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4.5 Folgerungen aus der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Liquidität in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 201 - 202

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_201

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164 Teil II: Steuerbilanzpolitik Während aller Jahre wird der Gewerbeertrag voraussichtlich stets mehr als 50 T€ betragen. Der Gewerbesteuerhebesatz wird für alle Jahre auf 400 % geschätzt. S und G gehen davon aus, dass während des gesamten Planungszeitraums der Einkommensteuertarif des Jahres 2010 (Rechtsstand Sommer 2009) gelten wird und während aller Jahre Solidaritätszuschlag erhoben wird. G ist ledig und unterliegt einer 9 %igen Kirchensteuerpflicht. Es ist zu prüfen, ob und in welcher Weise von der Möglichkeit einer Sonderabschreibung auf die o. a. Druckmaschine Gebrauch gemacht werden soll. Hierbei ist a) von einer Politik der Gewinnivellierung, b) von einer Politik der Anpassung der Einkommen an die Gleichwerte auszugehen. 4.5 Folgerungen aus der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Liquidität Die Verbesserung der Liquidität ist zwar keine eigenständige unternehmerische Zielsetzung, doch ist die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit eine notwendige Voraussetzung für den Fortbestand des Unternehmens. Auch im Rahmen der Steuerbilanzpolitik ist diese Nebenbedingung zu beachten. Es erhebt sich die Frage, ob durch sie andere Handlungsweisen erforderlich werden, als sich aus der jeweiligen Zielsetzung der Steuerbilanzpolitik ergeben. Zur Beantwortung dieser Frage ist wiederum zu unterscheiden zwischen natürlichen Personen mit Einkommen im Progressionsbereich der Einkommensteuer und allen übrigen Steuerpflichtigen, d. h. den Steuerpflichtigen mit ausschließlich linearen und im Zeitablauf gleichbleibenden Steuersätzen. Bei linearen und im Zeitablauf gleichbleibenden Steuersätzen besteht die Zielsetzung der Steuerbilanzpolitik bekanntlich in einer maximalen Einkommensnachverlagerung. Ein Handeln nach dieser Zielsetzung gewährleistet zugleich den größtmöglichen Beitrag der Steuerbilanzpolitik zur Aufrechterhaltung der Liquidität. Das bedeutet: Aus der Nebenbedingung der Aufrechterhaltung der Liquidität ergeben sich keine anderen Folgerungen für die Steuerbilanzpolitik als aus der Zielsetzung der maximalen Einkommensnachverlagerung. Anders verhält es sich bei natürlichen Personen mit Einkommen im Progressionsbereich der Einkommensteuer. Die für diesen Personenkreis gültige Zielsetzung der Anpassung der Einkommen an die jeweils maßgebliche Gleichwertigkeitskurve führt häufig nicht zur höchstmöglichen Liquidität. Diese ist (kurzfristig) allein durch eine maximale Einkommensnachverlagerung erreichbar. Hieraus folgt: Kommt es zu Liquiditätsengpässen, so kann unter dem Gesichtspunkt der Aufrechterhaltung der Liquidität eine stärkere Einkommensnachverlagerung erforderlich werden, als dies der Zielsetzung der Anpassung der Einkommen an die relevante Gleichwertigkeitskurve entspricht. Die Liquiditätsbedingung kann also ein Abweichen von der optimalen Einkommensgestaltung erzwingen39. Eine Politik der Anpassung der Einkommen an die maßgebliche Gleichwertigkeits- 39 Vgl. Selchert, F. W., Besteuerung, 1975, S. 442. 4 Barwertminimierung und Ersatzkriterien 165 kurve führt allerdings stets zu einer größeren Einkommensnachverlagerung und damit zu einem späteren Abfluss liquider Mittel als eine Politik der Gewinnivellierung. Auch unter Liquiditätsgesichtspunkten ist die erstgenannte somit der letzteren vorzuziehen. 4.6 Vorteilskriterien bei Tarifänderungen 4.6.1 Problemstellung Es stellt sich die Frage, wie sich Tarifänderungen auf die anzuwendenden Vorteilskriterien auswirken. Tarifänderungen hat es in der Vergangenheit häufig gegeben. Voraussichtlich wird dies auch in Zukunft der Fall sein. Diese können nicht nur auf Bundesebene, vielmehr können sie auch auf lokaler Ebene durch eine Änderung des Gewerbesteuerhebesatzes erfolgen. Erfolgt eine Erhöhung des Hebesatzes in einem Jahr, in dem eine Senkung des Einkommen- oder Körperschaftsteuertarifs vorgenommen wird, so ergeben sich zwei gegenläufige Effekte. Soweit einer der beiden Effekte den anderen überwiegt, kann bei der Beurteilung unmittelbar von dem saldierten Betrag ausgegangen werden. Nachfolgend wird zunächst der Fall betrachtet, dass es im Zeitablauf zu einer Tarifsenkung, anschließend derjenige, dass es zu einer Tariferhöhung kommt. 4.6.2 Tarifsenkungen Kommt es zu einer Tarifsenkung, so lassen sich zwei Fälle unterscheiden. Diese lassen sich wie folgt kennzeichnen: 1. Vor und nach der Tarifsenkung sind nur lineare Steuersätze anwendbar. 2. Es kommen progressive Tarifverläufe zur Anwendung. Der erste Fall ist typisch für Kapitalgesellschaften sowie für Personenunternehmen, bei denen sich der (Mit-)Unternehmer in einem Plafond der Einkommensteuer befindet. Im ersten Fall wird der unter Gliederungspunkt 4.3 abgeleitete Vorteil einer Politik der maximalen Gewinnachverlagerung noch verstärkt. Bei linearen und im Zeitablauf gleichbleibenden Steuersätzen (Gliederungspunkt 4.3) kommt der Vorteil einer derartigen Politik ausschließlich durch Zinseffekte zustande. Hier wird dieser Vorteil noch durch einen zusätzlichen Tarifvorteil verstärkt. Zu beachten ist aber, dass der Zinseffekt durch eine Erhöhung des Nettokalkulationszinssatzes infolge der Tarifsenkung geringfügig sinkt. Im zweiten Fall stehen sich - grundsätzlich in gleicher Weise wie unter Gliederungspunkt 4.4 dargestellt - Zins- und Progressionseffekte gegenüber. Hier ist es deshalb vorteilhaft, die Einkommen aufeinander folgender Jahre anhand von Gleichwertigkeitsskalen bzw. -kurven zu bestimmen. In Jahren einer Tarifsenkung

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.