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I. Überblick in:

Thomas Foscht, Bernhard Swoboda, Joachim Zentes

Handelsmanagement, page 635 - 636

3. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4265-6, ISBN online: 978-3-8006-4425-4, https://doi.org/10.15358/9783800644254_635

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
B. Supply Chain Management 593 Als weitere Akteure in der Supply Chain müssen eine Vielzahl von Unternehmen eingebunden werden, die mehr oder weniger komplexe Aufgaben übernehmen. Dies reicht von eher herstellungsorientierten Unternehmen (wie Rohmateriallieferanten der Konsumgüterhersteller, Verpackungsherstellern oder den Lieferanten von Betriebs- und Hilfsstoffen) über logistik- und marketingorientierte Partner (wie Kühlhausbetreiber, Merchandising- Unternehmen, Kundendienstunternehmen) bis hin zu eher handelsorientierten Unternehmen (wie Importeuren usw.). Die bereits im Ersten Kapitel angesprochene Tendenz der zunehmenden Rückwärtsintegration des Handels, die durch Strategien zur Sicherstellung der Versorgung verstärkt wird, führt zu immer komplexeren Wertschöpfungsarchitekturen von Handelsunternehmen und damit auch zu komplexeren Supply Chain-Lösungen. Dies kommt bspw. in den Wertschöpfungsmustern des „Producer“ oder des „Coordinator“ zum Ausdruck. B. Supply Chain Management I. Überblick Das Konzept des Supply Chain Managements (SCM), d.h. des Managements der Versorgungskette, setzt an einer prozessorientierten Sichtweise an, die in der Definition der Supply Chain in Abschnitt A. dieses Kapitels bereits zum Ausdruck kommt. Es steht zugleich für einen unternehmensübergreifenden Ansatz. In diesem Sinne kann in Anlehnung an Kotzab (1997, S. 12) SCM wie folgt definiert werden: Das Supply Chain Management steht für einen unternehmens- übergreifenden Ansatz der Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle des Warenflusses mit dem Ziel, ein gemeinschaftliches Optimum zu finden und Partiallösungen zu vermeiden. Die unternehmensübergreifende Perspektive schließt Prozesskostenreduktionen in der distributiven Wertschöpfungskette ein, so durch Lagerbestandsreduktion im gesamten Versorgungskanal. Supply Chain Management kann dabei als eine Konkretisierung des flussorientierten Logistikbegriffes gesehen werden. Im Mittelpunkt der modernen SCM-Konzepte stehen einerseits Ansätze auf der dispositiven Ebene der Versorgungskette. Sie sind auf eine Optimierung des Bestandsmanagements bzw. Nachschubmanagements ausgerichtet. Andererseits umfassen moderne SCM- Konzepte Lösungen auf der logistischen Ebene der Versorgungskette. Hier stehen physische Verteil- und Transportlösungen im Mittelpunkt. Eng verbunden mit den zugehörigen Warenströmen und Informationsströmen sind in diesem Kontext die Finanzströme zwischen den an der Supply Chain beteiligten Partnern. Der Ansatz des Supply Chain Managements erfährt in neueren Entwicklungen eine inhaltliche Erweiterung, der hier gefolgt wird (Hertel/Zentes/Schramm-Klein 2011, S. 10ff.). So sind unternehmensübergreifende Anstrengungen von Handels- und Industrieunternehmen nicht nur darauf ausgerichtet, die sich am Markt manifestierende Nachfrage möglichst effizient, so kostenoptimal unter Vermeidung von Out-of-Stock-Situationen, zu erfüllen („demand supply“), sondern auch Nachfrage zu intensivieren oder Nachfrage nach neuen Gütern (Waren und Dienstleistungen) zu generieren („demand creation“) und zugleich zu erfüllen (Zentes 2004). Diese Überlegungen münden – wie bereits vorne erwähnt – in neuere Konzepte des Demand & Supply Chain Managements, das auch die Konzepte des Category Mana- 594 Fünftes Kapitel: Die Gestaltung der Supply Chain gements (CM) und des Customer Relationship Managements (CRM) einschließt (Marbacher 2001).1 Letztlich basieren auch diese Konzepte weit gehend auf Informationen, die moderne Warenwirtschaftssysteme liefern, so Daten über Warenkörbe, die zusammenhängend eingekauft (und an der Kasse registriert) werden, und kundenspezifische Daten, so über Kundenkarten, die eine Zuordnung der einzelnen Artikel oder Warenkörbe zu Konsumenten ermöglichen. Ein integriertes „Demand & Supply Chain Management“ basiert somit auf dem Prinzip der gestaltbaren Nachfrage, wobei auch hier ein kooperativer Ansatz dominiert.2 Im Folgenden werden zunächst zwei Grundkonzepte der Gestaltung der Supply Chain dargestellt, das Pull-Prinzip und das Push-Pull-Prinzip. Hieran schließen sich die Diskussion der Logistikprozesse, der Beschaffungsprozesse und der Supply Chainbezogenen Informationsprozesse an. II. Prinzipien und Konzepte zur Gestaltung der Supply Chain-Prozesse 1. Pull-Prinzip vs. Push-Prinzip a) Vorläufer kooperativer Ansätze Während die traditionelle Supply Chain dadurch gekennzeichnet war, dass die Produktionsplanung der Konsumgüterhersteller zumeist relativ unabhängig von der tatsächlichen Nachfrage auf der Konsumentenebene erfolgte und Fertiglagerbestände produziert wurden, die dann durch die Distributionslogistik über den Handel bis hin zum Kunden „gedrückt“ wurden, indem durch große Mengen am PoS ein Abverkaufsdruck an die Konsumenten erzeugt wurde („Push-Prinzip“), beinhaltet die Pull-Denkweise eine Umkehrung des Verständnisses (Zentes/Swoboda/Morschett 2004, S. 646f.; siehe Abbildung 5.1). Den Ausgangspunkt bildet dabei die konsequente Kundenorientierung, bei der die Nachfrage, die von den Konsumenten ausgeht, die gesamte Supply Chain steuert (Corsten 2002, S. 948). Da die Steuerung der Nachfrage in diesem Fall von den Konsumenten ausgeht, wird oftmals von der „demand chain“ gesprochen (Zentes/Swoboda/Morschett 2004, S. 465). Abbildung 5.1: Übergang vom Push- zum Pull-Prinzip Quelle: Zentes 1996, S. 29. 1 Vgl. hierzu die Ausführungen in Abschnitt A.II. und Abschnitt C.V. des Vierten Kapitels. 2 Zunehmend wird in diesem Kontext auch von „kollaborativ“ gesprochen. Der Begriff „kollaborativ“ ist im Deutschen ursprünglich negativ geprägt (i.S.v. „sich gegen andere verbünden“). Abgeleitet aus dem Englischen (“collaborative“) wird er insbesondere im Kontext von ECR-Diskussionen für die Charakterisierung eines positiv geprägten gemeinschaftlichen Verhaltens genutzt. Produktion des Herstellers Lager des Herstellers Lager des Handels Einzelhandel Konsument Wertschöpfungskette nachdemPush-Prinzip Produktion des Herstellers Lager des Herstellers Lager des Handels Einzelhandel Konsument Wertschöpfungskette nachdemPull-Prinzip

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Modernes Handelsmanagement.

Zentes/Swoboda/Foscht, Handelsmanagement

3. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4265-6

Handelsmanagement komplett

Handelsunternehmen bauen ihre Wertschöpfungstiefe sowohl »up-stream« als auch »down-stream« aus. Auch Industrieunternehmen gestalten ihre Wertschöpfungsarchitekturen zunehmend um: Durch absatzmarktorientierte Vertikalisierung werden auch sie zu »Händlern«. Das Buch führt in die neuen Ansätze und Methoden des modernen Handelsmanagements ein und erklärt die Zusammenhänge in der Handelspraxis.

Handelsmanagement in der Praxis

Diese Ansätze und Methoden des Handelsmanagements werden vorgestellt:

* Strategien, Betriebs- und Vertriebstypen des Handels

* Optionen des Absatzmarketing

* Gestaltung der Supply-Chain

* Konzepte der Führung in Handelsunternehmen.