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IV. Wichtige Problemfelder einer kostenorientierten Preisregulierung in:

Marcell Schweitzer, Hans-Ulrich Küpper

Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, page 836 - 865

10. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3804-8, ISBN online: 978-3-8006-4414-8, https://doi.org/10.15358/9783800644148_836

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung804 len und die Gemeinkostenstellen so zu sortieren bzw. aufzuteilen, dass eine eindeutige Trennung von regulierten und nicht-regulierten Bereichen erfolge. IV. Wichtige Problemfelder einer kostenorientierten Preisregulierung 1. Bedeutung der Abgrenzung von Grundbegriffen der Unternehmensrechnung Die Bestimmungen in der EU und in Deutschland machen deutlich, welches Gewicht die Kosten- und Erlösrechnung gewinnen kann. Ein spezifischer Aspekt liegt hierbei darin, dass ihre Begriffe und Konzepte aufgrund der Verankerung in Richtlinien, Gesetzen und Verordnungen Rechtscharakter erlangen. Da die Entscheidungen der Regulierungsbehörde aus der Verknüpfung von wirtschaftlicher und juristischer Argumentation heraus erfolgen, sollten die Konzepte einer Überprüfung durch Gerichte standhalten. Schon die Richtlinien und Empfehlungen der EU lassen erkennen, welche Bedeutung der Trennung zwischen Einzel- und Gemeinkosten zukommt. In der für ihre Unterscheidung maßgeblichen Zurechenbarkeit wird ein wesentliches Merkmal für die Begründung eines genehmigungspflichtigen Preises gesehen. Einzelkosten sind die Kosten, die einer Bezugsgröße direkt zurechenbar sind. Bezugsgrößen können unter anderem Produkteinheiten, einzelne Zwischen- oder End-Produktarten, Produktgruppen, Kostenstellen, Unternehmensbereiche, die gesamte Unternehmung und einzelne Perioden sein. Damit hängt es von der jeweils betrachteten Bezugsgröße ab, welche Kosten als Einzelkosten und welche als Gemeinkosten zu klassifizieren sind. Im Zusammenhang der Zurechnung von Kosten auf verschiedene Dienste bildet im Normalfall die Dienstleistungsart die Bezugsgröße. Von Bedeutung ist, wie streng das Kriterium der Zurechenbarkeit angewandt wird. Versteht man es im engen Sinn von PAUL RIEBEL1198, so wird sich ein wesentlicher Anteil der Kosten regulierter Unternehmungen nicht auf deren einzelne Dienstleistungsarten zurechnen lassen. Die in den Empfehlungen der EU vertretene Auffassung einer weitgehenden Zurechenbarkeit von bis zu 90 % der Kosten ist dann irreführend. Interpretiert man es dagegen in einem pragmatischen Sinn weit(er), so muss man Schlüsselungen vornehmen, die nicht frei von Willkür sein können. Entsprechendes gilt für die Forderung einer Zurechnung nach den Grundsätzen der Kostenverursachung, wie sie von der EU-Kommission empfohlen wird1199. In der Nutzung eines Netzes für verschiedene Leistungen liegt eine wesentliche wirtschaftliche Chance, um zu höherer Effizienz zu gelangen. Sie hat aber zur Konsequenz, dass eine Zurechnung der Kosten des Netzes auf einzelne Leistungsarten nicht verursachungsgemäß und damit nicht eindeutig möglich ist. Die 1198 Vgl. RIEBEL, P. (Einzelkostenrechnung7), S. 36 ff. und S. 274 ff. 1199 Vgl. Fn. 118, S.757. C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 805 Kostenverrechnung muss dann nach anderen Kriterien erfolgen, deren Auswahl von einem zu wählenden Zweck abhängig und damit normativ ist. Mit der Verwendung des Begriffs ‚leistungsmengenneutraler‘ Gemeinkosten nimmt die TEntgV darüber hinaus einen Begriff auf, der innerhalb der Prozesskostenrechnung eingeführt worden ist1200. Er deutet auf den Unterschied zwischen Zurechenbarkeit und Beschäftigungsabhängigkeit hin1201. Leistungsmengenneutrale Gemeinkosten sind von der Herstellungsmenge unabhängig. Als echte Gemeinkosten sind sie weder der Leistungseinheit noch der Leistungsart zurechenbar. 2. Regulierungsrelevante Konzepte für die Preisbestimmung Die Preisfestlegung eines Regulierers betrifft einen künftigen Zeitraum. Deshalb sind für ihre Fundierung lediglich zukünftig anfallende Zahlungen relevant. Hieraus folgt, dass für die kostenorientierte Begründung von Entgelten die Prognosekosten oder ‚forward looking costs‘ heranzuziehen sind. Diese erwarteten zukünftigen Kosten1202 müssen nicht mit Plankosten im Sinne von Vorgabekosten übereinstimmen. Ein Zusammenhang zwischen den Prognosekosten und den historischen Zahlungen bzw. Ist-Kosten der Vergangenheit besteht insoweit, als man vielfach aus der Kostenentwicklung der Vergangenheit aufgrund kausaler oder statistischer Zusammenhänge auf diejenige in der Zukunft schließen kann. Eine wichtige Bedeutung in der Regulierung kommt dem Konzept der ‚langfristigen zusätzlichen Kosten der Leistungsbereitstellung‘ (long run incremental costs LRIC) zu. Während hinter dem Konzept der Prognosekosten die zeitliche Perspektive steht, zielt dieses Konzept auf die Entscheidungsperspektive ab. Bei der Bestimmung der Kosten eines Produkts bzw. einer Leistung kann man fragen, welche Einsatzgüter insgesamt erforderlich sind, um sie zu erstellen. Das beinhaltet die Überlegung, welche Investitionen für diesen Produktionsprozess notwendig sind. Die Ermittlung des Entgelts erfordert eine Umrechnung der gesamten Investitionsausgaben auf den Zeitraum der Erstellung dieser Produktart und dessen einzelne Perioden. Damit gelangt man zu den Gesamtkosten, die für den Geltungszeitraum auf die in ihm erstellten Leistungseinheiten zu verteilen sind. Hierbei lassen sich weiter zwei verschiedene Entscheidungsperspektiven unterscheiden. Zum einen kann man unterstellen, dass die Investitionen völlig neu zur Erstellung der betreffenden Leistung getätigt werden, was einem ‚Greenfield-Ansatz‘ entspricht. Mit ihm soll der Bezug zu einem effizienten Wettbewerber simuliert werden. Zum anderen kann man von der konkret betrachteten Unternehmung, deren Produktionsprogramm und deren historischer Entwicklung ausgehen. Dann liegt der Betrachtung der Pfad zugrunde, welcher zu der Entscheidungssituation geführt hat, in der das Entgelt zu bestimmen ist. 1200 Vgl. z.B. HORVÁTH, P./MAYER, R. (Konzeption). 1201 Kapitel 3., Abschnitt D.III.1., S. 523 ff. 1202 Kapitel 3., Abschnitt B.I.1., S. 270 ff. 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung806 Der Greenfield-Ansatz ist in hohem Grade fiktiv, weil für die Bestimmung der Kosten eine Vielzahl von Annahmen getroffen werden muss. Nur in den äußerst seltenen Fällen eines Neueinstiegs in einen Markt dürfte er in dieser Weise real vorliegen. Deshalb kann dieser Ansatz höchstens als Vergleichskonzept herangezogen werden und ist dabei mit einem hohen Grad an Unzuverlässigkeit und mangelnder Prüfbarkeit verbunden. Aussagen über Ineffizienzen sind konkret anhand der tatsächlichen Verhältnisse oder einem Vergleich mit beobachtbaren anderen Unternehmungen sowie Produktionsprozessen zu begründen. Dies spricht dafür, dass entsprechend dem Ansatz einer Pfadabhängigkeit von der konkreten Unternehmung und den nachprüfbaren Entwicklungen auszugehen ist, die zu ihrer Leistungs- und Kostenstruktur geführt haben. Ist die Produktart, für die das Entgelt zu bestimmen ist, in umfassendere Prozesse zur Erstellung auch anderer Leistungen eingebunden, so bleibt das Problem, welche Kostenanteile in das festzulegende Entgelt eingehen sollen. Auf ihre konzeptionell begründbare Isolierung ist das Grenzkostenkonzept gerichtet. Da die Entgeltbestimmung auf regulierten Märkten nicht auf eine einzelne zusätzliche Leistung und nicht auf einen derart kurzfristigen Zeitraum bezogen ist, kann für sie nur ein Ansatz langfristiger Grenz- oder Zusatzkosten in Betracht kommen. Bei dieser Perspektive untersucht man, welche Kosten entstehen (würden), wenn die entgeltrelevante Leistung zusätzlich zum sonstigen Programm der Unternehmung zumindest für den Geltungszeitraum bereitgestellt wird und die hierfür erforderliche Kapazität zusätzlich geschaffen werden müsste. Zusätzlich sind dabei alle die Zahlungen und Kosten, die für eine längerfristige Bereitstellung des betreffenden Dienstes zu erbringen sind. Für die Isolierung sowie Zurechnung der durch eine bestimmte Leistungsbereitstellung verursachten Kosten stellt der Ansatz langfristiger Grenz- bzw. Zusatzkosten ein theoretisch einleuchtendes Konzept bereit. Seine Zweckmäßigkeit hängt jedoch davon ab, inwieweit er sich konkret und mit ausreichender Zuverlässigkeit anwenden lässt oder eine im Normalfall in der Realität nicht vorfindbare Entscheidungssituation unterstellt. Wenn die Nachfrage nach der betrachteten Leistung im Verhältnis zur vorhandenen Leistungskapazität nur in begrenztem Umfang zunimmt, sind die aus den tatsächlich geplanten Erweiterungsinvestitionen ableitbaren Werte kaum repräsentativ für das Gesamtnetz. Dann kann es an der Grundlage für eine begründete Bestimmung von Kostenwerten fehlen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass mit diesem Ansatz nicht historische, sondern prognostizierte Werte zugrunde gelegt werden. Eine mangelnde Anwendbarkeit und Zuverlässigkeit des Konzepts der langfristigen Zusatzkosten führt dazu, dass man doch von den Gesamtkosten ausgehen muss. Dann bilden sie die zuverlässigste Grundlage zur entscheidungstheoretisch fundierten Bestimmung der Kosten als Preisuntergrenze für die auf einem solchen Markt tätigen Investoren. In der Regulierungsdiskussion spielt die Diskussion um den Ansatz von historischen Anschaffungs- oder von Wiederbeschaffungswerten (current C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 807 costs) eine wichtige Rolle1203. Die Begründung für das insbesondere in Großbritannien angewandte Konzept des ‚current cost accounting‘ (CCA)1204 liegt vor allem in der Entscheidungsperspektive. In einem funktionierenden Markt richtet ein Entscheidungsträger seine Handlungen an den auf diesem geltenden Preisen und Wertänderungen aus. Für die Übertragung eines solchen Konzepts auf eine Regulierung kommt es daher maßgeblich auf die erwünschte und tatsächliche Entwicklung dieses Marktes an. Soll sich auf dem bisher monopolistischen Markt (mehr) Wettbewerb entwickeln und sind auf ihm Konkurrenten tätig bzw. ist mit ihnen zu rechnen, erscheint es gerechtfertigt, für die Preisbestimmung die Sichtweise eines Entscheidungsträgers im Wettbewerb zugrunde zu legen. Dieser ist exemplarisch als Investor zu sehen, dessen Handlungen davon bestimmt sind, ob er durch die Anlage seiner Mittel auf dem regulierten Markt eine dem Risiko entsprechende Rendite erzielen kann. Bei seinen Entscheidungen geht er von den in der Antragsperiode, für welche die regulierten Preise festgelegt werden, geltenden sowie den zukünftig zu erwartenden Marktpreisen, dem Verhalten der nicht der Regulierung unterworfenen Wettbewerber sowie der Nachfrager und den hieraus folgenden Preisentwicklungen am Markt aus. Insoweit sind für ihn auf einem regulierten Markt mit (zunehmendem) Wettbewerb die current costs maßgebend. Dabei lassen sich die Kosten für Arbeitstätigkeiten lassen sich beispielsweise mithilfe von methodisch fundierten Prozesskostensätzen bestimmen. Die Zurechnungsprobleme auf nicht-regulierte und regulierte Bereiche und deren verschiedene Dienste lassen sich durch eine ausreichend präzise und detaillierte Kostenrechnung reduzieren, hinsichtlich der verbleibenden Gemeinkosten aber nicht ohne Willkür, also nur zweckbezogen und pragmatisch lösen. Deshalb betreffen die konzeptionellen Fragen zum Kostenansatz vor allem die Kapitalkosten. Diese machen bei Netzbetreibern im allgemeinen den wesentlichen Anteil der Gesamtkosten aus und beziehen sich vornehmlich auf Güter, die eine äußerst lange Nutzungsdauer aufweisen, weshalb die für sie angesetzten Werte besonders auf die Entgelte durchschlagen. Die Kapitalkosten umfassen die Abschreibungen des in Anlagen gebundenen Kapitals und die auf dieses Kapital anfallenden Zinskosten. Die Höhe der Abschreibungen bestimmt den Umfang des noch gebundenen Kapitals. Sie haben damit Einfluss auf die Kapitalbasis für die Berechnung von Zinsen. Daher hängen Abschreibungs- und Zinskosten eng zusammen. Dies hat die konkrete Konsequenz, dass die über die Abschreibungen ermittelten Kapitalbestände auch der Zinsberechnung zugrunde gelegt werden müssen. Ansonsten kommt man zu fehlerhaften Ergebnissen. 1203 Vgl. BUSSE V. COLBE, W. (Entgeltregulierung); SCHNEIDER, D. (Substanzerhaltung), S. 39; WHITTINGTON, G. (Cost Accounting). 1204 Vgl. BROMWICH, M./VASS, P. (Accounting), Sp. 1682. Das Konzept des CCA geht dabei teilweise von einem Greenfield-Ansatz aus und legt so genannte Modern Equivalent Assets (MEA) zugrunde. 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung808 3. Regulierungsrelevante Kostenmaßstäbe für die Preisbestimmung a) Komponenten des Kostenmaßstabes Die Konzepte zur Preisfestlegung werden in Kostenmaßstäbe umgesetzt, aus denen sich ergibt, wie die Preise konkret zu bestimmen sind. Dabei sind vor allem folgende Komponenten maßgeblich: ? Der zeitliche Bezugspunkt der Kosten, ? die Ausgangswerte von Abschreibungen, ? die Periodisierung der Ausgaben und ? der Rendite- bzw. Zinsanspruch. In zeitlicher Hinsicht kann sich die Kostenbestimmung auf realisierte historische Werte oder auf prognostizierte künftige Werte beziehen. Aus der Wettbewerbsorientierung1205 und einer marktorientierten kapitaltheoretischen Sichtweise1206 folgt, dass für regulierte Preise die künftigen Bedingungen auf den Märkten maßgebend sind, für die sie festgelegt werden. Da diese Preise in Zukunft gelten, sind grundsätzlich die künftigen Werte relevant; also müsste einem „forward looking“-Ansatz gefolgt werden. Bei längerfristig genutzten Investitionsgütern beinhaltet die Kostenbestimmung, dass Anteile ihrer Investitionswerte auf den Zeitraum verrechnet werden, für den der Preis gelten soll. Ein wesentlicher Einfluss kommt daher dem Ausgangswert zu, von dem aus man Abschreibungen als Periodenanteil berechnet. Dabei lassen sich in sachlicher und zeitlicher Hinsicht zwei Ausprägungen trennen. Sachlich ist zwischen Buch- undMarktwerten zu unterscheiden. Erstere sind die Werte für die betreffenden Anlagen, wie sie in der Buchhaltung geführt werden. Ihre Ausprägung richtet sich nach den relevanten Bilanzierungsvorschriften. Marktwerte leiten sich aus den auf Märkten realisierten Preisen ab. Häufig spiegeln sie die Erwartungen von Entscheidungsträgern über Einzahlungsüberschüsse aus der Investition in die betreffende Anlage wider. Zeitlich ist zwischen historischen Werten und aktuellen Tageswerten zu differenzieren. Letztere bezeichnen als Tagesneuwert den Preis, zu dem eine noch nicht benutzte Anlage aktuell erworben werden kann, als Tagesgebrauchtwert den aktuellen Wert einer genutzten Anlage. Zwischen beiden Sichtweisen gibt es Beziehungen; jedoch stimmen sie nicht überein. Buchwerte gehen häufig von historischen Anschaffungspreisen aus, jedoch können je nach Rechnungslegungssystem (z.B. HGB, US-GAAP, IFRS) auch Marktpreise und Prognosewerte zur Anwendung kommen. Tageswerte sind gegenwärtige Marktpreise. Für die Entscheidungsträger auf Märkten sind Werte auf Basis künftiger Zahlungen maßgebend. Deshalb hat eine Wettbewerbs- und Marktorientierung zur Konsequenz, dass man bei der Be- 1205 Vgl. KRETSCHMER, T./KÜPPER, H.-U./PEDELL, B. (Bedingungen), Abschnitt 2.3.1. 1206 Vgl. KÜPPER, H.-U. (Entgelte). C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 809 stimmung von Preisen für eine künftige Periode im Prinzip stets von Marktpreisen bzw. Tageswerten ausgehen müsste.1207 Die Zurechnung der Ausgaben für längerfristig genutzte Güter auf die Periode, für welche ein regulierter Preis bestimmt wird, erfolgt mit Hilfe von Abschreibungen. Über die Verminderung des Buchwerts der Vorperiode um Abschreibungen gelangt man zu der Kapitalbasis, für die Zinsen zu verrechnen sind. Daher hängen Abschreibungs- und Zinskosten eng zusammen und müssen die über die Abschreibungen ermittelten Kapitalbestände auch der Zinsberechnung zugrunde gelegt werden. Anderenfalls kommt man zu fehlerhaften Ergebnissen. Einen maßgeblichen Einfluss auf die Höhe der regulierten Preise und damit deren Auswirkungen hat die Rendite, die in einer Rate of Return- und in einer Anreizregulierung zugestanden wird. Einigkeit besteht, dass sowohl von den Kapitalgebern beanspruchte Zinsen auf Fremd- als auch Renditen auf Eigenkapital in den regulierten Preisen zu entgelten sind. Deren Höhe hängt davon ab, ? welche Kapitalbasisman zugrunde legt, ? wie bei der Verwendung eines einheitlichen Kapitalkostensatzes das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital ermittelt wird und ? wie die Zinssätze für Fremd- sowie insbesondere für Eigenkapital hergeleitet werden. Die Bestimmung des Rendite- bzw. Zinsanspruchs erfolgt i.d.R. entweder nach einem kalkulatorischen Ansatz auf der Basis der Buchwerte oder einem kapitalmarktorientierten Ansatz1208, der üblicherweise auf dem WACC- und dem CAPM-Konzept beruht. Die Wettbewerbsorientierung führt auch bei dieser Komponente zu der Einsicht, dass im Prinzip ein kapitalmarktorientierter Ansatz überlegen sein dürfte. b) Historische Kosten als Kostenmaßstab In der Regulierung werden in erster Linie zwei grundsätzliche Alternativen zur Bestimmung regulierter Preise diskutiert, historische Kosten und Long Run Incremental Cost (LRIC). Historische Kosten beruhen auf den in Vergangenheit und Gegenwart tatsächlich auf dem Markt gezahlten Preisen und leiten sich daher von realisierten Auszahlungen ab. In die Preisgestaltung gehen sie insbesondere als Ausgangswerte von Abschreibungen sowie als Ausgangswerte der Buchwerte ein, auf welche die Zinskosten berechnet werden. Die Verordnungen zur Kostenbestimmung im Energiebereich schreiben z.B. in § 6 Abs. 4 StromNEV bzw. GasNEV explizit vor, „die kalkulatorischen Abschreibungen der Neuanlagen sind ausgehend von den jewei- 1207 In der ökonomischen Regulierungsliteratur hat sich dafür das Konzept des Deprival Value etabliert, das den Wert einer Anlage durch die Opportunitätskosten, die durch den Wegfall der Anlage entstehen definiert (vgl. z.B. KNIEPS, G. (Netzökonomie), S. 16ff.). Danach bemisst sich der Wert einer Anlage je nach Höhe der entsprechenden Größe nach Tagesgebraucht-, Verkaufs- oder Ertragswert. 1208 Vgl. BUSSE VONCOLBE, W. (Telekommunikationsgesetz), Vor § 27, RdNr. 84 ff. 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung810 ligen historischen Anschaffungs- und Herstellungskosten nach der linearen Abschreibungsmethode zu ermitteln“. Der wesentliche Vorteil historischer Kosten liegt in ihrer Überprüfbarkeit1209. Da sie realisierte Größen (wie z.B. Materialausgaben) wiedergeben oder sich aus solchen herleiten (z.B. Abschreibungen aus Anschaffungsauszahlungen) sind sie schwer manipulierbar. Eine Regulierungsbehörde kann daher nachprüfen, ob sie den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Das zentrale Problem ihrer Verwendung zur Preisgestaltung liegt darin, dass Entscheidungen nach ihren künftigen Auswirkungen zu treffen sind. Daher stehen historische Kosten konzeptionell in Widerspruch zur Wettbewerbsund Marktorientierung. Die periodischen Abschreibungsbeträge werden üblicherweise nach einem Verfahren bestimmt, das zu Beginn der Nutzung festgelegt wird und etwaige Preisentwicklungen auf dem Markt für Anlagegüter nicht berücksichtigt. Häufig wird dazu das (im 2. Kapitel, Abschnitt IV 4 d gekennzeichnete) Verfahren der linearen Abschreibung verwendet. c) Long Run Incremental Cost (LRIC) als Kostenmaßstab Zukunftsorientiert sind hingegen die Long Run Incremental Costs als forward looking costs1210. Entsprechend dem Wettbewerbs- und Marktprinzip gehen sie von den für die Periode der Preisregulierung aktuellen Kosten (den „current costs“) aus. Mit ihnen sollen Marktbedingungen wiedergegeben oder simuliert werden. Dieser Kostenmaßstab wird (anders als im Energiebereich) in § 31 Abs. 2 Telekommunikationsgesetz als „langfristige zusätzliche Kosten der Leistungsbereitstellung“ vorgeschrieben. Das Wort „zusätzlich“ steht dabei für „incremental“. Es wird so interpretiert, dass es um die langfristigen inkrementellen Durchschnittskosten geht und hiermit „die zusätzlichen Kosten gemeint sein (können), die sich bei einer Erweiterung eines bestehenden Netzes ergeben“1211. ROGERSON sowie REICHELSTEIN haben darauf verwiesen, dass sich dieses Konzept anhand eines schon 1964 von ARROW entwickelten Modells entscheidungstheoretisch begründen lässt und haben dieses weitergeführt. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass es sich bei der auf Wettbewerbsund Marktbedingungen ausgerichteten Festlegung eines regulierten Preises um eine Preisentscheidung handelt, für welche die von ihr ausgelösten ökonomischen Wirkungen relevant sind. Im Hinblick auf die in der Planperiode genutzten Anlagen bedeutet dies, dass deren Zeitwerte die Grundlage der Kostenbestimmung bilden. 1209 Vgl. zu diesen Kriterien KRETSCHMER, T./KÜPPER, H.-U./PEDELL, B. (Bedingungen), Abschnitt 2.3.3. 1210 Der Kostenmaßstab der LRIC hat u.a. durch das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste WIK in Deutschland (vgl. ARNBAK, J. ET AL. (Network)) internationale Anerkennung gefunden. 1211 BUSSE VONCOLBE, W. (Telekommunikationsgesetz), RdNr 30 zu Vor 21 ff. EnWG, S. 940. C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 811 ARROW, ROGERSON und NEZLOBIN/RAJAN/REICHELSTEIN1212 leiten den Wettbewerbspreis einer Kapazitätseinheit1213 aus einem Investitionsmodell ab. In diesem maximiert der Regulierer die Differenz zwischen der diskontierten Summe der periodischen Wohlfahrt der Konsumenten und den Periodenausgaben des Produzenten. Die in diese Zielfunktion eingehenden Leistungsmengen werden durch die jeweilige Periodenkapazität des Produzenten beschränkt, die von den in der betrachteten und den vergangenen Perioden durchgeführten Investitionen abhängt. Die Lösung dieses Optimierungsproblems ergibt auch den Leistungspreis für eine Kapazitätseinheit. Dieser Ansatz liefert damit ein theoretisch klares Konzept für ihre Bestimmung als deren langfristige Grenzkosten, den LRIC1214. Für einen gegebenen Zinssatz geht dieses Modell von der Bedingung kapitaltheoretischer Erfolgsneutralität1215 aus und führt bei konstanten Preisen sowie gleich bleibender Kapazitätsnutzung zu konstanten Periodenkosten. Deshalb enthält es lineare (und damit gleich bleibende) Abschreibungen nur in Spezialfällen, nämlich wenn z.B. die Leistungsfähigkeit der Anlage oder die Nachfrage im Zeitablauf um ganz bestimmte gleich bleibende Beträge sinken. Der LRIC-Kostenmaßstab lässt sich durch das Tagesneuwert-, das Tagesgebrauchtwert- und durch das Annuitätenverfahren konkretisieren, da alle drei Verfahren von den künftigen Anlagenwerten ausgehen. Wie in Abschnitt A IV 4 d von Kapitel 2 anhand von Beispielen dargestellt, unterscheiden sich diese Verfahren im Hinblick auf die konkrete Berechnung der Abschreibung und die sich ergebenden, in den regulierten Preis eingehenden Periodenkosten für Anlagenabnutzung und Zinsen. 4. Wahl des Abschreibungsverfahrens a) Vergleich der Periodenkosten bei Anlagenpreisänderungen Grundsätzlich ist für den Ansatz von Abschreibungen die geplante Entwicklung zu einem Wettbewerbsmarkt bestimmend, in dem schon andere, nicht regulierte Unternehmungen tätig sind bzw. eintreten sollen. Ferner ist die Sicht des Investors maßgeblich, der in diesem Markt nur bei angemessener Rendite tätig wird, weil sich auch die regulierte Unternehmung selbst finanzieren soll. Um unterschiedliche Abschreibungsverfahren zu beurteilen, sind Abschreibungen und Zinsen zusammen zu betrachten. Aufgrund der investorbezogenen Sicht und der gesetzlichen Vorgabe, kostenorientierte Preise zu ermitteln, müssen Abschreibungen das Prinzip der kapitaltheoretischen Erfolgsneutralität1216 erfüllen. Dann entsprechen die 1212 Vgl. ARROW, K. (Capital); ROGERSON, W. P. (Relationship); NEZLOBIN, A./RAJAN, M./REICHELSTEIN, S. (Regulation). 1213 NEZLOBIN, A./RAJAN, M./REICHELSTEIN, S. (Regulation), S. 8. 1214 Zu seiner näheren Kennzeichnung und zur Diskussion des sich daraus ergebenden Verfahrens für die Bestimmung von Kapitalkosten vgl. Abschnitt 4. 1215 Vgl. zu diesem Prinzip KRETSCHMER, T./KÜPPER, H.-U./PEDELL, B. (Bedingungen) sowie Abschnitt 2.3.3. 1216 Vgl. Kapitel 2., Abschnitt A.IV.4.c), S. 100. 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung812 geplanten Rückflüsse genau den Kosten der eingesetzten Anlagen, die – ohne Berücksichtigung weiterer Kosten für den laufenden Betrieb, Instandhaltung u.a. – mit den Abschreibungen und den Zinsen auf das eingesetzte Kapital übereinstimmen. Für die Ermittlung kostenorientierter Entgelte von Abschreibungen bei regulierten Unternehmungen werden vor allem die lineare Abschreibung von Anschaffungs- (bzw. Herstellungs-) Werten (AW- Abschreibung), von Tagesneuwerten (TNW-Abschreibung)1217 von Tagesgebrauchtwerten (TGW-Abschreibung) und das Annuitätenverfahren (Ann-Abschreibung) verwendet1218. Bei der Abschreibung von historischen Anschaffungswerten bleibt die Preisänderung einer Anlage außer Acht, während sie in die Abschreibung von Tagesneuwerten oder von Tagesgebrauchtwerten eingeht. Auch das Annuitätenverfahren lässt sich auf Preis- änderungen erweitern1219. Für die AW-Abschreibung, die TGW- Abschreibung und die Ann-Abschreibung stimmt die Summe der geplanten Abschreibungsbeträge mit den historischen Anschaffungs- bzw. Herstellungswerten ggf. abzüglich eines Liquidationserlöses überein. Dagegen ist diese Summe bei der TNW-Abschreibung im Fall von Preissteigerungen (minderungen) größer (kleiner) als die historischen Anschaffungs- bzw. Herstellungswerte. Der Vergleich an einem Beispiel1220 entsprechend Abbildung 5-12 dokumentiert, dass alle vier Verfahren für einen vollständigen Investitionszyklus zu demselben Barwert und Endwert führen. Damit erfüllen sie mit der kapitaltheoretischen Erfolgsneutralität das grundlegende Kriterium für regulierte Unternehmungen. Darüber hinaus stimmt der Barwert bei allen vier Verfahren mit den historischen Anschaffungswerten überein. Zu beachten ist hierbei, dass bei der Abschreibung von Tagesneuwerten der spezifische Realzins r als das Verhältnis zwischen der Differenz von Nominalzinssatz i und Preis- änderungsrate p zu der um 1 erhöhten Preisänderungsrate p, also r=(ip)/(1+p), und die für die Anlagenwertänderung maßgebliche Preisänderungsrate anzusetzen sind. Dieses Ergebnis gilt unabhängig von den Zinssätzen und der Preisänderungsrate, wie sich beweisen lässt1221. Man erkennt ferner, dass die Periodenentgelte bei TNW- und TGW-Abschreibung identisch sind. Dagegen ergeben sich trotz übereinstimmender Bar- und Endwerte für die AW- und die Ann-Abschreibung andere Periodenentgelte, sofern nicht Zinssatz und Preisänderungsrate gleich Null sind. Bei der AW- Abschreibung fallen sie stets pro Anlage unabhängig von der Preisentwicklung, weil die Höhe des gebundenen Kapitals und damit die Zinsen sinken. 1217 Sie ist nach den in Deutschland gültigen § 6 Abs. 2 der Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen (StromNEV) vom 25.7.2005 (BGBl. I, 2005 Nr. 46) sowie § 6 Abs. 2 der Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Gasversorgungsnetzen (GasNEV) vom 25.7.2005 (BGBl. I, 2005 Nr. 46) im Rahmen der sog. Nettosubstanzerhaltung auf den Eigenkapitalanteil von Altanlagen anzuwenden 1218 Vgl. Kapitel 2., Abschnitt A.IV.4.d), S.102 ff. 1219 Vgl. Kapitel 2., Abschnitt A.IV.4.d), S. 102 f. 1220 In allen Beispielen wird davon ausgegangen, dass die Abschreibung jeweils genau am Periodenende erfolgt und damit das am Periodenanfang eingesetzte Kapital während der gesamten Periode in dieser Höhe gebunden ist. 1221 Vgl. den Beweis bei KNIEPS, G./KÜPPER, H.-U./LANGEN, R. (Abschreibungen), S. 776. C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 813 Anschaffungswert 4.000 Preisänderungsrate p 10,00% (1+p) = 110,00% Nominalzins i = 16,60% (1+i) = 116,60% Realzins 6,00% 1/(1+i) = 0,86 Nutzungsdauer 5 AW-Abschreibung Nutzungsperiode Zeitpunkt Tagesneuwert Abschreibung Geb. EK zum Periodenbeginn Zinsen nominal Periodenkosten Endwert 0 4.000 1 4.400 800 4.000 664 1.464 2.706 2 4.840 800 3.200 531 1.331 2.110 3 5.324 800 2.400 398 1.198 1.629 4 5.856 800 1.600 266 1.066 1.242 5 6.442 800 800 133 933 933 Summen 4.000 5.992 8.621 Barwert 4.000 TNW-Abschreibung Nutzungsperiode Zeitpunkt Tagesneuwert Abschreibung Geb. Kap. zum Periodenbeginn Zinsen real Periodenkosten Endwert 0 4.000 1 4.400 880 4.400 264 1.144 2.115 2 4.840 968 3.872 232 1.200 1.903 3 5.324 1.065 3.194 192 1.256 1.708 4 5.856 1.171 2.343 141 1.312 1.530 5 6.442 1.288 1.288 77 1.366 1.366 Summen 5.372 8.621 Barwert 4.000 TGW-Abschreibung Nutzungsperiode Zeitpunkt Tagesgebrauchtwert Abschreibung Geb. Kap. zum Periodenbeginn Zinsen nominal Periodenkosten Endwert 0 4.000 1 3.520 480 4.000 664 1.144 2.115 2 2.904 616 3.520 584 1.200 1.903 3 2.130 774 2.904 482 1.256 1.708 4 1.171 958 2.130 354 1.312 1.530 5 0 1.171 1.171 194 1.366 1.366 Summen 4.000 6.278 8.621 Barwert 4.000 Ann-Abschreibung Nutzungsperiode Zeitpunkt Tagesneuwert Abschreibung Geb. EK zum Periodenbeginn Zinsen nominal Periodenkosten Endwert 0 4.000 1 4.400 380,5 4.000 664 1.045 1.931 2 4.840 548,2 3.619 601 1.149 1.821 3 5.324 754,1 3.071 510 1.264 1.718 4 5.856 1.005,60 2.317 385 1.390 1.621 5 6.442 1.311,60 1.312 218 1.529 1.529 Summen 4.000 6.377 8.621 Barwert 4.000 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung814 Abb. 5-12: Vergleich der Abschreibungsverfahren bei steigenden Preisen Im strikten Gegensatz hierzu steigen sie bei zunehmenden Anlagenpreisen im Annuitätenverfahren immer und im TGW-Verfahren ebenfalls an, wenn die Preisänderungsrate nicht deutlich kleiner als die Hälfte des Normalzinssatzes ist. Dieser Unterschied wirkt sich vor allem bei einem vorzeitigen Verkauf der Anlagen aus. Wenn die Entgelte auf Basis der AW-Abschreibung ermittelt wurden, ergibt sich bei fallenden Anlagenpreisen und vorzeitigem Verkauf ein Defizit. Dies spricht für die Wahrung des Marktbezugs durch ein von Tageswerten ausgehendes Abschreibungsverfahren. Dabei weist die TGW-Abschreibung den Vorzug auf, dass die Buchwerte der Anlagen der Preisentwicklung folgen und ein vorzeitiger Anlagenverkauf zumindest nahe an diesemWert erfolgen könnte. Die rasant voranschreitende technologische Entwicklung führt bei manchen Anlagen z.B. in der Informationstechnologie zu fallenden Preisen. Um deren Wirkung zu veranschaulichen, ist in Abb. 5-13 dasselbe Beispiel mit einer fallenden Rate von 10 % gerechnet. Eine Variation mit unterschiedlichen Preisraten und Zinssätzen lässt erkennen, dass sich die Periodenkosten beim Annuitätenverfahren proportional zur (zu- oder abnehmenden) Preisänderungsrate verändern. Dagegen steigen die Periodenkosten beim TGW- Verfahren im Fall zunehmender Preise stärker als beim Annuitätenverfahren, wenn die Preisänderungen über dem Nominalzinssatz liegen, und fallen bei sinkenden Preisen stärker als im Annuitäten- sowie AW-Verfahren. Liegt der Normalzinssatz unter der Preisänderungsrate, so steigen die Periodenkosten beim TGW-Verfahren bei zunehmenden Preisen schwächer als im Annuitätenverfahren oder fallen gar; bei sinkenden Preisen fallen sie immer stärker als im Annuitäten- oder AW-Verfahren. 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 1.800 1 2 3 4 5 AW-Abschreibung TNW-/TGW-Abschreibung Ann-Abschreibung C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 815 Anschaffungswert 4.000 Preisänderungsrate p = -10,000% (1+p) = 90,00% Nominalzins i = 16,60% (1+i) = 116,60% Realzins 29,56% 1/(1+i) = 0,86 Nutzungsdauer 5 AW-Abschreibung Nutzungsperiode Zeitpunkt Tagesneuwert Abschreibung Geb. EK zum Periodenbeginn Zinsen nominal Periodenkosten Endwert 0 4.000 1 3.600 800 4.000 664 1.464 2.706 2 3.240 800 3.200 531 1.331 2.110 3 2.916 800 2.400 398 1.198 1.629 4 2.624 800 1.600 266 1.066 1.242 5 2.362 800 800 133 933 933 Summen 4.000 5.992 8.621 Barwert 4.000 TNW-Abschreibung Nutzungsperiode Zeitpunkt Tagesneuwert Abschreibung Geb. Kap. zum Periodenbeginn Zinsen real Periodenkosten Endwert 0 4.000 1 3.600 720 3.600 1.064 1.784 3.298 2 3.240 648 2.592 766 1.414 2.242 3 2.916 583 1.750 517 1.100 1.496 4 2.624 525 1.050 310 835 974 5 2.362 472 472 140 612 612 Summen 2.948 8.621 Barwert 4.000 TGW-Abschreibung Nutzungsperiode Zeitpunkt Tagesgebrauchtwert Abschreibung Geb. Kap. zum Periodenbeginn Zinsen nominal Periodenkosten Endwert 0 4.000 1 2.880 1.120 4.000 664 1.784 3.298 2 1.944 936 2.880 478 1.414 2.242 3 1.166 778 1.944 323 1.100 1.496 4 525 642 1.166 194 835 974 5 0 525 525 87 612 612 Summen 4.000 5.746 8.621 Barwert 4.000 Ann-Abschreibung Nutzungsperiode Zeitpunkt Tagesneuwert Abschreibung Geb. EK zum Periodenbeginn Zinsen nominal Periodenkosten Endwert 0 4.000 1 3.600 801,5 4.000 664 1.466 2.709 2 3.240 788,0 3.198 531 1.319 2.091 3 2.916 786,9 2.410 400 1.187 1.614 4 2.624 798,9 1.624 270 1.068 1.246 5 2.362 824,6 825 137 962 962 Summen 4.000 6.001 8.621 Barwert 4.000 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung816 Abb. 5-13: Vergleich der Abschreibungsverfahren bei fallenden Preisen In dem hier betrachteten Beispiel wird nicht zwischen Eigen- und Fremdkapital differenziert, sondern mit einem einheitlichen Zinssatz für das eingesetzte Kapital gerechnet. Wie sich zeigen lässt1222, ergeben sich durch die Trennung von Eigen- und Fremdkapital mit unterschiedlichen Zinssätzen keine qualitativ abweichenden Erkenntnisse. Das TNW-Verfahren wird bei Differenzierung von Eigen- und Fremdkapital auch als „Nettosubstanzerhaltung“1223 bezeichnet. Für dessen Anwendung ist zu berücksichtigen, dass spezifische Realzinsen lediglich für das mit Eigenkapital finanzierte gebundene Kapital anzusetzen sind. Dann erhält man wiederum identische Periodenkosten zum TGW-Verfahren. b) Finanzierung der Ersatzanlage Ein mit den Kapital- und Substanzerhaltungskonzeptionen lange diskutiertes Problem liegt darin, wie in Zeiten mit Preisänderungen die Ersatzanlage finanziert wird. Weit verbreitet ist die Vorstellung, das Abschreibungsverfahren müsste so gestaltet sein, dass über die Abschreibungsbeträge und deren Verzinsung die Refinanzierung der Neuanlage erreicht wird. Diese Vorstellung sollte ursprünglich auch in die deutschen Netzentgeltverordnungen für Strom und Gas eingehen. Der Sinn einer entsprechenden Vorschrift, die zum Zeitpunkt der Ersatzbeschaffung einen Ausgleich zwischen den Anschaffungsausgaben der Anlagen und den aufgezinsten Entgelten verlangen würde, könnte darin liegen, die Unternehmungen zu einer korrekten Prognose der Wiederbeschaffungswerte zu zwingen. Das zentrale Kriterium für den korrekten Ansatz der Tagesneu- bzw. Wiederbeschaffungswerte bildet die Übereinstimmung des Barwertes der Periodenentgelte aus den angesetzten Abschreibungen und Zinsen mit den (historischen) Anschaffungs- bzw. Herstellungswerten entsprechend dem Prinzip der kapitaltheoretischen Erfolgsneutralität. In einer solchen Analyse 1222 Vgl. KÜPPER, H.-U. (Entgelte), S. 79 ff.; KÜPPER, H.-U./PEDELL, B. (Netznutzungsentgelte). 1223 Vgl. COENENBERG, A. (Jahresabschluss), S. 1202 ff. 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 1.800 2.000 1 2 3 4 5 AW-Abschreibung TNW-/TGW-Abschreibung Ann-Abschreibung C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 817 sind die Zahlungen an die Eigen- und die Fremdkapitalgeber sowie für die Wiederanlage der Entgelte und deren Verzinsung exakt zu verfolgen. Für das eingesetzte Eigenkapital (EK) kann man annehmen, dass dieses Kapital in der Unternehmung verbleibt1224. Wenn der Kapitalgeber das eingesetzte Kapital in der Unternehmung belässt, erwartet er, dass es entsprechend der Preisänderung1225 erhalten bleibt. Dann kann er jedoch für seinen Kapitaleinsatz von der Unternehmung lediglich den Realzins verlangen. Also ist in diesem Fall davon auszugehen, dass die Unternehmung dem (Eigen-) Kapitalgeber in jeder Periode den Realzins auf das bereitgestellte Kapital ausbezahlt. Dabei bezieht sich dieser Realzins auf einen jeweils der Preisänderungsrate angepassten Kapitalbestand. Entsprechend dem Vorgehen in Abbildung 5-14 ist also der Realzinssatz mit dem Tagesneuwert der Anlage zum jeweiligen Zeitpunkt zu multiplizieren, um den an die EK-Geber auszuzahlenden Realzins auf das jeweils eingesetzte (Gesamt-) Kapital zu erhalten. Die verbleibenden Resterlöse sollte die Unternehmung entweder auf der Bank oder in der Unternehmung zum Nominalzinssatz anlegen. Aus dem hierdurch angesammelten Kapital steht den EK-Gebern wiederum der reale Zins zu, der sich für die kumulierte Differenz zwischen dem Periodenentgelt und dem Realzins auf das jeweils noch gebundene Anlagenkapital ergibt. Wie das Beispiel in Abbildung 5-14 für die TNW-Abschreibung zeigt, führen die zum Nominalzinssatz verzinsten, in der Unternehmung verbleibenden Überschüsse exakt zumWiederbeschaffungswert der Ersatzanlage. Wenn die erwarteten bzw. von der Unternehmung zugrunde gelegten (spezifischen) Preisänderungen von der tatsächlichen Entwicklung abweichen, hängen deren Konsequenzen von der Einhaltung der kapitaltheoretischen Erfolgsneutralität ab. Wurde diese bei der Entgeltbestimmung gewahrt, so werden zu hohe (niedrige) Abschreibungsbeträge durch entsprechend geringere (höhere) Realzinsen ausgeglichen. Daher betrifft eine derartige Wertdifferenz allein die Kapitalgeber. Ein Ausgleich in den Periodenentgelten würde die Kunden ungerechtfertigt ent- oder belasten. Anreize zur unverzerrten Abschätzung der Preisänderungen sollten daher durch eine Verankerung des Prinzips der kapitaltheoretischen Erfolgsneutralität angestrebt werden. 1224 Ein anderer Fall ergibt sich für die Annahme, das in der Anlage gebundene Eigenkapital würde während des Investitionszyklus getilgt. Für diesen lassen sich die analogen Ergebnisse herleiten. 1225 Für die Herausarbeitung der Zusammenhänge wird hierfür nachfolgend die spezifische Preisänderungsrate unterstellt, obwohl für den Eigenkapitalgeber i.d.R. eine allgemeine Preisänderungsrate maßgebend sein dürfte. 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung818 Tagesgebrauchtwertabschreibung Anschaffungskosten 4.000 Nutzungsdauer 5 Preissteigerungsrate 10,00% Nominalzinssatz 16,60% Realzinssatz 6,00% Zeitpunkt (Periode) 0 1 2 3 4 5 Tagesneuwert 4.000 4.400 4.840 5.324 5.856 6.442 TGW- Abschreibung 480 616 774 958 1.171 Kapitalbindung am Periodenanfang nominal 4.000 3.520 2.904 2.130 1.171 Periodenanfang real 4.400 3.872 3.194 2.343 1.288 Nominalzins auf Anlagenkapital 664 584 482 354 194 Periodenentgelt 1.144 1.200 1.256 1.312 1.366 Barwerte 4.000 981 883 793 710 634 Endwerte 8.621 2.115 1.903 1.708 1.530 1.366 Verteilung der Zahlungsströme Keine Tilgung gegenüber Kapitalgeber EK-Geber erhält Realzins auf eingesetztes Realkapital Kapital für Ersatzanlage wird in Unternehmung angesammelt Periodenentgelt für Unternehmung 1.144 1.200 1.256 1.312 1.366 Realzins auf Gesamtkapital (an EKG) 264 290 319 351 387 Resterlöse 880 910 937 960 979 Kum. Nominalverzinsung der Resterlöse 1.026 2.257 3.725 5.463 Realzins auf gebundenes Anlagenkapital 264 232 192 141 77 Periodenentgelt - Realzins auf geb. Anl.kap. 880 968 1.065 1.171 1.288 davon Realzins an EK-Geber 58 128 211 309 Verbleib in Unternehmung 1.936 3.194 4.685 6.442 Abb. 5-14: Erwirtschaftung des Wiederbeschaffungswerts der Ersatzanlage bei TGW-Abschreibung C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 819 Wie diese Beispiele verdeutlichen, ist die kapitaltheoretische Erfolgsneutralität bei allen Verfahren gewahrt, wenn bei einer Berechnung aller Abschreibungen vom - Anschaffungswert die Zinskosten zum Nominalzins - Wiederbeschaffungsneuwert die Zinskosten zum spezifischen Realzins gerechnet werden. Dies lässt sich allgemein zeigen1226, wenn man dieses Prinzip zur Beurteilung unterschiedlicher Ansätze für die Ausgangsbasis der Abschreibungsberechnung (Anschaffungs- oder Wiederbeschaffungswerte) und den Abschreibungsverlauf (linear, degressiv usw.) verwendet. Damit führt die Forderung nach kapitaltheoretischer Erfolgsneutralität zu einem Prinzip der Kompatibilität der Zinssätze. Folgt man dieser Erkenntnis, verliert die Diskussion um Anschaffungs- oder Wiederbeschaffungswerte an Gewicht. Beide Konzepte führen dann zu demselben Entgelt. Deshalb können andere Gesichtspunkte für die Wahl des Abschreibungsverfahrens maßgebend werden. Zu diesen gehört insbesondere die Frage, inwieweit sich Abschreibungen auch an Marktentwicklungen orientieren können und damit ein Marktbezug herzustellen ist. Diese Frage ist im Telekommunikationsbereich durch die bei wichtigen Anlagen zu beobachtenden anhaltenden Preissenkungen besonders deutlich geworden und hat der Diskussion um die Abschreibung von Anschaffungs- oder Wiederbeschaffungswerten eine bisher nicht beachtete Dimension gegeben. Wenn in einem preisregulierten Markt Wettbewerber auftreten, die keiner Preisregulierung unterliegen, werden diese ihre Abschreibungen und die von ihnen geforderten Preise auch an den jeweils gültigen spezifischen Anlagenpreisen orientieren. Fallen diese, ist damit zu rechnen, dass auch die Preise für Telekommunikationsdienste sinken und die regulierte Unternehmung „ein Defizit an Nominalkapitalerhaltung als Verlust zu tragen hat.“1227 Sind Preissenkungen auf den Anlagenmärkten zum Beispiel aufgrund der bisherigen Entwicklung mit ausreichender Wahrscheinlichkeit zu erwarten, wird sich kaum ein unabhängiger Investor finden. Eine derartige „unangemessene Benachteiligung des bisherigen Monopolanbieters“1228 ist nicht zumutbar. Man kann auch schwerlich annehmen, dass der Kapitalmarkt oder der Regulierer den zu erwartenden Verlust durch einen höheren Risikofaktor in den Eigenkapitalkosten erfasst1229. Deshalb bietet es sich an, auf ein Abschreibungsverfahren überzugehen, das die historischen Anschaffungsausgaben als Ausgangswerte verwendet, den Abschreibungsverlauf jedoch an den jeweiligen Wiederbeschaffungswerten ausrichtet. Diese Forderung erfüllen die Tagesgebrauchtwert-Abschreibung1230 und das Annuitätenverfahren mit Preisänderungen. In der Berück- 1226 Vgl. KNIEPS, G./KÜPPER, H.-U./LANGEN, R. (Abschreibungen), S. 762 ff. 1227 SIEGEL, T. (Leistungserstellung), S. 251. 1228 SIEGEL, T. (Leistungserstellung), S. 249. 1229 Die Gültigkeit dieser von BUSSE V. COLBE, W. (Accounting), S. 57 vertretenen Hypothese wird auch von SIEGEL, T. (Leistungserstellung), S. 251 f. bestritten. 1230 Vgl. hierzu KNIEPS, G./KÜPPER, H.-U./LANGEN, R. (Abschreibungen), S. 764 ff. sowie Kapitel 2., Abschnitt A.IV.4.d), S. 102 ff. 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung820 sichtigung des Marktbezugs liegt der wichtigste Vorteil dieser Verfahren1231 gegenüber den rein schematischen Verfahren der linearen oder degressiven Abschreibung von historischen Anschaffungs- (und Herstellungs-) Werten. Im Vergleich zur Abschreibung von Wiederbeschaffungsneuwerten haben sie den Vorzug, dass man keinen spezifischen Realzins auf das gebundene Kapital ansetzen muss. Die Gefahr manipulierter Preisprognosen1232 ist nicht größer als bei der Abschreibung von Wiederbeschaffungsneuwerten. Zusätzlich kann eine Regulierungsbehörde bei dem in kurzen Abständen (von z.B. 2 Jahren) wiederholten Preissetzungsprozess die Zuverlässigkeit der Preisprognosen prüfen. Die Tagesgebrauchtwert-Abschreibung verknüpft die Orientierung an den Wiederbeschaffungswerten mit der historischen Anschaffungsauszahlung und dem Ansatz von Nominalzinsen. Das Netzanlagevermögen und das in ihm gebundene Kapital werden entsprechend den Empfehlungen der Europäischen Kommission von 19981233 auf Basis der Wiederbeschaffungswerte im Sinne der Tagesgebraucht- bzw. Sachzeitwerte angesetzt. Das erscheint angemessener als die sich bei der Abschreibung von Wiederbeschaffungsneuwerten ergebenden Buchwerte des Kapitals. c) Strukturelle Unterschiede zwischen Tagesgebraucht- und Annuitätenverfahren Die Anforderung des Marktbezugs spricht sowohl für das Tagesgebrauchtwert- als auch das Annuitätenverfahren. Jedoch führen beide Verfahren nicht zu denselben Periodenkosten. Um ihre strukturellen Differenzen herauszuarbeiten, erscheint es zweckmäßig, sie für den einfachsten denkbaren Fall zu analysieren. Dieser liegt vor, wenn man eine Anlage mit einer Nutzungsdauer von 2 Perioden betrachtet und konstante (Anschaffungs-) Preise unterstellt. Dann geht die TGW- in die AW-Abschreibung über, mit der die Annuität ohne Preisänderung zu vergleichen ist. Anschaffungswert 800 Nominalzins 16,60% Nutzungsdauer 2 AW-Abschreibung t BW Abschr Zinsen KapKosten Barwert 0 800 1 400 400 133 533 456,947 2 400 66 466 343,053 800 199 999 800 Ann.-Abschreibung ohne Preisänderung t BW Abschr Zinsen KapKosten Barwert 0 800 1 430,656 369 133 502 430,656 2 431 71 502 369,344 800 204 1004 800 Abb. 5-15: Beispiel für Abschreibungen einer Anlage mit T=2 ohne Preisänderungen 1231 Vgl. Kapitel 2., Abschnitt A.IV.4.d), S. 102 ff. 1232 Vgl. SCHNEIDER, D. (Substanzerhaltung), S. 43. 1233 Vgl. KOMMISSION (Empfehlung), S. L 141/9. C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 821 Das in Abbildung 5-15 wiedergegebene Beispiel für eine Anlage mit einem Anschaffungswert A=800 und Nominalzinsen von i=16,6 % zeigt, dass sich die Periodenkosten trotz gleichem Barwert sowohl je Periode als auch in der Summe deutlich unterscheiden. Die Annuitätenabschreibung führt wegen der zwangsläufig höheren Zinsen in der ersten Periode zu der intuitiv nicht einleuchtenden Konsequenz einer geringeren (höheren) Abschreibung in der 1. (2.) Periode. Dies ist die unvermeidliche Folge des Tatbestands, dass die Periodenkosten in einem Annuitätenansatz sowie nach dem auf Arrow zurückgehenden Konzept bei unveränderlichen Anlagenpreisen konstant sind. Für Anlagen mit einer Nutzungsdauer von 2 Perioden lässt sich dies aus dem entscheidungstheoretischen Ansatz leicht nachvollziehbar herleiten1234. In dem hierbei formulierten Optimierungsmodell stellen die Periodenkosten jene langfristigen Zusatzkosten dar, die durch die Erhöhung der Kapazität in der gegenwärtigen Periode um eine Einheit ausgelöst werden. Diese entsprechen dem Barwert der Änderungen in der Anschaffung der Anlagen in den nachfolgenden Perioden. Geht man davon aus, dass die Unternehmung einen Bestand derartiger Anlagen mit einer Nutzungsdauer T=2 aufbaut, so führt der Kauf einer zusätzlichen Anlage in t=0 dazu, dass in t=1 auf den ursprünglich geplanten Kauf einer Anlage verzichtet werden kann. Damit fehlt deren Kapazität in der nachfolgenden Periode, so dass in t=2 eine zusätzliche Anlage gekauft werden muss. Diese Verschiebung der Anschaffungszeitpunkte setzt sich in einer unendlichen Reihe fort. Der Barwert dieser langfristigen Reihe an Zusatzkosten zum Zeitpunkt t=1 ergibt die Annuität a ohne Preisänderungen: ???????????????? ????? ...)1()1()1()1()1(1()1( 54321 iiiiiiAa ? ? ? ? ? ?? ? ? ?? ?? ???? 2 1 0 2 1 )1( 1 )2( )1( ))1(1( 1)1( j ji A i iA i iA Das zugrunde liegende entscheidungstheoretische Konzept betrachtet aber nicht eine einzelne Anlage, sondern mindestens die Zahl an Anlagen, die der Nutzungsdauer entspricht. Nur in diesem Fall führt die Zusatzinvestition zum Betrachtungszeitpunkt t=0 zu den Veränderungen in den Folgeperioden, aus denen die langfristigen Zusatzkosten für den einfachen Fall T=2 in vorangehender Gleichung hergeleitet werden. Offensichtlich besteht zwischen der AW- und der Ann-Abschreibung ein systematischer Unterschied. Um dessen Ursache herauszuarbeiten, wird für beide Verfahren von einem ausgeglichenen Anlagenbestand mit konstanten Anlagenpreisen ausgegangen. Im einfachen Beispiel von Abb. 5-15 liegen die Periodenkosten der AW-Abschreibung für zwei Anlagen dann jeweils mit 1234 Vgl. hierzu NEZLOBIN, A./RAJAN, M./REICHELSTEIN, S. (Regulation), S. 8, FN 16. 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung822 999 unter denen der Ann-Abschreibung mit 1004. Allgemein ergibt sich diese Differenz ? k2 zwischen Ann- und AW-Abschreibung für diesen Fall mit (1+i) -1= ?: ))5,11( )2( )1(2())5,11( )( 12())5,11(2( 2 22 ii iAiAiaAk ?? ? ? ????? ? ???????? ?? Der Barwert D2 der unendlichen Kette dieser Differenz in t=1 ist gleich i i i i A i iaAD )5,11( )2( )1(2 ))5,11(2( 2 2 ?? ? ? ? ?? ?? ?? Er entspricht exakt der negativen Differenz D1 zwischen den Periodenkosten für die erste Anlage einerseits bei Annuitäten- und andererseits bei AW- Abschreibung am Ende der ersten Periode des Anlagenaufbaus: )2( 5,0 )2( )5,02121( 2 1 )2( )1( 222 1 i iA i iiiiiAi i iAD ? ????? ? ? ?? ? ? ? ?????? ???? ? ? ?? ? ? ?? ? ? ?? Derselbe Zusammenhang lässt sich für drei Anlagen mit einer Nutzungsdauer von T=3 zeigen. In einem solchen Fall ist die Differenz der Periodenkosten ? k3 für den ausgeglichenen Anlagenbestand ab der dritten Periode: ?? ? ? ?? ? ? ?? ?? ??? ????? ? ? ?? ? ? ?? ?? ??????? i ii iiiAiAiaAk 21 )33( )331(3)21( )( 3))21(3( 2 32 323 ??? Der Barwert D3 der (unendlichen) Kette aus dieser Differenz D2 in t=2 ist dann i i ii iii A i iaAD 21 )33( )331(3 ))21(3( 2 32 3 ?? ?? ??? ? ?? ?? ?? )33( )2( ))33(( )2( 22 32 ii iiA iii iiA ?? ? ??? ??? ? ?? C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 823 Die Summe D1,2 aus der nach t=2 aufgezinsten Differenz für die erste Anlage in der ersten Periode und zwei Anlagen in der zweiten Periode führt zu demselben (aber negativen) Betrag: ? ? ? ? ? ? ?? ?? ??? ?????? ? ? ?? ? ? ?? ?? ??? ?? iii iiiii ii iiiAD 3 5 3 2 )333( )331(2)1( 3 1 )33( )331( 2 32 2 32 2,1 )33( )2( )33( )2( 22 2 ii iiA ii iiA ?? ? ???? ?? ?? ?? Die Periodenkosten bei Annuitätenabschreibung liegen demnach ab der Periode mit einem ausgeglichenen Anlagenbestand um die Differenz der Kosten je Periode zwischen AW- und Ann-Abschreibung während des Kapazitätsaufbaus systematisch über denjenigen der AW-Abschreibung. Für den allgemeinen Fall einer Nutzungsdauer von T ergibt sich diese Differenz zu: d) Wirkung eines ausgeglichenen Anlagenbestands Bei der entscheidungstheoretischen Fundierung der LRIC mit dem in den Abschnitten 3 c) sowie 4 c) skizzierten, auf Arrow zurückgehenden Optimierungsmodell geht man nicht von einer einzelnen Anlage, sondern von einem Anlagenbestand aus, wie es auch der Realität entspricht. Im einfachsten Fall entspricht die Zahl der Anlagen deren Nutzungsdauer und wird in jeder Periode genau eine Anlage ersetzt. Ferner ist dieser Bestand im „eingeschwungenen“ Zustand insoweit ausgeglichen, als er Anlagen eines jeden (Nutzungs-) Alters umfasst. Damit ist die einer Berechnung von langfristigen Zusatzkosten zugrunde liegende Annahme erfüllt, dass die Erhöhung der Kapazität in einer Periode zu systematischen Änderungen der (geplanten) Investitionen in den nachfolgenden Perioden führt. ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ?? ? ? ? ? ?? ? ???? ??? ??? )1...( )1(1(1 )...( 2 T T TiTAk Tt ??? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ????? ??? ?? 2 )1(11 )...( 2 TiTA T??? 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung824 Die Periodenkosten Kt eines solchen Anlagenbestands kann man wie folgt berechnen1235: Lineares Verfahren von historischen Anschaffungswerten: ? ? ? ?? ?? ? ? ? ? ? ????? ? ? ?? ? ? ???? ? ?? ? ? 1111 T t t pp iTi Tp pAK Tagesgebrauchtwertverfahren: ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ????????? ? 2 11 1 pipiTpAK tt Annuitätenverfahren: ? ? T t t i p pipATK ? ? ? ? ? ? ? ? ? ? ????? ? 1 11 1 1 Diese Berechnungsformeln lassen erkennen, dass sich im Fall ausgeglichener Anlagenbestände die Periodenkosten proportional zu den Preisänderungen entwickeln. Um die Unterschiede zur Betrachtung einer einzelnen Anlage zu veranschaulichen, werden im Folgenden einfache Beispiele mit Nutzungsdauern von T=2, T=5 und T=10 Perioden betrachtet. Ihnen entsprechen Anlagenbestände mit zwei, fünf und zehn Anlagen, deren Anschaffungswerte 800, 4000 und 8000 betragen. Geht man von Nominalzinsen in Höhe von 16,6 % und Preissteigerungen sowie Preissenkungen von jeweils 10 % pro Periode aus, so gelangt man zu den in Abb. 5-16 wiedergegebenen Periodenkosten für AW-, TGW- und Ann-Abschreibungen. Es zeigt sich, dass im Fall von Preissteigerungen (Preissenkungen) die Periodenkosten der AW- Abschreibung stets unter (über) denen der TGW-Abschreibung liegen, während die Periodenkosten der Ann-Abschreibung die TGW-Abschreibung mit einem konstanten Satz übersteigen. Die Beispiele dokumentieren eine Reihe von Zusammenhängen, die sich auch analytisch nachweisen lassen. 1235 Zur Herleitung vgl. FRIEDL, G./KÜPPER, H.-U. (Preisgestaltung). C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 825 Nominalzins i 16,6% PÄ-Rate p 10,0% Nominalzins i 16,6% PÄ-Rate p -0,100 q = 1+i 116,6% steigend q = 1+i 1,166 fallend ? = 1+p 1,1 ? = 1+p 0,9 Vergleich für T = 2 Bezugsbasis Ann Vergleich für T = 2 Bezugsbasis Ann AW in t=0 800 AW / TGW/ AW in t=0 800 AW / TGW/ t AW TGW Ann Ann Ann / t AW TGW Ann Ann Ann / 1 1 2 1.052 1.055 1.056 0,997 0,999 2 1.051 935 948 1,109 0,987 3 1.158 1.161 1.162 0,997 0,999 3 946 842 853 1,109 0,987 4 1.274 1.277 1.278 0,997 0,999 4 851 758 768 1,109 0,987 5 1.401 1.404 1.405 0,997 0,999 5 766 682 691 1,109 0,987 6 1.541 1.545 1.546 0,997 0,999 6 690 614 622 1,109 0,987 7 1.695 1.699 1.701 0,997 0,999 7 621 552 560 1,109 0,987 8 1.865 1.869 1.871 0,997 0,999 8 559 497 504 1,109 0,987 9 2.051 2.056 2.058 0,997 0,999 9 503 447 453 1,109 0,987 10 2.256 2.262 2.264 0,997 0,999 10 452 403 408 1,109 0,987 Vergleich für T = 5 Bezugsbasis Ann Vergleich für T = 5 Bezugsbasis Ann AW in t=0 4000 AW / TGW/ AW in t=0 4000 AW / TGW/ t AW TGW Ann Ann Ann / t AW TGW Ann Ann Ann / 1 5.102 5.192 5.223 0,977 0,994 1 7.306 6.792 7.328 0,997 0,927 2 5.613 5.711 5.745 0,977 0,994 2 6.575 6.113 6.595 0,997 0,927 3 6.174 6.282 6.319 0,977 0,994 3 5.918 5.502 5.935 0,997 0,927 4 6.791 6.911 6.951 0,977 0,994 4 5.326 4.951 5.342 0,997 0,927 5 7.470 7.602 7.647 0,977 0,994 5 4.794 4.456 4.808 0,997 0,927 6 8.217 8.362 8.411 0,977 0,994 6 4.314 4.011 4.327 0,997 0,927 7 9.039 9.198 9.252 0,977 0,994 7 3.883 3.610 3.894 0,997 0,927 8 9.943 10.118 10.178 0,977 0,994 8 3.494 3.249 3.505 0,997 0,927 9 10.937 11.130 11.195 0,977 0,994 9 3.145 2.924 3.154 0,997 0,927 10 12.031 12.242 12.315 0,977 0,994 10 2.831 2.631 2.839 0,997 0,927 Vergleich für T = 10 Bezugsbasis Ann Vergleich für T = 10 Bezugsbasis Ann AW in t=0 8000 AW / TGW/ AW in t=0 8000 AW / TGW/ t AW TGW Ann Ann Ann / t AW TGW Ann Ann Ann / 1 11.039 11.704 11.956 0,923 0,979 1 23.823 18.904 23.007 1,035 0,822 2 12.143 12.874 13.152 0,923 0,979 2 21.441 17.014 20.706 1,035 0,822 3 13.357 14.162 14.467 0,923 0,979 3 19.297 15.312 18.636 1,035 0,822 4 14.693 15.578 15.914 0,923 0,979 4 17.367 13.781 16.772 1,035 0,822 5 16.163 17.136 17.505 0,923 0,979 5 15.631 12.403 15.095 1,035 0,822 6 17.779 18.849 19.256 0,923 0,979 6 14.067 11.163 13.585 1,035 0,822 7 19.557 20.734 21.181 0,923 0,979 7 12.661 10.046 12.227 1,035 0,822 8 21.512 22.808 23.300 0,923 0,979 8 11.395 9.042 11.004 1,035 0,822 9 23.664 25.089 25.630 0,923 0,979 9 10.255 8.138 9.904 1,035 0,822 10 26.030 27.597 28.193 0,923 0,979 10 9.230 7.324 8.913 1,035 0,822 Abb. 5-16: Vergleich der Periodenkosten bei Preissteigerungen (p=+0,1) und Preissenkungen (p=-0,1) für AW-, TGW- und Ann-Abschreibung 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung826 So verändern sich die Periodenkosten des Anlagenbestands1236 bei allen Verfahren proportional zur Preisänderung. Dies hat zur Konsequenz, dass das Verhältnis zwischen den Periodenkosten in allen Perioden gleich ist. Die Differenzen zwischen den Periodenkosten wachsen mit der Nutzungsdauer der Anlagen. Dies ist einsichtig, weil damit beispielsweise im Vergleich von TGW- und Ann-Abschreibung die Dauer bis zur Erreichung eines ausgeglichenen Anlagenbestands und damit auch die auf diese Phase zurückgehende Differenz der Periodenkosten bei Ann- und TGW-Abschreibungen (entsprechend den Überlegungen in Abschnitt c) größer ist. Bei einem ausgeglichenen Anlagenbestand bewegen sich die Differenzen der Periodenkosten bei Preissteigerungen zwischen Ann- und TGW-Verfahren im Beispiel zwischen 0,0008 % und 2,2 % sowie im Vergleich von AW- mit TGW-Verfahren zwischen 0,25 % und 5,68 %. Für die relativ hohen Werte eines Nominalzinssatzes von 16,6 % und einer Preissteigerungsrate von 10 % erscheinen diese Differenzen nicht allzu groß. Demgegenüber sind die Differerenzen bei denselben Werten für Nominalzins und Preisänderung im Fall von Preissenkungen deutlich höher. Sie liegen zwischen 1,3 % (1,1 %) und 21,7 % (26 %) für die Differenz zwischen Ann- (AW-) und dem TGW-Verfahren. Dieser systematische Unterschied wird nachvollziehbar, wenn man das Verhältnis zwischen den entsprechenden Periodenkosten bildet. Mit q=1+i und ?=1+p ergibt sich z.B. bei einer Nutzungsdauer von T=2 das Verhältnis zwischen AW- und TGW-Verfahren zu sowie zwischen Ann- und TGW-Verfahren zu Bei beiden Quotienten erscheint der Koeffizient der Preisänderung ?=1+p im Nenner in zweiter Potenz. Dies hat zur Folge, dass das Verhältnis zwischen den Periodenkosten für Preissteigerungen (also ?>1) kleiner und für Preissenkungen (also ? <1) größer wird. Abbildung 5-16 gibt die prozentualen Abweichungen der Periodenkosten für das AW- und Ann- vom TGW-Verfahren für unterschiedliche Nutzungsdauern, Nominalzinsen und Preisänderungen wieder. 1236 Gegenüber dem Beispiel mit einer Anlage in den Abbildungen 5-12 und 5-13 zeigt sich die Auswirkung der Betrachtung eines Anlagenbestands statt der einzelnen Anlage. )3()21( aq a iaq k k TGW AW ?? ??? ? )3()( 4 2 aqaq q k k TGW Ann ??? ? C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 827 AW zu TGW Ann zu TGW T = 5 T = 10 T = 5 T = 10 Preisänderung -10% Nominalzins 3% 4,9 18,6 2,7 8,7 Nominalzins 10% 6,4 23,1 5,3 15,5 Preisänderung -3% Nominalzins 3% 0,7 2,5 0,6 2,3 Nominalzins 10% 1,2 4,2 2,4 7,8 Preisänderung 0% Nominalzins 3% 0 0 0,2 0,6 Nominalzins 10% 0 0 1,5 5 Preisänderung 3% Nominalzins 3% 0 0 0 0 Nominalzins 10% -0,6 -2,2 0,6 2,27 Preisänderung 5% Nominalzins 3% 0,4 1,5 0,1 0,3 Nominalzins 10% -0,8 -2,7 0,1 1,4 Preisänderung 10% Nominalzins 3% -2,7 -12,3 1 5,3 Nominalzins 10% 0 0 0 0 Abb. 5-17: Prozentuale Abweichung zwischen den Verfahren bei unterschiedlichen Preisänderungen und Nominalzinssätzen Abbildung 5-17 lässt zusätzlich erkennen, dass die Abweichungen zwischen den LRIC-Verfahren sowie zum AW-Verfahren mit dem Zinssatz und steigenden sowie (deutlich stärker) fallenden Preisänderungsraten zunehmen. Wie schon aus Abb. 5-16 erkennbar, sind sie umso größer, je länger die Nutzungsdauern sind und können dabei extreme Werte annehmen. Hohe Preissteigerungsraten können bei niedrigen Zinssätzen im Fall der TGW- Abschreibung sogar dazu führen, dass die Wertsteigerung des Anlagenbestands dessen Zinskosten übersteigt, so dass sich negative Gesamtkosten einstellen1237. e) Abwägung zwischen Tagesgebraucht- und Annuitätenverfahren Damit ergibt sich die Frage, welches der beiden LRIC-Verfahren ökonomisch besser begründet ist. Hinter dem Annuitätenverfahren stehen zwei grundlegendeHypothesen: ? Für den Nutzer einer Anlage (z.B. eine Telekommunikationsunternehmung) sind nicht der (Buch-) Wert der Anlage, sondern die mit ihrem Einsatz verbundenen gesamten Kapitalkosten der Periode maßgebend. ? Der Nutzer bewertet den aus dem Einsatz zu ziehenden ökonomischen Nutzen und die dafür aufzubringenden gesamten Kapitalkosten gemäß seinen Zeitpräferenzen; im Regelfall zinst er damit den Nutzen und die Kosten künftiger Perioden ab. 1237 Dies lässt sich auch an der Gleichung für das Tagesgebrauchtwertverfahren erkennen, weil dann T· (i-p) einen entsprechend großen negativen Wert annimmt. 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung828 Die erste Hypothese führt dazu, dass die Abschreibungen einer Anlage nur dann im Zeitablauf sinken, wenn die Preise vergleichsweise stark zurückgehen. Dies liegt daran, dass die Zinsen am Anfang der Nutzungsdauer einer Anlage für das in ihr gebundene Kapital relativ hoch sind. Die zweite Hypothese hat zur Konsequenz, dass neben der Preisänderungsrate über den Wiedergewinnungsfaktor der Annuität der (vom Nominalzins abhängige) Abzinsungsfaktor für die Perioden maßgebend für ihre Abschreibungen und Buchwerte wird. Dem TGW-Verfahren liegt die Hypothese zugrunde, dass sich Abschreibungen aus den Differenzen zwischen den Gebrauchtwerten für eine Anlage in den jeweiligen Perioden ergeben. Diese Hypothese erscheint ökonomisch unmittelbar einleuchtend. Wenn auf einem Markt Gebrauchtwerte existieren, zu denen Anlagen mit denselben technologischen Eigenschaften ge- und verkauft werden, ist dies der anzusetzende Wert. Daher stellt sich die Frage, ob und inwieweit diese Werte durch den allein von der Preisentwicklung und dem Anlagenalter abhängigen Ansatz korrekt wiedergegeben werden.1238 Dieser berücksichtigt die Preisänderung, jedoch keine Zeitpräferenzen und geht für konstante Preise in die AW-Abschreibung über. Darüber hinaus bezieht er nicht die Zinsen für das in der Anlage gebundene Kapital ein. Aus ökonomischer Sicht ist jedoch davon auszugehen, dass Investoren bei ihren Entscheidungen auch die Zinsen beachten und sich diese deshalb in den Marktpreisen niederschlagen. Dann gibt die unten dargestellte TGW- Abschreibungsgleichung at TGW die Bildung von Tagesgebrauchtwerten unvollständig wieder und erweist sich das Annuitätenverfahren als ökonomisch besser begründet. t tTA T tTAa tt TGW t )()1( 1 ? ?? ?? ?? ? Letzteres vermeidet auch den empirisch eher unwahrscheinlichen Fall, dass es bei extremen Preissteigungen zu Zuschreibungen und ggf. sogar negativen Kapitalkosten in einzelnen Perioden kommen kann. Die beim Annuitätenverfahren häufig auftretende Konsequenz progressiver Abschreibungen scheint in Widerspruch zu dem Tatbestand zu stehen, dass Güter anfangs eher einen hohen Wertverlust zeigen. Das dürfte jedoch darauf zurückzuführen sein, dass völlig neue Güter in ihren qualitativen Eigenschaften anders als schon benutzte Güter eingeschätzt werden. Insbesondere bei industriell genutzten Anlagen kann man eher unterstellen, dass derartige Effekte kaum eine Rolle spielen und deren technische Leistungseigenschaften als konstant betrachtet werden. Andernfalls müssten (und könnten) entsprechende technische Leistungsminderungen durch die Einfügung zusätzlicher Faktoren in das Annuitätenverfahren berücksichtigt werden. Schließlich kann man die Frage stellen, unter welchen Bedingungen historische Anschaffungsverfahren auch den LRIC-Kostenmaßstab erfüllen können. Im Hinblick auf eine Einzelanlage ist dies lediglich für den Sonderfall konstanter Anlagenpreise und vor allem Nominalzinsen von Null der Fall. Han- 1238 Vgl. Kapitel 2., Abschnitt A.IV.4.d), S. 102 ff. C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 829 delt es sich hingegen um einen ausgeglichenen Anlagenbestand, so erhält man für das AW-Verfahren unabhängig von den Nutzungsdauern der Anlagen dieselben Werte für Periodenkosten und Abschreibungen allein in dem Fall, dass die Preisänderungsrate genau dem Nominalzins entspricht. 5. Bestimmung von Zinskosten Die Zinskosten hängen von der Höhe des gebundenen Kapitals und dem Zinssatz ab. Auch in der Regulierung setzt sich dabei immer stärker die Erkenntnis durch, dass ihre Bestimmung aus kapitaltheoretischer und marktwertorientierter Sicht zu erfolgen hat1239. Für die Höhe der Zinsen sind bei jeder Rechtsform das Angebot und die Nachfrage auf dem Kapitalmarkt maßgebend. Sowohl in Bezug auf das Fremd- als auch das Eigenkapital muss man von den Ansprüchen der jeweiligen Kapitalgeber ausgehen. Daraus folgt insbesondere, dass Anteilseigner eine marktgerechte Verzinsung auf das von ihnen eingesetzte Kapital erhalten müssen, wenn sie ihr Kapital in die Unternehmung investieren und dort ggf. belassen sollen. Dem entspricht, dass man im Hinblick auf die Höhe des gebundenen Kapitals und dessen Aufteilung in Eigen- und Fremdkapital nicht von den Buchwerten, sondern den Marktwerten ausgeht. Für die Buchwerte spricht aber ihre eindeutige Erfass- und Nachprüfbarkeit. Sie unterliegen keinen raschen Schwankungen, wie sie bei Marktwerten auftreten. Jedoch enthalten Buchwerte den ‚Systemfehler‘, dass „Aktionäre ... ihre geforderten Aktienrendite nicht auf den Bilanzansatz des Eigenkapitals (beziehen), sondern ... diese aus Annahmen über künftige Zahlungsströme, bezogen auf die jeweiligen Börsenkurse, (schätzen)“1240. Dies spricht für den Ansatz von Marktwerten zumindest für das Eigenkapital, weil sie die Bewertung der Unternehmung durch die Anteilseigner wiedergeben. Zinsen auf Basis von Marktwerten kennzeichnen im Sinne der EU-Kommission „die Eigenkapitalkosten, gemessen an den Renditen, die den Anteilseignern geboten werden müssen, damit diese angesichts der damit zusammenhängenden Risiken Investitionen in das Netz tätigen“1241. Bei einem Ansatz von Marktwerten wäre konsequenterweise davon auszugehen, dass die Ansprüche der Anteilseigner auf einer Kapitalbasis beruhen, die gemäß dem Marktwert-Buchwert-Verhältnis proportional zum nominal gebundenen Eigenkapital ist1242. Folgerichtig wäre deshalb das nominal gebundene Kapital entweder mit dem Verhältnis zwischen Markt- und Buchwert zu multiplizieren oder der Zinssatz entsprechend umzurechnen1243, weil sich die Zinsforderungen der Anteilseigner auf diesen Marktwert beziehen. Liegt beispielsweise der Marktwert des Eigenkapitals um 50 % über 1239 Vgl. zu dieser Sichtweise Kapitel 3., Abschnitt A. sowie für regulierte Preise insb. GERKE, W. (Eigenkapitalverzinsung). 1240 SCHNEIDER, D. (Substanzerhaltung), S. 56. 1241 KOMMISSION (Empfehlung), S. L 141/18 (Für den Bereich der Kommunikationsbranche). 1242 Vgl. zu dieser Auffasssung BUSSE VONCOLBE, W. (Kapitalkosten), S. 15 f. 1243 Diese Form der Berücksichtigung präferiert BUSSE VON COLBE, W. (Kapitalkosten), S. 15 f. Im Ergebnis führen beide Wege zu demselben Ergebnis. 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung830 dem Buchwert, so sind bei einem für die Entgeltbestimmung zugrunde gelegten Gesamtkapital von 100 Millionen und einem Eigenkapitalanteil von 40 % Eigenkapitalzinsen auf 605,14,0100 ??? Millionen zu berücksichtigen. Mit diesem kapitaltheoretisch konsequenten Ansatz ist jedoch eine Reihe gravierender Probleme verbunden. Ein erstes Problem liegt darin, dass sich lediglich ein Marktwert für die gesamte Unternehmung, nicht jedoch für ihre einzelnen Dienste ermitteln lässt, auf die sich die festzulegenden Preise beziehen. Aus diesem Gesamtwert ist nicht erkennbar und herleitbar, ob und inwieweit sich die Ansprüche der Anteilseigner gegenüber dem jeweils betrachteten Unternehmensbereich und dem anderer Bereiche unterscheiden. Solange man jedoch keine deutlichen Anhaltspunkte für eine Differenzierung der Einschätzung verschiedener Bereiche hat, erscheint eine übereinstimmende Marktwert-Buchwert-Relation die am besten begründete Annahme. Zu berücksichtigen ist ferner ein Zirkularitätsproblem1244. Die Einschätzung der jeweiligen Unternehmung am Markt und damit die Erwartungen über die zukünftigen Zahlungsströme an die Anteilseigner hängen auch von den darin berücksichtigten Eigenkapitalkosten ab, für deren Bestimmung wieder die Erwartungen maßgebend sein sollen. Das kann dazu führen, dass sich die Marktwerte deutlich verändern, wenn sich die Politik der Regulierungsbehörde zum Beispiel durch einen niedrigen Ansatz von Eigenkapitalkosten anders entwickelt als vom Markt erwartet1245. Diese Gesichtspunkte sprechen trotz des Bedarfs von Marktwerten für die Investoren dafür, bei einer Regulierung die Zinskosten auf der Basis von Buchwerten anzusetzen1246. Letztlich müssten sich die Erwartungen der Investoren den Buchwerten annähern, soweit nicht andere Faktoren wie eine zeitliche Begrenzung der Regulierung, Unvollkommenheiten oder Anreizsetzungen der Entgeltregulierung zu einem Auseinanderfallen von Buch- und Marktwerten führen. Bei der Bestimmung des Zinssatzes wird i.d.R. ein gewogener Kapitalkostensatz zugrunde gelegt, der aus den für Eigen- und für Fremdkapital geforderten Zinssätzen ermittelt wird. Im WACC-Modell (Weighted Average Cost of Capital) wird der gewogene Durchschnittszinssatz aus den risikoangepassten Zinssätzen für Eigen- und Fremdkapital bestimmt. Die von einer Unternehmung zu tragenden Wagnisse sind zu berücksichtigen, da deren Abdeckung durch die Kapitalgeber verlangt wird. Die Ermittlung eines Durchschnittszinssatzes ist insofern plausibel, als die Zuordnung einzelner Finanzierungsanteile zu bestimmten Investitionen mit Willkür behaftet ist. Für die Gewichtung von Eigen- und Fremdkapitalverzinsung ist dafür die langfristige Zielkapitalstruktur maßgeblich. Entscheidend sind die langfristig zu erwartenden Zinssätze. 1244 Vgl. KÜPPER, H.-U. (Preisbestimmung), S. 52 f. 1245 Dieser Zusammenhang könnte mit dazu beigetragen haben, dass in Großbritannien der Marktwert einer Reihe von privatisierten Firmen nach dem ersten Handel an der Börse deutlich unter ihren CCA-Wert für das gesamte Unternehmen gefallen ist. Vgl. BROM- WICH, M./VASS, P. (Accounting), Sp. 1683. 1246 Vgl. ausführlich PEDELL (2006), S. 119 – 161. C. Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung 831 Für die Bestimmung des Wagniszuschlags vor allem beim Eigenkapital ist zu untersuchen, mit welchen Risiken die Leistungserstellung und -verwertung durch den Betreiber eines Netzes verbunden sind1247. Während in der traditionellen Kostenrechnung postuliert wurde, dass das allgemeine Unternehmerwagnis aus dem Gewinn zu decken sei, hat die moderne Kapitaltheorie zu der Erkenntnis geführt, dass eine angemessene Verzinsung des gesamten eingesetzten Kapitals einen Zuschlag für das Unternehmerwagnis enthält.1248 Risiken entstehen immer dann, wenn eine Unternehmung für einen bestimmten Zeitraum irreversibel investiert und die Rückflüsse auf das eingesetzte Kapital nicht mit Sicherheit feststehen. Je länger Kapital durch Investitionen gebunden wird, desto größer sind in der Regel die daraus resultierenden Risiken. Diese müssen letztlich von den Kapitalgebern des Netzbetreibers getragen werden. Die Eigenkapitalgeber profitieren zwar umgekehrt auch von den Chancen, die sich aus dem Netzbetrieb ergeben. Selbst wenn Risiken und Chancen ausgeglichen sind, gewichten die Kapitalgeber Risiken vielfach stärker als Chancen. Sie verlangen daher einen Aufschlag auf die Verzinsung des von ihnen eingesetzten Kapitals gegenüber einer risikolosen Anlageform, um ihr Kapital in der betreffenden Unternehmung zu belassen oder einzusetzen. Für die Bemessung dieses Risikozuschlags ist grundsätzlich die subjektive Risikoeinschätzung der einzelnen Kapitalgeber maßgeblich. Eine Objektivierung der Risikoquantifizierung kann jedoch über das Abstellen auf Kapitalmarktdaten erreicht werden. Diese weisen den Vorteil auf, dass sie auf empirisch beobachtbarem Verhalten der Kapitalmarktteilnehmer beruhen. Ferner werden private Kapitalgeber ihren Renditeforderungen stets die Verzinsung von risikoäquivalenten Alternativanlagen auf dem Kapitalmarkt als Vergleichsmaßstab zugrunde legen. Die angemessene Eigenkapitalverzinsung kann mit Hilfe des CAPM (Capital Asset Pricing Model) aus Kapitalmarktdaten hergeleitet werden1249. Trotz der Vielzahl von Einwänden, die gegen das CAPM-Modell1250 bestehen, bleibt nach DIETER SCHNEIDER „... der Eigenkapitalkostenterm aus dem CAPM mangels besseren Wissens eine zumindest erwägenswerte Lösung für die Erfassung des Risikozuschlags“1251. Zudem beziehe dieser das leistungswirtschaftliche Risiko ein. Maßgebend ist also die Auffassung, dass man bis jetzt kein besseres Konzept kennt, über das sich der Zinssatz einigermaßen willkürfrei herleiten lässt1252. Über den Marktwert des Eigenkapitals wird die Verzinsungserwartung der Eigenkapitalgeber abgebildet. Bei nicht börsennotierten Netzbetreibern lässt sich die Marktkapitalisierung nicht ohne weiteres 1247 Für die Bestimmung des Zinssatzes im Strombereich vgl. GERKE, W. (Eigenkapitalverzinsung). 1248 Vgl. auch § 3 I (2) TEntgV sowie Kapitel 2., Abschnitt A.IV.5.b), S. 110 ff. 1249 Vgl. BALLWIESER, W. (Unternehmensbewertung), S. 85. 1250 Vgl. SCHNEIDER, D. (Investition), S. 511 ff.; SCHNEIDERD. (Substanzerhaltung), S. 48 f. 1251 SCHNEIDER, D. (Substanzerhaltung), S. 49. 1252 Deshalb akzeptiert auch einer der schärfsten Kritiker des CAPM seine Anwendung für die Ableitung kostenorientierter Entgelte. SCHNEIDER, D. (Substanzerhaltung), S. 56. 5. Kapitel: Weiterentwicklung der Kosten- und Erlösrechnung832 bestimmen. Hier können in der Vergangenheit gehandelte Anteilspakete einen Hinweis auf den Marktwert des Eigenkapitals geben. Darüber hinaus werden im gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensatz steuerliche Effekte für die von einer Unternehmung zu zahlenden Definitivsteuern berücksichtigt1253. Dazu gehört insbesondere, dass von einer Unternehmung gezahlte Fremdkapitalzinsen die Steuerbemessungsgrundlagen verringern. Definitivsteuer auf Unternehmensebene ist zunächst einmal die Gewerbesteuer. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nur die Hälfte der Zinsen auf Dauerschulden die gewerbesteuerliche Bemessungsgrundlage erhöhen und daher lediglich der halbe effektive Gewerbesteuersatz anzusetzen ist. Bei dem seit 2001 geltenden Halbeinkünfteverfahren führt darüber hinaus die Körperschaftsteuer in Höhe von 25% bzw. 19% ab 2008 zuzüglich Solidaritätszuschlag auf diese Körperschaftsteuer zu einer definitiven Steuerbelastung auf Unternehmensebene1254. Diese stellt aus Sicht des Eigenkapitalgebers eine Kostenbelastung dar, die zu berücksichtigen ist1255. Sie wird zweckmäßigerweise durch einen Kapitalkostensatz vor Steuern erfasst, der beinhaltet, dass die im Preis entgoltene Verzinsung auf das Eigenkapital auch diese von der Unternehmung zu tragende definitive Körperschaftsteuer umfassen muss1256. 1253 Zur Schwierigkeit einer präzisen Erfassung der Steuereffekte vgl. SIEGEL, T. (Leistungserstellung), S. 252 ff. 1254 Vgl. SCHNEIDER, D. (Substanzerhaltung), S. 14; zu Kapitalkosten und Halbeinkünfteverfahren vgl. auch AUGE-DICKHUT, S./MOSER, U./WIDMANN, B. (Unternehmensbesteuerung), S. 366 f.; FEHR, H. (Kapitalnutzungskosten), S. 665 ff. RING, S./CASTEDELLO, M./SCHLUMBERGER, E. (Unternehmensbewertung), S. 360 f.; SCHÜLER (Unternehmensbewertung), S. 1534. 1255 SCHNEIDER, D (Substanzerhaltung), S. 14. Vgl. auch BUSSE VON COLBE, W (Entgeltregulierung), S. 13. 1256 Vgl. hierzu auch SIEGEL, T. (Leistungserstellung). Betriebswirtschaftliches Kurzlexikon Absatzerfolgsrechnung: ? Kurzfristige Erfolgsrechnung, bei der die Differenz zwischen den ? Erlösen und ? Kosten der abgesetzten Produkte als ? Betriebserfolg ermittelt wird. Absatzerlösmodell: Strukturgleiche (-ähnliche) Abbildung der Entstehung und Verwertung der Leistungen einer Unternehmung mit Absatz-Einflussgrößenfunktionen für Marktsegmente. Abschreibungen: Rechnerische Erfassung der Wertminderung von ? Anlagegütern. Abschreibungsquote: Anteil vom Gesamtwert des ? Anlagegutes, der in den einzelnen Rechnungsabschnitten des ? Abschreibungszeitraums als Wertminderung angesetzt wird. Abschreibungssumme: Gesamtwert eines ? Anlagegutes oder einer Gesamtheit von Anlagegütern, der auf die Nutzungsdauer zu verteilen ist. Abschreibungsverfahren: Verfahren zur Verteilung der ? Abschreibungssumme auf den ? Abschreibungszeitraum entsprechend dem (vermuteten) Verbrauchsvorgang des jeweiligen ? Anlagegutes im Zeitablauf. Sie stellen gewöhnlich Setzungen (Konstatierungen) dar. Abschreibungszeitraum: (Geschätzte) Technisch-wirtschaftliche Nutzungsdauer des ? Anlagegutes bzw. verfügbare Zeitdauer bei zeitlich begrenzter Nutzungsmöglichkeit des Gebrauchsgutes. Abweichung zweiten Grades: Multiplikation von Preisdifferenz mal Mengendifferenz. Sie lässt sich nicht verursachungsgemäß in eine ? Preis- und eine?Mengenabweichung aufteilen. Abweichungsanalyse: Untersuchung der Ursachen von Kostenabweichungen und ihrer Auswirkungen auf die Kostenhöhe. Abweichungsanalyse, alternative: Verfahren der Ermittlung von Teilabweichungen für ? mehrdimensionale Kostenfunktionen, bei dem die betrachtete ? Kosteneinflussgröße mit der Planausprägung und alle anderen Kosteneinflussgrößen mit der Istausprägung angesetzt werden. Abweichungsanalyse, kumulative: Verfahren der ? Abweichungsanalyse für ? mehrdimensionale Kostenfunktionen, bei dem die Teilabweichungen den verschiedenen ? Kosteneinflussgrößen in einer bestimmten Reihenfolge zugeordnet werden und die Summe der Teilabweichungen mit der Gesamtabweichung übereinstimmt.

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References

Zusammenfassung

Dieses Standardwerk liefert Ihnen einen umfassenden Überblick über die Aufgaben, Techniken und Systeme der Kosten- und Erlösrechnung. Zunächst führt es in die Grundlagen ermittlungsorientierter Systeme ein. Dazu gehören die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, ein Spektrum, das in jeder Vorlesung zur Kostenrechnung gelehrt wird. Daran schließt sich die Darstellung planungs- und verhaltenssteuerungsorientierter Systeme an. Dabei handelt es sich um Methoden wie Prozesskosten-, Grenzplankosten- oder Deckungsbeitragsrechnungen und Target Costing, die im Alltag von höchster praktischer Relevanz sind. Abgeschlossen wird das Buch durch die Behandlung aktueller Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Kostenrechnung. Hierbei spielen insbesondere die Herausforderungen der Preisregulierung bei den Strom-, Gas- und Telekommunikationsmärkten eine große Rolle.

Die Autoren

Prof. Dr. Marcell Schweitzer lehrte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Tübingen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Ulrich Küpper ist Inhaber des Lehrstuhls für Produktionswirtschaft und Controlling an der LMU in München.