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7.2 Bilanzpolitische Formalziele in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 219 - 221

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_219

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182 Teil II: Steuerbilanzpolitik Neben finanzpolitischen können mit Hilfe jahresabschlusspolitischer Maßnahmen auch bestimmte informationspolitische Ziele verfolgt werden48. Sie lassen sich unterscheiden • in das Ziel, Informationen möglichst zu vermeiden (Ziel der Informationsvermeidung), und • in das Ziel, Informationen in einer bestimmten Weise zu gestalten (Ziel der Informationsgestaltung). Mit den finanz- und informationspolitischen Zielen dürften diejenigen unternehmenspolitischen Ziele erfasst sein, die sich mit Hilfe jahresabschlusspolitischer Maßnahmen verfolgen lassen. Sollen aus diesen unternehmenspolitischen Oberzielen konkrete bilanzpolitische Maßnahmen abgeleitet werden, so müssen in einem Zwischenschritt aus den Oberzielen bilanzpolitische Subziele abgeleitet werden. Bei diesen handelt es sich um jahresabschlusspolitische Formalziele, die bestimmte bilanzielle Kennzahlen betreffen. 7.2 Bilanzpolitische Formalziele Die jahresabschlusspolitischen Formalziele können unterschiedliche Kennzahlen des Jahresabschlusses betreffen. So wird zur Verfolgung des Ziels einer Stärkung der Kreditwürdigkeit meistens angenommen, es sei am besten, das Vermögen in der Bilanz möglichst hoch auszuweisen. Oft wird auch empfohlen, den Gewinn (Jahresüberschuss) möglichst hoch auszuweisen oder eine Politik der Gewinnnivellierung auf möglichst hohem Niveau zu betreiben. Für wichtig wird es auch erachtet, dass die gängigen Kennzahlen einer Jahresabschlussanalyse möglichst gute Werte ausweisen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere: • traditionelle Liquiditäts- und Deckungskennzahlen, • der Cash-Flow und Cash-Flow-Kennzahlen, • Kennzahlen der Vermögens- und Kapitalstruktur, • Kennzahlen der Erfolgsanalyse. In vielen dieser Kennzahlen ist das Eigenkapital oder der Gewinn (Jahresüberschuss) als zentraler Bestandteil enthalten. Die entsprechenden Kennzahlen verbessern sich - c. p. - mit steigendem Eigenkapital bzw. steigendem Gewinn. 48 Vgl. z. B. Schneeloch, D., Bilanzpolitik, 1990, S. 97; Hinz, M., Sachverhaltsgestaltungen, 1994, S. 43 ff.; Freidank, C.-C., Zielformulierungen, 1998, S. 97 f. 7 Steuerbilanzpolitik und handelsbilanzpolitische Ziele 183 Das gilt z. B. für die Deckungsgrade49, die Eigenkapitalquote50 und die Eigenkapitalrentabilität51. Aus dem unternehmenspolitischen Oberziel Stärkung der Kreditwürdigkeit lassen sich somit folgende jahresabschlusspolitischen Subziele ableiten, die als besonders bedeutsam angesehen werden können52: 1. Ausweis eines möglichst hohen Gewinns (Jahresüberschusses), 2. Ausweis eines gleichbleibenden oder eines gleichmäßig steigenden Gewinns (Jahresüberschusses), 3. Ausweis eines möglichst hohen Vermögens, 4. Ausweis eines möglichst hohen Eigenkapitals, 5. Schaffung der Grundlagen für möglichst günstige relative Kennzahlen der Jahresabschlussanalyse, wie vor allem – hohe Renditekennzahlen, – eine niedrige Fremdkapitalquote, – einen niedrigen dynamischen Verschuldungsgrad. Diese Subziele, die alle der Stärkung der Kreditfähigkeit dienen sollen, sind keinesfalls stets miteinander vereinbar. So führt ein hoher Vermögensausweis in Jahren hoher Gewinne dazu, dass in späteren Verlustjahren keine stillen Reserven aufgedeckt werden können. Dies hat zur Folge, dass dann der Verlust höher ausgewiesen werden muss als dies der Fall wäre, wenn stille Reserven aufgedeckt werden könnten. Eine derartige Vorgehensweise ist somit nicht vereinbar mit dem Subziel einer Gewinnivellierung, d. h. dem Ausweis gleichbleibender oder gleichmäßig steigender Gewinne. Auf die Problematik der Nichtvereinbarkeit jahresabschlusspolitischer Ziele miteinander und der sich hieraus ergebenden Konsequenzen wird noch in den Gliederungspunkten 7.3 und 7.4 einzugehen sein. Aus dem Oberziel der Erhaltung oder Stärkung der Eigenkapitalbeschaffungsmöglichkeiten lassen sich die gleichen jahresabschlusspolitischen Subziele ableiten wie für das Subziel der Stärkung der Kreditwürdigkeit. Allerdings kommt den langfristigen Erfolgsindikatoren i. d. R. ein größeres Gewicht zu als dies bei dem Ziel der Stärkung der Kreditwürdigkeit der Fall ist. 49 Die langfristigen Deckungsgrade sind definiert als: Deckungsgrad 1 = Eigenkapital/Anlagevermögen und Deckungsgrad 2 = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital)/Anlagevermögen. Vgl. zu diesen Deckungsgraden z. B. Bitz, M./Schneeloch, D./Wittstock, W., Jahresabschluß, 2003, S. 507 ff., Küting, K./Weber, C.-P., Bilanzanalyse, 2006, S. 146 ff. 50 Die Eigenkapitalquote ist definiert als: Eigenkapital/Gesamtkapital. Vgl. zur Konkretisierung dieser Kennzahl z. B. Bitz, M./Schneeloch, D./Wittstock, W., Jahresabschluß, 2003, S. 497 ff.; Baetge, J./Kirsch, H.-J./Thiele, S., Bilanzanalyse, 2004, S. 164 ff. 51 Die Eigenkapitalrentabilität ist definiert als: Jahresüberschuss/Eigenkapital. Vgl. zur Eigenkapitalrentabilität z. B. Bitz, M./Schneeloch, D./Wittstock, W., Jahresabschluß, 2003, S. 602 f.; Baetge, J./Kirsch, H.-J./Thiele, S., Bilanzanalyse, 2004, S. 356 ff., Coenenberg, A. G., Jahresabschluss, 2005, S. 1082 ff.; Küting, K./Weber, C. - P., Bilanzanalyse, 2006, S. 316 f. 52 Ausführlicher s. Bitz, M./Schneeloch, D./Wittstock, W., Jahresabschluß, 2003, S. 647 ff. 184 Teil II: Steuerbilanzpolitik Mit Hilfe der Jahresabschlusspolitik kann auch versucht werden, ertragsabhängige Auszahlungen zu beeinflussen. Neben der Beeinflussung der Steuerzahlungen kann insbesondere versucht werden, die Ausschüttungen an die Gesellschafter zu beeinflussen. Mit der Feststellung, dass die Geschäftsführung die Möglichkeit besitzt, über die Höhe des Gewinns (Jahresüberschusses) die Höhe der Ausschüttungen zu beeinflussen, ist noch nicht über die Zielrichtung einer möglichen Beeinflussung entschieden. So ist es denkbar, dass der Geschäftsführer (Vorstand) ein Interesse hat an dem Ausweis • hoher, im Zeitablauf möglichst steigender Gewinne, • konstanter oder im Zeitablauf konstant steigender Gewinne, • möglichst niedriger Gewinne. An dem Ausweis hoher, möglichst steigender Gewinne und daran geknüpft an hohen Gewinnausschüttungen kann z. B. der Vorstand einer Aktiengesellschaft dann interessiert sein, wenn er annimmt, dass infolge hoher Ausschüttungen die Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung verbessert werden. Aus dem gleichen Grunde kann er an dem Ausweis konstanter bzw. konstant steigender Gewinne und - daran geknüpft - an konstanten Ausschüttungen interessiert sein. In beiden Fällen stellt er die Ausschüttungspolitik in den Dienst der Politik der Eigenkapitalbeschaffung. An dem Ausweis möglichst niedriger Gewinne und daran angeknüpft an möglichst niedrigen Gewinnausschüttungen kann z. B. der Geschäftsführer einer GmbH interessiert sein, wenn er annimmt, durch eine möglichst restriktive Ausschüttungspolitik am besten die Investitionskraft der Gesellschaft erhalten zu können. 7.3 Zur Vereinbarkeit der Subziele miteinander Bereits die vorstehenden, kurzen Ausführungen zeigen, dass es eine Reihe unterschiedlicher bilanzpolitischer Subziele geben kann. Es stellt sich die Frage, welche von ihnen miteinander vereinbar sind und in welchen Fällen Zielkonflikte zu erwarten sind. Als ein häufig anzutreffendes handelsbilanzpolitisches Subziel dürfte der Ausweis eines möglichst hohen Gewinnes (Jahresüberschusses) anzusehen sein. Dieses ist vereinbar mit den ebenfalls häufig vorkommenden Subzielen eines hohen Vermögens- und Eigenkapitalausweises. Eine Gewinnerhöhung führt i. d. R. zu einer Erhöhung der Eigenkapitalrendite53. Die Verfolgung des Subziels eines hohen Gewinnausweises ist also auch mit dem ebenfalls möglichen Subziel des Ausweises einer hohen Eigenkapitalrentabilität vereinbar. Eine Gewinnerhöhung führt zu einer Erhöhung des Eigenkapitals. Diese ihrerseits bewirkt eine Erhöhung des Eigenkapitalanteils am Gesamtkapital. Damit ver- 53 Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalrentabilität sind synonyme Begriffe. Die Definition der Eigenkapitalrendite entspricht mithin der Definition der Eigenkapitalrentabilität.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.