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1 Einführung in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 38 - 40

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_38

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Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik 1 Einführung Zweck dieses ersten Teils des vorliegenden Buches ist es, grundlegende betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu erörtern, deren Kenntnis für die Behandlung von Fragen der betrieblichen Steuerpolitik generell von Bedeutung ist. Dies soll in den nachfolgenden Gliederungspunkten 2 und 3 geschehen. Die Kenntnis dieser Zusammenhänge wird dann in den Punkten 4 bis 7 dieses Teils sowie in den Teilen II bis IV des Buches vorausgesetzt. Weiterer Zweck dieses Teils des Buches ist es, ein Instrumentarium zu schaffen, mit dessen Hilfe Probleme der betrieblichen Steuerpolitik gelöst werden können. Dies soll in den Gliederungspunkten 4 bis 6 geschehen. Hier werden somit noch keine konkreten Probleme der betrieblichen Steuerpolitik behandelt, vielmehr werden lediglich methodische Grundlagen zu deren Lösung erarbeitet. In Gliederungspunkt 7 wird in knapper Form die Wirkungsweise unterschiedlicher Systeme der Unternehmensbesteuerung dargestellt. Die Ausführungen sollen es dem Leser ermöglichen, Steuerwirkungen auch bei anderen Systemen der Unternehmensbesteuerung als dem derzeitigen deutschen zu ermitteln. Probleme der betrieblichen Steuerpolitik gibt es in unübersehbarer Fülle. Aus der Vielzahl sollen in den Teilen II bis IV dieses Buches nur einige wenige herausgegriffen werden. Hierbei handelt es sich allerdings um solche, die nach meiner persönlichen Einschätzung eine herausragende Bedeutung besitzen. So werden in Teil II Probleme einer zeitlichen Einkommensverlagerungspolitik, insbesondere der Steuerbilanzpolitik, behandelt. In Teil III wird auf den Einfluss der Besteuerung auf bestimmte betriebliche Funktionen eingegangen, und zwar auf die Funktionen Investition und Finanzierung. Nicht behandelt wird hingegen die Bedeutung der Besteuerung für Beschaffungs-, Produktions- und Absatzentscheidungen. Aus dem Bereich der konstitutiven Entscheidungen wird lediglich auf Probleme der Rechtsformwahl und des Rechtsformwechsels eingegangen. Dies geschieht in Teil IV dieses Buches. Steuerliche Probleme der Standortwahl hingegen werden im Rahmen dieses Buches nicht behandelt. Der Begriff „betrieblich“ im Zusammenhang mit dem der Steuerpolitik wird hier i. S. v. einzelwirtschaftlich verwendet. Er dient damit der Abgrenzung gegenüber dem Begriff gesamtwirtschaftlich. Betriebliche Steuerpolitik hat somit die Bedeutung einer Steuerpolitik, die durch die einzelnen Wirtschaftssubjekte im Rahmen ihrer einzelwirtschaftlichen Zielsetzungen betrieben wird. Nicht gemeint ist hingegen die staatliche Steuerpolitik. Zu den Betrieben gehören bei dieser 2 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium Begriffsabgrenzung neben den Unternehmen auch die privaten Haushalte. Damit ist klargestellt, dass im Rahmen der betrieblichen Steuerpolitik grundsätzlich auch die Einkommensteuer der betroffenen privaten Haushalte zu erfassen ist. Würde die Einkommensteuer nicht berücksichtigt, so würde die für einzelwirtschaftliche steuerpolitische Entscheidungen meist wichtigste Steuerart nicht erfasst. Krasse Fehlentscheidungen wären mit Sicherheit die häufige Folge einer solchen Vorgehensweise. 2 Betriebliche Steuerpolitik im Rahmen der Unternehmenspolitik 2.1 Betriebliche Steuerpolitik, steuerliche Aktionsparameter Die betriebliche Steuerpolitik (nachfolgend meist nur „Steuerpolitik“ genannt) ist Teil der allgemeinen Unternehmenspolitik. Sie kann als die zielgerichtete, d. h. planmäßige Ausnutzung steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten verstanden werden. Anstelle des Begriffs der betrieblichen Steuerpolitik wird deshalb häufig auch der der betrieblichen Steuerplanung (nachfolgend meist nur „Steuerplanung“ genannt) verwendet1. Die steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten (steuerliche Aktionsparameter) lassen sich in drei Gruppen gliedern, und zwar in 1. steuerliche Wahlrechte, 2. steuerliche Ermessensspielräume und 3. steuerlich orientierte Sachverhaltsgestaltungen. Steuerliche Wahlrechte sind Wahlmöglichkeiten, die in einem Gesetz oder in einer Verwaltungsanweisung ausdrücklich eingeräumt werden. Sie ermöglichen den Steuerpflichtigen bei gegebenem Sachverhalt die Wahl zwischen zwei oder mehreren Steuerfolgen. Steuerliche Wahlrechte gibt es in weiten Bereichen des Steuerrechts. Besonders verbreitet sind sie bei den Ertragsteuern und hier vor allem im Rahmen der steuerlichen Gewinnermittlung. Ermessensspielräume sind Wahlmöglichkeiten, die nicht ausdrücklich gesetzlich vorgesehen sind, sich aber faktisch ergeben. Sie können auf unbestimmten Rechtsbegriffen, aber auch auf einer ungeklärten Rechtslage beruhen. Von Ermessensspielräumen soll hier nur dann gesprochen werden, wenn der Rahmen des rechtlich Vertretbaren nicht gesprengt wird. Ein bewusster Verstoß gegen eine Rechtsnorm hingegen soll als illegale Praktik bezeichnet werden. Illegale Praktiken werden grundsätzlich nicht behandelt. Steuerlich orientierte Sachverhaltsgestaltungen können sowohl alle betrieblichen Aufbauelemente als auch die betrieblichen Funktionen betreffen. So hat die Besteuerung häufig Einfluss auf die Wahl der Rechtsform (Aufbauelement) oder auch auf die Art der Finanzierung (Funktion). 1 Die Begriffe „Steuerpolitik“ und „Steuerplanung“ werden im Schrifttum nicht von allen Autoren synonym verwendet. Die Begriffsabgrenzungen weichen z. T. erheblich voneinander ab. Im Einzelnen vgl. Heinhold, M., Steuerplanung, 1979, S. 20 ff.; Rödder, T., Steuerplanungslehre, 1988, S. 3; Grotherr, S., Grundlagen, 2003, S. 6 f.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.