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Lösungen zu Teil I in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 543 - 550

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_543

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Teil V: Lösungen zu den Aufgaben Lösungen zu Teil I Zu Aufgabe 1 Tabellen mit Durchschnitts-, Grenz- und Differenzsteuersätzen befinden sich im Tabellenanhang dieses Buches. Dort befindet sich mit Tabelle T-6 eine Tabelle, die weitgehend den hier zu beachtenden Sachverhalt berücksichtigt. Sie beruht nämlich auf dem für das Jahr 2010 geltenden Recht (nach dem Rechtsstand bei Fertigstellung dieses Buches im Sommer 2009) und berücksichtigt sowohl eine 9 %ige Kirchensteuer als auch einen 5,5 %igen Solidaritätszuschlag. Das zu versteuernde Einkommen erhöht sich bei Annahme des Auftrags von 80 T€ auf 90 T€. Nach Tabelle T-6 steigt der Durchschnittssteuersatz von 25,27 % auf 27,07 % (Spalte 2) und der Grenzsteuersatz von 40,04 % auf 42,49 % (Spalte 3). Der Differenzsteuersatz, mit der eine Erhöhung des zu versteuernden Einkommens von 80 T€ auf 90 T€ belastet ist, beträgt 38,81 % (Spalte 5). Für die von M zu treffende Entscheidung ist dieser Differenzsteuersatz bedeutsam. Die Übernahme der Seminare würde eine zusätzliche Steuerbelastung von (10.000 € · 38,81 % =) 3.881 € bedeuten. Zu Aufgabe 2 Da der Eingang des Geldes in jedem Fall erst im Jahr 2 erfolgt, sind lediglich die Steuerzahlungen entscheidungsrelevant. Die Umsatzerlöse des I stellen E i. S. v. Gleichung (Ia) dar. Zieht I Umsatzerlöse i. H. v. 5 T€ aus dem Jahr 2 in das Jahr 1 vor, indem er den Auftrag noch im Jahr 1 ausführt, so erhöht er hierdurch E im Jahre 1 um 5 T€ und mindert E im Jahre 2 um denselben Betrag. Die allgemeine Form des kombinierten Steuersatzes, mit dem E belastet ist, lautet nach Gleichung (Ia): se + me · [h – α · (1 + solz)]. Mit ihrem zu versteuernden Einkommen von mehr als 150 T€ unterliegen die Eheleute I in beiden Jahren im Hinblick auf das Differenzeinkommen von 5 T€ dem Steuersatz des unteren Plafonds von 42 % (sei = 0,42). Der kombinierte Einkommen-, Kirchensteuerund Solidaritätszuschlagsatz se kann aus der in Teil I abgeleiteten Gleichung (13) ermittelt werden. Sie lautet: se = sei · (1 + solz + ski) 1 + ski · sei . Unter Berücksichtigung einer 9 %igen Kirchensteuer und des 5,5 %igen Solidaritätszuschlags ergibt sich hieraus für beide Jahre ein kombinierter Einkommen-, Kirchensteuerund Solidaritätszuschlagsatz von 46,34 %. se ist in beiden Jahren also mit 0,4634 anzusetzen. Die Steuermesszahl me beträgt in beiden Jahren 3,5 %, der Hebesatz im Jahre 1 450 % und im Jahre 2 480 %, α beläuft sich jeweils auf 3,8. 508 Teil V: Lösungen zu den Aufgaben Wird der Auftrag vorgezogen, so ergibt sich im Jahr 1 eine Steuermehrbelastung von 5.000 · [0,4634 + 0,035 · (4,5 – 3,8 · 1,055)] = 2.403 €. Für das Jahr 2 ergibt sich dann eine Steuerminderbelastung von 5.000 · [0,4634 + 0,035 · (4,8 – 3,8 · 1,055)] = 2.455 €. Die Steuermehrbelastung des Jahres 1 mindert voraussichtlich für ein Jahr die Supplementinvestitionen um 2.403 €. Hierdurch mindert sich bei dem geschätzten Nettozinssatz von 3 % der Zinsertrag um voraussichtlich (2.403 € · 3 % =) 72 €. Erfolgt die Auftragsdurchführung noch im Jahr 1 statt im Jahr 2, so ergibt sich also Folgendes: Einer Steuermehrzahlung im Jahr 1 von 2.403 € und einer Minderung des Zinsertrags im Jahr 2 von 72 € steht eine Steuerminderzahlung im Jahr 2 von 2.455 € gegen- über. Insgesamt entsteht also eine Differenz von (2.455 – 2.403 – 72 =) – 20 €. Eine Auftragsdurchführung noch im Jahr 1 ist somit bei steuerlicher Partialbetrachtung unvorteilhaft. Zu Aufgabe 3 Die Steuerbelastung der Eheleute G als Folge der Anschaffung der „Sylvesteranleihe“ kann mit Hilfe der in Teil I abgeleiteten Gleichung (Ia) ermittelt werden. Werden die Wertpapiere Betriebsvermögen, so erhöhen die jährlichen Zinsen von 8.000 € E i. S. v. Gleichung (Ia). Da sich das Einkommen der Eheleute G im unteren Plafond bewegt und die Eheleute kirchensteuerpflichtig sind, nimmt se in Gleichung (Ia) den Wert 46,34 % an. Dieser Wert ergibt sich durch Einsetzen des konstanten Steuersatzes des unteren Plafonds von sei = 0,42, des Solidaritätszuschlagsatzes solz = 0,055 und des angegebenen Kirchensteuersatzes ski = 0,09 in die in Teil I abgeleitete Gleichung (13). Dieser Wert kann aber auch den Spalten 3 oder 5 der im Anhang befindlichen Tabelle T-6 entnommen werden. Dieser Wert ergibt sich dort für zu versteuernde Einkommen im unteren Plafond als Grenz- bzw. Differenzsteuersatz. Die weiteren in Gleichung (Ia) einzutragenden Werte betragen: me = 0,035, h = 4,8 und α = 3,8. Durch Einsetzen der genannten Werte in Gleichung (Ia) ergibt sich folgende Steuerbelastung: 8.000 · [0,4634 + 0,035 · (4,8 – 3,8 · 1,055)] = 3.929 €. Die Steuerbelastung bei Aufnahme der Wertpapiere in das Betriebsvermögen beträgt demnach 3.929 € jährlich. Werden die Wertpapiere als Privatvermögen erworben, so erhöhen die Zinserträge nicht E, sondern Ee i. S. v. Gleichung (Ia). Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Zinserträge dem besonderen Steuersatz für Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen (§ 32d EStG). Die Zinserträge sind in dem Umfang von 8.000 € steuerpflichtig, da der gemeinsame Sparer-Pauschbetrag bereits ohne diese Zinsen ausgeschöpft wird. Ee ist lediglich mit dem besonderen kombinierten Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz verknüpft, der sich für die Einkünfte aus Kapitalvermögen ergibt. Dieser kann durch Einsetzen von sei = 0,25, solz = 0,055 und ski = 0,09 in die in Teil l abgeleitete Gleichung (13) ermittelt werden. Es ergibt sich ein kombinierter Steuersatz von 27,995 % (se§32d = 0,27995). Hieraus ergibt sich für den Fall, dass die Wertpapiere im Privatvermögen erworben werden, eine Steuerbelastung von (8.000 · 27,995 % =) 2.240 €. Lösungen zu Teil I 509 Gegenüber dem Fall der Behandlung der Wertpapiere als Betriebsvermögen ergibt sich demnach eine Minderbelastung von (3.929 – 2.240 =) 1.689 € jährlich. Zu Aufgabe 4 Die Erhöhung des Eigenkapitals der X-GmbH und der Erwerb von 100.000 € der „Sylvesteranleihe“ durch die GmbH hat bei dieser ab dem Jahre 1 folgende Wirkung: Erhöhung von E i. S. v. Gleichung (II) als Folge der zusätzlichen Zinserträge um 8.000 €. Nach Gleichung (II) ist E mit dem Körperschaftsteuersatz sk und dem Gewerbesteuersatz sge verknüpft. Unter Berücksichtigung des Solidaritätszuschlags nimmt sk den Wert 15,825 % (sk = 0,15825) an. Der Gewerbesteuersatz sge beträgt bei dem hier prognostizierten Hebesatz von 400 % 14 % (sge = 0,14). Der mit E verknüpfte kombinierte Gewerbe- und Körperschaftsteuersatz beträgt somit 29,825 %. Er kann entweder durch Einsetzen der genannten Werte in Gleichung (II) errechnet oder der im Anhang befindlichen Tabelle T-8 (Zeile 1, Spalte 4) entnommen werden. Die durch die zusätzlichen jährlichen Zinserträge von 8.000 € hervorgerufene Gewerbe- und Körperschaftsteuerbelastung beträgt (8.000 · 29,825 % =) 2.386 € p.a. Die zusätzliche Ausschüttung bewirkt bei dem Gesellschafter G zusätzliche Einkünfte aus Kapitalvermögen i. H. v. 4.000 € p.a., da der Sparer-Pauschbetrag bereits ausgeschöpft ist. Insofern stellt die Ausschüttung i. H. v. 4.000 € A i. S. v. Gleichung (III) dar. Bei dem mit A multiplikativ verknüpften Steuersatz se§32d handelt es sich um einen kombinierten Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz. Da G konfessionslos ist, beträgt der kombinierte Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz se§32d hier 26,375 % (se§32d = 0,26375). Damit ergibt sich bei dem Gesellschafter G eine zusätzliche Steuerbelastung i. H. v. (4.000 · 26,375 % =) 1.055 € p.a. Durch den Verkauf des Baulands entfällt bei G künftig Grundsteuer. Bemessungsgrundlage dieser Grundsteuer ist der Einheitswert des Privatgrundstücks i. H. v. 5.000 € (Ewpgr = 5.000). Ewpgr ist nach Gleichung (I) bzw. (Ia) mit dem Grundsteuersatz multiplikativ verknüpft. Nach Gleichung (I) bzw. (Ia) kann es zwar grundsätzlich durch die Zahlung von Grundsteuer zu einer Verringerung der Einkommensteuer und der Zuschlagsteuern kommen. Dies ist nach der konkreten Aufgabe aber hier nicht der Fall, da die Grundsteuer lt. Sachverhalt weder als Werbungskosten noch als Betriebsausgabe abzugsfähig ist. Der Grundsteuersatz sgr ergibt sich als das Produkt aus der Steuermesszahl von 0,35 % gem. § 15 Abs. 1 GrStG und dem Hebesatz von 400 %. Er beträgt demnach (0,35 % · 400 % =) 1,4 %. Damit entfällt durch den beabsichtigten Verkauf des Baulands eine Steuerbelastung i. H. v. (5.000 · 1,4 % =) 70 € p.a. Weitere Steuerwirkungen als die bisher ermittelten ergeben sich aus dem Sachverhalt nicht. Die jährlichen Steuerwirkungen lassen sich wie folgt zusammenfassen: € • zusätzliche Gewerbe- und Körperschaftsteuer bei der X-GmbH 2.386 • zusätzliche Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag bei G durch zusätzliche Ausschüttungen 1.055 • Fortfall von Grundsteuer – 70 Saldierte Steuerbe- und -entlastungen 3.371 510 Teil V: Lösungen zu den Aufgaben Zu Aufgabe 5 Der Steuerbarwert ergibt sich aus der in Teil I abgeleiteten Gleichung (71) Bar = ∑ t = 0 n S t · q – t . Unter Berücksichtigung eines Zinssatzes von 6 % folgt daraus für Alternative 1 (Bar 1 ): Bar 1 = 100.000 · 1,06 0 + 120.000 · 1,06 – 1 + 130.000 · 1,06 – 2 + 180.000 · 1,06 – 3 , Bar 1 = 480.039. Der Steuerbarwert der Alternative 2 (Bar 2 ) ergibt sich entsprechend mit: Bar 2 = 100.000 · 1,06 0 + 125.000 · 1,06 – 1 + 125.000 · 1,06 – 2 + 180.000 · 1,06 – 3 , Bar 2 = 480.306. Der Steuerbarwert der Alternative 2 ist also um (480.306 – 480.039 =) 267 € größer als derjenige der Alternative 1. Bei einer rein steuerlichen Partialbetrachtung ist demnach die Alternative 2 (minimal) nachteiliger als die Alternative 1. Zu Aufgabe 6 Der Kapitalwert der Alternative 1 ergibt sich aus Gleichung (70) K = ∑ t = 0 n (Ze t – Za t ) · q – t + R · q – n unter Berücksichtigung eines Zinssatzes von 8 % wie folgt: K 1 = (90 – 23) · 1,08 0 + (92 – 24) · 1,08 – 1 + (103 – 31) · 1,08 – 2 + (117 – 12) · 1,08 – 3 , K 1 = 275. Für die Alternative 2 ergibt sich entsprechend: K 2 = (80 – 26) · 1,08 0 + (95 – 29) · 1,08 – 1 + (109 – 30) · 1,08 – 2 + (116 – 12) · 1,08 – 3 , K 2 = 265. Der Kapitalwert der Alternative 1 ist mit rd. 275 € größer als der Kapitalwert der Alternative 2 mit rd. 265 €. Also ist die Alternative 1 vorteilhafter als die Alternative 2. Zu Aufgabe 7 Die gesuchten Nettozinssätze können aus den in Teil I abgeleiteten Gleichungen (IV) und (V) ermittelt werden. Lösungen zu Teil I 511 Im Fall a) ist Gleichung (IV) in/kap = [1 – sk – me · h · (1 – β)] · ib anzuwenden. Hierbei nimmt sk den Wert (0,15 · 1,055 =) 0,15825 an. Die Steuermesszahl beträgt 3,5 % (me = 0,035) und der Hebesatz 360 % (h = 3,6). Der Bruttozinssatz beträgt lt. Aufgabenstellung 12 %, d. h. es gilt ib = 0,12. β nimmt den Wert 0,25 an, da die Supplementinvestition zu einer Verringerung der Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG führt. Damit ergibt sich im Fall a) folgende Nettoverzinsung: in/kap = [1 – 0,15825 - 0,035 · 3,6 · (1 - 0,25)]· 0,12, in/kap = 0,0897. Die Nettoverzinsung beträgt im Fall a) also 8,97 %. Im Fall b) ist Gleichung (V) in/persu = {1 – se§32a - me · [h · (1 - β) - α · (1 + solz) · (1 - β)]} · ib anzuwenden. Da M ein zu versteuerndes Einkommen von 320.000 € erwartet, ist von dem Spitzensteuersatz der Einkommensteuer im oberen Plafond auszugehen. Dieser beträgt nach dem für den Veranlagungszeitraum 2010 geltenden Recht (Rechtsstand Sommer 2009) 45 % (sei = 0,45). Hinzu kommt ein 5,5 %iger Solidaritätszuschlag (solz = 0,055). Außerdem hat M lt. Sachverhalt eine 9 %ige Kirchensteuer zu entrichten (ski = 0,09). Durch Einsetzen der konkreten Werte für sei, ski und solz in Gleichung (13) ergibt sich für den kombinierten Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlag folgender Wert: se§32a = 0,45 · (1 + 0,055 + 0,09) 1 + 0,09 · 0,45 bzw. se§32a = 0,49519. Dieser Wert ist in Gleichung (V) einzusetzen. Die Steuermesszahl beträgt unabhängig von der Höhe des Gewerbeertrags 3,5 % (me = 0,035). Der Hebesatz beläuft sich auf 480 % (h = 4,8). Infolge dieses Hebesatzes beträgt der Anrechnungsfaktor der Gewerbe- auf die Einkommensteuer 3,8 (α = 3,8). Da die Supplementinvestitionen im hier zu behandelnden Fall b) im Bereich der positiven Finanzinvestitionen getätigt werden, ergeben sich keine gewerbesteuerlichen Wirkungen i. S. v. § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG, d. h. es gilt β = 0. Der Bruttozinssatz ib wird lt. Sachverhalt auf 9 % p. a. geschätzt (ib = 0,09). Durch Einsetzen der genannten konkreten Zahlen in Gleichung (V) ergibt sich: in/persu = [1 – 0, 49519 - 0,035 · (4,8 - 3,8 · 1,055)] · 0,09 bzw. in/persu = 0,0429. Im Falle b) ergibt sich somit ein Nettozinssatz von rd. 4,29 %. 512 Teil V: Lösungen zu den Aufgaben Zu Aufgabe 8 Die Besteuerungssituation in D-Land entspricht derjenigen, die in der Bundesrepublik Deutschland während der letzten Jahre vor der Unternehmensteuerreform der Jahre 2008/2009 gegolten hat, allerdings ohne Berücksichtigung von Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. In D-Land erzielte Gewinne können als E i. S. v. der in Teil I abgeleiteten Gleichung (29) angesehen werden 1 . Der Körperschaftsteuersatz kann dann durch snab, der Steuersatz der regionalen Steuer durch sab i. S. dieser Gleichung symbolisiert werden. Der kombinierte Ertragsteuersatz für in D-Land erzielte Gewinne beträgt demnach: 0,25 + 0,2 1 + 0,2 = 0,375. In D-Land werden Gewinne also mit 37,5 % Ertragsteuern belastet, und zwar unabhängig davon, ob die Gewinne einbehalten oder ausgeschüttet werden. Für Ausschüttungszwecke stehen in D-Land von einem Gewinn vor Steuern (G) demnach (G – 0,375 · G =) 0,625 · G zur Verfügung. Dieser Betrag wird zur Hälfte, d. h. i. H. v. (0,625 : 2 =) 0,3125 · G der Einkommensteuer des Gesellschafters unterworfen. Bei Anwendung des Spitzensteuersatzes von 42 % ergibt sich hieraus eine Belastung mit Einkommensteuer i. H. v. (0,3125 · 0,42 =) 13,125 % · G. Die Gesamtbelastung ausgeschütteter Gewinnbestandteile bei der Gesellschaft zzgl. derjenigen beim Gesellschafter beträgt (37,5 % + 13,125 % =) 50,625 %. In D-Land werden also thesaurierte Gewinnbestandteile mit 37,5 % und ausgeschüttete Gewinnbestandteile mit insgesamt 50,625 % Ertragsteuern belastet. Thesaurierte Gewinne werden in F-Land mit definitiv 45 % Körperschaftsteuer belastet. Dieser Steuersatz ist deutlich höher als der kombinierte Steuersatz der Gesellschaft in D- Land i. H. v. 37,5 %. Dies gilt, obwohl eine schlichte Addition der beiden in D-Land erhobenen Unternehmensteuern mit (25 % + 20 %) ebenfalls 45 % ergibt. Der Unterschied ergibt sich daraus, dass die regionale Steuer in D-Land als Betriebsausgabe zum Abzug kommt, in F-Land hingegen nur eine einheitliche nichtabzugsfähige Körperschaftsteuer existiert. Soweit Gewinne auf Dauer oder quasi auf Dauer thesauriert werden, ist also eine Besteuerung in D-Land vorteilhafter als in F-Land. Ausgeschüttete Gewinnbestandteile werden in F-Land vollständig von Körperschaftsteuer entlastet. Im Ergebnis findet also nur eine Belastung mit Einkommensteuer statt. Da der Spitzensatz der Einkommensteuer bei 45 % liegt, kann die Belastung ausgeschütteter Gewinnteile alle Werte von 0 % bis zu 45 % annehmen. Selbst bei Anwendung des Spitzensteuersatzes von 45 % ist somit die Belastung ausgeschütteter Gewinnbestandteile in F-Land niedriger als in D-Land. Der Vorteil beträgt dann (50,625 % – 45 % =) 5,625 % des ausgeschütteten Gewinns. Beträgt der Steuersatz des Gesellschafters in beiden Ländern 0 %, so ist die Gesamtbelastung in D-Land um 37,5 %, d. h. um die Belastung der Gesellschaft höher als in F-Land. Die Besteuerung ausgeschütteter Gewinne ist somit in F-Land aufgrund des Anrechnungsverfahrens wesentlich geringer als in D-Land, in dem das Halbeinkünfteverfahren angewendet wird. Die bisherigen Ausführungen liefern einander widersprechende Ergebnisse: Thesaurierte Gewinne werden in D-Land, ausgeschüttete Gewinne hingegen in F-Land niedriger besteuert. Damit die Gewinnbesteuerung im konkreten Fall endgültig beurteilt werden kann, muss B Vorstellungen darüber entwickeln, in welcher Höhe in Zukunft in den ein- 1 Vgl. Teil I, Gliederungspunkt 3.5.3. Lösungen zu Teil I 513 zelnen Jahren Gewinne anfallen, in welchem Umfang diese thesauriert und in welchem sie ausgeschüttet werden und wann es zur Ausschüttung der zunächst thesaurierten Gewinne kommen wird. Es muss dann ggf. ein Steuerbarwertvergleich durchgeführt werden. Im Rahmen dieses Vergleichs sind aber noch weitere Einflussfaktoren auf die Vorteilhaftigkeit einzubeziehen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere • der Umfang der Bemessungsgrundlagen in den Vergleichsländern und dessen Auswirkungen auf die konkrete Entscheidungssituation und • der Zeitpunkt des Abzugs von Aufwendungen und der Erfassung von Erträgen. Lösungen zu Teil II Zu Aufgabe 1 Da der Bruttozinssatz (ib) mit 11 % vorgegeben ist, ist es am zweckmäßigsten, diesen in Gleichung (IV) in/kap = [1 – sk – me · h · (1 – β)] · ib einzusetzen. Da G mit positiven zu versteuernden Einkommen rechnet, ist von einem kombinierten Körperschaftsteuer- und Solidaritätszuschlagsatz von (0,15 · 1,055 =) 15,825 % auszugehen, d. h. es gilt sk = 0,15825. Der Hebesatz h beträgt 420 %, die Steuermesszahl me 3,5 %. β ist mit 0 anzusetzen, da G nicht mit einer Hinzurechnung von Zinsen zum Gewerbeertrag nach § 8 Nr. 1 GewStG rechnet. Durch Einsetzen der genannten Werte in Gleichung (IV) ergibt sich in/kap = (1 – 0,15825 – 0,035 · 4,2) · 0,11, in/kap = 0,0764225. Die Supplementinvestition erwirtschaftet also eine positive Nettorendite von rd. 7,6 %. Da G mit konstanten und im Zeitablauf gleichbleibenden Steuersätzen rechnet, ist eine Gewinnverlagerung dann steuerlich vorteilhaft, wenn Supplementinvestitionen einen positiven Nettozinssatz erwirtschaften. Dies ist hier mit einem Nettozinssatz von rd. 7,6 % der Fall. Die Vornahme der Sonderabschreibung ist damit steuerlich vorteilhaft. Zu Aufgabe 2 Die Summe der Einkommen während der Jahre 1 bis 5 kann mit Hilfe der möglichen Sonderabschreibung um insgesamt (20 % · 175 T€ =) 35 T€ gesenkt werden. Diese mögliche Einkommenssenkung um maximal 35 T€ ist nach dem Erkenntnisstand im Frühjahr des Jahres 3 auf jeden Fall vorteilhaft. Sie sollte deshalb vorgenommen werden. Problematisch ist lediglich die Verteilung der Sonderabschreibung innerhalb des Fünfjahreszeitraums. Da lediglich während der Jahre 1 bis 5 Aktionsparameter der Steuerbilanzpolitik bestehen, ist es sinnvoll, diesen Zeitraum als Planungszeitraum festzulegen. Im Fall a) wird angestrebt, in allen Jahren des Planungszeitraums ein gleich hohes zu versteuerndes Einkommen auszuweisen. Dies kann durch eine Verteilung der Sonderabschreibungen in der nachstehend aufgeführten Weise erreicht werden (Angaben in T€): Jahr 1 2 3 4 5 Summe vorläufiges Einkommen 56 50 55 55 55 271 Sonderabschreibungen – 9 – 3 – 8 – 8 – 7 – 35 endgültiges Einkommen 47 47 47 47 48 236 Sonderabschreibungen in der in der Aufstellung wiedergegebenen Weise sind möglich. Damit ist das unter a) vorgegebene Ziel einer Einkommensnivellierung innerhalb des Planungszeitraums in vollem Umfang erreichbar.

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References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.