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5.3 Kapitalwertmaximierung in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 2: Betriebliche Steuerpolitik, page 107 - 109

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3697-6, ISBN online: 978-3-8006-4432-2, https://doi.org/10.15358/9783800644322_107

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70 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium so kann Gleichung (63) wie folgt geschrieben werden: (65) EV = ∑ t = 0 n (Zet – Zat) · qt n – t + R. Die Einzahlungen Ze und die Auszahlungen Za werden in den Gleichungen (62), (63) und (65) also auf das Ende des Planungszeitraums aufgezinst. Hierbei wird unterstellt, dass die Zahlungen eines Jahres jeweils an dessen Ende anfallen. Trifft diese Prämisse nicht zu, so vernachlässigen die Gleichungen unterjährige Verzinsungen. 5.3 Kapitalwertmaximierung Kann innerhalb einer Periode von einem einheitlichen Kalkulationszinsfuß ausgegangen werden, so kann zur Vergleichbarmachung der zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallenden Zahlungen statt einer Aufzinsung auch eine Abzinsung vorgenommen werden. Der abgezinste Wert (Barwert) wird in der Betriebswirtschaftslehre üblicherweise als Kapitalwert (K) bezeichnet. Für den auf das Ende des Jahres t = 0 (Beginn des Planungszeitraums) abgezinsten Kapitalwert ergibt sich dann: (66) K = ∑ t = 0 n (Zet – Zat) · (1 + it) –t + R · (1 + it) –n bzw. (67) K = ∑ t = 0 n (Zet – Zat) · qt –t + R · qt –n . qt –t wird hierbei als der Abzinsungsfaktor oder Diskontierungsfaktor bezeichnet. Wird der Kapitalwert als Vorteilskriterium gewählt, so wird aus dem Ziel der Endvermögensmaximierung das Ziel der Kapitalwertmaximierung. Aus Gleichung (60) wird dann: (68) Kj→Max! Wird der Kapitalwert als Vorteilskriterium für betriebliche Entscheidungen gewählt, so wird diese Vorgehensweise als Kapitalwertverfahren bezeichnet. 5 Ziele und Vorteilskriterien im Rahmen der betrieblichen Steuerpolitik 71 In den Darstellungsweisen der Gleichungen (63), (65), (66) und (67) weisen alle Supplementinvestitionen des Jahres t einen einheitlichen Kalkulationszinssatz it auf. Im Schrifttum wird in diesem Zusammenhang üblicherweise von der Vorstellung eines vollkommenen Kapitalmarktes ausgegangen. Diese beinhaltet, dass auf dem Kapitalmarkt ein einheitlicher Zinssatz herrscht, zu dem Finanzanlagen in beliebiger Höhe getätigt und Kredite ebenfalls in beliebiger Höhe aufgenommen werden können. Ein Blick in die Finanzierungspraxis zeigt, dass die Annahme eines vollkommenen Kapitalmarkts realitätsfern ist. So sind Sollzinsen üblicherweise deutlich höher als Habenzinsen. Die Höhe der Sollzinsen ihrerseits richtet sich in erheblichem Maße nach der Bonität des Schuldners und nach den von ihm zur Verfügung gestellten Sicherheiten. Die Höhe der Habenzinsen hingegen richtet sich in erster Linie nach der gewählten Anlageform. So weist eine Termineinlage i. d. R. einen erheblich höheren Zinssatz auf als ein Kontokorrentguthaben. Auf den ersten Blick erscheint damit der Kapitalwert in der hier dargestellten Form als Entscheidungskriterium unbrauchbar. Die Nichtanwendung des Kapitalwertkriteriums hätte zur Folge, dass stets das wesentlich aufwendigere Verfahren der Endvermögensmaximierung mit Hilfe der Aufstellung vollständiger Finanzpläne angewendet werden müsste. Bei näherem Hinsehen ist aber die Anwendung eines einheitlichen Kalkulationszinssatzes häufig aus Vereinfachungsgründen vertretbar. Das kann z. B. dann der Fall sein, wenn bei allen Entscheidungsvarianten stets nur Supplementinvestitionen im Bereich positiver Finanzinvestitionen auftreten. In derartigen Fällen kann vielfach zumindest näherungsweise von einem einheitlichen Habenzinssatz für alle diese Finanzinvestitionen ausgegangen werden. Gleiches gilt häufig für die Fälle, in denen bei allen Entscheidungsvarianten stets nur Supplementinvestitionen im Bereich der Verbindlichkeiten auftreten. Die Supplementinvestitionen bestehen hier in einem Abbau von Verbindlichkeiten. Auch in derartigen Fällen kann häufig zumindest näherungsweise von einem einheitlichen Sollzinssatz ausgegangen werden. In Gliederungspunkt 6.8 wird darüber hinaus begründet werden, dass häufig auch die Anwendung eines Mischkalkulationszinssatzes vertretbar ist. Hierbei handelt es sich um einen fiktiven Zinssatz, der anhand von zwei oder mehreren für den Betrieb real relevanten Zinssätzen geschätzt wird. Dieser kann sich sowohl aus Soll- als auch aus Habenzinssätzen zusammensetzen. Im Schrifttum wird bei Ermittlung des Kapitalwerts häufig nicht nur von einem einheitlichen, sondern auch von einem im Zeitablauf konstanten Kalkulationszinssatz i ausgegangen. Die Gleichungen (66) bzw. (67) werden dann zu (69) K = ∑ t = 0 n (Zet – Zat) · (1 + i) –t + R · (1 + i) –n bzw. 72 Teil I: Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium (70) K = ∑ t = 0 n (Zet – Zat) · q –t + R · q –n . 5.4 Steuerendwert- und Steuerbarwertminimierung Eine erhebliche Vereinfachung des Vorteilsvergleichs ergibt sich dann, wenn die Einzahlungen in den Vergleichsfällen in gleicher Höhe prognostiziert werden können. Dies ist z. B. bei einem Rechtsformvergleich der Fall. So ist nicht einzusehen, weshalb sich die Einzahlungen bei Wahl der Rechtsform einer KG anders entwickeln sollten, als bei Wahl der Rechtsform einer GmbH. Sind die Einzahlungen in den Vergleichsfällen gleich, so haben sie keinen Einfluss auf die relative Vorteilhaftigkeit. Sie können dann aus dem Vorteilsvergleich herausgenommen werden. Dies kann dadurch geschehen, dass Ze in den abgeleiteten Gleichungen der Wert 0 zugeordnet wird. Aus dem Ziel der Endvermögensmaximierung wird dann das Ziel der Minimierung des Auszahlungsendwerts und aus dem Ziel der Kapitalwertmaximierung wird das Ziel der Minimierung des Barwerts der Auszahlungen. Auf eine explizite mathematische Darstellung dieser Ziele wird hier verzichtet. Werden nur einzelne Auszahlungen berücksichtigt, so soll von einem wohldefinierten Auszahlungsbarwert gesprochen werden. Im Rahmen einer steuerlichen Partialplanung sind lediglich Steuerzahlungen, d. h. Auszahlungen, zu berücksichtigen. Die Einzahlungen hingegen sind bei allen in der Planung zu beachtenden Alternativen gleich, so dass sie außer Betracht bleiben können. Endvermögen und Kapitalwert sind unter diesen Umständen umso größer, je kleiner die Summe der Steuerzahlungen und der durch sie verursachten Zinsauszahlungen (bzw. fortfallenden Zinseinzahlungen) bis zum Ende des Planungszeitraums ist. Fallen bei einzelnen Alternativen Steuerzahlungen jenseits des Planungshorizonts an, so sind sie auf das Ende des Planungszeitraums abzuzinsen und in den Vorteilsvergleich einzubeziehen. Dieser Fall soll aber nachfolgend nicht weiter betrachtet werden. Vielmehr soll grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass der Planungszeitraum alle Perioden erfasst, während bei den unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten unterschiedliche Steuerzahlungen anfallen. Wird die Summe der auf das Ende des Planungszeitraums aufgezinsten Steuerzahlungen als Steuerendwert bezeichnet, so kann im Rahmen einer autonomen Steuerpolitik formuliert werden: Das Endvermögensmaximum wird erreicht durch eine Minimierung des Steuerendwerts. Als Zielvorschrift einer rein steuerlichen Partialplanung kann also die Minimierung des Steuerendwerts angesehen werden.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Band 2 dieses zweibändigen Werkes behandelt die Steuerplanung aus der Sicht der einzelnen Unternehmen – das Kerngebiet der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre. Dabei geht es vor allem um methodische Grundlagen, die Steuerbilanzpolitik, die Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen sowie um die steuerlichen Aspekte bei der Rechtsformwahl und beim Rechtsformwechsel. Die Neuauflage beruht auf dem im Sommer 2009 geltenden Rechtsstand. Berücksichtigt sind somit bereits die Anfang 2009 in kraft getretenen Erbschaftsteuerreform, das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz 2009 sowie das im Rahmen des Konjunkturpakets II erlassene Gesetz zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilität in Deutschland mit dem veränderten Einkommensteuertarif des Jahres 2010.

* Grundlegende Zusammenhänge und Instrumentarium der betrieblichen Steuerpolitik

* Steuerbilanzpolitik, sonstige zeitliche Einkommensverlagerungspolitik

* Berücksichtigung von Steuern im Rahmen von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen

* Rechtsformwahl und Rechtsformwechsel

* Lösungen zu den Aufgaben

Das Buch wendet sich an Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen, Angehörige steuerberatender Berufe, Unternehmensberater und Juristen.

Der Autor

Prof. Dr. Dieter Schneeloch, Steuerberater, ist o. Professor der Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen.