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5.7 Aufgaben 5 und 6 in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 113 - 114

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_113

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76 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium Sollen mehrere Steuerbarwerte miteinander verglichen werden, so reicht es aus, die Barwerte der Steuerdifferenzen zu ermitteln. Mit Hilfe der Differenzbetrachtung wird dann die Alternative mit dem geringsten Steuerbarwert ersichtlich. Erfolgt im Planungszeitraum kein Vorzeichenwechsel, so reicht die Ermittlung einer Jahresbelastungsdifferenz aus. Die Ermittlung aller bisher aufgezeigten Vorteilskriterien kann sehr zeitaufwendig und damit auch kostenträchtig sein. Dies gilt umso mehr, je höher die Zielebene ist, auf der die Vorteilskriterien angesiedelt sind. So dürfte die Ermittlung eines Steuerbarwerts regelmäßig wesentlich weniger zeitaufwendig sein als die Ermittlung des Endvermögens bei gleichem zu beurteilenden Sachverhalt. Dennoch kann aber auch die Ermittlung eines Steuerbarwerts noch sehr zeitaufwendig sein. Es ist daher angebracht, im konkreten Einzelfall nach weiter vereinfachenden Vorteilskriterien zu suchen. Diese müssen aber mit den übergeordneten Zielen vereinbar sein, sie müssen sich aus ihnen ergeben. 5.7 Aufgaben 5 und 6 Aufgabe 5 Ermitteln Sie die Steuerbarwerte (bei i = 6 %) folgender Steuerzahlungsreihen: Jahr Alternative 1 Alternative 2 € € 0 100.000 100.000 1 120.000 125.000 2 130.000 125.000 3 180.000 180.000 ∑ 530.000 530.000 Die Abzinsung soll zum 31.12. des Jahres 0 erfolgen. Es wird davon ausgegangen, dass die Steuerzahlungen jeweils zum 31.12. des Jahres ihrer Entstehung erfolgen. Aufgabe 6 Wählen Sie unter dem Gesichtspunkt der Kapitalwertmaximierung die günstigere der beiden nachfolgend aufgeführten Alternativen aus. Hierbei ist von einem Kalkulationszinsfuß von 8 % p. a. auszugehen. Die Abzinsung soll zum 31.12. des Jahres 0 erfolgen. Alternative 1 Alternative 2 Jahr Einzahlungen Auszahlungen Einzahlungen Auszahlungen T€ T€ T€ T€ 0 90 23 80 26 1 92 24 95 29 2 103 31 109 30 3 117 12 116 12 ∑ 402 90 400 97 6 Zinssätze der Differenzinvestitionen 6.1 Zur Problematik des Kalkulationszinsfußes Die Errechnung von Steuerbar- bzw. Kapitalwerten setzt die Kenntnis eines Kalkulationszinsfußes voraus. Es ist nun zu untersuchen, welcher Kalkulationszinsfuß zu wählen ist. Die Frage nach dem „richtigen“ Kalkulationszinsfuß ist in der Literatur immer wieder gestellt und recht unterschiedlich beantwortet worden42. Wie bereits dargestellt, sind Kalkulationszinsfüße lediglich in Partial-, nicht hingegen in Totalmodellen erforderlich. Der Ansatz eines Kalkulationszinsfußes wird durch die vereinfachenden Annahmen des Partialmodells erzwungen. Hieraus folgt, dass sich die Höhe des Kalkulationszinsfußes nach den Vereinfachungen des Modells richtet. Aus dieser Erkenntnis kann nur die Konsequenz gezogen werden, dass es unmöglich ist, einen allgemein „richtigen“ Kalkulationszinsfuß zu ermitteln. Es ist deshalb lediglich zu erörtern, welcher Kalkulationszinsfuß sich aus den hier gesetzten Prämissen ergibt. Die grundlegende Prämisse der meisten Ausführungen dieses Buches besteht in der Annahme geplanter Realinvestitionen. Differenzinvestitionen zwischen einzelnen Gestaltungsmöglichkeiten können somit im Hinblick auf die meisten Fragestellungen lediglich die Form von Finanzinvestitionen haben. Sie können demnach entweder die Höhe der positiven Finanzanlagen oder die der Verbindlichkeiten beeinflussen. Die Zinssätze dieser Differenzinvestitionen sind die Ausgangsgrößen für die Kalkulationszinssätze der hier beabsichtigten Partialanalysen. Fraglich ist nur, ob von diesen Zinssätzen Steuern abzuziehen sind. Im Schrifttum war es lange umstritten, ob und gegebenenfalls welche Steuerbelastungen im Kalkulationszinsfuß zu berücksichtigen sind. So hat noch vor wenigen Jahrzehnten die Literatur Steuern überwiegend überhaupt nicht in den Kalkulationszinsfuß aufgenommen. Heute kann es als herrschende Meinung angesehen werden, dass Steuern im Kalkulationszinsfuß zu berücksichtigen sind43. Vielen Veröffentlichungen, in denen Steuern im Kalkulationszinsfuß berücksichtigt wer- 42 Hinsichtlich grundlegender Ausführungen zur Bestimmung des Kalkulationszinsfußes s. insbesondere Moxter, A., Bestimmung, 1961, S. 186 ff.; Schult, E., Steuerpolitik, 1977, S. 108 ff.; Schneider, D., Investition, 1992, S. 102 f.; Bitz, M., Investition, 2005, S. 109 f.; Hering, T., Investitionstheorie, 2008, S. 33 ff.; Kruschwitz, L., Investitionsrechnung, 2009, S. 92 ff. 43 Vgl. Haberstock, L., Ansatz, 1970; Wagner, F. W./Dirrigl, H., Steuerplanung, 1980, S. 30 ff.; Baan, W., Kapitalwertmethode, 1980; Siegel, T., Steuerwirkungen, 1982, S. 69 ff.; Kußmaul, H., Steuerlehre, 2008, S. 149; Haberstock, L./Breithecker, V., Einführung, 2008, S. 135 ff.

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References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.