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6.7 Von der Art des Investors und von der Art der Finanzinvestition abhängige Nettozinssätze in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 136 - 139

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_136

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6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 99 anderen aus den unterschiedlichen gewerbesteuerlichen Einflussfaktoren, die jeweils im Kopf der Spalten 2 bis 6 angegeben sind. Tabelle I/8 lässt erkennen, dass die Höhe des Einkommensteuersatzes - bei unver- ändertem Bruttozinssatz - für die Höhe des Nettozinssatzes von herausragender Bedeutung ist. Tabelle I/8: Nettoverzinsung in % der Bruttoverzinsung bei natürlichen Personen in Abhängigkeit von unterschiedlichen steuerlichen Situationen Zeile Kombinierter Steuersatz Nettozinssätze in/persu bzw. in/nat im Verhältnis zu den Bruttozinssätzen ib Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4 Spalte 5 Spalte 6 se * me= 3,5 % me= 3,5 % me= 3,5 % me = 3,5 % me= 0 % h= 400 % h=500 % h=400 % h = 500 % h≥ 0 % α= 3,8 α= 3,8 α= 3,8 α = 3,8 α≥ 0,0 β= 0 β= 0 β= 0,25 β = 0,25 β≥ 0 1 0,00 % ** 86,00 % 82,50 % 89,50 % 86,88 % 100,00 % 2 30,00 % 70,03 % 66,53 % 70,02 % 67,40 % 70,00 % 3 42,00 % *** 57,30 % 53,80 % 57,48 % 54,85 % 58,00 % 4 44,31 % *** 55,72 % 52,22 % 55,71 % 53,09 % 55,69 % 5 46,34 % *** 53,69 % 50,19 % 53,68 % 51,06 % 53,66 % 6 49,52 % *** 50,51 % 47,01 % 50,50 % 47,88 % 50,48 % * Bei dem Steuersatz se handelt es sich um den kombinierten Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz. Hierbei kann sowohl der Kirchensteuer- als auch der Solidaritätszuschlagsatz den Wert 0 annehmen. ** In Zeile 1, d. h. bei se = 0 nimmt auch der Anrechnungsfaktor von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer α nach § 35 EStG den Wert 0 an. *** Der Steuersatz von 42,00 % für se in Zeile 3 entspricht dem Differenz- bzw. Grenzsteuersatz der Einkommensteuer im unteren Plafond ohne Kirchensteuer und ohne Solidaritätszuschlag. Der Steuersatz von 44,31 % in Zeile 4 umfasst zusätzlich einen 5,5 %igen Solidaritätszuschlag und der Steuersatz von 46,34 % in Zeile 5 zusätzlich eine 9 %ige Kirchensteuer. Der Steuersatz von 49,52 % in Zeile 6 beruht auf einem Einkommensteuersatz von 45 %, einem Kirchensteuersatz von 9 % und einem Solidaritätszuschlagsatz von 5,5 %. Es handelt sich um den derzeit (Sommer 2009) höchstmöglichen kombinierten Einkommen-, Kirchensteuerund Solidaritätszuschlagsatz. 6.7 Von der Art des Investors und von der Art der Finanzinvestition abhängige Nettozinssätze Die bisherigen Ausführungen lassen erkennen, dass - bei gleich hohen Bruttozinssätzen - die Höhe der Nettozinssätze u. a. von der Art des Investors und der Art der Finanzinvestition abhängt. Als Arten von Investoren lassen sich im Rahmen dieses Buches folgende Gruppen unterscheiden: • gewerbliche Unternehmer bzw. Mitunternehmer, die Finanzinvestitionen im Rahmen ihres Betriebsvermögens tätigen (gewerbliche Personenunternehmer), 100 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium • Kapitalgesellschaften, • natürliche Personen, die Finanzinvestitionen im nichtgewerblichen Bereich tätigen. Als Arten der Finanzinvestitionen kommen in Betracht: • positive Finanzinvestitionen, d. h. Investitionen im Bereich von Finanzguthaben, • Investitionen im Bereich von Verbindlichkeiten mit den Unterfällen, − dass die fortfallenden Schuldzinsen zu einer Verringerung der Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG führen und − dass dies nicht geschieht. Die Art des Investors bestimmt, welche Steuerarten und welche speziellen Vorschriften des Steuerrechts die Höhe der Nettozinssätze beeinflussen. So unterliegen von gewerblichen Personenunternehmen in deren Betriebsvermögen getätigte Finanzinvestitionen sowohl der Gewerbe- als auch der Einkommensteuer, ggf. zuzüglich der auf letztere entfallenden Zuschlagsteuern. Außerdem kann es zur Anwendung des Freibetrags nach § 11 Abs. 1 GewStG sowie zur Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer nach § 35 EStG kommen. Von Kapitalgesellschaften erzielte Zinsen unterliegen der Gewerbe- und der Körperschaftsteuer, letztere derzeit erhöht um den Solidaritätszuschlag. Im Gegensatz zu den Verhältnissen bei gewerblichen Unternehmen bzw. Mitunternehmern kommt es aber nicht zur Anwendung eines Freibetrags nach § 11 Abs. 1 GewStG. Auch eine Anrechnung von Gewerbesteuer - entsprechend der Regelung des § 35 EStG - kommt nicht in Betracht. Sowohl bei gewerblichen Personenunternehmen als auch bei Kapitalgesellschaften ist die Art der Finanzanlage insofern von Bedeutung, als Zinsaufwendungen evtl. anders behandelt werden als Zinserträge. Der Unterschied liegt in der Hinzurechnungsvorschrift des § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG. Tätigen natürliche Personen positive Finanzinvestitionen im Bereich nichtgewerblicher Einkünfte (Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, aus freiberuflicher Tätigkeit, aus Kapitalvermögen sowie aus Vermietung und Verpachtung), so unterliegen hieraus entstehende Zinseinnahmen grundsätzlich der Einkommensteuer, ggf. zusätzlich der auf diese entfallenden Zuschlagsteuern. Bei Einkünften aus Kapitalvermögen ist i. d. R. der gesonderte Steuersatz des § 32d Abs. 1 EStG, und zwar in der Form der Abgeltungsteuer, anzuwenden. Gewerbesteuer hingegen fällt in allen genannten Fällen nicht an. Bei der Ermittlung der Einkünfte kann es durch die Zinseinnahmen zum Abzug des Sparer-Pauschbetrags des § 20 Abs. 9 EStG kommen. Dies setzt u. a. voraus, dass die Zinsen im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen vereinnahmt werden. Werden Finanzinvestitionen in der Form einer Rückzahlung von Verbindlichkeiten im nichtgewerblichen Bereich getätigt, so hängen die Steuerfolgen der Zinszahlungen davon ab, ob diese im Rahmen einer Einkunftsart oder im privaten 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 101 Bereich anfallen. Im ersten Falle mindern sie die Einkünfte der jeweiligen Einkunftsart. Im zweiten Falle sind sie hingegen nicht abzugsfähig. Diese kurzen Ausführungen zeigen, dass bei gleich hohen Bruttozinssätzen die Nettozinssätze bei unterschiedlichen Arten von Investoren und bei unterschiedlicher Art der Anlage unterschiedlich hoch sein können. Die Unterschiede sind durch die voneinander abweichende Besteuerung bedingt. In Tabelle I/9 wird dies beispielhaft für einen Bruttozinssatz von 10 % p. a. demonstriert. Der Tabelle liegt das für den Veranlagungszeitraum 2010 geltende Recht (nach dem Rechtsstand im Sommer 2009) zugrunde. Ist Investor der Finanzinvestition einer Kapitalgesellschaft (Spalte 2), so wird von dem derzeit geltenden Körperschaftsteuersatz von 15 % (skö = 0,15), einem Solidaritätszuschlag von 5,5 % (solz = 0,055) und einem Gewerbesteuerhebesatz von 400 % ausgegangen. Unterschieden wird zwischen dem Fall, dass die Kapitalgesellschaft Zinserträge erwirtschaftet (Zeile 1) und dem, dass sie durch Schuldenabbau Zinsaufwendungen mindert. Im letzteren Fall wird weiter danach unterschieden, ob die Zinsaufwendungen zu einer Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG führen (Zeile 2) oder ob dies nicht geschieht (Zeile 3). Spalte 3 enthält Werte für die Fallgruppe, dass es sich bei dem Finanzinvestor um ein gewerbliches Personenunternehmen handelt. Hierbei wird von einem Einkommensteuersatz im unteren Plafond (sei = 0,42), einem Solidaritätszuschlag von 5,5 % (solz = 0,055), einem Kirchensteuersatz von 9 % (ski = 0,09) und einem Gewerbesteuerhebesatz von 400 % (h = 4) ausgegangen. Im Falle einer Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer wird ein Anrechnungsfaktor von 3,8 (α = 3,8) zugrunde gelegt. Zeile 1 gilt auch hier wieder für den Fall, dass Zinserträge anfallen. In den Zeilen 2 und 3 werden durch die Finanzinvestition Zinsaufwendungen gemindert. In Zeile 2 findet keine Hinzurechnung der Zinsaufwendungen nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG statt, in Zeile 3 hingegen geschieht dies. Spalte 4 beinhaltet Fälle, in denen der Investor ein Land- und Forstwirt, ein Freiberufler oder ein privater Vermieter ist und dieser Investitionen im Rahmen der genannten Einkunftsarten tätigt. Im Falle von Zinseinnahmen bzw. Zinserträgen (Zeile 1) wird von dem Einkommensteuersatz im unteren Plafond von 42 % (sei = 0,42), einem 5,5 %igen Solidaritätszuschlag (solz = 0,055) und von einem Kirchensteuersatz von 9 % (ski = 0,09) ausgegangen. Im Falle einer Verringerung der Zinsauszahlungen bzw. der Zinsaufwendungen (Zeile 2) kommen die gleichen Sätze zur Anwendung. Zeile 3 ist nicht definiert, da bei den genannten Steuerarten keine Gewerbesteuer entstehen kann, mithin auch keine Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG in Betracht kommt. Spalte 5 enthält den Fall eines privaten Kapitalanlegers. Auch hier sind nur die Zeilen 1 und 2 relevant. Zeile 1 liegen Zinseinnahmen im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen zugrunde. Zinsausgaben auf private Schulden (Zeile 2) sind bei Ermittlung des zu versteuernden Einkommens nicht abzugsfähig. Die Nettozinsen entsprechen somit den Bruttozinsen. Der Fall einer Hinzurechnung 102 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium von Zinsen nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG (Zeile 3) kann bei der Aufnahme von Kapital im Privatbereich nicht auftreten. Tabelle I/9: Nettozinssätze in % bei unterschiedlichen Investoren und unterschiedlicher Art der Anlage bei einem Bruttozinssatz von 10 % (ib = 10 %) Art des InvestorsZeile Kennzeichnung der Art der Investition durch Zinserträge bzw. Zinseinnahmen bzw. Zinsaufwendungen bzw. Zinsausgaben Kapitalgesellschaft* Gewerbliches Personenunternehmen** Land- und Forstwirt, Freiberufler, privater Vermieter*** Privater Kapitalanleger bzw. -aufnehmer**** Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4 Spalte 5 1 Zinserträge bzw. Zinseinnahmen 7,02 5,37 5,37 7,20 2 Zinsaufwand bzw. Zinsausgaben ohne Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG 7,02 5,37 5,37 10,00 3 Zinsaufwand mit Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG 7,37 5,37 - - * Werte ermittelt für skö = 15 %, solz = 5,5 %, h = 400 %. ** Werte ermittelt für sei = 42 %, solz = 5,5 %, ski = 9 %, h = 400 %, α = 3,8. *** Werte ermittelt für sei = 42 %, solz = 5,5 %, ski = 9 %. **** Werte ermittelt für sei§32d = 25 % (bei Zinseinnahmen), solz = 5,5 %, ski = 9 %. Die Tabelle lässt erkennen, dass bei konstantem Bruttozinssatz die Nettozinsen je nach Art des Investors und der Art der Investition erheblich voneinander abweichen können. Zu beachten ist, dass Tabelle I/9 in den Fällen, in denen es sich bei dem Investor um eine natürliche Person handelt (Spalten 3 bis 5), stets entweder von einem Einkommensteuersatz von 42 % oder 25 % ausgegangen wird. Unterliegt der Investor nicht diesen Steuersätzen, sondern entweder dem höchstmöglichen Einkommensteuersatz von 45 % (sei = 0,45) oder dem niedrigstmöglichen von 0 % (sei = 0), so ergeben sich beachtliche Abweichungen von den in der Tabelle wiedergegebenen Werten. So verringern sich z. B. die in der Spalte 4 enthaltenen Werte der Nettozinssätze bei einem Einkommensteuersatz von 45 % von 5,37 % auf 5,05 %. Bei einem Einkommensteuersatz von 0 % erhöhen sie sich hingegen auf 10 %. 6.8 Mischkalkulationszinssätze Die bisherigen Ausführungen lassen erkennen, dass bei unterschiedlich hohen Bruttozinsen die Nettozinssätze regelmäßig wesentlich dichter beieinander liegen als die Bruttozinssätze. Diese Nivellierung ist - c. p. - umso stärker, je höher die

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.