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7.5 Aufgabe 4 in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 223 - 224

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_223

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186 Teil II: Steuerbilanzpolitik chen und zu bewerten. Die Bewertung setzt die Kenntnis der subjektiven Wertvorstellungen der Entscheidenden voraus56. Das Ziel der Steuerbilanzpolitik nimmt innerhalb der Jahresabschlusspolitik eine besondere Stellung ein. Insbesondere bei mittelständischen Unternehmen ist es vielfach dominant. Das Ziel kann teilweise unabhängig von den anderen jahresabschlusspolitischen Zielen verfolgt werden. Der Grund liegt darin, dass neben der Handels- eine gesonderte Steuerbilanz erstellt werden kann. Doch sind die Möglichkeiten einer von den übrigen jahresabschlusspolitischen Zielen unabhängigen Steuerbilanzpolitik infolge der Maßgeblichkeit erheblich eingeschränkt. Dennoch dürfte es sich für viele Unternehmen lohnen, die Aufstellung von zwei voneinander unabhängigen Bilanzen zu prüfen. Angemerkt sei, dass die Erstellung einer Einheitsbilanz ohnehin in vielen Fällen aufgrund divergierender Rechtsnormen des Handels- und des Steuerrechts nicht möglich sein dürfte57. 7.5 Aufgabe 4 Zum 31.12. des Jahres 1 ist der Geschäftsführer G der X-GmbH der Ansicht, dass er einen Ermessensspielraum hat, auf ein vor rd. einem Jahr angeschafftes Betriebsgrundstück eine außerplanmäßige Abschreibung bzw. eine Teilwertabschreibung i. H. v. 1 Mio € vorzunehmen. Er ist im Zweifel, ob es sich bei der zugrundeliegenden Wertminderung um eine voraussichtlich nur vorübergehende oder eine voraussichtlich dauernde handelt. G möchte steuerlich eine Abschreibung von 1 Mio € vornehmen, handelsbilanziell hingegen mit Rücksicht auf die Kreditwürdigkeit der GmbH gegenüber den Banken nicht. Sollte eine derartig unterschiedliche steuer- und handelsbilanzielle Behandlung nicht möglich sein, will er wissen, wie sich das Bilanzbild durch eine Abschreibung von 1 Mio. € insgesamt verändert. Hierbei interessiert ihn die Wirkung zum 31.12.1 und zum 31.12.6, also fünf Jahre später. Er geht davon aus, dass die Abschlusszahlungen für das Jahr 1 im Dezember des Jahres 2 zu entrichten sein werden. Ähnliche zeitliche Verzögerungen dürften sich für die Abschlusszahlungen bzw. Erstattungen der Folgejahre ergeben. G nimmt an, dass er den Ermessensspielraum hinsichtlich des Wertansatzes des Betriebsgrundstücks auch zu den Bilanzstichtagen 31.12.2 bis 31.12.6 haben wird. Supplementinvestitionen erfolgen voraussichtlich in einem Abbau von Schulden. Die auf diese Schulden entfallenden Zinsen sind voraussichtlich im Rahmen des § 8 Nr. 1 GewStG dem Gewerbeertrag zu 25 % hinzuzurechnen. G erwartet, dass diese regelmäßig mit 10 % verzinst werden. Er nimmt an, dass der Gewerbesteuerhebesatz in Zukunft stets 400 % betragen wird. Es soll von dem für das Jahr 2009 geltenden Steuerrecht, einschließlich der Erhebung eines 5,5 %igen Solidaritätszuschlags, ausgegangen werden. 56 Vgl. zu den verschiedenen Ansätzen zur Lösung derartiger Zielkonfliktsituationen z. B. Mag, W., Entscheidung, 1977, S. 37 ff.; Schneider, D., Investition, 1992, S. 452 ff. 57 Siehe hierzu ausführlich Grotherr, S., Einfluß, 2000, S. 261 ff.; Schneeloch, D.; Bitz, M./Schneeloch, D./Wittstock, W., Jahresabschluß 2003, S. 408 ff.; Herzig, N./Briesemeister, S., Einheitsbilanz, 2009, S. 1 ff. Teil III: Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen 1 Einführung Dieser Teil des Buches beschäftigt sich mit der Einbeziehung von Steuern in Investitions- und Finanzierungsentscheidungen. Derartige Entscheidungen sind sowohl bei Gründung eines Unternehmens als auch im Rahmen des laufenden Geschäftsbetriebs zu treffen. Probleme im Zusammenhang mit Investitionen und ihrer Finanzierung werden in der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre üblicherweise im Rahmen der Lehre von den betrieblichen Funktionen behandelt. Neben der Investition und neben der Finanzierung werden als betriebliche Funktionen die Beschaffung, die Produktion und der Absatz genannt. Auf diese drei zuletzt genannten Arten betrieblicher Funktionen wird im Rahmen dieses Buches nicht eingegangen, vielmehr erfolgt eine Beschränkung der Ausführungen auf die Funktionen Investition und Finanzierung. Diese Beschränkung beruht auf zwei Gründen. Der erste besteht darin, dass nach meiner Einschätzung die Bedeutung der Besteuerung für Investitionsund Finanzierungsentscheidungen erheblich größer ist als für Entscheidungen im Beschaffungs-, Produktions- und Absatzbereich. Der zweite Grund ist der, dass die Probleme einer Einbeziehung von Steuern in unternehmerische Entscheidungen gleichstrukturiert sind, und zwar unabhängig davon, ob es sich um Investitions- und Finanzierungsentscheidungen oder aber um Beschaffungs-, Produktionsoder Absatzentscheidungen handelt. Wenn hier Probleme einer Einbeziehung von Steuern in Investitions- und Finanzierungsentscheidungen behandelt werden, so kann die hierbei angewendete Vorgehensweise als exemplarisch auch für die Einbeziehung von Steuern in andere funktionale Entscheidungen gesehen werden. Probleme, die die Einbeziehung von Steuern in Investitions- und Finanzierungsentscheidungen betreffen, sind typische Probleme einer integrierten Steuerplanung. Damit wird nach der Behandlung von wichtigen Themenkomplexen einer autonomen betrieblichen Steuerpolitik in Teil II dieses Buches nunmehr auf ebenfalls wichtige Fragen einer integrierten betrieblichen Steuerplanung eingegangen.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.