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6.6 Einflussfaktoren auf die Höhe der Nettozinssätze in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 128 - 136

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_128

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6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 91 a) Die Sonderabschreibung und die Supplementinvestitionen erfolgen in der X-GmbH, wobei die Supplementinvestitionen in einem Abbau der Schulden bestehen. Für diese wird mit einem Bruttozinssatz von 12 % p. a. gerechnet. Ohne Berücksichtigung der Supplementerträge erwartet der Geschäftsführer G für die X-GmbH einen Gewerbeertrag von 420.000 € und ein zu versteuerndes Einkommen von 320.000 €. Die Verringerung der Zinsen führt i. H. v. 25 % zu einer Verringerung der Hinzurechnung gem. § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG. Der Gewerbesteuerhebesatz für das Jahr 2 beträgt 360 %. b) Die Sonderabschreibung und die Supplementinvestitionen erfolgen in dem Unternehmen des Einzelunternehmers Werner Müller (M). Die Supplementinvestition hat die Form einer positiven Finanzinvestition mit einem Bruttozinssatz von 9 % p. a. Für das Jahr 2 erwartet M ohne Berücksichtigung der Supplementerträge einen Gewerbeertrag von 420.000 € und ein aus gewerblichen Einkünften bestehendes zu versteuerndes Einkommen von 320.000 €. Der Gewerbesteuerhebesatz für das Jahr 2 beträgt 480 %. M ist evangelisch und ledig. Der Kirchensteuersatz beträgt 9 %. Es sind die Nettozinssätze zu ermitteln. Es ist von dem für das Jahr 2010 geltenden Recht (nach dem Rechtsstand im Sommer 2009) auszugehen. 6.6 Einflussfaktoren auf die Höhe der Nettozinssätze 6.6.1 Einführung Die Gleichungen (IV), (V) und (Va) weisen die Einflussfaktoren aus, von denen die Höhe der Nettokalkulationszinssätze abhängt. Wie bereits ausgeführt, gilt Gleichung (IV) für Kapitalgesellschaften, die Gleichungen (V) und (Va) gelten für natürliche Personen. Einflussfaktor ist in allen Fällen der Bruttozinssatz ib. Die übrigen Einflussfaktoren auf die Höhe des Nettozinssatzes hingegen weichen in den Gleichungen (IV), (V) und (Va) voneinander ab. Nachfolgend sollen die Einflussfaktoren näher betrachtet werden. Da die Zusammenhänge bei natürlichen Personen wegen des progressiven Einkommensteuertarifs, wegen der Kirchensteuer und wegen der notwendigen Unterscheidung zwischen Zinsen im gewerblichen und im nichtgewerblichen Bereich komplexer sind als bei Kapitalgesellschaften, sollen zunächst die Einflussfaktoren bei Kapitalgesellschaften betrachtet werden. Anschließend werden dann die Einflussfaktoren auf die Nettozinssätze bei natürlichen Personen behandelt. 6.6.2 Untersuchung für Kapitalgesellschaften Wie sich aus Gleichung (IV) ergibt, hängt die Höhe der Nettozinssätze bei Kapitalgesellschaften von • der Höhe des Bruttozinssatzes ib, • der Höhe des Körperschaftsteuersatzes bzw. des kombinierten Körperschaftsteuer- und Solidaritätszuschlagsatzes sk, • der Höhe des Gewerbesteuersatzes sge =me · h und 92 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium • dem Umstand ab, ob die Zinsen zu einer (teilweisen) Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG führen oder nicht, d. h. davon, welchen Wert β annimmt. Aus Gleichung (IV) ist ersichtlich, dass zwischen dem Nettozinssatz in/kap und den diesen bestimmenden Einflussfaktoren ausschließlich lineare Zusammenhänge bestehen. Dieser Umstand ermöglicht es - c. p. -, das Verhältnis der Nettoverzinsung unabhängig von der konkreten Höhe des Bruttozinssatzes zu ermitteln. Dies ist in Tabelle I/4 geschehen. Tabelle I/4 enthält in Spalte 1 drei unterschiedliche Gewerbesteuersätze, und zwar i. H. v. 10,5 % (Zeilen 1 und 4), 14 % (Zeilen 2 und 5) und 17,5 % (Zeilen 3 und 6). Dies entspricht Gewerbesteuerhebesätzen von 300 %, 400 % und 500 %. Damit wird das gängige Spektrum der Hebesätze abgedeckt. Bei allen drei Gewerbesteuersätzen wird jeweils zwischen dem Fall β = 0 (Zeilen 1 bis 3) und β = 0,25 (Zeilen 4 bis 6) unterschieden. Es sei daran erinnert, dass β = 0 kennzeichnet, dass es nicht zu einer Hinzurechnung der Zinsen zum Gewerbeertrag nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG kommt. β = 0,25 hingegen gibt an, dass in Höhe von 25 % der Zinsen eine Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG vorzunehmen ist. Die Spalten 2 bis 5 enthalten jeweils im Kopf unterschiedliche Körperschaftsteuer- (skö) und Solidaritätszuschlagsätze (solz). Die Körperschaftsteuersätze betragen in den Spalten 2 und 3 jeweils 15 % und in den Spalten 4 und 5 30 %. Ein Körperschaftsteuersatz von 15 % entspricht der seit Veranlagungszeitraum 2008 geltenden Fassung des § 23 Abs. 1 KStG, ein Körperschaftsteuersatz von 30 % kommt nach derzeitigem Recht nicht vor. In den Spalten 2 und 4 wird jeweils kein Solidaritätszuschlag berücksichtigt (solz = 0), in den Spalten 3 und 5 hingegen ist jeweils ein Solidaritätszuschlag von 5,5 % erfasst. Tabelle I/4: Nettoverzinsung in % der Bruttoverzinsung bei Kapitalgesellschaften in Abhängigkeit von den Werten für skö, solz, sge und β Zeile Gewerbesteuerliche Variable Nettozinssätze in/kap im Verhältnis zu den Bruttozinssätzen ib (in/kap : ib) Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4 Spalte 5 skö = 15 % skö = 15 % skö = 30 % skö = 30 % solz = 0 % solz = 5,5 % solz = 0 % solz = 5,5 % 1 sge = 10,5 %, β = 0 74,50 % 73,68 % 59,50 % 57,85 % 2 sge = 14,0 %, β = 0 71,00 % 70,18 % 56,00 % 54,35 % 3 sge = 17,5 %, β = 0 67,50 % 66,68 % 52,50 % 50,85 % 4 sge = 10,5 %, β = 0,25 77,13 % 76,30 % 62,13 % 60,48 % 5 sge = 14,0 %, β = 0,25 74,50 % 73,68 % 59,50 % 57,85 % 6 sge = 17,5 %, β = 0,25 71,88 % 71,05 % 56,88 % 55,23 % Der Anteil der Nettozinsen an den Bruttozinsen sinkt sowohl mit steigendem Körperschaft- als auch mit steigendem Gewerbesteuersatz. Außerdem ist er bei 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 93 einer vollen Versteuerung mit Gewerbesteuer niedriger als bei einer nur 25 %igen, wie sie im Falle der Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG, stattfindet. Es unterscheiden sich - c. p. - die Werte für β = 0 und β = 0,25 voneinander. Die Werte für β = 0 sind niedriger als die Werte für β = 0,25. In Tabelle I/4 zeigen sich diese Zusammenhänge darin, dass sich die höchste Nettoverzinsung bei h = 300 %, β = 0,25, sk = 15 % und solz = 0 % (Spalte 2, Zeile 4), die niedrigste hingegen bei h = 500 %, β = 0, sk = 30 % und solz = 5,5 % (Spalte 5, Zeile 1) befindet. In Abbildung I/7 sind für zwei unterschiedliche Konstellationen steuerlicher Einflussfaktoren Nettozinssätze in Abhängigkeit von den Bruttozinssätzen dargestellt. Da - wie aus Gleichung (IV) ersichtlich - ausschließlich lineare Zusammenhänge vorliegen, erfolgt die Abbildung in zwei Geraden. Die obere von ihnen ist durch skö = 0 und sge = 0 bestimmt. Die Zinsen werden hier also weder mit Körperschaft- noch mit Gewerbesteuer belastet. Die untere der beiden Geraden ist durch skö = 15 %, solz = 5,5 %, sge = (3,5 % · 500 % =) 17,5 % und β = 0 bestimmt. Die beiden Geraden markieren die nach geltendem Recht höchstmögliche (Fall 1) bzw. niedrigstmögliche (Fall 2) Nettoverzinsung bei vorgegebenem Bruttozinssatz. Abbildung I/7: Nettozinssätze in Abhängigkeit von der Höhe der Bruttozinssätze bei unterschiedlichen steuerlichen Einflussfaktoren Fall 1: Höchstmögliche Nettoverzinsung nach geltendem Recht Fall 2: Niedrigstmögliche Nettoverzinsung nach geltendem Recht 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% ib in/kap Fall 1 Fall 2 94 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium 6.6.3 Untersuchung für natürliche Personen 6.6.3.1 Übersicht über die Einflussfaktoren auf die Höhe der Nettozinssätze Tätigt eine natürliche Person eine Finanzinvestition, so ist deren Nettoverzinsung außer von der Höhe des Bruttozinssatzes von folgenden steuerlichen Einflussfaktoren abhängig: • dem Einkommensteuersatz sei, • dem Kirchensteuersatz ski, • dem Solidaritätszuschlagsatz solz, • der Gewerbesteuermesszahl me, • dem Gewerbesteuerhebesatz h, • dem Faktor der Hinzurechnung von Zinsen zum Gewerbeertrag β und • dem Faktor α, d. h. dem Faktor, mit dem eine Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer stattfindet. Nach derzeit geltendem Recht (Stand Sommer 2009) kann die Steuermesszahl entweder einen Wert von 3,5 % (bei Zinsen im Bereich gewerblicher Personenunternehmen) bzw. von 0 (in allen anderen Fällen, in denen natürliche Personen Zinsen vereinnahmen oder verausgaben) annehmen. Die Zahl der Einflussfaktoren ist größer als die entsprechende im Falle einer von einer Kapitalgesellschaft getätigten Finanzinvestition. Bei Kapitalgesellschaften sind folgende Einflussfaktoren nicht vorhanden: • der Kirchensteuersatz und • der Faktor α. Dem Einkommensteuersatz bei natürlichen Personen entspricht bei Kapitalgesellschaften der Körperschaftsteuersatz. Dieser kann nach geltendem Recht nur 15 % oder 0 % betragen. Der Einkommensteuersatz hingegen kann nach geltendem Recht beliebige Werte zwischen 0 % und 45 % annehmen. Dies gilt für die - für steuerplanerische Zwecke regelmäßig relevanten - Differenzsteuersätze. In den folgenden Gliederungspunkten werden zunächst die Einkommen- und Kirchensteuersätze sowie der Solidaritätszuschlag variiert. Anschließend wird auf den Einfluss der Gewerbesteuermesszahl, des Gewerbesteuerhebesatzes und des Faktors β eingegangen. Letztlich werden unterschiedliche Werte für den Anrechnungsfaktor α berücksichtigt. 6.6.3.2 Einkommensteuersatz und Zuschlagsteuersätze Tabelle I/5 enthält in den Spalten 2 bis 6 Nettozinssätze im Falle von Personenunternehmen in Abhängigkeit von der Höhe des Bruttozinssatzes einerseits und von den Einkommensteuer-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsätzen andererseits. Die unterschiedlichen Bruttozinssätze sind in Spalte 1 aufgeführt. Allen Werten der Tabelle I/5 liegt eine Gewerbesteuermesszahl von 3,5 % (me = 0,035), 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 95 ein Hebesatz von 400 % (h = 4) und ein Anrechnungsfaktor von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer i. H. v. 3,8 (α = 3,8) zugrunde. Außerdem wird in Tabelle I/5 stets davon ausgegangen, dass die Zinsen nicht zu einer Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG führen, d. h. es gilt β = 0. In Spalte 2 der Tabelle I/5 wird von einem Einkommensteuersatz von 0 % (sei = 0) ausgegangen. Hierdurch nehmen sowohl der Kirchensteuer- als auch der Solidaritätszuschlagsatz ebenfalls den Wert 0 an, d. h. es gilt ski = 0 und solz = 0. Die hier zugrunde gelegte Konstellation der steuerlichen Einflussfaktoren kennzeichnet solche Fälle, in denen der zu betrachtende Teil des Gewerbeertrags oberhalb des sich aus § 11 Abs. 1 GewStG ergebenden Freibetrags liegt, das zu versteuernde Einkommen des (Mit-)Unternehmers aber geringer ist als der Grundfreibetrag des Einkommensteuertarifs nach § 32a EStG. Tabelle I/5: Nettozinssätze bei Personenunternehmen in/persu in Abhängigkeit vom Bruttozinssatz ib und von dem Einkommen-, Kirchensteuerund Solidaritätszuschlagsatz* Zeile Bruttozinssatz Nettozinssätze in/persu Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4 Spalte 5 Spalte 6 sei =0 % sei = 42 % sei = 45 % sei =42 % sei =42 % ski =0 % ski = 0 % ski = 0 % ski = 9 % ski = 9 % ib solz =0 % solz = 0 % solz = 0 % solz = 0 % solz = 5,5 % 1 0,5 % 0,43 % 0,29 % 0,27 % 0,28 % 0,27 % 2 2,0 % 1,72 % 1,15 % 1,09 % 1,10 % 1,07 % 3 6,0 % 5,16 % 3,44 % 3,26 % 3,31 % 3,22 % 4 10,0 % 8,60 % 5,73 % 5,43 % 5,52 % 5,37 % 5 14,0 % 12,04 % 8,02 % 7,60 % 7,73 % 7,52 % * Allen Tabellenwerten liegt eine Steuermesszahl von 3,5 % (me = 0,035), ein Hebesatz von 400 % (h = 4) und ein Anrechnungsfaktor nach § 35 EStG von 3,8 (α = 3,8) zugrunde. Lediglich in Spalte 2 kommt es mangels einer Einkommensteuerbelastung nicht zu einer Anrechnung von Gewerbesteuer. Außerdem wird davon ausgegangen, dass die Zinsen nicht zu einer Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG führen, d. h. es gilt β = 0. In den Spalten 3 bis 6 der Tabelle I/5 wird jeweils von einem Grenz- bzw. Differenzsteuersatz der Einkommensteuer ausgegangen, und zwar in den Spalten 3, 5 und 6 von dem des unteren (sei = 0,42) und in Spalte 4 von dem des oberen Plafonds (sei = 0,45). In den Spalten 3 und 4 betragen sowohl der Kirchensteuer- als auch der Solidaritätszuschlagsatz jeweils 0 % (ski = 0, solz = 0). In Spalte 5 wird - unter Zugrundelegung des Einkommensteuersatzes des unteren Plafonds - eine 9 %ige Kirchensteuer (ski = 0,09) und in Spalte 6 zusätzlich ein 5,5 %iger Solidaritätszuschlag (solz = 0,055) berücksichtigt. Tabelle I/5 lässt erkennen, dass sowohl die Höhe des Bruttozinssatzes als auch die des Einkommensteuersatzes einen großen Einfluss auf die Höhe des Nettozinssatzes hat. Der Einfluss der Kirchensteuer und der des Solidaritätszuschlags hingegen ist gering. 96 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium 6.6.3.3 Gewerbesteuerliche Einflüsse Als gewerbesteuerliche Einflüsse auf die Höhe der Nettozinssätze kommen in Betracht: • die Höhe der Steuermesszahl me, • die Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes h, • die Hinzurechnung bzw. Nichthinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG, gekennzeichnet durch den Faktor β. In Tabelle I/6 sind für unterschiedliche Konstellationen von me, h und β Nettozinssätze zu den aus Spalte 1 ersichtlichen Bruttozinssätzen wiedergegeben. Allen Tabellenwerten liegt der Einkommensteuersatz im unteren Plafond i. H. v. 42 % (sei = 0,42) zugrunde. Zuschlagsteuern sind in allen Fällen nicht berücksichtigt, d. h. es gilt stets ski = 0 und solz = 0. Außerdem wird in allen Fällen, in denen Gewerbesteuer entsteht, von einer pauschalen Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer i. H. des 3,8fachen des Steuermessbetrages ausgegangen. Der Faktor α beträgt also in allen Fällen 3,8. Die Werte der Spalten 2 bis 4 der Tabelle I/6 beruhen auf einer Steuermesszahl von 3,5 %. Der hier betrachtete Teil des Gewerbeertrags liegt also oberhalb des Freibetrags des § 11 Abs. 1 GewStG. Die Spalten 2 bis 4 unterscheiden sich hinsichtlich der Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes. Dieser beträgt in Spalte 2 stets 300 %, in Spalte 3 400 % und in Spalte 4 500 %. In allen drei Spalten findet keine Hinzurechnung von Zinsen zum Gewerbeertrag statt, d. h. es gilt β = 0. Spalte 5 entspricht der Spalte 3 mit der Ausnahme, dass nunmehr ein Viertel der Zinsen als Schuldzinsen dem Gewerbeertrag hinzugerechnet werden. Es gilt also β = 0,25. Tabelle I/6: Nettozinssätze natürlicher Personen (in/persu bzw. in/nat) in Abhängigkeit vom Bruttozinssatz ib und von den gewerbesteuerlichen Einflussfaktoren* Zeile Bruttozinssatz Nettozinssätze in/persu bzw. in/nat Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4 Spalte 5 Spalte 6 ib me= 3,5 % me= 3,5 % me= 3,5 % me= 3,5 % me= 0 % h= 300 % h= 400 % h= 500 % h= 400 % h≥ 0 % β= 0 β= 0 β= 0 β= 0,25 β≥ 0 1 0,5 % 0,29 % 0,29% 0,27% 0,29% 0,29 % 2 2,0 % 1,16 % 1,15% 1,08% 1,15 % 1,16 % 3 6,0 % 3,48 % 3,44% 3,23% 3,45% 3,48 % 4 10,0 % 5,80 % 5,73 % 5,38 % 5,75% 5,80 % 5 14,0 % 8,12 % 8,02 % 7,53 % 8,05% 8,12 % * Allen Tabellenwerten liegt ein Einkommensteuersatz von 42 % (sei = 0,42), ein Kirchensteuersatz von 0 % (ski = 0) und ein Solidaritätszuschlagsatz von 0 % (solz = 0) zugrunde. Außerdem wird davon ausgegangen, dass der Faktor der Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer α bei h < 380 % dem Hebesatz h entspricht, bei höheren Hebesätzen hingegen stets 380 % beträgt. 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 97 In Spalte 6 beträgt die Steuermesszahl 0 %. Dies kann bedeuten, dass die Zinsen außerhalb des gewerblichen Bereichs erzielt bzw. aufgewendet werden. Es kann aber auch bedeuten, dass es sich zwar um Zinsen im gewerblichen Bereich handelt, diese aber einem Teil des Gewerbeertrags zugeordnet werden, der innerhalb des Freibetrags des § 11 Abs. 1 GewStG liegt. Da bei me = 0 auf keinen Fall Gewerbesteuer anfällt, ist es ohne Bedeutung, ob der Hebesatz 0 % beträgt oder aber einen positiven Wert annimmt. Es gilt also h ≥ 0. Außerdem ist es irrelevant, ob eine Hinzurechnung von Zinsen als Dauerschuldzinsen stattfindet oder nicht. Es gilt also β ≥ 0. Bei einem Vergleich der Werte der Tabelle I/6 mit denen der Tabelle I/5 zeigt sich, dass die in Tabelle I/6 berücksichtigten Einflussfaktoren nur einen vergleichsweise geringen Einfluss auf die Höhe der Nettozinssätze haben. 6.6.3.4 Umfang der Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer § 35 EStG sieht grundsätzlich eine Anrechnung von Gewerbesteuer i. H. des 3,8fachen des Gewerbesteuermessbetrages vor. Wie bereits ausgeführt46, ergibt sich hieraus aber keinesfalls stets ein Anrechnungsfaktor α von 3,8. Vielmehr kann α auch kleinere Werte annehmen. Diese können sich insbesondere für einzelne Mitunternehmer einer Mitunternehmerschaft ergeben47. Tabelle I/7 enthält in ihrer Spalte 1 die bereits aus der Tabelle I/5 und der Tabelle I/6 bekannten Bruttozinssätze. Die Spalten 2 bis 6 enthalten in ihren jeweiligen Zeilen 1 bis 5 Nettozinssätze. Allen Tabellenwerten liegt ein Einkommensteuersatz von 42 % (sei = 0,42) zugrunde. Es handelt sich also um den Grenz- bzw. Differenzsteuersatz im unteren Plafond der Einkommensteuer. In allen Spalten ist weder Kirchensteuer noch Solidaritätszuschlag berücksichtigt, d. h. es gilt stets ski = 0 und solz = 0. Außerdem wird stets von einer Gewerbesteuermesszahl von 3,5 % (me = 0,035) und einem Hebesatz von 400 % (h = 4) ausgegangen. In allen Fällen führen die Zinsen nicht zu einer Hinzurechnung gem. § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG. Die Spalten 2 bis 6 unterscheiden sich ausschließlich durch die Höhe des Anrechnungsfaktors. Berücksichtigt sind Anrechnungsfaktoren der Gesellschafter einer Mitunternehmerschaft (αges). Diese nehmen Werte von 0,1 (Spalte 2), 1,0 (Spalte 3), 2,0 (Spalte 4), 3,0 (Spalte 5) und 3,8 (Spalte 6) an. Ein Anrechnungsfaktor von 0 wird nicht berücksichtigt. Ein derartiger Wert ist zwar grundsätzlich möglich, aber nur in dem Fall, dass die Einkommensteuer des Mitunternehmers kleiner ist als die anrechenbare Gewerbesteuer. Dieser Fall ist nicht vereinbar mit der Prämisse, dass der Einkommensteuersatz 42 % beträgt. 46 Vgl. Gliederungspunkt 4.2.2. 47 Zur möglichen Höhe von α vgl. Gliederungspunkt 4.2.2. 98 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium Tabelle I/7: Nettozinssätze bei Personenunternehmen (in/persu) in Abhängigkeit vom Bruttozinssatz ib und von dem Faktor einer pauschalen Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer αges* Zeile Bruttozinssatz Nettozinssätze in/persu Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4 Spalte 5 Spalte 6 ib αges = 0,1 αges = 1,0 αges = 2,0 αges = 3,0 αges = 3,8 1 0,5 % 0,22 % 0,24% 0,26% 0,27 % 0,29% 2 2,0 % 0,89% 0,95 % 1,02 % 1,09 % 1,15% 3 6,0 % 2,66 % 2,85 % 3,06 % 3,27 % 3,44% 4 10,0 % 4,44% 4,75 % 5,10 % 5,45 % 5,73 % 5 14,0 % 6,21% 6,65 % 7,14 % 7,63 % 8,02 % * Allen Tabellenwerten liegt ein Einkommensteuersatz von 42 % (sei = 0,42), ein Kirchensteuersatz von 0 % (ski = 0) und ein Solidaritätszuschlagsatz von 0 % (solz = 0) zugrunde. Außerdem wird stets von einer Gewerbesteuermesszahl von 3,5 % (me = 0,035) und einem Hebesatz von 400 % (h = 4) ausgegangen. Bei den Zinsen kommt es in allen Fällen nicht zu einer Hinzurechnung gem. § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG, d. h. es gilt β = 0. Tabelle I/7 zeigt, dass der Anrechnungsfaktor α durchaus einen beachtenswerten Einfluss auf die Höhe der Nettozinsen hat. 6.6.3.5 Verhältnis der Netto- zur Bruttoverzinsung Gleichung (V), d. h. die Gleichung zur Ermittlung von Nettozinssätzen aus vorgegebenen Bruttozinssätzen für natürliche Personen, beinhaltet ebenso wie die entsprechende Gleichung (IV) für Kapitalgesellschaften ausschließlich lineare Zusammenhänge. Im Gegensatz zu Gleichung (IV) gilt Linearität bei Gleichung (V) uneingeschränkt aber nur dann, wenn auf die Einkommensteuersätze se und nicht auf die diesen zugrunde liegenden zu versteuernden Einkommen abgestellt wird. Bekanntlich sind die Zusammenhänge zwischen den zu versteuernden Einkommen und den sich aus diesen ergebenden Differenz- bzw. Grenzsteuersätzen nur innerhalb des Grundfreibetrags und des Plafonds linear. Im Progressionsbereich hingegen bestehen quadratische Beziehungen. Wird von Einkommensteuersätzen und nicht von zu versteuernden Einkommen ausgegangen, so können in ähnlicher Weise wie dies in Gliederungspunkt 6.6.2 für Kapitalgesellschaften geschehen ist, auch im Falle natürlicher Personen anteilige Nettoverzinsungen aus vorgegebenen Bruttoverzinsungen ermittelt werden. Dies ist in Tabelle I/8 beispielhaft für die dort angegebenen Steuersätze und sonstigen steuerlichen Daten geschehen. Tabelle I/8 enthält also unter Zugrundelegung unterschiedlicher steuerlicher Daten Nettoverzinsungen in % der jeweiligen Bruttoverzinsung. Tabelle I/8 enthält in den Spalten 2 bis 6 für unterschiedliche steuerliche Konstellationen Nettozinssätze in % des Bruttozinssatzes ib. Die unterschiedlichen steuerlichen Konstellationen ergeben sich zum einen aus den in Spalte 1 angegebenen kombinierten Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsätzen, zum 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 99 anderen aus den unterschiedlichen gewerbesteuerlichen Einflussfaktoren, die jeweils im Kopf der Spalten 2 bis 6 angegeben sind. Tabelle I/8 lässt erkennen, dass die Höhe des Einkommensteuersatzes - bei unver- ändertem Bruttozinssatz - für die Höhe des Nettozinssatzes von herausragender Bedeutung ist. Tabelle I/8: Nettoverzinsung in % der Bruttoverzinsung bei natürlichen Personen in Abhängigkeit von unterschiedlichen steuerlichen Situationen Zeile Kombinierter Steuersatz Nettozinssätze in/persu bzw. in/nat im Verhältnis zu den Bruttozinssätzen ib Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4 Spalte 5 Spalte 6 se * me= 3,5 % me= 3,5 % me= 3,5 % me = 3,5 % me= 0 % h= 400 % h=500 % h=400 % h = 500 % h≥ 0 % α= 3,8 α= 3,8 α= 3,8 α = 3,8 α≥ 0,0 β= 0 β= 0 β= 0,25 β = 0,25 β≥ 0 1 0,00 % ** 86,00 % 82,50 % 89,50 % 86,88 % 100,00 % 2 30,00 % 70,03 % 66,53 % 70,02 % 67,40 % 70,00 % 3 42,00 % *** 57,30 % 53,80 % 57,48 % 54,85 % 58,00 % 4 44,31 % *** 55,72 % 52,22 % 55,71 % 53,09 % 55,69 % 5 46,34 % *** 53,69 % 50,19 % 53,68 % 51,06 % 53,66 % 6 49,52 % *** 50,51 % 47,01 % 50,50 % 47,88 % 50,48 % * Bei dem Steuersatz se handelt es sich um den kombinierten Einkommen-, Kirchensteuer- und Solidaritätszuschlagsatz. Hierbei kann sowohl der Kirchensteuer- als auch der Solidaritätszuschlagsatz den Wert 0 annehmen. ** In Zeile 1, d. h. bei se = 0 nimmt auch der Anrechnungsfaktor von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer α nach § 35 EStG den Wert 0 an. *** Der Steuersatz von 42,00 % für se in Zeile 3 entspricht dem Differenz- bzw. Grenzsteuersatz der Einkommensteuer im unteren Plafond ohne Kirchensteuer und ohne Solidaritätszuschlag. Der Steuersatz von 44,31 % in Zeile 4 umfasst zusätzlich einen 5,5 %igen Solidaritätszuschlag und der Steuersatz von 46,34 % in Zeile 5 zusätzlich eine 9 %ige Kirchensteuer. Der Steuersatz von 49,52 % in Zeile 6 beruht auf einem Einkommensteuersatz von 45 %, einem Kirchensteuersatz von 9 % und einem Solidaritätszuschlagsatz von 5,5 %. Es handelt sich um den derzeit (Sommer 2009) höchstmöglichen kombinierten Einkommen-, Kirchensteuerund Solidaritätszuschlagsatz. 6.7 Von der Art des Investors und von der Art der Finanzinvestition abhängige Nettozinssätze Die bisherigen Ausführungen lassen erkennen, dass - bei gleich hohen Bruttozinssätzen - die Höhe der Nettozinssätze u. a. von der Art des Investors und der Art der Finanzinvestition abhängt. Als Arten von Investoren lassen sich im Rahmen dieses Buches folgende Gruppen unterscheiden: • gewerbliche Unternehmer bzw. Mitunternehmer, die Finanzinvestitionen im Rahmen ihres Betriebsvermögens tätigen (gewerbliche Personenunternehmer),

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References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.