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5.4 Steuerendwert- und Steuerbarwertminimierung in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 109 - 111

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_109

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72 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium (70) K = ∑ t = 0 n (Zet – Zat) · q –t + R · q –n . 5.4 Steuerendwert- und Steuerbarwertminimierung Eine erhebliche Vereinfachung des Vorteilsvergleichs ergibt sich dann, wenn die Einzahlungen in den Vergleichsfällen in gleicher Höhe prognostiziert werden können. Dies ist z. B. bei einem Rechtsformvergleich der Fall. So ist nicht einzusehen, weshalb sich die Einzahlungen bei Wahl der Rechtsform einer KG anders entwickeln sollten, als bei Wahl der Rechtsform einer GmbH. Sind die Einzahlungen in den Vergleichsfällen gleich, so haben sie keinen Einfluss auf die relative Vorteilhaftigkeit. Sie können dann aus dem Vorteilsvergleich herausgenommen werden. Dies kann dadurch geschehen, dass Ze in den abgeleiteten Gleichungen der Wert 0 zugeordnet wird. Aus dem Ziel der Endvermögensmaximierung wird dann das Ziel der Minimierung des Auszahlungsendwerts und aus dem Ziel der Kapitalwertmaximierung wird das Ziel der Minimierung des Barwerts der Auszahlungen. Auf eine explizite mathematische Darstellung dieser Ziele wird hier verzichtet. Werden nur einzelne Auszahlungen berücksichtigt, so soll von einem wohldefinierten Auszahlungsbarwert gesprochen werden. Im Rahmen einer steuerlichen Partialplanung sind lediglich Steuerzahlungen, d. h. Auszahlungen, zu berücksichtigen. Die Einzahlungen hingegen sind bei allen in der Planung zu beachtenden Alternativen gleich, so dass sie außer Betracht bleiben können. Endvermögen und Kapitalwert sind unter diesen Umständen umso größer, je kleiner die Summe der Steuerzahlungen und der durch sie verursachten Zinsauszahlungen (bzw. fortfallenden Zinseinzahlungen) bis zum Ende des Planungszeitraums ist. Fallen bei einzelnen Alternativen Steuerzahlungen jenseits des Planungshorizonts an, so sind sie auf das Ende des Planungszeitraums abzuzinsen und in den Vorteilsvergleich einzubeziehen. Dieser Fall soll aber nachfolgend nicht weiter betrachtet werden. Vielmehr soll grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass der Planungszeitraum alle Perioden erfasst, während bei den unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten unterschiedliche Steuerzahlungen anfallen. Wird die Summe der auf das Ende des Planungszeitraums aufgezinsten Steuerzahlungen als Steuerendwert bezeichnet, so kann im Rahmen einer autonomen Steuerpolitik formuliert werden: Das Endvermögensmaximum wird erreicht durch eine Minimierung des Steuerendwerts. Als Zielvorschrift einer rein steuerlichen Partialplanung kann also die Minimierung des Steuerendwerts angesehen werden. 5 Ziele und Vorteilskriterien im Rahmen der betrieblichen Steuerpolitik 73 Wird die Summe der auf den Anfang des Planungszeitraums abgezinsten Steuerzahlungen als Steuerbarwert bezeichnet, so kann definiert werden: Das Ziel einer autonomen Steuerpolitik ist die Minimierung des Steuerbarwerts. Nachfolgend soll lediglich auf die Steuerbarwertminimierung, nicht hingegen auf die Steuerendwertminimierung näher eingegangen werden. Dies geschieht deshalb, weil die Steuerbarwertminimierung im Schrifttum zur Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre wesentlich weiter verbreitet ist als die Steuerendwertminimierung41. Der Grund liegt vermutlich darin, dass ein Steuerbarwert für anschaulicher gehalten wird als ein auf einen evtl. fernen Zeitpunkt errechneter Steuerendwert. Bei der Steuerbarwertermittlung ist der Barwert (Bar) der sich aus der jeweiligen Gestaltungsmaßnahme ergebenden Steuerzahlungen zu ermitteln. Er ergibt sich als die Summe der auf den Beginn des Planungszeitraums (t = 0) abgezinsten Steuerzahlungen: (71) Bar = ∑ t = 0 n St · q –t . Hierbei gibt St die Jahressteuerbelastung des Jahres t an. Sie kann grundsätzlich mit Hilfe der bereits abgeleiteten Jahresbelastungsformeln ermittelt werden. Ist im Einzelfall eine steuerliche Wirkung nicht durch die Belastungsformel erfassbar, so ist sie gesondert zu ermitteln und der Steuerbelastung des entsprechenden Jahres hinzuzurechnen. Bestehen j steuerliche Gestaltungsalternativen (j = 1, 2, ..., m), so sind im Rahmen der Steuerplanung deren Barwerte (Barj) miteinander zu vergleichen. Die Alternative mit dem geringsten Barwert ist sodann bei zieladäquatem Verhalten zu wählen: (72) Barj →Min! Vielfach erweist sich die Errechnung der Barwerte für den Vorteilsvergleich als nicht erforderlich, vielmehr reicht die Kenntnis der Differenz der miteinander zu vergleichenden Barwerte. Sind in derartigen Fällen die Barwerte der Alternativen (1) und (2) miteinander zu vergleichen, so kann die Differenz der Barwerte als Barwert der jährlichen Steuerdifferenzen zwischen den Alternativen geschrieben werden: 41 Vgl. Marettek, A., Entscheidungsmodell, 1970; Siegel, T., Steuerwirkungen, 1982, S. 73. 74 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium (73) ∑ t = 0 n S1t · q –t – ∑ t = 0 n S2t · q –t = ∑ t = 0 n (S1t – S2t) · q –t . Alternative (1) ist dann vorteilhafter, wenn gilt: (74) ∑ t = 0 n (S1t – S2t) · q –t < 0. Die Zahlen „1“ und „2“ nach dem Hauptsymbol „S“ in den Gleichungen (73) und (74) kennzeichnen die gleichnamigen Alternativen. Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung wird in den weiteren Ausführungen anstelle des Begriffs des Barwerts der Steuerdifferenzen häufig auch der Begriff des Differenzenbarwerts verwendet. 5.5 Vereinfachende Ersatzkriterien des Vorteilsvergleichs und allgemeingültige Aussagen Endvermögensmaximierung bzw. Kapitalwertmaximierung und Steuerbarwertminimierung erweisen sich oft als aufwendige Verfahren des Vorteilsvergleichs. Daher wird in den nachfolgenden Teilen des Buches versucht, für einzelne Fragestellungen vereinfachende Vorteilskriterien zu finden. Diese müssen aber jeweils mit der Zielsetzung der Kapitalwertmaximierung bzw. der Barwertminimierung vereinbar sein und sich aus ihr ergeben. Bei der Suche nach derartigen Ersatzkriterien des Vorteilsvergleichs wird teilweise auf eine streng mathematische Ableitung aus dem Kapitalwert- bzw. Steuerbarwertkriterium verzichtet. Es werden dann Plausibilitätsüberlegungen, d. h. heuristische Methoden, angewendet. Als brauchbare Ersatzkriterien werden sich z. B. in vielen Fällen des Rechtsformvergleichs die Jahresbelastungsdifferenzen zwischen den zu untersuchenden Rechtsformen erweisen. Als Ersatzkriterien im Rahmen der Steuerbilanzpolitik lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen Zinssätze ableiten. Eine weitere erhebliche Vereinfachung des Vorteilsvergleichs ergibt sich dann, wenn es gelingt, zu allgemeingültigen Aussagen über die Vorteilhaftigkeit von Steuergestaltungsmaßnahmen zueinander zu gelangen. Der Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen derartige Aussagen möglich sind, wird in den Teilen II bis IV wiederholt nachgegangen. 5.6 Systematische Darstellung der Zusammenhänge Abbildung I/5 soll die wichtigsten Zusammenhänge nochmals verdeutlichen. Die Abbildung weist auf der obersten monetären Zielebene das Ziel der Endvermö-

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.