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7.5 Zeitpunkt des Abzugs von Aufwendungen und der Erfassung von Erträgen in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 149 - 150

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_149

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112 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium • Betriebliche Erträge, die ausdrücklich von der Besteuerung ausgenommen werden, gibt es nach derzeitigem deutschen Steuerrecht nur in geringem Umfang. Zu nennen sind hier insbesondere die Investitionszulagen (nicht Investitionszuschüsse), die nach § 13 InvZulG 2010 nicht zu den Einkünften zählen. • Fiktive Betriebsausgaben spielen nach derzeitigem deutschen Steuerrecht keine Rolle. • Fiktive Betriebseinnahmen können sich insbesondere nach dem Recht der verdeckten Gewinnausschüttungen ergeben. Gewährt z. B. eine GmbH ihrem beherrschenden Gesellschafter ein zinsloses Darlehen, so liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung vor. Die Gesellschaft hat (fiktive) Zinsen zu versteuern. 7.5 Zeitpunkt des Abzugs von Aufwendungen und der Erfassung von Erträgen Im letzten Gliederungspunkt ist u. a. auf unterschiedliche Abweichungen zwischen betrieblichen Aufwendungen und abzugsfähigen Betriebsausgaben in unterschiedlichen Besteuerungssystemen eingegangen worden. In diesem Gliederungspunkt geht es um Aufwendungen, die in den miteinander zu vergleichenden Besteuerungssystemen Betriebsausgaben darstellen, bei denen der Abzug aber zu unterschiedlichen Zeiten erfolgt. Derartige zeitliche Verwerfungen können vielfältige Ursachen haben. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang vor allem • unterschiedliche steuerliche Abschreibungsmodalitäten und • die Möglichkeiten der Bildung von Rückstellungen sowie deren Bewertung. Je früher die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Wirtschaftsgutes als steuerliche Abschreibungen geltend gemacht werden können, um so eher mindern sie den steuerlichen Gewinn. Hierdurch entstehen zwar - c. p. - keine endgültigen Steuerersparnisse, wohl aber Zinsgewinne. Zinseffekte können sich auch durch unterschiedliche Möglichkeiten der Bildung und Bewertung von Rückstellungen ergeben. Können z. B. in dem Land A Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften mit steuerlicher Wirkung gebildet werden, in dem Land B hingegen nicht, so hat dies zwar keinen Einfluss auf den Totalgewinn in den Vergleichsfällen, doch ergeben sich Gewinnverschiebungen. Im Land A kann der steuerliche Gewinn früher gemindert werden als in dem Land B. Im Land A ergibt sich die Gewinnminderung bereits im Jahr der Bildung der Rückstellung, im Land B hingegen erst in dem Jahr, in dem der Verlust tatsächlich anfällt. Zeigt sich im Nachhinein, dass tatsächlich kein Verlust entstanden ist, so ist im Land A dennoch in einem früheren Jahr eine Minderung des steuerlichen Gewinns erfolgt, der dann in einem späteren Jahr eine gleich hohe Gewinnerhöhung gegenübersteht. Im Land B hingegen ist weder in der Vergangenheit eine Gewinnminderung erfolgt, noch ergibt sich nunmehr eine Gewinnerhöhung. Der Totalgewinn ist somit in den Vergleichsfällen gleich groß. Doch sind im Land A vorübergehende Steuerersparnisse im Vergleich zum Land 7 Unterschiedliche Systeme der Unternehmensbesteuerung 113 B entstanden. Diese führen in der Form von Supplementerträgen zu Vorteilen im Land A im Vergleich zum Land B. Auch Erträge können in unterschiedlichen Besteuerungssystemen zu unterschiedlichen Zeitpunkten steuerlich zu erfassen sein. Der vielleicht wichtigste Anwendungsfall ergibt sich aus einer unterschiedlichen Bewertung der am Bilanzstichtag vorhandenen unfertigen und fertigen Erzeugnisse. Können diese im Land A niedriger bewertet werden als im Land B, so erfolgt im Land A - c. p. - „jetzt“ ein geringerer Gewinnausweis. Dies ergibt sich daraus, dass der Ertrag aus der Erhöhung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen im Land A mit einem geringeren Betrag zu verbuchen ist als im Land B. Andere Abweichungen können sich aus unterschiedlichen Regelungen zur Zuschreibung nach vorangegangenen außerplanmäßigen Abschreibungen ergeben. So brauchten z. B. nach dem bis einschließlich 1998 geltenden deutschen Recht früher vorgenommene Teilwertabschreibungen nicht durch Zuschreibungen wieder ausgeglichen zu werden, wenn der Teilwert zum Bilanzstichtag wieder gestiegen war. Seit 1999 hingegen muss nach § 6 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 EStG in derartigen Fällen bekanntlich eine Zuschreibung erfolgen. Nach altem Recht brauchte somit in derartigen Fällen kein Ertrag ausgewiesen zu werden, nach neuem Recht hingegen muss dies geschehen. 7.6 Besteuerung ausgeschütteter Gewinne 7.6.1 Einführung Gewinnausschüttungen stellen zunächst einmal Gewinne dar. Üblicherweise unterliegen sie deshalb auch bei der Kapitalgesellschaft der Gewinnbesteuerung in der Form einer Belastung mit Körperschaftsteuer. In verschiedenen Ländern können dann noch weitere Steuern hinzukommen, wie z. B. in Deutschland die Gewerbesteuer. Auf derartige zusätzliche Steuern soll nachfolgend nicht eingegangen, vielmehr lediglich die Belastung mit Körperschaftsteuer betrachtet werden. Mit der Ausschüttung gelangen Gewinnbestandteile in den Verfügungsbereich der Gesellschafter (Aktionäre). Bei diesen werden sie üblicherweise als steuerpflichtige Einnahmen behandelt, in der Bundesrepublik Deutschland bekanntlich als Einnahmen aus Kapitalvermögen. Sofern der jeweilige Gesetzgeber keine abweichenden Regelungen schafft, kommt es somit zu einer definitiven Doppelbelastung derselben Gewinnbestandteile, und zwar einmal zu einer Belastung mit Körperschaftsteuer bei der Gesellschaft, zum anderen mit Einkommensteuer bei den Gesellschaftern. In vielen Ländern hält der Gesetzgeber die aufgezeigte definitive Doppelbelastung für nicht erwünscht. Er hat deshalb Regelungen getroffen, um sie zu beseitigen oder zu verringern. Einige Länder halten allerdings an einer ungemilderten Dop-

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.