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III. Steuerung der Kosten im Target Costing in:

Marcell Schweitzer, Hans-Ulrich Küpper

Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, page 766 - 768

10. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3804-8, ISBN online: 978-3-8006-4414-8, https://doi.org/10.15358/9783800644148_766

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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4. Kapitel: Verhaltenssteuerungsorientierte Systeme der KER734 III. Steuerung der Kosten im Target Costing Die Steuerung der Kosten im Target Costing umfasst die Veranlassung (Durchsetzung) der geplanten Kostenobergrenzen als Handlungssoll, die Kontrolle der Kostenabweichungen und die Sicherung der gewählten Gestaltungsmaßnahmen. Die geplante Kostenobergrenze (Kostenvorgabe) Kjv für die Produktkomponente j kann dem Konstrukteur, der für die Komponente j zuständig ist, als Bedingung vorgegeben werden. An dieser Kostenobergrenze hat er sich bei seiner gesamten Konstruktionstätigkeit zu orientieren und für sie übernimmt er die Kostenverantwortung. Dabei muss er die Produktmerkmale so gestalten, dass er die vorgegebene Kostenobergrenze einhält. Der Konstruktionsprozess selbst beansprucht meist längere Zeit. Während der fortschreitenden Konstruktion erhöht sich der Informationsstand über die Produkteigenschaften zunehmend, und über die Ausprägung der einzelnen Produktmerkmale wird in verschiedenen Teilprozessen entschieden. Je weiter das Produkt im Konstruktionsprozess konkretisiert wird, desto zeitund kostenintensiver werden nachträgliche konstruktive Änderungen. Es erweist sich als zweckmäßig, bereits in frühen Konstruktionsphasen mit geringeren Konkretisierungsgraden des Produktentwurfs für die vorgegebenen Kostenobergrenzen Kostenkontrollen durchzuführen und möglichst früh Änderungs- bzw. Anpassungsmaßnahmen einzuleiten. Um Kostenkontrollen durchzuführen, muss der Konstrukteur in der Lage sein, die Kostenwirkungen seines jeweiligen Entwurfs zu prognostizieren bzw. zu schätzen. Diese Vorrechnungen hat er laufend mit den vorgegebenen Kostenobergrenzen zu vergleichen. Für eine gute Prognose benötigt er eine produktionstheoretisch fundierte Kostenfunktion, die ihn darüber informiert, wie einzelne Kostenkategorien von der Ausprägung der von ihm festgelegten Produktmerkmale abhängen. Fehlen ihm derartige Kenntnisse, muss er auf Schätzverfahren, z.B. eine Art der Suchkalkulation zurückgreifen1025. Bei der beschriebenen Kostenkontrolle handelt es sich um eine Planfortschrittskontrolle, die als Soll-Wird-Vergleich durchgeführt wird. Die Planfortschrittskontrolle dient sowohl einer Stärkung des Kostenbewusstseins der Konstrukteure als auch einer erfolgsorientierten Produktgestaltung während der gesamten Konstruktionsarbeit. Um sie effektiv zu gestalten, sind vorab Toleranzgrenzen festzulegen, in welchen sich auftretende Abweichungen bewegen dürfen. Beim Überschreiten dieser Toleranzgrenzen sind Abweichungsanalysen durchzuführen, die darauf abzielen, vorteilhaftere Lösungsalternativen zu entwickeln. Bei der Suche nach einer verbesserten Lösung kann als Steuerungsinstrument beispielsweise die Wertgestaltung (Value Engineering) eingesetzt werden. 1025 Vgl. dazu Kapitel 3., Abschnitt B.II., S. 326 ff. D. Target Costing 735 Das Objekt einer Wertgestaltung ist stets eine kritische Produktkomponente, deren Bestimmung (Identifikation) durch das Value Control Chart unterstützt werden kann1026. Als Kriterium für die Identifikation kritischer Produktkomponenten wird ein Wertindex jz herangezogen. Dieser wird für eine Komponente j als Quotient aus jw und jk definiert. Während jw die Komponentengewichte darstellen, sind jk die Anteile der jeweiligen Komponente an den Prognosekosten des geplanten Produkts. j j j k w z ? (4-51) Definiert man ein Koordinatensystem mit den Kostenanteilen jk und den Komponentengewichten jw als Achsen, lassen sich die festzulegenden Toleranzgrenzen für die Abweichungen zwischen Kostenanteil und Komponentengewicht durch die durchgezogenen Kurven in Abbildung 4-3232323232 darstellen. Die obere Grenze des Toleranzbereichs wird durch die Funktion ? ?joo wfk ? und die untere Grenze durch die Funktion ? ?juu wfk ? angegeben. In das gebildete Koordinatensystem (Value Control Chart) werden für alle kritischen Komponenten das jeweilige Komponentengewicht jw und der Kostenanteil jk eingetragen. k = wj j w j 0,4 0,4 k j k3j k1j k2j k = f (w )j j u u j k = f (w )j j o o j Abb. 4-32: Value Control Chart 1026 Vgl. TANAKA, M. (Design Phase), S. 60 ff. 4. Kapitel: Verhaltenssteuerungsorientierte Systeme der KER736 Abbildung 4-32 zeigt die Koordinatenwerte für drei Komponenten, von welchen die Komponenten 1 und 3 kritisch sind, weil sie sich außerhalb des Toleranzbereichs befinden. Da j3k oberhalb des Toleranzbereichs liegt, überschreiten die zugehörigen Prognosekosten der Komponente 3 die Kostenobergrenze. In diesem Falle muss durch Wertgestaltung versucht werden, für Komponente 3 einen niedrigeren Kostenanteil zu erreichen. Bei der Komponente 1, deren Koordinaten unterhalb des Toleranzkorridors liegen, stellt sich die Situation umgekehrt dar. Hier muss überprüft werden, ob diese Komponente unter Berücksichtigung der Kundenanforderungen verbessert werden kann. Das Value Control Chart bezweckt in erster Linie, Komponenten mit hohem Komponentengewicht und mit Überschreitung der Kostenobergrenze zu identifizieren, um sie einer Wertgestaltung zu unterziehen. Damit erweist sich die Wertgestaltung als ein wichtiges Instrument zur Realisation der geplanten Kostenobergrenzen und damit zur Kostensteuerung im Target Costing. IV. Aussagefähigkeit des Target Costing Das Target Costing als Ansatz zur erfolgsorientierten Planung und Steuerung von Produktkosten ist bisher intensiv für die Entwicklung und Konstruktion von Produkten ausgearbeitet worden. In dieser frühen Produktentstehungsphase ermöglicht es eine erfolgsorientierte Gestaltung von Funktionen und Komponenten neuer Produkte. Den Erfordernissen des Absatzmarktes wird in diesem Konzept dadurch entsprochen, dass Kundenanforderungen an das Produkt bereits in dessen Entstehungsphase umfassend berücksichtigt werden. Zu diesem Zweck werden Kostenobergrenzen des Gesamtprodukts über die Funktionen des Produkts bis auf dessen Komponenten nach ihrer Bedeutung für die Kunden heruntergebrochen. Die Konstruktionsarbeit an einzelnen Komponenten eines neuen Produkts kann damit erfolgsorientiert, d.h. marktorientiert, unter Ausrichtung auf eine hohe Kostenwirtschaftlichkeit durchgeführt werden. Die vorgegebenen Kostenobergrenzen sollen sicherstellen, dass ein fest geplanter Produkterfolg realisiert wird. Neben der Produktgestaltung kann das Target Costing auch der Gestaltung von Potentialen, Programmen oder Prozessen dienen. Noch nicht ausreichend untersucht ist die Frage, mit welchem Umfang Kosten (Voll- oder Teilkosten) in die Planung der Kostenobergrenzen eingehen sollen. Insbesondere ist zu klären, welche produktnahen Gemeinkostenkategorien für die Entscheidungen bei der Produktgestaltung relevant und wie sie auf die Produkte zu verrechnen sind. Zufriedenstellende Ergebnisse haben bisher Ansätze des Target Costing auf der Basis von Einzelkosten erbracht. Ob produktnahe Gemeinkosten mit Hilfe der Prozesskostenrechnung als relevante Kosten in den Ansatz integrierbar sind, ist eher problematisch. Schließlich ist auch zu klären, wie die Kosten zu behandeln sind, die nicht in die Kostenobergrenzen einbezogen werden. Bei der Planung von Kostenobergrenzen wird davon ausgegangen, dass ein mittel- bis langfristiger Planungshorizont zugrunde gelegt wird. Jedoch bleibt offen, mit welcher Präzision Kostenwirkungen der taktischen Investitions- und Programmplanung in das Konzept einbezogen werden

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Zusammenfassung

Dieses Standardwerk liefert Ihnen einen umfassenden Überblick über die Aufgaben, Techniken und Systeme der Kosten- und Erlösrechnung. Zunächst führt es in die Grundlagen ermittlungsorientierter Systeme ein. Dazu gehören die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, ein Spektrum, das in jeder Vorlesung zur Kostenrechnung gelehrt wird. Daran schließt sich die Darstellung planungs- und verhaltenssteuerungsorientierter Systeme an. Dabei handelt es sich um Methoden wie Prozesskosten-, Grenzplankosten- oder Deckungsbeitragsrechnungen und Target Costing, die im Alltag von höchster praktischer Relevanz sind. Abgeschlossen wird das Buch durch die Behandlung aktueller Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Kostenrechnung. Hierbei spielen insbesondere die Herausforderungen der Preisregulierung bei den Strom-, Gas- und Telekommunikationsmärkten eine große Rolle.

Die Autoren

Prof. Dr. Marcell Schweitzer lehrte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Tübingen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Ulrich Küpper ist Inhaber des Lehrstuhls für Produktionswirtschaft und Controlling an der LMU in München.