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I. Darstellung des Unternehmens in:

Thomas Foscht, Bernhard Swoboda, Joachim Zentes

Handelsmanagement, page 413 - 415

3. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4265-6, ISBN online: 978-3-8006-4425-4, https://doi.org/10.15358/9783800644254_413

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
370 Drittes Kapitel: Die Dynamik der Betriebs- und Vertriebstypen E. Fallstudie: Coop (Schweiz) I. Darstellung des Unternehmens Der Schweizer Einzelhandel (Detailhandel) ist dadurch gekennzeichnet, dass die Großverteiler Coop und Migros, die beide jeweils in der Rechtsform der Genossenschaft auftreten, gemeinsam einen großen Teil des Umsatzes im Einzelhandel der Schweiz realisieren; zusammen tätigten sie in 2009 rund 38% des gesamten Einzelhandelsumsatzes.1 Die Migros nimmt dabei die Marktführerstellung ein, während Coop zunehmend Marktanteile gewinnt. Die Coop stellt als Genossenschaft eine Gesellschaft nicht geschlossener Mitgliederzahl dar, deren Ziel die Förderung ihrer Mitglieder ist. Diese Zielsetzung soll anhand des gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebes erreicht werden. Zu Beginn des Jahres 2001 erfolgte eine Restrukturierung durch die Umsetzung des Projektes „CoopForte“, um eine sinnvolle Zentralisierung und Zusammenfassung von Aufgaben zu ermöglichen. Hierbei erfolgte eine Fusion sämtlicher regionaler Coop-Genossenschaften und der (damaligen) Coop Schweiz zu einer einzigen Genossenschaft. In diesem Zuge wurden alle bisherigen Mitglieder der fusionierenden Coop-Genossenschaften Mitglieder der „neuen“ Coop. Die aktuelle Organisationsstruktur ist in Abbildung 3.1 dargestellt. Als genossenschaftlich organisiertes Unternehmen fühlt sich die Coop in erster Linie den mehr als zwei Mio. Mitgliederhaushalten verpflichtet. Mit ihren fast 55.000 Mitarbeitern (davon rund 44.000 Vollzeitbeschäftigte) erwirtschaftete die Coop-Gruppe im Geschäftsjahr 2010 einen konsolidierten Umsatz von über 20 Mrd. CHF. Abbildung 3.13: Organisationsstruktur der Coop Quelle: www.coop.ch 2010. 1 Die Fallstudie basiert auf Unternehmensinformation, so www.coop.ch und dem Coop Geschäftsbericht 2010. Regionalräte 2.666.242 Mitglieder Verwaltungsrat Geschäftsleitung Delegiertenversammlung Suisse Romande Bern Nordwestschweiz Zentralschweiz– Zürich Ostschweiz inkl. FL Ticino Revisionsstelle Retail Trading Marketing/ Beschaffung Logistik Finanzen/Services Immobilien E. Fallstudie: Coop (Schweiz) 371 Das Kerngeschäft der Coop bildet der Einzelhandel in der Schweiz. Weiterhin werden Produktionsleistungen sowie Dienstleistungen erbracht, die allerdings in ihrem Volumen relativ zur Gesamtleistung der Coop von eher nachrangiger Bedeutung sind. Nach der vollständigen Übernahme der Transgourmet Holding S.E. – dem zweitgrößten Cash & Carry- und Foodservice-Unternehmen in Europa – im Januar 2011 hat sich die Coop ein zweites strategisches Geschäftsfeld (Gastronomie- und Gewerbegroßhandel) geschaffen und das internationale Geschäft ausgebaut. Die Philosophie der Schweizer Coop lässt sich durch mehrere Dimensionen beschreiben. Zum einen verfolgt die Coop in hohem Maße Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Herstellung, beim Einkauf, bei der Lagerung, bei der Distribution und an den Verkaufspunkten. Des Weiteren ist es das Ziel, den Kunden Begeisterung und Dynamik zu bieten, nicht nur in den angebotenen Sortimenten, sondern auch in der gesamten Gestaltung und Umsetzung der Geschäftspolitik und -ausstattung. Zudem wird angestrebt, ein ausgeprägtes Qualitätsniveau in Produkten und Dienstleistungen zu garantieren. Die Coop hat den Anspruch, der beste und kundennächste Detailhändler der Schweiz zu sein. Dabei spielt die Vielfalt eine zentrale Rolle. Sie zeigt sich bei der Coop nicht nur in der Sortimentsbreite, sondern auch in den Aktivitäten im Einzel- und Großhandel sowie den verschiedenen Formaten, mit denen die Coop den Markt bearbeitet. Im Großhandel tritt die Coop zum einen mit dem Belieferungs- und Abholgroßhandel am Markt auf, zum anderen ist sie mit ihren unterschiedlichen Großhandelsformaten in verschiedenen Ländern Europas aktiv. Im Einzelhandel agiert die Coop mit ihren zahlreichen Formaten. So werden sowohl zwei Internet-Shops (coop@home und microspot.ch) als auch verschiedene Betriebstypen im stationären Handel betrieben. Diese stationären Betriebstypen umfassen sowohl die Supermärkte und Megastores im Lebensmittelbereich als auch die zahlreichen Fachformate. Abbildung 3.14: Umsatzaufteilung nach Warengruppen im Geschäftsjahr 2010 Quelle: www.coop.ch. 2010 verfügte die Schweizer Coop-Gruppe im Einzelhandel über 1.915 Verkaufsstellen in der Schweiz. In diesen Verkaufsstellen, die insgesamt eine Verkaufsfläche von rund 1,7 Mio. qm aufweisen, erzielte die Coop im Jahre 2010 einen Einzelhandelsumsatz von rund 18,6 Mrd. CHF. Der Umsatz teilt sich dabei auf die Bereiche Food- und Non-Food in der folgenden Weise auf: Im Bereich Food wurden 57% des gesamten Einzelhandelsumsatzes erzielt, im Bereich Non-Food 43%. Abbildung 3.2 gibt eine Übersicht über die Aufteilung des Einzelhandelsumsatzes der Coop in den Bereichen Food und Non-Food. Getränke; 21% Fleisch/ Fisch; 18 Milchprodukte/ Eier; 15 Brot/ Backwaren; 7 Früchte/ Gemüse; 11 Frühstück/ Beilagen / Süsswaren; 1 Food Convenience; 13% Haushalt/ Wohnen; 1 Bau+Hobby; 10% Textil; 10% Wasch- /Reinigungs -mittel; 9%Blumen/ Pflanzen; Parfümerie/ Kosmetik; 15% Elektro/ Multimedia; 3 Papeterie/ Bürobedarf; Diverses Non Food; 3% Non Food 372 Drittes Kapitel: Die Dynamik der Betriebs- und Vertriebstypen Die Coop realisierte im Jahre 2009 einen Marktanteil in der Schweiz von 21,9% im Bereich der Lebensmittel sowie einen Marktanteil von 12,7% im Bereich Non-Food. Insgesamt beträgt ihr Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz der Schweiz 17,2%. II. Betriebstypen der Coop: Food-Formate Die Schweizer Coop stellt auf Grund der Vielfalt der Formate und Betriebstypen einMultibetriebstypenunternehmen dar, d.h. mehrere Betriebstypen unterschiedlicher Art werden nebeneinander geführt. Die Betriebstypen der Coop im Bereich des klassischen Lebensmittelhandels sind die Coop Supermärkte, die Coop Megastores, die Coop Pronto Shops an Tankstellen und Bahnhöfen sowie der Online-Shop coop@home. Des Weiteren verfügt die Coop über verschiedene Restaurantketten. Bei der Betriebstypenentwicklung in diesen Bereichen zeigt sich eine Tendenz zu einer Flächenausdehnung und erweiterung, die von der Coop durchgesetzt wird. Die Multibetriebstypenstrategie liegt in einer optimalen Ausschöpfung des Marktpotenzials begründet, da sowohl unterschiedliche Kundensegmente bedient sowie deren Bedürfnissen und Einkaufsmotiven (etwa Wochenendeinkauf oder Impulseinkauf) gezielt Rechnung getragen werden können. Coop Supermärkte Die Kategorie der Coop Supermärkte umfasst Lebensmitteleinzelhandelsgeschäfte mit einer Verkaufsfläche zwischen 300 qm und 3.500 qm. Generell wird zwischen Supermärkten mit einer Fläche bis 980 qm, 980 qm - 1.890 qm sowie 1.890 qm - 3.500 qm, die intern als Typ A, Typ B und Typ C bezeichnet werden, unterschieden. Die Coop Supermärkte stellen das Kerngeschäft der Gruppe dar. Sie erwirtschafteten in 2010 einen Umsatz von über 9,6 Mrd. CHF auf einer Verkaufsfläche von insgesamt etwa 785.000 qm. Das Sortiment dieses Betriebstyps umfasst Nahrungs- und Genussmittel, Frischwaren und Waren des kurzfristigen und täglichen Bedarfs. Mit 10.000 bis 15.000 angebotenen Artikeln bietet die Coop die größte Vielfalt im Sortiment und deckt sämtliche Bedürfnisse des täglichen Einkaufs ab. Zudem verfügt die Coop, mit insgesamt 816 Verkaufsstellen in allen Regionen der Schweiz, über das dichteste Verkaufsstellennetz und erfüllt somit einen wichtigen Versorgungsauftrag. 2006 wurde die Integration von Tchibo-Shops in allen größeren Supermärkten vollzogen, um das Leistungsangebot im Non-Food-Bereich zu ergänzen. Coop Megastore Bei den Coop Megastores handelt es sich um großflächige Betriebe mit einer Verkaufsfläche von über 3.500 qm. Dieser Betriebstyp bietet ein komplettes Angebot von Nahrungs- und Genussmitteln sowie Frischwaren und ein tiefes Non-Food-Sortiment, das alle Kundenwünsche erfüllt und -bedürfnisse abdeckt. Insbesondere die großzügigen Frischeabteilungen, die Degustationsmöglichkeiten sowie die einsehbare Hausbäckerei machen das Einkaufen zum Erlebnis. Durchschnittlich werden in einem Coop Megastore rund 40.000 Produkte angeboten. Damit stellt dieser Betriebstyp das Flaggschiff der Coop dar. Im Geschäftsjahr 2010 lag die Gesamtanzahl der Coop Megastores bei 31. Der Umsatz belief sich in 2010 auf 1,6 Mrd. CHF.

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References

Zusammenfassung

Modernes Handelsmanagement.

Zentes/Swoboda/Foscht, Handelsmanagement

3. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4265-6

Handelsmanagement komplett

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