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6.2.1 Betriebsstätten: Vorrang der direkten Methode in:

Wolfram Scheffler

Internationale betriebswirtschaftliche Steuerlehre, page 452 - 456

3. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3614-3, ISBN online: 978-3-8006-4406-3, https://doi.org/10.15358/9783800644063_452

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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424 6. Zwischenstaatliche Erfolgszuordnung dung eines Ausgleichspostens (§ 4g EStG) die sofortige Besteuerung der aufgelösten stillen Reserven vermieden werden12. Hinsichtlich des Zeitpunkts der Auflösung der stillen Reserven kommt es also gleichfalls zu einer Verringerung des Unterschieds zwischen einem internationalen Konzern und einem internationalen Einheitsunternehmen. Im Gegensatz zur Erhebung der Kapitalertragsteuer wird allerdings die Besteuerung von Betriebsstätten der Besteuerung von Tochterkapitalgesellschaften angenähert. Da eine Betriebsstätte rechtlich ein unselbständiger Teil des Einheitsunternehmens ist, bereitet die Abgrenzung der Frage, ob Außenbeziehungen der Betriebsstätte oder dem Stammhaus zuzurechnen sind, bei der praktischen Umsetzung mehr Schwierigkeiten als in einem internationalen Konzern. In einem Konzern lässt sich anhand der vertraglichen Beziehungen vergleichsweise leicht nachvollziehen, ob der Vertrag mit Außenstehenden von der Tochterkapitalgesellschaft oder von der Spitzeneinheit abgeschlossen wurde. Demgegenüber verbleibt innerhalb eines Einheitsunternehmens für die Zuordnung von Geschäften mit Fremden nur der Rückgriff auf das relativ unbestimmte Veranlassungsprinzip. Bei der Zuordnung der durch Außenbeziehungen erzielten Umsatzerlöse besteht allerdings konzeptionell zwischen Einheitsunternehmen und Konzernen Übereinstimmung. Möglicherweise auftretende Unterschiede resultieren ausschließlich aus den praktischen Schwierigkeiten, die bei der Umsetzung des der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung zugrunde liegenden Konzepts auftreten13. Zu vergleichbaren Problemen wie bei der Erfassung von Umsatzerlösen kann es bei der Verrechnung von an Außenstehende bezahlten Fremdkapitalzinsen kommen. Die dabei zu lösenden Abgrenzungsfragen haben ihre Ursache darin, dass zwischen einer Betriebsstätte und ihrem Stammhaus keine Darlehensverträge abgeschlossen werden können, während eine Tochterkapitalgesellschaft auch über ein Gesellschafterdarlehen finanziert werden kann14. 6.2 Rechtsgrundlagen Bei Betriebsstätten ist auf den Anwendungsbereich der direkten und indirekten Methode einzugehen. Die dabei anzuwendenden Grundsätze gelten sowohl im Nicht- DBA-Fall als auch im Abkommensrecht (Abschnitt 6.2.1). Die rechtlichen Grundlagen zur Korrektur der für Lieferungen und Leistungen innerhalb eines internationalen Konzerns vereinbarten Verrechnungspreise bilden im nationalen Recht die Vorschriften zur verdeckten Gewinnausschüttung, zur verdeckten Einlage sowie zur Gewinnberichtigung nach § 1 AStG. Im DBA-Fall sind bei Tochterkapitalgesellschaften zusätzlich die in Anlehnung an Art. 9 OECD-MA bzw. Art. 9 UN-MA getroffenen Regelungen zu beachten (Abschnitt 6.2.2). Kommt es bei der Erfassung der bei einem Wirtschaftsgut eingetretenen Wertsteigerungen zu einer Änderung in der Zurechnung zu einer Steuerhoheit, ist zwischen Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens (Entstrickung nach § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG bzw. § 12 Abs. 1 KStG, § 4g EStG) und Wirtschaftsgütern des Privatvermögens (Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG) zu unterscheiden (Abschnitt 6.2.3). Um den Finanzbehörden eine Prüfung der von den Unternehmen vorgenommenen zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung zu ermöglichen, haben die Unternehmen umfangreiche Mitwirkungs- und Dokumentationspflichten zu erfüllen (Abschnitt 6.2.4). Die Zielsetzung der zwischen den Mitgliedstaaten der EU vereinbarten Schiedsverfahrenskonvention besteht darin, bei internationalen Einheitsunternehmen und grenz- 12 Siehe hierzu die Erläuterungen in Abschnitt 6.2.3 sowie im Einzelnen Abschnitt 6.6.3. 13 Siehe hierzu Abschnitt 6.6.2. 14 Siehe hierzu Abschnitt 6.6.8. 6.2 Rechtsgrundlagen 425 überschreitend tätigen Konzernen Qualifikationskonflikte durch eine inkongruente Erfolgszuordnung zu vermeiden (Abschnitt 6.2.5). 6.2.1 Betriebsstätten: Vorrang der direkten Methode Eine Betriebsstätte ist ein rechtlich unselbständiger Teil des Gesamtunternehmens. Die für steuerliche Zwecke notwendige Aufteilung des Gesamtgewinns auf die ausländische Betriebsstätte und das inländische Stammhaus wird entweder durch die direkte oder die indirekte Methode vollzogen15. Für die Abgrenzung des Anwendungsbereichs dieser beiden Ansätze sowie bei deren Durchführung gelten nach nationalem Recht die gleichen Grundsätze wie bei Bestehen eines Abkommens zwischen der Bundesrepublik und dem Staat, in dem die Betriebsstätte belegen ist16. Da die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung nach dem Veranlassungsprinzip vorzunehmen ist, gilt die direkte Methode als die Regelmethode. Bei der direkten Methode ist der Betriebsstätte der Gewinn zuzuordnen, den sie hätte erzielen können, wenn sie eine gleiche oder ähnliche Tätigkeit unter gleichen oder ähnlichen Bedingungen als selbständiges Unternehmen ausgeübt hätte und im Verkehr mit dem inländischen Stammhaus völlig unabhängig gewesen wäre (Art. 7 Abs. 2 OECD-MA, Art. 7 Abs. 2 UN-MA). Die indirekte Methode kommt nur subsidiär zur Anwendung. Voraussetzung für den Rückgriff auf die indirekte Methode ist, dass diese Zuordnungsmethode üblich ist und dass das Aufteilungsergebnis mit dem Grundsatz des Fremdvergleichs vereinbar ist (Art. 7 Abs. 4 OECD-MA, Art. 7 Abs. 4 UN-MA). Die gewählte Methode ist grundsätzlich beizubehalten, ein willkürlicher Wechsel ist unzulässig (Art. 7 Abs. 6 OECD-MA, Art. 7 Abs. 5 UN-MA)17. Für die zwischenstaatliche Erfolgzurechnung wird eine Betriebsstätte wie ein eigenständiges und selbständiges Unternehmen behandelt, das sowohl Geschäftsbeziehungen mit Außenstehenden als auch mit seinem Stammhaus eingehen kann. Bei der direkten Methode wird deshalb der auf die Betriebsstätte entfallende Gewinn aufgrund einer gesonderten Buchführung der Betriebsstätte ermittelt. Bei der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung geht es nicht darum, den Gewinn des Einheitsunternehmens zu verteilen, vielmehr wird der Gewinn bestimmt, den die Betriebsstätte durch ihre eigenen Aktivitäten erwirtschaftet hat. Daraus folgt einerseits, dass der Gewinn der Betriebsstätte nicht durch den insgesamt vom Einheitsunternehmen erzielten Gewinn begrenzt ist. Der Betriebsstätte kann auch dann ein Gewinn zugewiesen werden, wenn das Einheitsunternehmen in einer Zusammenfassung aller Aktivitäten des Stammhauses und der Betriebsstätte Verluste ausweist. Andererseits ergibt sich daraus, dass die Erfolgssituation von in verschiedenen Staaten belegenen Betriebsstätten unterschiedlich sein kann18. Bei der Umsetzung der direkten Methode ist also auf die Aktivitäten abzustellen, die in der Betriebsstätte tatsächlich ausgeübt 15 Zu den Rechtsgrundlagen der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung innerhalb eines internationalen Einheitsunternehmens allgemein siehe z.B. Kluge, V., International, 2000, S. 508–511; Schaumburg, H., International, 1998, Rz. 18.9–18.23. Zur Interpretation durch die Finanzverwaltung siehe BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076. Zur Erfolgszuordnung im Abkommensrecht siehe OECD, Model Tax Convention, 2008, Art. 7; OECD, Permanent Establishments, 2008 sowie Bendlinger, S., SWI 2007, S. 498–503; Förster, H., IWB 2007, Fach 10, International, Gruppe 2, S. 1929–1938; Förster, H., IStR 2007, S. 398–401. Zu den Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätzen im Speziellen siehe z.B. Göttsche, M./Stangl, I., DStR 2000, S. 498–508; Kumpf, W./Roth, A., DB 2000, S. 741–747; Kumpf, W./Roth, A., DB 2000, S. 787–793; Strunk, G./Kaminski, B., IStR 2000, S. 33–42. 16 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 2.2. 17 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 2.3; OECD, Model Tax Convention, 2008, Art. 7, Rz. 58. 18 Vgl. OECD, Model Tax Convention, 2008, Art. 7, Rz. 11. 426 6. Zwischenstaatliche Erfolgszuordnung werden. Bei der Beurteilung der tatsächlichen Verhältnisse sind insbesondere zu berücksichtigen19: • die Struktur und die Organisation des Unternehmens, die Art und Weise der Aufgabenteilung zwischen den einzelnen Betriebsteilen sowie die Frage, welche Wirtschaftsgüter eingesetzt werden • die Funktionen der Betriebsstätte, wie Herstellung, Montage, Forschung und Entwicklung, verwaltungsbezogene Dienstleistungen oder Vertrieb • die Eigenschaft, in der die Betriebsstätte diese Funktionen übernimmt und damit der Umfang der Chancen und der Risiken, die auf die Betriebsstätte entfallen, z.B. Eigenhändler, Kommissionär oder Handelsvertreter. Bei der Organisations-, Funktions- sowie Risikoanalyse ist aufgrund der Selbständigkeitsfiktion grundsätzlich wie bei (rechtlich selbständigen) Tochterkapitalgesellschaften vorzugehen. Die Erträge und Aufwendungen des Gesamtunternehmens aus Leistungsbeziehungen mit Außenstehenden sind nach dem Veranlassungsprinzip auf Betriebsstätte und Stammhaus aufzuteilen. Die Zuordnung der mit diesen Leistungsbeziehungen verbundenen positiven und negativen Erfolgskomponenten ist unabhängig davon, in welchem Staat diese anfallen. Entscheidend ist, ob sie mit den Aktivitäten der Betriebsstätte oder mit den Aktivitäten des Stammhauses zusammenhängen (Art. 7 Abs. 3 OECD-MA, Art. 7 Abs. 3 UN-MA). Betriebseinnahmen und -ausgaben, die sich nicht eindeutig einem bestimmten Betriebsteil zuordnen lassen, sind im Wege der Schätzung nach sachgerechten Kriterien aufzuteilen. Die aktiven und passiven Wirtschaftsgüter sind nach dem Prinzip der wirtschaftlichen Zugehörigkeit dem Betriebsteil zuzuordnen, für dessen Geschäftstätigkeit sie benötigt werden. Die Erfassung erfolgt bei dem Betriebsteil, bei dem sie innerhalb des Leistungserstellungsprozesses genutzt oder verwertet werden20. Erbringt ein Unternehmensteil gegenüber einem anderen Betriebsteil eine Leistung, sind diese unternehmensinternen Vorgänge nach dem Grundsatz des Fremdvergleichs abzurechnen. Der Fremdvergleichsgrundsatz stellt dabei eine Umsetzung des als Leitlinie für die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung fungierenden Veranlassungsprinzips dar. Im Zusammenhang mit der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung geht der Gedanke der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Betriebsstätte der rechtlichen Einheit des internationalen Einheitsunternehmens vor. Die konkrete Umsetzung des Grundsatzes des Fremdvergleichs hängt davon ab, welchen Charakter die unternehmensinterne Leistungsbeziehung besitzt: (1) Leistungsaustausch, wie er in gleicher Weise zwischen Außenstehenden durchgeführt wird, (2) integrative Leistungserbringung gegenüber einem außenstehenden Vertragspartner oder (3) interne Zusammenarbeit bei einzelnen betrieblichen Funktionen, um auf diese Weise die dabei anfallenden Aufwendungen zu verringern. Für die Beurteilung dieser Geschäftsbeziehungen gilt wie bei der Erfolgsabgrenzung im internationalen Konzern der Fremdvergleichsgrundsatz, d.h. zur Bestimmung der Höhe der Vergütung sind dieselben Methoden anzuwenden wie bei der Erfolgszuordnung zwischen Tochterkapitalgesellschaft und Anteilseigner nach Art. 9 OECD-MA21. Auch wenn sowohl nach nationalem Recht als auch nach Abkommensrecht die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung nach der direkten Methode vorgenommen wird, 19 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 2.3.1; OECD, Model Tax Convention, 2008, Art. 7, Rz. 17–18. 20 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 2.3.1, Tz. 2.4. 21 Vgl. OECD, Permanent Establishments, 2008, Part I, D-3, Nr. 220–223. 6.2 Rechtsgrundlagen 427 können sich zwischen diesen beiden Rechtskreisen Unterschiede ergeben. Der von der OECD vorgestellte „functionally separate entity approach“ bedeutet, dass der Leistungsverkehr zwischen Stammhaus und Betriebsstätte zum Ausweis von Gewinnen führen kann, die im Außenverhältnis noch nicht realisiert sind (Zwischenerfolgsrealisierung), und dass bei der Beurteilung eher auf die Leistungsbeziehungen der Betriebsstätte abzustellen ist und nicht auf die Geschäftsbeziehungen des Einheitsunternehmens22. Auf die sich hieraus möglicherweise ergebenden Unterschiede wird bei der Übertragung der Abrechnungsgrundsätze auf konkrete Anwendungsfälle jeweils eingegangen. Das Stammhaus hat auch hinsichtlich der ausländischen Betriebsstätte die allgemeinen Buchführungs-, Aufzeichnungs-, Anzeige- und Aufbewahrungspflichten des HGB und der AO zu erfüllen. Die Errichtung einer ausländischen Betriebsstätte ist dem zuständigen inländischen Finanzamt mitzuteilen (§ 138 Abs. 2 AO). Die handels- und steuerrechtliche Buchführungspflicht des Stammhauses erstreckt sich auf das gesamte Unternehmen, d.h. einschließlich der ausländischen Betriebsstätte. Die inländische Buchführungspflicht umfasst auch dann die auf die ausländische Betriebsstätte entfallenden Geschäftsvorgänge, wenn für die Betriebsstätte im Ausland Buchführungsund Aufzeichnungspflichten zu erfüllen sind (analog § 13d HGB)23. Ist das Stammhaus verpflichtet, im Ausland für den auf die Betriebsstätte entfallenden Teil des Unternehmens Bücher zu führen, kann dieses Ergebnis grundsätzlich in die Buchführung des inländischen Unternehmens übernommen werden. Da die Gewinne der ausländischen Betriebsstätte nach in Deutschland geltenden Gewinnermittlungsvorschriften berechnet werden müssen, sind jedoch die erforderlichen Anpassungen vorzunehmen und kenntlich zu machen (§ 146 Abs. 2 AO). Werden für die ausländische Betriebsstätte keine gesonderten Bücher geführt, sind die der Betriebsstätte zuzurechnenden Geschäftsvorfälle im Inland einzeln zu erfassen und kenntlich zu machen. Zusätzlich sind die erhöhten Mitwirkungspflichten bei Auslandssachverhalten zu erfüllen (§ 90 Abs. 2, 3 AO)24. Die in Deutschland nach handels- und steuerrechtlichen Vorschriften bestehende Buchführungspflicht des inländischen Stammhauses umfasst auch dann das gesamte Unternehmen, wenn die Gewinne aus der ausländischen Betriebsstätte nach Abkommensrecht im Inland freigestellt sind25. Die indirekte Methode kann ausnahmsweise angewendet werden, wenn Stammhaus und Betriebsstätte die gleichen Funktionen ausüben und die gleiche innere Struktur besitzen. Stimmt das Leistungsprogramm der einzelnen Unternehmensteile weitgehend überein, lassen sich die Erfolgsdeterminanten über eine Schlüsselung relativ gut erfassen. Bei der Aufteilung des Gesamtgewinns des Einheitsunternehmens können beispielsweise für Handels- und Dienstleistungsunternehmen die Umsätze, bei Versicherungen die Prämieneinnahmen, bei Banken der Anteil am Betriebskapital und im Produktionsbereich die gezahlten Löhne oder die angefallenen Materialkosten herangezogen werden. Außerordentliche Erträge und Aufwendungen sowie Betriebseinnahmen und -ausgaben, die nicht alle Betriebsteile betreffen, sind vor der Schlüsselung des Gesamtgewinns dem betreffenden Betriebsteil vorab zuzurechnen26. 22 Vgl. Jacobs, O.H., International, 2007, S. 625. 23 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 1.1.4.2. 24 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 2.2. Zu den Mitwirkungs- und Dokumentationspflichten bei Errichtung einer ausländischen Betriebsstätte siehe Abschnitt 6.2.4. 25 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 1.1.4.2. 26 Vgl. BMF-Schreiben vom 24.12.1999 (Betriebsstätten-Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1999 I, S. 1076, Tz. 2.3.2. 428 6. Zwischenstaatliche Erfolgszuordnung Auf die indirekte Methode kann auch dann zurückgegriffen werden, wenn die ausländische Betriebsstätte nur eine geringe wirtschaftliche Aktivität entfaltet. Die durch Verwendung einer pauschalen Schlüsselgröße (z.B. Umsatzerlöse) unvermeidlichen Schätzungen und Ungenauigkeiten der indirekten Methode können in diesem Fall aus Vereinfachungsgründen akzeptiert werden27. 6.2.2 Korrektur von Verrechnungspreisen Für die Prüfung und ggf. Korrektur der Verrechnungspreise stehen im deutschen Steuerrecht mit der verdeckten Gewinnausschüttung und der verdeckten Einlage zwei Normen zur Verfügung, die sowohl bei Beteiligungen an inländischen Kapitalgesellschaften als auch bei Beteiligungen an ausländischen Kapitalgesellschaften anwendbar sind. Bei Auslandssachverhalten kann es zusätzlich zu einer Gewinnberichtigung nach § 1 AStG kommen. Bei Bestehen eines Abkommens ist zu prüfen, inwieweit diese nationalen Rechtsgrundlagen nach Art. 9 OECD-MA anwendbar sind. Neben den gesetzlichen Grundlagen konkretisiert die deutsche Finanzverwaltung die Einzelheiten, wie bei der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung vorzugehen ist, in den Grundsätzen für die Prüfung der Einkunftsabgrenzung bei international verbundenen Unternehmen (Verwaltungsgrundsätze)28, die auch noch heute von grundlegender Bedeutung sind. Generell zu beachtende Verfahrensregelungen sind in den Verwaltungsgrundsätze-Verfahren zusammengestellt29. Spezielle Regelungen wurden in den Grundsätzen für die Prüfung der Einkunftsabgrenzung durch Umlageverträge zwischen international verbundenen Unternehmen (Umlageverträge)30 sowie für die Einkunftsabgrenzung in Fällen der Arbeitnehmerentsendung formuliert31. 6.2.2.1 Verdeckte Gewinnausschüttung (1) Begriff. Der Begriff „verdeckte Gewinnausschüttung“ ist gesetzlich nicht definiert. Das Körperschaftsteuergesetz regelt lediglich die Rechtsfolge, indem es festlegt, dass verdeckte Gewinnausschüttungen das Einkommen nicht mindern (§ 8 Abs. 3 Satz 2 KStG). Von der Rechtsprechung werden Vermögensschmälerungen (Vermögensminderungen oder verhinderte Vermögensmehrungen) auf Ebene der Kapitalgesellschaft dann als verdeckte Gewinnausschüttung angesehen, wenn sie durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst sind, sich auf die Höhe des Gewinns auswirken und nicht im Zusammenhang mit einer offenen Gewinnausschüttung stehen32. 27 Vgl. OECD, Model Tax Convention, 2008, Art. 7, Rz. 51–55. 28 Vgl. BMF-Schreiben vom 23.2.1983 (Verwaltungsgrundsätze), BStBl. 1983 I, S. 218. 29 Die Verwaltungsgrundsätze-Verfahren (BMF-Schreiben vom 12.4.2005, BStBl. 2005 I, S. 570) werden insbesondere im Zusammenhang mit den Mitwirkungs- und Dokumentationspflichten der Steuerpflichtigen im Abschnitt 6.2.4 vorgestellt. 30 Vgl. BMF-Schreiben vom 30.12.1999 (Umlageverträge), BStBl. 1999 I, S. 1122. Siehe hierzu Abschnitt 6.4.4. 31 Vgl. BMF-Schreiben vom 9.11.2001 (Verwaltungsgrundsätze-Arbeitnehmerentsendung), BStBl. 2001 I, S. 796 sowie Görl, M., IStR 2002, S. 443–448; Jacobs, O.H., International, 2007, S. 1336–1358; Neyer, W., BB 2006, S. 917–920. 32 Vgl. BFH vom 22.2.1989, BStBl. 1989 II, S. 475; BFH vom 5.6.2002, BStBl. 2003 II, S. 329; BFH vom 14.7.2004, BStBl. 2004 II, S. 1010 sowie R 36 KStR. Siehe hierzu ausführlich z.B. Binz, H.-B., DStR 2008, S. 1820–1823; Blümich, W., Einkommensteuergesetz, § 8 KStG, Rz. 220–439; Herrmann, C./Heuer, G./Raupach, A., Einkommensteuergesetz, § 8 KStG, Anm. 100–248; Kießling, H. u.a., Körperschaftsteuer, 2000, S. 136–143; Rasch, S., Konzernverrechnungspreise, 2001, S. 15–103; Scheffler, W., Besteuerung, 2007, S. 222–226; Schwedhelm, R., BB 2000, S. 693–701; Weber-Grellet, H., StB 2000, S. 122–127.

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References

Zusammenfassung

Besteuerung international tätiger Unternehmen

Das Handbuch gibt einen fundierten Überblick über die Besteuerung deutscher Unternehmen mit internationaler Geschäftstätigkeit. Der erste Teil vermittelt die Grundlagen zu:

* den betriebswirtschaftlichen Grundfragen (Doppelbesteuerung)

* der zwischenstaatlichen Erfolgszuordnung

* der Minderbesteuerung (Umsatzsteuer)

* den Normen des internationalen Steuerrechts

Zusätzlich werden die Zusammenhänge zwischen den steuerrechtlichen Regelungen und den Formen einer grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit detailliert aufgezeigt. Im zweiten Teil werden ausgewählte Teilbereiche der internationalen Unternehmensbesteuerung vertieft dargestellt:

* Empfehlungen zu Rechtsform und Finanzierung einer Auslandsinvestition

* die zwischenstaatliche Erfolgszuordnung und Verteilung der betrieblichen Funktionen zwischen dem Inland und Ausland

* die Umsatzsteuer bei einem grenzüberschreitenden Leistungsaustausch

Das Handbuch richtet sich an Studierende der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Steuerfachleute in der Wirtschaft.

Der Autor

Professor Dr. Wolfram Scheffler ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Steuerlehre an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.