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6.5 Aufgabe 7 in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 127 - 128

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_127

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90 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium Deutlich komplizierter als bei Kapitalgesellschaften sind die Zusammenhänge zur Ermittlung von Nettozinssätzen bei Personenunternehmen. Dies liegt - wie bereits weiter oben ausgeführt - zum einen an der Anrechnung von Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer des (Mit-)Unternehmers, zum anderen an der Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer als Sonderausgabe. Diese Abzugsfähigkeit lässt sich ohne gro- ßen Rechenaufwand nur lösen, wenn insoweit doch auf eine formelmäßige Ermittlung, und zwar durch Anwendung der Gleichung (12) bzw. (13) zurückgegriffen wird. Auch diese Zusammenhänge sollen wiederum anhand eines Beispiels verdeutlicht werden. Beispiel Einzelunternehmer E beabsichtigt zum Ende des Jahres 1 100 T€ auf einem betrieblichen Festgeldkonto anzulegen. Er rechnet mit einer Verzinsung dieses Guthabens i. H. v. 10 % p. a. Für das Jahr 2 geht er von folgenden steuerlichen Bemessungsgrundlagen aus: Gewerbeertrag 1 Mio €, zu versteuerndes Einkommen 900 T€. Der Gewerbesteuerhebesatz beträgt 440 %, der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer 45 %. E ist evangelisch. Der Kirchensteuersatz beträgt 9 %. Es wird ein Solidaritätszuschlag i. H. v. 5,5 % erhoben. Der Nettozinssatz der sich aus dem Festgeldkonto ergebenden Zinserträge lässt sich wie folgt ermitteln: % des Festgeldguthabens Bruttozinssatz 10,00 Gewerbesteuer (3,5 % · 440 % · 10,00 =) –1,54 Kombinierte Einkommen- und Kirchensteuer plus Solidaritätszuschlag gem. Gleichung (13) ⎝ ⎛ ⎠ ⎞ 0,45 · (1 + 0,055 + 0,09) 1 + 0,09 · 0,45 · 10,00 = – 4,95 verbleiben vor Anrechnung gem. § 35 EStG 3,51 Anrechnung gem. § 35 EStG (3,5 % · 380 % · 10,00 =) +1,33 Verringerung des Solidaritätszuschlags (5,5 % · 1,33 =) +0,07 Nettozinssatz 4,91 Aus einem Bruttozinssatz von 10,00 % wird also im konkreten Fall ein Nettozinssatz von lediglich 4,91 %. Wird der Nettozinssatz zu Kontrollzwecken nach Gleichung (87) ermittelt, so ergibt sich ein Nettozinssatz von ebenfalls [(1 − 49,5 % − 3,5 % · 440 % + 380 % · 3,5 % · (1 + 5,5 %) · 10,00 % =] 4,91 %. Werden hingegen aus Vereinfachungsgründen die Wirkungen der Gewerbesteuer und ihrer pauschalen Anrechnung auf die Einkommensteuer vernachlässigt, so kann der Nettozinssatz nach Gleichung (Va) ermittelt werden. Er beträgt dann [(1 − 49,5 %) · 10 % =] 5,05 %. Er ist somit geringfügig, d. h. um (5,05 % − 4,91 % =) 0,14 %, geringer als bei einer exakten Ermittlung. 6.5 Aufgabe 7 Durch die Vornahme einer Sonderabschreibung auf ein Betriebsgebäude kann in den Fällen a) und b) im Jahre 1 jeweils eine Steuerersparnis von 100.000 € erzielt werden. Wird von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, so kommt es zum 1.1. des Jahres 2 jeweils zu einer Supplementinvestition in Höhe dieser Steuerersparnis. Die Fälle a) und b) sind wie folgt gekennzeichnet: 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 91 a) Die Sonderabschreibung und die Supplementinvestitionen erfolgen in der X-GmbH, wobei die Supplementinvestitionen in einem Abbau der Schulden bestehen. Für diese wird mit einem Bruttozinssatz von 12 % p. a. gerechnet. Ohne Berücksichtigung der Supplementerträge erwartet der Geschäftsführer G für die X-GmbH einen Gewerbeertrag von 420.000 € und ein zu versteuerndes Einkommen von 320.000 €. Die Verringerung der Zinsen führt i. H. v. 25 % zu einer Verringerung der Hinzurechnung gem. § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG. Der Gewerbesteuerhebesatz für das Jahr 2 beträgt 360 %. b) Die Sonderabschreibung und die Supplementinvestitionen erfolgen in dem Unternehmen des Einzelunternehmers Werner Müller (M). Die Supplementinvestition hat die Form einer positiven Finanzinvestition mit einem Bruttozinssatz von 9 % p. a. Für das Jahr 2 erwartet M ohne Berücksichtigung der Supplementerträge einen Gewerbeertrag von 420.000 € und ein aus gewerblichen Einkünften bestehendes zu versteuerndes Einkommen von 320.000 €. Der Gewerbesteuerhebesatz für das Jahr 2 beträgt 480 %. M ist evangelisch und ledig. Der Kirchensteuersatz beträgt 9 %. Es sind die Nettozinssätze zu ermitteln. Es ist von dem für das Jahr 2010 geltenden Recht (nach dem Rechtsstand im Sommer 2009) auszugehen. 6.6 Einflussfaktoren auf die Höhe der Nettozinssätze 6.6.1 Einführung Die Gleichungen (IV), (V) und (Va) weisen die Einflussfaktoren aus, von denen die Höhe der Nettokalkulationszinssätze abhängt. Wie bereits ausgeführt, gilt Gleichung (IV) für Kapitalgesellschaften, die Gleichungen (V) und (Va) gelten für natürliche Personen. Einflussfaktor ist in allen Fällen der Bruttozinssatz ib. Die übrigen Einflussfaktoren auf die Höhe des Nettozinssatzes hingegen weichen in den Gleichungen (IV), (V) und (Va) voneinander ab. Nachfolgend sollen die Einflussfaktoren näher betrachtet werden. Da die Zusammenhänge bei natürlichen Personen wegen des progressiven Einkommensteuertarifs, wegen der Kirchensteuer und wegen der notwendigen Unterscheidung zwischen Zinsen im gewerblichen und im nichtgewerblichen Bereich komplexer sind als bei Kapitalgesellschaften, sollen zunächst die Einflussfaktoren bei Kapitalgesellschaften betrachtet werden. Anschließend werden dann die Einflussfaktoren auf die Nettozinssätze bei natürlichen Personen behandelt. 6.6.2 Untersuchung für Kapitalgesellschaften Wie sich aus Gleichung (IV) ergibt, hängt die Höhe der Nettozinssätze bei Kapitalgesellschaften von • der Höhe des Bruttozinssatzes ib, • der Höhe des Körperschaftsteuersatzes bzw. des kombinierten Körperschaftsteuer- und Solidaritätszuschlagsatzes sk, • der Höhe des Gewerbesteuersatzes sge =me · h und

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.