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7.4 Handeln bei Zielkonflikten in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 222 - 223

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_222

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7 Steuerbilanzpolitik und handelsbilanzpolitische Ziele 185 ringert sich die Fremdkapitalquote54. Die Verfolgung des Subziels eines hohen Gewinnausweises geht somit einher mit dem ebenfalls möglichen Subziel des Ausweises einer niedrigen Fremdkapitalquote. Auch mit dem möglichen Subziel des Ausweises eines geringen dynamischen Verschuldungsgrades55 geht der Ausweis eines hohen Gewinns konform. Das Subziel einer Erhöhung des Gewinnausweises führt in den meisten Fällen zu einem Zielkonflikt mit dem steuerbilanzpolitischen Ziel einer Steuerbarwertminimierung. Das gilt fast ausnahmslos, wenn die Steuerbarwertminimierung zu dem vereinfachten Zielkriterium einer maximalen Gewinnachverlagerung führt. Der Grund liegt in dem Maßgeblichkeitsprinzip. Unterliegt der Gewinn im Zeitablauf starken Schwankungen, so wird in den bisher angesprochenen Fällen häufig nicht das Subziel eines möglichst hohen, sondern das eines nivellierten Gewinnausweises angestrebt. Dieses ist in den Jahren, in denen es eine Gewinnivellierung „von oben nach unten“ zur Folge hat, unvereinbar mit den Subzielen eines möglichst hohen Vermögens- und Eigenkapitalausweises. Es ist in diesen Jahren auch nicht vereinbar mit den möglichen Subzielen einer hohen Eigenkapitalrentabilität, einer niedrigen Fremdkapitalquote und eines niedrigen Verschuldungsgrades. Vereinbarkeit besteht in diesen Fällen aber mit dem besonders häufig anzutreffenden steuerbilanzpolitischen Subziel einer maximalen Gewinnachverlagerung. In Jahren, in denen der Gewinn „von unten nach oben“ nivelliert wird, steht das Subziel der Gewinnivellierung hingegen nicht im Einklang mit dem einer maximalen Gewinnachverlagerung, d. h. einem besonders häufig anzutreffenden Subziel der Steuerbilanzpolitik. 7.4 Handeln bei Zielkonflikten Sieht die Geschäftsleitung in Fällen eines Zielkonfliktes eines dieser Ziele als dominant an (Zieldominanz), so sollte sie dieses verfolgen. Als dominant ist z. B. häufig das Ziel der Erhaltung oder Steigerung der Kreditwürdigkeit oder ein Ziel der Ausschüttungspolitik anzusehen. Dominiert bei einem Zielkonflikt nicht eines der Ziele, so ist es sinnvoll, einen Zielkompromiss anzustreben. So kann versucht werden, Zielerreichungsgrade der miteinander konkurrierenden Ziele zu verglei- 54 Die Fremdkapitalquote ist definiert als: Fremdkapital/Gesamtkapital. Zur bilanzanalytischen Konkretisierung der Kennzahlenbestandteile vgl. z. B. Bitz, M./Schneeloch, D./Wittstock, W., Jahresabschluß, 2003, S. 497 ff. 55 Der dynamische Verschuldungsgrad wird unterschiedlich definiert, und zwar entweder als dynamischer Verschuldungsgrad 1 = Fremdkapital/Cash Flow oder als dynamischer Verschuldungsgrad 2 = Effektivverschuldung/Cash Flow. Vgl. hierzu auch u. a. Bitz, M./Schneeloch, D./Wittstock, W., Jahresabschluß, 2003, S. 568 ff.; Baetge, J./Kirsch, H.-J./Thiele, S., Bilanzanalyse, 2004, S. 275 ff.; Küting, K./Weber, C.-P., Bilanzanalyse, 2006, S. 164 f. 186 Teil II: Steuerbilanzpolitik chen und zu bewerten. Die Bewertung setzt die Kenntnis der subjektiven Wertvorstellungen der Entscheidenden voraus56. Das Ziel der Steuerbilanzpolitik nimmt innerhalb der Jahresabschlusspolitik eine besondere Stellung ein. Insbesondere bei mittelständischen Unternehmen ist es vielfach dominant. Das Ziel kann teilweise unabhängig von den anderen jahresabschlusspolitischen Zielen verfolgt werden. Der Grund liegt darin, dass neben der Handels- eine gesonderte Steuerbilanz erstellt werden kann. Doch sind die Möglichkeiten einer von den übrigen jahresabschlusspolitischen Zielen unabhängigen Steuerbilanzpolitik infolge der Maßgeblichkeit erheblich eingeschränkt. Dennoch dürfte es sich für viele Unternehmen lohnen, die Aufstellung von zwei voneinander unabhängigen Bilanzen zu prüfen. Angemerkt sei, dass die Erstellung einer Einheitsbilanz ohnehin in vielen Fällen aufgrund divergierender Rechtsnormen des Handels- und des Steuerrechts nicht möglich sein dürfte57. 7.5 Aufgabe 4 Zum 31.12. des Jahres 1 ist der Geschäftsführer G der X-GmbH der Ansicht, dass er einen Ermessensspielraum hat, auf ein vor rd. einem Jahr angeschafftes Betriebsgrundstück eine außerplanmäßige Abschreibung bzw. eine Teilwertabschreibung i. H. v. 1 Mio € vorzunehmen. Er ist im Zweifel, ob es sich bei der zugrundeliegenden Wertminderung um eine voraussichtlich nur vorübergehende oder eine voraussichtlich dauernde handelt. G möchte steuerlich eine Abschreibung von 1 Mio € vornehmen, handelsbilanziell hingegen mit Rücksicht auf die Kreditwürdigkeit der GmbH gegenüber den Banken nicht. Sollte eine derartig unterschiedliche steuer- und handelsbilanzielle Behandlung nicht möglich sein, will er wissen, wie sich das Bilanzbild durch eine Abschreibung von 1 Mio. € insgesamt verändert. Hierbei interessiert ihn die Wirkung zum 31.12.1 und zum 31.12.6, also fünf Jahre später. Er geht davon aus, dass die Abschlusszahlungen für das Jahr 1 im Dezember des Jahres 2 zu entrichten sein werden. Ähnliche zeitliche Verzögerungen dürften sich für die Abschlusszahlungen bzw. Erstattungen der Folgejahre ergeben. G nimmt an, dass er den Ermessensspielraum hinsichtlich des Wertansatzes des Betriebsgrundstücks auch zu den Bilanzstichtagen 31.12.2 bis 31.12.6 haben wird. Supplementinvestitionen erfolgen voraussichtlich in einem Abbau von Schulden. Die auf diese Schulden entfallenden Zinsen sind voraussichtlich im Rahmen des § 8 Nr. 1 GewStG dem Gewerbeertrag zu 25 % hinzuzurechnen. G erwartet, dass diese regelmäßig mit 10 % verzinst werden. Er nimmt an, dass der Gewerbesteuerhebesatz in Zukunft stets 400 % betragen wird. Es soll von dem für das Jahr 2009 geltenden Steuerrecht, einschließlich der Erhebung eines 5,5 %igen Solidaritätszuschlags, ausgegangen werden. 56 Vgl. zu den verschiedenen Ansätzen zur Lösung derartiger Zielkonfliktsituationen z. B. Mag, W., Entscheidung, 1977, S. 37 ff.; Schneider, D., Investition, 1992, S. 452 ff. 57 Siehe hierzu ausführlich Grotherr, S., Einfluß, 2000, S. 261 ff.; Schneeloch, D.; Bitz, M./Schneeloch, D./Wittstock, W., Jahresabschluß 2003, S. 408 ff.; Herzig, N./Briesemeister, S., Einheitsbilanz, 2009, S. 1 ff.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.