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3.3 Vergleich zwischen Eigen- und langfristiger Fremdfinanzierung bei nichtpersonenbezogenen Kapitalgesellschaften in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 260 - 274

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_260

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3 Besteuerung und Finanzierungsentscheidungen 223 sind in Teil II dieses Buches herausgearbeitet worden. Auf diese Ausführungen kann hier verwiesen werden18. Ebenfalls in Teil II sind die abgeleiteten Ziele sowie die Vorteilskriterien der Steuerbilanzpolitik erörtert worden19. Die wichtigsten Ergebnisse der dort vorgenommenen Analyse lassen sich wie folgt zusammenfassen: 1. Vorteilhaft ist eine Gewinnverlagerung stets dann, wenn hierdurch der Steuerbarwert verringert wird (Ziel der Steuerbarwertminimierung). 2. Bei linearen und im Zeitablauf gleichbleibenden Steuersätzen ist regelmäßig eine maximale Gewinnachverlagerung die vorteilhafteste Maßnahme. 3. Bei linearen, aber im Zeitablauf sinkenden Steuersätzen ist ebenfalls eine maximale Gewinnachverlagerung die vorteilhafteste Maßnahme. Der Vorteil ist hierbei größer als in der unter 2. skizzierten Situation. 4. Bei natürlichen Personen mit Einkommen im Progressionsbereich der Einkommensteuer und bei im Zeitablauf gleichbleibenden Tariffunktionen ist die Gewinnverteilung am vorteilhaftesten, die die beste Anpassung an gleichwertige Einkommen ermöglicht. Dies kann eine geringere Gewinnachverlagerung als die maximale zur Folge haben. 5. Bei natürlichen Personen mit Einkommen im Progressionsbereich der Einkommensteuer und bei sinkenden Steuertarifen liegen die einander gleichwertigen Einkommen weiter auseinander als in der unter 4. skizzierten Situation. Außer einer Veränderung der Steuerzahlungen kann eine Gewinnverlagerung auch eine Veränderung sonstiger von der Gewinnhöhe abhängiger Zahlungen zur Folge haben. Dies kann insbesondere hinsichtlich der Gewinnausschüttungen gelten. Auch kommt eine Veränderung der Bezüge von Mitgliedern der Geschäftsleitung oder von sonstigen leitenden Angestellten in Betracht. 3.3 Vergleich zwischen Eigen- und langfristiger Fremdfinanzierung bei nichtpersonenbezogenen Kapitalgesellschaften 3.3.1 Grundsätzliches Nachfolgend soll ein Vergleich zwischen der Eigen- und der Fremdfinanzierung für den Fall durchgeführt werden, dass es sich bei dem zu finanzierenden Unternehmen um eine nichtpersonenbezogene Gesellschaft handelt. Hierunter soll eine Gesellschaft verstanden werden, bei der kein enger persönlicher Kontakt zwischen der Gesellschaft und ihren Gesellschaftern besteht. Insbesondere kennt der Vorstand nicht oder allenfalls ungenügend die persönlichen steuerlichen Verhältnisse der Gesellschafter. Er berücksichtigt diese deshalb nicht - auch nicht schätzungsweise - in seinem Kalkül. 18 Vgl. Teil II, Gliederungspunkte 2 und 3. 19 Vgl. Teil II, Gliederungspunkt 4. 224 Teil III: Steuern, Investition und Finanzierung Die geschilderte Situation kann als typisch für Publikumsaktiengesellschaften angesehen werden. Hierbei handelt es sich um große börsennotierte Aktiengesellschaften, deren Aktien breit gestreut sind. Weiteres Charakteristikum ist, dass an ihnen kein Gesellschafter mehrheitlich oder auch nur mit einer Sperrminorität (25 %ige Beteiligung) beteiligt ist. Untypisch dürfte die geschilderte Situation hingegen für Personengesellschaften sein. Die nachfolgenden Vergleiche werden deshalb auf Kapitalgesellschaften beschränkt. 3.3.2 Belastungen und Belastungsdifferenzen Eigen- und Fremdfinanzierung führen im Zeitpunkt der Kapitalbeschaffung zu keinen unterschiedlichen Steuerfolgen. Während der Vorgang der Kapitalzufuhr selbst erfolgsneutral erfolgt, handelt es sich bei den Kapitalbeschaffungskosten bei beiden Finanzierungsarten um abzugsfähige Betriebsausgaben. Als Kapitalbeschaffungskosten kommen insbesondere Bank- und Börsenspesen, Kosten für Zeitungsinserate sowie Notar- und Gerichtskosten in Betracht. Im konkreten Einzelfall ist zu beachten, dass diese Kosten bei beiden Finanzierungsarten betragsmäßig voneinander abweichen können. Unterschiede in der Höhe der Belastung mit Kapitalbeschaffungskosten sollen hier nicht berücksichtigt werden. Nach der Kapitalbeschaffung werden die zusätzlichen liquiden Mittel für eine Investition verwendet. Dies führt in der Folgezeit jährlich zu einem zusätzlichen Ertrag E i. S. v. Gleichung (II) bzw. (IIa)20. Als E soll hier der zusätzliche steuerliche Gewinn vor Abzug der Zinsen als Betriebsausgaben im Fall der Fremdfinanzierung bezeichnet werden. E ist also bei den miteinander zu vergleichenden Finanzierungsarten gleich groß. Im Falle der Eigenfinanzierung muss regelmäßig das zusätzlich aufgenommene Kapital mit Dividenden „bedient“ werden. Es entstehen also zusätzliche Ausschüttungen A. Diese führen bei der ausschüttenden Kapitalgesellschaft zu keinen weiteren Steuerfolgen, wohl aber bei deren Gesellschaftern. Letztere werden aber - wie weiter oben ausgeführt - bei den hier betrachteten nichtpersonenbezogenen Kapitalgesellschaften ausdrücklich nicht berücksichtigt. Im Falle der Fremdfinanzierung entstehen keine zusätzlichen Dividenden, sondern zusätzliche Zinsen (Zi). Diese verringern den steuerlichen Gewinn, d. h. sie vermindern E i. S. v. Gleichung (II). Da auf Grund ihrer Größe bei nichtpersonenbezogenen Kapitalgesellschaften stets der in § 8 Nr. 1 GewStG festgelegte Freibetrag von 100 T€ überschritten sein dürfte, haben die Zinsen in Höhe des sich aus § 8 Nr. 1 Buchstabe a) GewStG ergebenden Hinzurechnungsfaktors β die Wirkung von Hge i. S. v. Gleichung (II) bzw. (IIa). Dieser beträgt derzeit (im Erhebungszeitraum 2009) 25 %. 20 Hinsichtlich dieser Gleichungen s. Teil I, Gliederungspunkt 4.3 und den Formelanhang (Anhang 3). Nachfolgend wird regelmäßig nur Gleichung (II) erwähnt, sofern nicht ausnahmsweise ausdrücklich auf Gleichung (IIa) zurückgegriffen werden muss. 3 Besteuerung und Finanzierungsentscheidungen 225 Ist im Falle der Fremdfinanzierung der Rückzahlungsbetrag des Darlehens höher als der Auszahlungsbetrag, so ist die Differenz steuerlich bekanntlich als aktiver Rechnungsabgrenzungsposten zu verbuchen. Die jährliche Auflösung dieses Postens mindert den steuerlichen Gewinn, d. h. E i. S. v. Gleichung (II). Gleichzeitig ist dieser aufgelöste Teil des Damnums (Abgelts) aber bei der Gewerbesteuer wie Zinsen zu behandeln21. Um ein Viertel (β) des Betrages ist also Hge zu erhöhen. Damit entspricht die Behandlung des jährlich aufzulösenden Teils des Damnums genau derjenigen der Zinsen. Damit ist es vertretbar, den jährlichen Auflösungsbetrag nicht gesondert zu erfassen, sondern in die Zinsen einzurechnen. In dieser Weise soll hier vorgegangen werden. Erfolgt ein Teil der Investitionen im Immobilienbereich, so verändert sich Ewbgr i. S. v. Gleichung (II) bzw. (IIa). Die Wirkung ist in den Vergleichsfällen gleich groß. Sie braucht deshalb hier nicht berücksichtigt zu werden. Anhand der aufgezeigten Wirkungen können die Steuerbelastungen der Investition und ihrer Finanzierung ermittelt werden. Die Steuerbelastung für den Fall der Eigenfinanzierung (Se) beträgt: (VII) Se = E · (sk + sge). Die Steuerbelastung für den Fall der Fremdfinanzierung (Sf) beträgt: (VIII) Sf = E · (sk + sge) – Zi · (sk + sge) + β · Zi · sge. Aus den Gleichungen (VII) und (VIII) kann die Steuerbelastungsdifferenz (Se – Sf) der beiden Finanzierungsarten ermittelt werden. Sie beträgt unter der Voraussetzung, dass der Bruttoertrag E bei beiden Finanzierungsarten gleich groß ist: (IX) Se – Sf = Zi · (sk + sge) – β · Zi · sge. Gleichung (IX) kann auch wie folgt geschrieben werden: (IXa) Se – Sf = Zi · [sk + sge · (1 – β)]. Ob es sinnvoller ist, Gleichung (IX) oder Gleichung (IXa) anzuwenden, hängt von den Verhältnissen des Einzelfalls ab. Handelt es sich um einen Fall, für den die kombinierten Steuersätze bekannt sind, so ist es einfacher, Gleichung (IX) anzuwenden. Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, so führt die Anwendung von Gleichung (IXa) schneller zum Ergebnis. 21 Vgl. Abschn. 46 Abs. 1 Satz 4 GewStR. 226 Teil III: Steuern, Investition und Finanzierung Ausdrücklich sei nochmals auf Folgendes hingewiesen: Sowohl Gleichung (IX) als auch Gleichung (IXa) gelten nur unter der Voraussetzung, dass bei den miteinander zu vergleichenden Finanzierungsarten ein gleich hoher Bruttoertrag E entsteht. Wie bereits ausgeführt, handelt es sich bei dem Bruttoertrag um den auf die Investition zusätzlich entfallenden Gewinn vor Abzug der auf die Finanzierung entfallenden zusätzlichen Zinsen bzw. Dividenden sowie vor Abzug der zusätzlich anfallenden Steuern. Werden die Standardsteuersätze für die Jahre ab 2008 (sge = 14 % und sk = 15,825 %) eingesetzt und wird von β = 0,25 ausgegangen, so ergibt sich aus Gleichung (IX): (37) Se – Sf = 0,29825 · Zi – 0,035 · Zi. Dies kann zusammengefasst werden zu: (38) Se – Sf = 0,26325 · Zi. Die Eigenfinanzierung ist in dieser konkreten Situation also um 26,33 % der Zinsen höher belastet als die Fremdfinanzierung. 3.3.3 Steuerbelastungsquoten 3.3.3.1 Grundsätzliches Nunmehr sollen sowohl für den Fall der Eigen- als auch für den der Fremdfinanzierung Steuerbelastungsquoten ermittelt und diese miteinander verglichen werden. Hierbei erfolgt eine Beschränkung auf die in diesem Kapitel behandelten nichtpersonenbezogenen Kapitalgesellschaften. Wie bereits erörtert, wird hier davon ausgegangen, dass diese Gesellschaften die persönliche Steuerbelastung ihrer Gesellschafter (Aktionäre) nicht berücksichtigen. Ermittelt werden sollen die Steuerbelastungen einer Investition und ihrer Finanzierung in Abhängigkeit von der Höhe des erwarteten Bruttogewinns E. Wie bereits ausgeführt, wird hierunter der zusätzliche Gewinn vor Abzug von Zinsen und Steuern verstanden. Im Falle der Eigenfinanzierung mindern (selbstverständlich) auch die infolge der Kapitalaufnahme zu erwartenden zusätzlichen Dividenden nicht den Bruttogewinn. Eine einheitliche Bezugsgröße ist erforderlich, um die unterschiedlichen Steuerbelastungen miteinander vergleichbar zu machen. Als Bezugsgröße wird der Gewinn vor Zinsen und Steuern deshalb gewählt, weil so veranschaulicht wird, in welchem Umfang ein aus einer Investition zu erwartender Bruttogewinn an das Finanzamt gezahlt werden muss und welcher Betrag für Dividenden, Zinsen und 3 Besteuerung und Finanzierungsentscheidungen 227 Thesaurierung verbleibt. Die Steuerbelastungen im Falle der Eigenfinanzierung werden aus Gleichung (VII), diejenigen bei Fremdfinanzierung werden aus Gleichung (VIII) ermittelt. Die Differenzbelastungen werden hier durch Subtraktion der Werte gem. Gleichung (VIII) von denen nach Gleichung (VII) ermittelt; sie stimmen überein mit den Werten, die sich unmittelbar aus Gleichung (IX) ermitteln lassen. 3.3.3.2 Ableitung der Belastungsquote bei Eigenfinanzierung Die Steuerbelastung in Fällen der Eigenfinanzierung ergibt sich aus der bereits abgeleiteten Gleichung (VII). Wird nur der Fall betrachtet, dass die durch die Finanzierung ermöglichte Investition nicht in Betriebsgrundstücken erfolgt, so nimmt Ewbgr in Gleichung (VII) den Wert 0 an. Gleichung (VII) wird dann zu: (39) Se = E · (sk + sge). Nur dieser Fall wird in die nachfolgende Untersuchung einbezogen. Wird Gleichung (39) durch E dividiert, so ergibt sich: (40) Se E = sk + sge. Der Quotient aus Se und E soll hier als Steuerbelastungsquote des Bruttogewinns E bei Eigenfinanzierung bezeichnet werden. Wie die Struktur der Gleichung (40) zeigt, ist diese ausschließlich von dem Körperschaftsteuer- und Solidaritätszuschlagsatz sowie von dem Gewerbesteuersatz abhängig. 3.3.3.3 Ableitung der Belastungsquote bei Fremdfinanzierung Zur Ableitung der Steuerbelastungsquote bei Fremdfinanzierung wird auf Gleichung (VIII) zurückgegriffen. Wird auch hier nur der Fall betrachtet, dass die durch die Finanzierung ermöglichte Investition nicht in Betriebsgrundstücke erfolgt, so nimmt auch in Gleichung (VIII) Ewbgr den Wert 0 an. Gleichung (VIII) wird dann zu (41) Sf = E · (sk + sge) – Zi · (sk + sge) + β · Zi · sge. bzw. nach Umformung zu (42) Sf = E · (sk + sge) – Zi · (sk + sge – β · sge). 228 Teil III: Steuern, Investition und Finanzierung Es kann definiert werden: (43) Zi = i · Kef. Hierbei gibt i den Zinssatz, bezogen auf das effektiv eingesetzte Fremdkapital an. Unter Berücksichtigung von Gleichung (43) kann Sf in Gleichung (42) wie folgt geschrieben werden: (44) Sf = E · (sk + sge) – i · Kef · (sk + sge – β · sge). Wird der Bruttogewinn E als Funktion des eingesetzten Effektivkapitals Kef angesehen, so kann definiert werden: (45) E = r · Kef. r kann hierbei als die Rendite des eingesetzten Kapitals angesehen werden. Aufgelöst nach Kef ergibt sich aus Gleichung (45): (46) Kef = r – 1 · E. Durch Einsetzen des Werts vonKef aus Gleichung (46) in Gleichung (44) ergibt sich: (47) Sf = E · (sk + sge) – i · r – 1 · E · (sk + sge – β · sge). Hieraus ergibt sich die Steuerbelastungsquote des Bruttogewinns im Falle der Fremdfinanzierung mit: (48) Sf E = sk + sge – i · r – 1 · (sk + sge – β · sge). 3.3.3.4 Steuerbelastungsquoten Tabelle III/1 enthält jährliche Steuerbelastungen bei Eigen- und bei Fremdfinanzierung sowie Steuerbelastungsdifferenzen, die sich zwischen beiden Finanzierungsarten ergeben. Alle in der Tabelle wiedergegebenen Werte beruhen auf dem im Jahr 2009 geltenden Recht unter Zugrundelegung eines Gewerbesteuerhebesatzes von 400 %. Dies bedeutet, dass folgende Steuersätze berücksichtigt sind: sk = 15,825 % und sge = 14 %. Außerdem wird davon ausgegangen, dass der in § 8 Nr. 1 GewStG enthaltene Freibetrag von 100 T€ bereits ausgeschöpft ist. Damit gilt β = 0,25. 3 Besteuerung und Finanzierungsentscheidungen 229 Spalte 1 der Tabelle III/1 enthält unterschiedliche Werte für die Rentabilität des eingesetzten Effektivkapitals Kef. Diese Rentabilität r ergibt sich durch Umformung von Gleichung (45) mit: (49) r = E Kef . Berücksichtigt sind Bruttorentabilitäten, die zwischen 1 % (Zeile 1) und 40 % (Zeile 6) des eingesetzten Effektivkapitals liegen. Sie decken also ein sehr breites Spektrum ab. Die Spalten 2 bis 4 enthalten Steuerbelastungen in % des Bruttogewinns E, und zwar in der Spalte 2 für den Fall der Eigen- und in den Spalten 3 und 4 für den Fall der Fremdfinanzierung. Die Werte der Spalte 2 sind aus Gleichung (40), die der Spalten 3 und 4 aus Gleichung (48) ermittelt worden. Im Falle der Eigenfinanzierung beträgt die Steuerbelastung bei dem hier angewendeten Hebesatz von 400 % unabhängig von der Höhe des Bruttogewinns stets 29,83 % (exakt 29,825 %) des Bruttogewinns E (Spalte 2). Tabelle III/1: Jährliche Steuerbelastung bei Eigen- und Fremdfinanzierung im Vergleich* Steuerbelastung Se bzw. Sf in % des Bruttogewinns E Differenzen der Steuerbelastungen in % des Bruttogewinns E Fremdfinanzierung Effektiver Zinssatz i Bei einem effektiven Zinssatz i von Zeile Bruttorentabilität des eingesetzten Kapitals r = E Kef Eigenfinanzierung 5 % 10 % 5 % (Spalte 2 ./. 3) 10 % (Spalte 2 ./. 4) Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4 Spalte 5 Spalte 6 1 1 % + 29,83 – 101,80** – 233,43** + 131,63 + 263,26 2 5 % + 29,83 + 3,50 – 22,83** + 26,33 + 52,66 3 10 % + 29,83 + 16,66 + 3,50 + 13,17 + 26,33 4 20 % + 29,83 + 23,24 + 16,66 + 6,59 + 13,17 5 30 % + 29,83 + 25,44 + 21,05 + 4,39 + 8,78 6 40 % + 29,83 + 26,53 + 23,24 + 3,30 + 6,59 * Allen Belastungswerten liegt ein Körperschaftsteuersatz von 15 % (skö = 15 %) und ein Solidaritätszuschlag von 5,5 % (solz = 5,5 %) zugrunde. Demnach ergibt sich für sk ein Wert von (15 % · 1,055 =) 15,825 %. In allen Fällen wird von einem Gewerbesteuerhebesatz von 400 % ausgegangen. Der Gewerbesteuersatz sge beträgt also 14 %. Außerdem gilt β = 0,25. ** Negative Steuerbelastungen sind nur unter der Voraussetzung möglich, dass negative Bemessungsgrundlagen mit positiven ausgeglichen bzw. von diesen im Rahmen eines Verlustrückoder Verlustvortrags abgezogen werden können. 230 Teil III: Steuern, Investition und Finanzierung Die Spalten 3 und 4 enthalten Steuerbelastungen für den Fall der Fremdfinanzierung (Sf), wiederum in % des Bruttogewinns E. Die Werte sind aus Gleichung (48) ermittelt worden. Die Werte der Spalte 3 beruhen auf einem effektiven Zinssatz von 5 %, die der Spalte 4 auf einem Zinssatz von 10 %. Hier zeigt sich eine sehr hohe Abhängigkeit der Steuerbelastungsquoten von den in Spalte 1 angegebenen Bruttorentabilitäten. Die Steuerbelastungen reichen von Werten zwischen rd. - 233 % (Zeile 1, Spalte 4) bis zu + 27 % (Zeile 6, Spalte 3) des Bruttogewinns E. Klargestellt sei, dass negative Steuerbelastungsquoten nur unter der Voraussetzung möglich sind, dass negative Bemessungsgrundlagen mit positiven ausgeglichen bzw. von diesen im Rahmen eines Verlustrück- oder Verlustvortrags abgezogen werden können. Die Spalten 5 und 6 enthalten Differenzen der Steuerbelastungen zwischen den vorher ermittelten Steuerbelastungsquoten im Falle der Eigen- und denen der Fremdfinanzierung. Alle Werte der Spalten 5 und 6 weisen positive Werte auf, d. h. die Steuerbelastungsquoten sind im Falle der Eigen- stets höher als in dem der Fremdfinanzierung. Allerdings wirkt sich der Unterschied bei einer geringen Bruttorentabilität des eingesetzten Kapitals erheblich stärker aus als bei einer hohen Bruttorentabilität. Dies zeigt ein Vergleich der Werte der Zeile 1 mit denen der Zeile 6 besonders auffällig. 3.3.4 Gleiche Zahlungsbelastung unterschiedlicher Finanzierungsarten 3.3.4.1 Gleichheitsbedingungen In allgemeiner Form ergibt sich die Differenz zwischen der Steuerbelastung im Falle der Eigen- und in dem der Fremdfinanzierung aus der bereits an früherer Stelle abgeleiteten Gleichung (IX)22. (IX) Se – Sf = Zi · (sk + sge) – β · Zi · sge. Da sge ≥ 0 und β < 1, gilt stets (50) Se – Sf ≥ Zi · sk und hiermit (51) Se > Sf. 22 Vgl. Gliederungspunkt 3.3.2. 3 Besteuerung und Finanzierungsentscheidungen 231 Die jährliche Steuerbelastung ist somit im Falle der Eigenfinanzierung stets höher als in dem der Fremdfinanzierung. Damit stellt sich die Frage, ob bei niedrigeren Dividenden als Zinsen unter Einbeziehung dieser Dividenden bzw. Zinsen in die Betrachtung eine gleich hohe jährliche Belastung bei Eigen- und Fremdfinanzierung erreichbar ist. Die jährliche Zahlungsdifferenz (Zef – Zff) ergibt sich aus Gleichung (IX) durch Addition der Ausschüttungen (A) und Subtraktion der Zinsen: (52) Zef – Zff = A – Zi + Zi · (sk + sge) – β · Zi · sge. Hierbei gibt Zef die Jahresbelastung aus Dividenden und Steuern bei Eigen- und Zff die entsprechende Belastung aus Zinsen und Steuern bei Fremdfinanzierung an. Für den Fall, dass die Jahresbelastung beider Finanzierungsarten gleich groß ist, d. h. für (53) Zef = Zff, ergibt sich (54) A = Zi – Zi · (sk + sge) + Zi · β · sge. Hierfür kann geschrieben werden: (55) A = Zi · (1 – sk – sge + β · sge). Werden in Gleichung (55) die Standardsteuersätze für Kapitalgesellschaften (sk = 0,15825, sge = 0,14) angesetzt und wird von einer 25 %igen Hinzurechnung der Zinsen nach § 8 Nr. 1 GewStG ausgegangen (β = 0,25), so nimmt A in Gleichung (55) folgenden Wert an: (55a) A = 0,73675 · Zi. Dies bedeutet, dass bei Ansatz der Standardsteuersätze die Ausschüttungen nur rd. 74 % der Zinsen betragen dürfen, damit die Belastung der Kapitalgesellschaft im Falle der Eigenfinanzierung nicht größer ist als in dem der Fremdfinanzierung. 3.3.4.2 Paralleldividenden Gewinnausschüttungen können als das Produkt aus dem im Falle der Eigenfinanzierung beschafften Effektivkapital (Kef/e) und dem auf dieses Effektivkapital bezogenen Ausschüttungssatz (a * ) definiert werden: 232 Teil III: Steuern, Investition und Finanzierung (56) A = Kef/e · a * . Entsprechend können die Zinsen als das Produkt aus dem im Falle der Fremdfinanzierung beschafften Effektivkapital (Kef/f) und dem auf dieses Effektivkapital bezogenen Zinssatz (i) definiert werden: (57) Zi = Kef/f · i. Durch Einsetzen der Werte der Gleichungen (56) und (57) in Gleichung (55) ergibt sich: (58) Kef/e · a * = Kef/f · i · (1 – sk – sge + β · sge). Wird bei beiden Finanzierungsarten das gleiche Effektivkapital beschafft, d. h. gilt (59) Kef/e = Kef/f, so wird aus Gleichung (58): (60) a * = i · (1 – sk – sge + β · sge). Werden auch hier die Standardsteuersätze für Kapitalgesellschaften (sk = 15,825 %, sge = 14 %) angesetzt und wird wiederum von einer 25 %igen Hinzurechnung der Zinsen nach § 8 Nr. 1 GewStG (β = 0,25) ausgegangen, so ergibt sich: (60a) a * = 0,73675 · i. Aus Gleichung (60) lassen sich für unterschiedliche Steuersätze zu vorgegebenen Zinssätzen Paralleldividenden ermitteln. Hierbei handelt es sich um Ausschüttungssätze, die zur gleichen Jahresbelastung führen wie die angegebenen Zinssätze. Zur Klarstellung sei nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Zinsbzw. Dividendensätze hier jeweils auf das aufgenommene Effektiv- und nicht auf das Nominalkapital bezogen werden. Nicht berücksichtigt sind die Geldbeschaffungskosten, die bei den miteinander zu vergleichenden Finanzierungsarten in unterschiedlicher Höhe anfallen können. Tabelle III/2 enthält in den Spalten 2 bis 4 Paralleldividendensätze zu den in Spalte 1 aufgeführten Zinssätzen. Die Werte beruhen auf Gleichung (60). 3 Besteuerung und Finanzierungsentscheidungen 233 Tabelle III/2: Paralleldividendensätze zu vorgegebenen Zinssätzen Zinssatz i in % Paralleldividendensatz a * in % skö = 15 % skö = 30 % skö = 15 % sge = 14 % sge = 14 % sge = 17,5 % Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4 4 2,947 2,314 2,842 6 4,421 3,471 4,263 8 5,894 4,628 5,684 10 7,368 5,785 7,105 12 8,841 6,942 8,526 14 10,315 8,099 9,947 Allen in der Tabelle enthaltenen Werten liegt die Voraussetzung zugrunde, dass die Zinsen zu 25 % nach § 8 Nr. 1 GewStG dem Gewinn aus Gewerbebetrieb zur Ermittlung des Gewerbeertrags hinzugerechnet werden, d. h. es gilt β = 0,25. Ein Gewerbesteuersatz von 14 % (sge = 0,14) entspricht einem Hebesatz von 400 %, ein Gewerbesteuersatz von 17,5 % (sge = 0,175) einem Hebesatz von 500 %. 3.3.4.3 Erforderlicher Emissionskurs Weichen im Falle einer Aktienfinanzierung die Erhöhung des Nominalkapitals (Kn/e) und das tatsächlich erzielte Effektivkapital (Kef/e) voneinander ab, so kann folgende Beziehung formuliert werden: (61) Kef/e = Kn/e · u. u gibt hierbei den Emissionskurs an, zu dem die „jungen“ Aktien emittiert werden. Einen Emissionskurs gibt es nur bei Nennwertaktien, nicht hingegen auch bei Stückaktien. Handelt es sich bei den Aktien um nennwertlose Stückaktien, so gibt u das Verhältnis der effektiven Kapitalzufuhr aufgrund einer Aktienfinanzierung und der im Rahmen dieser Finanzierung von der Hauptversammlung beschlossenen Erhöhung des Nennkapitals (Grundkapitals) an. Die Definition von u gibt somit nicht nur in dem Fall Sinn, in dem die Aktien einen Nennwert haben, sondern auch in dem Fall, in dem es sich bei den Aktien um nennwertlose Stückaktien handelt. Ebenso wie über die Ermittlung von Paralleldividendensätzen zu vorgegebenen Zinssätzen kann auch über die Festsetzung des Emissionskurses u versucht werden, in Fällen der Aktienfinanzierung keine höhere Auszahlungsbelastung der Kapitalgesellschaft entstehen zu lassen als im Falle der Fremdfinanzierung. Zur Einfügung des Emissionskurses u in die Bedingung gleicher Auszahlungsbelastung ist es zweckmäßig, auf Gleichung (55) zurückzugreifen. Zur Erinnerung sei Gleichung (55) nochmals aufgezeichnet. Sie lautet: (55) A = Zi · (1 – sk – sge + β · sge). 234 Teil III: Steuern, Investition und Finanzierung Um den Emissionskurs u berücksichtigen zu können, soll die Ausschüttung in Gleichung (56) in Relation zur Erhöhung des Aktiennominalkapitals (Kn/e) gesetzt werden. Die Ausschüttung ist dann das Produkt aus Kn/e und dem Ausschüttungssatz bezogen auf dieses Nominalkapital (a): (62) A = Kn/e · a. Gleichung (57) entsprechend sollen die Zinsen unverändert als das Produkt aus dem effektiv aufgenommenen Fremdkapital (Kef/f) und dem auf dieses bezogenen Zinssatz i definiert werden: (57) Zi = Kef/f · i. Durch Einsetzen der Werte der Gleichungen (62) und (57) in Gleichung (55) ergibt sich: (63) Kn/e · a = Kef/f · i · (1 – sk – sge + β · sge). Durch Auflösung der bereits abgeleiteten Gleichung (61) Kef/e = Kn/e · u. nach Kn/e ergibt sich (64) Kn/e = Kef/e u . Wird der Wert von Gleichung (64) in Gleichung (63) eingesetzt, so ergibt sich: (65) Kef/e · a u = Kef/f · i · (1 – sk – sge + β · sge). Für den Fall, dass die effektive Kapitalzufuhr in den miteinander zu vergleichenden Fällen der Aktien- und der Fremdfinanzierung gleich groß ist, dass also (66) Kef/e = Kef/f gilt, vereinfacht sich Gleichung (65) zu 3 Besteuerung und Finanzierungsentscheidungen 235 (67) a u = i · (1 – sk – sge + β · sge). Aus Gleichung (67) kann für beliebige Kombinationen der Ausschüttungs-, Zinsund Steuersätze zueinander der mindest erforderliche Emissionskurs u ermittelt werden. Hierunter soll der Emissionskurs bei Aktienemission verstanden werden, den die emittierende Gesellschaft mindestens erzielen muss, damit die Aktienfinanzierung nicht zu einer höheren Jahresbelastung führt als eine alternative Fremdfinanzierung. Nach u aufgelöst, ergibt sich aus Gleichung (67): (68) u = a i · (1 – sk – sge + β · sge) . Werden in Gleichung (68) sk = 0,15825, sge = 14 % und β = 0,25 eingesetzt, so ergibt sich (68a) u = 1,3573 · a i . Für den Fall, dass Dividenden- und Zinssatz gleich groß sind (a = i), gilt: (68b) u = 1,3573. Der Emissionskurs muss bei Ansatz der Standardsteuersätze und einer 25 %igen Hinzurechnung der Zinsen und gleich großem Zins- und Dividendensatz also mindestens 135,73 % betragen, damit die Aktienfinanzierung nicht nachteiliger ist als die Fremdfinanzierung. Tabelle III/3 enthält in den Spalten 2 bis 4 für unterschiedliche Kombinationen von sk und sge zueinander die erforderlichen Emissionskurse. Sie beruhen außerdem auf unterschiedlichen Verhältnissen von a und i zueinander. Die unterschiedlichen Verhältnisse von a und i zueinander ergeben sich aus Spalte 1. In Zeile 2 dieser Spalte wird von a = i ausgegangen, d. h. der Ausschüttungssatz entspricht dem Zinssatz. Die Werte sind aus Gleichung (68) ermittelt worden. Klargestellt sei, dass eine Emission von Aktien unter pari nach § 9 AktG gesellschaftsrechtlich unzulässig ist. 236 Teil III: Steuern, Investition und Finanzierung Tabelle III/3: Erforderliche Emissionskurse in % des aufgenommenen Kapitals* Erforderlicher Emissionskurs u zu Zins- bzw. Dividendensätzen der Spalte 1 in % skö = 15 % skö = + 30 % skö = 15 % Verhältnis Dividenden- zu Zinssatz (a : i) sge = 14 % sge = + 14 % sge = 17,5 % Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4 50 % 67,87 86,43 70,37 100 % 135,73 172,86 140,75 150 % 203,60 259,29 211,12 200 % 271,46 345,72 281,49 * Allen in der Tabelle enthaltenen Werten liegt die Voraussetzung zugrunde, dass die Zinsen nach § 8 Nr. 1 GewStG dem Gewinn aus Gewerbebetrieb zur Ermittlung des Gewerbeertrags zu 25 % hinzugerechnet werden. 3.3.5 Zur Aussagefähigkeit der Auszahlungsdifferenzen Die in diesem Abschnitt durchgeführten Vergleiche berücksichtigen nicht die durch unterschiedliche Höhe und unterschiedlichen zeitlichen Anfall von Zahlungen entstehenden Supplementinvestitionen. Dennoch sind sie nicht ohne Wert. Sie können zum einen als Grundlage für evtl. erforderlich gehaltene Endvermögens- oder Kapitalwertvergleiche dienen. Sie besitzen zum anderen in den meisten Fällen eine eigene Aussagefähigkeit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit miteinander zu vergleichender Finanzierungsmaßnahmen. Grundsätzlich kann nämlich davon ausgegangen werden, dass eine Maßnahme der Außenfinanzierung dann vorteilhafter ist als eine andere, wenn sie bei gleicher effektiver Kapitalzufuhr sowohl im Jahre der Kapitalaufnahme als auch in allen späteren Jahren des Vergleichszeitraums die geringeren Finanzierungsauszahlungen verursacht. Das gilt zumindest dann, wenn Geldbeschaffungskosten in etwa gleicher Höhe und zum etwa gleichen Zeitpunkt anfallen. Die Höhe der Finanzierungsauszahlungen kann dann als Ersatzkriterium des Vorteilsvergleichs angesehen werden. Soll in derartigen Fällen lediglich festgestellt werden, welche von zwei Finanzierungsmaßnahmen die vorteilhaftere ist, so ist die Ermittlung der Differenzen der Finanzierungsauszahlungen ausreichend. Geht in derartigen Fällen die Neugier weiter und soll ermittelt werden, wie hoch der Vorteil ist, so ist allerdings auch dann die Ermittlung von End- bzw. Kapitalwerten unvermeidlich. Für die zu treffende Wahlentscheidung hingegen sind Endwert- oder Kapitalwertvergleiche in diesen Fällen nicht erforderlich. 3.3.6 Aufgabe 2 Die P-AG ist eine Publikumsaktiengesellschaft. Ihr Vorstand plant zur Errichtung eines Zweigwerks die Beschaffung von effektiv 100 Mio € liquider Mittel über die Börse. Gedacht ist entweder an die Aufnahme von nominal 100 Mio € Industrieobligationen mit einem Zinssatz von 6,0 % p.a. oder an eine ordentliche Kapitalerhöhung i. S. d. § 182 AktG. Die P-AG hat während der letzten Jahre stets 1 € Dividende je 5 € -Aktie ausgeschüttet. Der Vorstand glaubt, dass er diesen Dividendensatz auch in Zukunft 3 Besteuerung und Finanzierungsentscheidungen 237 beibehalten muss, um zu verhindern, dass das Ansehen der Gesellschaft leidet. Zur Zeit der Planung beträgt der Börsenwert einer 5 € -Aktie 15,30 €. Vor einer Entscheidung über die Art der Kapitalaufnahme will der Vorstand folgende zwei Fragen beantwortet haben: 1. Wie hoch ist die jährliche Steuerbelastungs- und die Kostenbelastungsdifferenz der Finanzierungsalternativen für den Fall, dass die Aktienemission zu pari erfolgt? 2. Lässt sich eine gleich hohe Kostenbelastung durch eine entsprechende Festsetzung des Emissionskurses erreichen? Der Vorstand beauftragt Sie mit der Beantwortung dieser Fragen. Bei Ihren Recherchen erfahren Sie, dass der Vorstand unter den jährlichen Kostenbelastungen die durch die beabsichtigte Investition und ihre Finanzierung zusätzlich anfallenden Dividenden bzw. Zinsen und die zusätzlich anfallenden oder fortfallenden Steuern versteht. Ferner stellen Sie fest, dass die P-AG den Standardsteuersätzen der Gewerbe- und Körperschaftsteuer des Jahres 2009 (sge = 0,14, sk = 0,15825) unterliegt und der Vorstand von dem Fortbestand dieser Steuersätze während des von ihm vorgegebenen fünfjährigen Planungszeitraums ausgeht. Der Vorstand ist damit einverstanden, dass Sie die Emissionskosten aus Vereinfachungsgründen nicht berücksichtigen. 3.4 Vergleich zwischen Eigen- und Gesellschafterfremdfinanzierung 3.4.1 Vergleichssituation und Arten des Vergleichs Nunmehr sollen Fälle betrachtet werden, in denen enge persönliche Beziehungen zwischen einer Gesellschaft und ihren Gesellschaftern bestehen. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass der Gesellschafterkreis eng begrenzt ist und häufig nur aus Mitgliedern einer Familie oder einiger weniger Familien besteht. Der Extremfall ist der der Einmann-GmbH. Derartige Gesellschaften werden üblicherweise als personenbezogene Gesellschaften oder auch als Familiengesellschaften bezeichnet23. Für personenbezogene Gesellschaften kann ein Vergleich zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung in zwei Entscheidungssituationen sinnvoll sein. Sie sind beide dadurch gekennzeichnet, dass die Gesellschaft Mittel zur Finanzierung von Investitionen benötigt, und die Gesellschafter oder auch potentielle neue Gesellschafter über derartige Mittel verfügen. Sie unterscheiden sich durch Folgendes: • Im ersten Fall stehen die Gesellschafter vor der Frage, ihre eigenen Mittel entweder dem Unternehmen zur Verfügung zu stellen oder sie für eine Alternativinvestition außerhalb des Unternehmens zu verwenden bei gleichzeitiger Kreditaufnahme für die betriebliche Investition. • Im zweiten Fall steht eine außerbetriebliche Anlage der Mittel nicht zur Debatte. Hier geht es nur darum, ob die Gesellschafter ihre Mittel dem Betrieb als Eigenkapital oder als Gesellschafterdarlehen zur Verfügung stellen. 23 Vgl. Beinert, J., Familienkapitalgesellschaften, 1979, S. 270; Brönner, H./Bareis, P., Bilanz, 1991, S. 924 ff.; Jacobs, O. H., Unternehmensbesteuerung, 2002, S. 315 ff.; Brönner, H., Besteuerung, 2007, S. 824 ff.

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References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.