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7.7 Aufgabe 8 in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 156 - 158

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_156

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7 Unterschiedliche Systeme der Unternehmensbesteuerung 119 7.6.8 Vergleich der Systeme miteinander Ein Vergleich der Systeme miteinander zeigt, dass eine definitive Doppelbelastung mit Körperschaft- und Einkommensteuer nur dann vollständig vermieden werden kann, wenn entweder eine vollständige Anrechnung der Körperschaftsteuer auf die Einkommensteuer oder aber eine vollständige Freistellung der Ausschüttungen bei dem Empfänger erfolgt. In allen anderen Fällen hingegen wird eine Doppelbelastung überhaupt nicht oder nur teilweise vermieden60. Die Systeme der Vollanrechnung und der vollständigen Freistellung sind auch die einzigen, die keine Spezialregelung zur Vermeidung einer doppelten oder mehrfachen Belastung mit Körperschaftsteuer erforderlich machen. Die Steuerwirkungen dieser beiden Systeme können allerdings erheblich voneinander abweichen. Während bei der Vollanrechnung letztlich eine Belastung mit dem individuellen Einkommensteuersatz des Gesellschafters erfolgt, ergibt sich bei der Freistellungsmethode eine Belastung mit dem Körperschaftsteuersatz der Kapitalgesellschaft. Wird eine Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit der einzelnen Gesellschafter angestrebt, so kommt nur ein System der vollständigen Anrechnung der Körperschaftsteuer auf die Einkommensteuer in Betracht. 7.7 Aufgabe 8 Seit seiner Scheidung vor einem Jahr ist Björn Björnson (B) aus Kiruna der langen nordschwedischen Winter überdrüssig. Er beschließt deshalb, in südlichere Gefilde auszuwandern und seinen hochrentablen Betrieb der Nanotechnik in seine neue Heimat zu verlagern. Seine besten Mitarbeiter hat er bereits davon überzeugt, dass sie im Süden wesentlich besser leben können; sie haben zugesagt, auch in seinem neuen Betrieb zu arbeiten. Nach einer sorgfältigen Untersuchung nichtsteuerlicher Faktoren und langen Diskussionen mit seinen Mitarbeitern kommt B zu dem Ergebnis, dass als Zielländer der geplanten Auswanderung lediglich die Länder D und F in Betracht kommen. Vor einer endgültigen Entscheidung will B wissen, welches der beiden Länder für ihn steuerlich vorteilhafter ist. Er beauftragt seinen Steuerberater Sven Svenson (S) mit einer entsprechenden Untersuchung. Da B erbschaft- und schenkungsteuerliche Aspekte trotz seines hohen Vermögens nicht interessieren und da weiterhin in beiden Ländern umsatzsteuerlich das Mehrwertsteuersystem angewendet wird, soll sich die Untersuchung auf ertragsteuerliche Wirkungen beschränken. Aus Haftungsgründen kommt für B in beiden Ländern nur die Gründung einer Kapitalgesellschaft in Betracht. B will Alleingesellschafter der Kapitalgesellschaft werden. In beiden Ländern ist dies gesellschaftsrechtlich möglich. Im Rahmen seiner Untersuchung stellt S fest, dass in D-Land eine 25 %ige Körperschaftsteuer erhoben wird. Diese ist nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig. Außerdem wird in D-Land eine regionale Steuer erhoben. Der Steuersatz dieser Steuer variiert zwischen den einzelnen Regionen. Im Durchschnitt beträgt er etwa 20 %. Die regionale Steuer ist als Betriebsausgabe bei der Gewinnermittlung abzugsfähig. Sowohl die Kör- 60 Siehe hierzu die Aufstellung von Sigloch, J., Unternehmenssteuerreform, 2000, S. 165. 120 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium perschaftsteuer als auch die regionale Steuer haben definitiven Charakter, d. h. sie werden unabhängig davon erhoben, ob die der Besteuerung zugrunde liegenden Gewinne einbehalten oder ausgeschüttet werden. Auch eine Anrechnung dieser Steuern auf die persönliche Einkommensteuer der Gesellschafter findet nicht statt. Werden Gewinne ausgeschüttet, so unterliegt die Hälfte der Ausschüttungen der Einkommensteuer der Gesellschafter; die andere Hälfte ist einkommensteuerfrei. Der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer beträgt 42 %. In F-Land erhebt lediglich der Zentralstaat eine Körperschaftsteuer. Eine zusätzliche regionale Steuer wird also nicht erhoben. Der Körperschaftsteuersatz beträgt 45 %. Die Körperschaftsteuer stellt bei der steuerlichen Gewinnermittlung keine abzugsfähige Betriebsausgabe dar. Schüttet eine Kapitalgesellschaft Gewinne aus, so unterliegt die Ausschüttung bei dem Gesellschafter in vollem Umfang der Einkommensteuer. Der Spitzensatz der Einkommensteuer entspricht dem Körperschaftsteuersatz. Er beträgt also 45 %. Auf die Einkommensteuer wird die von der Kapitalgesellschaft gezahlte Körperschaftsteuer insoweit in vollem Umfang angerechnet, als sie auf die ausgeschütteten Gewinnbestandteile entfällt. Der Gesellschafter hat zusätzlich zu der Gewinnausschüttung auch das auf ihn entfallende körperschaftsteuerliche Anrechnungsguthaben zu versteuern. Nehmen Sie bitte auf der Grundlage des geschilderten Sachverhalts zu der Frage Stellung, welches der beiden Ländern sich für B aus steuerlicher Sicht besser zur Auswanderung eignet. Sollte der Sachverhalt für eine abschließende Beurteilung nicht hinreichend geklärt sein, erläutern Sie bitte, welche Einflussfaktoren noch zusätzlich untersucht werden sollten. Teil II: Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik 1 Einführung Dieser Teil des Buches behandelt schwerpunktmäßig Probleme der Steuerbilanzpolitik. Hierbei handelt es sich um den Spezialfall der betrieblichen Steuerpolitik1, der sich mit der optimalen Gestaltung der Steuerbilanz beschäftigt2. Zur Beantwortung der hierbei auftretenden Fragen bedarf es der Kenntnis der für die Steuerbilanzpolitik verfügbaren Gestaltungsmöglichkeiten. Derartige Aktionsparameter der Steuerbilanzpolitik werden in Gliederungspunkt 2 behandelt. Im Rahmen der Steuerbilanzpolitik kommt es zu zeitlichen Gewinnverlagerungen und damit auch zu entsprechenden Einkommensverlagerungen. Zeitliche Einkommensverlagerungen kann es aber nicht nur im Rahmen der Steuerbilanzpolitik, vielmehr auch bei einer Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG sowie im Rahmen der Ermittlung anderer Einkünfte als der Gewinneinkünfte geben. Aktionsparameter einer derartigen zeitlichen Einkommensverlagerungspolitik werden in Gliederungspunkt 3 behandelt. Zur Durchführung steuerbilanzpolitischer Maßnahmen bedarf es nicht nur der Kenntnis einschlägiger Aktionsparameter, sondern auch der Zielfunktion, die der Steuerbilanzpolitik zugrunde liegt. Auf die Zielfunktion soll in Gliederungspunkt 4 eingegangen werden. Breiten Raum wird hierbei die Diskussion der Frage einnehmen, welche vereinfachenden Vorteilskriterien sich aus der für die Steuerbilanzpolitik allgemein gültigen Zielfunktion ableiten lassen. Auf Besonderheiten bei Verlusten soll in Gliederungspunkt 5 eingegangen werden. Anschließend sollen in Gliederungspunkt 6 spezielle Gestaltungsmaßnahmen einer Einlagen- und Entnahmenpolitik, mit deren Hilfe das steuerbilanzielle Ergebnis beeinflusst werden kann, behandelt werden. In dem abschließenden Gliederungspunkt 7 soll in äußerst knapper Form auf Zusammenhänge zwischen der Steuerbilanzpolitik einerseits und der Handelsbilanzpolitik andererseits eingegangen werden. 1 Zur Definition der betrieblichen Steuerpolitik s. Teil I, Gliederungspunkt 2.1. 2 Zur Definition der Steuerbilanzpolitik vgl. auch Dieckmann, K., Steuerbilanzpolitik, 1972, S. 66; Börner, D./Krawitz, N., Steuerbilanzpolitik, 1977, S. 38; Brönner, H./Bareis, P., Bilanz, 1991, I, Rn. 48; Marten, K.-U./Klopsch, E., Steuerbilanzpolitik, 1994, S. 1910; Hinz, M., Grundlagen, 1995, S. 63; Scheffler, W., Entwicklungsstand, 1998, S. 409; Winnefeld, R., Bilanz-HB, 2006, C, Rz. 690; Kußmaul, H., Steuerlehre, 2008, S. 135 ff.

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References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.