. Zusätzlich zu den soeben ermittelten Ertragsteuern sind die Grundsteuer und deren ertragsteuerliche Folgewirkungen zu berücksichtigen. Bemessungsgrundlage dieser Steuerwirkungen ist der Einheitswert des Betriebsgrundstücks, d. h. Ewbgr i. S. d. in Teil I abgeleiteten Gleichung (II) bzw. (IIa). Lt. Sachverhalt beträgt der Einheitswert 500 T€. Der mit Ewbgr nach Gleichung (II) verknüpfte kombinierte Steuersatz enthält die Steuersätze sk, sge und sgr sowie die Kürzung nach § 9 Nr. 1 GewStG γ. Bereits weiter oben ermittelt worden sind sk = 0,15825 und sge = 0,14. Der Grundsteuersatz sgr ergibt sich aus dem Produkt aus der Steuermesszahl und dem Hebesatz. Die Steuermesszahl beträgt nach § 15 Abs. 1 GrStG 0,0035, der Hebesatz lt. Sachverhalt 4. Damit ergibt sich ein Grundsteuersatz von sgr = (0,0035 · 4 =) 0,014. Der Kürzungsfaktor beträgt nach § 9 Nr. 1 GewStG i. V. m. § 121a BewG γ = (0,012 · 1,4 =) 0,0168. Durch Einsetzen der genannten Werte in Gleichung (II) ergibt sich eine Steuerbelastung von 500 T€ · [(1 – 0,15825) · 0,014 – (0,0168 + 0,014) · 0,035 · 4] = 3,736 T€. Es ergibt sich also eine kombinierte Steuerbelastung von 3,736 T€. Diese wird nachfolgend auf 4 T€ aufgerundet. Angemerkt sei, dass der mit Ewbgr verknüpfte kombinierte Steuersatz auch der im Anhang wiedergegebenen Tabelle T-8 entnommen werden kann. Der hier relevante kombinierte Steuersatz befindet sich in Spalte 4, Zeile 4 dieser Tabelle. Er ist dort als aufgerundeter Wert mit 0,747 % angegeben. b) Ermittlung von Ze – Za (Angaben in T€): t 1 t 2 t 3 t 4 t 5 t 6 t 7 t 8 Vorläufiger Überschuss 2.200 2.300 2.300 2.300 1.800 2.300 2.300 2.300 Ertragsteuern – 397 – 482 – 524 – 556 – 430 – 579 – 579 – 579 Substanzsteuern – 4 – 4 – 4 – 4 – 4 – 4 – 4 – 4 Ze – Za 1.799 1.814 1.772 1.740 1.366 1.717 1.717 1.717 c) Vermögensend- und Kapitalwert unter Berücksichtigung der Steuern Nunmehr kann durch Einsetzen der ermittelten Werte in Gleichung (5) des Teils III der Vermögensendwert bei Wahl des Standorts B unter Berücksichtigung von Steuern (EVb/mst) wie folgt ermittelt werden (Angaben in T€): EVb/mst = – 9.000 · 1,07368 8 + 1.799 · 1,07368 7 + 1.814 · 1,07368 6 + 1.772 · 1,07368 5 + 1.740 · 1,07368 4 + 1.366 · 1,07368 3 + 1.717 · 1,07368 2 + 1.717 · 1,07368 + 1.717 + 8.000, EVb/mst = 9.915. 524 Teil V: Lösungen zu den Aufgaben Der entsprechende Kapitalwert (Kb/mst) ergibt sich wie folgt (Angaben in T€): Kb/mst = – 9.000 + 1.799 · 1,07368 – 1 + 1.814 · 1,07368 – 2 + 1.772 · 1,07368 – 3 + 1.740 · 1,07368 – 4 + 1.366 · 1,07368 – 5 + 1.717 · 1,07368 – 6 + 1.717 · 1,07368 – 7 + 1.717 · 1,07368 – 8 + 8.000 · 1,07368 – 8 , Kb/mst = 5.614. IV. Vorteilhaftigkeit und Rangfolge der Investitionen Beide Realinvestitionen sind sowohl ohne als auch mit Steuern vorteilhafter als die alternative Finanzinvestition. Dies ergibt sich daraus, dass sämtliche ermittelten Kapitalwerte positiv sind. Ohne Berücksichtigung von Steuern gilt (Angaben in T€): EVa/ost = 14.666 Ka/ost = 6.842 EVb/ost = 14.150 Kb/ost = 6.601, d. h. sowohl der Vermögensendwert als auch der Kapitalwert ist bei Wahl des Standorts A größer als bei Wahl des Standorts B. Unter Berücksichtigung von Steuern gilt (Angaben in T€): EVa/mst = 9.406 Ka/mst = 5.326 EVb/mst = 9.915 Kb/mst = 5.614, d. h. sowohl der Vermögensendwert als auch der Kapitalwert ist bei Wahl des Standorts B vorteilhafter als bei Wahl des Standorts A. Vergleicht man die Ergebnisse vor und nach Steuern, so stellt man fest, dass sich die Rangfolge der Vorteilhaftigkeit ändert: Ohne Steuern ist Standort A vorteilhafter als B, unter Berücksichtigung der Steuern ist Standort B vorteilhafter als Standort A. Zu Aufgabe 2 1. Ermittlung der jährlichen Zahlungsdifferenzen bei einer Emission zu pari Da die P-AG den Standardsteuersätzen der Gewerbe- und Körperschaftsteuer unterliegt, braucht bei Ermittlung der Jahressteuerdifferenz nicht von den in Teil III abgeleiteten Gleichungen (IX) bzw. (IXa), vielmehr kann von Gleichung (38) ausgegangen werden. Sie lautet: (38) Se – Sf = 0,26325 · Zi. In dieser Gleichung ist bereits berücksichtigt, dass die Zinsen nach § 8 Nr. 1 GewStG zu 25 % dem Gewinn aus Gewerbebetrieb zur Ermittlung des Gewerbeertrags hinzuzurechnen sind. Hiervon kann bei der offensichtlichen Größe der Gesellschaft (Errichtung eines Zweigwerks mit einem Finanzierungsvolumen von 100 Mio €) ohne nähere Prüfung ausgegangen werden. Die Zinsen sind das Produkt aus dem Nominalkapital von 100 Mio € und dem Zinssatz von 6 %. Sie betragen also (100 Mio € · 6 % =) 6 Mio €. Durch Einset- Lösungen zu Teil III 525 zen dieses Wertes in Gleichung (38) ergibt sich eine jährliche Steuermehrbelastung der Aktien- im Vergleich zur Obligationenfinanzierung i. H. v. Se – Sf = 0,26325 · 6.000.000 €, Se – Sf = 1.579.500 €. Die steuerliche Mehrbelastung der Eigenfinanzierung im Vergleich zur Fremdfinanzierung beträgt also 1.579.500 € jährlich. Die gesamten jährlichen Zahlungsdifferenzen setzen sich aus der soeben ermittelten Steuerdifferenz und aus der Differenz der Dividenden und Zinsen zusammen. Bei einer Aktienemission zu pari muss die P-AG zur Beschaffung von 100 Mio € liquider Mittel 20 Mio 5 €-Aktien ausgeben. Bei einer Dividende von 1 € je Aktie ergibt sich im Falle einer Aktienemission eine zusätzliche Ausschüttung von jährlich 20 Mio € (A = 20 Mio €). Die jährlichen Zinsen im Falle der Ausgabe von Industrieobligationen sind bereits mit 6 Mio € ermittelt worden. Insgesamt ergibt sich bei einem Vergleich der beiden Finanzierungsarten eine jährliche „Kostendifferenz“ in folgender Höhe: A – Zi + (Se – Sf) = 20.000.000 € – 6.000.000 € + 1.579.500 €. Hieraus ergibt sich eine Höherbelastung bei Aktienemission im Vergleich zur Ausgabe einer Industrieanleihe in Höhe von 15.579.500 €. 2. Gleich hohe Kostenbelastung Da der Dividendensatz und die Zinshöhe vorgegeben sind, kann eine gleiche Kostenbelastung der Finanzierungsalternativen nur über die Festlegung des Emissionskurses der Aktien erreicht werden. Da die Standardsteuersätze anwendbar sind und die Zinsen nach § 8 Nr. 1 GewStG zu 25 % dem Gewerbeertrag hinzuzurechnen sind, kann auf die in Teil III abgeleitete Gleichung (68a) zurückgegriffen werden. Sie lautet: (68a) u = 1,3573 · a i . Der Dividendensatz ist durch Gleichung (62) definiert. Diese lautet: (62) A = Kn/e · a. Nach a aufgelöst ergibt sich hieraus a = A Kn/e . Lt. Aufgabenstellung beträgt der Nennwert einer Aktie 5 € (Kn/e = 5 €). Die für erforderlich gehaltene Ausschüttung je Aktie beträgt 1 € (A = 1 €). Hieraus ergibt sich ein Ausschüttungssatz von a = 1 5 = 0,2. Der Zinssatz i ist im Aufgabentext mit 6 % (i = 0,06) angegeben. 526 Teil V: Lösungen zu den Aufgaben Durch Einsetzen der genannten Werte von a und i in Gleichung (68a) ergibt sich der erforderliche Emissionskurs u mit u = 1,3573 · 0,2 0,06 bzw. u = 4,524. Der erforderliche Emissionskurs u, d. h. der Emissionskurs, der mindestens erzielt werden muss, damit die Aktienemission nicht zu höheren „Kosten“ führt als die Ausgabe einer Industrieanleihe, beträgt also rd. 452,4 %. Bei dem gegebenen Sachverhalt ist es unrealistisch, einen Emissionskurs in dieser Höhe durchsetzen zu wollen, da der Börsenkurs lediglich (15,30 € : 5 € =) 306 % beträgt. Eine Aktienfinanzierung, die ebenso vorteilhaft ist wie eine Obligationenfinanzierung, ist demnach nicht erreichbar. Zu Aufgabe 3 In Teil III des Buches sind unter Gliederungspunkt 3.4.3.1 drei unterschiedliche Bezugsgrößen herausgearbeitet worden, die für einen Vorteilsvergleich zwischen einer Eigenfinanzierung und einer Gesellschafterfremdfinanzierung einer personenbezogenen Kapitalgesellschaft in Betracht kommen. Dort ist in den weiteren Analysen von einem gleich gro- ßen Bruttobetrag B ausgegangen worden, der von der Kapitalgesellschaft für Ausschüttungen bzw. Zinszahlungen sowie für auf B entfallende Steuerbelastungen zur Verfügung gestellt wird. Von einem gleich großen Bruttobetrag B geht auch der Gesellschafter G aus. Dieser Betrag beläuft sich hier auf 0,8 Mio €. Dies hat zur Konsequenz, dass zur Lösung dieser Aufgabe auf die in Teil III, Gliederungspunkt 3.4.3 abgeleiteten Belastungsgleichungen zurückgegriffen werden kann. Hierbei kann Gleichung (90) angewendet werden. Diese beinhaltet unter der hier genannten Prämisse die Belastungsdifferenz zwischen der Eigen- und der Gesellschafterfremdfinanzierung. Sie beinhaltet ferner, dass der sich aus § 20 Abs. 9 EStG ergebende Sparer-Pauschbetrag in den Vergleichsfällen jeweils bereits verbraucht ist. Auch diese Prämisse ist lt. Sachverhalt hier erfüllt. Gleichung (90) lautet: Skap+ges/a–zi = (sk + sge) · B + se/a · (1 – sk – sge) · B – β · sge + se/zi · (1 – sk – sge) 1 – sk – sge + β · sge · B. Bei einem Körperschaftsteuersatz von 15 % (skö = 0,15) und einem Solidaritätszuschlagsatz von 5,5 % (solz = 0,055) ergibt sich für sk ein Wert von (0,15 · 1,055 =) 15,825 % (sk = 0,15825). Der Gewerbesteuersatz sge ergibt sich als das Produkt aus der Steuermesszahl von 3,5 % und dem Hebesatz von 480 %. Er beträgt (0,035 · 4,8 =) 16,8 % (sge = 0,168). Der Faktor der Hinzurechnung von Dauerschuldzinsen β beträgt 25 % (β = 0,25). Wie bereits ausgeführt, beträgt der in den Vergleichsfällen gemeinsame Bruttobetrag 800.000 € (B = 800.000). Bei se/a i. S. d. Gleichung (90) handelt es sich um den Abgeltungsteuersatz gem. § 32d Abs. 1 EStG. Er beträgt 25 % (sei/a = 0,25) Einkommensteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag (solz = 0,055). Er beinhaltet außerdem einen 9 %igen Kirchensteuersatz (ski = 0,09). Der kombinierte Einkommensteuer-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz kann aus der in Teil I abgeleiteten Gleichung (13) ermittelt werden. Er beträgt 27,995 % (se/a = 0,27995). Lösungen zu Teil III 527 Der auf die Zinsen anzuwendende Einkommensteuersatz ergibt sich aus § 32d Abs. 2 i. V. m. § 32a EStG. Da sich das zu versteuernde Einkommen der Eheleute im oberen Plafond bewegt, beträgt der Einkommensteuersatz 45 % (sei/zi = 0,45). Außerdem kommen auch hier ein 5,5 %iger Solidaritätszuschlagsatz (solz = 0,055) sowie ein 9 %iger Kirchensteuersatz (ski = 0,09) zur Anwendung. Der kombinierte Einkommensteuer-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz lässt sich wiederum aus der in Teil I abgeleiteten Gleichung (13) ermitteln. Er beträgt 49,519 % (se/zi = 0,49519). Dieser Wert ergibt sich auch aus Spalte 9, Zeile 2 der im Anhang enthaltenen Tabelle T-7. Durch Einsetzen der ermittelten Werte in Gleichung (90) ergibt sich folgende Differenzbelastung: Skap+ges/a–zi = (0,15825 + 0,168) · 800.000 + 0,27995 · (1 – 0,15825 – 0,168) · 800.000 – 0,25 · 0,168 + 0,49519 · (1 – 0,15825 – 0,168) 1 – 0,15825 – 0,168 + 0,25 · 0,168 · 800.000, Skap+ges/a–zi = 261.000 + 150.893 – 419.850 bzw. Skap+ges/a–zi = – 7.957. Die Gesellschafterfremdfinanzierung ist somit um jährlich rd. 8 T€ nachteiliger als die Eigenfinanzierung. Der - auf den ersten Blick - verblüffende Nachteil der Gesellschafterfremdfinanzierung im Vergleich zur Eigenfinanzierung hat zwei Ursachen und zwar: • die Annahme, dass bei der Gesellschafterfremdfinanzierung der höchstmögliche Einkommensteuersatz von 45 % (sei/zi = 0,45) zur Anwendung kommt, • der Umstand, dass die Eheleute der Kirchensteuer unterliegen und diese bei der Gesellschafterfremdfinanzierung - infolge des höheren Einkommensteuersatzes erheblich höher ist als bei der Eigenfinanzierung. Zu Aufgabe 4 Nach dem Sachverhalt soll über das Kapital von 100.000 €, das der Gesellschaft Ende des Jahres 1 belassen bzw. durch das Schütt-aus-Hol-zurück-Verfahren (SAHZ) zur Verfügung gestellt werden soll, bis Ende des Jahres 9 verfügt werden. Es ist deshalb sinnvoll, den 31.12.9 als das Ende des Planungszeitraums festzulegen. Der Planungszeitraum umfasst demnach die Jahre 1 bis 9. Unabhängig davon, ob die X-GmbH den zu betrachtenden Gewinn thesauriert oder das SAHZ-Verfahren in einer seiner beiden Varianten anwendet, wird der Gewinn im Jahre 1 mit Gewerbe- und Körperschaftsteuer belastet, und zwar in den Vergleichsfällen in gleicher Höhe. In allen Vergleichsfällen handelt es sich bei dem Gewinn von 100.000 € um E i. S. d. in Teil I abgeleiteten Gleichung (II) bzw. (IIa). Hierbei sind folgende Steuersätze zu berücksichtigen: sk = (0,15 · 1,055 =) 15,825 %, sge = (0,035 · 4 =) 14 %. Damit wird der Gewinn von 100.000 € in allen Vergleichsfällen mit (100.000 · 0,29825 =) 29.825 € Steuern belastet. Bei Anwendung des SAHZ-Verfahrens entsteht grundsätzlich Abgeltungsteuer i. S. d. § 32d Abs. 1 EStG. Eine definitive Steuerbelastung kann aber dadurch vermieden werden, dass die Eheleute G nach § 32d Abs. 6 EStG eine Einbeziehung der Ausschüttung in die Veranlagung für das Jahr 1 beantragen. Im Ergebnis entsteht dann keine Einkommensteuer. Da die Eheleute bei Anwendung des SAHZ-Verfahrens Transaktionskosten vermeiden können, ist die Gesamtbelastung im Jahr 1 bei Anwendung dieses Verfahrens 528 Teil V: Lösungen zu den Aufgaben mit 29.825 € genauso hoch wie bei einer Thesaurierung. Dies gilt unabhängig davon, ob bei Anwendung des SAHZ-Verfahrens die Rückholung der Mittel in der Form von Eigenoder von Fremdkapital erfolgt. Im Falle einer Rückholung der ausgeschütteten Mittel in der Form von Eigenkapital ergeben sich auch während der Jahre 2 bis 9 keine Unterschiede zwischen dem SAHZ-Verfahren und der Thesaurierung: Der investierte Betrag führt in den Vergleichsfällen im Zeitablauf zu den gleichen steuerlichen Gewinnen; diese werden in gleicher Weise besteuert. Damit kann festgestellt werden, dass sich bei Anwendung des SAHZ-Verfahrens in der Form der Rückholung der ausgeschütteten Mittel keine Unterschiede gegenüber dem Fall der Thesaurierung ergeben. Die Alternativen sind somit gleich vorteilhaft. Anders verhält es sich hingegen für den Vergleich einer Anwendung des SAHZ-Verfahrens in der Form einer Rückholung der Mittel als Gesellschafterdarlehen. Hier ergeben sich im Falle der Gesellschafterfremdfinanzierung Zinsaufwendungen, die bei einer Thesaurierung nicht entstehen können. Diese betragen lt. Sachverhalt 6.000 € p. a. Im Falle einer Thesaurierung hingegen handelt es sich bei den 6.000 € um steuerlichen Gewinn der X-GmbH, der ausgeschüttet wird und bei G zu Einkünften aus Kapitalvermögen i. S. d. § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG führt. Diese unterliegen dem Abgeltungsteuersatz nach § 32d Abs. 1 EStG, der einschließlich der Kapitalertragsteuer (25 % · 1,055 =) 26,375 % beträgt. Die Zinsen im alternativen Fall der Gesellschafterfremdfinanzierung hingegen unterliegen nach § 32d Abs. 2 EStG dem Tarif des § 32a EStG und damit hier annahmegemäß einem Einkommensteuersatz von 42 % plus Solidaritätszuschlagsatz, insgesamt also einem Steuersatz von (42 % · 1,055 =) 44,31 %. Die jährliche steuerliche Differenzbelastung kann unmittelbar durch Einsetzen der sich aus dem Sachverhalt ergebenden konkreten Werte in die in Teil III abgeleitete Gleichung (90) ermittelt werden. Diese lauten: sk = (15 % · 1,055 =) 0,15825, sge = (3,5 % · 400 % =) 0,14, se/a = (25 % · 1,055 =) 0,26375, se/zi = (42 % · 1,055 =) 0,4431, B = 6.000, β = 0. Durch Einsetzen der genannten Werte in Gleichung (90) ergibt sich: Skap+ges/a–zi = (0,15825 + 0,14) · 6.000 + 0,26375 · (1 – 0,15825 – 0,14) · 6.000 – 0,4431 · (1 – 0,15825 – 0,14) 1 – 0,15825 – 0,14 · 6.000, Skap+ges/a–zi = (0,29825 + 0,1850865 – 0,4431) · 6.000, Skap+ges/a–zi = 241. Das SAHZ-Verfahren in der Variante der Rückholung der Mittel in der Form eines Gesellschafterdarlehens ist somit um 241 € p. a. vorteilhafter als die Alternativen. Lösungen zu Teil III 529 Zu Aufgabe 5 I. Grundsätzliches Durch die Entscheidung zwischen Kauf und Leasing werden im konkreten Fall lediglich die Auszahlungen, nicht hingegen die Einzahlungen berührt. Die Entscheidung, den PKW entweder durch Kauf oder durch Leasing zu beschaffen, ist hingegen nach dem Sachverhalt bereits gefallen. Damit ist es ausreichend, die Auszahlungsendwerte bzw. die Auszahlungsbarwerte der Alternativen miteinander zu vergleichen. Hierbei sind die sich aus dem Sachverhalt ergebenden bzw. aus diesem ableitbaren Auszahlungen zu berücksichtigen. Nachfolgend sollen die Auszahlungsbarwerte ermittelt und miteinander verglichen werden. Eine Auszahlung im Fall des Kaufs stellt die Anschaffungsauszahlung zum 1.1.1 dar. Diese führt über steuerliche Abschreibungen in der Folgezeit zu einer Verringerung der Steuerzahlungen. Die geplante Veräußerung des PKW zum 30.6. des Jahres 4 hingegen lässt einen Veräußerungsgewinn und damit zusätzliche Steuerzahlungen erwarten. Im Falle des Leasing stellen die Leasingraten Auszahlungen dar. Zugleich führen sie zu abzugsfähigen Betriebsausgaben und damit zu Minderungen der Steuerzahlungen. Probleme bereitet die Festlegung der Zahlungstermine. Sollen unterjährige Verzinsungen nicht berücksichtigt werden, so erscheinen folgende Annahmen vertretbar: • Die Leasingraten eines Jahres fallen alle zum 1.7. des Jahres an; • die Steuerzahlungen eines Jahres fallen infolge von Anpassungen der Vorauszahlungen im Durchschnitt ebenfalls zum 1.7. dieses Jahres an. Hiervon soll nachfolgend ausgegangen werden. Aus dem Rahmen fällt die Anschaffungsauszahlung im Falle eines Kaufs des PKW. Diese erfolgt voraussichtlich im Januar des Jahres 1. Soll auch hinsichtlich dieser Auszahlung eine unterjährige Zinseszinsberechnung vermieden werden, so erscheint es vertretbar, die Zinswirkung dieser Auszahlung von Anfang Januar bis zum 30. Juni des Jahres 1 dadurch näherungsweise zu ermitteln, dass die Auszahlung mit dem halben Nettozinssatz eines Jahres aufgezinst wird. Die Abweichung von dem exakten Ergebnis mit Hilfe einer unterjährigen Verzinsung dürfte vernachlässigbar gering sein. Nachfolgend wird von dieser Vereinfachung Gebrauch gemacht. II. Steuerfolgen 1. Abgrenzung der Steuerfolgen Die Erträge des V, die dieser aus seiner Tätigkeit erzielt, sind unabhängig von der Entscheidung zwischen Kauf und Leasing. Zur Ermittlung der unterschiedlichen Ertragsteuerfolgen werden hier deshalb lediglich die Betriebsausgaben berücksichtigt. Der kombinierte Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz kann aus der in Teil I abgeleiteten Gleichung (13) errechnet werden. Er beträgt: (13) se = sei · (1 + solz + ski) 1 + ski · sei . Durch Einsetzen von sei = 0,42, solz = 0,055 und ski = 0,09 ergibt sich ein kombinierter Einkommen- und Kirchensteuersatz se von: 0,42 · (1 + 0,055 + 0,09) 1 + 0,09 · 0,42 = 0,463384. Als Versicherungsmakler übt V einen Gewerbebetrieb i. S. d. Gewerbesteuergesetzes aus. Sein Gewinn ist daher gewerbesteuerpflichtig. Die ertragsteuerlichen Folgen der 530 Teil V: Lösungen zu den Aufgaben Betriebseinnahmen und -ausgaben können mit der Teilbemessungsgrundlage E erfasst werden. Der kombinierte Steuersatz für die Teilbemessungsgrundlage E kann anhand des Terms von Gleichung (Ia) ermittelt werden, der mit E multiplikativ verknüpft ist. Er lautet: se + me · h – me · α · (1 + solz). Werden die Werte se = 0,463384, me = 0,035, h = 4,15 und α = 3,8 eingesetzt, so ergibt sich ein kombinierter Steuersatz von: 0,463384 + 0,035 · 4,15 – 0,035 · 3,8 · (1 + 0,055) = 0,468319. Mehrwertsteuer wird nicht berücksichtigt, da V ausschließlich umsatzsteuerfreie Leistungen nach § 4 Nr. 11 UStG erbringt und er gem. § 15 Abs. 2 i. V. m. § 4 Nr. 11 UStG nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. 2. Steuerfolgen bei Kauf Die Anschaffungskosten des PKW betragen 18.100 €. Da V gem. § 15 Abs. 2 i. V. m. § 9 Abs. 1 i. V. m. § 4 Nr. 11 UStG nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist, enthält dieser Betrag nach § 9b Abs. 1 EStG die Mehrwertsteuer i. H. v. 2.889,92 €. Mit diesem Betrag ist der PKW zum 1.1.1 zu aktivieren. Da V in allen Jahren des Planungszeitraums mit Einkommen im unteren Plafond rechnet, ist eine Steuerpolitik maximaler Aufwandsvorverlagerung vorteilhaft. V muss deshalb versuchen, die steuerlichen Abschreibungen auf den PKW nach Möglichkeit vorzuziehen. Eine Sonderabschreibung gem. § 7g EStG kommt nach der Aufgabenstellung nicht in Betracht. V kann daher lediglich zwischen der linearen AfA nach § 7 Abs. 1 EStG und der degressiven AfA nach § 7 Abs. 2 EStG wählen. Da eine AfA nach § 7 Abs. 2 EStG im ersten Jahr zu einer höheren Aufwandsverrechnung führt und somit vorteilhafter ist als eine AfA nach § 7 Abs. 1 EStG, wird von der gesetzlich höchstzulässigen degressiven AfA nach § 7 Abs. 2 EStG i. H. v. 25 % p. a. ausgegangen. Da es sich bei einem PKW um ein bewegliches Wirtschaftsgut handelt und V den Wagen zum 1.1.1 anschaffen will, kommt im Jahr 1 eine AfA für 12 Monate zum Abzug. Bereits im Jahr 2 entspricht die lineare AfA nach § 7 Abs. 1 EStG mit 3.394 € der degressiven nach § 7 Abs. 2 EStG. Ab dem Jahre 3 ist die lineare AfA vorteilhafter als die degressive. In der nachfolgenden Aufstellung ist die Kontenentwicklung des PKW dargestellt. Hierbei ist die soeben beschriebene vorteilhafteste Verteilung der steuerlichen Abschreibungen auf die einzelnen Jahre berücksichtigt. Entsprechend der Aufgabenstellung wird von einer steuerlichen Nutzungsdauer von 5 Jahren ausgegangen. Kontenentwicklung in Staffelform € Anschaffungskosten zum 1.1.1 18.100 ./. AfA nach § 7 Abs. 2 EStG im Jahr 1 – 4.525 = Buchwert zum 31.12.1 13.575 ./. AfA nach § 7 Abs. 2 EStG im Jahr 2 – 3.394 = Buchwert zum 31.12.2 10.181 ./. AfA nach § 7 Abs. 1 EStG im Jahr 3 – 3.394 = Buchwert zum 31.12.3 6.787 ./. AfA nach § 7 Abs. 1 EStG im Jahr 4 – 1.697 = Buchwert zum 30.6.4 5.090 Lösungen zu Teil III 531 Bei einer Weiterveräußerung des PKW Anfang Juli des Jahres 4 entsteht ein Gewinn in Höhe der Differenz zwischen dem voraussichtlichen Veräußerungspreis von 8.688 € und dem Buchwert von 5.090 €. Er beträgt also (8.688 – 5.090 =) 3.598 €. Insgesamt ergeben sich für die Jahre 1 bis 4 die nachfolgend aufgeführten Steuerfolgen (in €): Jahr 1 2 3 4 Veränderung von E i. S. v. Gl. (Ia) – 4.525 – 3.394 – 3.394 – 1.697 + 3.598 + 1.901 Steuerdifferenzen bei einem kombinierten Steuersatz von 46,832 % + 2.119 + 1.589 + 1.589 – 890 3. Steuerfolgen bei Leasing Steuerfolgen werden im Fall des Leasing lediglich durch den Abzug der Leasingraten als Betriebsausgaben hervorgerufen. Nach Beendigung der Leasingdauer entsteht kein Ver- äußerungsgewinn. Die Steuerfolgen (in €) im Falle des Leasing ergeben sich wie folgt: Jahr 1 2 3 4 Veränderung von E durch Abzug der Leasingraten – 4.344 – 4.344 – 4.344 – 2.172 Steuerdifferenzen bei einem kombinierten Steuersatz von 46,832 % + 2.034 + 2.034 + 2.034 + 1.017 III. Nettozinssatz und Diskontierungsfaktor Mit dem Diskontierungsfaktor werden sämtliche Folgen der Supplementinvestitionen abgefangen. Hierzu gehören auch die Folgen der Finanzierung des Kaufpreises im Falle eines Kaufs des PKW zum 1.1.1. Zur Ermittlung des Diskontierungsfaktors ist die Kenntnis des Nettozinssatzes der Supplementinvestitionen erforderlich. Dieser ergibt sich aus dem Bruttozinssatz von 4,5 % p. a. nach Abzug der auf die Zinsen anfallenden Steuern. Der Nettozinssatz kann aus der in Teil I abgeleiteten Gleichung (V) ermittelt werden, indem dort folgende Werte berücksichtigt werden: se = 0,463384, me = 0,035, h = 4,15, α = 3,8 und β = 0. Es ergibt sich Folgendes: (V) in/persu = {1 – se§32a – me · [h · (1 – β) – α · (1 + solz) · (1 – β)]} · ib. Durch Einsetzen aller genannten Werte in Gleichung (V) ergibt sich: in/persu = [1 – 0,463384 – 0,035 · (4,15 – 3,8 · 1,055)] · 4,5 %, in/persu = 2,393 %. Der Faktor q beträgt somit in jeder Periode 1,02393. Er wird nachfolgend auf 1,024 aufgerundet. 532 Teil V: Lösungen zu den Aufgaben IV. Vergleich der Auszahlungsbarwerte miteinander Wie bereits unter I ausgeführt, wird der 30.6. des Jahres 1 als der Zeitpunkt t = 0 definiert. Die 30.6. der folgenden Jahre sind dann entsprechend die Zeitpunkte t = 1 usw. Der Auszahlungsbarwert bei Kauf (Bar/kauf) ergibt sich aus der Anfangsauszahlung von 18.100 €, aufgezinst auf den Zeitpunkt t = 0 mit dem halben Jahresnettozinssatz von (2,4 % : 2 =) 1,2 %, den abgezinsten Minderungen der Ertragsteuerzahlungen der Folgejahre und dem abgezinsten Verkaufspreis von 8.688: Bar/kauf = – 18.100 · 1,012 + 2.119 + 1.589 · 1,024 – 1 + 1.589 · 1,024 – 2 – 890 · 1,024 – 3 + 8.688 · 1,024 – 3 , Bar/kauf = – 5.869. Der Auszahlungsbarwert im Fall des Leasing (Bar/leas) setzt sich zusammen aus den abgezinsten Leasingraten und den abgezinsten, durch den Abzug der Leasingraten verminderten, Steuerzahlungen: Bar/leas = – 4.344 – 4.344 · 1,024 – 1 – 4.344 · 1,024 – 2 – 2.172 · 1,024 – 3 + 2.034 + 2.034 · 1,024 – 1 + 2.034 · 1,024 – 2 + 1.017 · 1,024 – 3 , Bar/leas = – 7.845. Der Auszahlungsbarwert ist also im Falle des Kaufs mit – 5.869 € um 1.976 € niedriger als in dem des Leasing mit – 7.845 €. Damit ist das Leasing nachteiliger als der Kauf. Lösungen zu Teil IV Zu Aufgabe 1 a) Grundsätzliches Sollen die Steuerwirkungen des Ersatzes von Ausschüttungen durch Gehalt ermittelt werden, so kann dies anhand der in Teil IV abgeleiteten Belastungsformeln aus Gliederungspunkt 2.4.2.1.2 geschehen. Der für die Ausschüttung bzw. die Gehaltszahlung zur Verfügung stehende Bruttobetrag ist in den Vergleichsfällen mit 200 T€ gleich groß. Bei voneinander abweichenden Steuerbelastungen der Alternativen ergeben sich dann in der Höhe voneinander abweichende Ausschüttungen und Gehaltszahlungen. Da das ohne Gestaltungsmaßnahme erwartete zu versteuernde Einkommen der X- GmbH mit 500 T€ und der vorläufige Gewerbeertrag mit 600 T€ deutlich höher sind als der mögliche zusätzliche Gehaltsabzug von 200 T€, brauchen das zu versteuernde Einkommen und der Gewerbeertrag selbst nicht in die beabsichtigte Differenzbetrachtung aufgenommen zu werden. Vielmehr reicht es aus, die Einkommensdifferenz von 200 T€, die zugleich auch eine Differenz des Gewerbeertrags darstellt, in die Betrachtung einzubeziehen. b) Ermittlung der Belastungsdifferenz Soll ein Bruttogewinnbestandteil der GmbH in Höhe von 200 T€ für Ausschüttungen verwendet werden, so ist dieser zunächst auf der Ebene der GmbH zu versteuern. Er unterliegt der Gewerbesteuer (sge = 0,035 · 4,8 =) i. H. v. 16,8 % und dem kombinierten Körperschaftsteuer- und Solidaritätszuschlagsatz i. H. v. (sk = 0,15 · 1,055 =) 15,825 % und hat daher in voller Höhe, d. h. mit einem Betrag von 200 T€, die Wirkung von E i. S. d. in Teil I abgeleiteten und im Tabellenanhang wiedergegebenen Gleichung (II) bzw. (IIa). Die Steuerbelastung der Kapitalgesellschaft im Ausschüttungsfall (Skap/a) beträgt demnach: Skap/a = (skt + sge) · 200.000 = (0,15825 + 0,168) · 200.000 = 65.250. Für die Ausschüttung (A) an den Gesellschafter G verbleibt lediglich der Betrag nach Abzug der Steuern Skap/a. Die Ausschüttung ist von G nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG zu versteuern. Sie unterliegt dem Abgeltungsteuersatz des § 32d Abs. 1 EStG, der einschließlich des Solidaritätszuschlagsatzes (25 % · 1,055 =) 26,375 % beträgt. Kirchensteuer fällt nicht an, da die Eheleute keiner Kirchengemeinde angehören. Da G lt. Sachverhalt bereits Einkünfte aus Kapitalvermögen i. H. v. 10 T€ erhält, ist der Sparer- Pauschbetrag des § 20 Abs. 9 EStG bereits voll ausgeschöpft. Der Steuersatz von 26,375 % kommt somit auf den vollen Ausschüttungsbetrag von (200.000 – 65.250 =) 134.750 € zur Anwendung. Die Steuerbelastung des Gesellschafters beträgt demnach: Sges/a = 134.750 · 0,26375 = 35.540. Insgesamt fällt im Fall der Ausschüttung folgende Steuerbelastung an: Skap+ges/a = 65.250 + 35.540 = 100.790. Wird der Bruttogewinnbestandteil in Höhe von 200 T€ für eine Gehaltszahlung (Gh) an G verwendet, so stellt diese bei der GmbH eine abzugsfähige Betriebsausgabe dar. Das Gehalt wird bei der GmbH folglich nicht mit Ertragsteuern belastet. Bei dem Gesellschaf-

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References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.