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2.5 Planungszeitraum - Vergleichszeitraum in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 44 - 45

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_44

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2 Betriebliche Steuerpolitik im Rahmen der Unternehmenspolitik 7 Handlungsmotive können nichtmonetärer, sie können aber auch monetärer Art sein. Nichtmonetär ist beispielsweise das Prestigemotiv. Als monetäre Motive kommen etwa das Verlangen nach dem Besitz eines höheren Vermögens oder der Wunsch nach einer Steigerung des Konsums in Betracht. Nichtmonetäre Motive dürften vermutlich nur selten die Antriebskraft für steuerplanerische Entscheidungen sein. Sie sollen deshalb aus den weiteren Überlegungen ausgeklammert werden. Um planvoll handeln zu können, müssen die oft verschwommenen Motive in klar definierte Ziele, hier also in monetäre Ziele, transformiert werden. Auf derartige monetäre Ziele wird in Gliederungspunkt 5 näher eingegangen. Ist das konkrete monetäre Ziel definiert, so ist das Vorteilskriterium zu bestimmen, anhand dessen ermittelt werden kann, ob und ggf. in welchem Umfang das Ziel erreicht wird. Auf die Definition konkreter monetärer Ziele im Rahmen der betrieblichen Steuerpolitik sowie auf die Bestimmung von Vorteilskriterien wird in Gliederungspunkt 5 noch näher eingegangen. 2.5 Planungszeitraum - Vergleichszeitraum Für den planmäßigen Einsatz steuerlicher Gestaltungsmaßnahmen, d. h. für eine aktive Steuerpolitik, ist die Kenntnis des Zeitraumes, für den geplant werden soll (Planungszeitraum), unerlässlich. Die Bestimmung des Planungszeitraums gehört seit Jahrzehnten zu den umstrittenen Fragen der betriebswirtschaftlichen Theorie, insbesondere der Investitionstheorie. Letztlich nicht befriedigend lösbar ist das Problem der Zahlungen, die jenseits des Planungshorizonts anfallen, aber bereits im Planungszeitraum verursacht werden. Diese Zahlungen beeinflussen nämlich die Höhe des am Ende des Planungszeitraums vorhandenen Vermögens, dessen Kenntnis für den der Planung zugrunde liegenden Vorteilsvergleich unerlässlich ist. Bei einer rein steuerlichen Partialplanung ist das Problem der Bestimmung des Planungszeitraumes weitgehend entschärft. Der Grund liegt darin, dass sich das Problem der Zahlungen jenseits des Planungshorizonts häufig nicht stellt. Oft dürfte es nämlich möglich sein, den Planungszeitraum von vornherein so festzulegen, dass sämtliche entscheidungsrelevanten Steuerzahlungen innerhalb dieses Zeitraums anfallen. Ist z. B. zu entscheiden, ob eine Maschine nur linear-gleichbleibend abgeschrieben oder ob zusätzlich eine Sonderabschreibung in Anspruch genommen werden soll, so ist es sinnvoll, als Planungszeitraum die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer festzulegen. Es ist zu erwarten, dass innerhalb dieses Zeitraums sämtliche für die Entscheidung relevanten Steuerzahlungen entstehen werden. Als Planungszeitraum einer autonomen Steuerpolitik kann mithin vielfach der Zeitraum festgelegt werden, für den unterschiedliche steuerliche Wirkungen der Vergleichsmaßnahmen feststellbar sind (Vergleichszeitraum). Dieser beginnt mit 8 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium dem Zeitpunkt der Durchführung der Gestaltungsmaßnahme und endet mit dem Zeitpunkt, ab dem keine unterschiedlichen steuerlichen Folgen mehr auftreten. Dieses Verfahren kann allerdings in Einzelfällen Planungen über Jahrzehnte erfordern. In der Regel ist der Vergleichszeitraum aber wesentlich kürzer. In den Fällen, in denen im Rahmen einer steuerlichen Partialplanung der Vergleichszeitraum unabsehbar oder für eine sinnvolle Planung zu lang ist, muss geprüft werden, welche Festlegung des Planungszeitraums am zweckmäßigsten ist. Auf dieses Problem wird in den Teilen II bis IV wiederholt einzugehen sein. Gleiches gilt für den Fall einer integrierten Steuerplanung. 2.6 Das Problem der unsicheren Erwartungen im Rahmen der betrieblichen Steuerpolitik 2.6.1 Unsicherheit hinsichtlich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung des Betriebes Wirtschaftliches Planen erfordert das Vorausschätzen künftiger wirtschaftlicher Entwicklungen. Diese aber sind nicht mit Sicherheit vorhersehbar, ihre Prognose ist vielmehr mit Unsicherheit behaftet. Das sich hieraus ergebende Problem der Entscheidungen unter Unsicherheit gehört zu den schwierigsten der Betriebswirtschaftslehre. Da die Höhe der Steuerschulden von der wirtschaftlichen Entwicklung des Betriebes abhängt, ist es naheliegend anzunehmen, dass Unsicherheiten hinsichtlich dieser Entwicklung vergleichbare Unsicherheiten bei der Steuerplanung verursachen. Dass dies nur in wesentlich abgeschwächtem Maße der Fall ist, sollen die nachfolgenden Ausführungen erweisen. Der eine Grund für diese Behauptung liegt darin, dass die Höhe der Belastungsdifferenzen zwischen alternativen Gestaltungsmöglichkeiten durch unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen des Datenkranzes vielfach nicht berührt wird. Das gilt immer dann, wenn bei keiner der Gestaltungsmöglichkeiten steuerliche Verluste oder progressive Steuertarife eine Rolle spielen. Lediglich Verluste oder progressive Steuersätze können nämlich Veränderungen der Steuerbelastungsdifferenzen zwischen alternativen Gestaltungsmöglichkeiten bei unterschiedlichen Zukunftslagen bewirken. Sieht man von gesetzgeberischen Änderungen des Steuertarifs ab, so sind nach derzeitigem deutschen Recht beachtenswerte Änderungen des Steuersatzes im Rahmen von steuerlichen Partialanalysen nur bei der Einkommensteuer zu verzeichnen. Einkommensteuerliche Progressionseffekte nach deutschem Recht treten derzeit aber nur für Einkommen bis zu rd. 53 T€ bei unverheirateten und bis zu 106 T€ bei verheirateten Steuerpflichtigen auf (Tarif für den Veranlagungszeitraum 2010 nach dem Rechtsstand im Sommer 2009). Nur bis zu diesen Einkommenshöhen können sich somit unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen auf die Höhe der Steuerbelastungsdifferenzen auswirken. Sind also bei allen Alternativen und allen für möglich erachteten wirtschaftlichen Entwicklungen die angeführten Einkommen überschritten, so haben die unsi-

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.