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I. Zwecksetzungen und Struktur von Principal-Agent-Modellen in:

Marcell Schweitzer, Hans-Ulrich Küpper

Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, page 673 - 680

10. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3804-8, ISBN online: 978-3-8006-4414-8, https://doi.org/10.15358/9783800644148_673

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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B. Institutionenorientierte Ansätze einer verhaltenssteuerungsorientierten Kosten- und Erlösrechnung (Principal-Agent- Ansätze) I. Zwecksetzungen und Struktur von Principal-Agent-Modellen 1. Zwecksetzungen von Principal-Agent-Modellen für die Kosten- und Erlösrechnung Die Agencytheorie ist ein Teil der Institutionentheorie, zu der neben ihr die Property-Rights- und die Transaktionskostentheorie gerechnet werden. Ein gemeinsames Merkmal dieser Theoriekonzepte liegt darin, dass sie Institutionen aus einem Netz verschiedenartiger Verträge heraus erklären und analysieren. Die Agency- oder Principal-Agent-Theorie erfasst Beziehungen zwischen einem oder mehreren Auftraggebern, den Principals, und einem oder mehreren Beauftragten oder Auftragnehmern, den Agents. Man fragt danach, wie das Verhalten des bzw. der Beauftragten durch die vertraglichen Regelungen gestaltet wird bzw. werden kann, die der Auftraggeber mit ihm schließt. In der positiven Agencytheorie ist man bestrebt, die institutionelle Gestaltung von Auftragsbeziehungen zu beschreiben und zu erklären. Diese Richtung hat einen starken empirischen Bezug. Kostenrechnerische Fragestellungen werden mit ihr kaum untersucht. Dagegen wird die normative Agencytheorie in zunehmendem Maße zur Analyse kostenrechnerischer Probleme der Verhaltenssteuerung herangezogen914. In dieser versucht man über formal-analytische Modelle herzuleiten, wie die Verträge zwischen Principal und Agent bei unterschiedlichen Bedingungen optimal zu gestalten sind. Dabei geht man in den Prämissen, der mathematischen Formulierung und der Ableitung von Modellergebnissen sehr streng vor. Durch die klare Angabe von Verhaltens- sowie Situationsprämissen und die Deduktion anhand mathematischer Modelle lassen sich formal abgesicherte Erkenntnisse herleiten. Im Unterschied zu verhaltenswissenschaftlichen Ansätzen besitzen der empirische Gehalt und die empirische Überprüfung der Prämissen sowie Ergebnisse dieser Modelle zumindest bislang kein zentrales Gewicht. Vielmehr handelt es sich um ein Konzept mikroökonomischer Analyse, bei dem die logische Analyse anhand formaler Modelle im Vordergrund steht. Mit der Betrachtung der Beziehungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer sind Principal-Agent-Modelle vor allem auf Probleme der Verhaltenssteuerung gerichtet. Deshalb lassen sie sich für die Kosten- und Erlösrechnung im Hinblick auf diesen Rechnungszweck nutzen. Mit ihnen erhält man ein Instrumentarium zur theoretischen Analyse von Ansätzen und Verfahren der Kosten- und Erlösrechnung. Daher handelt es sich nicht im eigent- 914 Zum Überblick EWERT, R./WAGENHOFER, A. (Unternehmensrechnung), S. 423 ff. 642 4. Kapitel: Verhaltenssteuerungsorientierte Systeme der KER lichen Sinn um Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, sondern um Ansätze für ihre theoretische Fundierung. 2. Prämissen und Problemstellungen von Principal-Agent-Modellen Den Ausgangspunkt für die Formulierung von Principal-Agent-Modellen bilden verschiedene Prämissen über die Eigenschaften der Vertragspartner. Sie betreffen vor allem ? deren Nutzenfunktionen einschließlich ? ihrer Einsatzbereitschaft und ? ihrer Risikobereitschaft sowie ? die Unvollkommenheit der Information und ? die Informationsstände. Man geht in der Agencytheorie strikt davon aus, dass jeder Vertragspartner seinen individuellen Nutzen verfolgt. Dieser betrifft primär monetäre Grö- ßen wie den (Bereichs)Gewinn oder das Gehalt, kann sich aber auch auf nicht-monetäre Nebeneinkünfte (fringe benefits, perquisites) wie Dienstwagen, Arbeitszimmer u.ä. erstrecken. Das 'egoistische' Nutzenstreben geht im Grenzfall so weit, dass man auch zu Normverletzungen bereit ist. Dies bezeichnet man als 'opportunistisches' Verhalten. Für die Vertragsgestaltung ist die Einsatzbereitschaft des Agent von Bedeutung, weil der Principal ihn steuern will. Deshalb wird für den Principal maßgebend, mit welchem Anstrengungsniveau sich der Agent einsetzt. Im Grundmodell der Principal-Agent-Theorie nimmt man an, dass der Agent Arbeitsleid oder Arbeitsaversion empfindet. Deshalb wird er nur insoweit im Sinne des Principal tätig, wie dies unvermeidlich ist und seinen eigenen Nutzen steigert. Mit dieser Prämisse unterstellt man wie in Bezug auf die individuelle Nutzenmaximierung eine extreme Verhaltensorientierung, wie sie in der Realität zwar zu finden ist, von der man allerdings nicht behaupten kann, dass sie allgemeingültig sei. Die konkrete Ausprägung bzw. Messung des Anstrengungs- oder Aktivitätsniveaus bleibt in den meisten Modellen offen. Sie kann z.B. am Umfang der Arbeitszeit, der Arbeitsgeschwindigkeit, der Sorgfalt oder an der Zahl der Aktivitäten ansetzen. Diese Vielfalt der Interpretierbarkeit erschwert die empirische Prüfung von Prämissen und Ergebnissen der Modelle. Die in der Agencytheorie untersuchten Probleme haben einen wesentlichen Grund in der Unvollkommenheit der Information. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und danach kann ein unvollständiges Wissen über die Umwelt, die Konsequenzen der Handlungen des Agent und/oder dessen Eigenschaften, Absichten sowie Handlungen bestehen. Daraus ergeben sich verschiedene Konsequenzen. Bei unvollkommener Information kann ein Entscheidungsträger nicht mit Sicherheit die für ihn beste Alternative auswählen. Ferner wird für seine Entscheidungsfindung die eigene Risikobereitschaft oder Risikoeinstellung wichtig. Deshalb wird für das Handeln und die Vertragsgestaltung bestimmend, ob der Principal sowie der Agent risikoneutral, risikoscheu (risikoavers) oder risikofreudig sind. B. Principal-Agent-Ansätze 643 Die unvollkommene Information hat weiter zur Folge, dass eine Informationsdivergenz zwischen ihnen auftreten kann. Die Informationsasymmetrie zwischen Principal und Agent bildet eine Prämisse und einen zentralen Untersuchungsgegenstand der Agencytheorie. Im Normalfall besitzt der Agent einen Informationsvorsprung in Bezug auf die von ihm zu treffenden Entscheidungen. Er kann deren Ergebnisse besser abschätzen und kennt seine eigenen Eigenschaften, Absichten sowie das von ihm realisierte Anstrengungsniveau besser. Die individuelle Nutzenverfolgung, die Arbeitsaversion des Agent und ihre Risikoeinstellungen führen in der Regel zu einer Interessendivergenz zwischen Principal und Agent. Der Principal kann nicht damit rechnen, dass der Agent ohne weiteres im Sinne des Principal handelt. Hierfür muss er ihm einen speziellen Anreiz bieten. Durch die Unsicherheit über den Agent und die Umwelt entstehen Risiken, die zwischen Principal und Agent aufzuteilen sind. Für beide Vertragspartner unterstellt man, dass sie die Maximierung ihres jeweiligen Risiko-Nutzens im Sinne der Bernoulli-Theorie anstreben und ihre Nutzenfunktionen gegeben sind. Der Interessenkonflikt zwischen ihnen und die Unsicherheit führen damit zu zwei Problemen, einem Anreizund einem Risikoteilungsproblem. Mit dem zu schließenden Vertrag wird einerseits festgelegt, in welchem Ausmaß jeder von beiden das Risiko über die Ergebnisse (mit)trägt. Andererseits soll durch den Vertrag ein Anreizoder Belohnungssystem eingerichtet werden, das den Agent motiviert, z.B. durch einen intensiven Arbeitseinsatz zu hohen Ergebnissen im Sinne des Principal zu gelangen. Ein Kernproblem liegt darin, dass der Principal in den meisten Fällen nicht gleichzeitig eine für ihn optimale Risikoteilung oder Risikoallokation und eine maximale Anreizfunktion erreichen kann. Zwischen beiden Zielsetzungen muss ein Ausgleich gefunden werden. Ver- Typ hidden hidden hidden gleichs- characteristics information action kriterium Entstehungs- vor Vertragsabschluß nach Vertragsabschluß nach Vertragsabschluß zeitpunkt vor Entscheidung nach Entscheidung Entstehungs- ex-ante verborgene nicht beobachtbarer nicht beobachtbare ursache Eigenschaften des Informationsstand Aktivitäten des Agents des Agents Agents Problem Eingehen der Ver- Ergebnisbeurteilung Verhaltenstragsbeziehung (Leistungs-) beurteilung Resultierende adverse selection moral hazard moral hazard Gefahr shirking Lösungs- signalling Anreizsysteme Anreizsysteme ansätze screening Kontrollsysteme Kontrollsysteme self selection self selection Abb. 4-6: Formen der Informationsasymmetrie Unterschiedliche Problemtypen werden erkennbar, wenn man die Art der asymmetrischen Informationsverteilung zwischen Principal und Agent näher betrachtet. Dabei ist zu beachten, worauf sich die Unvollkommenheit der Information jeweils bezieht. Für die logisch exakte Analyse ist darüber hinaus 644 4. Kapitel: Verhaltenssteuerungsorientierte Systeme der KER bedeutsam, ob die Informationsasymmetrie vor oder nach Vertragsabschluss zwischen Principal und Agent sowie vor oder nach der Entscheidung des Agents auftritt. Berücksichtigt man diese Aspekte, so lassen sich die in Abbildung 4-6 wiedergegebenen typischen Problemstellungen unterscheiden, die in den Fällen der hidden characteristics, hidden information und hidden action gesehen werden können. In der Situation der hidden characteristics kennt der Principal die Eigenschaften des Agent vor Vertragsabschluss nicht. Ihm sind beispielsweise dessen Begabung und Fähigkeiten, Risikoeinstellung und Grad der Arbeitsaversion verborgen. Deshalb läuft er Gefahr, Verträge anzubieten, auf die sich nicht die geeigneten Personen z.B. für die Übernahme eines Bereichs oder einer Kostenstelle bewerben. Dieses Problem ist auf Informationsasymmetrien zurückzuführen, die schon ex ante, d.h. vor Vertragsabschluss bestehen. Sie werden als adverse selection-Risiken (Risiken einer nachteiligen Auslese) bezeichnet. Beide Vertragspartner können diesen Risiken entgegensteuern. So kann der Principal z.B. Personaleinstellungstests vorsehen, die seinen Informationsstand verbessern. Derartige Maßnahmen werden als screening, d.h. als Wissenserarbeitung, bezeichnet. Ferner kann er dem Agent mehrere Verträge anbieten, um von der Auswahl des Agent auf dessen Eigenschaften zu schließen. Dann erfolgt die Lösung über eine self selection, d.h. eine Selbstauslese. Beispielsweise wird ein in hohem Grade risikoscheuer Agent eher ein fixes als ein ergebnisabhängiges Gehalt bevorzugen. Auch der Agent kann ein Interesse daran haben, den Principal über seine Eigenschaften zu informieren. Solange nämlich der Principal seine Fähigkeiten nicht kennt, muss er sie als durchschnittlich einschätzen und ihm ein entsprechendes Vertragsangebot unterbreiten. Kann er dagegen von der höheren Qualifikation des Agent überzeugt werden, so ist ein für diesen besserer Vertrag erzielbar. Um dies zu erreichen, kann der Agent im Sinne eines signalling, d.h. einer Wissensübertragung, Informationen aussenden, durch die er den Principal von seinen Qualitätseigenschaften überzeugt. Eine solche Signalling-Funktion kann u.a. Zeugnissen (über Erfahrungen im Rechnungswesen anderer Firmen) zukommen. Die hidden information-Situation zielt auf das Problem ab, dass der Agent im Zeitpunkt der Entscheidung einen Informationsvorsprung gegenüber dem Principal besitzt, den er zu seinem eigenen Vorteil gegen den Principal nutzen kann. Beim Vertragsabschluss weisen beide noch denselben Informationsstand auf. Danach erlangt der Agent zusätzliche Kenntnisse über die verfügbaren Entscheidungsalternativen beispielsweise bei Programm-, Verfahrens- und Preisentscheidungen oder die Wahrscheinlichkeitsverteilung der für sie relevanten Umweltzustände bzw. der mit ihnen erzielbaren Ergebnisse. Sie können sich u.a. aus den Erfahrungen ergeben, die er nach Vertragsabschluss durch seine Tätigkeit im betreffenden Bereich gewinnt, oder aus einer aktiven Suche nach Informationen für die anstehende Entscheidung. Da für ihn allein seine individuelle Nutzenmaximierung bestimmend ist, wird er sich lediglich in dem Ausmaß um Informationen bemühen und dem Principal nur solche Informationen weitergeben, wie es diesem Ziel dient. Deshalb kann der Principal nicht ohne weiteres mit einer aktiven B. Principal-Agent-Ansätze 645 Informationssuche sowie einer wahrheitsgemäßen Berichterstattung rechnen. Er muss das mit der Entscheidung des Kosten- oder Erlösverantwortlichen erzielte Ergebnis beurteilen, ohne zu wissen, ob mit dessen Informationsstand bzw. durch die Suche nach weiteren Informationen niedrigere Kosten bzw. höhere Erlöse erreichbar gewesen wären. Das für ihn hieraus erwachsende Risiko betrifft eine bestehende Vertragsbeziehung und resultiert aus seinem Informationsnachteil gegenüber dem Agent. Derartige ex post-Risiken in Bezug auf den Vertragsabschluss bezeichnet man als moral hazard-Risiken, die ein verborgenes Handeln betreffen. Um ihnen zu begegnen, muss der Principal Anreize vereinbaren, welche den Agent zu intensiven Informationsanstrengungen und wahrheitsgemäßer Information veranlassen. Diese führen im Sinne der self selection dazu, dass der Agent von sich aus auch zum Nutzen des Principal handelt. Ferner kann der Principal Kontrollsysteme einrichten, mit denen er den Informationsstand des Agent besser erkennen kann, was jedoch Kosten verursacht. Ein weiteres Problem kann darin liegen, dass der Principal zwar die Ergebnisse, aber nicht das Handeln des Agent beobachten kann. Er kann daher nicht feststellen, inwieweit z.B. die Höhe von Kosten bzw. Erlösen auf Umwelteinflüsse oder auf die Anstrengungen des betreffenden Bereichs- bzw. Stellenleiters zurückzuführen sind. In dieser hidden action- Situation sind der Informationsstand von Principal und Agent bei Vertragsabschluss und bis zum Entscheidungszeitpunkt gleich. Erst danach kommt es zu einer Informationsasymmetrie, weil der Principal im Unterschied zum Agent dessen Aktivitätsniveau nicht erkennen kann. Deshalb kann der Kosten- oder Erlösverantwortliche behaupten, unbefriedigende Ergebnisse seien auf die Umwelt und nicht auf seine mangelnden Anstrengungen zurückzuführen. Der Principal ist nicht in der Lage, das Verhalten beispielsweise eines Kostenstellenleiters und damit dessen Leistung zuverlässig zu beurteilen. Es besteht die Gefahr, dass sich der Agent um seine Arbeit 'drückt' (shirking). Ihr kann der Principal wiederum durch geeignete Anreiz- oder durch Kontrollsysteme entgegenwirken. Die Anreize müssen hierbei vertraglich so vereinbart werden, dass der Kosten- oder Erlösverantwortliche ein Interesse an Aktivitäten hat, die zu einem für den Principal besseren Ergebnis führen. Die mangelnde Beobachtbarkeit des Handelns und/oder des Informationsstands bewirkt das Risiko, dass der Agent individuelle Ziele zu Lasten des Principal im Sinne eines moral hazard verfolgt. Ihr muss der Prinicpal im Vertrag zu begegnen versuchen. 3. Standardmodell der Principal-Agent-Theorie Für die Herleitung von Aussagen zur optimalen Gestaltung von Verträgen über Systeme zur Verhaltenssteuerung mit Hilfe von Anreizen, Kontrollen u.a. formuliert man in der Principal-Agent-Theorie Entscheidungsmodelle, die auf genau gekennzeichneten Prämissen beruhen. Das grundsätzliche Vorgehen kann an einem Standardmodell verdeutlicht werden, das sich auf eine hidden action-Situation bezieht. In ihr soll das optimale Anreiz- oder Belohnungssystem ausgewählt werden. Da der Principal nur das Ergebnis der Handlung des Agent, aber nicht diese selbst beobachten kann, versucht er, 646 4. Kapitel: Verhaltenssteuerungsorientierte Systeme der KER den Agent durch das Anreizsystem zu einem hohen Anstrengungsniveau zu veranlassen. Der Nutzen des Principal G hängt ausschließlich von dem erzielten finanziellen Erfolg x (z.B. Zahlungsüberschuss, Cash Flow, Gewinn) abzüglich des an den Agent zu zahlenden Anteils )x(s ab: ))x(s-x(G In dieser Nutzenfunktion des Principal schlägt sich die Risikoeinstellung nieder. Sofern der Principal risikoneutral oder risikoscheu ist, gilt915 0>))x(s-x('G und 0))x(s-x(''G ? . Vielfach geht man von einem risikoneutralen Principal mit einer linearen Nutzenfunktion aus. Für die Nutzenfunktion H des Agent unterstellt man im Allgemeinen, dass sie in zwei Bestandteile U und V additiv separierbar ist. Sein Nutzen H hängt von der erhaltenen monetären Belohnung )x(s ab und wird durch das von ihm empfundene Arbeitsleid a vermindert. Wenn U und V die jeweilige Nutzenwirkung angeben, erhält man für den Agent die Nutzenfunktion: )a(V-))x(s(U=)a),x(s(H Der Nutzen aus der Belohnung nimmt linear oder unterlinear zu ( 0>'U und 0''U ? ), das Arbeitsleid mit wachsender Anstrengung überlinear ( 0>'V und 0>''V ). Der Agent wird als risikoneutral oder in den meisten Fällen als risikoscheu angenommen. Der Principal muss für die Bestimmung eines optimalen Anreizsystems ein Entscheidungsproblem lösen. Dabei will er seinen Erwartungsnutzen ? ?))x(s-x(GEmax )x(s maximieren, muss jedoch das erwartete Handeln des Agent über Nebenbedingungen einbeziehen. Diese betreffen zum einen dessen Bereitschaft zum Vertragsabschluss und damit zur Mitwirkung. Man bringt sie in einer Kooperationsbedingung oder participation constraint zum Ausdruck, nach welcher der Erwartungsnutzen ? ?HE des Agent zumindest so groß wie ein anderweitig erzielbarer Reservationsnutzen H sein muss: ? ? H)a),x(s(HE ? Durch sie wird eine Mindestentlohnung des Agent festgelegt, die durch den Arbeitsmarkt für dieselbe Qualifikation bestimmt sein kann. Über sie wird ansatzweise ein Marktbezug hergestellt. Zum anderen muss der Principal beachten, dass der Agent dasjenige Anstrengungsniveau a' realisiert, bei dem er seinen individuellen Nutzen maximiert. Deshalb gilt die weitere Nebenbedingung916 915 Vgl. HOLMSTRÖM, B. (Moral Hazard), S. 76. B. Principal-Agent-Ansätze 647 ? ?)'a),x(s(HEargmaxa A'a? ? Diese Nebenbedingung ist notwendig, weil der Principal nur das Ergebnis, aber nicht die es bewirkende Anstrengung des Agent beobachten kann. Sie gibt die moral hazard-Situation wieder und wird auch als incentive compatibility constraint bezeichnet. Der Principal muss dem Agent einen Anreiz geben, das unter diesen beiden Nebenbedingungen beste Anstrengungsniveau zu wählen. Für die von beiden zu treffenden Entscheidungen und damit den Vertragsabschluss sind ihre Erwartungen maßgebend. Der zu diesem Zeitpunkt gleiche Informationsstand drückt sich darin aus, dass beide dasselbe Wahrscheinlichkeitsurteil für die Abhängigkeit des Ergebnisses von Arbeitsleid bzw. Anstrengung a besitzen. Diese wird durch die bedingte Dichtefunktion )a|x(f wiedergegeben, die bezüglich a differenzierbar sei. Dabei wird unterstellt, dass sich die zugehörige Verteilungsfunktion )a|x(F mit zunehmendem a nach rechts verschiebt. Mit der Dichte )a|x(f kann man die jeweiligen Erwartungswerte bestimmen und das Optimierungsproblem wie folgt formulieren: dx)a|x(f))x(sx(Gmax s(x) ? ?? unter den Nebenbedingungen Hdx)a|x(f)a),x(s(H ??? und ? ?? ? dx)'a|x(f)'a),x(s(Hmaxarga A'a Zur Analyse des Modells und seiner Lösung fragt man, welchen Erfolg der Principal im besten Fall erzielen kann. Dieser wäre erreichbar, wenn der Principal die Anstrengung des Agent beobachten könnte und damit die zweite Nebenbedingung nicht berücksichtigt werden müsste. Diese Lösung wird als First-Best-Lösung bezeichnet und kann mit Hilfe eines Lagrange- Ansatzes hergeleitet werden. Man erhält dann ))x(s('U=))x(s-x('G ? . (4-2) Die incentive compatibility constraint erfordert, dass )x(s streng monoton wachsend in x ist. Daher wird nach (4-2) der Agent umso besser bezahlt und erhält der Principal umso mehr, je höher der Erfolg ausfällt. Der Lagrange-Multiplikator ? kann als Opportunitätskostensatz interpretiert werden, den der Principal wegen des Vertragsverhältnisses bezahlen muss. Er könnte nämlich sein Ergebnis verbessern, wenn er den Vertrag nicht eingehen müsste. Hierbei handelt es sich um spezielle Transaktionskosten. 916 Der Operator argmaxa A'? liefert dasjenige Argument A'a ? , das den Operand (hier den erwarteten Nutzen) maximiert. 648 4. Kapitel: Verhaltenssteuerungsorientierte Systeme der KER Da der Principal jedoch die Handlungen des Agent nicht beobachten kann, wird auch die zweite Nebenbedingung wirksam. Damit gelangt man zu der Second-Best-Situation. Die Lösung dieses Optimierungsproblems hängt von der Art der Risikonutzenfunktionen G, U und V sowie der Anreizfunktion s ab. Für sie werden verschiedene algebraische und graphische Verfahren917 herangezogen. Ein wichtiges qualitatives Ergebnis für das Modell der hidden-action-Situation liegt darin, dass in den Fällen, in denen einer von beiden risikoscheu und der andere risikoneutral ist, das Risiko eher von dem risikoneutralen Vertragspartner zu tragen ist. Deshalb nimmt das optimale Anreizsystem im Fall eines risikoneutralen Agent bei risikoscheuem Principal die Gestalt F-x=)x(s an. Dann erhält der Principal ein vereinbartes Fixum in Höhe von F, während dem Agent der risikobehaftete Überschuss zufließt. Dies entspricht beispielsweise der Verpachtung oder dem Verkauf einer (Teil-) Unternehmung an Manager sowie der Vereinbarung eines Festpreises bei Auftragsfertigung918. Im umgekehrten Fall muss der risikoneutrale Principal dem risikoscheuen Agent eine fixe Vergütung in Höhe des Mindestreservationsnutzens H bezahlen. Dafür übernimmt er das volle Risiko und steht ihm der Überschuss H-x zu. Jedoch gehen von einem Fixum keine Anreizwirkungen auf den Agent aus. Damit ist in diesem Fall wie bei Risikoscheu beider Vertragspartner keine perfekte Risikoteilung möglich ist. Dem Agent muss ein Anreiz dafür gewährt werden, dass er sich anstrengt und hierdurch ein für beide besseres Ergebnis x erzielt. Damit ist die Second-Best- schlechter als die First- Best-Lösung. Deshalb muss es zu einem Ausgleich zwischen Risikoteilung undMotivation kommen. Die Risikoneigung beider Vertragspartner beeinflusst somit die Struktur des optimalen Anreizsystems. Je geringer die Risikoscheu des Agent, desto eher sind ergebnisbezogene Anreize geeignet, seine Anstrengung zu steigern. Mit zunehmender Risikoscheu des Agent gewinnen dagegen verhaltensbezogene Bestandteile in Anreizsystemen an Bedeutung, weil dann ergebnisbezogene Anreize die Risikoteilung für den Principal verteuern. In umgekehrter Weise wirkt die Risikobereitschaft des Principal. Ferner hängt die Lösung von der Beeinflussbarkeit des Ergebnisses durch die Anstrengung des Agent ab. II. Anwendung von Principal-Agent-Modellen auf wichtige Verhaltenssteuerungsprobleme der Kosten- und Erlösrechnung Eine mit Modellen der Agencytheorie intensiv behandelte Fragestellung besteht darin, ob und wie sich das Verhalten von Bereichsleitern über die Zurechnung von Gemeinkosten steuern lässt. Dabei geht man von einer divisio- 917 Vgl. HOLMSTRÖM, B. (Moral Hazard), S. 77; LAUX, H. (Risiko), S. 42 ff. 918 Vgl. LAUX, H. (Risiko), S. 78.

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References

Zusammenfassung

Dieses Standardwerk liefert Ihnen einen umfassenden Überblick über die Aufgaben, Techniken und Systeme der Kosten- und Erlösrechnung. Zunächst führt es in die Grundlagen ermittlungsorientierter Systeme ein. Dazu gehören die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, ein Spektrum, das in jeder Vorlesung zur Kostenrechnung gelehrt wird. Daran schließt sich die Darstellung planungs- und verhaltenssteuerungsorientierter Systeme an. Dabei handelt es sich um Methoden wie Prozesskosten-, Grenzplankosten- oder Deckungsbeitragsrechnungen und Target Costing, die im Alltag von höchster praktischer Relevanz sind. Abgeschlossen wird das Buch durch die Behandlung aktueller Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Kostenrechnung. Hierbei spielen insbesondere die Herausforderungen der Preisregulierung bei den Strom-, Gas- und Telekommunikationsmärkten eine große Rolle.

Die Autoren

Prof. Dr. Marcell Schweitzer lehrte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Tübingen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Ulrich Küpper ist Inhaber des Lehrstuhls für Produktionswirtschaft und Controlling an der LMU in München.