Anhang: Definitionen der Kennzahlen des Finanzratings in:

Werner Gleißner

Grundlagen des Risikomanagements im Unternehmen, page 341 - 344

Controlling, Unternehmensstrategie und wertorientiertes Management

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3767-6, ISBN online: 978-3-8006-4408-7, https://doi.org/10.15358/9783800644087_341

Series: Management Competence

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9. Anhang: Definitionen der Kennzahlen des Finanzratings Eigenkapitalquote Die Insolvenzwahrscheinlichkeit eines Unternehmens hängt – vernachlässigt man zunächst die Möglichkeit der Zahlungsunfähigkeit – entscheidend von der Eigenkapitalausstattung ab, da das Eigenkapital (oft nach Abzug immaterieller Vermögenswerte berechnet) als Risikodeckungspotenzial das gesamte Unternehmensrisiko zu tragen hat. Alle Verluste eines Unternehmens belasten primär das Eigenkapital. Die Eigenkapitalquote als Verhältnis von Eigenkapital zu Gesamtkapital ist somit ein wichtiges Maß für die Sicherheit und Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Gefordert wird oft eine Eigenkapitalquote von mindestens 20 % oder 30 %, zu der die stillen Reserven kalkulatorisch ergänzend hinzukommen, da sie als zusätzliches Risikodeckungspotenzial interpretiert werden können, aber von Kreditinstituten meist nicht in der Kennzahlenanalyse berücksichtigt werden können. Ihre Angemessenheit ist jedoch nur durch einen Vergleich mit dem dazugehörigen Risikoumfang präzise zu beurteilen (Risikoaggregation). Die Eigenkapitalquote zeigt zudem an, in welchem Umfang sich der Unternehmer selbst an der Finanzierung und am Risiko seines Unternehmens beteiligt. = EigenkapitalEigenkapitalquote Bilanzsumme (9.1) Im Rahmen eines Ratings spielt die Eigenkapitalquote eines Unternehmens eine wichtige Rolle. Sie gilt als Maß für die Sicherheit und Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Return On Capital Employed (ROCE) Der Return on Capital Employed (ROCE) bezeichnet eine international verbreitete Variante des Return on Investment (ROI), also der Kapitalrendite, bei der das EBIT (Earnings before Interest and Taxes) als betriebliches Ergebnis eines Unternehmens auf das betriebsnotwendige Kapital, den buchmäßigen Kapitaleinsatz, bezogen wird (Capital Employed). = = betriebliches ErgebnisEBITROCE Capital Employed betriebnotwendiges Kapital (9.2) Zinsdeckungsquote Die Zinsdeckungsquote misst die Fähigkeit eines Unternehmens, den Zinsaufwand für Verbindlichkeiten zu erwirtschaften. Sie wird durch Division des Betriebsergebnisses (EBIT) durch den Zinsaufwand berechnet. Eine niedrige Vahlen – Allgemeine Reihe – Gleißner, Grundl. d. Risikomanagements im Unternehmen, 2. Aufl. – Herstellung: Frau Deuringer 328 9. Anhang: Definitionen der Kennzahlen des Finanzratings Zinsdeckung kann einen zu hohen Fremdkapitalanteil anzeigen. Je höher die Deckung, desto größer die Sicherheit. = EBITZinsdeckungsquote Zinsaufwand (9.3) In Abgrenzung zur Kapitaldienstdeckungsquote, die auch Tilgungszahlungen berücksichtigt, wird bei der Zinsdeckungsquote lediglich beurteilt, ob die zu leistenden Zinszahlungen erbracht werden können. Zinsaufwendungen sind die Vergütungen für die Überlassung von Fremdkapital (z.B. für Bankkredite, Schuldscheindarlehen, Hypotheken sowie Diskontaufwendungen für Wechsel). Zu den zinsähnlichen Aufwendungen rechnet man Kreditprovisionen, Bereitstellungsgebühren, Avalprovisionen sowie das Disagio bzw. die Abschreibungen auf ein aktiviertes Disagio. EBIT-Marge Si e wird auch Operative Marge, Betriebsmarge oder Operative Gewinnspanne genannt und gibt die prozentuale Umsatzrendite ohne Berücksichtigung des Finanzergebnisses an, indem der EBIT (Earnings before Interest and Taxes) ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt wird. Als relative Kennzahl ist die EBIT-Marge gut geeignet, die Ertragskraft verschiedener Unternehmen unabhängig von deren Finanzierungsstruktur miteinander zu vergleichen. − = EBITEBIT Marge Umsatz (9.4) Neben der Umsatzrendite ist der Sicherheitsgrad ein weiterer Indikator für die Nachhaltigkeit der Erträge. Kapitalrückflussquote Die Kapitalrückflussquote, ein Verwandter des CFROI, ergibt sich als Quotient von EBITDA (Cashflow vor Steuern + Zinsaufwand) zur Bilanzsumme: += =Cashflow Zinsaufwand EBITDAKapitalrückflussquote Bilanzsumme Bilanzsumme (9.5) Der reziproke Wert der Kapitalrückflussquote (eine Art Amortisationsdauer) gibt an, in wie vielen Jahren – bei Verzicht auf Investitionen – das im Unternehmen insgesamt gebundene Kapital bei gleich bleibenden Cashflows in Form von liquiden Mitteln zurückfließen würde. Damit stellt die Kapitalrückflussquote bzw. die Amortisationsdauer einen Risikoindikator dar, der über die Flexibilität des Unternehmens informiert. Je kürzer diese Amortisationszeit, desto unkritischer sind Unsicherheiten über die erwartete zukünftige Entwicklung des Unternehmens in seinem Umfeld. Bei einer hohen Kapitalrückflussquote kann ein Unternehmen besser auf Umfeldveränderungen reagieren, da sein Kapital nicht zu langfristig gebunden ist. Je länger das Kapital gebunden ist, desto stärker ist es tendenziell den mit zunehmendem Prognosezeitraum steigenden Risiken ausgesetzt. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gleißner, Grundl. d. Risikomanagements im Unternehmen, 2. Aufl. – Herstellung: Frau Deuringer 3299. Anhang: Definitionen der Kennzahlen des Finanzratings Will man lediglich die primäre betriebliche Aktivität des Unternehmens betrachten, bietet sich als Variante der Kapitalrückflussquote der Quotient von EBITDA zu Capital Employed an. Diese Kennzahl wird oft als CFROCE (Cashflow-Return-on-Capital Employed) bezeichnet. Die Kapitalrückflussquote bzw. die Amortisationsdauer läss t sich – wie oben – statisch (ohne Abzinsung) oder – präziser – dynamisch (mit der Kapitalwertmethode) berechnen. Quick-Ratio Kenn zahl für einen schnellen Überblick über die Liquidität eines Unternehmens. Sie stellt die kurzfristig verfügbaren Aktiva eines Unternehmens den kurzfristigen Verbindlichkeiten (mit einer Restlaufzeit (RLZ) unter 1 Jahr) gegenüber und zeigt so auf, inwieweit das Unternehmen die kurzfristigen Verbindlichkeiten ausgleichen kann. Langfristige Aktiva sollten zudem langfristig finanziert sein, um Refinanzierungs- und Zinsänderungsrisiken auszuschließen. + +− = + (liquideMittel Wertpapiere ForderungenausLieferungundLeistungen) Quick Ratio (kurzfristigeBankverindlichkeiten VerbindlichkeitenausLieferungundLeistungen) (9.6) Der Quick-Ratio sollte zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit größer als 100 % sein. Ein Quick-Ratio über 100 % besagt nämlich, dass mehr kurzfristig verfügbare Aktiva zur Verfügung stehen als kurzfristig fällige Verbindlichkeiten bestehen. Verbindlichkeitenrückflussquote Die K ennzahl drückt aus, wie viel freie Mittel (free Cashflow = Cas hflow vor Steuern + Zinsaufwand – Steuern – Investitionsausgaben) unter Berücksichtigung von Investitionen zur Tilgung von Verbindlichkeiten zur Verfügung stehen. = Free CashflowVerbindlichkeitenrückflussquote Verbindlichkeiten (9.7) Der Kehrwert gibt die entsprechende Anzahl Jahre an, wobei Werte über 10 % bzw. unter 10 Jahre anzustreben sind. Dies erlaubt Rückschlüsse auf die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gleißner, Grundl. d. Risikomanagements im Unternehmen, 2. Aufl. – Herstellung: Frau Deuringer 330 9. Anhang: Definitionen der Kennzahlen des Finanzratings Exkurs: Performancekennzahlen Sharpe Ratio Wie au ch der Return on Risk Adjusted Capital (RORAC) ist das Sharpe Ratio eine Performance-Kennzahl, die die Risiko- und Rentabilitätsinformationen in Verbindung bringt. Die Sharpe Ratio stellt einen Maßstab des Rendite-Risiko- Profils eines Unternehmens dar. Das Sharpe Ratio ist der Quotient aus dem Ertrag (abzüglich der Verzinsung des eingesetzten Kapitals (Capital Employed) zum risikolosen Zins rf) zum zugehörigen Risiko. Das Risiko lässt sich hier als die zufallsbedingte Schwankung des Ertrags bzw. seiner Standardabweichung (σEBIT) definieren. σ − ×− = f EBIT EBIT r CE Sharpe Ratio (9.8) Sortino-Ratio Die Sort ino-Ratio ist an die Sharpe- und Treynor-Ratio angelehnt, nutzt jedoch die Semi-Varianz (SV) als LPM-Risikomaß (LPM2). Sie wird somit z.B. für die Rendite r wie folgt berechnet: ( ) −− = fE r rSortino Ratio SV(r) (9.9) Anstatt der Semi-Varianz können andere Referenzpunkte c und Ordnungshöhen m zu einer LPMm-Ratio kombiniert werden. Vahlen – Allgemeine Reihe – Gleißner, Grundl. d. Risikomanagements im Unternehmen, 2. Aufl. – Herstellung: Frau Deuringer

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Zusammenfassung

Mit besseren Risikoinformationen zu fundierteren Entscheidungen

Bei einer nicht sicher vorhersehbaren Zukunft lassen sich nicht alle Risiken vermeiden – aber die Planungssicherheit lässt sich verbessern und Risiken sollten bei unternehmerischen Entscheidungen berücksichtigt werden.

Der Umgang mit Risiken ist die zentrale Herausforderung für jede Unternehmensführung. In diesem praxisorientierten Fachbuch werden Ihnen alle wichtigen Methoden der Risikoidentifikation, der quantitativen Bewertung von Risiken, der Risikoaggregation und Risikobewältigung sowie die organisatorischen Strukturen von Risikomanagementsystemen für eine kontinuierliche Überwachung von Risiken vorgestellt. Dabei wird dargestellt, wie wesentliche Basisaufgaben für das Risikomanagement hocheffizient im Rahmen von Controlling, strategischem Management und Budgetierung abgedeckt werden können.

Der Leser erfährt zudem, wie Informationen zum Risikoumfang genutzt werden z.B. für Finanzierungsplanung, risikogerechte Investitionsbewertung oder die Berechnung von Kapitalkosten.

Aus dem Inhalt:

* Unternehmensstrategie, Risikopolitik und Risikokultur

* Risikoanalyse und Risikoaggregation

* Risikobewältigung und Risikosteuerung

* Risikoüberwachung und die Organisation des Risikomanagements

* Risikoinformationen für das Rating und wertorientierte Unternehmensführung

* Anhang: Definitionen der Kennzahlen des Finanzratings

Über den Autor:

Dr. Werner Gleißner ist Vorstand der FutureValue Group AG. Das Risikomanagement gehört zu seinen Forschungs- und Beratungsschwerpunkten.

Die CD zum Buch:

Mit der beiliegenden CD erhalten Sie zahlreiche Checklisten, Excel-Tools und Software (z.B. Strategie Navigator-Risikomanagement Edition).

„Durch den logischen Aufbau des Buches, durch die inhaltliche Verknüpfung mit Value Management, Unternehmenssteuerung und Controlling, durch die zahlreichen Abbildungen und den weitgehenden Verzicht auf üppiges Formelwerk wird dieses Buch zu einem informativen Ratgeber und nützlichen Helfer für jeden Praktiker.“ Prof. Dr. Rainer Kalwait zur Vorauflage in Risk, Compliance & Audit