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IV. Aussagefähigkeit der periodischen Planerfolgsrechnung in:

Marcell Schweitzer, Hans-Ulrich Küpper

Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, page 430 - 434

10. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3804-8, ISBN online: 978-3-8006-4414-8, https://doi.org/10.15358/9783800644148_430

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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3. Kapitel: Planungsorientierte Systeme der KER398 IV. Aussagefähigkeit der periodischen Planerfolgsrechnung Das grundlegende Rechnungsziel der periodischen Planerfolgsrechnung besteht in der Ermittlung bzw. Prognose des gesamten Periodenerfolgs einer Unternehmung oder eines Teils davon. Ihm wird in diesem System aus praktischer Sicht eine sehr hohe Bedeutung als Steuerungs- und Beurteilungsgröße beigemessen504. Die Problematik einer Zurechnung von längerfristig gebundenen Einsatzgütern (z.B. Maschinen) auf Perioden wird gesehen. Dennoch wird es als notwendig erachtet, die Unternehmungsrechnung auf ein einziges Rechnungsziel auszurichten. Dies sei besser, als eine Vielzahl unterschiedlicher Zielgrößen beispielsweise in Form von Deckungsbeiträgen zu ermitteln. Damit werden alle Probleme einer periodengemäßen Zurechnung und Abgrenzung von Erfolgsgrößen wie Abschreibungen, Reparaturen, Werbekosten u.a. bewusst in Kauf genommen. Auf die praktische Durchführbarkeit wird mehr Gewicht als auf eine theoretischkonzeptionelle Geschlossenheit gelegt. In der Ausrichtung auf den Periodenerfolg und seine Berechnung über die periodenbezogenen Einsatz- und Absatzmengen liegt der zentrale Unterschied dieses Systems zu den stückbezogenen Rechnungssystemen der Vollund Teilkostenrechnungen. Die fixen Verbrauchsmengen werden in der Planerfolgsrechnung eigenen Einflussgrößen (z.B. zeitbezogenen Größen wie Monatsfaktoren) zugerechnet oder sind als Absolutglieder in den Einflussgrößenfunktionen enthalten. Insoweit wird in diesem Rechnungssystem eine Schlüsselung der Fixkosten vermieden. Da im Regelfall keine stückbezogene Rechnung angestrebt wird, tritt das Problem nicht auf, ob Vollkosten oder lediglich Teilkosten auf die Produkte verteilt werden dürfen505. Dennoch ist es möglich, für bestimmte Zwecke, wie die Bestandsbewertung, produktbezogene Rechnungen auf Voll- oder Teilkostenbasis durchzuführen. Solche Rechnungen gelten aber nur für die jeweilige Betriebssituation. Dieses System vermeidet somit weitgehend die Probleme einer Zurechnung von Kosten und Erlösen auf Produkte. Mit Hilfe der Kosten- und Erlösfunktionen ermöglicht die periodische Planerfolgsrechnung eine Prognose des Periodenerfolgs für vorgegebene Ausprägungen der primären Einflussgrößen und der Preise. Mit ihr kann dieser Erfolg für alternative Ausprägungen dieser Größen schnell ermittelt werden. So lassen sich beispielsweise die Auswirkungen von Preisänderungen durch Eingeben der neuen Preisvektoren leicht herleiten. Ferner kann man untersuchen, wie sich verschiedenartige Produktionsprogramme, Anpassungsformen der Produktionsprozesse oder unterschiedliche Einsatzgüterkombinationen auf den Periodenerfolg auswirken. Die von einer Alternative hervorgerufene Änderung des Periodenerfolgs kann ihr als Grenzerfolg zugerechnet werden. Man stellt also Alternativenüberlegungen an und ermittelt für sie periodenbezogene Grenzerfolge und Erfolgsdifferenzen. In der Planung dient die Planerfolgsrechnung dazu, die erfolgsmäßigen Konsequenzen verschiedener Handlungsalternativen zu prognostizieren und zu analysieren. Somit 504 Vgl. LAßMANN, G. (Gestaltungsformen), S. 15. 505 Vgl. LAßMANN, G. (Erlösrechnung), S. 162. C. Periodische Planerfolgsrechnung 399 hat sie in erster Linie den Charakter einer Prognoserechnung. Durch die Formulierung von Zielfunktionen lässt sie sich aber zu einfachen Optimierungsrechnungen ausbauen. Die in ihr enthaltenen Gleichungen für Gütermengenbeziehungen und Ungleichungen für Nebenbedingungen liefern wichtige Bausteine zur Formulierung von Optimierungsmodellen beispielsweise der Programm- oder Verfahrensplanung. Jedoch wird es nur für zweckmäßig angesehen, Optimierungen für kleinere Teilprobleme vorzunehmen. Die Planerfolgsrechnung stellt daher ein aussagefähiges Instrument für die kurzfristige und einperiodige Planung der Unternehmung dar. Für die Kontrolle von Unternehmensprozessen können durch Einsetzen der realisierten Isteinflussgrößen Sollwerte der Kosten und Erlöse ermittelt und den Istwerten gegenübergestellt werden. Die Abweichungen lassen sich mit Hilfe der Einflussgrößenfunktionen sehr genau und tiefgehend analysieren. Da die Einflussgrößenfunktionen die maßgeblichen Bestimmungsgrößen und Beziehungen abbilden, kann im Einzelnen untersucht werden, welche Einflussgrößenänderungen aufgetreten sind und welche Kosten-, Erlös- sowie Erfolgsabweichungen sie bewirkt haben. Diese Abweichungsanalyse kann sich entsprechend Abbildung 3-71 auf die Erlös- und die Kostenseite sowie auf Preis- und Mengenabweichungen erstrecken. Bei Vorliegen eines ausgebauten Betriebskostenmodells kann sie darüber hinaus verschiedene spezielle Abweichungen aufzeigen. Diese sind entweder als Differenz zwischen Planund Soll(richt)kosten auf betriebliche Entscheidungen oder als Differenz zwischen Soll- und Istkosten auf die Produktionsdurchführung und deren Wirtschaftlichkeit zurückzuführen. Die periodische Planerfolgsrechnung stellt die betrieblichen Produktionsbzw. Absatzprozesse in den Mittelpunkt der Betrachtung und versucht, sie durch Aufstellung und empirische Bestätigung von Gleichungen sowie Ungleichungen relativ genau abzubilden. Die Gliederung in Kostenstellen tritt gegenüber der Analyse dieser Prozesse zurück. Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung sind keine konstitutiven Komponenten dieses Rechnungssystems, sie können aber in Form zusätzlicher Rechnungen eingefügt werden. Das Rechnungsziel der erfolgsbezogenen Planung des gesamten Unternehmungsprozesses oder einzelner Betriebsbereiche und ihrer Umsetzung hat mehr Gewicht als die kostenbezogene Planung und Steuerung von Stellen. Da die periodische Planerfolgsrechnung relevante Informationen für einperiodige Entscheidungsprobleme liefert, ist sie ein zweckmäßiges Instrument der kurzfristigen Planung und deren Realisation. Ihre Anwendungsgebiete sind Industrieunternehmungen "mit kurzzeitiger Sorten- und Serienfertigung – also Fertigungs- und Vertriebsprozessen, die weniger als ein Quartal oder sogar einen Monat in Anspruch nehmen"506. Für diesen Produktionstyp stellt sie ein geeignetes Informationsinstrument dar, das um ein umfassendes Kennzahlensystem ausgebaut werden kann. Bei ihm wird die periodische Erfolgsrechnung für wichtiger als stückbezogene Rechnungen angesehen. Dagegen benötigt man bei langzeitiger Einzelfertigung, wie der Erstellung von Großprojekten (z.B. Kraftwerken, Großanlagen u.a.), eine stückbezogene 506 LAßMANN, G. (Gestaltungsformen), S. 16. 3. Kapitel: Planungsorientierte Systeme der KER400 Auftrags- oder Produkterfolgsrechnung mit Planungs- und Steuerungscharakter. Auf derartige Produktionstypen sind periodische Planerfolgsrechnungsmodelle nicht ausgerichtet. Abb. 3-71: System der Abweichungsarten in der periodischen Planerfolgsrechnung507 Eine weitere Grenze dieser Rechensysteme ist in dem hohen Aufwand für die Bestimmung der Einflussgrößenfunktionen zu sehen. In der praktischen Durchführung ist es häufig unumgänglich, Vereinfachungen (Reduktionen) vorzunehmen und sich mit einem begrenzten Präzisionsgrad zufrieden zu geben. Die Leistungsfähigkeit der automatisierten Datenverarbeitung verringert jedoch dieses Problem. Auch für die Bestimmung der Einflussgrößenfunktionen mit Hilfe statistischer Verfahren sind entsprechende Softwareprogramme verfügbar. Die Berechnungen der Kosten, Erlöse und Periodenerfolge für erwartete bzw. alternative Ausprägungen der Einflussgrößen 507 Vgl. LAßMANN, G. (Gestaltungsformen), S. 14. E rf o lg sa b w e ic h u n g e n K o st e na bw ei ch un ge n (d er B et rie be un d K os te n st e lle n) P re is a b w e ic hu n g e n A b sa tz m e n g en u n d L a g er a b w e ic h u n g e n P re is a b w e ic hu n g e n b e ii n n e rb e tr ie b lic h e n u n d fr e m d b e zo g e n e n G ü te rn K o st e ng ü te ra b w ei ch u n g e n E nt sc he id u ng sb ed in g t A us fü hr un gs b ed in gt E rz e u gn is p ro g ra m m a b w e ic h u n g e n V er fa hr e n sa b w e ic h un g e n M a te ri a ls u b st itu tio n sa b w e ic h u n g e n Z e ita bw e ic h u n g en L e is tu n g sa b w e ic h u n g e n A u sb e u te a b w e ic h u n g e n A b w e ic h u n g e n a u s so n st ig e n M e h ro d e r M in de rv er br äu ch e n E rl ö sa b w e ic h u n g e n (d e r V e rk a u fs b e re ic h e ) C. Periodische Planerfolgsrechnung 401 lassen sich ebenfalls mit Hilfe der EDV effizient und schnell durchführen. Dennoch erfordern insbesondere die Einführung, aber auch die laufende Anpassung und Pflege eines theoretisch fundierten Rechnungssystems dieser Art mit einer Vielzahl von Gleichungen bzw. Ungleichungen einen hohen Arbeitsaufwand. D. Systeme der Plankosten- und -erlösrechnung auf Teilkostenbasis I. Grenzplankosten- und Deckungsbeitragsrechnung 1. Grundprinzipien und Ausprägungen von Teilkosten- und -erlösrechnungen auf der Basis variabler Kosten Charakteristisch für alle Teilkostenrechnungen auf der Basis variabler Kosten ist die strikte Trennung in fixe und variable Kosten. Sie erfordert eine Kostenaufspaltung, die in der Kostenartenrechnung vorzunehmen und auf die Kostenstellen zu beziehen ist. In beiden Komponenten werden die gesamten Kosten ausgewiesen, differenziert nach ihren variablen und fixen Anteilen. Das zentrale gemeinsame Merkmal dieser Rechnungssysteme besteht aber darin, dass lediglich die variablen Kosten bis auf die Kostenträgereinheiten zugerechnet werden. Darin zeigt sich ihr Teilkostencharakter. Die innerbetriebliche Leistungsverrechnung und die Kalkulation beschränken sich damit auf die variablen Kosten. Die Periodenerfolgsrechnung ist in diesen Systemen meist zu einer Deckungsbeitragsrechnung ausgebaut. Das Wort Deckungsbeitrag gehört zu den Begriffen der Kosten- und Erlösrechnung, die von der Praxis besonders intensiv aufgegriffen wurden508. Mit ihm bezeichnet man im Allgemeinen die Differenz zwischen den Erlösen und den variablen sowie gegebenenfalls direkt zurechenbaren fixen Kosten. Deshalb verwendet man für diese Teilkostenrechnungssysteme häufig auch die Bezeichnung Deckungsbeitragsrechnung. Um die Informationen für Planungs-, Steuerungs- und Kontrollzwecke zu nutzen, werden diese Systeme in der Regel als Planrechnungen konzipiert. Dies schließt entsprechend gestaltete Istrechnungen ein. Vor allem in der Einführungsphase können sie auch als bloße Istrechnungen aufgebaut werden. Die Verrechnung allein der variablen Kosten bis auf die Kostenträgereinheiten führt dazu, dass in der Periodenerfolgsrechnung die Bestände an Halbund Fertigerzeugnissen sowie deren Veränderungen lediglich mit den Teilkosten angesetzt werden. Dies wirkt sich auf die Höhe des Periodengewinns aus. Je nach unterschiedlicher Gestaltung einzelner Komponenten bzw. des verfolgten Rechnungszwecks gibt es mehrere Ausprägungen von Kosten- und Erlösrechnungen auf der Basis variabler Kosten. Planungsorientierte Systeme stellen primär Informationen für die Entscheidungsfindung bereit. In ihnen spielt die Prognose von Kosten und Erlösen eine zentrale Rolle. Daher stellen 508 Vgl. PLAUT, H.-G. (Flexible Plankostenrechnung), S. 357 ff.

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Zusammenfassung

Dieses Standardwerk liefert Ihnen einen umfassenden Überblick über die Aufgaben, Techniken und Systeme der Kosten- und Erlösrechnung. Zunächst führt es in die Grundlagen ermittlungsorientierter Systeme ein. Dazu gehören die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, ein Spektrum, das in jeder Vorlesung zur Kostenrechnung gelehrt wird. Daran schließt sich die Darstellung planungs- und verhaltenssteuerungsorientierter Systeme an. Dabei handelt es sich um Methoden wie Prozesskosten-, Grenzplankosten- oder Deckungsbeitragsrechnungen und Target Costing, die im Alltag von höchster praktischer Relevanz sind. Abgeschlossen wird das Buch durch die Behandlung aktueller Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Kostenrechnung. Hierbei spielen insbesondere die Herausforderungen der Preisregulierung bei den Strom-, Gas- und Telekommunikationsmärkten eine große Rolle.

Die Autoren

Prof. Dr. Marcell Schweitzer lehrte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Tübingen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Ulrich Küpper ist Inhaber des Lehrstuhls für Produktionswirtschaft und Controlling an der LMU in München.