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6.2 Ableitung von Nettozinssätzen bei Kapitalgesellschaften in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 115 - 118

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_115

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78 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium den, ist aber gemeinsam, dass nicht die Komplexität des Steuerrechts beachtet, vielmehr die Steuerbelastung mit Hilfe eines pauschalen Steuersatzes erfasst wird. Allgemein ergibt sich dann der Nettozinssatz (in) durch Abzug des Produkts aus dem Bruttozinssatz (ib) und dem Steuersatz (s) von dem Bruttozinssatz. Es kann also geschrieben werden: (75) in = ib · (1 – s). Werden die Steuerwirkungen in der in Gleichung (75) dargestellten Weise lediglich mit Hilfe eines pauschalen Steuersatzes erfasst, so können derart große Fehler entstehen, dass der Vorteilsvergleich bereits im Ansatz völlig unzuverlässig wird. Nachfolgend sollen deshalb die Gesamtwirkungen des Steuerrechts auf den Kalkulationszinsfuß berücksichtigt werden. Hierbei wird wegen der unterschiedlichen steuerlichen Wirkungen zwischen der Ermittlung von Nettozinssätzen bei Kapitalgesellschaften in/kap, bei Personenunternehmen in/persu und im nichtgewerblichen Bereich natürlicher Personen in/nat unterschieden. Da die Steuerwirkungen bei Kapitalgesellschaften infolge des Fehlens einer dem § 35 EStG entsprechenden Vorschrift wesentlich leichter überschaubar sind als bei Personenunternehmen, soll mit der Ermittlung von Nettozinssätzen bei Kapitalgesellschaften begonnen werden. Es ist bereits darauf hingewiesen worden, dass bei geplanten Realinvestitionen Endwert- und Kapitalwertmaximierung bzw. Steuerendwert- und Steuerbarwertminimierung austauschbare Ziele sind. Voraussetzung ist allerdings, dass die Abzinsung bei Steuerbarwertminimierung zu den gleichen Nettozinssätzen erfolgt, wie die Aufzinsung bei Steuerendwertminimierung. Nachfolgend wird deshalb so vorgegangen, dass die Nettoverzinsung bei Aufzinsung ermittelt wird; der Zinssatz wird sodann als Kalkulationszinsfuß für die Errechnung des Barwertes verwendet. Da Kapitalgesellschaften teilweise mit anderen Steuern belastet sind als natürliche Personen (Körperschaftsteuer statt Einkommensteuer), müssen die Nettozinssätze für natürliche Personen und für Kapitalgesellschaften gesondert ermittelt werden. Bei natürlichen Personen muss - wie bereits ausgeführt - zwischen gewerblichem und nicht gewerblichem Bereich unterschieden werden. Bei allen Steuerschulden, die in die Belastungsvergleiche eingehen, wird stets davon ausgegangen, dass die Zahlungen mit Ablauf des Jahres ihrer Entstehung erfolgen, mithin zu diesem Zeitpunkt Differenzinvestitionen entstehen, die nachfolgend zu Differenzerträgen bzw. -aufwendungen, i. d. R. also zu Zinserträgen bzw. Zinsaufwendungen, führen. 6.2 Ableitung von Nettozinssätzen bei Kapitalgesellschaften Tätigt eine Kapitalgesellschaft mit Ablauf des Jahres 0 eine Differenzinvestition (I0) in Form einer positiven Finanzinvestition oder eines Abbaus von Verbindlichkeiten, die nicht zu einer Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 79 führen (Nicht-Hinzurechnungszinsen), so entstehen im Jahr 1 Supplementzinserträge bzw. es verringern sich die Zinsaufwendungen in Höhe von: (76) Zi1 = I0 · ib. ib gibt den Bruttozinssatz, d. h. den Zinssatz vor Steuern der Finanzinvestition an. Die Nicht-Hinzurechnungszinsen erhöhen das Einkommen und den Gewerbeertrag des Jahres 1, d. h. sie sind als E im Sinne von Gleichung (II) bzw. (IIa) anzusehen. Hierdurch entstehen - bei Verwendung der Schreibweise von Gleichung (IIa) - als Folge der Supplementinvestition folgende zusätzliche Steuerzahlungen (Skap/zi1): (77) Skap/zi1 = I0 · ib · (sk +me · h). Das bis zum Ende des Jahres 1 entstandene Supplementvermögen (I1) ergibt sich aus der Summe des ursprünglichen Supplementvermögens (I0) und der hieraus entstandenen Zinsdifferenz des Jahres 1 (Zi1) nach Abzug der zusätzlich anfallenden Steuerzahlungen (Skap/zi1): (78) I1 = I0 + Zi1 – Skap/zi1. Durch Einsetzen der Werte der Gleichungen (76) und (77) in Gleichung (78) und nach einigen Umformungen ergibt sich: (79) I1 = I0 + I0 · ib · (1 − sk −me · h). Die letzten beiden Faktoren im zweiten Summanden der Gleichung (79) stellen den Nettozinssatz der Supplementinvestition im Jahre 1 (in/kap/zi1) dar, so dass geschrieben werden kann: (80) I1 = I0 + I0 · in/kap/zi1. Allgemein und unter Verzicht auf Indizierung kann der Nettozinssatz (in/kap/zi) wie folgt geschrieben werden: (81) in/kap/zi = ib · (1 − sk −me · h). Bisher ist nur der Fall behandelt worden, dass es sich bei den Supplementinvestitionen um positive Finanzinvestitionen oder um den Abbau solcher Verbindlichkeiten handelt, die nicht zu einer Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG führen. Nunmehr soll der Fall behandelt werden, dass die Supplementin- 80 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium vestitionen zum Abbau von solchen Zinsen, die zu einer Hinzurechnung gem. § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG führen (Hinzurechnungszinsen) verwendet werden. In diesem Fall ändert sich die Steuerbelastung gegenüber dem bisher betrachteten und in Gleichung (81) abgebildeten Fall. Die Änderung ergibt sich durch die Hinzurechnungsvorschrift des § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG. Fallen durch eine Supplementinvestition Hinzurechnungszinsen weg, so entfällt gleichzeitig die 25 %ige Hinzurechnung nach § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG. 25 % der fortfallenden Zinsen (0,25 · I0 · ib) führten somit zu einer Minderung von Hge i. S. v. Gleichung (II) bzw. (IIa). Im Übrigen ergeben sich die gleichen Steuerwirkungen wie in Gleichung (77) dargestellt. Insgesamt ergeben sich im Falle von Hinzurechnungszinsen im Jahre 1 also folgende Steuerwirkungen (Skap/zi§8,1): (82) Skap/zi§8,1 = I0 · ib · (sk +me · h) – 0,25 · I0 · ib ·me · h. Wird der Faktor, mit dem die Zinsen dem Gewerbeertrag hinzugerechnet werden, nicht mit 0,25, sondern allgemein mit β bezeichnet, so ergibt sich nach einigen Umformungen: (83) Skap/zi§8,1 = I0 · ib · (sk +me · h – β ·me · h). Wird Skap/zi§8,1 anstelle von Skap/zi1 in die Gleichungen (77) und (78) eingesetzt, so kann analog zur Ableitung von Gleichung (79) Folgendes ermittelt werden: (84) I1 = I0 + I0 · ib – I0 · ib · (sk +me · h – β ·me · h). Durch Umformung ergibt sich hieraus: (85) I1 = I0 + I0 · ib · (1 − sk −me · h + β · me · h). Der Bruttozinssatz multipliziert mit dem Klammerausdruck im zweiten Summanden von Gleichung (85) stellt die Nettoverzinsung von I0 dar. Diese kann wie folgt geschrieben werden: (IV) in/kap = ib · [1 − sk −me · h · (1 − β)]. Wird in Gleichung (IV) β mit 0 angesetzt, so ergibt sich aus Gleichung (IV) die bereits bekannte Gleichung (81). Damit zeigt sich, dass Gleichung (IV) als allgemeiner Fall zu Gleichung (81) aufgefasst werden kann. 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 81 Der Gewerbesteuersatz, d. h. me · h, in Gleichung (IV) nimmt keinesfalls immer positive Werte an, vielmehr kann er auch 0 % betragen. Letzterer Fall ist so zu interpretieren, dass die Gewerbesteuer nicht durch die Differenzerträge erhöht wird. 6.3 Ableitung von Nettozinssätzen bei natürlichen Personen und Personenunternehmen 6.3.1 Einführung und Fallunterscheidung Allen hier zu behandelnden Fällen ist gemeinsam, dass die Zinsen aus Supplementinvestitionen in der Form von Finanzinvestitionen nicht der Körperschaftsteuer, grundsätzlich aber der Einkommensteuer unterliegen. Im Übrigen können die Steuerfolgen aber stark voneinander abweichen. Einflussfaktoren auf die Höhe des Nettozinssatzes bei gleichem Bruttozinssatz sind: • der anzuwendende Einkommensteuertarif, d. h. die Anwendung des allgemeinen Tarifs nach § 32a EStG oder des gesonderten Steuertarifs des § 32d EStG, • der Anfall bzw. Nichtanfall von Gewerbesteuer, • im Falle des Anfalls von Gewerbesteuer die Unterfälle − der Anwendung des § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG und − der Nichtanwendung des § 8 Nr. 1 Buchstabe a GewStG. In Abbildung I/6 sind die Zusammenhänge schaubildmäßig zusammengefasst. In den nachfolgenden Ausführungen wird anhand der in der Abbildung getroffenen Unterscheidungen vorgegangen.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.