Content

3.5 Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in eine andere Kapitalgesellschaft in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 466 - 473

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_466

Bibliographic information
430 Teil IV: Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel Im ersten der beiden genannten Fälle ist es für den Gesellschafter vorteilhaft, auf die fiktiven Ausschüttungen nicht den Abgeltungsteuersatz zur Anwendung kommen zu lassen, sondern einen Antrag auf Einbeziehung der fiktiven Ausschüttungen in die Veranlagung zu stellen. 3.5 Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in eine andere Kapitalgesellschaft 3.5.1 Einführung Nunmehr sollen Umwandlungen von einer Rechtsform einer Kapitalgesellschaft in eine andere Rechtsform der Kapitalgesellschaft betrachtet werden. Rechtsformen der Kapitalgesellschaften sind bekanntlich die GmbH, die AG und die KGaA. Wird die KGaA nicht weiter betrachtet, so kommen als Umwandlungsvorgänge einer Rechtsform einer Kapitalgesellschaft in eine andere Rechtsform einer Kapitalgesellschaft lediglich in Betracht: • die Umwandlung einer GmbH in eine AG und • die Umwandlung einer AG in eine GmbH. Ein Motiv für die Umwandlung einer GmbH in eine AG kann insbesondere das Bestreben sein, das Unternehmen an die Börse zu führen. Dies ist nach geltendem deutschen Recht nur für Unternehmen in der Rechtsform der AG (und der der KGaA), nicht hingegen in der der GmbH möglich. Ein Grund, die Rechtsform der AG aufzugeben und die der GmbH anzunehmen, kann z. B. dann gegeben sein, wenn die Aktien einer bisher börsennotierten AG vollständig von einem anderen Unternehmen übernommen worden sind und dieses Unternehmen sich solcher Pflichten entledigen will, die ausschließlich Aktiengesellschaften betreffen. Anzunehmen ist, dass die Gründe für einen Rechtsformwechsel von einer GmbH in eine AG oder umgekehrt in aller Regel im nichtsteuerlichen Bereich liegen. Dies kann auch bereits daraus gefolgert werden, dass die Rechtsformen der GmbH und der AG bei allen Steuerarten gleich behandelt werden. Steuerliche Effekte können demnach allenfalls durch den Umwandlungsvorgang selbst erzeugt werden. 3.5.2 Gesellschaftsrechtliche Gestaltungsmöglichkeiten Gesellschaftsrechtlich können die hier zu behandelnden Umwandlungsvorgänge entweder • durch Formwechsel oder • durch Verschmelzung bewirkt werden. 3 Einbeziehung von Umwandlungsvorgängen in den Vergleich 431 Formwechsel (§§ 190 - 304 UmwG) sind dadurch gekennzeichnet, dass bei ihnen der bisherige Rechtsträger nicht untergeht, sondern erhalten bleibt124. Der Rechtsträger ändert lediglich seine Rechtsform, sein juristisches Kleid. Der Formwechsel einer GmbH in eine AG bzw. einer AG in eine GmbH bewirkt also keine Änderung des Rechtssubjekts. Es findet keine Übertragung von Vermögen von einem Rechtsträger auf einen anderen statt. Verschmelzungen sind in den §§ 2 - 122 UmwG geregelt. Bei ihnen handelt es sich nach § 2 UmwG um Vorgänge, bei denen ein Rechtsträger (übertragender Rechtsträger) sein ganzes Vermögen auf einen anderen Rechtsträger (übernehmender Rechtsträger) überträgt. Mit der Übertragung des Vermögens erlischt der übertragende Rechtsträger. Bei dem übernehmenden kann es sich sowohl um einen bereits bestehenden als auch um einen zu gründenden Rechtsträger handeln. Im Zuge der Verschmelzung erhalten die Gesellschafter der übertragenden Gesellschaft Gesellschaftsrechte an der übernehmenden Gesellschaft. In den hier zu behandelnden Fällen sollen nicht mehrere Gesellschaften miteinander verschmolzen werden, vielmehr soll lediglich eine GmbH in eine AG oder umgekehrt eine AG in eine GmbH verwandelt werden. Dies kann gesellschaftsrechtlich im Wege des Formwechsels deutlich einfacher und damit auch kostengünstiger geschehen als im Wege einer Verschmelzung. Bei einer Verschmelzung muss nämlich zunächst zusätzlich zu der bereits bestehenden GmbH (AG) eine AG (GmbH) gegründet werden. Die bereits bestehende Gesellschaft ist dann übertragender, die noch zu gründende Gesellschaft wird übernehmender Rechtsträger. Mit der Übertragung des Vermögens von der übertragenden auf die übernehmende erlischt die übertragende Gesellschaft. Die bisherigen Ausführungen lassen erkennen, dass - sofern nicht im Einzelfall bisher nicht erörterte Gründe dagegen sprechen - in den hier zu behandelnden Fällen ein Formwechsel die besser geeignete Art der Umwandlung darstellt als die Verschmelzung. Denkbar ist, dass ein Grund, der ausnahmsweise die Verschmelzung zur besser geeigneten Art der Umwandlung in den hier zu behandelnden Fällen macht, ein steuerlicher Grund sein kann. Ob und ggf. unter welchen Voraussetzungen dies möglich ist, wird noch zu klären sein. 3.5.3 Steuerrechtsfolgen Da sich bei einem Formwechsel einer GmbH in eine AG bzw. einer AG in eine GmbH das Rechtssubjekt nicht ändert, bewirkt er nach den allgemeinen steuerlichen Regeln keine ertragsteuerlichen Folgen125. Insbesondere kommt es nicht zur Aufdeckung stiller Reserven. Der Vorgang ist also steuerneutral. Dies ist auch das vom Gesetzgeber gewollte Ergebnis. Aus diesem Grunde enthält das 124 Vgl. Schwarz, H., Umwandlung, 1995, S. 141.; Decker, C., in: Lutter, M., UmwG, 2009, Vorb. § 190, Rz. 2. 125 Vgl. Buchna, J., Fragen, 1995, S. 451 f.; Klingberg, D., in: Blümich, W., Kommentar, § 25 UmwStG, Rz. 27. 432 Teil IV: Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel UmwStG auch keine Spezialvorschriften über den Formwechsel einer Kapitalgesellschaft in eine andere Kapitalgesellschaft. Auch umsatz- und grunderwerbsteuerlich ergeben sich keine steuerbaren Vorgänge. Bei der Verschmelzung einer Kapitalgesellschaft auf eine andere kommen ertragsteuerlich die §§ 11 - 13 UmwStG zur Anwendung. Hierbei ergeben sich folgende für die Steuerplanung wichtigen Steuerfolgen: 1. Nach § 11 Abs. 1 UmwStG hat die übertragende Kapitalgesellschaft in ihrer Schlussbilanz zum Übertragungsstichtag (Übertragungsbilanz) die Wirtschaftsgüter mit ihren gemeinen Werten anzusetzen. Durch die Aufdeckung der stillen Reserven entsteht bei ihr ein Übertragungsgewinn. Für ihn bestehen keine steuerlichen Begünstigungsvorschriften. Vielmehr gehört er - wie alle anderen Gewinnbestandteile auch - zum laufenden Gewinn der übertragenden Kapitalgesellschaft. Er unterliegt damit nach den allgemeinen Vorschriften sowohl der Gewerbe- als auch der Körperschaftsteuer126. Auf Antrag kann die übertragende Kapitalgesellschaft die Wirtschaftsgüter in ihrer Übertragungsbilanz gem. § 11 Abs. 2 UmwStG auch mit ihren Buchwerten oder mit Zwischenwerten zwischen gemeinen Werten und Buchwerten ansetzen. Sie hat also ein Wahlrecht, die stillen Reserven aufzudecken und zu versteuern oder diese Konsequenzen zu vermeiden. Allerdings hat sie dieses Wahlrecht nach § 11 Abs. 2 UmwStG nur dann, wenn das Recht der Bundesrepublik Deutschland auf Besteuerung der stillen Reserven zu einem späteren Zeitpunkt gewährleistet ist. Das Wahlrecht kann - ebenso wie das nach § 3 Abs. 2 UmwStG - nicht selektiv ausgeübt werden127. 2. Die übernehmende Kapitalgesellschaft hat gem. § 12 Abs. 1 i. V. m. § 4 Abs. 1 UmwStG in ihrer Übernahmebilanz die sich aus der Übertragungsbilanz ergebenden Werte zu übernehmen. In Höhe des Unterschiedsbetrages zwischen den Wertansätzen der übernommenen Wirtschaftsgüter und dem Buchwert der Anteile unmittelbar vor der Übernahme entsteht nach § 12 Abs. 2 Satz 1 UmwStG ein Übernahmegewinn. Ist der Unterschiedsbetrag negativ, so entsteht ein Übernahmeverlust. Sowohl ein Übernahmegewinn als auch ein Übernahmeverlust bleiben nach § 12 Abs. 2 Satz 1 UmwStG bei der das Betriebsvermögen übernehmenden Kapitalgesellschaft außer Ansatz. Übernahmegewinne bleiben also steuerfrei; Übernahmeverluste können nicht ausgeglichen oder abgezogen werden. Nach § 12 Abs. 2 Satz 2 UmwStG ist auf Übernahmegewinne zusätzlich § 8b KStG anzuwenden. Dies bedeutet nach Abs. 3 dieser Rechtsnorm, dass i. H. v. 5 % des Übernahmegewinnes fiktive nichtabzugsfähige Betriebsausgaben entstehen. 3. Ein bei der übertragenden Gesellschaft vorhandener verbleibender Verlustabzug i. S. d. § 10d Abs. 3 EStG ist bei der übernehmenden Gesellschaft nach § 12 Abs. 4 i. V. m. § 4 Abs. 2 UmwStG nicht abzugsfähig. 126 Vgl. Rahier, G., Zusammenführung, 1999, S. 201 ff.; Klingberg, D., in: Blümich, W., Kommentar, § 11 UmwStG, Rz. 45; Brähler, G., Umwandlungssteuerrecht, 2008, S. 245. 127 Vgl. Gliederungspunkt 3.4.2.1. 3 Einbeziehung von Umwandlungsvorgängen in den Vergleich 433 4. Gehören die Anteile an der übertragenden Kapitalgesellschaft bei deren Gesellschaftern zu deren Betriebsvermögen, so fingiert der Gesetzgeber in § 13 Abs. 1 UmwStG eine Veräußerung der Anteile an der untergehenden und einen entgeltlichen Erwerb der Anteile an der übernehmenden Kapitalgesellschaft. Sowohl die fingierte Veräußerung als auch der fingierte Erwerb haben zu den gemeinen Werten zu erfolgen. 5. Abweichend von § 13 Abs. 1 UmwStG können die Gesellschafter nach Abs. 2 dieser Rechtsnorm die neuen Anteile auch mit den Buchwerten der alten in ihrem eigenen Betriebsvermögen bewerten. Hierzu müssen sie einen entsprechenden Antrag stellen. Die Gesellschafter können also eine Realisation der in den Buchwerten der alten Anteile ruhenden stillen Reserven vermeiden. Voraussetzung ist nach § 13 Abs. 2 UmwStG allerdings, dass eine spätere Besteuerung der stillen Reserven durch den deutschen Fiskus gesichert ist. 6. Gehören die Anteile an der übertragenden Kapitalgesellschaft nicht zu einem Betriebsvermögen, so treten nach § 13 Abs. 2 Satz 3 UmwStG an die Stelle des Buchwerts die Anschaffungskosten der Anteile. Eine spätere Veräußerung der Anteile ist dann nach den allgemeinen steuerlichen Grundsätzen der Anteilsveräußerung zu behandeln128. Umsatzsteuerlich stellt die Verschmelzung einer Kapitalgesellschaft auf eine andere einen nach § 1 Abs. 1a UStG nichtsteuerbaren Vorgang dar. Geht im Rahmen einer Verschmelzung ein Grundstück von einer Kapitalgesellschaft auf eine andere über, so liegt ein grunderwerbsteuerbarer Vorgang i. S. d. § 1 Abs. 1 Nr. 3 GrEStG vor. Bemessungsgrundlage ist gem. § 8 Abs. 2 Nr. 2 GrEStG der Wert i. S. d. § 138 Abs. 2 oder 3 BewG. 3.5.4 Steuerplanerische Aspekte 3.5.4.1 Klärung der Entscheidungssituation In aller Regel dürfte der Grund für die Umwandlung einer GmbH in eine AG bzw. umgekehrt einer AG in eine GmbH nichtsteuerlicher Art sein. Nur hiervon wird nachfolgend ausgegangen. Steuerlich ergeben sich aus der Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in eine andere dann überhaupt keine Steuerfolgen, wenn die Umwandlung mit Hilfe eines Formwechsels durchgeführt wird. Auch im Wege einer Verschmelzung kann eine Umwandlung weitgehend ertragsteuerneutral durchgeführt werden. Hier ist lediglich § 12 Abs. 2 UmwStG i. V. m. § 8b Abs. 3 KStG zu beachten. Danach gelten 5 % des Übernahmegewinns als nichtabzugsfähige Betriebsausgaben. Insoweit besteht nur ein geringer Unterschied zwischen einem Formwechsel und einer Verschmelzung. Bei einer Verschmelzung besteht im Gegensatz zu einem Formwechsel aber auch die Möglichkeit, die in dem Unternehmen ruhenden stil- 128 Vgl. Schneeloch, D., Besteuerung, 2008, S. 74, 79 und 118. 434 Teil IV: Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel len Reserven teilweise oder vollständig aufzulösen. Sind in dem Betriebsvermögen der übertragenden Kapitalgesellschaft Grundstücke enthalten, so entsteht Grunderwerbsteuer, die im Falle eines Formwechsels vermieden wird. Aus den bisherigen Ausführungen ergibt sich, dass es im Rahmen der hier zu behandelnden Umwandlungsvorgänge einen steuerlichen Aktionsparameter gibt. Dieser besteht in der Aufdeckung bzw. Nichtaufdeckung stiller Reserven. Sollen stille Reserven aufgedeckt werden, so kann dies nur im Wege einer Verschmelzung geschehen. Es müssen dann ggf. Nachteile in Kauf genommen werden, die in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Aufstockung stehen. Diese können bestehen • in Kosten infolge der Gründung einer zusätzlichen Kapitalgesellschaft und • in zusätzlicher Grunderwerbsteuer. Damit stellt sich die Frage, ob es Fälle gibt, in denen infolge einer Aufstockung so hohe ertragsteuerliche Vorteile entstehen, dass die Nachteile, die in Kauf genommen werden müssen, überkompensiert werden. Dieser Frage soll im nächsten Gliederungspunkt nachgegangen werden. 3.5.4.2 Zur Vorteilhaftigkeit der Aufdeckung stiller Reserven Werden in der Übertragungsbilanz stille Reserven (Rstill) aufgedeckt, so verursacht der entstehende Übertragungsgewinn grundsätzlich Gewerbe- und Körperschaftsteuer. Eine Steuervergünstigung kommt nicht zur Anwendung. Damit hat der Übertragungsgewinn die Wirkung von E i. S. der in Teil I abgeleiteten Gleichung (II) bzw. (IIa). Die Steuerwirkung des Übertragungsgewinns (Sütg) kann in gleicher Weise dargestellt werden, wie dies bereits in Gleichung (46) geschehen ist129. Gleichung (46) sei nochmals in Erinnerung gerufen. Sie lautet: (46) Sütg = Rstill · (sk +me/kap · h). Die aufgedeckten stillen Reserven führen bei der übernehmenden Kapitalgesellschaft zu einer Erhöhung des Aufwandspotentials. Dies führt in der Summe - c.p.zu einer Steuerentlastung in gleicher Höhe, in der bei der übertragenden Kapitalgesellschaft infolge des Übertragungsgewinns eine Steuermehrbelastung entstanden ist, also i. H. v. Sütg. Doch fällt diese Steuerentlastung zeitlich gestreckt an, oft über viele Jahre oder Jahrzehnte. Weitere Steuerzahlungen als die bereits dargestellten entstehen durch die Aufdeckung stiller Reserven i. H. v. 5 % des Übernahmegewinns gem. § 12 Abs. 2 UmwStG i. V. m. § 8b Abs. 3 KStG. Diese Steuerzahlungen entstehen bei der übernehmenden Kapitalgesellschaft. 129 Vgl. Gliederungspunkt 3.4.3.2.1. 3 Einbeziehung von Umwandlungsvorgängen in den Vergleich 435 Insgesamt ergibt sich also durch die Aufdeckung stiller Reserven nach § 11 Abs. 1 UmwStG eine Steuerbelastung „jetzt“ i. H. v. Sütg und eine Steuerentlastung in gleicher Höhe „später“, und zwar oft über viele Jahre und Jahrzehnte verteilt. Zusätzlich entsteht eine Belastung i. H. v. 5 % des Übernahmegewinns. Damit kann eine Aufdeckung stiller Reserven nach § 11 UmwStG grundsätzlich nicht vorteilhaft sein. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz ergibt sich dann, wenn die übertragende Gesellschaft über einen Verlustvortrag verfügt. Dieser kann von der übernehmenden Kapitalgesellschaft nach § 12 Abs. 3 i. V. m. § 4 Abs. 2 UmwStG nicht übernommen werden, d. h. er geht unter. Soweit dieser Verlustvortrag durch eine (Teil-)Aufstockung bei der übertragenden Kapitalgesellschaft beseitigt werden kann, entsteht bei dieser zwar keine zusätzliche Steuerbelastung, wohl aber Aufwandspotential, das durch die übernehmende Kapitalgesellschaft in Zukunft genutzt werden kann. Damit ist eine derartig gezielte Aufstockung in aller Regel vorteilhaft; zumindest ist sie nicht nachteilig. Zu beachten ist aber, dass durch eine Aufstockung zum Zweck der Nutzung eines Verlustvortrags kein Vorteil gegenüber dem Fall eines Formwechsels erreichbar ist. Wie bereits weiter oben dargestellt, geht ein Verlustvortrag bei einem Formwechsel nicht unter. Somit kann das im Fall einer Verschmelzung bzw. einer Vermögensübertragung sich möglicherweise ergebende Problem, den drohenden Verlust eines Verlustvortrags verhindern zu müssen, überhaupt nicht entstehen. Damit ergibt sich auch, dass in den Fällen, in denen sowohl ein Formwechsel als auch eine Verschmelzung bzw. Vermögensübertragung möglich ist, aus steuerlicher Sicht der Formwechsel vorzuziehen ist. 3.5.5 Aufgabe 8 Die Geschäftsanteile an der H-GmbH befinden sich bisher im Eigentum der Angehörigen der Familien Hoffmann und Heinze. Um die Kapitalbasis der Gesellschaft zu stärken, beabsichtigen die Gesellschafter, die GmbH zum 31.12. des Jahres 1 in eine AG umzuwandeln und nach einer Vorbereitungszeit von etwa drei bis fünf Jahren bei der Börsenaufsicht den Antrag zu stellen, die Aktien der Gesellschaft zum Handel im Freiverkehr zuzulassen. Die Einheitsbilanz der H-GmbH zum 31.12.1 wird voraussichtlich folgendes Aussehen haben (Darstellung in stark verkürzter Form): Aktiva Passiva Mio € Mio € Anlagevermögen 500 Gezeichnetes Kapital 5 Umlaufvermögen 400 Kapitalrücklage 5 Rechnungsabgrenzungsposten 10 Gewinnrücklagen 300 Jahresüberschuss 100 Rückstellungen 100 Verbindlichkeiten 400 910 910 436 Teil IV: Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel Zum 31.12.1 werden voraussichtlich folgende stillen Reserven vorhanden sein: Mio € Originärer Firmenwert 1.000 Grund und Boden 400 Gebäude 200 Vorräte 200 1.800 Ab dem Jahre 2 rechnen die Geschäftsführer der GmbH mit gegenüber dem Jahr 1 steigenden Jahresüberschüssen. Das zu versteuernde Einkommen des Jahres 1 kann auf 200 Mio € geschätzt werden. Für die nachfolgenden Jahre ist mit deutlich höheren zu versteuernden Einkommen zu rechnen. Der Gewerbesteuerhebesatz beträgt 400 %. Die Gesellschafter der H-GmbH sind der Ansicht, dass die Gewinnrücklagen vor dem Gang an die Börse aus optischen Gründen in Grundkapital verwandelt werden sollten. Es ist zu prüfen, ob und ggf. in welcher Höhe die von den Gesellschaftern geplanten Maßnahmen steuerliche Nachteile erwarten lassen. Sollten Gestaltungsalternativen bestehen, so ist zu deren Vorteilhaftigkeit Stellung zu nehmen. Bei der Umwandlung von der GmbH in eine AG sind nur Gestaltungsalternativen in Erwägung zu ziehen, die zu einer Gesamtrechtsnachfolge führen. Es ist das für das Jahr 2009 geltende Recht anzuwenden. 4 GmbH & CoKG 4.1 Einführung Die GmbH & CoKG ist eine Kommanditgesellschaft, deren Komplementär eine GmbH (Komplementär-GmbH) ist. Neben der Komplementär-GmbH können auch eine oder mehrere natürliche Personen die Stellung von Komplementären einnehmen. Dies ist aber unüblich. Der Normalfall ist vielmehr der, dass der einzige Komplementär der GmbH & CoKG eine GmbH ist und außerdem eine oder mehrere natürliche oder juristische Personen die Stellung von Kommanditisten innehaben. Die GmbH & CoKG ist eine weit verbreitete Rechtsform130. Das Motiv für ihre Gründung bestand in der Vergangenheit häufig in der Hoffnung auf eine Kombination haftungsrechtlicher und steuerlicher Vorteile. Es sollten haftungsmäßige Vorteile wie bei einer GmbH und steuerliche Vorteile wie bei einer Personengesellschaft erreicht werden. Durch die Gründung einer GmbH & CoKG lässt sich in der Tat die Haftung in ähnlicher Weise wie bei einer GmbH begrenzen. Der Grund liegt darin, dass ebenso wie bei der Rechtsform der GmbH keine einzige natürliche Person mit ihrem ganzen Vermögen, also auch mit ihrem Privatvermögen, für die Betriebsschulden einzustehen braucht: Die Komplementär-GmbH haftet nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen und nicht mit dem Vermögen der hinter ihr stehenden Gesellschafter; die Kommanditisten haften nach § 171 Abs. 1 HGB nur bis zur Höhe ihrer Einlage. Tatsächlich geht die Haftung aber häufig wesentlich weiter. Der Grund liegt darin, dass Banken zu einer Kreditvergabe an eine GmbH & CoKG oft nur dann bereit sind, wenn die Kommanditisten oder einzelne Kommanditisten eine selbstschuldnerische Bürgschaft abgeben. Damit haften dann diese Gesellschafter letztlich doch - wenn auch nur gegenüber Banken - mit ihrem Privatvermögen. Ein haftungsmäßiger Nachteil gegenüber der GmbH besteht hierdurch aber nicht, da die Banken auch von den Gesellschaftern einer GmbH selbstschuldnerische Bürgschaften verlangen. Hinsichtlich ihrer steuerlichen Vorteilhaftigkeit hat die GmbH & CoKG eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Vor Einführung des körperschaftsteuerlichen Anrechnungsverfahrens zum 1.1.1977 waren Kapitalgesellschaften gegenüber Personenunternehmen ertragsteuerlich häufig in erheblichem Umfang benachteiligt. Der Grund lag darin, dass damals ausgeschüttete Gewinne einer Kapitalgesellschaft sowohl mit Körperschaft- als auch mit Einkommensteuer belastet wurden. Es gab weder eine Anrechnung der Körperschaftsteuer, noch ein Halb- oder 130 Vgl. Gliederungspunkt 1.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.