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I. Zwecke der Kosten- und Erlösstellenrechnung in:

Marcell Schweitzer, Hans-Ulrich Küpper

Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, page 154 - 155

10. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3804-8, ISBN online: 978-3-8006-4414-8, https://doi.org/10.15358/9783800644148_154

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
B. Kosten- und Erlösstellenrechnung I. Zwecke der Kosten- und Erlösstellenrechnung Während die Kosten- und Erlösartenrechnung auf eine isomorphe Erfassung und zweckgerichtete Gliederung der Kosten und Erlöse ausgerichtet ist, steht im Vordergrund der Stellenrechnung die Kennzeichnung der Orte bzw. der Partialprozesse, in denen die Kosten und Erlöse entstehen. Die gesamte Unternehmung wird für diesen Zweck in Abrechnungsbezirke eingeteilt. Ein rechnungsmäßig abgegrenzter Bezirk wird in der Regel als Kostenstelle bezeichnet. Durch die Gliederung der gesamten Unternehmung in Kostenstellen können mehrere Rechnungsziele verfolgt werden. Wesentliche Zwecke sind dabei die Kostenplanung, die Steuerung von Entscheidungen, Prozessen sowie Handlungen, die Verteilung der Kosten auf Kostenträger sowie die Bewertung von Halb- und Fertigerzeugnissen. In den verschiedenen Systemen der Kostenrechnung ist die Kostenstellenrechnung unterschiedlich stark auf die Erreichung der einzelnen Zwecke ausgerichtet. Die Bildung von Kostenstellen und die Verteilung von Kosten im Rahmen der Kostenstellenrechnung hängen davon ab, welche Rechnungsziele und Verteilungsprinzipien im jeweiligen Kostenrechnungssystem besonders betont werden. Eine Reihe von Einflussgrößen der Kosten wie z.B. der Ausschuss oder die Intensität von Arbeits- und ggf. Maschinenleistungen wird nicht von der obersten Unternehmensleitung festgelegt, sondern hängt von den Entscheidungen bzw. dem Verhalten auf unteren Ebenen ab. Die Untergliederung in Kostenstellen und die genaue Analyse der Prozesse, die sich in den Kostenstellen vollziehen, ermöglichen die Kennzeichnung wesentlicher Kostenbestimmungsgrößen und deren Einfluss. Sie stellen die Grundlage für eine genaue Planung der einzelnen Kosten dar. Aufgrund einer Analyse der Bestimmungsgrößen und der kostenmäßigen Auswirkungen von Partialprozessen können u.a. Möglichkeiten der Kostensenkung sichtbar werden. Die Kostenplanung bildet zugleich die Basis für eine Steuerung und Kontrolle des Produktionsprozesses. Aus der Gegenüberstellung von geplanten Sollkosten und tatsächlich entstandenen Istkosten werden Kostenabweichungen ersichtlich, die analysiert werden und Grundlage für die Prozesssteuerung sind. Durch die Kostenstellenbildung und den Kostenvergleich je Kostenstelle lässt sich feststellen, wo beispielsweise Kostenüberschreitungen aufgetreten sind. Diese Informationen weisen auf Ursachen für einen nicht kostengünstigen Vollzug von Partialprozessen, die zu beseitigen sind, hin. Eine Vorgabe von Kosten je Kostenstelle dient der zielorientierten Steuerung einer Reihe von Entscheidungen, welche in diesen Stellen zu treffen sind. Die Kostenstellenrechnung ist ein Bindeglied zwischen Kostenarten- und Kostenträgerrechnung. In mehreren Systemen der Kosten- und Erlösrechnung wird eine Verteilung aller Kosten auf die Kostenträger angestrebt. Die Bildung von Kostenstellen ist in diesen Systemen ein Instrument für die Zu- B. Kosten- und Erlösstellenrechnung 123 rechnung der Kostenträgergemeinkosten auf Kostenträger. Da verschiedene Kostenträger die Bereiche, Abteilungen und Stellen der Unternehmung in der Regel unterschiedlich beanspruchen, würde eine gleichmäßige Verteilung der Kosten einer Stelle auf die verschiedenen Kostenträger nicht die tatsächlichen Beanspruchungen wiedergeben. Deshalb wird versucht, die in jeder Kostenstelle entstehenden Kosten über geeignete Maßgrößen nach den Belastungen der Stellen durch die Kostenträger auf diese zu verteilen. Hierdurch soll eine der Realität entsprechende und genaue Ermittlung der Stückkosten erreicht werden. Ein weiterer Zweck der Kostenstellenbildung kann darin bestehen, eine Bewertung von Beständen an Halb- und Fertigerzeugnissen zu ermöglichen. Dies ist für eine Reihe von Ermittlungsrechnungen wie beispielsweise die Aufstellung der Jahresbilanz161 erforderlich. In der Regel erfolgt die Bewertung von Zwischen- und Endprodukten nicht nur zu Einzelkosten. Über die Bildung von Kostenstellen lässt sich eine Zurechnung der Gemeinkosten jeweils bis zu der Kostenstelle im Produktionsprozess durchführen, welche ein Zwischenprodukt noch durchlaufen hat. Eine andere Frage ist, ob und inwieweit die in den Verwaltungs- und Vertriebsprozessen entstandenen Kosten in den Wertansatz einbezogen werden dürfen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass für handels- und steuerrechtliche Zwecke eine Aktivierung von Vertriebskosten verboten ist. Mit einer Erlösstellenrechnung können im Prinzip entsprechende Zwecke verfolgt werden. Diese haben jedoch nicht durchweg dieselbe Bedeutung. Im Vordergrund stehen wie bei der Kostenstellenbildung die Erlösplanung, die Wirtschaftlichkeitskontrolle sowie die Steuerung von Prozessen und Entscheidungen. Demgegenüber besitzt die für Ermittlungsrechnungen maßgebliche Zwecksetzung einer Zurechnung der Erlöse auf die Erlösträger eine geringere Bedeutung als in der Kostenrechnung. Insbesondere die Markterlöse fallen zu einem großen Teil unmittelbar für Erlösträger an, so dass die Zurechnung durch eine Stellenrechnung nicht präzisiert werden kann. Eine vertikale Aufspaltung von Markterlösen insbesondere auf innerbetriebliche Erlösstellen sowie deren Tätigkeiten wirft so große Verteilungsprobleme auf, dass sie kaum vorzunehmen ist162. II. Begriff und Arten der Kosten- und Erlösstellen 1. Gliederung der Kostenstellen Zur Erreichung der Zwecke, die in der Kostenstellenrechnung verfolgt werden, ist eine geeignete Gliederung des gesamten Unternehmensprozesses in ein System von Abrechnungsbezirken vorzunehmen. Die Kostenstellenrechnung muss sich dabei an der gegebenen Unternehmensstruktur orientieren163. Wesentliche Bestimmungsgrößen für die Art und Tiefe der Kostenstellengliederung sind die Art des Produktionsprogramms, die Zahl der Produk- 161 Vgl. §§ 252 ff. HGB. 162 Vgl. MÄNNEL, W. (Bedeutung), S. 654. 163 Vgl. KOSIOL, E. (Kostenrechnung), S. 18 ff.

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Zusammenfassung

Dieses Standardwerk liefert Ihnen einen umfassenden Überblick über die Aufgaben, Techniken und Systeme der Kosten- und Erlösrechnung. Zunächst führt es in die Grundlagen ermittlungsorientierter Systeme ein. Dazu gehören die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung, ein Spektrum, das in jeder Vorlesung zur Kostenrechnung gelehrt wird. Daran schließt sich die Darstellung planungs- und verhaltenssteuerungsorientierter Systeme an. Dabei handelt es sich um Methoden wie Prozesskosten-, Grenzplankosten- oder Deckungsbeitragsrechnungen und Target Costing, die im Alltag von höchster praktischer Relevanz sind. Abgeschlossen wird das Buch durch die Behandlung aktueller Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Kostenrechnung. Hierbei spielen insbesondere die Herausforderungen der Preisregulierung bei den Strom-, Gas- und Telekommunikationsmärkten eine große Rolle.

Die Autoren

Prof. Dr. Marcell Schweitzer lehrte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Tübingen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Ulrich Küpper ist Inhaber des Lehrstuhls für Produktionswirtschaft und Controlling an der LMU in München.