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4.6 Vorteilskriterien bei Tarifänderungen in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 202 - 203

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_202

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4 Barwertminimierung und Ersatzkriterien 165 kurve führt allerdings stets zu einer größeren Einkommensnachverlagerung und damit zu einem späteren Abfluss liquider Mittel als eine Politik der Gewinnivellierung. Auch unter Liquiditätsgesichtspunkten ist die erstgenannte somit der letzteren vorzuziehen. 4.6 Vorteilskriterien bei Tarifänderungen 4.6.1 Problemstellung Es stellt sich die Frage, wie sich Tarifänderungen auf die anzuwendenden Vorteilskriterien auswirken. Tarifänderungen hat es in der Vergangenheit häufig gegeben. Voraussichtlich wird dies auch in Zukunft der Fall sein. Diese können nicht nur auf Bundesebene, vielmehr können sie auch auf lokaler Ebene durch eine Änderung des Gewerbesteuerhebesatzes erfolgen. Erfolgt eine Erhöhung des Hebesatzes in einem Jahr, in dem eine Senkung des Einkommen- oder Körperschaftsteuertarifs vorgenommen wird, so ergeben sich zwei gegenläufige Effekte. Soweit einer der beiden Effekte den anderen überwiegt, kann bei der Beurteilung unmittelbar von dem saldierten Betrag ausgegangen werden. Nachfolgend wird zunächst der Fall betrachtet, dass es im Zeitablauf zu einer Tarifsenkung, anschließend derjenige, dass es zu einer Tariferhöhung kommt. 4.6.2 Tarifsenkungen Kommt es zu einer Tarifsenkung, so lassen sich zwei Fälle unterscheiden. Diese lassen sich wie folgt kennzeichnen: 1. Vor und nach der Tarifsenkung sind nur lineare Steuersätze anwendbar. 2. Es kommen progressive Tarifverläufe zur Anwendung. Der erste Fall ist typisch für Kapitalgesellschaften sowie für Personenunternehmen, bei denen sich der (Mit-)Unternehmer in einem Plafond der Einkommensteuer befindet. Im ersten Fall wird der unter Gliederungspunkt 4.3 abgeleitete Vorteil einer Politik der maximalen Gewinnachverlagerung noch verstärkt. Bei linearen und im Zeitablauf gleichbleibenden Steuersätzen (Gliederungspunkt 4.3) kommt der Vorteil einer derartigen Politik ausschließlich durch Zinseffekte zustande. Hier wird dieser Vorteil noch durch einen zusätzlichen Tarifvorteil verstärkt. Zu beachten ist aber, dass der Zinseffekt durch eine Erhöhung des Nettokalkulationszinssatzes infolge der Tarifsenkung geringfügig sinkt. Im zweiten Fall stehen sich - grundsätzlich in gleicher Weise wie unter Gliederungspunkt 4.4 dargestellt - Zins- und Progressionseffekte gegenüber. Hier ist es deshalb vorteilhaft, die Einkommen aufeinander folgender Jahre anhand von Gleichwertigkeitsskalen bzw. -kurven zu bestimmen. In Jahren einer Tarifsenkung 166 Teil II: Steuerbilanzpolitik kommt es dann zu einem „Sprung“. Vor der Tarifsenkung ist anhand einer auf dem bisherigen Recht beruhenden Gleichwertigkeitskurve, nach der Tarifsenkung hingegen anhand einer auf dem neuen Recht basierenden vorzugehen. Zwischen dem letzten Jahr mit altem und dem ersten Jahr mit neuem Tarif ist dann der Abstand zwischen den einander gleichwertigen Einkommen größer als in den übrigen Jahren. 4.6.3 Tariferhöhungen Erfolgt eine Tariferhöhung, so ist es wiederum sinnvoll, zwischen den beiden aus dem letzten Gliederungspunkt bekannten Fällen zu unterscheiden, nämlich dem, dass vor und nach der Tarifsenkung lineare und dem, dass progressive Tarifverläufe eine Rolle spielen. Nachfolgend soll lediglich auf den ersten dieser beiden Fälle eingegangen werden. Im ersten Fall kann die Situation dann relativ leicht beurteilt werden, wenn sich die mögliche Steuerverlagerung nur in dem Jahr vor und in dem Jahr nach der Tariferhöhung auswirkt. Hier ist eine Steuerverlagerung dann vorteilhaft, wenn der durch die Steuerverschiebung erzielbare Nettozinseffekt größer ist als die im zweiten Jahr sich ergebende Steuermehrbelastung. Wesentlich schwieriger lässt sich der Vor- oder Nachteil einer Steuerverlagerung dann beurteilen, wenn sich die Steuerverlagerung in mehr als zwei Jahren auswirkt. Beispiel Eine GmbH hat im Rahmen der Gewinnermittlung für das Jahr 1 die Möglichkeit, eine Sonderabschreibung von 10 T€ vorzunehmen oder hierauf zu verzichten. Ende des Jahres 1 beschließt der Rat der Stadt, in der die X-GmbH ihren Sitz hat, den Gewerbesteuerhebesatz von 420 % auf 450 % zu erhöhen. Hier ist die Steuerersparnis im Falle einer Inanspruchnahme der Sonderabschreibung geringer als bei einem Verzicht auf eine derartige Maßnahme. Diesem Nachteil stehen Zinsvorteile während mehrerer Jahre gegenüber. Die Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einer Gewinnachverlagerung in Fällen der hier dargestellten Art dürfte regelmäßig nur mit Hilfe eines Steuerbarwertvergleichs möglich sein. Hierbei ist die Ermittlung des Differenzenbarwerts ausreichend. 4.7 Anzahl der Aktionsparameter und Handeln gemäß den Vorteilskriterien Es erhebt sich die Frage, ob die Einkommensverlagerungsmöglichkeiten (Aktionsparameter) so einfach überschaubar sind, dass ein Handeln gemäß den hier abgeleiteten Vorteilskriterien überhaupt sinnvoll erscheint. Das beinhaltet, dass der zu erwartende Planungsertrag den entsprechenden Planungsaufwand übertrifft. Zur Prüfung dieser Frage wird wiederum zwischen den beiden Fallgruppen unterschieden, dass die Vorteilhaftigkeit einer Einkommensverlagerung beurteilt werden kann 1. allein nach dem Nettozinssatz der Supplementinvestitionen, 2. anhand der zutreffenden Gleichwertigkeitsskala bzw. -kurve.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.