Content

7.2 Einflussfaktoren auf die Steuerbelastung der Unternehmen in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 144 - 145

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_144

Bibliographic information
7 Unterschiedliche Systeme der Unternehmensbesteuerung 107 Bei einem Vergleich des Systems der Unternehmensbesteuerung in der Bundesrepublik Deutschland im zeitlichen Ablauf zeigt sich, dass dieses während der letzten 50 Jahre erhebliche Veränderungen erfahren hat. Die gravierendsten Veränderungen haben bei der Besteuerung der Kapitalgesellschaften und ihrer Gesellschafter stattgefunden. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang • der Wechsel von einem System einer definitiven doppelten Belastung der Kapitalgesellschaften und ihrer Gesellschafter mit Körperschaft- und Einkommensteuer zu einem körperschaftsteuerlichen Anrechnungsverfahren zum 1.1.1977, • der Wechsel von dem körperschaftsteuerlichen Anrechnungsverfahren zum Halbeinkünfteverfahren zum 1.1.2001 und • die Unternehmensteuerreform der Jahre 2008/2009 mit der Einführung einer Abgeltungsteuer. Bei einem Vergleich der Besteuerungssysteme einzelner Länder ergeben sich durchaus Gemeinsamkeiten, aber auch vielfache Unterschiede. Am auffälligsten sind die Unterschiede hinsichtlich • der Höhe der Steuersätze und • der Art der Besteuerung der Kapitalgesellschaften und ihrer Gesellschafter. Nachfolgend sollen zunächst wichtige Einflussfaktoren, die die Systeme der Unternehmensbesteuerung bestimmen, herausgearbeitet werden. Anschließend sollen einige von ihnen näher betrachtet, insbesondere ihre Steuerwirkungen erörtert werden. 7.2 Einflussfaktoren auf die Steuerbelastung der Unternehmen Derzeit und während der vergangenen Jahrzehnte werden bzw. wurden die Systeme der Unternehmensbesteuerung in den Industrieländern insbesondere beeinflusst durch: 1. die Zahl und die Arten der Ertragsteuern, mit denen die Gewinne belastet werden und deren Wechselwirkungen untereinander, 2. den Umfang der Bemessungsgrundlagen und die Höhe der Steuersätze, 3. den Zeitraum, innerhalb dessen Aufwand steuerlich abgezogen werden kann und Erträge zu erfassen sind und 4. den Umfang, in dem eine Doppel- oder Mehrfachbelastung ausgeschütteter Gewinne herbeigeführt oder vermieden wird. Auf diese Einflussfaktoren soll in den nächsten Gliederungspunkten in knapper Form eingegangen werden. Der Schwerpunkt der Ausführungen wird hierbei auf den unter 4. angesprochenen Einflussfaktoren liegen. 108 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium 7.3 Anzahl der gewinnabhängigen Steuern und ihre Beziehungen zueinander In einem Unternehmen entstandene Gewinne können mit einer einzigen, sie können aber auch mit mehr als einer Steuerart belastet werden. Letzteres ist z. B. seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik Deutschland der Fall. Hier unterliegen Gewinne bekanntlich grundsätzlich sowohl der Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer als auch der Gewerbesteuer. Außerdem unterliegen sie derzeit noch zumindest einer sog. Zuschlagsteuer, nämlich dem Solidaritätszuschlag. Handelt es sich bei dem Unternehmen um ein Personenunternehmen, so kann außerdem noch bei dem (Mit-)Unternehmer Kirchensteuer entstehen. Die Belastung der Gewinne von Personenunternehmern mit Einkommen- und der Gewinne von Kapitalgesellschaften mit Körperschaftsteuer ist auch in anderen Besteuerungssystemen üblich. Hingegen ist eine Steuerart, die an eine ähnliche Größe wie den Gewerbeertrag anknüpft, in anderen Rechtsordnungen nur vereinzelt anzutreffen, und zwar in Ländern, die historisch gesehen von der deutschen Rechtsordnung maßgeblich beeinflusst worden sind. Das Fehlen einer der deutschen Gewerbesteuer ähnlichen Steuerart in einem anderen Staat bedeutet aber nicht zwingend, dass dort nur eine einzige gewinnabhängige Steuer erhoben wird. Vielmehr werden in einer Reihe von Ländern rein gewinnabhängige Steuern auf unterschiedlichen staatlichen Ebenen erhoben48. So gibt es z. B. in der Schweiz sowohl eine bundesstaatliche Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer als auch eine kantonale. In den USA wird Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer sowohl von dem Bund als auch von den einzelnen Staaten erhoben. Wird mehr als eine gewinnabhängige Steuerart erhoben, so ist für die Ermittlung der Gesamtsteuerwirkung das Verhältnis dieser Steuerarten zueinander von erheblicher Bedeutung49. Werden zwei gewinnabhängige Steuern nebeneinander erhoben, so sind insbesondere folgende Konstellationen denkbar: 1. Die beiden Steuern beeinflussen sich gegenseitig nicht. 2. Eine der beiden Steuern ist von der Bemessungsgrundlage der anderen abzugsfähig. 3. Eine der beiden Steuern ist von der Bemessungsgrundlage beider Steuern abzugsfähig. 4. Beide Steuern sind von der Bemessungsgrundlage einer der beiden Steuern abzugsfähig. 5. Beide Steuern sind von den Bemessungsgrundlagen beider Steuern abzugsfähig. 6. Die Steuerschuld einer der beiden Steuerarten ist von der Steuerschuld der anderen Steuerart abzugsfähig. 48 Hinsichtlich einer Übersicht s. Mennel, A./Förster, J., in: Mennel, A./Förster, J., Steuern, Allg. Teil, Rz. 108. 49 Vgl. zu den nachfolgenden Ausführungen auch Gliederungspunkt 3.5.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.