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I. Bedeutung kostenrechnerischer Konzepte bei der Preisregulierung in:

Marcell Schweitzer, Hans-Ulrich Küpper

Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, page 825 - 825

10. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3804-8, ISBN online: 978-3-8006-4414-8, https://doi.org/10.15358/9783800644148_825

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
C. Spezifische Anforderungen und Konzepte der Kosten- und Erlösrechnung bei öffentlicher Preisregulierung I. Bedeutung kostenrechnerischer Konzepte bei der Preisregulierung In einer Reihe von Wirtschaftsbereichen vollziehen sich gegenwärtig Prozesse, durch die eine Liberalisierung von Märkten erreicht werden soll. Sie sind unter anderem ausgelöst durch die in verschiedenen Ländern zu beobachtende Privatisierung staatlicher Unternehmungen, die europäische Einigung sowie eine höhere Akzeptanz marktwirtschaftlicher Konzepte. Die Politik der Europäischen Union und insbesondere der Europäischen Kommission zielt explizit auf eine stärkere Liberalisierung der Märkte beispielsweise bei Telekommunikation, Wasser, Entsorgung, Energie (Strom und Gas), Bahn, Straßen oder Versicherungen ab. Eine Regulierung ist primär dort unumgehbar, wo monopolistische Engpassbereiche dauerhaft erhalten bleiben. Aber auch die Prozesse der Liberalisierung erfordern eine Regulierung, vor allem beim Übergang von staatlicher Verwaltung zu kommerziellen Wirtschaftsunternehmen. Für die mit der Regulierung aufgeworfenen Probleme kommt der Unternehmungsrechnung eine besondere Bedeutung zu. Dies liegt einmal darin begründet, dass eine Regulierung Transparenz erfordert und die Regulierungsprozesse nachprüfbar sein müssen. Zum anderen steht bisher häufig die kostenorientierte Preisregulierung im Vordergrund. Dafür soll die Kostenrechnung der betroffenen Unternehmungen die wesentlichen Informationen liefern. Begriffe und Konzepte der Kostenrechnung rücken in das Zentrum der Auseinandersetzung um die Entgeltfestsetzung. II. Determinanten der Preisregulierung 1. Form der Preisregulierung Die Bestimmung der Preise auf regulierten Märkten richtet sich nach der vom Gesetzgeber gewählten Regulierungsform. Als wichtigste Formen unterscheidet man ‚Price cap‘1178, ‚Revenue cap‘ und ‚Price cap with cost passthrough‘ Regulierung sowie das ‚Rate-of-return‘-System. Den deutlichsten Eingriff nimmt ein Regulierer bei der Einzelgenehmigung bzw. -festlegung von Entgelten vor1179. Dazu muss die einer Regulierung unterliegende Unternehmung einen Antrag auf Entgeltgenehmigung bei der Regulierungsbehörde stellen und durch entsprechende Unterlagen begründen. Mit der Entscheidung der Regulierungsbehörde liegt ein bestimmter Preis fest, der von der Unternehmung höchstens über eine Klage und einen darauf erfolgenden Gerichtsbeschluss geändert werden kann. Gesteht der Regulierer in dem Preis eine bestimmte Kapitalverzinsung zu, dann kann man die Einzelge- 1178 Vgl. hierzu ALEXANDER, I./MAYER C./WEEDS H. (Structure), S. 11 f.; KNIEPS, G. (Wettbewerbsökonomie), S. 83 ff. 1179 Vgl. REGULIERUNGSBEHÖRDE FÜR TELEKOMMUNIKATION UND POST (Tätigkeitsbericht), S. 153.

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Zusammenfassung

Dieses Standardwerk liefert Ihnen einen umfassenden Überblick über die Aufgaben, Techniken und Systeme der Kosten- und Erlösrechnung. Zunächst führt es in die Grundlagen ermittlungsorientierter Systeme ein. Dazu gehören die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, ein Spektrum, das in jeder Vorlesung zur Kostenrechnung gelehrt wird. Daran schließt sich die Darstellung planungs- und verhaltenssteuerungsorientierter Systeme an. Dabei handelt es sich um Methoden wie Prozesskosten-, Grenzplankosten- oder Deckungsbeitragsrechnungen und Target Costing, die im Alltag von höchster praktischer Relevanz sind. Abgeschlossen wird das Buch durch die Behandlung aktueller Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Kostenrechnung. Hierbei spielen insbesondere die Herausforderungen der Preisregulierung bei den Strom-, Gas- und Telekommunikationsmärkten eine große Rolle.

Die Autoren

Prof. Dr. Marcell Schweitzer lehrte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Tübingen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Ulrich Küpper ist Inhaber des Lehrstuhls für Produktionswirtschaft und Controlling an der LMU in München.