Content

3.2 Vergleich zwischen einer Finanzierung durch Steuerverlagerung mit einem Verzicht hierauf in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 259 - 260

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_259

Bibliographic information
222 Teil III: Steuern, Investition und Finanzierung sinnvoll. Andere Arten der Innenfinanzierung spielen im Rahmen der betrieblichen Steuerpolitik i. d. R. keine Rolle. Bei einem Vergleich der beiden Formen der Außenfinanzierung miteinander, d. h. der Eigen- mit der Fremdfinanzierung, ist es von herausragender Bedeutung, ob die Fremdfinanzierung durch Gesellschafter oder durch Dritte erfolgt. In beiden Fällen ist dann - wie in Abbildung III/1 bereits dargestellt - weiter danach zu differenzieren, ob es zu einer Hinzurechnung der Zinsen nach § 8 Nr. 1 GewStG kommt oder nicht. Auch ein Vergleich zwischen bestimmten Formen der Verhinderung von Auszahlungen einerseits und unterschiedlichen Arten der Außenfinanzierung andererseits erscheint sinnvoll. So ist es in bestimmten Entscheidungssituationen möglich, Gewinne entweder zu thesaurieren oder aber sie zwar auszuschütten, die ausgeschütteten Mittel aber anschließend im Wege einer Eigenkapitalerhöhung oder durch die Aufnahme eines Gesellschafterdarlehens wieder zurückzuholen. Auch hierauf soll nachfolgend eingegangen werden. Letztlich ist ein Vergleich des Leasing mit einer Investition mit Fremdfinanzierung sinnvoll. Auf die hiermit im Zusammenhang stehenden Probleme soll am Ende dieses Teils des Buches eingegangen werden. 3.1.3 Ziele und Vorteilskriterien Ebenso wie bei allen anderen betrieblichen Entscheidungen quantitativer Art kann auch als Ziel der Finanzierungspolitik die Endvermögensmaximierung angesehen werden. Da Finanzierungsentscheidungen üblicherweise nur solche Zahlungsströme auslösen, auf die die Regeln der Finanzmathematik anwendbar sind, kann das Ziel der Endvermögensmaximierung unbedenklich in das Ziel der Kapitalwertmaximierung transferiert werden. Für Endvermögens- bzw. Kapitalwertvergleiche ist es auch hier zweckmäßig, Jahresbelastungen bzw. Jahresbelastungsdifferenzen zu bilden. Hierbei stellt sich jeweils die Frage, ob deren Kenntnis zur Bestimmung der Endvermögens- bzw. der Kapitalwertmaximierung ausreichend ist oder ob explizit ein Endvermögensoder Kapitalwertvergleich durchgeführt werden muss. Dieser Frage ist im Rahmen der einzelnen noch durchzuführenden Vergleiche jeweils nachzugehen. 3.2 Vergleich zwischen einer Finanzierung durch Steuerverlagerung mit einem Verzicht hierauf Eine Finanzierung durch Steuerverlagerung kann durch eine Politik der zeitlichen Einkommensnachverlagerung bewirkt werden. In erster Linie ist in diesem Zusammenhang an die Steuerbilanzpolitik zu denken. Aktionsparameter der Steuerbilanzpolitik und einer sonstigen zeitlichen Einkommensverlagerungspolitik 3 Besteuerung und Finanzierungsentscheidungen 223 sind in Teil II dieses Buches herausgearbeitet worden. Auf diese Ausführungen kann hier verwiesen werden18. Ebenfalls in Teil II sind die abgeleiteten Ziele sowie die Vorteilskriterien der Steuerbilanzpolitik erörtert worden19. Die wichtigsten Ergebnisse der dort vorgenommenen Analyse lassen sich wie folgt zusammenfassen: 1. Vorteilhaft ist eine Gewinnverlagerung stets dann, wenn hierdurch der Steuerbarwert verringert wird (Ziel der Steuerbarwertminimierung). 2. Bei linearen und im Zeitablauf gleichbleibenden Steuersätzen ist regelmäßig eine maximale Gewinnachverlagerung die vorteilhafteste Maßnahme. 3. Bei linearen, aber im Zeitablauf sinkenden Steuersätzen ist ebenfalls eine maximale Gewinnachverlagerung die vorteilhafteste Maßnahme. Der Vorteil ist hierbei größer als in der unter 2. skizzierten Situation. 4. Bei natürlichen Personen mit Einkommen im Progressionsbereich der Einkommensteuer und bei im Zeitablauf gleichbleibenden Tariffunktionen ist die Gewinnverteilung am vorteilhaftesten, die die beste Anpassung an gleichwertige Einkommen ermöglicht. Dies kann eine geringere Gewinnachverlagerung als die maximale zur Folge haben. 5. Bei natürlichen Personen mit Einkommen im Progressionsbereich der Einkommensteuer und bei sinkenden Steuertarifen liegen die einander gleichwertigen Einkommen weiter auseinander als in der unter 4. skizzierten Situation. Außer einer Veränderung der Steuerzahlungen kann eine Gewinnverlagerung auch eine Veränderung sonstiger von der Gewinnhöhe abhängiger Zahlungen zur Folge haben. Dies kann insbesondere hinsichtlich der Gewinnausschüttungen gelten. Auch kommt eine Veränderung der Bezüge von Mitgliedern der Geschäftsleitung oder von sonstigen leitenden Angestellten in Betracht. 3.3 Vergleich zwischen Eigen- und langfristiger Fremdfinanzierung bei nichtpersonenbezogenen Kapitalgesellschaften 3.3.1 Grundsätzliches Nachfolgend soll ein Vergleich zwischen der Eigen- und der Fremdfinanzierung für den Fall durchgeführt werden, dass es sich bei dem zu finanzierenden Unternehmen um eine nichtpersonenbezogene Gesellschaft handelt. Hierunter soll eine Gesellschaft verstanden werden, bei der kein enger persönlicher Kontakt zwischen der Gesellschaft und ihren Gesellschaftern besteht. Insbesondere kennt der Vorstand nicht oder allenfalls ungenügend die persönlichen steuerlichen Verhältnisse der Gesellschafter. Er berücksichtigt diese deshalb nicht - auch nicht schätzungsweise - in seinem Kalkül. 18 Vgl. Teil II, Gliederungspunkte 2 und 3. 19 Vgl. Teil II, Gliederungspunkt 4.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.