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C. Zur Geschichte des Handels in:

Thomas Foscht, Bernhard Swoboda, Joachim Zentes

Handelsmanagement, page 55 - 55

3. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4265-6, ISBN online: 978-3-8006-4425-4, https://doi.org/10.15358/9783800644254_55

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
C. Zur Geschichte des Handels 11 C. Zur Geschichte des Handels Von der Geschichte des Handels geht eine besondere Faszination aus (Leitherer 1974). „Der Handel ist eine der ersten organisierten und wichtigsten Vorgänge in der Lebensgestaltung der Menschen. Lange vor jeder staatlichen Organisation war der Handel organisiert, und zwar als Tauschhandel und hier in der Form des stummen Handels“ (Tietz 1993a, S. 51). So gibt es Regelungen über den Handel bereits seit der Zeit der ersten Tauschprozesse. „Viele Regelungen über den Handel und viele Auffassungen über den Handel haben eine Jahrtausende alte Tradition“ (Tietz 1993a, S. 50). Faszinierend ist auch die Bedeutung und Stellung der großen Handelsunternehmen im Mittelalter, wie ihre Bezeichnung als Handelsfürsten dokumentiert: „Große Handelsimperien, z.B. das der Fugger, haben im 16. Jahrhundert Könige, Kaiser und Päpste finanziert und damit sowohl die Politik als auch die Handelspolitik sowie das Handelsrecht beeinflusst“ (Tietz 1993a, S. 49). Beeindruckend ist, dass traditionelle Merkmale von Märkten bzw. Messen, wie der Schutz des Händlers und die Autorität des Marktfriedens, sich bis in das 20. Jahrhundert gehalten haben. So wird die Sonderstellung der Messen dadurch deutlich, dass die Leipziger Messe auch während des Ersten Weltkrieges durchgeführt wurde (Tietz 1993b, S. 165f.). Auch die Globalisierung des Handels hat eine jahrtausendealte Tradition (Zentes 1997). Man denke etwa an die Märkte im Mittelalter in Pompeji oder Ostia. „Das antike Griechenland verfügte ebenso über seine Märkte wie das klassische China, wie Ägypten unter den Pharaonen oder Babylonien mit seinem früh entwickelten Güteraustausch“ (Braudel 1986, S. 20). Kennzeichnend für diese Märkte war stets auch ein Warenangebot aus jeweils fernen Ländern; zu erwähnen sind etwa Gewürze oder Seide auf europäischen Märkten, die ein funktionierender „Fernhandel“ versorgte. Die niederländischen und englischen „Fernhandelshäuser“, die „Trading-Houses“ oder die „Handelskompanien“ unterhielten bereits im (späten) Mittelalter ein weltweites Netz von Handelsverbindungen und Handelsstützpunkten. Auch erste „grenzüberschreitende Einzelhändler“ gab es bereits vor langer Zeit. So wird von Hausierern oder im Französischen „Kolporteuren“ – also ärmlichen Händlern, die ihr Warenangebot am Halse tragen – aus Krakau berichtet, welche die im Dorf Andrychow hergestellten Leinenstoffe in Warschau, Danzig, Tarnopol, Istanbul und Marseille verkauften (Braudel 1986, S. 73). Auch der stationäre Handel in Form von Läden geht auf mehrere Jahrhunderte zurück: „Während es 1663 in der Riesenstadt London nur 50 oder 60 mercers gab, ist ihre Zahl gegen Ende des Jahrhunderts auf 300 bis 400 angewachsen“ (Braudel 1986, S. 65). Ihre Fortentwicklung faszinierte – wie Braudel berichtet – auch einen französischen Reisenden, der 1728 vor den ersten Schaufenstern in London ins Schwärmen geriet. „Was wir (in Frankreich) nicht haben“, merkt der Reisende an, „ist das um die Läden gezogene, i.d.R. wunderschöne und kristallklare Glas. Dahinter legt man die Ware aus, die solcherart vor Staub geschützt vor den Augen der Passanten hingebreitet liegt und von allen Seiten einen prächtigen Anblick bietet“ (Braudel 1986, S. 66). D. Das Umfeld des Handels I. Überblick Tief greifende Veränderungen des Umfeldes, die in den letzten Jahren zu verzeichnen waren und auch in der Zukunft zu erwarten sind, stellen bedeutende Herausforderungen für

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References

Zusammenfassung

Modernes Handelsmanagement.

Zentes/Swoboda/Foscht, Handelsmanagement

3. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4265-6

Handelsmanagement komplett

Handelsunternehmen bauen ihre Wertschöpfungstiefe sowohl »up-stream« als auch »down-stream« aus. Auch Industrieunternehmen gestalten ihre Wertschöpfungsarchitekturen zunehmend um: Durch absatzmarktorientierte Vertikalisierung werden auch sie zu »Händlern«. Das Buch führt in die neuen Ansätze und Methoden des modernen Handelsmanagements ein und erklärt die Zusammenhänge in der Handelspraxis.

Handelsmanagement in der Praxis

Diese Ansätze und Methoden des Handelsmanagements werden vorgestellt:

* Strategien, Betriebs- und Vertriebstypen des Handels

* Optionen des Absatzmarketing

* Gestaltung der Supply-Chain

* Konzepte der Führung in Handelsunternehmen.